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Category Archives: Allgemein

Allerlei und allerhand Information rund um den schäumenden und den stillen Wein, Cognac, Hotels und Restaurants. Streng nach meinen eigenen Interessen geordnet und veröffentlicht.

Chateauneuf in Warendorf: Rayas vs. Charvin 1974 – 2010

Den wenigen Rotwein, den ich im Jahr trinke, trinke ich meist auf einmal. So zuletzt auf Uwe Bendes unwiderstehlichen Ruf nach Warendorf hin, in das phänomenale Restaurant und Landhotel von Uwe Aust in Warendorf, unweit von Münster und nicht sehr weit vom berühmten Taufstein der Stiftskirche von Freckenhorst. Dort gab es schön viel Chateauneuf von Charvin und Rayas.

I. 

Erstmal gab es Fonsalette 98, mineralisch bis gar kalkig kam er mir vor, vielleicht weil ich noch Restchampagner am Gaumen hatte, im Mund schien mir der Fonsalette herb und angäeltelt. Fonsalette 01 hatte eine süsslichere Nase mit etwas Andouillette, ausserdem Wacholder; ohne den Nasenstüber ein schöner Wein, aber reichtlich ungehobelt eben. Es folgte Fonsalette 03, der war flott, schnittig, fruchtig, elegant; Lorbeerblatt und Kräuter machten den Weion zum Flightsieger für mich, der folgende  2007er war nämlich noch sehr dicht und verschlossen, bei ähnlicher Größe wie ich sie dem 2003er zubilligen möchte, aber noch pieksend, unreif und frech. Der Côtes du Rhône von Charvin aus 2007 und aus der Magnum war dann der passende Saufwein für zwischendurch.

II. 

Charvin 2010 kam mit dicker, wonnigsüsser Nase und leicht steinig ins Glas gebröckelt, zeigt sich aber dann schlank und nordisch kühl, mit kandierter Rosenblüte als speziellem Etwas. 2009 war eeetwas ruhiger als 2010, im Mund noch dicker und zur Strafe für die Übertreibung leicht brandig, insgesamt also ganz schön schwergewichtig. Den dann vorgeführten 1998 hatte Uwe selbst abgefüllt, hier war mehr Schnittblume, liebstöckel und Butter im Mund, der Wein wirkte etwas süsser und machte mehr Spass als 1998 in der Chateauabfüllung, der hatte mehr Pillenbox, eine verhaltenere Nase und wirkte im Mund kühler, geschliffener, komplexer, auch minziger, mit mehr Eukalyptus, als die Eigenfüllung.

III. 

Charvin 1989 war reif und röstig, schmeckte nach in Butter gebratenen Semmelbrösels und gefiel mir mit seiner reifsüßen Nase nicht schlecht; im Kern war der Wein säuerlich, im Mund, rund, weich und mit Menthol. Für seine volle Reife sprach der sanfte Liebstöckelduft, im Anschluss baute der Wein dann auch eher ab als auf. Charvin 90 hatte ein viel juengere Nase, mit Popreis, angebratenem Reis, wirkte, dicker und auf elegantere Art reifer und entwickelter aber eben nicht ältlicher im Geschmack, weil sich deutlich mehr Walderdbeere und Himbeerlimonade als im 89er aufspüren ließen, Dann kam Pignan 07 ins Glas, mit purer Reisnase, Getreidekeks und einem seltsamen Pyrazinton, während er im Mund malzig, bonbonig, süss war; Uwe meinte, das sei flüchtige saeure, für mich schien es eher ein Waschmittelton zu sein, der an UTA erinnerte. Rayas 74 mit viel Speck, Holzkastl, Schinken, und Rauch war ein starker Wein mit Luft kam Teerseife, pikant-herzhafte Süsse, milde Pilzigkeit, Rahm und sich ankündigende Milchschokolade. Sehr stark, aber nicht jedermanns Sache.

IV. 

rayas stets heller als charvin; rayas immer grenache, charvin 80grenache 20syrah charvin 00 eher dicke, schwerfaellige nase, im mund pflanzlich und etwas einfach gestrickt, rosenbluete rayas 00 flott, suess, girlyhaft, im mund weit, fein, elegant, gut; , blumenbouquet, apfelspalte charvin 01 saeuerlich, campher, sauerampfer, im mund kompakt, dicht, eher kraeftig; dicklich auch im mund rayas 01 wuerzige nase, roter apfel, cranberry, milde roestnote, im mund schlank, fein, zart

V. 

Charvin 07 hatte viel Frucht und Candy, wirkte dummschön, sehr schmatzig, mit etwas Lakritz und Kautabak. Rayas 07 war fast wie der Vorgänger, aber etwas dunkler, mysteriöser, okkulter, im Mund superfein, dynamisch, stark, ein tolles geschoss. Charvin 03 war reduktiv, mit Austernschale, Luftzufuhr machte ihn weich, fluffig, beerig, samtig, aber ließ ihn nicht sehr elegant aussehen. Ganz anders der Rayas 03, vegetabil und blutig zugleich, stahlgefedert, druckvoll, bärenstark und von natürlicher Eleganz. 

VI. 

Rayas 2006 war ein weicher, seidiger Wein, der deutlich eleganter war, als Charvin 06, die beiden sah ich am Ende qualitativ eng beieinander, gustatorisch hingegen weit auseinander; den 2004er Rayas muss ich, da vielleicht in einer Verschkussphase, als wenig bis nichtssagend abtun, vielleicht war er für mich zu dieser Zeit aber auch einfach nur zu fein, wohingegen Charvin 2004 etwas prächtiger und ungestümer wirkte. 

VII. 

Der 99er Charvinteil des flights war den 98ern sehr ähnlich, den selbstabgefüllten fand ich überlegen. 2002er Charvin gefiel mit mit seinen Brombeertönen, dem nahtlosen Tannin, seiner geschmeidigen Stoffigkeit, der sich ankündigenden Reife, erstaunlich gut für das, was ich von Charvon bis dahin getruken habe und fast durchweg mit mehr als respektablem Abstand unterhalb von Rayas angesiedelt sah. 2005 Charvin hatte Rotfrucht, Candy, war im Mund aber fairerweise doch schon seehr geschmeidig, mit Maulbeere, wirkte wieder rustikal aber gut und warf mit Luft Schwarzkirsche, Veilchen und Pfeffer aus. Mein Zwischenfazit zu diesem Zeitpunkt: Rayas ist Champions League, Charvin Bundesliga. Beim Vergleich der Weine habe ich überwiegend Unterschiede, weniger Gemeinsamkeiten gesehen und mitnichten kann ich im Charvin so etwas wie einen kleinen Rayas erkennen.

VIII. 

Charvin 94 war nicht sehr expressiv, hatte aber die von mir geschätzte Griottenote, schien dabei zunächst wässrig, später getreidig. Charvin 95 hatte leider Kork. Charvin 96 zeigte sich maulbeerig, hatte eine pelzige Nase, mit Zedernholz und einer angenehm reifen Art. Charvin 97 war minzig, mentholig, auch mit Zedernholz ausgestattet, wurde mit Luft aber immer ledriger, ja sogar problematischer. 

 

Champagne Bérèche

Von Raphael Bérèche habe ich schon eine stattliche Zahl Champagner getrunken, die so umsichtig und klug gemacht waren, dass es mir immer wie Sünde vorkam, diese Kunstwerke einfach so zu trinken; es hilft aber alles nichts, getrunken werden müssen die Champagner nunmal und also habe ich mich wieder ans Werk gemacht. 

1. Chardonnay Les Beaux Regards Brut Nature 2009

2/3 Ludes 1er Cru, Parzelles: Les Clos, Les Hautes Plantes, Les Beaux regards; 1/3 Mareuil le Port, Parzelle Les Misy. Ein sehr fordernder Champagner, den ich den Jason Statham unter den Champagnern nennen will, insbesondere drängen sich mir Vergleiche zu seiner Rolle in Crank auf. Letzthin hat er sich vom hochgeputschten Adrenalinjunkie in Richtung einer sanfteren, buttrigeren Note mit Gras, Heu, Blüten und einer kaktusartigen Struktur entwickelt.

2. Le Cran 2006

Dick, reif, fett, konzentriert, nicht gerade argsauer, obwohl der Champagner aus Einzellage und von tüchtig alten Reben keinen BSA durchlaufen hat. Bei aller Masse trotzdem sehr agil, so wie Steven Seagal in seinen mittelspäten Werken.  

3. Campania Remensis Rosé

Mittelgewichtig, nicht gerade wahnsinnsfruchtig, pendelt zwischen wenig Säure und zu viel Wasser. Das ist kein schlechtes Zeichen, denn oft genug habe ich erlebt, dass solche Champagner schleichend aber unaufhörlich Aromen in diese Lücke nachfluten lassen wie ein klassisches Sommerhochwasser.

Vinocamp 2013 in Geisenheim: Pearls, pearls, pearls! #VCD13

Großes steht bevor! Das diesjährige Vinocamp wird eine Schaumparty der Extraklasse und die Leitveranstaltung zum Thema Schaumwein nicht nur des Monats, sondern mindestens des ganzen Jahres und des halben Kontinents. Warum? Weil die einzelnen Sessions und Verkostungen alles haben, was für ein denkwürdiges Ereignis dieser Art, dieser Größenordnung und mit diesem inneren wie äußeren Anspruch notwendig ist. 

In der Lehrweinprobe im großen Hörsaal widme ich mich z.B. den wichtigsten und aufregendsten Schaumweinregionen. Vorbereitet habe ich 

1. Champagner, Nicolas Feuillatte Bdb 2005

2.1 Deutscher Sekt, Immich-Batterieberg Jour Fixe Riesling Brut Zéro 2008

2.2 Deutscher Sekt, Raumland Blanc et Noir

3. Österreichischer Sekt, Szigeti Grüner Veltliner

4. Australischer Sparkling, Cumulus Rolling Pinot Grigio/Chardonnay

5. Südafrikanischer Sparkling/Cap Classique, Simonsig Kaapse Vonkel Brut Reserve

6. Spanische Cava, Recaredo Brut Reserva 2006

7.1 TrentoDOC, Endrizzi Riserva

7.2 TrentoDOC, Zeni Cuvée Maso Nero

8. Südtirol, Arunda Vivaldi

9. Franciacorta, Bellavista Pas Opere

10. Portugal, Ortigao Extra Brut Reserva

11. Kalifornien, Roederer Estate Quartet Brut

12.1 Loire, Nerleux La Folie des Loups

12.2 Loire, Domaine des Noels Cremant de Loire 2010

12.3 Loire, Château de Parnay Cuvée J. Delmare

13. Griechenland, Karanika Brut Cuvée Speciale 

Zur Veranstaltungsseite geht's hier: http://vinocamp-deutschland.net/2013/06/champagner-sekt-cava-co/

 

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Neben der Lehrweinprobe veranstalte ich noch weitere Proben, so dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Für die Freunde exquisiter Winzerchampagner gibt es eine Mitmachprobe, bis jetzt sind gemeldet:

 

1. Agrapart Terroirs Extra Brut Blanc de Blancs

2. Egly-Ouriet Brut Tradition Grand Cru

3. Lancelot-Royer Blanc de Blancs Grand Cru

4. Paul Bara Millésime 2002

5. Champagne Laurenti

6. Jacques Lassaigne La Colline Inspirée Blanc de Blancs Extra Brut

7. Bruno Michel Brut Blanche

8. George Laval Cumières Premier Cru

9. Janisson-Baradon Tue Boeuf 2005

10. Gimonnet et Fils Blanc de Blancs Premier Cru

11. Doquet Blanc de Blancs Premier Cru

12. Francis Boulard Petraea XCVII – MMIV

13. Jannison-Baradon Chemin des Conges 2006

14. Eric Rodez Cuvée des Grand Vintages

15. Dosnon & Lepage Recolte Noir NV,

 

zur Veranstaltungsseite geht's hier: http://vinocamp-deutschland.mixxt.eu/networks/events/show_event.80701

 

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Die Freunde reifer Champagner kommen bei einer anderen Probe auf ihre Kosten. Ich biete nämlich eine Session mit Prestigecuvées großer Häuser aus der Zeit bis 1990 an. Da werden unter anderem geöffnet

 

1. Dom Pérignon 1953

2. Comtes de Champagne 1988

3. Grand Siècle MV

4. Nicolas Feuillatte Cuvée Speciale 

 

und andere Spezereien. Zur Veranstaltungsseite geht es hier: http://vinocamp-deutschland.mixxt.eu/networks/events/show_event.80707

 

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Abschließend gibt es dann noch eine Veranstaltung, die ich in Zusammenarbeit mit dem Champagnerdachverband Comité Champagne anbieten kann, nämlich eine Vergleichsprobe der unterschiedlichen Champagnerstile,

 

I.1 Champagne Duval Leroy – Clos des Bouveries 2005

I.2 Champagne de Saint Gall – Blanc de Blancs Premier Cru

 

II.1 Champagne Ayala – Brut Majeur

II.2 Champagne Ayala – Brut Nature

 

III.1 Champagne Egly-Ouriet – Les vignes de Vrigny

III.2 Champagne Soutiran – Blanc de Noirs

 

IV.1 Champagne Lemaire – Rosé de Saigné

IV.2 Champagne De Sousa et fils – Rosé Brut

 

Anmeldungen nehme ich bis Samstag noch – auf allen üblichen Kommunikationswegen – entgegen.

 

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Champagne Laherte Frères

Die Champagner von Aurelien Laherte kann man gar nicht oft genug probieren und selbst ein nur kurzes reinspitzen erweist sich immer wieder als sinnreich. Den Grundweinen galt diesmal nicht mein besonderes Augenmerk, sondern vor allem den beiden weißen Ultraditions. Von den drei probierten Grundweinen blieb mir am besten der Meunier aus Boursault haften, der mit einer Mischung aus den dicken kugeligen Zitronenprickelbonbons meiner Kindheit und einer sehr schönen rotfruchtigen, auch rhabarberigen Note aufwarten konnte.

a) Blanc de Blancs Ultradition

Sehr vorteilhaft hat sich der schon im Frühjahr von mir belobigte Ultradition Chardonnay entwickelt, entgratet und behutsam dem Normaltrinkergaumen angepasst, ohne sich untreu zu werden. Das merkt man vor allem an der sehr lebendigen Vitamin C Aromatik und der immer noch nur langsam sich öffnenden Anlage, die vom Trinker Mitarbeit fordert und erschlossen werden will.   

b) Ultradition

mit 7 g/l dosiert
Für mich sehr hoch dosiert, trotzdem noch schmackhaft. Das offene Eingangstor für Durchschnittstrinker, die den Weg zum Winzerchampagner suchen,

c) Les Empreintes

Zum Schwärmen und zum Trinken laden nicht nur Saaleck und Rudelsburg ein, sondern ganz besonders diese außergewöhnliche Cuvée, deren Chardonnay-Muscaté für sich genommen wahrscheinlich keinen guten Champagner ergäbe, aber als Cuvéepartner so viel wohldosierte Exotik, Rondeur und aufscheuchende Andersartigkeit in den Champagner einbringt, dass man künftig um ihn einfach nicht mehr herumkommt, wenn man sich ernsthaft in der Tiefe mit Champagner befassen will.

Champagne David Leclapart

Bei kaum einem anderen Avantgardewinzer lagen bei mir Skepsis und Begeisterung so dicht nebeneinander, wie bei Lecalpart, nur bei Horiot hatte ich anfangs ähnlich gemischte Gefühle. Die letzten Jahre zeigen, dass es mehr Grund zur Begeisterung als zur Skepsis gibt, auch wenn bis heute nicht erwiesen ist, wie die Champagner von Leclapart reifen.

1. Artiste 2008

Seit drei, vier Jahren beobachte ich den Artiste intensiver und der 2008er ist für mich nicht nur der beste Artiste, sondern einer der besten Leclapart-Champagner überhaupt. Alle Stärken vergangener Jahre finden sich hier vereint und von der Uneinheitlichkeit und dem Wankelmut vergangener Versionen ist nichts mehr zu spüren. Der 2008er Artiste ist der entschiedenste, wallendste, auch der mit dem Ausdruck vollendetster Reife, ein Champagner, bei dem jeder Ton richtig getroffen wurde.

2. Apôtre 2007

Der 2007er Apotre ist wieder ganz anders als 2004, 2005, und 2006. Die Größe, die mich beim 2008er Artiste überrascht und begeistert hat, ist für den Apotre 07 so etwas wie eine Selbstverständlichkeit. Majestätisch, als würde er huldvoll grüßen, schaut er aus dem Glas raus und wirkt im Gegensatz zu den metaphsysisch angehauchten Vorgängern machtbewusst und weltlich.

3. Alchimiste 2008

Nachdem ich den 2006er Alchimiste in einer ähnlichen Gewichtsklasse wie den Terres Rouges von Jacquesson gesehen habe und statt Thai-Kickboxing plötzlich Sumoringen vorfand, ist der 2008er Alchimiste wieder ein Rosé, der dichter dran ist am Stein der Weisen. Mehr Schnittigkeit, Rasse und der für Alchimisten wohl unvermeidliche schweflige Laboratoriumsgeruch.   

Terroirs et Talents 2013: Serge Mathieu

Entspannt wirkt der Champagner von Serge Mathieu, ohne besondere Faxen, ganz traditionell, auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick erst sieht man die Bioneigung, das Degorgierdatum, freut sich über den geringen Schwefelzusatz und darüber, dass der Erzeuger seine Experimentierfreudigkeit auslebt, ohne seine Kundschaft mit Unfertigem zu behelligen. 

1. Cuvée Extra Brut (war mal der Brut Tradition)

100PN aus 2010, Reserve aus 2009 und 2008, mit 5 g/l dosiert

Easygoing, freundlich bis quirlig, mit Nektarine, Blutorange und Kirsche. Eine charakteristische Mischung, die bei Serge Mathieu häufiger auftaucht.  

2.  Cuvée Prestige

70PN 30CH, 2008er Basis mit Reserve aus 2007 und 2005, mit 8,6 g/l dosiert

Mehr Behäbigkeit und Ruhe strahlte die Cuvée Prestige aus, was ganz ihrer Stellung im Portfolio entspricht. Beim letzten Mal fand ich den Mix nicht fett genug, jetzt ist der Champagner genau richtig. Rund, poliert, aber nicht aufgebrezelt, komplexer als der extra Brut, mit einer angemessenen Mischung aus Knackigkeit und hefiger, weiniger Würze. 

3. Cuvée Rosé

75PN 25CH, Assemblage, 2009er Basis mit 2008 und 2007, mit 9,5 g/l dosiert

Fruchtig, frech, aber nicht vorlaut. Wirkt trotz des hohen Rotweinanteils von ca. 15% nicht schlapp, gerbend oder sonstwie in seiner Beweglichkeit eingeschränkt. Dank hoher Säure ist es sogar so, dass die grenzwertige Dosage erträglich erscheint, so dass ich dem Champagner auch die Begleitung kräftiger Speisen, insbesondere von Wildgerichten zutraue.

4. Millésime 2006

Interessant war es, den Jahrgang, der auf den bei Serge Mathieu nicht ganz so großartigen, vor allem gegen Ende nicht überzeugenden 2005er folgte, mit zwei unterschiedlichen Schwefelgehalten zu probieren. Einmal 30 mg, einmal 45 mg. Der geringere Schwefelgehalt war für das Aroma keinesfalls positiv, schlanker, deutlich brotiger, wässrig mit durchkommender Herbe musste ich notieren; stinkeriger war die höher geschwefelte Version, dafür wirkte er sauberer, abgeklärter, länger und besser ausdifferenziert.

Terroirs et Talents 2013: Fallet-Dart und Michel Loriot

Ein Blick ins Marnetal tut immer gut, um sich in der Champagne zu erden. Winzer wie Loriot und Fallet-Dart zeigen ihre Meunierchampagner mittlerweile mit deutlichem Selbstbewusstsein und ganz ohne Scham.

 

I. Fallet-Dart

1. Grande Sélection Brut

70PM 15CH 15PN, 2007er Basis mit 2006

Unvergeistigt, mit einer kleinen Portion Apfel, spendet dieser angenehm saftige Champagner schon gehörig Freude und erklärt den Erfolg von Fallet-Dart beim Publikum. Der Winzer braucht mit seinem Champagner niemanden zu blenden, muss mit der – nicht gerade niedrigen – Dosage niemanden übertölpeln und kann einfach der sein, der er ist, ein meuniergeprägter Loverboy.

2. Millésime Brut 2005

80CH 10PN 10PM

Das Niederegger Marzipan mit Fruchtfüllung, das ich als Kind schon gern verzehrt habe, meldete sich bei diesem Champagner aus den Tiefen meines Gedächtnisses. Orange, Maracuja, Exotik der gehobenen Art und wieder ein Champagner mit guten Unterhalterqualitäten, ein sehr guter Champagner und mein Liebling aus der Kollektion.

3. Clos du Mont

80CH 15PN 15PM, 2002 und 1999, hälftig im Fassl vinifiziert, mit 6 g/l dosiert.

Ernster als der Millésime, wirkte mit seiner ausgeprägteren Fruchtherbe wie ein missbilligend auf den Kleinen herabsehender älterer Bruder. Leicht wachsig und weil er weniger stark dosiert ist, nimmt das die letzte Fröhlichkeit aus dem Gesicht. Hat mir zuletzt schon nicht besonders gut gefallen und tut es auch diese mal nicht.

4. Rosé de Maceration

PN/PM, 20% Fassanteil

Pudrig, kalkig, mit pflanzlichen Noten, wie der Clos du Mont auf der herben Seite untergebracht und wie im Vorjahr fehlt mir hier im Mund die Säure, deren Vorhandensein die rotfruchtige Nase nur antäuscht.

 

II. Michel Loriot

Mit neuen Etiketten und einer komplett neuen Programmatik hat sich Loriot, der bekannte Meunierspezi aufgestellt.

1. Authentic Blanc de Meuniers

einmal als 2010er mit Reserve aus 2009 und 2008 und einmal die 2009er Basis mit Reserven aus 2008 und 2007, dég. Dez. 2011.

Den Champagner, der früher als Réserve Brut Blnc de Noirs firmierte, habe ich bei zwei verschiedenen Gelegenheiten nur kurz angenippt, er wirkte in der zweiten, älteren Version leider schon etwas müde auf mich, was selbst Meunier, der noch nicht von der Last der Jahre oder seiner übermäßigen Reife gedrückt wird, nicht passieren sollte. Beim zweiten Probieren war von Müdigkeit keine Spur, stattdessen brauner Zucker, Hefe, Mandarine und eine für die Rebsorte bilderbuchhafte Exotizität. Zwischenfazit: Loriot hat mit den beiden Authentics eine der immer wieder angesprochenen Schwächen (Alterung) und eine der Stärken (Aromatik), gewollt oder ungewollt, gut sichtbar gemacht.

2. Palmyre Brut Nature

PM/CH

Wirkt dicklich und arglos auf mich, baute keinen rechten Druck auf, verabschiedete sich aber mit angenehm festem Kehlengriff.

3. Patrimony

30CH 70PM, 2010 und 2009

Sprudlig, limonadig, angenehm und sehr sauber, zeigt sich hier der hebende Einfluss des Chardonnay, der aus dem ungewaschenen Flegel einen vorzeigbaren Jüngling macht.

5. Rosé Theodorine

Assemblagerosé

Hintenrum etwas alkoholisch und herb, klammert sich auf eine bedrängende Art an den Gaumen, was mich befremdete. Entweder ist der Champagner nicht besonders gut gelungen, die Flasche war seltsam oder das sollte so sein. Probiere ich gelegentlich mal nach.

6. Les Sources du Flagot Blanc de Blancs

Nach einem Flüsschen bei Festigny) ist dieser reinsortige Chardonnay benannt, der seinem Namen alle Ehre macht. Stets ist man auf der Hut, nicht eine der vermuteten Forellen zu verschlucken, die jederzeit mit allem Übermut aus dem munter plätschernden Champagner springen könnten.

7. Inspirations de Saison 2006 Extra Brut

60PM 40CH

Das Erfolgsrezept des Patrimony findet sich fortgesetzt und verbessert im Nachfolger des ehemaligen Jahrgangschampagners, dessen letzte Version, der 2005er, mir gut gefallen hatte. Die 2006er-Version mit der niedrigen Dosage ist weniger apfelig, insgesamt noch etwas weniger fruchtbetont als der Vorgänger und hat es mehr auf Karamell, Kandis, Kräuterbonbons und nur vereinzelt so etwas wie Rhabarber abgesehen, bietet dafür aber trotzdem schönen Trinkspass.

8. Monodie en Meunier Majeur Extra Brut

100PM aus 2007, aus einer 1942 gepflanzten Parzelle

Das war bis zur Umstellung der Pinot Meunier Vieilles Vignes Millesime, zuletzt gab es ihn als 2006er. Trotz der niedrigen Dosage wirkt der Champagner wieder recht süss und ich vermute sicher richtig, wenn ich das auf die Begeisterungsfähigkeit der Rebsorte für Dosagezucker schiebe. Gut, dass der Champagner am Ende nochmal an Gaumen und Zumge mit beachtliche Aromenwerkzeug ansetzt und damit abliefert, was er im Vorjahr versäumt hat.

9. Marie Leopold Sec

mit 20g/l dosiert

Halbtrockenniveau, leider etwas zu warm und dadurch mir zu pappig.

Terroirs et Talents 2013: Maurice Vesselle, Eric Rodez und Penet-Chardonnet

Letztes Jahr habe ich Verzy gegen Bouzy antreten lassen, dieses Jahr habe ich noch einen weiteren Mitspieler zugezogen, aus Ambonnay, dem dritten großen Cru und "aus dem Markt bekannt", wie es in der JUVE immer bei den Verfahrensnachrichten heißt. Er macht den Anfang.

I. Eric Rodez, Ambonnay

Der auf sympathische Art souveräne Eric Rodez hat eines der für Winzerverhältnisse größeren Champagnerprogramme im Angebot. Bei gerade mal 6 ha, die von ihm bewirtschaftet werden, ist die Zahl von acht Cuvées ziemlich beachtlich, weil das bedeutet: jede Cuvée muss auf den Punkt genau vinifiziert sein. Viel Verfügungsmasse ist dann schließlich nicht mehr, um Fehlerchen auszubügeln. Probiert habe ich die Cuvée 2013 des 2023 kommenden weißen Empreinte de Terroir und den künftigen 2012er Jahrgang als Vins Clairs. Der Empreinte ist ein hochgewachsener Mix aus sechs Jahrgängen und hat keinen BSA hinter sich, dennoch wirkt er weich wie gutes Tuch. Der 2012er ist ein reiner Blanc de Noirs, zu 70% im Fass und 30% im Stahl entstanden und zu 70%ohne BSA. Auch er ist weich mit einer sehr eleganten Fassnote.

1. Blanc de Blancs

Basisweine stammem mit aus den Jahren von 2000 bis 2008, außer 2001 und 2003; dosiert mit 5 g/l.

Der Tyson Beckford unter den Champagnern und einer der schokoladigsten Chardonnays, die ich kenne. Milde Säure und dennoch männliches Auftreten, als Chardonnay ganz das muskulöse Kind seiner Region.

2. Blanc de Noirs

Salzig schon in der Nase und erst recht im Mund, kündet dieser von mir bevorzugte Geschmack gerade bei den Pinots der Champagne von einem Selbstbewusstsein, das auch der Winzer selbst ausstrahlt; leider ist der Champagner nicht ganz so lang, wie er ruhig sein dürfte. Trotzdem einer meiner Favoriten von Rodez und ab hier wird es sowieso immer nur noch besser.

3. Cuvée des Grands Vintages

grob 30CH 70PN, Basisweine stammem aus 2004, 2002, 2000, 1999, 1998, 1996, 1995. Kein BSA.

Ein Multivintage reinsten Wassers, eine Cuvée der besonderen Art, auf besonders hohen Niveau. Sehr lang, mit viel Schmelz und krokantiger Süße.

4. Empreinte de Terroir, Pinot Noir 2000

Pilztarte, Hefe, Toast, Kaffeesatz und das Gefühl, einen nahen Verwandten von Dom Pérignon im Glas zu haben, der sich nur durch eine Dosagevariation abhebt.

5. Empreinte de Terroir, Pinot Noir 1999

Sehr schön der Vergleich zwischen dem im letzten Jahr schon exquisiten 99er und dem jetzt mehr als reizenden 2000er. Aus dem Waldboden vom letzten Jahr ist nun eine ansehnliche Pilzkultur gesprossen, reife Zitronen, Kerbel und Dill spielen bei der Bildung des Gesamteindrucks keine unerhebliche Rolle.

 

II. Maurice Vesselle

Stets etwas höher, nämlich mit 7-9 g/l, sind die Champagner von Murice Vesselle dosiert. Das ist immer dann besonders billigenswert, wenn die Champagner keinen BSA machen, was hier bekanntlich der Fall ist. Das Degorgierdatum kann man leicht anhand der Lotnummer identifizieren, wie genau das geht, hatte ich schonmal erläutert.

1. Brut Cuvée Réservée Grand Cru

85PN 15CH, 2007er Basis, 2006 und 2005 als Reserve.

Frisch geduscht kommt dieser Mittelstreckenläufer aus der Badezimmertür und zeigt betörend nussigen Teint, wie man ihn bei der Herkunft aud Bouzy erwarten darf und schätzt.

2. Grand Cru Millesime 2000

85PN 15CH.

Letztes Jahr überwogen die Cerealien, dieses Jahr gab es einen deutlichen Reifefortschritt und also mehr Pilznoten, dazu Brot, Toastbrot und Hefe. Die Süße wirkt erwachsen und die Säure dazu ergab keinen süßsaueren Mischmasch, sondern ein apartes Wechselspiel. Der Jahrgang gefiel mir weiterhin gut und ist ein kluger Kauf.

3. Rosé Brut Grand Cru

100PN, 2008.

Der Rosé war wie der 2000er zum zweiten Mal in Folge zu probieren und zeigte sich im Gegensatz dazu nicht mit entwickelteren Aromen, sondern verhaltener und versteckter. Bis über die Mundhälfte schien er mir sogar leer und ausdrucksschwach, bevor Himbeere, rote Johannisbeere, ja regelrechte rote Grütze bemerkbar wurden. Trotzdem irgendwie ärgerlich, dass vornerum nichts los ist. Das mag am jahrgang liegen, der sich zur zeit bei einigen Erzeugern bedeckt hält.

4. Bouzy Rouge

Von den Stillweinen der Champagne hört man nicht viel, manche sagen: aus gutem Grund. Positiv in Erinnerung geblieben sind mir selbst von amtlichen Winzern nicht sehr viele Coteaux Champenois. Der von Gonet-Medeville gehört dazu, auch der Rosé de Riceys von Horiot ist stark; und der von Maurice Vesselle. Sündige Nase, himmlisches Kirscharoma, im Mund nicht besonders bewegt, aber mit einprägsamer Kirsche, von der ich lange nachschwärme. Gut.

 

III. Penet-Chardonnet

Alexandre Penet hatte ich Anfang des Jahres schon besucht und bin ihm und seinen Weinen dann verschiedentlich wieder begegnet, was meiner Kenntnis über seine Champagner, nicht zuletzt auch der NM-Linie Alexandre Penet, sehr behilflich war. Der Réserve Grand Cru ist mein Preis-Leistungs-Sieger bei diesem kosmopolitischen und allseits beschlagenen, dabei ungemein jugendlich wirkenden Ingenieur-MBA-Winzer. Natürlich habe ich mir die Einzellagen zu Gemüte geführt, Les Fervins in Verzy aus 50CH 50PN und Les Epinettes aus Verzy, eine reiner PN. Volksnäher, freundlicher, entgegenkommender und anfassbarer war der Epinettes Vin Clair, dem die distanzierende Säure ein wenig abging.

1. Millésime 2007

Das ist der Einstieg in die Welt der Penet-Chardonnet-Champagner und zwar ein sehr verlockender, ähnlich den Wilis in Giselle.

2. Parcellaire "Les Fervins" Verzy Grand, mit 3 g/l dosiert

50PN 50CH, 2009er, teils im alten Fuder vinifiziert

Raffinement und Generosität sind beim Fervins-Parcellaire in Champagnerform geblieben, verbreitert hat sich der Wein nicht. Das freut mich, denn sein im Übrigen sehr aristokratischer, feinnussiger Auftritt blieb ungeschmälert und ohne Anbiederung an einen etwaigen Massengeschmack. Die Dosage fand ich punktgenau richtig.

3. Parcellaire "Les Epinettes" Verzy Grand Cru

100PN, 2009er Vinifikation, im alten Fuder vinifiziert

Hier ist die beim Fervins noch vermisste Beißfreudigkeit, die schnelle Gangart, der mondäne, aber nicht beliebige, weichgespülte touch und hier sehe ich auch eine deutliche Absetzbewegung gegenüber den beiden Réserves. Der Epinettes ist klarer darüber angesiedelt als sein Geschwisterchen aus den Fervins.

4. Réserve Grand Cru Extra Brut

70PN 30CH aus Verzy und Verzenay, Basisjahr 2004, 3 g/l.

Ein klarer Beleg für erstklassige Herkunft, wenngleich noch als Cuvée zweier großer Crus, war der Réserve Grand Cru, der die ihm zugestandenen 3 g/l formidabel einsetzte, an keiner Stelle zu dick auftrug und wortlos genossen werden konnte. Aus demselben Stall dann die Version auf 09er basis, wieder mit 3 g/l dosiert, war die Réserve erneut als klarer, natürlich wieder recht muskulöser Champagner angelegt, ein Pinotzug auf Chardonnayschienen

5. Grande Réserve Grand Cru Brut Nature

2/3PN 1/3CH hauptsächlich aus Verzy, Basisjahr 2004

Große Klasse war der Verzy-Champagner von Penet-Chardonnet, die geliebten Butter-, Toffee-, Sahnearomen, reifer Apfel, Paranuss, Walnuss strotzten nur so vor sich hin und ließen den Champagner reif aber klar und überaus klassisch wirken.

6. Cuvée Diane-Claire Grand Cru Brut Nature 2002

Beim Besuch vor Ort kredenzte der leider leicht kränkelnde Alexandre in vorbildlicher Gastgebermanier die Spitzencuvée des Hauses. Volle Aromenfülle, Mandeln, Brioche, Torrone, viel Zitrus, ganz wie ich es in dieser Preisklasse mag, aber seltsam förmlich und am gaumen sperrig präsentiert. Das legte sich mit der Zeit und der Champagner wuchs immer weiter an, bis er vor allem im Vegleich zum Verzy-Champagner ein ausgeprägtes, sehr stattliches und ungekünsteltes Auftreten hinlegte. Das bestand vor allem aus einer geschickten Zusammenstellung von Gewürzen, vanilllierter Möhre, Apfelsorbet, strammer Säure und softer, an gedimmtes grünes Licht erinnernder Atmosphärigkeit. Schwer zu beschreiben und auf jeden Fall ein Kandidat für eine Vergleichsprobe mit namhaften Flaggschiffen.

7. Rosé, Zéro Dosage

Auf Basis des normalen Grand Cru mit 7% zugekauftem Rotwein.

Weisse Seele, wie man sie am deutlichsten im Dom Ruinart Rosé verkörpert findet. Ein ganz schön harter, kompromissloser Rosé.

8. Champagne Alexandre Penet

Unter diesme Label kauft Alexandre Trauben hinzu, daher das "NM" auf dem Etikett. An der Grundausrichtung der Champagner ändert sich nichts, sie sind bloß günstiger und geringfügig zugänglicher.

a) Extra Brut Blanc

Kein Champagner, der haften blieb, daher keine ausschweifende Bewertung. Letztlich guter Durchschnitt und ein schmerzlos austauschbarer Extra Brut.

b) Extra Brut Rosé

Enge Nase mit feiner Würze, Blütenduft und einigen wenigen roten Früchten, ein fast raffinierter Rosé, der mit Luft leider etwas unvorteilhaft aufgeht.

c) Grand Cru Brut Nature

Winzerig, d.h. mundfüllend, dennoch nicht fett, für brut nature dosierte Champagner typisch ist die gegen Ende auftauchende Wässsrigkeit, die mir aber allemal lieber ist, als der ebenfalls oft anzutreffende Bitterton oder gar zehrende, allzu anisige nbis salmiakhafte Noten.

d) Grand Cru Extra Brut Blanc de Blancs

Der Chardonnay kommt aus der Côte des Blancs, womit sich einer der Vorteile des Händlerstatus manifestiert; teils Fassausbau, teils Stahl

In Nase und Mund findet sich die in weiten Kreisen geschätztze Bananenaromatik sehr junger, aber meistens nicht schlechter Champagner, zudem die von mir geschätzte Gurkenschale, gerade weil sie hier in Verbindung mit der Schale und dem Fruchtsfleisch reifer Wassermelone auftaucht. Mein Favorit unter den Champagnern der Linie Alexandre Penet.

Terroirs et Talents 2013: de Sousa, Philippe Gonet und Vazart-Coquart

Die Champagner von de Sousa, Philippe Gonet und Vazart-Coquart sind überwiegend chardonnaylastig und vermitteln nebeneinander getrunken gut nachvollziehbar das Nord-Süd-Gefälle der Côte des Blancs. 

Wir fangendeshalb wie jedes Jahr im Norden bei Vazart-Coquart an, der aus Chouilly Grand Cru kommt.

Alain Terrier, Kellermeister von Laurent-Perrier, hat von Tours-sur-Marne einen guten Zugriff auf die Grand Crus der Champagne, zu seiner Rechten die großen Pinot-Lagen und wenn er nach links abbiegt, fährt er direkt in die Kreidehügel der Côte des Blancs. Mit den verschiedenen Terroirs kennt er sich deshalb aus – und natürlich auch, weil er nicht wegen besonderer Kunstfertigkeit beim Hütchenspielen chef de cave geworden ist. Mit seinen Kenntnissen und Fertigkeiten steht er nicht allein da, aber sein Ausspruch, Chouilly sei wie eine kleine Champagne innerhalb der Champagne schon. Dabei ist das gar nicht so falsch und Winzer wie Vazart-Coquart versuchen, das weidlich auszunutzen, indem sie die verschiedenen Mikroterroirs bestmöglich vinifizieren. Ausdruck dieser Bodenverbundenheit ist bei Vazart-Coquart zudem das neue Etikett, das von Gänsen geziert wird, nach dem alten Namen des Orts: Chouilly-les-Oies. Bei dieser Sorte Winzer probiere ich immer gern und neugierig die Vins Clairs. Der 2012er Jahrgang ist ihm sehr gut geraten. Wie Rasierklingen, die man in Watte gepackt hat. Die schon 1982 begonnene Solera ist dagegen mollig weich. 

1. Blanc de Blancs Brut Reserve

Mit 10 g/l dosiert.

Sympathischer Standardbrut, der Puristen trotz seiner hohen Dosage nicht aus der Fassung bringt. Fein, seidig, glatt und bis zum Ende ohne Schwächemomente. 

2. Extra Brut

2008er Basis, mit 3 g/l dosiert.

Unausgewogen wirkte der Extra Brut auf mich. Sicher merkt man hier, dass deutlich weniger Dosagezucker enthalten ist, darauf hätte ich bei der Trinkreihenfolge besser achten müssen; was mich aber viel mehr störte, war ein für 2008 ganz ungewöhnlicher Bitterton zum Schluss. Der gehört da nicht hin, zumal der Champagner bis dahin eine wirklich angenehme weiche Komposition darstellt. 

3. Special Club Blanc de Blancs Millesime 2006 

Reift unter Naturkork, mit 6 g/l dosiert.

Solo fand ich den Special Club nicht so besonders, ganz im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem 2005er. Ziemlich herb, beim Bier so etwas wie das Jever unter den sog. Premium-Pilsnern. Wirklich aufgegangen ist die Kalkulation zum Essen, namentlich zu Wildlachs und zu Brioche. Da meinte ich, einen ganz anderen Champagner im Glas zu haben, so professionelle und enthusiastisch verpaarte sich der Special Club mit den Speisen. Fett zerschneidet er wie nichts und mit hefiger Süße kommt er besser zurecht, als jede Supernanny mit ADS-Kindern.

4. Blanc de Blancs Grand Bouquet Millesime 2004 

Während beim Special Club ein Jahrgangswechsel nach oben hin stattgefunden hatte, gab es beim Grand Bouquet diesmal nicht 2006 sondern den köstlichen 2004er. Der zeigte alles. Candy, Kräuter, Reife, Rauch und Toast, aber alles immer nur kurz und ganz verschämt, was ihn mso zauberhafter macht. 

Weiter mit de Sousa aus Avize Grand Cru, ziemlich in der Mitte. Auch hier lohnt es sich meistens, einen Schluck von den Grundweinen zu probieren. Die beiden 2012er, ein eichenfassausgebauter Chardonnay aus Avize von 50 Jahre alten reben und ein Cramant-Chardonnay aus dem Stahltank wirkten zufrieden, dicklich und arglos wie harmlose Pflanzenfresser auf einer Insel ohne Fressfeinde, die noch kein Mensch vorher betreten hat. Beide boten mehr Frucht als Säure.

1. Brut Réserve Blanc de Blancs Grand Cru

Chardonnay aus Avize, Oger, Le Mesnil und Cramant, 2008er Basis, Stahltank, mit 7 g/l dosiert.

Schon ein ganz ordentlicher Chardonnay mit überschaubarer Säure und feinen Reifenoten aus der Brotrindenecke.

2. Cuvée 3A Extra Brut

50CH aus Avize, 50PN jeweils hälftig aus Ay und Ambonnay, 2008er Basis, mit 3 g/l dosiert.

Wenn der Brut Reserve sich noch gewirrig darstellt, so ist der 3A ein großer öffentlicher Platz, in Brüssel entspräche das zB dem Verlassen der Fressgasse und dem betreten des Grand Place. Ein oxidativer Brotton ist hier weiterhin spürbar, doch gibt es dafür keinen Punktabzug, weil der Champagner nicht drunter leidet.  

3. Cuvée des Caudalies Rosé Grand Cru, dég. 17. November 2011

90CH 10PN, 2008er Basis, Rotweinzugabe; der Rote aus 2007 verbringt ein Jährchen im Fass, bevor er mitspielen darf. Dosiert wird mit 6 g/l.

Einer jener Rosés mit weißer Seele, wie sie insbesondere Fred Panaiotis in Form des Dom Ruinart Rosé in bemerkenswerte Höhen führt. Der Caudalies Rosé ist aufschäumender und wilder als die meisten Spitzen-Rosés, die doch gern etwas gesetzt wirken. Bei aller Entfesselung geht die sowieso schon nicht besonders prononcierte Frucht unter, die wenigen Früchtecrèmetupfer, die bei diesem Champagner das Rotweinerbe repräsentieren, muss man schon suchen, wird aber zumindest nicht enttäuscht. 

4. Cuvée des Caudalies Blanc de Blancs Grand Cru Millésime 2006, dég. 18. November 2011

Am besten gefiel mir die Jahrgangscaudalie, die es meisterlich versteht, am Gaumen Dicke in zusammenhängende und genusstragende Länge umzuwandeln, wie der Metzger Schnitzel klopft oder der Bäcker Teig auswalzt.Hefe, Hagelzucker, karamellisierte Walnuss, frisch gepflückte Äpfel und Bratapfel wollen gar nicht von der Zunge weichen und verhalten sich wie Kinder, die man abends nachdrücklich ins haus rufen muss. Sympathisch und schön.   

Schließlich landen wir bei Philippe Gonet in Le Mesnil sur Oger Grand Cru, dem Munsalvaesche des Chardonnay. Natürlich muss ich hier die Grundweine probieren, denn Gonet hat in den beiden gegensätzlichsten Terroirs der Champagne Chardonnay stehen, in Montgueux und in Le Mesnil. Beide probierten 2012er haben vollen BSA durchlaufen. Ausgesprochen elegant defiliert der Montgueux über den roten Zungenteppich, maßvoll und meiner Spekulation nach nicht unbedingt zum besseren vom BSA herabgesetzt ist die Säure dann beim rasanten, typischen Chardonnay aus Le Mesnil.

1. Blanc de Blancs Extra Brut "3210"

Letztes Jahr überwog noch das aggressive Mesnilnaturell dieses aus den beiden Terroirs Montgueux und Le Mesnil zwangsvereinten Champagners, dieses Jahr zeigt er sich zahmer, erwachsener, nachvollziehbarer. Langsam zeigen sich die begehrten tiefgründigen Aromen großer Chardonnays, beim Mensilanteil blickt man in einen sehr tiefen Schacht, der in das kreidige Herz des Bodens hinabstösst und unergründlich zu sein scheint, der Montgueux mit seiner Fülle scheint kurz davor, dieses Danaidenfass der Mineralität mit warmherziger Buttrigkeit und Frucht zu füllen.

2. Blanc de Blancs Grand Cru Roy Soleil

Der Chardonnay aus dem neuen Holzfass reißt das Ruder wieder in Richtung Mineralität und Schärfe herum, kommt aber mit all seiner Zackigkeit nicht an den 3210 heran, der großherziger ist, breitschultriger, gutmütiger und nicht so gehetzt. Letztes Jahr war es noch umgekehrt.  

3. Blanc de Blancs Grand Cru Le Mesnil 2007

Klarer, reiner, stahliger, lichtdurchfluteter als der Roy Soleil und dieses Namens besser würdig. Offener, nicht so verbissen, mit charmanterer Säure, die in der Zunge keinen Kriegspfad sieht.

4. Blanc de Blancs Grand Cru Belemnita Extra Brut 2004, dég. 14. Mai 2012

Der Sorbetcharakter ist geblieben, die Aromen sind raffinierter als im letzten Jahr, das bedeutet für den Champagner, bzw. für mich, dass das trinken mehr Spass macht als je zuvor.

 

Terroirs et Talents 2013: Champagne Jacques Copinet

Copinet aus Montgenost im südlichen Sézannais macht viel mit Chardonnay, der im Stahltank einen vollen BSA durchläuft und diesmal zwischen 5 und 7 g/l dosiert war. An der fruchtigen, gemütlichen Stilistik hat sich nicht viel geändert. Den 2012er AOC Rouge fand ich dornfeldrig, mit Pflanzen, Rosenblüten und Pfeffer angereichert.

1. Blanc de Blancs brut

Auf Basis des 2008ers mit 2007er und 2006er Reserve, mit 5 g/l dosiert.

Leider wirkt der Champagner gesichtlos und bissschwach, was nicht an mangelnder Säure liegt. Die ist vorhanden und herbgrüne pflanzliche Noten finden sich auch, gar nichtmal die schlechtesten, will sagen: unreifen. Was dem Champagner fehlt ist Inspiration und Körperbewusstsein, bzw. Koordination. 

2. Blanc de Blancs Marie-Etienne, Multi Vintage

2008er Basis mit 2006 und 2005, mit 6 g/l dosiert.

Der aktuelle MV hat 2007 übersprungen und ist beim völlig zu recht deklarierten 2008er als jüngstem Jahrgang gelandet. Die Dosage blieb gleich. Auf allen Ebenen besser als der einfache Blanc de Blancs, mit der Nervosität des 2005ers, Strom vom 2006er und Größe des 2008ers.

3. Marie-Etienne Rosé de Saignée

80PN 20PM, 2009er, ohne BSA, mit 5 g/l dosiert.

Brot und Fleisch. Mir drängten sich großzügig auf Butterstullen gelegte Roastbeefscheiben auf, zu denen ich bequem noch Merrettich, Cranberries und Brombeergelee auf dem Teller vorfinden könnte, um diesem Champagner eine adäquate Speise beizugesellen.