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Monthly Archives: Juni 2012

Artisan de Champagne: Vilmart & Cie.

Laurent Champs auf einer Verkostung zu treffen und ihm einfach nur zuzuhören, ist lehrreich wie eine Stunde Bildungsfernsehen. Genau deshalb habe ich mit jeden Schluck Vilmart Champagner das Gefühl, schlauer zu werden.

1. Grand Cellier

70PN 30CH, vier Jahre Hefelager.

Feiner Holzeinsatz, pikante Säure, eleganter Auftritt, einer der besten Premier Crus seiner Klasse.

2. Grand Cellier d'Or 2006, dég. Februar 2011

80CH 20PN.

Holz. Masse. Beweglichkeit. Ausgelassenes Vergnügen. Ich neige in meiner unabbremsbaren Champagnertrinkfreude dazu, die knapp unter den eigentlichen Spitzencuvées der verschiedenen Häuser angesiedelten Champagner zu favorisieren. Das liegt einfach daran, dass die immer dann, wenn meine knappe Geduld erschöpft ist, schon trinkreif sind und nicht noch ewige Jahre lagern müssen, bevor ich wieder mit Genuss ran darf. So auch bei Vilmart, wo ich den Grand Cellier d'Or mit ein bis zwei Jahren Flaschenreife fast immer besser finde, als die Coeur de Cuvée.

3. Coeur de Cuvée 2003, dég. Juni 2011

80CH 20PN, 50 Jahre alte Reben, 10 Monate Barrique, mit 5 g/l dosiert.

Sehr reif, rahmig, pilzig, aber auch mit Limettengranité, Grand Marnier und Kumqat; trotz der relativ niedrigen Dosage und des bis ins Letzte rausgekitzelten Zitrusfrucht gehörig süß.

Artisan de Champagne: Jean-Louis Vergnon

Christophe Constant hat mit JL Vergnon einen ziemlich sicheren Hafen für Mesnilfans geschaffen.

1. Brut Blanc de Blancs "Conversation"

Avize, Oger, Le Mesnil. 2008er Basis mit 6,5 g/l Dosage.

Guter, typischer Côte des Blancs Champagner und eine Verlockung für Freunde merklicher Mineralität.

2. Extra Brut Blanc de Blancs "Eloquence"

Avize, Oger, Le Mesnil. 2007er Basis mit 3 g/l Dosage.

Sehr klug und gut gespielt. Ein Jahr mehr auf der Hefe, dafür weniger Zucker in die Dosage gepackt und bei gleichem Mix einen ganz anderen Champagner hervorgebracht. Im Gegensatz zu seiner Bezeichnung ist der eher wortkarg, da noch enger und mineralischer als die Conversation; gegen Ende medizinal angehaucht. Oder anders: während die Conversation sprudelt und plätschert, macht sich die Eloquence durch lakonische, aber überwiegend umso treffsicherere Wortbeiträge bemerkbar.

3. Brut Blanc de Blancs "Resonance"

Chardonnay aus Mesnil und Oger, 2006er Basis mit unter 6 g/l dosiert.

Für seine Herkunft erstaunlich saftig und spritzig. Vollmundig, nicht besonders holzig, mit leichter Steviaherbe. Mein Liebling aus der Kollektion.

4. Brut Nature Blanc de Blancs "Confidence" 2007

Total kompromisslose, mir momentan zu saure Fasscuvée. Zehn Jahre weglegen, dann vielleicht nochmal reinchecken, aber vorher nicht.

 

 

Artisan de Champagne: Daniel Savart

Ecueil. Heimat von Nicolas Maillart und meiner Entdeckung des Halbjahrs, Frédéric Savart. Schlichte Etiketten, die alles wiedergeben, was nötig ist. Champagner, der alles zeigt, was Champagner zeigen kann. Unprätentiös, selbstsicher, überlegen.

1. L'Accomplie

80CH 20PN, 2009er Basis, Reserve aus 2008 und 2007.

Sehr rassig, säurestark, schlank, herb, fordernd. Trinity aus der Matrix in Champagnerform.

2. Millésime 2008

60PN 40CH.

Holzfass. Gaumenvolltreffer. Ultrabelebend. einer der wenigen Champagner, der meine 95 Punkte Marke auf Anhieb touchiert.

3. Dame de Coeur 2007

100CH, mit 2 g/l dosiert.

Mandeltorrone, Marzipan, Grand Marnier, Buttercrème, Hagelzucker, glitzerschlanke, peitschenhafte Säure. Sicher eine Steigerung zum Millésime 2008, aber fragt sich, wie lange. Ich denke, die Dame de Coeur wird den 2008er zwar in ein, zwei Jahren überflügeln, aber dann langsam abfallen, während der 2008er sein hohes Niveau länger halten können wird. Auf mich wirkt die 2007er Dame de Coeur überaus gut, in einem nicht ganz einfach zu händelnden Jahr, das seine Schwierigkeiten im Champagner hinterlassen hat und ihn dadurch etwas extrem und konstruiert wirken lässt. Auf die Dame de Coeur 2008 dagegen bin ich auf das höchste scharf und gespannt.

 

 

Artisan de Champagne: Pierre Paillard

Antoine Paillard macht immer BSA mit seinen vom Bouzy-Terroir geprägten Champagnern. Denen tut das gut, die sind nämlich alle rechte Gaumenschmeichler und Publikumslieblinge.

1. Brut Assemblage, dég. 31. Oktober 2011

60PN 40CH, 2007er Basis mit Reserve aus 2006, mit 7 g/l dosiert.

Traubenzucker, rote Tafeltrauben, Blaubeeren. Wirkt anfangs etwas süß, was ihn dem nicht ganz so spezialisierten Publikum willkommen wirken lässt, die Süße setzt sich aber bald und macht einem dezenten Begleitchampagner Platz.

2. Blanc de Noirs lieu-dit Les Maillerettes 2007, dég. November 2010

Mit 8 g/l für meinen Geschmack zu hoch dosiert. Nach über einem Jahr Flaschenrife schmeckt mir die Dosage jedenfalls zu stark durch. Marilliger bis blaubeerkuchenartiger Einstieg in die Pinotwelt, wirkt aber nicht sehr speziell. Gegen Ende leicht nussig mit einer milden Dentagard-Kräuternote und Lakritzanklängen, die noch unterhalb der Störschwelle operieren. Das geht besser, oder zumindest fokussierter.

3. Blanc de Blancs lieu-dit Les Motelettes 2007, dég. Novmber 2010

Die Reben sind über 50 Jahre alt, die Dosage so hoch wie beim Pinot. Für einen Winzer aus Bouzy macht der Chardonnay eine sehr gute Figur. Hebt sich deutlich vom weißen Standard dieses Crus ab. Die Frucht wirkt etwas verzweifelt um sich beißend, wohl um fehlende Mineralität mit linder Aggressivität auszugleichen. Mir am Ende auch noch zu hoch dosiert, worin die Stärken der Lage liegen sollen, wird nicht klar. Muss es natürlich nicht, wenn Antoine weiterhin auf ein Publikum zielt, dem solche Fragen letztlich schnuppe sind.

4. Brut Grand Cru Millésime 2002, dég. September 2011

50PN 50CH, mit 7 g/l dosiert.

Meiner Meinung nach der gelungenste Champagner von Pierre Paillard. Ausgewogen, vielgestaltig, von dunkel, würzig und kernig bis erfrischend, krachend fruchtig und mundwässernd spritzig ist alles da, eine mit Apfelscheiben belegte Pumpernickelschnitte, die schön dick Butter trägt, kann für den gaumen ähnlich epikureischen Genusswert haben; auch an Eleganz und Länge fehlt es nicht.

 

 

Artisan de Champagne: A. Margaine

Auf dem Weg von Reims nach Epernay kommt man durch Montchenot, ein völlig nichtssagendes Straßendorf, das nicht der Rede wert wäre, wenn dort nicht mit dem Grand Cerf eines der besternten Restaurants der Champagne seinen Sitz hätte und seinen rühmenswert günstigen Mittagstisch feilböte. In Montchenot kann man nach Osten in die Montagne de Reims abbiegen dann ist das erste Örtchen Villers-Allerand es folgen die Premier und Grand Crus der Montagne wie auf einer Perlenkette. Gelangt man an deren nordöstliches Ende, findet man sich in Verzy wieder. Von dort aus kann man über das durch David Léclapart berühmte Trépail runter nach Ambonnay und in die Grande Vallée de la Marne fahren. Zwischen Verzy und Trépail liegt Villers-Marmery, das mir zuletzt bei der Vin Clairs Verkostung mit Régis Camus aufgefallen ist. In Villers-Marmery ist Champagne Margaine beheimatet. Arnaud Margaines Champagner habe ich mir aber nicht direkt unter dem Blickwinkel ihrer athletischen Fähigkeiten zu Gemüte geführt, sondern ganz unvoreingenommen in ihrer Eigenschaft als jüngste Kollektion des Erzeugers.

1. Cuvée Extra Brut, dég. Januar 2012

100CH, 2007er Basis, mit 4,5 g/l dosiert.

Für einen Blanc de Blancs Extra Brut sehr fruchtig, Sauerkirsche, Acerola, roter Apfel, fast immer ein Merkzeichen für die Montagne, das Sézannais oder die Aube. Hier kam gegen Ende eine leicht gerbende Note hinzu, die in der Blindverkostung der beste Hinweis auf Montagne ist.

2. Cuvée Traditionelle, dég. Februar 2012

90CH 10PN, 2009er Basis, mit 9 g/l dosiert.

Etwas kurz geratener Champagner, trotz seines für die Gegend gar nicht mal so ungewöhnlich hohen Chardonnayanteils. Ordentlich, aber nicht umwerfend. Vielleicht gegen Jahresende in besserer, länger schmeckender Verfassung.

3. Cuvée Special Club 2006, dég. Februar 2012

100CH von drei Parzellen, mit 8,5 g/l dosiert.

Braucht noch seine Zeit, wirkt trotz der reichlich 8,5 g/l Dosage sehr stramm und zwackt gehörig.

Artisan de Champagne: Nicolas Maillart

Aus Ecueil, einem Premier Cru (90%) etwas westlich der Strecke von Epernay nach Reims, kommen gleich zwei Artisans de Champagne, Nicolas Maillart und Daniel Savart. Den Champagner von Nicolas Maillart, um den es hier geht, kenne ich schon ein paar Jahre und er beweist jedes Mal, dass Ecueil mehr ist, als ein von Armut, Skrofeln und Steuereintreibern heimgesuchter Elendsweiler.

1. Vin Clair: Chardonnay Premier Cru Chaillots Gillis 2011

Trauben aus Ecueil und Bouzy (sic!), Fassvinifikation und -ausbau, bâtonnage, kein BSA; unfiltriert.

Chlor und Banane, viel frischer Hefeteig, im Mund schon ganz beweglich und erkundungsfreudig.

2. Blanc de Blancs Premier Cru Chaillots Gillis 2004, handdégorgiert Dezember 2011

Kein BSA, mit 3 g/l dosiert.

Erbarmungslos, explosiv und von Beginn an auf der Überholspur. Ein Grand Cru Killer, im Moment mein Lieblingschampagner von Maillart.

3. Cuvée Platine Premier Cru

80PN 20CH, mit 8 g/l dosiert.

So wie das safety car in der Formel 1 neben den Hauptakteuren wirkt, als würde es mit angezogener Handbremse fahren, wirkt die Cuvée Platine nach dem Lagenchampagner. Dafür bekommt man alles deutlicher mit. Mandarine, Apfel, weißer Pfirsich, im Mund leicht, aber nicht wirkungslos.

4. Francs de Pied Blanc de Noirs Premier Cru 2005

100PN, gepflanzt 1973, Fassvinifikation und -ausbau, bâtonnage, kein BSA, unfiltriert; mit 3 g/l dosiert.

Herb und eigenwillig, neben dem mit Kreidestäbchen belegten und mit Limette garnierten Toastbrot ist vom Jahrgangscharakter noch nur wenig zu erahnen. Kann man sicher gut zum Essen trinken, sollte man aber lieber sein lassen und in frühestens vier Jahren wieder anrühren.

Artisan de Champagne: Lancelot-Pienne

 

Noch ein Solerawinzer. Passend zum Namen heißt die Visitenkartencuvée nach der Tafelrunde von König Artus. Lancelot-Pienne gehört in Cramant zu den Winzern, denen es weniger auf Balance anzukommen scheint, als auf einen herzhaften, vom Terroir durchaus mitgetragenen Stil.

1. Cuvée de la Table Ronde Grand Cru Brut Nature

100CH aus Cramant, Avize und Chouilly, 2007er Ernte und ca. 15 Jahrgänge Solerareserve.

Sehr würdiger, kräftiger, von der Solera abgerundeter Champagner, der sich als Brut Nature sehr gut schlägt.

2. Cuvée de la Table Ronde Grand Cru Brut

Zusammensetzung wie der Extra Brut, wirkte auf mich mit seiner Muscovadozuckernote zunächst etwas eigen, wurde dann limonadiger, wenngleich sehr gefällig und für die meisten unbefangenen Verkoster sicher vorzugswürdig.

3. Blanc de Blancs Grand Cru

2008er Basis aus den Coteaux Sud d'Epernay Monthelon, Mancy, die 20% Reserve sind wieder Solera; mise en bouteille 2009, mit 8 g/l dosiert.

Weißer Blütenteppich, weißer Pfirsich, ausgewogener und aromatisch stimmiger, als der Table Ronde Brut.

4. Cuvée Sélection

62PM 28CH 10PN, 2007er Basis, mise en bouteille 2008.

Für einen Winzer aus Cramant ist der Meunieranteil hier ungewöhnlich hoch. Macht nix, Giles Lancelot kann damit umgehen. Der Champagner ist sonnig, freundlich, mit einer Mischung aus sehr reifer Ananas und Grapefruit, da habe ich von Winzern aus der Vallée de la Marne – und dort sind ja die Meunierspezis zu Hause – schon schlechtere, dünnere, brotigere, fadere Champagne getrunken.

Artisan de Champagne: Champagne Huré Frères

 

Aus Ludes stammen die Huré-Champagner. Der Name wird in Deutschland sicher einige falsche Erwartungen und Assoziationen wecken. Dabei ist Francois Huré ein Winzer, der sich sehr genaue Vorstellungen von dem macht, was er auf die Flasche bringt. BSA lässt er z.B. meistens bleiben. Jahrgänge dagegen gibt es bei ihm jedes Jahr, als Kalibrierchampagner und um den Geist eines jeden Jahres in Flaschen gebannt zu haben. Besonders hervorzuheben ist seine schon im Jahr 1982 angefangene Solera, die zu den ältesten der Champagne gehören dürfte.

1. Brut l'Invitation

15CH 45PM 40PN, 2008er Basis mit 30% Reserveweinanteil, BSA, mit 8 g/l dosiert.

In der Nase stinkig, im Mund herb bis sogar leicht angestaubt, trotz der hohen Dosage und des schmeichelnden Jahrgangs. Haselnussig, Bergische Waffel ohne Kirsche, dafür kalkbestäubt. Müsste man in zwei, drei Jahren nochmal trinken.

2. Extra Brut Réserve

Auf Basis der Cuvée l'Invitation, diese wiederum auf Basis des 2007er Jahrgangs, mit 3 g/l dosiert.

Schweinespeck, Kirschkerne, Salz, Räucheraroma, Mandeln. Obwohl 2007 gegenüber 2008 das schwächere Jahr ist, scheint bei diesem gering dosierteren Basischampagner die dahintersteckende Idee durch. Für die Zeit, in der die Cuvée l'Invitation liegen sollte, empfiehlt sich der puristischere, geschmacklich jetzt schon gut abgreifbare Extra Brut.

3. L'Instantanée 2005

Drittelmix, mit 6 g/l dosiert.

Ruhig und ausgewogen, zwischen Honig, Ziegenfrischkäse und leicht gerbender, pflanzlicher Herbe. Sehr fein hineinkomponierte Säure.

4. N.N. Brut Nature – Solerachampagner 1982 – 2010, dég. 16. April 2012

Mise en bouteille im Juni 2010, Soll jetzt erstmals in den Handel kommen. Als ich den Champagner probiert habe, hatte er noch keinen Namen. Der Stoff aus Villers-Marméry wird sich jedoch bald schon einen guten Namen machen. Weinig und orangig, wie ein außergewöhnich milder Campari-O mit Fassausbau, dazu kommen limettige Töne, dann wieder reife Noten, alles noch bisschen durcheinander , aber mit einer kleinen Dosage sicher schnell im Glied, sit venia verbo.

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