Die mittelgroßen Häuser: Philipponnat vs. de Venoge
Weitesgehend unbemerkt von der deutschen Weinöffentlichkeit hat sich in der Champagne ein Haus formiert, dessen Marktpotential noch längst nicht ausgeschöpft ist. Unter dem Dach der Gruppe Lanson-BCC finden sich geniale Köpfe wie Bruno Paillard, Gentlemen wie Charles Philipponnat, Markengiganten wie Lanson und Industrieerzeuger wie Burtin, daneben kleine und feine Marken wie Besserat de Bellefon und das einst etwas angestaubte Haus de Venoge, das sich momentan sehr sportlich gibt, außerdem eine ganze Reihe zumindest in Deutschland indifferenter Labels wie Chanoine, Boizel und Tsarine. Philipponnat konnte im letzten Vergleich mit Pol-Roger überzeugen, ein kleines Match mit de Venoge sollte deshalb unterhaltsam sein:
Five Dive und Champagne José Michel
Weiter geht es mit einer Auswahl hübscher Winzerchampagner, die fertig zum Sprung in die Oberliga sind.
C. Zuerst fünf nicht mehr ganz unbekannte Winzer, bei denen sich der Griff ans Gesäß (oder wo das Portemonnaie eben verstaut ist) lohnt. Paar five dives langen natürlich auch.
I. Ariston Père et Fils, Aspasie, Carte Blanche
40CH 30PN 30PM, Fassausbau, dreijähriges Hefelager.
Der Champagner ist zugänglich, weich und fruchtbetont, vom Typ her schlank, erdbeer-himbeer-zitrusfruchtig und trotz einer für mich etwas hohen Süße überhaupt nicht schwer. An den Stil großer Häuser angelehnt, wirkt er dennoch nicht verkitscht, billig oder parfumiert, sondern eigenständig und apart. Kaum zu glauben, dass es im äußersten, schon an Paris grenzenden Westen der Champagne solche Erzeuger gibt.
Terres et Vins de Champagne (III/III)
XIII. Laherte Frères
Aurelien Laherte, in dessen Fasskeller ich schon vor zwei Jahren den bravourösen Gehversuchen des noch ganz jungen Winzers folgen durfte, hat mal wieder ein spitzenmäßiges Programm mitgebracht.
Vins Clairs:
1. Les Noues
100CH aus Chavot
Ausdrucksvolle Nase mit Bergamotte, Formosa Oolong, auf einen Chabliskörper aufgepflanzt.
2. Vigne d'Autrefois
100PM
Luftig, womit nicht der gelegentlich anzutreffende Luffton gemeint ist, sondern eine leichte und beschwingte Art, ein müheloses und fröhliches Mit- und Durcheinander von gebackener Banane, Nashibirne, Litschi, Pitahaya, bouquet garni, umgeben von reichlich Zitrusfrüchten.
3. Rouges Maisons
Terres et Vins de Champagne (II/III)
VII. Vincent Couche
Junger Aube-Avantgardist aus Buxeuil, Montgueux-Vinifikateur mit insgesamt 12 ha. Spielt seinen Reben u.a. Musik vor und wirkt dabei auch noch völlig glaubwürdig. Nach Art der Champenois sind seine Etiketten jedoch zumindest eigenwillig. Scheinbar nämlich gilt es bei den Winzern als Ausdruck höchster Glaubwürdigkeit, selbst auf dem Eikett abgekonterfeit zu sein. Gewöhnliche Winzer beschränken sich dabei auf einen Scherenschnitt, ein mehr oder weniger künstlerisch bearbeitetes Portrait oder abstrahierend auf ihre Unterschrift. Nicht so Monsieur Couche, der auf dem Etikett seines Dosage Zéro höchstselbst und offenbar splitternackt dazu einzuladen scheint, der Bedeutung seines Namens auf den Grund zu gehen. Ich empfehle, seinen Champagnern auf den Grund zu gehen, denn was ich verkosten durfte, war ernsthaft! sehr gut!! Ausnahmsweise deshalb hier der link zur website: www.champagne-couche.fr

