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Die unabhängigen Winzer

Notizen und Hinweise von Proben und Besuchen bei den unabhängigen Winzern

Club Trésors de Champagne: Remy Massin, Paul Bara, Cedric Moussé

Den Club Trésors de Champagne kennt man von seiner einheitlich für die jeweilige Spitzencuvée der Mitgliedbetriebe verwendeten Special Club Flasche. Im Grunde ist der Club eine der ersten Winzervereinigungen der Art, wie die verschiedenen Neugründungen Terres et Vins de Champagne, Terroir et Talents de Champagne oder die Artisans du Champagne. Wer eine Spitzencuvée seines Betriebs in der Special Club Flasche an den Mann bringen will, muss erst beim Grundweintasting die Club-Kollegen überzeugen und drei Jahre nach der Mise en bouteille das Produkt nochmals zur Verkostung anstellen; ein gutes Prinzip, wie ich finde. Nach wie vor findet sich deshalb unter den Mitgleidsbetrieben eine stattliche Anzahl sehr guter bis außergewöhnlicher Winzer, einige davon stelle ich in loser Folge hier vor.

Champagner unter Palmen

Nein, es zog mich nicht in südliche Gefilde, die Aube ist für mich nach wie vor südlich genug gelegen, wärmer brauche ich es nicht. Dennoch habe ich meine bequeme Schlafstätte verlassen und mich auf den Weg nach München gemacht. Denn mit Nicola Neumann vom Nobelweinladen "Noblewine" im Palmengarten des Café Luitpold Champagner zu trinken, lasse ich mir keinesfalls entgehen. Wenn ich dann auch noch meinem von der Umwelt oft als lästig empfundenen Redebedürfnis Genüge tun kann und salbungsvolle Worte an ein staunendes Publikum richten darf, alles im Dienste der guten Sache und der Frohen Champagnerbotschaft, ist quasi schon im Vorfeld alles geritzt. Dasselbe ergab die Nachbetrachtung:   

Bubbles over Berlin (I/II)

Bubbles over Berlin, bzw. genauer genommen im Weinsalon von Martin Zwick, dessen Liebenswürdigkeit, Gastfreundschaft und Kochkunst den spannungsvoll erwarteten Champagnerabend zusammen mit einem zu der Zeit laufenden EM-Fußballspiel, das Deutschland meiner Erinnerung nach gewann, ganz und gar vollendeten. Die Veranstaltung selbst war deshalb so spannungsvoll zumindest von mir erwartet, weil gleich mehrere Sachen auf einmal ihrer Verwirklichung harrten. Nicht nur, dass es immer eine Herausforderung ist,Expertengruppen noch etwas beibringen oder veranschaulichen zu wollen. Es ist auch ein Herausforderung, die von mir dafür vorgesehenen Champagner in Deutschland, Frankreich und den sonstigen greifbaren Märkten zu bekommen. Nicht, weil es sich um Jahrgangsraritäten aus unvordenklicher Zeit handelt, sondern weil die Champagner nach Möglichkeit im genau richtigen Reifezustand sein sollten. Da es mir nicht darum ging, die als bekannt vorausgesetzten Spitzenerzeugnisse großer Häuser zu servieren, sondern exakt das Gegenteil davon, bin ich umso dankbarer, dass das Unterfangen geglückt ist. Nachgeholfen haben dabei zwei von mir sehr geschätzte und meiner innigsten Dankadressen würdige Händler. Nämlich Noblewine aus München und Vinaturel aus Berg am Starnberger See. Insbesondere Noblewine konnte mir einige Flaschen mit der von mir so dringend gewünschten längeren Flaschenreife zur Verfügung stellen; für mich ganz essentiell, denn viel zu viele Champagner werden viel zu früh getrunken: kurz nach der Marktfreigabe. Praktisch alle Champagner profitieren aber von einer Flaschenreife zwischen 9 – 18 oder 36 Monaten. Gerade die Champagner der Winzeravantgarde, die ich in Berlin vorstellen wollte, sind darauf nachgerade angewiesen. Umso schöner deshalb, dass die beiden engagierten Händler mir so hilfreich zur Seite standen. Getrunken wurde aus dem von mir für diese Zwecke favorisierten Zalto-Süßweinglas, für das Martin Zwick gesorgt hatte.

Artisan de Champagne: Vilmart & Cie.

Laurent Champs auf einer Verkostung zu treffen und ihm einfach nur zuzuhören, ist lehrreich wie eine Stunde Bildungsfernsehen. Genau deshalb habe ich mit jeden Schluck Champagner das Gefühl, schlauer zu werden.

1. Grand Cellier

70PN 30CH, vier Jahre Hefelager.

Feiner Holzeinsatz, pikante Säure, eleganter Auftritt, einer der besten Premier Crus seiner Klasse.

2. Grand Cellier d'Or 2006, dég. Februar 2011

80CH 20PN.

Artisan de Champagne: Jean-Louis Vergnon

Christophe Constant hat mit JL Vergnon einen ziemlich sicheren Hafen für Mesnilfans geschaffen.

1. Brut Blanc de Blancs "Conversation"

Avize, Oger, Le Mesnil. 2008er Basis mit 6,5 g/l Dosage.

Guter, typischer Côte des Blancs Champagner und eine Verlockung für Freunde merklicher Mineralität.

2. Extra Brut Blanc de Blancs "Eloquence"

Avize, Oger, Le Mesnil. 2007er Basis mit 3 g/l Dosage.

Sehr klug und gut gespielt. Ein Jahr mehr auf der Hefe, dafür weniger Zucker in die Dosage gepackt und bei gleichem Mix einen ganz anderen Champagner hervorgebracht. Im Gegensatz zu seiner Bezeichnung ist der eher wortkarg, da noch enger und mineralischer als die Conversation; gegen Ende medizinal angehaucht. Oder anders: während die Conversation sprudelt und plätschert, macht sich die Eloquence durch lakonische, aber überwiegend umso treffsicherere Wortbeiträge bemerkbar.

Wein-Glossar




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