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Miszellen

Verkostungsnotizen von Weinproben, auf denen Stillweine überwiegen, Symposien und der einen oder anderen nicht uninteressanten Einzelflasche

Weinzeitreise 1899 – 2009


I. 1. St. Antony Pettenthal 2006

Angenehm reif, würzig und gewichtig, mit unbeschwerter Säure.

I. 2. J.B. Becker Wallufer Walkenberg Spätlese trocken 1990

Reif, aber fast ganz ohne Petrol und Firne. Kernige, präsente Säure, saftiges Mundgefühl, wirkte unfassbar jung und sehr dynamisch, entwickelte sich über Stunden hinweg positiv.

II. Dom Pérignon 2003

Einige Schaumweine dieser Welt

 

Wer zu den Festtagen partout keinen Champagner servieren kann, will oder sich, horribile dictu, daran sattgetrunken hat, öffnet einfach einen anderen Schäumer. Möglichkeiten gibt es viele, hier sind fünf teilweise etwas ausgefallene Vorschläge:

1. Weingut Im Zwölberich Pinot Noir Brut 2003

Spätburgunder-Rotsekt, Barriqueausbau. Sehr dunkel, optisch in der Nähe von sparkling Shiraz. In der Nase deutlich burgundische Noten und im Mund hat er was von gut gelungenem Frühburgunder, bei dem das Prickeln zunächst irritiert. Noch bevor ich mich dran gewöhnt hatte, war ich von dem Sekt schon satt. Vielesser können sich sowas gern im Sommer zur BBQ-/Cajun-Küche öffnen.

Schlosshotel Hugenpoet: tour de plaisir mit Künstler, Salwey, Knipser et al.

Im Essener Schlosshotel Hugenpoet, wo die besternte Frau Bergheim in gediegenstem Ambiente kocht und eine Übernachtung zwar nicht billig, aber schön ist, habe ich mir einige aktuelle Kreszenzen zu Gemüte geführt. Die beiden jeweils favorisierten Weine der einzelnen Winzer stelle ich im Folgenden kurz vor.

I. Künstler

Künstler einmal in trocken und einmal in süß, jeweils aus der jetzt schon ihre Langlebigkeit ankündigenden Hölle:

1. Hochheimer Hölle Riesling trocken Erstes Gewächs 2010

Kellerparty mit trockenen Rieslingikonen und Schwanengesang

Passender als mit Kellers Hubacker kann man eine Kellerparty gar nicht eröffnen.

I.1 Keller Hubacker trocken 2001

Am Anfang der Kellerparty stand die Frage, ob, warum und welcher deutsche Riesling stärker ist, als österreichischer vom Zuschnitt beispielsweise eines Wachauer Smaragds, vom Zuschnitt eines sagen wir mal: Knoll, Ried Loibenberg. Eine erste Antwort sollte Kellers monolithischer Hubacker liefern, dem aber sogleich aufgrund gerade seiner massiven, nach dem Abklingen eines leichten Eröffnungsprickelns kompromiss- und fugenlosen Art die speziell dem deutschen Riesling so typische Facettenhaftigkeit abgesprochen wurde – nachdrücklich bis krakeelig, unterbrochen nur von ebenso unmittelbar wie stimmungsvoll bis wehmütig angestimmten Versfetzen des Udo Jürgens Klassikers "Griechischer Wein", von einem sonst sehr angenehmen Österreicher übrigens (dessen Sangeskunst keineswegs geschmälert werden soll, wenn ich sie nur knapp unterhalb der Melodie des sterbenden Schwans ansetze). Der jugendliche Eindruck traf auf andeutungsweise firnige Reife, der 2001er Hubacker dürfte jetzt das Hochplateau seiner Entwicklungsfähigkeit erreicht haben.

Vieux Château Certan 1920 – 2008

Im hallenartigen, einst passend besternten und nun wieder unter ambitionierter Führung operierenden Bochumer Stadtparkrestaurant zeigte das Vieux Château Certan, was es kann.

I.1 Knoll Loibner Grüner Veltliner Ried Loibenberg Smaragd 2006

Butter, hitziger Alkohol und weiches Pfefferl geben einen etwas breiten Wein, der durch mineralische Noten, Kräuter wie Thymian und Salbei, milde Säure und eine aparte Frucht dennoch mühelos zusammengehalten wird.

I.2 Feteasca, Abfüller Ludwig Gräf, Plauen, 1961

Wein aus der Sowjetunion. Kostete damals stolze 7,50 DM – also ca. ein Drittel dessen, was man für die Erstklassifizierten aus Bordeaux hinblättern musste. Schmeckt heute wie mal gut gewesener, leider jetzt ummer Burgunder.

Wein-Glossar




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