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Monthly Archives: März 2012

Fine Signatures: Champagne Déhu Père & Fils

Unter dem Namen Fine Signatures haben sich einige Familienbetriebe aus dem Marnetal zusammengetan, um ihre Exportaktivitäten zu bündeln. Bislang haben die einzelnen Betriebe schlecht und recht vor Ort vermarktet. Deshalb sind die wenigsten von ihnen dem deutschen Publikum bekannt. Champagne Déhu aus dem innerhalb der Champagne zugegeben etwas entlegenen Fossoy zum Beispiel. Bei Champagne Dehu tut sich einiges. Regelmäßige Champagnefahrer kennen den Erzeuger vielleicht aus dem Lädchen C-Comme, wo er oft auf der Karte steht und wo ich die ordentlichen Champagner von Benoit Dehu schon paarmal getrunken habe, ohne mir große Gedanken darüber zu machen. Das hat sich geändert. Ganz bewusst habe ich die gamme von Déhu geschlossen auf der ProWein probiert. Dort erfuhr ich unter anderen, dass der Betrieb sich gerade von Ecocert zertifizieren lässt und sich im ersten Jahr der Konversion befindet. Künftig will Benoit außerdem verstärkt mit Eichenfässern arbeiten. Was die betrifft, ist er in einer glücklichen Lage: zum Weingut gehört ein Wäldchen, aus dem er zehn 100 bis 150 Jahre alte Eichen schlagen lassen konnte, deren Holz die nächsten Jahre trocknet und von Denis Saint Arroman von der Tonnelerie de Champagne zu Fässern mit einem Fassungsvermögen zwischen 228 und 300 l verarbeitet wird. Ein anderer Schwerpunkt wird sich bei der Konzentration auf die Meuniertraube ergeben, ein folgerichtiger Schritt, dessen Resultat ich gern erwarte. Sehr gut: Das Dégorgierdatum wird stets angegeben, ein QR-Code auf dem Rückenetikett führt zur Website des Erzeugers.

1. Brut Tradition NV

75PM 15CH 10PN, kalte Mostvorklärung, im Stahltank temperaturkontrolliert vergoren, BSA, drei Jahre Hefelager, mit 9,5 g/l dosiert.

Leichter, einfacher Champagner mit überwiegend exotischer Frucht und einem leichten Nussanklang, ohne störenden Brotton, der manche meunierdominierten Champagner mangels Gegengewicht runterzieht.

2. Extra Brut Tradition

75PM 15CH 10PN, kalte Mostvorklärung, im Stahltank temperaturkontrolliert vergoren, BSA, drei Jahre Hefelager, mit 4,5 g/l dosiert.

Erwartungsgemäß dichter, in der Nase nicht so offen und mit einem kargeren Naturell, dafür druckvoller und präsenter am Gaumen.

3. Grande Réserve

71PM 24CH 5PN, kalte Mostvorklärung, im Stahltank temperaturkontrolliert vergoren, BSA, fünf Jahre Hefelager, mit 9,5 g/l dosiert.

Komplexer als der Brut Tradition, mit dem Gewicht und dem Druck des Extra Brut, ein gut vorbereiteter und klarer Schritt nach oben, der das Portfolio stimmig wirken lässt.

4. Rosé Prestige

82PM 18CH 17% Rotweinzugabe (PM > PN), kalte Mostvorklärung, im Stahltank temperaturkontrolliert vergoren, BSA, drei Jahre Hefelager, mit 9,5 g/l dosiert.

Der Rosé ist etwas simpel und für mich zu ausdruckslos, ich halte ihm zugute, dass er keinen Sahnebonbongeschmack am Gaumen zurücklässt, sondern eine fruchtige Säure, die sich etwas ungeeint zeigt, wie rote Johannisbeeren auf einem deutlich süßeren Erdbeersorbet.

5. Millésime 2000

68PM 17CH 15PN, kalte Mostvorklärung, im Stahltank temperaturkontrolliert vergoren, BSA, zehn Jahre Hefelager, mit 9,5 g/l dosiert.

Das ist der Grund meiner Begeisterung. Plötzlich öffnet sich das Tor in eine andere Welt, vom beschaulichen Winzerchampagner in die Welt der großen Cuvées – und das aus einem solchen Mickerjahr. Röstig und toastig, Honig, sehr viel bequeme Weite, ein großzügiger, weltmännischer Champagner, wie ich ihn bei Deutz, Henriot, Philipponnat oder Charles Heidsieck erwartet hätte. Auf die anderen Jahrgänge von Déhu werde ich fortan ein Auge haben, das ist gewiss.

6. Cuvée Léon Lhermitte

66PM 24CH 10PN, 2004er Basis; kalte Mostvorklärung, im Stahltank temperaturkontrolliert vergoren, BSA, sechs Jahre Hefelager, mit 9,5 g/l dosiert.

Straffer, jünger, griffiger als der überraschende 2000er. Wenn er in drei bis fünf Jahren sein ganzes Reifepotential genutzt hat, wird er sicher noch beeindruckender, komplexer und vielstimmiger sein, als der 2000er.

7. Blanc de Blancs

2009er Basis, kalte Mostvorklärung, im Stahltank temperaturkontrolliert vergoren, BSA, drei Jahre Hefelager, mit 9,5 g/l dosiert.

Exotisch und vegetabil, ein Spektrum von Maracuja über Waldmeister bis zum grünen Spargel. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob man diesen Champagner unbedingt benötigt, oder ob die Chardonnays nicht doch besser in den bisherigen Cuvées aufgehoben gewesen wären. Immerhin schmeckt er nicht schlecht, für das Marnetal darf er sogar als gelungen gelten, im Vergleich mit den Klassikern der Côte des Blancs wird er es aber schwer haben. Andererseits: von dort gibt es genügend mittelmäßige Chardonnays, die wenig bis überhaupt keine Freude bereiten, warum dann nicht einen Exoten wie diesen hier aufziehen?

Brut, Extra Brut, Brut Nature – Ein Querschnitt

Jedes Jahr aufs Neue stellt sich Sascha Speicher vom Meininger-Verlag der champagnerdurstigen Meute. Jedes Jahr mit einem neuen Thema und den dazu passenden Champagnern. Dieses Jahr ging es um das Trendthema Dosage. Trendy ist momentan eine besonders niedrige Dosage. Die Champenois wären aber nicht sie selbst, wenn sie diese Entwicklung nicht zumindest teilweise hinter einem Schleier der Ungewissheit verhüllten. Nicht wenige Erzeuger nämlich geben Brut an, wo ein Extra Brut oder sogar Brut Zéro die Verhältnisse besser beschriebe; und lassen so den Kunden im Unklaren über die wahren Dosageverhältnisse. Während das Pendel gerade in Richtung besonders karger, mineralischer und naturbelassener Champagner ausschlägt, ist die Gegenbewegung natürlich absehbar. Im Stillen entsinnen sich bereits jetzt immer mehr vor allem große Häuser ihrer einstmaligen süßen Cuvées und relaunchen ohne großes Tamtam fluffig ausgepolsterte Champagner, die eine alte Schwäche des Champagners ausmerzen helfen könnten, nämlich die Begleitung von Süßspeisen. Mit Veuve Clicquots Rich, Louis Roederers Demi-Sec, Abel-Jobards Doux oder dem ausgefallenen Doyard La Libertine muss man selbstverständlich nicht unbedingt Speisen begleiten, man kann damit auch einfach nur im Überfluss schwelgen. Für die Champagne erschließt sich mit diesem Typus vielleicht sogar noch eine weitere, völlig neue Käuferschicht, wer weiß. Zurück zur ProWein und zu Sascha Speichers Probe, in deren Verlauf noch ein anderer Aspekt erkennbar wurde: das abnehmende Dosagebedürfnis lange auf der Hefe gereifter Champagner. An dieser Stelle will ich gerne Volker Raumland ins Spiel bringen, der das als einer der wenigen deutschen Sekterzeuger erkannt hat und ganz offensiv danach handelt. Seine Sekte sind kurz nach der ersten Marktfreigabe etwas höher dosiert, als spätere Dégorgements, wie er mir vor Jahren schon verriet.
 

1. A.R. Lenoble Brut Nature

2007er Basiswein

Die Champagner von Lenoble trifft man seit Jahren immer wieder in deutschen Sommelierkreisen an. Das liegt an der kreglen Marketingarbeit des mittelgroßen Erzeugers, an den schmerzlos bezahlbaren Preisen, dem breitgefächerten Portfolio von Grand Cru bis Millésime, Blanc de Blancs bis Blanc de Noirs etc. pp. und der durchgehend stabilen Qualität. Denn was der Sommelier so gar nicht gebrauchen kann, ist ein unzuverlässig arbeitender Winzer, sei es, weil er zu klein ist und eine Folge von schlechten Jahren nicht mit Reservewein ausgleichen kann, sei es weil der Sommelier den Winzer kennengelernt hat, als der die Ernte seines Lebens eingefahren hat und mit seinem stolz präsentierten Ausnahmejahrgang alle Bedenken wegen der etwas dürftigen Eingangsqualität weggespült hat oder sei es von mir aus weil er schlampt.

Der Brut Nature von Lenoble eröffnete mit einer Mischung aus Leberwurstnase und Apfelzwiebelconfit. Rauchnoten mussten sich da mühsam durchkämpfen und vereinigten sich mit zahmer Säure zu einem kräftigen, runden, etwas kurzen Champagner, der kaum Frucht durch- und meiner Meinung nach den für Brut Natures gut geeigneten Chardonnay aus Chouilly nicht mit seiner reifen Grapefruitnote glänzen ließ

 

2. A.R. Lenoble Brut Intense

40CH 30PN 30PM, 2008er Basiswein, sonst wie der Brut Nature.

Sehr viel ausdrucksvoller als der verstockte Brut Nature war der gemeine Brut. Kalkig, aber überwiegend gelbfruchtig, reif, mit einem kontrastierenden Säurespritzer und dadurch hervorgerufener Süffigkeit. Der Königsweg liegt für Lenoble meiner Meinung nach in der Mitte. So wird das dort offenbar selbst gesehen, weshalb alle anderen Champagner von Lenoble zwischen 3,5 und 5,5 g/l Extra Brut dosiert sind.

 

3. Pascal Doquet Le Mesnil sur Oger Blanc de Blancs Extra Brut, dég. 6. April 2011

Basiswein ist mit 2/3 der Jahrgang 2004, 1/3 Reserve stammt aus 2003, Spontangärer im kleinen Holzfass, Tirage im April 2005, dosiert mit 3,5 g/l, mit Diam Mytik verschlossen.

Umgekehrt waren die Verhältnisse bei Doquet. Hier brillierte die sparsamer dosierte Version, wogegen der normale Brut etwas arglos wirkte. Ich will damit nicht Lenoble gegen Doquet ausspielen und Lenoble als einen Erzeuger hinstellen, der bei den massentauglichen Champagnern stark ist und im individuelleren, avantgardistischen Niedrigdosagebereich versagt, denn so ist es ja gar nicht. Man merkt jedenfalls, dass Doquet das Extra-Brut Thema mit seinen Chardonnays bestens im Griff hat. Klug war sicher, dass er die Jahrgänge 2003 und 2004 genügend lange hat ruhen lassen. Klug war sicher auch, dass er 2003er Mesnilchardonnays als Reserve verwendet hat, die sich in dem Jahr wie in Slow Motion zeigt. Reife Aromen, Florentiner, gegen Ende war der Champagner etwas hitzig, sonst war er ausgewogen und gut trinkbar. 

 

4. Pascal Doquet Le Mesnil sur Oger Blanc de Blancs Brut, dég. 6. April 2011

Wie beim Extra Brut, spontanvergoren, dosiert mit 7 g/l.

Rund bis behäbig, kompotthafte Frucht, für mich wie gesagt zu wenig Angriffslust
 

5. Bruno Paillard Réserve Privée Blanc de Blancs Grand Cru, dég. Nov. 2010

CH aus Chouilly, Oger und Le Mesnil, Crémant mit 5 g/l dosiert.

Sehr klug war der Champagner von Bruno Paillard platziert, der mir abgesehen von seinem leichten Brotton wie die Synthese aus den mineralischen Doquets und den schwärmerischen Lenobles vorkam
 

6. Billecart-Salmon Extra Brut NV

80PN 20CH, 07er Basiswein mit 06er Reserve. Tatsächlich ein Brut Nature, reifte ein Jahr länger auf der Hefe als der jahrgangslose Brut.

Eng und säuerlich mit einer pflanzlichen Note. Mit einer gewissen Härte ausgestattet, die zum Konzept dazugehört, zum Glück aber nicht in das von mir gefürchtete Zehren abglitt, sondern sich ruhig und gefasst vom Gaumen verabschiedete. Da muss in ein bis zwei Jahren noch ein Mehr an Entwicklung her

 

7. Billecart-Salmon Vintage 2004 Brut

Tatsächlich ein Extra Brut mit 3 g/l.

Wie ein aufblasbarer Knebel geht der Champagner im Mund auf. Mein erster Eindruck war, dass ich nur bis zur Zungenmitte überhaupt etwas wahrnahm und mich schon enttäuscht abkehren wollte, bis der zweite Schluck das Aroma aufpustete und aus dem verdorrten Dornbusch einen schwertragenden Apfelbaum machte. Herbapfelig, mit Thymian und Rosmarin versetzt, feincrèmig, ohne jedes Gefühl der Schwere.

 

8. Jacquesson No. 735

47PN 33CH 20PM, 2007er Basis, 2006er Reserve geht mit 22% ein, 2005er Reserve macht 6% aus. In Wirklichkeit zutreffend mit Extra Brut beschrieben.

Saftig und entschieden zu jung, aber schon soo verführerisch. Zur quietschlebendigen Frucht kommen Noten von Speck, Torf, hellem Tabak und eine milde Cognacnote. Entwickelt sich für mich immer mehr zum Bollingeräquivalent.

9. Louis Roederer Millesime 2005 en Magnum

Mit 9 g/l Reservewein aus dem großen Fass dosiert

Holz und Popcorn, der Champagner kündigt sich in der Nase großhäusig und mit angstvoll erwarteter Süße an. Die bleibt am Gaumen völlig überraschend aus. Da ist der Roederer facettenreich geschnitten, mit einer wiederum groß angelegten Struktur, einem überlegen wirkenden Auftreten, das von knappen, bestimmenden Säuregesten wirkunsgvoll unterstützt wird.

 

10. Drappier Grande Sendrée 2004 Brut, dég. Jan. 2012

55PN 45CH. Mit 8 g/l dosiert. Der Dosageliqueur besteht aus Reservewein-Zuckerlösung, die im Glasballon gelagert wird. Ziemlich einmalig in der Champagne.

Pillenboxaroma trifft Karamellüberzug, verlängert und wandelt sich mit Luft, wird zu einem noch viel zu frisch wirkenden, aber die freundliche und verbindliche Art seines Namengebers schon jetzt ankündigenden Champagner. Was bei der Grande Sendrée nie im Vordergrund steht oder auch nur besondere Beachtung erhält, ist plakative Frucht. In die Aromen der Grande Sendrée muss man sich vertiefen, sie drängen sich nicht auf, verstecken sich aber auch nicht. Sie sind einfach an ihrem platz, aber man muss drauf kommen, wo. Das fällt mir gerade bei jungen Grande Sendrées nicht leicht. Ich meine hier, neben den Eingangsaromen vor allem Blüten, frische Kräuter und eine Andeutung von Foie Gras mit Calvados und Meersalzflocken wahrgenommen zu haben. Mehr wird die Zeit zeigen.
 

11. Bollinger Grande Année Blanc 2002, dég. Nov. 2011

Die Dosage erfolgt mit derselben Cuvée aus verunglückten, noch undosierten Flaschen. Deren Inhalt wird mit Rohrzucker versetzt.

Die Grande Année gehört zum Oligopol der führenden Cognac-, Tabak-, Dörrobstchampagner, zu dem Jacquesson sich langsam Zutritt verschafft. Die 2002er Grande Année ist bei aller Eleganz und meisterlichen Selbstbeherrschtheit ein auf Anhieb dominanter Champagner mit einem Energiefeld wie aus dem Science-Fiction Film.

 

12. Piper-Heidsieck Rare Vintage 2002

Dosiert mit 11 g/l, Dosageliqueur aus Reserveweinverschnitten der besten Lagen, die 15 Jahre und älter sind und mit Rübenzucker versetzt wurden

Der Prestigecuvéemarkt wird von den großen Häusern bestimmt. Überschlägt man grob die Produktionszahlen und Verfügbarkeit der Champagner, die für über 100,00 € in den Handel kommen, spricht Vieles dafür, dass innerhalb der Exklusivnische "Champagner" die Prestigecuvées gar nicht eine so wahnsinnige Exklusivitätssteigerung bedeuten. Mit anderen Worten: Prestigecuvées gehorchen wahrscheinlich denselben Regeln, wie Normalcuvées. Und das bedeutet am Ende nichts anderes, als dass sie einen auf Champagner nicht besonders intensiv geschulten Massengeschmack bedienen müssen. Der Rare Vintage 2002 ist Massengeschmack in Perfektion. Von allen Prestigecuvées hat der Rare Vintage von Régis Camus den süßesten Gesamteindruck mit auf den Weg bekommen. Das bedeutet, dass gefällige Süße eine wichtige Rolle spielt. Perfektion bedeutet dabei zugleich, dass der Champagner gerade nicht pampig, klebrig und verzuckert schmeckt, sondern mit höchster Präzision und einem wahrscheinlich unerlernbaren Gefühl für das richtige Maß austariert ist. Der Rare wirkt weniger dominant als die Grande Année, ist nicht vom selben Gewicht und hat auch nicht deren Wucht. Doch kommt es für den Effekt, den der Rare erzielen soll, auf diese Faktoren gar nicht an. Seine Stärke liegt in dem abpuffernden Röst- und Toastaroma, das die lockende Süße geschickt einwickelt und zum kuschelweichen Bett für die grazil darübergelgte Mineralschicht und das darauf gelagerte Früchtebett macht. Diese Lagen sind wiederum so schlau miteinander verwoben, dass dem Champagner eine hohe Elastizität eignet und das alles zusammen hat wahrscheinlich das Fine Champagne Magazine in seinem unendlich weisen Ratschluss dazu bewogen, den Rare 2002 in der Nachfolge des Armand de Brignac Brut Gold zum Champagner des Jahres 2011 zu küren.

 

 

Marne vs. Aube: Charles & Yves Dufour ./. Georges Laval

Champagne Dufour, Landreville (Aube)

1. Cuvée de Maison Extra Brut

60PN 40CH, 2 g/l

Rustikal und aubemäßig, dabei geradeheraus und grundehrlich. Der Pinot versucht hier nicht, grandcrumäßige Eleganz und Finesse vorzutäuschen, der Chardonnay will nicht tiefgründig und mineralisch wirken. Die Allianz beider Rebsorten ergibt einen frischen, spritzigen Haustrunk, der nicht besonders gut zu Hegel, aber sehr gut zu einer Runde Holzhacken passt.

2. Blanc de Blancs Brut Nature

2 g/l

Starker Chardonnay mit sonnigem Gemüt. Wenn man vom Holzhacken reinkommt und das selbstgebackene Brot mit einer Auswahl bretonischer Fassbutter von Maître Jean-Yves Bordier wartet, mildgesalzenen, mit geräuchertem Meersalz und als Zitronenbutter, dann will man nur noch den Blanc de Blancs von Dufour dazu, um glücklich zu sein.

3. Oeuil de Perdrix Brut Nature

100PN, 0 g/l

Klebstoffnase, dahinter Frucht und Holzdickicht. Der komplizierteste unter den Champagnern von Charles und Yves Dufour, einer, mit dem man Wissenschaftbibliothekarinnen verführt.

4. Robert Dufour Le Petit Renard Blanc de Noirs Affinage Prolongé 1990, dég. 12. dez. 1998

Der Petit Renard mit dem niedlichen Füchschen auf dem sonst kitschig geratenen Etikett stammt aus der Zeit vor der Umstellung auf Bioweinbau. Mittlerweile macht der Betrieb aus Landreville mit Weißburgunder von sich reden, stößt damit bei mir aber auf wenig Gegenliebe. Weder die Bulles de Comptoir von Charles Dufour mit einem Drittel Pinot-Blanc, noch der reinsortige Weißburgunder (früher Blanc Gourmand, seit dem 1999er Jahrgang Ligne 79, der 2004er als Simplement Blanc) finden meinen frenetischsten Beifall. Wo Aube-Pinot doch so gut sein kann! Aber nicht als versekteter Weißburgunder, sondern als Spätburgunder. Den Beweis dafür trat in besonders schlagender Form der Petit Renard von Dufour an, ein Champagner mit der Sprengkraft einer Luftmine. So perfekt auf den Punkt gereift, schillernd und gewaltig sind mir selbst aus den großen Crus der Montagne de Reims nur wenige Champagner vorgekommen.

 

Georges Laval, Cumières Premier Cru

1. Cumières Premier Cru Brut Nature

50CH 25PN 25PM, 2/3 aus 2007, 1/3 aus 2006

Nun endlich, nach ca. zwei Jahren weiterer Flaschenreife zeigt sich der süße Kern dieses Champagners, eine gegenüber meinen früheren Eindrücken paradox leichte Schaumzuckernase, fein integriertes Holz, gelbe Zitrone und Austernschale.

2. Les Chênes Cumières Premier Cru Blanc de Blancs Brut Nature 2006

Rauch, Speck, Flint. Gemahlene und zerhackte Nüsse, hefig, dazu ein sehr trockenes Mundgefühl. Wirkt auf mich, als sei der Champagner in eine Verschlussphase getreten.

3. Les Hautes Chêvres Cumières Premier Cru Blanc de Noirs Brut Nature 2006

Open Kimono dagegen beim Pinot Noir. Konturierte Bauchmuskeln und fruchtbare Rundungen, zeigen und verhüllen, Agilität und Laszivität in einem. Weinig, spritzig, rund; herausfordernd, divenhaft und burgundisch.

4. Les Meuniers de la Butte Cumières Premier Cru Blanc de Meuniers, dég. 6, Mai 2009

Den Champagner wird es nie wieder geben, die schönen alten Meunier-Reben sind herausgerissen und durch Chardonnay ersetzt worden. Insgesamt gibt es sowieso nur 800 Flaschen, die für Preise um 175,00 € eine neue Behausung suchen. In meinem Bauch sind sie willkommen, auch wenn ich fürs gleiche Geld Champagner bekommen kann, die ich besser finde. Das liegt aber daran, dass Vincent Laval mit der Rebsorte an die Grenze des Möglichen gestoßen ist und die liegt, Stiefkindmalus hin oder her, nach meiner Einschätzung am Ende doch niedriger, als bei Chardonnay und Pinot Noir. Unter den reinsortigen Meuniers gibt es nicht viele gleichartige Höchstleistungen, aus dem Stand fallen mir die Vignes d'Or von Benoit Tarlant, Les Barres von Chartogne-Taillet, Les Béguines von Jérôme Prevost und die Vignes d'Autrefois von Aurelien Laherte ein. Verglichen mit den anderen reinsortigen Meuniers ist der von Laval am unbescheidensten, seine herbfruchtige Art erinnert an Limettenlimonade mit Ingwer, Minze und pinken Partikeln.  

 

Fazit:

Beide Winzer arbeiten biozertifiziert auf 6, bzw. 2,5 ha und sind seit Generationen in ihrer Gegend verwurzelt. Die Basisqualitäten sind bei beiden ansprechend, an der Aube etwas rustikaler, als von der Marne. Beim Chardonnay hat im Moment die Aube ihre Nase vorne, bei den Pinot Noirs sind die Charaktere sehr verschieden, aber auf Augenhöhe. In der Disziplin Spezialchampagner gebe ich dem 90er Füchschen den Vorzug, das war einfach bombastischer als der auf die Spitze getriebene Meunier von Laval.

Champagne trifft Scharzhofberg

Champagne Henri Giraud

Die Hémarts sind seit Jahrhunderten in Ay zu Hause, die Girauds nicht. Trotzdem heißt das Haus heute Giraud. Das liegt daran, dass ein Veteran der Marneschlacht des Ersten Weltkriegs, Léon Giraud, in die Hémartfamilie eingeheiratet hat und dann maßgeblich dafür sorgte, dass die von der Reblaus vernichteten Weinberge wieder bewirtschaftet werden konnten. Der Champagner der Familie Giraud/Hémart kann heute ein wenig als das Pendant zu den Rieslingen von Egon Müller gelten. Wahrscheinlich genau deshalb stehen sich die beiden auch tatsächlich recht nahe.

1. Le Brut

70PN 30CH

In Frankreich heißt die Cuvée "Esprit de Giraud", in Deutschland hat man sich auf das schlichte "Le Brut" limitiert. Birne, Vanille, Brioche und weißen Pfeffer kann man wahrnehmen, stehen für mich aber nicht im Vordergrund. Da sehe ich bei diesem Champagner als viel wichtiger an, dass er bei aller Sportlichkeit etwas verwinkelt strukturiert ist, was ihn nicht ganz leicht wirken lässt. Gleichzeitig lässt er Noblesse und einen ganz eigenen, sehr weinigen und zutiefst herbschönen Charakter erkennen. Dieser Eindruck setzt sich durch die ganze Reighe der Giraud-Champagner fort. Die "Le Bruts" sind die moderne Visitenkarte des Hauses und stehen in deutlichem Kontrast zu den altmodischeren, aber nicht altbackenen Hommageweinen.

2. Le Brut Blanc de Blancs d'Ay Grand Cru

Giraud ist einer der wenigen, die reinsortigen Ay-Chardonnay als Champagnerbesonderheit auf den Markt bringen, am bekanntesten sind wahrscheinlich die Blanc de Blancs d'Ay von Gaston Chiquet, aus dem lieux-dit les Vauzelles, wo auch die Cousins von Jacquesson ihren Chardonnay stehen haben. Regis Fliniaux ist ein anderer Exponent des Ay-Chardonnays, speziell die undosierten Versionen sind hierbei besonders aufschlussreich. Der Ay-Chardonnay von Giraud ist süffigste, exotischfruchtigste und weichste, dabei untypischste von allen Giraudchampagnern, ein typischer Ay-Chardonnay eben.

3. Le Rosé

70PN 22CH und 8% Ay Rouge aus dem Holzfassl.

Der Rosé zeigt seine Nähe zum weißen Le Brut vor allem durch seinen modernen Ansatz, er ist fröhlich, aber nicht leichtsinnig, fruchtig, ohne ins candyhafte abzugleiten. Ein zarter Blumenduft gibt ihm das Quentchen Würde, ohne das er 'nur' ein Sommerchampagner wäre.

4. Hommage à Francois Hémart Blanc

70PN 30CH

Die Trauben stammen auch hier wieder komplett aus Ay, die Weine wurden sechs Monate lang im kleinen Holzfassl aus Argonner Eiche ausgebaut, dort wurde jedwede freche Säurespitze gezüchtigt und ins Glied gestellt. Der Stil ist deshalb wuchtiger, weiniger, dichter. Der Champagner wirkt vornehm, vor allem trägt das Holz nicht zu dick auf.

5. Code Noir

Am wuchtigsten und holzigsten ist der Code Noir. Mir ist das schon eine Spur zu viel und ich fühle mich bei der Hommage wohler.

6. Code Noir Rosé

90PN und 10% Ay Rouge aus dem bewährten kleinen Argonner Holzfassl..

Diesem Champagner hat das Holz etwas besser getan, als dem weißen Code Noir, Speck, Zigarrenkiste, Jod, Pfeifentabak und Bittermandel finden sich in ernster Runde, ein Plaisirchampagner ist auch dieser nicht. Dafür ist er zu streng, zu herb, viel zu wenig leichtsinnig. Dafür meistert er den Umgang mit dem Wildbret des Argonner Walds mühelos und öffnet sich wie ein alter Forstassessor zur bestandenen Jagdprüfung seiner Adjunkten; es wäre die reinste Verschwendung, diesen Champagner solo zu trinken.

7. Cuvée Fût de Chêne 2000

Kein schönes Jahr in der Champagne und dennoch hat Claude Giraud sein Flaggschiff sicher in den Heimathafen gebracht. Die Essenz aus Argonner Holz und Ay-Pinot, ein staatsmännischer Alleinunterhalter.

8. Ratafia Solera (20 Jahre)

30CH 70PN, hier kommen die fruchtigsten Moste der zweiten Pressung zusammen, der älteste ist zwanzig Jahre alt. Sie lagern im Solerasystem in kleinen Fässern übereinander, abgestoppt mit einem Fine de Champagne.

Der Duft ist betäubend, Très Vieux Pineau de Charente, ausentwickeltes Rancio, Gorgonzola, Pilze, heiße Butter, Mascarpone, Nüsse, im Mund dann ein leichtes, eingängiges Trinkgefühl, das zum endlosen Nuckeln anregt.

Champagner quick check: Jacquesson, Philippe Gonet, Besserat de Bellefon

I. Jacquesson

1. 735

47PN 33CH 20PM

Jahrgangsbasis ist das für die Pinotrebsorten schwierige Jahr 2007, 22% Reserve kommen aus dem Jahr 2006, 6% aus dem Jahr 2005.

Wer zufällig gerade keinen Bollingerdurst verspürt, kann nur eines tun: Jacquessons Nummerncuvée trinken. Das ist eine der besten jahrgangslosen Standardcuvées auf dem Champagnermarkt. Stilistisch freilich ganz anders als Bollinger. Nicht so bullig, nicht mit derselben Körperlichkeit. Wo Bollinger Balance vermittelt und panoramisch angelegt ist, ist Jacquesson zugespitzter und auf Thrillsuche, was gerade beim 735 deutlich wird und die Antwort des Kellermeisters auf die unausgewogenen Pinotqualitäten des Jahrgangs sein dürfte – im Moment ist er jung, buttrig und entschieden direktsaftfrischfruchtig. Der 735er gehört neben seinem aktiven, parteiischen Naturell auch noch zu den unruhigeren Jacquessons, die ständig nach neuer Herausforderung verlangen; Trüffelsalami, Anchovis, alter Langres, Hasenkeule, geräucherte Mettenden, der Jacquesson will zu allem probiert werden.

2. 2002

43CH aus Avize (36) und Chouilly (7), 57PN aus Dizy (35), Ay (15), Mareuil sur Ay (7), im Fuder vergoren; Bâtonnage.

Einer der Jahrgänge, in denen man als Kellermeister vermeintlich nichts falsch machen kann. Vermeintlich. Denn falsch wäre es, den Jahrgang unemotional und einfach nur unfallfrei auf die Flasche zu bringen. Das ist verlockend einfach, denn das Jahr bietet jedem Kellermeister das gesamte Eigenschafts-Repertoire der Champagne an. Blütenduft, Apfel, Brioche, Nüsse, Säure, Struktur, Länge, Mineralität, Crèmigkeit, ein touch Exotik, ein Spritzer Weinigkeit und Fülle. Wer das einfach nur wie immer zusammenstellt, komponiert nicht, sondern kompiliert höchstens. Von Jacquesson darf man zu recht mehr erwarten und wird nicht enttäuscht. Reife und Subtilität stehen hier im Vordergrund; gelbe Knorpelkirsche, Buttercrème, Blätterteig, Croissant, Baiser, Himbeer-Maccaron. Der Champagner wirkt für einen Jacquesson ungewohnt fragil, dabei sahnig und gehaltvoll.

 

II. Philippe Gonet

Der Großvater von Chantal Gonet war einer der ersten, wenn nicht gar selbst der erste, der die besonderen Qualitäten der Chardonnays von Montgueux erkannte. Heute wird Montgueux vor allem von Lassaigne-Anhängern als der Montrachet der Champagne, von Winzern aus der Côte des Blancs gern auch 'nur' als der Montrachet der Aube bezeichnet. Chantals Vater war übrigens schon ein guter Kumpel von St. Urbans-Hof Nik Weis' Vater und bis heute stehen die Familien in enger Beziehung zueinander, zumal sie sich auf vielen Exportmärkten, z.B. in Indien, denselben Importeur teilen. Ein Besuch bei Gonet in Le-Mesnil ist jetzt nach längerer Bauphase wieder umstandslos möglich, verfehlen kann man das Anwesen mitten im Ort kaum.

1. Blanc de Blancs GC NV

Basis 2008, 30% Reserve

Apfel, Salz und Toffee, etwas wenig Säure für Le Mesnil, aber ein guter Einstieg in den Chardonnay dieses Orts.

2. Cuvée 3210 Extra Brut

Die Ziffernfolge steht für 3 Jahre Hefelager, 2 Terroirs (Le Mesnil und Montgueux), 1 rebsorte und 0 Zucker. Hier knallen Welten aufeinander, nämlich die beiden entgegengestztesten Chardonnay-Terroirs der ganzen Champagne. Entsprechend brodelt der Champagner, ohne jede Zuckermoderation und mit dreijährigem Hefelager auch nur mühsam abgepuffert. Die Benamsung ist etwas arg modisch, so wie der Weinberg Montgueux zur zeit sehr en vogue ist, aber dem Champagner schadet's nicht. Rassig, schlank, meiner Meinung nach leicht vom Mesnilchardonnay dominiert.

3. Roy Soleil, dég. 29. Nov. 2011

Reiner Le-Mesnil, der seinem raumgreifenden Namensgeber alle Ehre macht und auf allzu harte Säure, allzu kompromisslose Mineralität verzichtet. Wer die sucht, findet sie im Belemnita, der immer sehr schnell ausverkauften Spitzencuvée des Erzeugers. Im Roy Soleil rundet sich das mit dem einfachen Grand Cru NV eingeleitete Schonprogramm ab. Das heißt nicht, dass die Gonet-Champagner weichgespült wären, das zeigt der Vergleich zu Blanc de Blancs aus anderen Crus; nur für Le Mesnil ist etwas wenig Biss drin. Deshalb für Terroir-Einsteiger und Gemütlichtrinker ideal.

4. Mill. 2006

Reiner Le-Mesnil, schlank, charmant, herzliches Naturell, das allerdings auch nicht unnötig nachgiebig wirkt, ein wenig wie die sympathisch sommerbesprosste Dame des Hauses selbst.

5. Rosé

Assemblage rosé mit 10% Pinot aus Vertus, das früher vor allem wegen seiner Pinots bekannt war und sich erst in den letzten Jahrzehnten zum Chardonnaygebiet gemausert hat. Anfänglicher Andouillettestinker, dann steigt langsam Frucht empor, es bleibt aber bei einem überwiegend weißfruchtigen Eindruck, der Pinot verleiht hier mehr Farbe und vielleicht noch etwas Körper, bringt aber selbst nicht genügend Gewicht auf die Waage, um den Champagner nachhaltig zu beeinflussen. Ein Blanc de Blancs mit der Farbe eines Rosé.

 

III. Besserat de Bellefon

Eine qualitativ gute Entwicklung macht das Haus Besserat de Bellefon seit Jahren, nur das Portfolio ist etwas unbeweglich. Was zum Beispiel fehlt, ist eine echte Prestigecuvée. Immer wieder schön sind hier die Blanc de Blancs; die Cuvée des Moines Linie ist mit niedrigerem Flaschendruck als üblich ausgestattet und gehört damit zu den letzten klassischen Crémants der Champagne. Das machen sonst nicht mehr viele, Bruno Paillard und Mumm gehören dazu, dann wird es aber auch schon eng.

 

1. Extra Brut, dég. Juli 2008

Rassig, angriffslustig und flott, mit reifen Früchten und Noisette. Für mich die leichte Kavalleie unter den Champagnern. Der passende Sound zum Champagner: Aphrodite, Foghorn.

2. Blanc de Blancs, dég. Okt. 2010

Exotische Frucht tänzelt unter Säurestange hundurch, quasi der Limbotänzer unter den Champagnern des Hauses.

3. Mill. 2002, dég. Feb. 2010

Besonders elegant geratener Champagner, der nicht nur stumpf dahinvinifiziert wurde, sondern zarte Hinweise auf Bienenwachs und Lindenblüte enthält, besonders crèmig schmeckt und sich gerade ganz zaghaft zu öffnen beginnt.

4. Rosé

Leicht, etwas blumig, von kräftiger Statur und aus dem Programm von Besserat der von mir am wenigsten geschätzte Champagner. Alle Besserat-Champagner sind leicht, elegant, fein, da passt der etwas zu grob gewirkte Rosé einfach nicht so richtig ins Bild.

Cognac – Einsatz in Düsseldorf (Teil III und Schluss)

 

Abschließend stelle ich noch zwei gegensätzliche Häuser vor: Traditionserzeuger und Raritätenauktionsplatzhirsch Croizet und den umtriebigen Neuling mit dem Gespür für Trends Francis Abécassis. 

VIII. Croizet

Für die Champagne und für den Cognac war Napoleon ein Segen. Zahlreiche Häuser in beiden Regionen verdanken ihm eine Fülle von Anekdoten und einige verdanken ihm alles. Cognac Croizet würde wahrscheinlich ohne ihn nicht existieren. Das Haus wurde von Léon Croizet gergündet, der Sommelier in Napoleons Generalstab war. Heute verfügt es über 60 ha in Grande Champagne Lagen. Destilliert werden die selbst angebauten Weine zusammen mit der Hefe, danach folgt das obligatorische lange Fasslager. Besonders stolz ist man bei Croizet auf die Flaschen aus der Léonie-Collection. Dabei handelt es sich um einen blend aus Eaux de Vie, die Léonie Croizet zu ihrer Hochzeiot am 21. November 1891 von ihrem Vater erhielt. Zu der Zeit war die Reblauskatastrophe gerade erst überstanden. Eine Mitgift aus Prä-Phylloxera Bränden der Jahrgänge 1858, 1868, 1872 und 1875 hatte also besonderen Wert. Im Laufe der Jahre wurden einige Cognacs unter Mitwirkung dieser Uraltbrände kreiert, aber die Lots 1 – 7 blieben stets unter Verschluss. Eine der Hochzeitsflaschen wurde jüngst im Swatch Art Peace Hotel Schanghai für 1 Mio. Yuan, also locker über 100.000,00 € an Maggie Vong aus Hong Kong verkauft. Damit ist der bisherige Rekord für die teuerste Cognacflasche (25.000,00 € im Jahr 2009) mühelos eingestellt. Der Erlös ging übrigens einem wohltätigen Zweck zu. Die glückliche Gewinnerin der Auktion gab an, die Flasche in einem besonderen Moment tatsächlich öffnen zu wollen. Recht so.

1. VS

GC

Drei Jahre gereift. Etwas hitziger Eindruck von Cognacpraline, mit mildem Blumenbouquet, etwas Holz und reifem gelbem Obst, ein wenig Kirsche.

2. VSOP

GC

Fünf Jahre gereift. Leichter und erfrischender als der VS. Der etwas schwerfällige Pralineneindruck wird hier von einer mildseifigen Noisette verdrängt, der sich unter großzügiger Blumendekoration und karamellisierten Tönen eine Kirschprozession anschließt.

3. XO

GC

Fünfzehn Jahre gereift. Unmittelbar präsenter Cognac, mit lebhafter Kirschnote, ausdrucksvollem Blumenbouquet, mittelkräftiger Gewürznote, Nelken, Wacholder, etwas Liebstöckel, hinzu kommen Röstaroma, Schokolade und Rumtopf. Langer, etwas unruhiger aber süßer Ausklang.

4. GC Extra

GC

Fünfundzwanzig Jahre gereift. Gegenüber dem regulären XO softer, mit einem gedämpfteren, eleganteren Gaumeneindruck. Wirkt am leichtesten von allen Cognacs und zeigt überhaupt keine Unruhe, Hitze oder Angestrengtheit.

5. Vintage 1970

Ein beispielhaft schöner, den Hausstil wunderbar verkörpernder Cognac. Leicht wie Zitruscrème, mit Honig, Kokos und Mandeltorrone; weißer Nougat, gelbe Johannisbeere, einige exotische Noten, vegetabile, minimal gerbende Anklänge, dabei luftikssenbootartig über die Zunge hovernd.

 

IX. Francis Abécassis

Mit der Reisproduktion im Süden Frankreichs ist Francis Abécassis groß geworden, mehr als 1300 ha bewirtschaftete er zuletzt. Dann zog es ihn in die Cognacproduktion. Drei Marken sind dort mittlerweile unter dem Namen des Firmengründers mit der angedeuteten Löwenmähne vereint, das lautmalerische ABK6, und die beiden traditionelleren Häuser Leyrat und Le Reviseur. Jede Marke agiert als Single Estate Erzeuger und hält den gesamten Produktionsprozess in eigenen Händen.

1. ABK6

Im Jahr 2005 gegründet und einer der Shootingstars der Cognacszene. Ca. 250 ha eigene Reben. Chefin ist die junge Élodie Abécassis, im Keller agiert der Neuseeländer Simon Palmer.

a) Cognac ICE

Sehr moderner Trend-Cognac. Weiße und helle Aromen, von Baiser über weiße Blüten bis Nashi-Birne, Litschi und Pitahaya bestimmen den Eindruck des trotz der Namensgebung leicht gebräunten Cognacs. Bestimmungsgemäß ist er geschmacklich nicht sehr lang und braucht stets einen Kompagnon; am besten auf Eis oder gemixt.

b) XO Family Reserve

FB

Lagerte zehn bis fünfzehn Jahre im Fass und bildet das andere Ende des Produktportfolios von ABK6. Die Family Reserve zeigt Holzaromen, etwas Süßholz auch, rote Beeren, Gebäck. Leichter, eingängiger Stil mit viel Vanilleschote und lang anhaltender, eleganter Mundwirkung.

2. Leyrat XO Vieille Reserve

Zu Hause im Fins Bois Gebiet, umgeben von 90 ha Rebfläche, ist die Domaine de Chez Maillard der Stammsitz von Cognac Leyrat. Die Vieille Reserve reifte 25 Jahre. Entsprechend seiner Herkunft ist der Cognac von leichter Machart, eher fruchtig als blumig und wirkt für das Alter seiner Eaux de Vies noch erstaunlich jugendlich. Zu Spritzgebäck und Mehlspeisen sicher ein sehr guter und sportlicher Begleiter.

3. Le Reviseur XO

PC

Holzige Nase, im Mund viel Dörrobst und ein leicht hitziges Naturell. Pflaumenmus, allerdings ohne angebrannte Noten, süße Kräuter, ein ziemlich kraftvoller Cognac, der gegenüber dem Leyrat sein Terroir ausspielt.

Chill Bill: Drei Spitzencuvées von Billecart-Salmon

Der Haustrunk in der Traube Tonbach. Berühmt für seine Rosé-Maîtrise, geschätzt für den Blanc de Blancs, früher Vogel beim heimlichen Trend Clos-Champagner und bislang fast unbemerkt mit einer Holzfasscuvée an den Markt gegangen, deren Etikett altgedienten lumberjacks wie David Powell von Torbreck das Herz schneller schlagen lässt. Andere mögen sich an der schlichten Draufsicht auf die Altersringe einer Baumscheibe stören, mich wiederum interessiert in diesem Fall nur der von Francois Domi verantwortete Inhalt.

1. Cuvée Sous Bois, dég. 2010

Drittelmix, 2006er Basis (80%) mit Reserve aus 2005 und 2004, fassvergoren in sechs- bis achtfach belegten Burgunderfässern von Jadot, danach Fassausbau.

In der Nase wenig überraschend, Karamell, Honig, Mandelmilch und Kaffee. Überraschend dagegen, dass die Melange überhaupt nicht ermüdend wirkt, also trotz des allumfassenden und unverzögert spürbaren Holzeinsatzes kein Holzoverkill. Noch lange bevor ich mich auch nur annähernd sattgerochen habe, kommen Apfel, Quitte, Hagebutte dazu und bringen eine frische, leicht gerbstoffgetönte Säure mit.

2. Nicolas-Francois Billecart 1998

60PN 40CH

Grand Crus aus der Montagne de Reims und der Côte des Blancs, teils im Holz vinifiziert.

Manche meinen, die Arbeit von Francois Domi sei zu smooth, zu klinisch bis steril und meinen damit vor allem seine scharfe Mostvorklärung und strenge Filtration. Das, so die Kritik, lasse vom Charakter des Weins nicht viel übrig. Das, so meine ich, ist Unsinn, wie bereits die Grundweine von Billecart-Salmon zeigen und was dieser Champagner aus einem an sich gar nicht mal überragenden Jahr verdeutlicht. In der Nase zeigen sich Mandel, Kokos und Milchkaffee. Dazu kommen Verbene und Vetyver, etwas Bergamotte, Acerola und eine seidenglatte Textur. An diesem Champagner ist alles so sauber und klar, bis ins Detail ausgearbeitet, wie bei den chinesischen Korkminiaturschnitzereien. Das darf man nicht mit Sterilität verwechseln, sondern als die lupenreine Arbeit würdigen, um die es sich handelt. Schließlich käme keiner auf die Idee, einen flawless top wesselton Diamanten wegen derselben Eigenschaften zu bekritteln.

3. Clos St- Hilaire 1998, Flasche #494/6750

Das kleine Weingärtlein direkt neben den Produktionsstätten des Hauses in Mareuil hatte ich zuletzt im Herbst 2009 unter die Lupe genommen. Der Clos St. Hilaire war lange Zeit das Rückgrat der jahrgangslosen Rosés und die Entscheidung, diesen Wein als Solisten zu vinifizieren, ist sicher nicht leicht gewesen. Denn es bestand immerhin die Gefahr, dass der Champagner, mit dem Billecart-Salmon am Markt seine größten Erfolge hat, qualitativ eine merkliche Einbuße erleidet. Davon konnte ich bei meinen letzten Verkostungen aber nichts feststellen und ich nehme an, dass die Umstellung der Cuvée sehr umsichtig vorbereitet wurde. Für die Weinwelt ist der Clos St. Hilaire jedenfalls ein Gewinn: purer Pinot, ohne BSA, Mini-Dosage. Eine hochentwickelte Rennmaschine, der Aston Martin Vantage Zagato unter den Champagnern. Würde ich nur zu gern mal im Trio mit Bollingers Vieilles Vignes Francaises und Krugs Clos d'Ambonnay trinken.   

Cognac – Einsatz in Düsseldorf (Teil II)

 

Weiter geht's mit einigen der größeren Erzeuger, manche von ihnen sind in Deutschland bekannt und etabliert, manche nicht.

 

IV. A. de Fussigny

Eine der älteren Destillerien im Herzen von Cognac und nach eigener Angabe die letzte, die dort noch ihren Brenndienst tut. Destilliert wird mitsamt der Hefen. Das Programm setzt sich aus einer kleinen, Creation genannten Serie von Cuvée-Cognacs und einer an den verschiedenen Crus ausgerichteten Collections-Serie zusammen. Das Design ist modern, mit grellem Orange und einem schlichten Wappenlöwen, ganz gezielt weggerichtet vom verschmockten Großvater-Image des Cognacs. Hier habe ich erstmal nur den Selection und den 25 Jahre alten XO Fine Champagne probiert, der sich weich und ausgewogen, mit Salznote und Wacholder präsentierte.

 

V. A.E. Dor

Das Haus ist der Gralshüter alter Eaux de Vies. Sein Gründer war schlau genug, noch vor dem Beginn der Reblauskatastrophe ein Reservoir feinster Brände aus der Grande Champagne anzulegen und auszubauen. Im Paradis von A.E. Dor sind diese uralten Brände teilweise bis heute in Demijohns erhalten geblieben und können bei Bedarf den Cognacs von A.E.Dor einen unvergleichlichen und für andere Cognacerzeuger nahezu uneinholbaren Altersvorsprung geben. Die natürliche Verdunstung des Alkohols birgt natürlich auch eine Gefahr: Cognac muss von Gesetzes wegen seit 1946 einen Alkoholgehalt von mindestens 40% aufweisen. Lange im Holzfass gelagerte Brände fallen aber mitunter auf bis zu 30% herab. Daraus lässt sich dann kein Cognac mehr bereiten. A.E.Dor erwirkte deshalb als erstes Haus überhaupt im Jahr 1951 eine Ausnahmegenehmigung für die Verwendung seiner alten Brände.

1. VS Selection

B/FB

Fünf Jahre gereift. Leichte Seifigkeit und Mineralität werden aufgewogen durch eine für VS Cognac bemerkenswerte Tiefe, Blumenduft und reife Frucht.

2. VSOP Fine Champagne

70GC 30PC

Acht Jahre gereift. Honig, Veilchen und Limonade, sehr delikater Cognac, wirkt leichter als der VS.

3. XO

50GC 50PC

Reifte 25 Jahre. Klebstoffnase. Dann Rancio und Mahagoni, mit sehr viel Luft kommen Crème brûlée, Muskat, Orange und Safran zum Vorschein.

4. Vieille Réserve No. 6

GC

Die Nummerncognacs verkörpern den Geist des Hauses, mehr noch als die singulären Jahrgangscognacs. Die No. 6 ist reichhaltig, damenhaft und sehr gediegen, für mindestens 40 Jahre Fassreife unberührt von kräftigeren Rancioaromen, salzigsüss, ein geradezu erotischer Cognac.

 

VI. Tessendier

Die Tessendiers sind ehemals Destillateure, die durch Zukauf in die Produktionsstufe der Cognacerzeugung eingestiegen sind und sich seither stetig im Export verstärken. Ich habe ihre schottischstämmige Cognacmarke Park probiert, daneben gibt es weitere wie Monteru und Comandon, die ich bei anderer Gelegenheit probieren will. Das Geschäft mit den Bränden brachte den Tessendiers in der jüngsten Vergangenheit beträchtlichen Ärger, als die Staatsanwaltschaft den beiden Geschäftsführern Jérôme und Lilian vorwarf, das Aroma ihrer Eaux de vie mit Eichenchips getuned zu haben. Am 7. Dezember 2012 wurden beide vom Tatvorwurf freigesprochen, nachdem sie eingeräumt hatten, tatsächlich Eichenchips in der Brandy-, nicht aber in der Cognacproduktion verwendet zu haben. Ein G'schmäckle bleibt natürlich bei sowas.

1. VSOP

Apfel, Pflaume, Cranberry, weich und süß, mit milder Teenote. Könnte man gut während der Moorhuhnjagd aus dem Flachmann trinken.

2. Borderies, single vineyard

Etwas hitziger Cognac, auch wieder mit einer merklichen kandierten Süße, die vom Vanilleton noch unterstützt wird, außerdem zarte Blumenanklänge.

3. XO Traditional Reserve

GC/PC/BB

25 Jahre gereift, mit der Tiefe und Kraft der großen Lagen, dem finessereichen, schlanken und gerade bei Einstiegs-XO beliebten Zitrusfruchtthema. Mit Luft etwas schwere Süße von Feigen, Datteln und Rosinen, dazu kommt dunkle Crème brûlée, noch eine Ladung Trockenobst, wenige Gewürze und ein unerhitzter Abgang.

4. XO Vieille Fine Champagne, Cigar Blend

GC > PC

Schokoladig, würzig, ernst. Kraftvoller als der Traditional Reserve, mit Trockenblumen, Glycerin und einer abschließenden Hitzewelle, die ich mir tatsächlich gut zur Zigarre vorstelle.

 

VII. Frapin

Im Château de Fontpinot à Segonzac von Cognac Frapin und im zugehörigen Chai Eiffel, konstruiert von Gustave Eiffel, habe ich im Winter 2010 einige schöne Stunden verbracht und einige der denkwürdigsten Cognacs unserer Zeit getrunken, darunter den Rabelais 1888, eine Hommage an den berühmten Schriftsteller und Sohn von Catherine Frapin.

1. VS

GC

Eine Seltenheit unter den VS Cognacs ist dieser hier. Reiner GC und daher eigentlich ein Verschwendung, denn das große Aroma der Grande Champagne kann ein so junger Cognac kaum entfalten, für die Mixology ist er schon wieder zu schwer und ungewöhnlich. Bei Frapin ist man sich deshalb nich unschlüssig darüber, ob der VS fortgeführt wird. Anfermentierte Erdbeere und Oolongtee, Maiglöckchen, etwas Kirsche, etwas Banane, dazu Eichenholz; von leichter, eleganter Art, für einen GC fliegengewichtig, als VS die Spitze des für diese Klasse leistbaren.

2. VSOP

Mit seiner Mischung aus Röstnoten, Kaffee, Sauce Griottine und Cranberries, der darübergelgten Zitrusschicht ist er ein faszinierender Mojitogrundstoff, eignet sich als charmanter Begleiter für nicht zu schwere Wildzubereitungen und Pâtés, kann aber auch gut für sich alleine stehen.

3. XO Fontpinot

Trocken und hitzig, ein geradezu sanguinischer Typ und damit eine gute Entsprechung zum großen Rabelais, bzw. dessen unsterblichen Romanfiguren, nicht unbedacht wohl auch die Namensgebung. Hinter der vom trockenen, den Alkohol betonenden Hitze steht bröckeliger Honig, Marille und ein leicht eingeschüchtertes Rancio.

4. VIP XO

Ein rundlicher, weicher, verschmitztfreundlicher Gourmetcognac, der Danny de Vito unter den Cognacs. Brioche und Blume, heller Tabak, Speck und Rancio, Vanille und Dörrobst, dabei behende und von entlastender, den Magen unterstützdender Kraft.

Cognac – Einsatz in Düsseldorf (Teil I)

Die ProWein beherbergt jährlich nicht nur Weingutsbetriebe und deren Vermarkter, sondern auch ein veritable Anzahl Spirituosenhersteller. Die anwesenden Cognacproduzenten besuche ich dort nach Kräften, weil die Autofahrt nach Cognac eben am Ende doch beschwerlicher ist, als die in die Champagne und die Fliegerei nach Cognac zwar aller Mühen wert ist, aber wegen der schlechten Zulademöglichkeiten nur zweite Wahl. 

I. Camus

Camus gehört zu den große Marken mit ungeöwhnlich viel eigener Rebfläche. Das ist in Cognac wie in der Champagne selten. Den meisten eigenen Rebbesitz hat Camus in den Borderies, es kommt dehsab nicht von ungefähr, dass es hier bei den XO Cognacs einen reinen Borderies gibt. Eine eigenständige Linie bilden die Inselcognacs unter der Bezeichnung Île de Ré. Den Inselwhiskys nicht ganz unänhnlich, haben sie einen mineralisch-jodigen bis salzig-herbbitteren Charme. Die Frage, ob mit oder ohne Hefen destilliert wird, beantwortet Camus undogmatisch. Der einfache VS wird ohne, der komplexere VSOP mitsamt der Hefen destilliert, ganz so, wie es das gewünschte Geschmacksbild und die angestrebte Komplexität erfordert. Der Stil des Hauses ist rund, weich, elegant und leicht, am besten wird er meiner Meinung nach vom XO Borderies verkörpert, am speziellsten von den Inselcognacs.

1. Île de Ré Fine Islands

Feiner, weicher, nicht zu trocken-gerbend wirkender, dabei leicht jodiger Cognac. Hintenraus lang und schlank, trinkt sich gut pur, passt aber auch auf die Auster getröpfelt.

2. Camus XO

Frische nussige Töne stehen im Vordergrund, Nicht ganz reife Walnuss und ihr Gerbstoff, Kastanienlikör, auch Mahagoniduft, vermischt mit Vanille. Am Ende ist der XO bei aller Weichheit doch etwas hitzig.

3. Camus XO Borderies

Von den ältesten Rebbergen des Hauses, lang in der Eiche gereift. Runder, leichter, mit milder Salznote, wie man sie in Heilwässern findet. Etwas gedämpfte Aromatik, die Orangenschale, Curry, Zitronengras und zum Schluss Schokobrownie freigibt.

4. Camus XO Extra

Der luftbedürftigste Cognac ist auch der reichhaltigste unter den verkosteten Cognacs. Anfangs Kochbanane, dann Orange und Limette, später Kräuter und Crème brûlée. Trotz der teilweise fetten Aromatik ein Cognac, der nicht belastet, sondern beschwingt und leicht wirkt.

 

II. Leopold Raffin

Seit 1989 gibt es das Haus Leopold Raffin, das nordwestlich von Cognac über etwas mehr als 30 ha Rebbesitz im Fins Bois Gebiet verfügt. Neu ist der Leo, ein VS Cognac aus Fins Bois und Borderies, der im Sprühflacon angeboten wird. Damit kann man sich so wie früher mit Odol, das den Eltern einen allzuheftigen Bierduft verschleiern sollte, angenehm den Rachen erfrischen oder andere Alkoholkontrolleure als die eigenen Eltern in die Irre führen. Sinnvoller ist dieser Cognacflacon aber in der Küche einzusetzen, beim besprühen von Fleisch, Baisers, Sahnehäbchen, Obst, usw.

1. Marquee Sparkling Eau de Vie de Vin

Marquee Sparkling entsteht aus Eau de Vie de Cognac, also aus einem Traubendestillat, aus dem sonst ganz normaler Cognac werden würde. Statt ihn aber im Fass zu bräunen, bleibt er im Kupferkessel unschuldig und transparent, wird mit Wasser auf Trinkstärke herabgesetzt und mit Kohlensäure versetzt. Das Resultat ist so erstaunlich und gewöhnungsbedürftig wie Sparkling Sake und schmeckt sogar etwas ähnlich. In Nase und Mund hatte ich eine starke Birnennote und einen mostig-fruchtigen, etwas hefigen Nachhall, der mit mild-einlullender Süße einherging.

2. VS

B/FB

Der zwei Jahre gereifte VS ist recht holzig, mit seiner nicht besonders komplizierten Fruchtmischung, die zwischen Nashibirne, Litschi und gelben Pflaumen rangiert, eignet er sich gut für die Mixology.

3. VSOP

GC/PC/FB

Schon ein anderes Kaliber ist der ambitionierte VSOP. Zehn Jahre gereift, mit der Kraft und Struktur, dem floralen Element und der raffinierten Würze kalkiger Champagne-Lagen und dem freundlich-fruchtigen Anteil aus den Fins Bois. Zwetschge, Sauerkirsche, Edelholz, Tulpe und Iris.

4. XO

Mehrere Jahrzehnte mussten sich die hier verwendeten Eaux de Vie gedulden, bevor sie im XO zusammengeführt wurden. Viele sind es übrigens nicht, ca. zwanzig verschiedene Brände bilden die Basis für diesen noch nicht stark ranciobehafteten, eher jugendlich wirkenden XO. Gebrannte Mandeln, Bratapfel, Zimt, Safran.

5. XO Extra

Ganz folgerichtig kulminiert alles im Extra, der deutlich dunkler, tiefer und mitreißender ist als der XO. Dick und ölig, mit Röstnoten, Kaffee, Walnuss, Krokant, Trüffel, Ingwerstäbchen, Orangenschale.

 

III. Francois Voyer

Bei Cognac Voyer liegt die Kontrolle über den gesamten Produktionsprozess allein in der Hand des Hauses. Keine Zukäufe, sondern der Ertrag eigener knapp 30 ha Rebflächen, ausschließlich in der Grande Champagne belegen, sind das Ausgangsprodukt. Die Hefen werden mitdestilliert. In der französischen Spitzengastromie sieht man Cognac Voyer oft, in Deutschland gehört er zu den unbekannteren Cognacs.

1. VS

Dunkle Färbung, Mandelmilchnase, geröstetes Zitronengras und etwas Vetyver machen klar, dass es sich bei diesem zweieinhalb Jahre im Fass gereiften Cognac nicht um einen einfachen Einsteigerstoff handelt. Wie in Embryonalstellung sind hier schon alles Anlagen der lange gereiften Großcognacs des Hauses erkennbar.

2. VSOP

Zwischen im Schnitt zehn Jahre alt sind die Eaux de Vies in diesem VSOP. Der Cognac ist elegant, weich und lang, bringt mit seiner Grande Champagne Herkunft einen ganzen Schwung blumiger Noten in die Nase und lässt sich mit einigen gelbfruchtigen Aromen aus dem Bereich Quitten, Marillen, bis hin zur Mango nicht lumpen.

3. Napoleon

Der Napoleon besteht aus Bränden, deren jüngster ganze fünfzehn Jahre im Eichenholz zubrachte. Rund und holzig, mit ausgeprägterem Röst- und Schokoladenton, etwas Rauch, viel Dörrobst und gut entwickeltem Rancio.

4. XO GC

Ganz anders als der Napoleon ist der erste XO von Voyer. Die Komposition mit den gegenüber dem Napoleon noch älteren Bränden hat die Erkennbarkeit einzelner Aromen fast völlig aufgehoben, der Cognac ist trotz zunehmender Komplexität raffinierter und rassiger, wirkt beweglicher und eleganter als der Napoleon.

5. XO GC Gold

Der jüngste Brand hat hier 25 Jahre hinter sich gebracht. Noch wuchtiger, noch dichter als der normale XO ist der XO Gold, die Komponenten schwimmen schillernd ineinander und sind so dicht miteinander verwoben, dass der Cognac sehr viel Luft braucht, um sich angemessen entfalten zu können. Die Gewürze der Malabarküste finden sich hier vereinigt, gebackene Banane, alter Honig, Nougat de Montélimar, eine leichte Pilznote, orientalische Süßspeisen, Orangenschale.

6. XO GC Extra

Vollends in den orientalischen Bann zieht der XO Extra, der mit seiner Nase einem kleinen Opiumrausch nicht nachsteht. Safran, Curry, Orangenschale und ein hitziges, Durst verursachendes Nachklingen.

Sekt vom Verband der traditionellen Flaschengärer

Nachdem die diesjährige ProWein-Champagnerprobe von Sascha Speicher den Blick für die Dosage beim Champagner noch einmal geschärft hatte, ging ich bei den traditionellen Flaschengärern auf die Suche nach weiterem Anschauungsmaterial. Hinter dem sperrigen Namen "Verband der traditionellen Flaschengärer" stecken einige der besten Namen der deutschen Schaumweinszene und dementsprechend spritziges Vergnügen. Nicht alle verkosteten Flaschen hatten nach dem Dégorgement genügend Zeit, die Dosage zu verdauen, einige sehr interessante Verkostungsergebnisse konnte ich trotzdem mitnehmen. Die nachfolgenden Notizen sind allerdings wegen der teils noch nicht ganz eingegliederten Dosage mehr denn je nur als ganz punktuelle Momentaufnahmen zu verstehen.

 

1. Raumland

a) Riesling, dég. November 2011

2008er Jahrgang, mit 11,3 g/l dosiert, bei Säure 9 g/l

Ich habe leider ganz vergessen zu fragen, ob der 2008er so wie der 2007er Riesling ganz ohne BSA in die Flasche ging. Auffällig ist nämlich die knackige, strahlklare Rieslingsäure zusammen mit viel weicher, reifer Aprikose. Die für Raumland eigentlich hohe Dosage fällt dankenswerter- und klugerweise überhaupt nicht auf, bei den später dégorgierten Flaschen wird sie wahrscheinlich aufgrund des längeren Hefelagers sowieso wieder sinken. Eine niedrigere Dosage wäre aber für diesen noch jungen Sekt problematisch geworden. Neben seiner Eigenschaft als vorbildlicher Rieslingsekt ist er also eine interessante Lektion für jene, die prinzipiell alles über 10 g/l als weichgespült ablehnen.

b) Marie-Luise Blanc de Noirs, dég. November 2011

2008er Jahrgang, PN mit 8,5 g/l dosiert, bei Säure 6,6 g/l

Frisch, jugendlich und schlank, ohne den von mir durchaus geschätzten Babyspeck, mit anderen Worten: mir im Moment ein Spur zu dünn. Muss mit der Zeit noch einige frauliche Kurven zulegen.

c) Katharina Blanc de Noirs, dég. Januar 2012

2006er Jahrgang, PN/PM mit 7,4 g/l dosiert, bei Säure 6,2 g/l

Vielleicht liegts am Meunier, vielleicht am längeren Hefelager, oder einer der vielen anderen Komponenten, die im Wein wirken; fest steht für mich, dass die Katharina mittlerweile einen ausgeprägteren Champagnercharakter als früher hat, mit gleichzeitig sektig-fröhlicher Frucht und ohne jeden störenden Brotton, dafür mit feiner Nuss und dezenter Pudrigkeit. Gefiel mir gegenüber letztem Jahr deutlich besser und ist einer der dringenden Kauftips aus dem Raumland-Portfolio.

d) Blanc de (Pinot) Blancs , dég. November 2011

2007er Jahrgang

Schon mit dem 2004er Weissburgunder war ich nicht ganz glücklich; die schlanke, mineralische, weißburgundisch-säureschwache Art machte mich auch beim 2007er nicht froh. Schuld daran ist aber nicht Volker Raumland, sondern meine gewandelte Einstellung gegenüber dem Weißburgunder als Schaumweintraube. Ich mag sie in dieser Form einfach nicht besonders, sei es im Sekt, sei es im Champagner oder in Schaumwein anderer Herkunft.

e) Blanc et Noir Brut Nature, dég. April 2011

50CH 50PN, mit 2 g/l RZ, bei Säure 6,3 g/l

Vor einem Jahr habe ich nach meiner Erinnerung erstmals die Cuvée Blanc et Noir getrunken und fand sie da als Einstieg in eine breit angelegte Champagnerprobe bestens geeignet. Nach angemessener Ruhezeit in der Flasche fand ich den Blanc et Noir diesmal wieder sehr gelungen. Saftig und rund, mit Honig, Nuss und Brioche, unter den bisherigen Sekten zusammen mit der Katharina der champagnerigste, überragt nur noch vom Triumvirat. Interessant dabei finde ich, dass Katharina, dieser hier und Triumvirat bei einem zwar vergleichsweise niedrigen aber identischem Säurewert von 6,2 g/l immerhin von 3, bzw. ganzen 5 g/l Dosagezucker getrennt werden.

f) V. Triumvirat 2005, dég. November 2011

PN/PM/CH, mit 5,5 g/l RZ, bei Säure 6,2 g/l

Seit dem I. Triumvirat 2001 verfolge ich die Triumvirate im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten durch die Jahre. Meine gesammelten Eindrücke sind positiv. Jedes Triumvirat ist bislang eine Steigerung gegenüber dem vorherigen gewesen und dabei ist schon das I. Triumvirat wie ein deus ex machina von oben in den deutschen Sektmarkt eingestiegen. Das V. Triumvirat ist voluminös, aber nicht fett, komplex und mit einer aus allen Rebeigenschaften der drei verwendeten Rebsorten zusammengewachsenen Aromenfülle: rote Früchte vom Pinot Noir, grüne und gelbe vom Meunier, etwas Apfel vom Chardonnay, Räucherspeck und Mineralität, dazu sanft mitschwingende Säure. Wahrscheinlich ist es die schönste Genugtuung für einen Kellermeister, wenn der Plan einer Cuvée so haargenau aufgeht, wie hier.

 

2. Reinecker

Im Jahr 1987 begann Herbert Reinecker mit der Herstellung seiner Auggener Spitzensekte. Handlese versteht sich dabei von selbst, die Trauben kommen unversehrt auf die Kelter und werden nach Lagen getrennt, teilweise in alten Eichenfässern, vinifiziert.

a) Riesling Brut

In Auggen ist der Riesling nicht gerade die tonangebende Rebsorte. Gerade für die Versektung dürften die wenigen dort wachsenden Rieslinge kaum je in Frage kommen. Bei Reinecker gibt es trotzdem Rieslingsekt, guten zumal. Rasse und Schwung sind nicht seine Stärke, er ist eher von gemütlicher, aber nicht behäbiger Art, mit viel eingelegter Aprikose und saftigem, vollreifem Pfirsich, etwas Bonbon ist noch dabei, bestimmt ein Resultat notwendiger kalter Gärführung.

b) Pinot Brut Blanc de Noirs

PN/PM

Für einen Pinotsekt aus den beiden Champagnerpinotrebsorten wirkt er eher leichtgewichtig; rund und gefällig, wie die meisten im Marnetal mit ähnlicher Rebsortenmischung hergestellten Champagner auch sind. Denen gegenüber fehlt es hier an Säure, Struktur und Gewicht, unter Sektgesichtspunkten ist der Blanc de Noirs von Reinecker bei den vollmundigeren Vertretern einzuordnen.

c) Baden Crémant Brut

SB/PB/CH

Vom Sauvignon-Blanc kommt wahrscheinlich der in diesem Sekt vorhandene Methoxypyrazinanteil, das Marienkäferaroma, bzw. die merkliche grüne Paprikanote. Mich stört das im Sekt regelmäßig, weil es ein herrschsüchtiges Aroma ist, neben dem sich andere kaum richtig entfalten können. Wenn die Rebsortenpartner wie hier Weißburgunder und Chardonnay heißen, ist von ihnen in der Jugendphase des Sekts außerdem kein bestimmender Aromenbeitrag zu erwarten. Wer sich damit nicht so schwertut wie ich, wird die grünlich-vergetabilen, aber nicht unreif wirkenden Aromaassoziationen des Sauvignon-Blanc als willkommene Bereicherung begrüßen, im Basiscrémant von Reinecker halten sich diese Noten zum Glück noch im Zaum. Säure zeigt sich nicht.

d) Chardonnay Brut

Druckvoll und klar, mit einer an unberabeiteten Marmor erinnernden Textur. Jetzt sicher zu jung.

e) Cuvée Classic Brut

50-60CH im kleinen Holzfass vergoren und ausgebaut, PN/PM, alle aus selektierten Lagen; 36 Monate Hefelager.

Mein Liebling aus dem Reinecker-Sortiment, jetzt offenbar mit neuem, leider nicht mehr so schön schlichtem Etikett. Spritzigkeit und Strukturiertheit schließen einander hier nicht aus, der Wein ist gelbfruchtig, mit exotischen Anklängen, dabei unverkitscht; eingerahmt von rotfruchtigen Aromen. Präzis den Zungenrand entlang geführt, engmaschig und mit einer sich in Form von gerösteter Brotrinde ankündigenden Empfehlung für feine Reife.

f) Rosé Brut

PN/CH und ein Schuß von nur 1-2% Rotwein

Helle Zwiebelschalenfarbe. Herb und kräftig, dabei erstaunlich säurearm, was ich eigentlich nicht besonders mag. Von seiner Art her erinnert er mich ganz entfernt an den Rosé von Giraud, der trotz seiner zarten Färbung so unerwartet herb ist. Was dem Reinecker-Rosé an merklicher Säure fehlt, gleicht er offenbar mit dem Tanninanteil aus dem Rotwein aus. Für mich zusammen mit dem für die Gegend untypischen Riesling auf einer Stufe direkt nach der Cuvée Classic.

 

3. Gebrüder Simon, Sektgut Ingo Simon

Die Gebrüder Simon sind seit der letzten Betriebsübergabe im Jahr 2004 das Firmendach für Familiensproß Ingo Simons 1993 gegründete Sektmanufaktur, die von der verdienstreichen Kiki Pfitzer aus dem Markgräfler Land unterstützt wird. Der Moselsekt von Gebr. Simons Sektgut Ingo Simon ist für um die 8,50 €/Fl. zu haben, wenn er denn mal zu haben ist. Zu haben ist er aber nicht immer, denn dass aus Lösnich guter Sekt kommt, ist weithin bekannt, der Betrieb deshalb jedes Jahr ausverkauft. Handrémuage und Handdégorgement sind hier noch üblich. Einen guten Namen hat der Betrieb sich auch als Lohnversekter erworben (Kunden sind u.a. so renommierte Güter wie Bergdolt, Minges und Franzen). Die verkosteten Sekte sind alle frisch, d.h. Anfang Februar dégorgiert.

a) Riesling Brut

Grundwein aus dem Ürziger Würzgarten und dem Erdener Treppchen, spontan vergoren und kurz im Fuder gelagert. Eisweindosage.

Quirliger und sehr beweglicher, sympathischer, schlanker, ephebenhafter Moselriesling mit reifer Frucht, Apfel, Hagebuttentee, Pampelmuse, lang nachklingendem Mineral und lippenleckender Säure.

b) Pinot Brut Blanc de Noirs

In der Nase etwas verhaltener als der Riesling, auch am Gaumen kein solcher Schnellstarter. Hellere Früchte als beim Riesling stellen sich paradoxerweise im Laufe der Verkostung ein und dann bildet sich zum Abschluss noch eine fast kristalline Salzigkeit heraus. Sehr behutsam gemachter Sekt, dem man mit Freude nachspüren kann.

c) Pinot Cuvée

PN, PM, PB, überwiegend aus Lösnicher und Erdener Steillagen. Kurze Zeit im Holz ausgebaut.

Allerlei apfelige Töne spielen hier eine tragende Rolle, dazu kommt eine wahrscheinlich von den roten Rebsorten herrührende Griffigkeit und Nachhaltigkeit, die einen andeutungsweise bierhefigen Nebenton nicht anklagend in die Ecke stellt, sondern als Ausläufer in das Gesamtbild einbezieht.

d) Riesling Brut

Erdener Treppchen, Lösnicher Försterlay, Kinheimer Rosenberg. Kurz im Fuder. Auslesedosage.

Bei diesem Sekt mag es die Gefahr allzu bonboniger Mostigkeit und vorgeblicher Rieslingfrucht in der Cuvée gegeben haben, zum Glück hat sie sich nicht realisiert. Der Sekt ist nur besonders süffig geraten, meiner Meinung nach sogar mit einem gewissen Archetypcharakter für den Moselrieslingsekt. Mein Favorit im Sortiment des Guts.

 

4. Sekthaus Solter

Der Grundwein für den Sekt von Solter kommt aus Rüdesheimer und Assmannshäuser Steillagen, aus Lorch, Geisenheim, Johannisberg, Hochheim und Winkel, teilweise kommen die Burgunderrebsorten auch vom Kaiserstuhl.

a) Riesling Sekt Brut

Riesling vom Berg Roseneck, 2007er Jahrgang, mit 11,9 g/l RZ , bei Säure 7,8 g/l

Üppiger Rheingauer Riesling, der vollmundige Sahnigkeit mit räucherigem Mineral paart. Bestimmte, aber nicht bestimmende Säure, passende Dosage; Rüdesheim hautnah.

b) Blanc de Blancs Brut

50% Grauburgunder vom Kaiserstuhl und 50% Weißburgunder, mit 2,1 g/l RZ, bei Säure 6,3 g/l

Nach dem schwungvollen Rieslingauftakt hatte es der weichere Burgundersekt schwer, sich durchzusetzen. Er zeichnete sich aber durch Beharrlichkeit aus. Sein niedriger Restzuckergehalt war da ganz hilfreich, die reifen, holzfassverfeinerten Grauburgundertöne und der schlanke Weißburgunder erwiesen sich als gut eingespieltes Team und ergeben zusammen einen runden, schmeichelnden Sekt.

c) Pinot Cuvée

2006er Bischoffinger Grundweine, 50% Spätburgunder 30% Weißburgunder 20% Grauburgunder, mit 4,1 g/l RZ, bei Säure 6,3 g/l

Ob er vom Fassausbau her so buttrig geraten ist, der BSA etwas lange gedauert hat, Oxidation ein Rolle spielt oder was nun die eigentlich Ursache für den Diacetylton in diesem Sekt ist, kann ich natürlich nicht aufklären; das ist sowieso nicht meine Aufgabe. Ich kann nur sagen, dass ich eine leichte Buttrigkeit ganz charmant finde, vor allem wenn sie mit Mandelmilch und einer zarten Kokossplitternase einhergeht, die allerdings tatsächlich vom Holz kommen dürfte. Sonst ist der Sekt mildfruchtig und von robuster Struktur.

d) Pinot Noir Rosé Lilly

Mazerationsrosé mit Pinot Noirs aus dem Rheingau und vom Kaiserstuhl, mit 10,3 g/l RZ, bei Säure 7,5 g/l

Spritziger, frecher Oeuil de Perdrix. Acerola, Rhabarber, Himbeere. Eine Säure fast schon auf Rieslingniveau, die eine entsprechende Dosage erfordert. Mit 10,3 g/l ist der Sekt gut eingestellt und fit nicht nur für die anstehenden Erdbeergelage, sondern auch für Ziegenfrischkäse und längere Flaschenreife.

 

5. Winterling

In Niederkirchen nächst Deidesheim sind die Winterlinge auf ca. 10 ha zu Hause. Seit 1982 besteht das Wein- und Sektgut. Seit 2008 wird ökologischer Weinbau betrieben. Riesling, Spätburgunder, Weißburgunder und Chardonnay werden von Hand gelesen, unversehrt gepresst und vinifziert, bei der Flaschengärung bleiben die Weine möglichst lang auf der Hefe. Der Riesling erhält eine Dosage zwischen 11-12 g/l, die anderen verkosteten Sekte liegen bei 8-9 g/l.

a) Riesling Brut Ruppertsberger Reiterpfad 2010

Vornehmer Pfalzriesling, ein echter Lagensekt, wie man ihn aus dem Rheingau von Schloss Vaux oder Solter, an der Mosel mit vergleichbarer Typizität bei den Flaschengärkollegen von Simon bekommt. Quitte, Boskoop, Kombava, festgewirkt, stoffig, gut.

b) Blanc de Blancs Brut 2010

100CH

Nicht so angetan war ich von dem etwas langweiligen Chardonnay. Hauptsächlich Apfel, ein Touch Nelke, ganz leicht stechender Pfeffer, mit der lebhaften Säure ein durchaus aparter Mix, aber im Moment leider nicht viel mehr als das. Vielleicht ist der Sekt auch noch zu jung, schließlich hat er gerade mal zwölf Monate in der Flasche zugebracht. Spätere Dégorgements oder mehr Flaschenreife müssten die jugendliche Unzulänglichkeit dann ausgleichen.

c) Pinot Rosé Brut 2010

Assemblagerosé.

"The lipstick on his collar/doesn't seem to match mine" – Caro Emerald hat genau diesen Pinot Rosé in Amsterdam kennengelernt, seither ist er ihr fester Begleiter, richtigerweise als Magnum. Zumindest die Farbe in ihrem Glas ist also genau die richtige. Die Probleme des 2010er BdB sind dem Rosé fremd. So vollweibhaft, köperlich und gegenwärtig wie die Musik von Caro Emerald und so gekonnt wie ihr Mix aus Swing, Mambo und Jenesaisquoi ist der dazu passende Rosé von Winterling, kein Wunder also, dass die Sängerin begeistert von diesem Sekt ist. Im Glas ist er vor allem von einer sämigen Erdbeerfruchtigkeit. Der Sekt kommt außerdem ohne die sich häufig ungefragt dazugesellenden Schokoladenaromen aus und wirkt dadurch besonders pur. Auch an weinigem Subkontext mangelt es ihm nicht, das hebt ihn über die Gruppe der no-brainer Rosés hinaus.

d) La Coulée d'Or Brut 2007

Drittelmix wie in der Champagne, Klone und Beratung beziehen die Winterlinge aus Frankreich. Genauer: aus der Champagne. Von Goutorbe in Ay, um ganz genau zu sein. Champagnerfreunde sind vielleicht mit den Champagnern von Henri Goutorbe vertraut oder kennen die Familie wegen der Terres et Vins de Champagne Verkostungen im Castel Jeanson von Goutorbe. Fassgärung und -ausbau des Coulée d'Or finden in alten Fässern von Rousseau aus dem Burgund statt, gefolgt von 36 Monaten Hefelager. Das ergibt kräftigen Sekt mit Winzerchampagnercharakter und burgundischem Naturell. Hauchweise Cognac, feste Säure, Volumen und Kraft. Gebrannte Mandeln, Torrone, Nougat, Walnuss, Zwetschgenröster. Für 12,50 €/Fl. unbedingt kaufen!

 

6. Sektgut St. Laurentiushof Klaus Herres

Der langjährige Lieferant des Bundespräsidenten und des schwedischen Königshauses ist in Leiwen, der Partnergemeinde von Le-Mesnil zu Hause. Das verpflichtet. Erste Erfahrungen mit der Schaumweinbereitung hat Klaus Herres im Chardonnay-Epizentrum deshalb direkt in der Champagne gesammelt. Im heimischen Keller durchlief seine eigene Schaumweinbereitung 300 Jahre Champagnergeschichte im Schnelldurchlauf, insbesondere den ärgerlichen Teil mit den explodierenden Flaschen. Seit Anfang der Neunziger ist das Sektgut in der Spitze der deutschen Flaschengärer verankert.

a) Crémant Extra brut 2009, dég. Ende Februar 2012

PN/CH/R, mit 4 g/l dosiert.

Keinerlei Integrationsprobleme mit der kürzlich erfolgten niedrigen, daher insoweit unproblematischen Dosage. Unabhängig davon ist der Crémant Extra Brut ein luftbedürftiger, sehr kultivierter Sekt mit zitrusfruchtiger Nase, reichem Blumenduft, crèmigem Mundgefühl und klarem Abgang.

b) Crémant Brut 2009

PN/CH/R, mit 8,9 g/l dosiert.

Dem Extra Brut sehr ähnlich, aber gefälliger, süffiger. Abzüge nimmt der Crémant Brut gegenüber dem extra Brut bei Dichte und Mineralität vor, dafür gibt es Zugewinn im Fruchtspektrum.

c) Riesling Brut 2008

Mit 12,7 g/l dosiert.

Hier zeichnet sich der Riesling so klar ab, wie Schamteile unterm Wicked Weasel Bikini. Dazu kommt betäubendes Blumenparfum, Aprikose, Pfirsich und eine beginnende Reifenote. Die Säure hält sich in Grenzen.

d) Riesling Brut 2009

Frischer, frecher, schlanker, rutschiger als der 2008er Riesling, mit nicht ganz so viel ausgeprägter Aprikosenspalte und mir daher eine Spur lieber, ja ich muss sogar sagen, das ist mein Lieblingslaurentiussekt.

e) Chardonnay Brut 2009

mit 11,9 g/l dosiert.

Rund und gelbfruchtig, vom Quittenmus bis zum gelben Paprikaconfit ist alles dabei, Apfel spielt keine so große Rolle, Säure auch nicht.

f) St. Laurent Blanc de Noirs Brut 2008

Sehr hell ist dieser St. Laurent Blanc de Noirs geraten, die bloße Farbe verrät hier nocht nichts über die Rebsorte. Die Nase auch nicht. Im Mund ist der Sekt sehr weich, fast flaumig, quasi säurelos und mir kommt er ziemlich lahm vor.

g) Cuvée Nadine Spätburgunder Rosé Brut 2009

Mit 10,2 g/l dosiert.

Der Spätburgunder Rosé ist nach einer niedlichen Eröffnung mit Milchbrötchen und Schokoraspeln zunehmend kräftig und bildet einen Strudel herbstlicher, kräuteriger Aromen um die im Zentrum stehende verwegen wirkende Erdbeere, die sich nach geschmorter Rehkeule sehnt. Kostet gerade mal 11,50 €/Fl.

 

7. Sektkellerei Martinushof

Niederkirchen ist ein gutes Sektpflaster. Familie Reinhardt fertigt dort seit 2001 Schaumwein, nachdem der Sekt ab 1991/92 zunächst nur für den Ausschank auf der eigenen Hochzeit hergestellt wurde, sich dann aber immer mehr zum Zugpferd entwickelte und schließlich den Umzug in den Martinushof erforderte. Eine Hefelager von mindestens zwölf Monaten haben die hier hergestellten Sekte, produziert werden sie mit Gerätschaften aus der Champagne. Medaillen und Prämierungsbapperl kommen nicht auf die Flaschen, obwohl reichlich Auszeichnungen vorhanden sind. Die Preise liegen größtenteils unter 10,00 €/Fl.

a) Riesling Extra Brut 2010

Pfälzer Signatur, wie mit dem Stempel prägen sich Apfel, Pfirsich und Mango auf die Zunge.

b) Riesling Brut 2010

Der Zucker holt aus dem Riesling noch Stachelbeere und gelbe Johannisbeere heraus, die Unterschiede zwischen beiden sind so fein nuanciert, dass ich keinem von beiden den Vorzug geben könnte. Der Brut ist aber aus mir nicht erfindlichen Grund mit 8,30 €/Fl. um 0,50 € günstiger als der Extra Brut.

c) Crémant Brut 2010

100PN

Rund, weich und finessereich, mit einer delikaten Burgundersäure und zartem Schmelz; leider lässt sich die Säure nach nur kurzem Gefecht von der etwas mächtigeren Fruchtigkeit an den Rand drängen. Das macht den Crémant zwar süffig, aber ein ganz kleines bisschen mutigere Säure hätte ihm mehr Spannung verliehen.

d) Chardonnay Brut 2009

Mir zu süß und verwaschen.

e) Pinot Rosé Brut 2010

75PN 25PM

Auch dieser an sich schöne Marnetalmix leidet meiner Meinung nach unter zu viel Zucker. Mehr als rotes Bonbon konnte ich nicht wahrnehmen.

f) Sauvignon Blanc Brut Nature 2010

Gras, Kräuter, grüne Paprika, auf den ersten blinden Schluck ein richtig guter Neuseeländer. Harte, aber nicht aggressive Säure, die nach der ersten Mundattacke den saftigen Charakter besonders kontrastreich wirken lässt.  

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