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Monthly Archives: Juli 2015

Und nochmal: Champagner

Anfang des Jahres habe ich meine erste Reise in das Vitryat unternommen und war über meine Unwissenheit  ganz schockiert, ein Schock, der sich bis heute nicht gelegt hat und eine innere Unruhe mit sich brachte, die mich verstärkt dazu antreibt, in die Champagne zu fahren, um diese ungehörigen Lücken mit Champagner und Wissen zu füllen, was ja am Ende gleichbedeutend ist, bzw. überwiegend fülle ich eigentlich nur Champagner in mich hinein. Dankenswerterweise aber ist die Champagne wie ein höherbegabtes Wesen in der Lage, solche Defizite und krassen Fehlentwicklungen vorherzusehen und ihnen mit maßgeschneiderten Mitteln zu begegnen. So kam es, dass Monsieur Claude Kossura auf Einladung der Terres et Vins de Champagne Winzer einen Vortrag über den großen Gebietsdreiklang von der Côte des Bar über den Montgueux bis zum Perthois, das ist die Umgebung des Vitryat, am Leuchtturm von Verzenay abhielt. Zum Glück gab es dazu flüssige Untermalung und passenden Käse, denen ich mich chon einmal mit meiner ganzen Aufmerksamkeit und Körperfülle zur Verfügung stellen konnte, während Monsieur Kossura dozierte.

Das was immer als die berühmte Kreide im Boden der Champagne verkauft wird, ist, so ließ sich erfahren, viel vielgestaltiger, als man gemeinhin denkt. Da gibt es nämlich nicht nur die eigentliche Kreide, sondern auch den von Ammoniten geprägten Portlandkalk (Oberjura, 153 bis 145 Mio Jahre alt) und das etwas ältere ammonitische Kimmeridgien (Oberjura, 163 – 153 Mio Jahre als); die kreidebildenden Belemniten tauchen erst im Turonien, also einem Teil der Kreidezeit (Oberkreide des Mesozoikums, ca. 100 bis 66 Mio. Jahre alt) auf und befinden sich anders als man meinen könnte nicht nur in Le Mesnil sur Oger sondern auch und vor allem im Gebiet rund um Tours, bzw. dort wurden sie erstmals typisiert. Schön und gut, aber was bringt alle graue Theorie, ohne den grünenden goldnen Lebensbaum? Also Gläser gefüllt und eifrig gelernt.

Champagne Piollot Père et Fils verdanke ich eine aufregende Erfahrung mit warm dégorgiertem 1982er Rosé und nun gleich eine ganze Fülle neuer Eindrücke mit dem Champs Rayés Blanc de Blancs 2010, gewachsen in Noé-les-Mallets, mit viel Nuss, dickwandigem Muskelgeflecht und unbändiger Stärke bei anschmiegsamer und weicher Süße, die perfekt zum Lingon passt, ein traditioneller Ziegenrohmilchkäse der Region mit rötlicher Rinde  und feinem Salzgeschmack. Zum Thema Portlandien und Turonien ging es weiter mit Vincent Couche und seiner ADN-Reihe. ADN ist die französische Schreibweise für DNS und um den genetischen Code seiner einzelnen Lagen geht es Vincent folgerichtig in der gleichnamigen Reihe. Der ADN de Montgueux 2010 ist ein Hammer unter den Champagnern und zeigt, dass der Montgueux zu recht mit den großen Burgundern in einem Atemzug genannt wird. So viele aromatische, Mineralität vermittelnde Schwefelverbindungen wie hier gibt es sonst höchstens noch in richtig gutem Meursault. Zum Champ sur Barse, auch dies ein in seiner Grundform leicht salziger, allerdings sehr frischer und bei dieser Gelegenheit gepfefferter Käse der Region, ist das ziemlich dicht am perfekten Genuss. Pascal Doquet lieferte als Dritter im Bunde mit dem Horizons auf 2011er Basis einen Chardonnay-Champagner aus Bassuet ab, der sich mit dem gepfefferten Champ sur Barse ein nichtendenwollendes Rennen auf der Zunge lieferte.

Kimmerdigien war das thema der nächsten Verkostungsrunde, eingeleitet von Marie-Courtin Eloquence 2010, ein Chardonnay aus Polisot, der wie ein gedopter Grüner Veltliner auf mich wirkte, mit sehr viel Pfefferl, Kraut, Pflanzenstoffen, Paprika und einer an Marihuana erinnernden Note. Zum Emmentaler war das eine ganz schöne Herausforderung für den Gaumen, aber einmal gemeistert auch eine, die süchtig macht. Dann durfte Olivier Horiot zeigen, was sein Pinot Noir Val Bazot 2008 aus Les Riceys kann. Der konnte vor allem mit roter Johannisbeere, Aronia und einem Duft von warmem Mulch einen Willkommensempfang für die Quiche aux Champignons de Cussangy bereiten. Vor allem das mulchige Aroma und die Pilze taten einander sehr gut, die Hefe vom Teig und vom Champagner war auch schnell miteinander verbrüdert und das herbsäuerliche Fruchtarome gab der Sache einen energiereichen Antrieb. Der ADN de Buxeuil, ein Pinot Noir von Vincent Couche, der zum Ziegenkäse serviert wurde, blieb mir leider danach nicht so sehr in Erinnerung, dass ich darüber groß etwas notiert hätte. Umso mächtiger drängte sich aber Horiots Barmont 2010 als Rosé de Riceys in mein Bewusstsein, was natürlich auch an seinem Stillweinnaturell liegt. Für mich einer der besten Rosé de Riceys.

Den Schluss bildete das Atelier Kimmeridgien Marneux, hier durfte Piollot seinen Pinot Blanc Colas Robin 2010 aus Polisot zur allgemeinen Überraschung und Freude vorführen, begleitet von einem kräftigen, wunderbar gereiften Soumaintrain. Der Pinot Blanc war zweifelsfrei gut und passte auch zum Käse, zeigte aber keine ganz und gar eigenständige Größe, sondern wirkte mehr getragen von der Käse-Fremdaromatik, auf deren Wellen er freilich sehr kunstfertig zu surfen verstand. Schweinestark war danach Horiots Escharère 2008, ein Pinot Noir, der mit Chaource-Gougères zu ähnlich lustvollen Durchströmungen des Körpers führte, wie der ADN von Vincent Couche mit dem Käse. Trockenkräuter, Verbene, unnachgiebiger Druck und das Gefühl, jemand griffe mit der Faust bis in den Magen hinein. Eine weitere geniale Kombination gab es von Marie-Courtin, deren Concordance 2011 zusammen mit dem Soumaintrain ein trinkbarer Spätsommernachtsraum ist. Bienenwachs, Met, die Leichtigkeit eines feinen Möselchens, dazu Salz, Laktik, Beeren und schier unfassbarer Leichtsinn kommt einen an.

Gelernt habe ich während der drei Ateliers nicht viel, getrunken, kombiniert und mich hinreißen lassen dafür umso mehr. Wichtigstes Fazit für mich: Es gibt fast nichts besseres als Salziges zum Champagner.

Mal wieder Champagner

2015 gab es mehrere schöne Neuentdeckungen, viele Bestätigungen bei den beobachteten Champagnern, die alten Bekannten kamen dabei leider etwas zu kurz. Schöne Chardonnays hat das Jahr mir bisher ins Glas gebracht und es werden bis zum Ende des dritten Quartals noch einige mehr geworden sein, wie ich hoffe. Im Oktober gibt es dann die große Rutsche aller bis 1998 unter der Führung von Champagne Krug entstandenen Clos du Mesnils, ein vorgezogenes Weihnachten und sicher eine der Höhepunktveranstaltungen des Jahres. Die allgemeine Arbeit am Glas darf darüber aber nicht zu kurz kommen und sei hier in verzweifelter Kürze ausschnitt- und überblickartig zusammengafasst.  

Pierre Callot Blanc de Blancs Brut Grand Cru, dicke, reife, fette Chardonnaychampagner sind die Stärke von Callot, den man mit dieser Stilistik gar nicht in Avize vermuten würde. Aber woanders auch nicht. Die typische Chardonnaylangeweile, die von vielen nur mittelguten Champagnern ausgeht, ist Callot fern. Er fordert mit seiner oxidativen, milschschokoladigen, nussigen und dennoch stets frischen und apfeligen Art milden Widerspruch heraus, wobei deutsche Sekthersteller ohne engeren Champagnerbezug den ausgeprägten Luftton reflexhaft als Fehler ablehnen, Verbraucher schätzen ihn hingegen als champagnertypisch und besonders gesuchtes Merkmal. Für mich ist der Champagner von Callot immer eine sichere Zuflucht und ein Behagen verströmender Trunk. 

J. Charpentier Réserve Brut 80PM 20PN, Reservewein aus dem Fuder, mit 9,5 g/l dosiert, ist ein Klassiker der mittleren Marne, mit seiner rötlichen Fruchtgrundtönung, dem Brotduft, der Exotik von Mango-Maracuja Eis am Stiel.  

Maurice Grumier Brut Blanc de Noirs 80PM 20PN, 30% Reservewein, mit 9 g/l dosiert, ist im Vergleich mit Charpentier etwas straffer und enger anliegend, ja disziplinierter, wenn nicht gleich preußischer, aber immer noch als Kind der mittleren Marne zu erkennen und zu schätzen, vor allem, wenn man es etwas strikter mag.

de Venoge Cordon Bleu Légion Etrangère dég. 2011, ist ein Champagner aus 50PN 25CH 25M, der von Urban Legion vertrieben wird und dessen Erlös zu einem teil in soziale Projekte der Fremdenlegion fließt. Den Preis pro Flasche kann man bei ebay oder französischen Placomusophilisten rekapitalisieren, die Kapseln bringen zwischen fünf und acht Euro am Markt. Der Champagner liefert sehr zuverlässig ab. Gerade die länger dégorgierten Ausgaben wie diese hier entwickeln köstliche Reifenoten, sind vollmundig, beinahe schwülstig, aber mit herben, rauchigen und röstigen Noten, die den Champagner gekonnt abgrenzen.   

Vincent Couche hat seine Perle de Nacre auf Basis des 2004ers mit 5 g/l dosiert und findet ebenso wie die Cuvée selbst kein Ende. Der Stoff aus Montgueux hat in den letzten Jahren so viele Facetten gezeigt und ist dabei noch kein bisschen in die Jahre gekommen, dass es doch eine rechte Pracht ist. Eine gewisse Weichheit und wohlgeformte Rundung zeichnet sich aber mittlerweile schon ab und somit ein mehr als erfreulicher Erwartungshorizont beim Einlagern. Ähnliches behaupte ich aufs geratewohl für die demeterzertifizierte Cuvée Eclipsia aus dem Erntejahr 2011, und ungewöhnlichen 80PN 20CH, bei 3 g/l Restzucker und ohne jegliche Dosage. Ganz schön fett, der Champagner, oder klassischer gewendet: schönärschig. Gemäßigter in den äußerlichen Anlagen, aber ein Gingertyp ohnegleichen ist die Roséausgabe der Cuvée Eclipsia, mit 6 g/l dosiert, teils Saignée, teils macération carbonique, mit einer umwerfenden Sauerkirscharomatik. Die Cuvée Passion 2002, 50CH 50PN, dég. Juni 2014 und mit 7 g/l dosiert, war danach mit ihrer völlig anderen Reife und Struktur ein Exempel für die Auswirkungen langen Hefelagers, wobei der Passion keine verstörende Aggressivität innewohnte, sondern unschuldigster Trinkspaß. Die schwefellose Cuvée Chloé auf 2012er Basis mit 2011er PN/CH, stammt aus dem Faß und ist undosiert ein Mordschampagner. Ohne jeglichen Schnickes, unchaptalisiert, ungeschönt, ungeklärt, ungefiltert, mit viel Saft und Kraft. Die Sensation 1997, dég. 2012, erinnerte mich an honey-coated peanuts, Räcuhermandeln und getrocknete Zitronenschale. Sehr schön zu trinken und jetzt mit einer leichten Mürbe ausgestaltet, die noch nicht morbid ist und dem Champagner etwas von beiden Welten, der diesseitgen und der jenseitigen, gibt.      

Aus dem Hause Tarlant kommt schon lange ein nicht versiegen wollender Strom, origineller Champagnerideen und es folgt mit verblüffender Zuverlässigkeit eine Umsetzung, die nichts zu wünschen übrig lässt. Der Zéro auf 2007er Basis (55%) mit Reserven (volle 45%) aus 2006, 2005 und 2004 ist weiterhin als Drittelmix zusammengeschraubt; im September 2014 dégorgiert gab er sich brotig, nussig und straff, eben als der kernige Typ, den man erwartet, wenn man einen Zéro Dosage öffnet. Schön. Die Roséversion auf 2008er Basis, dég. Juli 2014, ist weiterhin eine der schärfsten waffen im Kampf gegen die Verkitschung und modische Anbiederei des Roséchampagners. So soll er bitte bleiben. La Matinale 2003 ist ein famoser, undosiert gebliebener Gleichklang aus Säure und Masse, so eine Art Tesla P85D unter den Champagnern und der Lohn frühmorgendlicher Arbeit im Weinberg. Der Name La Matinale kommt nämlich daher, dass im Jahr 2003 morgens immer sehr zeitig geerntet werden musste, um die Säurewerte einzufahren, die den Champagner lebhaft halten. Daraus entwickelte sich der tarlanttypische Cuvéespitzname, der sich schließlich offiziell durchsetzen konnte. Der 2004er Vigne d'Or (100M), dég. März 2015 kommt erst im september 2015 auf den Markt und jetzt schon sehr vielversprechend, das reinste Johannisbeergelee, lebhaft wie eine Katze, die nicht in das für den Transport zum Tierarzt bestimmte Körbchen einsteigen will und trotzdem verschmust. Der rebsortenmäßig große, altersmäßig jedoch jüngere Bruder vom Vigne d'Or ist der Vigne Royale aus 100PN, die in Condé sur Marne stehen. Erntejahr ist 2003, der nächste wird erst wieder den Jahrgang 2007 tragen. Die aktuelle Ausgabe ist seit September 2014 im Handel und dort aus dem Dornröschenschlaf erwacht, die schlaftrunkene Süße und Weichheit des Champagners ist einer putzmunteren Aufgewecktheit gewichen, die sich viel Anmut bewahrt hat, aber jetzt vor allem gesunde Burgunderaromen entwickelt. Der Vigne d'Antan ist jetzt im Jahr 2002 angekommen und frisch in den Handel gelangt. Als Brut Nature mit feinstem Pilzaroma und jugendlicher Frische, etwas machohafter Säure und goldenem Toast wirkt er wie ein völlig entfesselter Comtes de Champagne, der versehentlich mit Dom Pérignon aufgegossen wurde. Die Cuvée Louis, dég. Juli 2014 und mit 1,4 g/l dosiert, die zu den bestpreisigen Spitzenchampagnern gehört, ist auf Basis (=85%) des 99ers mit Anteilen aus 98, 97 und 96 einer der großen Würfe dieser an starken Champagnern schon so reichen Reihe.    

Mal was über die Mosel

Die Mosel ist meine Stillweinheimat. Der klassische Moselkabinettriesling ist im Stillweinbereich einfach durch nichts, insbesondere nichts mühevoll trocken durchgegorenes (meist mit verschämt weggeklemmtem Zuckerschwänzchen) zu übertreffen. Deshalb sind nehme ich Gerichtstermine des Arbeitsgerichts Trier, die als auswärtige Gerichtstage im Gebäude des Amtsgerichts Bernkastel-Kues stattfinden, mit einem lachenden und einem weinenden Auge wahr. Lachend, weil ich gern bei Gericht bin und schon manchen guten Verfahrensausgang von dort mitgenommen habe. Weinend weniger wegen der längeren Fahrtdauer, um dorthin zu gelangen; sondern aus einem anderen, eigentlich schönen Grund. Ich decke mich nämlich vor Ort auch gerne mit Wein ein. Und das kann die mitgeführte Barschaft teilweise erheblich belasten. Aber egal, das eingekaufte Vergnügen, so ephemer es zu sein scheint, entlohnt und entschädigt in angemessener Höhe. Meine jüngsten Eindrücke waren etwas durchwachsen, was aber an der vorschnellen Öffnung der betroffenen Flaschen gelegen haben kann.

1. Joh. Jos. Prüm Kabinett feinherb 2012
Ist ok, muss ich aber nicht haben. So wie ich die Bezeichnung feinherb und alles, was sich damit verbindet, insgesamt nicht haben muss. War mir auch irgendwie zu getrimmt und gemacht und ohne den sonst so geschätzten unbequemen Einstieg in die Prümsche Weinaromenwelt.

2. Joh. Jos. Prüm Kabinett 2012 
War etwas alkoholisch und hat offenbar reichlich Sonne abbekommen, die für den buttrigen Popcornton verantwortlich sein dürfte, im übrigen ziemlich klar strukturiert, kein Aromenlabyrinth und eng mit dem feinherben Jabinett verwandt. Mit gefällt's bis auf Widerruf.  

3. Joh. Jos. Prüm Graacher Himmelreich Kabinett 2011
Kam mir laktisch und alkoholisch zugleich vor, am Gaumen trotz des diffusen Naseneindrucks etwas schneller entwickelt, als unbedingt notwendig, bzw. von Prüm gewöhnt.

4. Joh. Jos. Prüm Graacher Himmelreich Kabinett 2009
Jugendlich, mit federndem, wippendem Schritt, abgeschmolzener Speck, dennoch etwas verschlossen und maulfaul, aber auf einem hoffentlich guten Weg.

5. Joh. Jos. Prüm Wehlener Sonnenuhr Spätlese 2008
Hier fehlte mir Säure. Und nicht nur ein wenig, sondern hier fehlte mir viel Säure. Die Spätlese wirkte nicht nur behäbig, sondern richtiggehend langweilig.

6. Joh. Jos. Prüm Wehlener Sonnenuhr Auslese 2003
Tangerine, Blutorange, Vetyverparfum, elegante Reife, der ideale Wein für Kolonialromantiker oder um sich dabei den sehr guten Film "Die letzten Tage in Kenya" anzusehen.

7. Max Ferdinand Richter Veldenzer Elisenberg Kabinett 2014
Schlank uns spritzig, wirkte aber gleichzeitig leider auch etwas dünn. Vielleicht kommt mit dem Alter noch mehr ausladender Hüftschwung dazu, der stünde dem Wein gut.

8. Witwe Dr. Thanisch Bernkasteler Doctor Kabinett 2013
Wie beim 12er Prüm Kabinett eine merkliche aber nicht störende Popcornnase, insgesamt eine gerade noch ausgewogene, klassische Moselschönheit, die für mich aufgrund der römischen Vergangenheit immer auch etwas dunkelhaarig-lockig-lockendes haben muss, eine schieferige Stinkigkeit zum Beispiel, oder Moschus oder irgendein verrucht bis obszön wirkendes Aroma.

9. Ansgar Clüsserath Kabinett 2014
Dem Richter nicht unähnlich, aber mit mehr Bizzel und Exotik, ohne in den Bionaden-/Limonaden-/Hipstergetränkabgrund abzurutschen.

10. Licht-Stadtfeld Brauneberger Juffer Spätlese 2013
Trotz seiner geringen Säure ein gelungener Moselriesling. Pausbackig und rund, süffig, unaufgeblasen, für mich eine gänzlich neue Art, Brauneberger Juffer in die Flasche zu bringen.

11. Marlene Schander Neumagener Engelgrube Eiswein 2009
Nougat, Toffee, Rumkirschen. Winterliche, kühle Säure, sehr gelungener Wein aus ausgerechnet Neumagen, das ich praktisch nur von Uralflaschen kenne, die gezwungen sind, ein trauriges Ramschkstendasein zu fristen, weil von Omas Weinnachlass keiner mehr etwas richtig dolles erwartet. Ich aber kann sagen: was ich da bereits getrunken habe ist zwar überwiegend nicht aus dem Weinolymp entnommen, macht aber riesige Freude, wenn man sich ein wenig mit Altweinaromatik anfreunden kann. Umso schöner, wenn es von Marlene Schander jetzt auch Neumagen in jung und spitzenmäßig zu trinken gibt.