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Category Archives: Allgemein

Allerlei und allerhand Information rund um den schäumenden und den stillen Wein, Cognac, Hotels und Restaurants. Streng nach meinen eigenen Interessen geordnet und veröffentlicht.

Sekt trifft Champagner @ Griesel Sekt, Bensheim

Liebe Krawallbrüder und -schwestern,
sexy Mamas & sexy Papas,
Flora und Fauna,

die ultimative Fêtenbiesterreihe „Sekt trifft Champagner“ fand vorletztes Mal am Vizefreitag – scilicet Donnerstag – statt, das war eine gute Idee für alle, die am nächsten Tag nicht arbeiten müssen. Damit die werktätige Bevölkerung sich nicht ausgeschlossen fühlen muss, war nun zwingend ein Freitag zu wählen, um Adrenalin ins Glas zu bringen.

Adrenalin bringt auch die Griesel & Compagnie Sekthaus Streit GmbH & Co. KG von der Hessischen Bergstraße in die deutsche Sektszene, also war flottestens klar, wo die Fortsetzung stattfinden musste. In Bensheim, Grieselstr. 34. Dort habe ich mir erlaubt, das stattlich angeschwollene Sektprogramm der Grieseljungs (passende Genderisierung bitte hinzudenken, oder auch nicht) unter den verschiedensten Blick- und Brechungswinkeln zu betrachten. Dabei ging es wie immer in diesen Fällen nicht um ein besser oder schlechter der einen oder der anderen Schaumweinsorte oder Stilistik, sondern schlicht darum, Griesel in einem passenden Wettbewerbsumfeld einzusortieren und zu zeigen, wo die Reise hingehen kann, was vergleichbare Anbieter ähnlich oder völlig anders machen usw. und ganz am Ende sollte für alle ein schöner Rausch stehen.

I. Opener
Barrat-Masson Grain d’Argile Brut Nature, 50CH 50PN, ein Champagner, der in besonders schöner Weise vor Augen führt, was Champagner ausmacht: Balance zwischen den Rebsorten, in diesem Fall ohne vermittelnden Meunier, Leibhaftigkeit des Weins, der auf schminkenden Zucker verzichten kann, oxidative Noten, die im deutschen Sekt verpönt, beim Champagner aber traditionell gewünscht und am Platz sind.
Bardong Riesling Erbacher Honigberg Extra Brut 2009, das ist gekonnter reifer Rieslingsekt und ein kleines Lehrstück, was das Zusammenspiel von längerem Hefelager und niedrigerer Dosage betrifft.
Griesel Tradition Riesling Brut hatte im Eröffnungsflight die Rolle des Sektgegenstücks zum Champagner zugewiesen bekommen, sollte also durch Reintönigkeit, glockenhelle Klarheit und lehrbuchhafte Frische typische Eigenschaften der deutschen Sekttradition präsentieren, was einwandfrei gelang. Damit waren die Pflöcke eingeschlagen, die Permutationen konnten beginnen.

II. Blanc de Blancs
Guillaume Sergent Blanc de Blancs Les Prés Dieu war kein zwingender Vertreter dieser an passenden Champagnern so reichen Equipe. Sicher hätte ich mit guten und überzeugenden Gründen auch eine Unzahl anderer, typischer, erstaunlicher oder vorbildlicher Chardonnaychampagner auswählen können. Aber an diesem hier habe ich eben meine verstärkte Freude, seit ich ihn auf einer der vielen Verkostungsveranstaltungen in der Champagne entdeckt habe. Feinsinnig, gerade heraus, mit praller Aromatik, gut geschnittener Säure, hilfreichem Holz, das diskret im Hintergrund bleibt.
Wageck-Pfaffmann Chardonnay 2010 habe ich deshalb ausgewählt, weil hier Volker Raumland seine Finger im Spiel hat und seine Freude an maßgeschneidertem Holzeinsatz, wie man ihn bei Guillaume Sergent erleben kann, fand bei diesem Chardonnay mit langem Hefekontakt einen effektvollen Rahmen. Der Wageck-Sekt ist etwas breitschultriger als der Champagner, robuster, aber nicht unfeiner. Zwei Schäumer auf Augenhöhe und ein Eindruck, der sich noch einige Male wiederholen sollte.

III. Magnum
Palmer Brut Réserve en Magnum ist ein oft übersehener Klassiker aus 50CH 40PN 10M, dessen ausgeprägt nussige Noten in der Normalflasche schonmal stören können, in der Magnum aber dank höherer Komplexität besser eingebunden sind. Geklärte Butter, Keksteig, Phenol, ungewöhnlich für einen Champagner mit so relativ hohem Chardonnayanteil, vielleicht ist der Reserveweinanteil von gut 35% dafür verantwortlich.
Griesel Tradition Blanc de Noirs Brut en Magnum war gegenüber Palmer leicht im Vorteil, wirkte ungebundener, leichtfüssiger, eleganter, rassiger. Mundwässernd, mit Zitrus, Mandelmus und Brioche, ein Sekt, den man sich warm dampfend vorstellen könnte, wenn er nicht im selben Augenblick kühl und sprudelnd im Glas wäre. Vom Magnumeffekt, der mehr Finesse, mehr Tiefe, mehr Ausformuliertheit bringt, pofitierte der Griesel besser.

IV. Reif
Dehours Trio S, eine 1998 angelegte Solera ist hier für die Reifeempfindung zuständig und sorgt, bei einer Dosage von immerhin 7 g/l und einem dominierenden Meunieranteil (60M 30CH 10PN) für Verwobenheit, Tiefschichtigkeit, Sättigung und Stoffigkeit. Für mich einer der stärksten Weine des Abends.
Solter Reserve 2001, erst sehr spät dégorgiert, damit schwer lange auf der Hefe. Zwar drei Jahre nach dem Champagner produziert, dafür hatte der eine etwas längere Zeit nach dem Dégorgement frei in der Flasche und somit alternd verbracht. Zwei sehr unterschiedliche Arten von Reife standen also hier zur Debatte, der Solter eröffnete mit Bienenwachs, Pfirsich und einem Schwung reifen Obstes, er vermied gänzlich den Eindruck, es könnte sich um einen älteren Jahrgang handeln. Das ist der immer wieder zu beobachtende Effekt später Dégorgements, der jedes Mal zum Staunen anregt. Von Griesel gibt es naturgemäß noch nichts in dieser Altersklasse, aber es wäre schön, in 15 Jahren von dort ähnlichen Stoff erhalten zu können.

V. Niedrigdosage
Remi Leroy Brut (60PN 40CH aus dem Erntejahr 2011 mit etwas Reserve aus 2009 und 2008, dosiert mit 3g/l), die Frage war, ob es sinnvoll ist, einen Pinot Noir aus Verzenay, Ambonnay, Bouzy oder Ay in den undosierten flight zu geben, oder einen Chardonnay aus der Côte des Blancs. Hätte ich machen können, ja. Ich hatte aber eine meiner Meinung nach bessere Idee. Statt der altbekannten Platzhirsche aus dem Norden sollte es was flippiges aus der Aube sein, von Rémi Leroy in Meurville. Der arbeitet mit Fässchen, die er bei Hubert Lamy abgreift und vorsichtig zur Mikrooxidation seiner Weine verwendet, die zeigen sich dann entsprechend gestählt, unempfindlich und konzentriert.
Griesel Prestige Riesling Extra Brut, der Riesling mit dem burgundischen Stil, wie es in der grieseleigenen Beschreibung treffend heißt. Deshalb mein Gedanke, den Champagner mit dem burgundischen Stil in den Vergleich einzubauen und siehe, der Griesel schlug sich ein weiteres Mal glänzend. Wenn man nämlich burgundisch, eigentlich ein ziemlich unbestimmter und weithin bis zur völligen Konturlosigkeit verkommener Quatschbegriff, als Symbol für Finesse, von Säure und Struktur getragene Weinigkeit versteht, dann geht’s.

VI. Rebsortenvergleich: odd man out!
Piollot Pinot Blanc Colas Robin, der Weißburgunder, der in so einer Runde einfach nicht fehlen darf, aus der sehr guten Lagenweinserie von Piollot.
F.B. Schönleber Grande Reserve 2009, Oestrich, Löss, Lehm, Riesling, schon jetzt eine Menge an Auszeichnungen und Lorbeer, eine Versteigerungsbuddel im Salmanazarformat brachte satte 800,00 €, dem musste also im direkten Leistungsvergleich nachgegangen werden.
Barth Hassel 2011 en Magnum Versteigerungswein Nr. 32/300, mit Magnumvorteil ausgestattet und Primus in der Runde, vor Schönleber und Piollot. Erstaunlich? Unerwartet? Schwer zu sagen. Der Hassel hätte vielleicht hinten heraus noch etwas länger durchgewirkt sein dürfen, aber sonst war hier wieder alles so rein, so stimmig und purste Rieslingfaszination, wie zuletzt beim Fest der Weinbank.

VII. Pinot
Clement Perseval Blanc de Noirs Premier Cru en Magnum, 50PN 50M, also gar kein reinsortiger Pinot Noir, wie die anderen Mitspieler im flight und strenggenommen sogar kein reiner Pinot, nachdem Meunier das Pinot-Präfix nun auch formalampelographisch eingebüßt hat; aber nichtsdestoweniger eine passende Einleitung in den flight, bestehend aus 13er Ernte mit 12 und 11 in der Reserve, 20% Fassvinifikation und Teil-BSA, eine urfranzösische Interpretation des Pinotthemas.
Bamberger Cuvée Pinot S 2010, Fülle, Reife und Schmelz, leichte Mürbe, feine Säure, Balance und Komplexität, eine klassische Interpretation aus deutscher Sicht.
Griesel Prestige Pinot Brut Nature, das komplette Gegenprogramm zu Bamberger, blutjung, frech, unklassisch, keck. Noch nach der Probe ließ mich dieser Sekt nicht los, selbst im Angesicht der Flasche Ayala 1959, die noch in meinem Auto wartete.

VIII. Rosé
Thomas Perseval Rosé (Assemblage) Premier Cru aus dem Erntejahr 2012, 50PN 30CH 20M, Fass- und Tankvinifikation der Grundweine, voller BSA, Nulldosage. Das Pendant zum Einstiegsschampagner im Openerflight und eine Art Schlußstein, ein Roséchampagner wie ein Saibling im Forellenteich.
Griesel Tradition Rosé Brut und Griesel Prestige Rosé Extra Brut machten noch einmal ganz klar, dass man von Griesel künftig nicht nur im Rieslingbereich, sondern auch und vor allem im Pinot- und Rosébereich erhebliches zu erwarten haben darf. Filetausbeute, Fettgehalt und Festigkeit sind bei beiden enorm, der Brut (kostet lachhafte 13,70 €) begeistert mit seiner Vielschichtigkeit, Würze, meisterlichen Balance und kunstvoll geschwungenen Säure, der Extra Brut zeigt etwas mehr Kante und wird vor allem in einigen Jahren nochmal zeigen müssen, was er drauf hat.

Fazit:
Hessische Bergstrasse meets Avenue de Champagne hätte alles werden können, von überregulierter deutscher Straßenverkehrsbevormundung bis zum wacky race. Es wurde eines jener Stücke, die man bei Youtube findet, wo 24 Stunden Verkehr an einem überdimensionalen Kreisel, meist in Indien oder Südostasien belegen, in fastmotion gezeigt werden und alles wie von höherer Hand gelenkt, ja konzertiert wirkt und wo wie durch ein Wunder nie ein Unfall stattfindet, was dann wieder, noch verstärkt durch Optikeffekte, seltsam schön und faszinierend wirkt, wie das natürliche Gewimmel eines Ameisenhaufens. Klingt wild und durcheinander, war aber dank aller Mitwirkenden toll.



Rheingau (Sekt) trifft Champagne @ Domänenweingut Schloss Schönborn, Hattenheim

Der Halsnasenorgienarzt verschrieb harte Gönnung auf dem Domänenweingut Schloss Schönborn in Hattenheim. Pünktlich zum Anpfiff des Rheingau Gourmet Festivals sollte da der Rheingau(er Sekt) auf die Champagne treffen. Weinwissers Beckustateur hatte sich eigens angekündigt, um nach unzähligen Stillweinen, die beruflich zu verkosten waren, ein wenig Entspannung beim Schaumwein zu finden. In der flammneuen, dankenswerterweise von Betriebsleiter Christian Valk eigens zum Austoben zur Verfügung gestellten Vinothek, fanden sich also die Headbangers und Headbangerinnen aus dem Europäischen Wirtschaftsraum, bzw. der EFTA ein.

Los ging’s mit Bardong Chardonnay 2007 und Bardong Chardonnay 2006, deren Reihenfolge ich in letzter Sekunde doch noch gegen den Zeitstrahl gerichtet habe, so dass der weichere, weniger dichte 2007er mit seinem zarten Johannisbeerduft den Anfang machte und das Feld bereitete für den völlig anders gearteten, billardkugelrunden 2006er, der so wonnig glänzte wie einst die Glatze von Benny Hills Sidekick Jackie Wright. Obwohl wir es mit Chardonnay zu tun hatten, hatte nicht nur ich sofort die Empfindung von Rheingauer Riesling. Weniger im Sinne einer Rebsortenatypizität, sondern in meinen Augen mehr als Regionaleigenheit zu verstehen (um das Wort Terroir zu vermeiden). Dem stand gegenüber Pierre Moncuits Chardonnay Hugue de Coulmet Premier Cru, ein Champagner aus dem Sézannais. Pierre Moncuit kennt man als Erzeuger aus Le Mesnil und erwartet automatisch eine Art trinkbare Backpfeife. Genau das passiert nicht. Weil der Hugues de Coulmet sanftmütig ist, nicht so ein verkommener Abkömmling eines uralten Adelsgeschlechts, sondern wohlerzogen und fein. So durfte es weitergehen.

Im Pinotlager trat Solter H Pinot Cuvée 2001 an, ewig und schonend in der Flasche gereift, daher bei Öffnung geradezu alterslos, obwohl Toffee, Nuss und Malz deutliche Hinweise geben. Leboeuf Brut Grand Cru aus Ay war konzentrierter, Veilchen und dekoratives Gestrüpp spielen bei diesem Champagner immer eine gewisse Rolle. Von schräg gegenüber, jenseits des Bahndamms, lieferte der Barth Ultra einen modernen Rheingauklassiker, den mittlerweile praktisch jeder kennt, der sich mit der Materie auseinandersetzt. Gänzlich unbekannt ist hingegen der Champagne Pierre Baillette Blanc de Noirs Coeur de Craie Premier Cru Extra Brut (2009). Wer sich das Vorderetikett ansieht, wird noch keinen Verdacht schöpfen, doch wer das Rückenetikett studiert, wird stutzen und sich dann erinnern: sehen so nicht auch die Rückenetiketten von Alexandre Chartognes Champagnern aus? Ja, tun sie. Das ist schließlich der Mann von Périne Baillette. Und der Champagner? Toll! Aus dem unscheinbaren Premier Cru Trois Puits direkt vor einem der Gewerbegebiete von Reims, bevor es Richtung Montagne geht, gibt es ja einige sehr schöne Erzeugnisse. Das hier gehört zu den schönsten. Behutsamer Holzeinfluss, elegant-verschmitzte Pinotstilistik. Viel ist von den 500 Flaschen die es davon mal gab, sicher nicht mehr da. Den Rest bin ich geneigt, komplett zu kaufen.

MILF hier, MILF da, MILF überall. Reif ist in, will ich damit sagen. Auch beim Schaumwein. Deshalb sollte ruhig Solter nochmal ran, mit dem Riesling Reserve Brut 2001, einem sauguten Sekt aus dem Berg Roseneck.Was jedermann leicht nachprüfen kann, ist die pralle Obstaromatik, die man bei einem Sekt dieses Alters schon gar nicht mehr erwartet. Von Firne, die beim Rieslingsekt ja noch viel umstrittener ist als beim Stillwein, keine Spur. Perfekt wäre es jetzt, wenn man den Sekt auch noch kaufen könnte. Kann man aber praktisch nicht mehr. Leider. Tristan H. Brut Mature aus 55CH und 45PN aus dem Jahr 2012, jetzt extra dégorgiert und eigens mit deutschem Rückenetikett versehen, war auf den ersten Blick nicht ganz so anstellig. Das sind die Sachen von Tristan aber nie, vom Brut Traditon mal abgesehen. Eigentlich sind seine vielen unterschiedlichen Champagner sogar Karaffenkandidaten, was der Mature nach längerem Planschen im Glas bestätigte.

Peter Weritz brachte einen 2007er Rieslingsekt aus dem Barrique mit, der mir vor allem im direkten Vergleich mit dem Bardong-Chardonnay nochmal sehr gut gefallen hätte. Der war freilich aus. Hervorzuheben beim unetikettierten 2007er ist der gewandte Umgang mit dem Holz, dessen schützender Einfluss dem Wein offenbar sehr gut getan hat (ähnlich händelt das in der Champagne Vincent Charlot). Gerade beim Riesling ist Holz kein einfaches Thema und in Verbindung mit Sekt sowieso nur etwas für Könner. Mit dem Solter Riesling Reserve 2008 fand sich ein ausgezeichneter Spielgefährte, der den basso continuo Holzeinflüssen blanchierte Mandeln entgegensetzte, bei den zitrusfrischen und bei den kandierten Noten zeigten beide Sekte viel Koloratur. Der 2013er Sekt vom Gastgeber rundete das Ganze passend ab und empfahl sich für eine Nachbesichtigung.

Nach der reinen Sektlehre sollte die Champagne noch einmal zeigen dürfen, was dort so geht. Mir schien ein Meunierflight passend. Chartogne-Taillet Lettre de Mon Meunier (2010) 4 g/l Fassausbau in 225l-Fässern (3 bis 4 x belegt), 10 hl/ha aus den Parzellen Barres (franc pieds), Beaux sens, Alliées, Mont agé, Paccas in Merfy; 500 Flaschen insgesamt. Enormes Zeug, obwohl aus der Not geboren: kurz vor der Lese pumpten Regenfälle die Trauben massig auf. Die Parcellaires konnte Alexandre sich also abschminken; stattdessen selektierte er mit harter Hand und setzte diese feine Cuvée in die Welt, die es so schnell nicht wieder geben wird. Das Süchtigmachende von richtig gutem Gin Tonic, erfrischend wie bester Whisky Sour und einzigartig, wie nur guter Champagner es sein kann. Janisson-Baradon Conges 2006 schien mir daneben etwas schwermütiger, nicht so mitreißend, sondern rational, wohldurchdacht, ohne aber konstruiert oder elaboriert zu wirken.

Zum Ende hin schlugen wir noch einige Haken. Mit Bardong Reserve 1998 ging es tief hinab in die Vergangenheit und es ist zu glauben, wie frisch dieser Sekt jedes einzelne Mal ist, dass ich ihn im Glas habe. Buttercrème, Lemon Curd, Tannennadelsirup, Balsamik, aber kein fettleibiger Charakter. Der komplett andere Tarlant BAM! wirkte beinahe verwandt und dem Sekt näher, als der von mir erst im letzten Jahr entdeckte Champagne Guillaume Sergent Chjardonnay Les Prés Dieu, der auf mittlerweile bekannt hohem Niveau Chardonnaygenuss zelebrierte.

Ganz zum Schluss gab es dann noch zwei große Klassiker, Perrier-Jouet Belle Epoque 1983 und Charles Heidsieck Blanc des Millénaires 1985. Die Belle Epoque hatte ich mir erst wenige Wochen zuvor in Mainz als schöne Partnerin für den ebenfalls kurz zuvor noch einmal zur Auffrischung direkt bei Charles Heidsieck genossenen Blanc de Millénaires ausgedacht; und siehe, die Kombination war stimmig. Die Belle Epoque in wahnsinnig sexyer Hochform, der Charles etwas rauchiger, röstiger. So muss man sich ein aufgedrehtes Pärchen vorstellen, das in den Goldenen Zwanzigern von einem rauschenden Fest in seine efeuumrankte Ostküstenvilla zurückkehrt.

Champagner pêle-mêle in Mainz

Der Zirkumflex wird abgeschafft. Grund genug für einfache Gemüter wie mich, ihn in der Überschrift gleich doppelt zu bemühen. Sieht man sich die weiteren Sprachverrenkungen an, die den Franzosen sonst noch ins Haus stehen, dann erscheint die deutsche Rechtschreibreformkatastrophe nicht mehr ganz so zermürbend und schlimm. Was in Frankreich wiederum ganz gut funktioniert, und das seit vielen Jahren, das ist der Schaumwein, genannt Champagner. Im seinerseits gut funktionierenden Weinlokal Laurenz in der Mainzer Gartenfeldstraße war das leicht unter Beweis zu stellen.

Als allerersten Eröffner gab es Bérèches knochenbrecherisch trockenen Beaux Regards Chardonnay, mit ohne Dosagezucker aus dem Jahr 2009, dég. 2013. Wie mit Backpfeifen aus der Ohnmacht zurückgeholt, kommt man sich nach den ersten Schlucken vor und eine seltsame Amnesie macht sich breit, die Zeit fliegt dahin und die Flasche ist leer, ehe man sich’s recht versieht. An sich kein neuartiger Effekt, neu ist daran nur, dass das mit dieser brutal trockenen Art von Champagner oft geradezu anstrengend ist und bei Bérèche eben nicht. Ähnlich gibts das sonst nur noch bei Tarlants Brut Zéro, aber nicht in reinsortig.

Von Buhl Riesling 2013 en Magnum hatte danach einen äußerst schweren aber nicht unschaffbaren Einstand. Die viel höhere Dosage, dafür der Verzicht auf BSA, die pointierte, zielsichere Arbeit mit dem überhaupt nicht fettigen oder auch nur entfernt plump wirkenden Riesling, verdienen Zustimmung und Hochachtung.

Außerdem wurde der Übergang zu Champagne Reine Pédauque Millésime 1971 einfacher. Dieser Handelshauschampagner aus gutem Jahrgang war natürlich mit seinem jetzt 45 Jahren in der Flasche kein Jüngling mehr. Trotzdem schaffte er es, reife Würze und vormals frechgewesene Säure in einem Zustand vorzuzeigen, der im schönsten Sinne altersmilde genannt werden kann. Über dieses Stadium war Henriot Brut Souverain en Magnum leider schon hinaus, da war mehr Sherry, weniger, d.h. gar kein Bizzel mehr und die Flasche aus den vermutlich Endsechzigern oder höchstens Anfang der Siebziger des 20. Jahrhunderts war wohl einfach leider um.

Um, aber -werfend ist Val‘ Frison Chut Libre (pour Domaine Dominique Derain), die mehr als nur kleine Gefälligkeit, die Valerie Frison ihrem Burgunderkumpel Dominique Derain mit seinen auf Champagnergebiet stehenden Chardonnay- und Pinotreben erweist. Der Freifall hat auch etwas von einem Freischuss und erinnert ein wenig sogar an Wilhelm Tell. Die nervenzerfetzende Spannung vor dem Schuss, der Apfel, das Aufmüpfige, das bergvölkisch-rebellische. Aber auch das Gefühl des Sprungs aus der Maschine, der Ruck, wenn der Schirm aufgeht, das schwerelose Gleiten, der Überblick, die Ruhe machen dem Cuvéenamen alle Ehre.

Pommery Brut Royal en Magnum aus den späten Siebzigern war als Auftakt zu Pommery Louise 1979, dem ersten Louise-Jahrgang überhaupt, gedacht. Was ein unkomplizierter Steigbügelhalter für Madame sein sollte, entpuppte sich als selbstbewusster und forscher, hochgradig initiativer Reitlehrer, dessen höhere Dosage und formal geringere Abkunft der Liasion nicht schadeten. Männlich, breitschultrig, mit Mut zu seiner zarten Seite, ohne dadurch metrosexuell oder auf andere Weise verkorkst zu wirken, ist der Non Vintage von Pommery aus dieser Zeit ein echter Kauftip. Die Louise ist deutlich aristokratischer, entschieden feiner, mit viel geschliffeneren Formen, überspannt oder angekränkelt habe ich sie aber zum Glück bislang noch nicht erlebt, so dass ich mich noch auf eine Reihe kommender Flaschen innig freuen darf.

Ulysse Collin Chardonnay Les Roises Lot 09 ist mit seiner Herkunft aus dem Sézannais und seinen mit atypischem Gestein durchsetzten Böden ein bereichernder Partner für Roland Piollot Chardonnay Champs Rayés, vom untersten Zipfel der Aube. Die beiden Chardonnayparcellaires sind wie ein Gespräch zwischen Oswald Spengler und Benedetto Croce oder ein Duell Gene Hackman vs. Ben Kingsley, wobei ich nicht sagen könnte, wer da jetzt wen genau vorstellen würde. Darauf kommt es auch nicht an, sondern: die beiden sind dramatisch unterschiedlich und einander doch nah, ohne direkte Verbindung zueinander und dennoch ineinander verschränkt und das nicht nur, weil ich sie in einen flight gezwungen habe.

Deshalb konnte es nur mit einem gleichartigen Chrakterkopf, Jérome Prévosts Meunier La Closerie Lot 06 als erstem Champagner einer 2006er-Reihe weitergehen. Und hui, was legt der für einen flotten Tanzschritt vor. Keine Spur von bremsendem oder behäbigem Holz, Schwefel sowieso nicht und kein den deutschen gaumen störender Luftton, sondern Reinheit, Klarheit und Frische, die wiederum nicht gekünstelt und durch zwanghaft niedrig gehaltene Dosage auch nicht fremdartig wirkt. Ein Jammer, dass ich davon nichts mehr habe. Beinahe logische Folge war dann Charlot-Tanneux Cuvée Micheline Millésime 2006 (70CH 30PN aus Pierry), der von ähnlicher Gediegenheit ist, dabei so sanft, so eingehüllt, so einlullend und lockend, der reinste Sexuallockstoff, wäre da nicht das Portrait von Oma Micheline auf dem Etikett. Um den Weg zu Dom Pérignon 2006 zu bereiten, war Aurelien Laherte 2006 die goldene Brücke (85CH 15M aus Chavot). Zwischen Charlot-Tanneux und Dom Pérignon liegt ja nun nicht gerade nur ein unregelmäßiges Spaltmaß, wie bei älteren englischen Sportautos, sondern da krachen Kontinentalplatten aufeinander. Wie moderiert man sowas? Gar nicht, sondern man muss selbst Naturereignis sein. Nun sind die Champagner von Laherte keine Vulkanausbrüche, sondern eher so etwas wie eine sich gemächlich vollziehende Gebirgsbildung. So vielschichtig, erratisch gezackt, schroff abfallend, sanft hügelig, almbegrünt und schneebedeckt können die Champagner von Aurelien wirken. Der 2006er gehört zu den früheren Werken und ist entsprechend urtümlicher, dabei aber auch schon verwitterter, was ihn, der mit 2,5 g/l dosiert ist, weicher und freundlicher wirken lässt, nach blanchierten Mandeln etwa, etwas Kräutereinfluss und Hefe. Und da übernimmt der Dom, der eine Spur brenzlig wirkt, bevor er sein großmeisterliches Feuerwerk abbrennt. In der Vierergruppe, nach drei unerhört selbstbewussten Winzern, ist das kein Spaziergang und ohne die buddhistische Ruhe von Richard Geoffroy hätte ich eine Großhausprestigecuvée wohl auch nunr ungern in den Ring gelassen. Aber ich weiß ja, was ich am 2006er habe. Dessen anfängliche Brenzligkeit öffnet sich und dann wird klar, dass Süßholz, Veilchen und Orangenblüten sich so eng eingerollt und konzentriert hatten, bis sie sich so stark überlagerten und verschärften, dass es schon unangenehm wirkte. Was dieser Champagner also braucht, ist viel Luft, um diese Spirale ausrollen und sich entfalten lassen zu können. Im Mund derselbe Wirbel, ohne fummelige Süße, ohne übergenaues Herumgezirkele, mit einer überlegenen Leichtigkeit dahingeworfen und zum Kunststück geronnen.

Danach sollte man zu etwas aromatisch ganz anderem übergehen und was ist einfacher, als zum Rosé zu wechseln. Dom Ruinart Rosé 1986 ist ein Rosé mit weißer Seele, kurz nach der Freigabe für meinen Geschmack noch nicht genügend amalgamiert und im Alter dafür umso bombenfester im Sattel. Ganz deutlich kann man das am 1986er Rosé erkennen, bei dem der Rouge sich farblich sehr viel Anteil gesichert hat, geschmacklich ist die Verschmelzung mit dem chablisstählernen Chardonnayanteil aber nach Jahren auf der Flassche so vollendet, dass alles wie aus einem Guss wirkt. Und darin liegt ja beim Rosé die große Kunst: dass man nicht den Eindruck gewinnt, nur ein vergoldetes, sondern ein massivgoldenes Schmuckstück zu bekommen. Zu denen gehört fraglos Louis Roederer Cristal Rosé 2000, der leichte Toast- und Röstnoten eleganten Spritz und weltgewandte Mühelosigkeit an den Tag legt. Natürlich wirkt er viel leichter und jünger als der 86er Dom Ruinart, aber er wirkt auch so, als könnte er Mühe mit einem anspruchsvollen Essen haben, was in Wahrheit aber gar nicht der Fall ist. Cristal Rosé ist ein Champagner mit einer viel größeren Substanz und Tiefe, als viele Kritikaster wahrhaben wollen. Man merkt das oft erst im direkten Vergleich mit angeblichen Cristalkillern, die dann mit eingekniffenem Schwanz von dannen ziehen.

Ganz zum Schluss mussten dann noch zwei Champagner ran, die aus unterschiedlichen Gründen nicht täglich auf der Verzehrliste stehen. Benoit Dehu La Pythie, die Single-Barrel Version des Meunier-Monoparcellaire La Rue des Noyers; 329 Flaschen gibt es davon. Perrier-Jouet Belle Epoque 1983, davon gibt es wahrscheinlich etwas mehr als 329 Flaschen, alle Tage begegnet man ihnen aber auch nicht. Dehu hätte ich gern mal im Vergleich mit Prevost, Laval, Tarlant, Chartogne, oder Egly-Ouriet, das wird aber noch bis zur nächsten oder übernächsten Probe dauern. Belle Epoque 1983 werde ich dann vielleicht in derselben Probe mit einigen anderen Anfangachtzigern aufmachen, weil die zur Zeit fast durchgehend riesigen Trinkspass bereiten. Die Pythie zeigte sich fast genauso, wie ich sie bei der ersten Verkostung kennengelernt habe, etwas verhaltener möglicherweise, so dass ich wohl mit der Meunierprobe noch etwas warten werde, die Belle Epoque wird das geduldig ertragen, da sie noch nicht am Ende ihrer Möglichkeiten angekommen ist.

Das Fest – Winebank, Hattenheim: Aufwärts im Rheingau!

Aufwärts geht es im Rheingau vor allem mit dem Sekt. Barth, Bardong, Solter, Schönleber, Wegeler Geheimrat J. sind Namen, mit denen man auf guten Schaumweinproben rechnen muss, sei es unter den Topplatzierungen, sei es als selbstbewusste Piraten. Beim jetzt schon berühmten Winebank-Fest dominierte der Hattenheimer Hassel Brut 2011 en Magnum von Mark Barth sehr deutlich den Primus 2009, der ja eigentlich selbst auch ein Hassel ist, nur dass es eben da noch nicht draufstand. Der 2009er Geheimrat J. wusste ebenfalls zu begeistern Schönlebers Grande Reserve Brut 2009 und Vollrads Brut 2013 folgten mit etwas Abstand, beim Vollrads vor allem süßebedingt.

Aus der Küche von Gabi Würtz gab es das seit langer Zeit beste, weil funktionierende und überaus schmackhafte flying buffet, bestehend aus Ochsenschwanzsülze, Trüffelremoulade und angebratenem Rotkohlsalat; Ricottaklösschen, Blattspinat, Salbeibutter; Tomatenessenz; Geschmnorter Rinderbacke, Petersilienwurzel, Süßkartoffel; Lauwarmem Schokokuchen, Parfait.

Unter den unzähligen Rieslingen stachen für mich im Jahr 2013 weniger Weine heraus, als 2014:

2013
Wisselbrunnen von Knyphausen, trotz einer sanften Firne, die ich eigentlich bei trockenem Riesling dieses Alters nicht wünsche oder begrüße. Hier aber doch.

Nussbrunnen von Ress hatte diesen betörenden Stinker, den man immer als Mineralität
zu vereinfachen geneigt ist und der bei vielen großen Weinen von Überlegenheit kündet.

Doosberg und St. Nikolaus von Peter Jakob Kühn waren erdverbunden, mit dem salzigen Charakter, der als Beschreibung ja auch schon wieder verpönt, aber eben leicht mit dem Trinkempfinden Vieler abzugleichen ist. Von beiden zeigte der Nikolaus noch etwas mehr Finesse und Güte als der Doosberg.

Rottland von Leitz war flüssiger als flüssig, eine Supraflüssigkeit, wenn man so will, nur umgekehrt, also nicht wie ein Stoff, der ohne äußeren Anstoß das Gefäß verlässt, sondern der sich von selbst den Weg ins Leibesinnere sucht. Weder Mumm, noch Johannishof und Ress konnten mit ihrem Rottland da mithalten.

2014
Hölle von Künstler war famos, von geradezu unnachahmlicher Leichtigkeit, die es vermeidet, substanzlos zu wirken.

Walkenberg von Jost war dynamisch, gedrängt, nichts für Menschen mit Magenproblem, dafür umso mehr für Leute, die Freude an z.B. Champagne-Grundwein haben.

Langenberg von Diefenhardt zog es in die Tiefe des Rachens herab, das es eine Freude war, der Schlenzenberg zog nicht ganz so gut mit.

Hohenrain von Knyphausen und von Jung waren beide gut, der Knyppie etwas buttriger, entwickelter, mehr abgewetztes Tweedjacket, bei Jung dafür mehr Schärfe, mehr Präzision.

Schönhell von Prinz gefiel mir besser als seine Jungfer, einzig störend der süssliche touch, von dem ich, das gilt aber für alle GGs, einfach nicht verstehen kann, was er in einem Wein verloren hat, der sich allen Ernstes auf dem Etikett „trocken“ nennt.

Rosengarten von Spreitzer bekam das mit der Süße so hin, dass er schön süffig wirkte, also gerade unterhalb eines störenden Süßepegels agierte, was ihm mein Wohlwollen bescherte.

Silberlack von Schloss Johannisberg ist für mich einer der besten Rieslinge des Abends gewesen. So schön, so exemplarisch, so zugpferdhaft und treibend.

Rothenberg von Wegeler war auf vergleichbarem Niveau wie Johannisberg, ein wenig ist das so, als würde man Dom Ruinart und Comtes de Champagne in rheingauer Übersetzung trinken.

Rottland von Ress übernahm in der Rottlandreihe die Führung vor Mumm und Johannishof, Leitz war aber gar nicht erst mit seinem Rottland angetreten.

Berg Schlossberg von Leitz stach den Berg Schlossberg von Künstler aus, der mir zu poliert und blank wirkte.

Diese Rieslinge waren für die Jahre 2013 und 2014 in Flussrichtung das, was meinem ungehobelten Gaumen am meisten behagte. Nicht unerwähnt lassen will ich, dass auch mancher mauer, müder, süsslicher Wein dabei war, der für mich alles andere als Aufbruchstimmung vermittelte. Zu den sonst erwähnenswerten Weinen rechne ich, um dieses Thema nicht weiter zu vertiefen, noch den raffinierten Gräfenberg 2013 von Weil, den sehr ambitionierten Marcobrunn 2013 von Oetinger und die unverkrampfte Hölle 2013 vom Johannishof; die 2014er Hölle vom Johannishof stand leider etwas im Schatten der sie umringenden Granaten vom Schloss Johannisberg und Wegerler, verdient aber dringend Aufmerksamkeit. Der fruchtige, junge Wisselbrunnen 2014 von Barth zeigte, dass da, wo exzellenter Sekt entsteht, auch sehr guter Stillwein entstehen kann.

Abschließend gab es noch zwei Weingänge mit je 21 Rieslingen, bzw. Spätburgundern. Da gefielen mir am besten der 2009er Hochheimer Hölle erstes Gewächs von Künstler und der Sankt Nikolaus 2010 von Peter Jakob Kühn. Auch der Doosberg GG 2012 en Magnum von F.B. Schönleber der Schloss Johannisberg Silberlack 2009 aus der Doppelmagnum machten gehörig Freude. Unter den ausdrücklich Süßen gefiel mir, nachdem ich allein ca. 3 Fläschchen davon zu Probezwecken geleert hatte, die Rüdesheimer Berg Rottland Trockenbeerenauslese von Mumm am besten.

Fazit:
Wenn ich sehr gut trocken und still trinken will, kann ich in den Rheingau und werde auf höchstem Niveau befriedigt. Aber hundert Prozent sicher bin ich mir dort nicht. Dafür kursiert mir da vor allem unter der Bezeichnung GG zu viel scheintrockener Wein. Und wenn ich wirklich süß trinken will, bleibe ich doch lieber an der Mosel.

Willkürlich herausgepickte Champagnererfahrungen der jüngeren Zeit

Manchmal muss ich leider in Restaurants essen, in denen ich nicht unbedingt noch ein zweites mal essen möchte. Zum Glück kommt das nur selten vor, sehr selten, um genauer zu sein; eigentlich so gut wie nie, wenn ich es recht bedenke. In die Traube Tonbach, wo es nicht nur gutes Mittagessen in der Köhlerstube gibt, sondern wo ich auch Bekanntschaft mit Dr. Hegers fabuleusem Viognier, dem unwahrscheinlichen Côte Rôtie von Patrick Jasmin und dem schwer empfehlenswerten Sancerre von Gerard Boulay aus Chavignol machte, lasse ich mich hingegen immer gern ausführen. Die Küche unter Leitung von Florian Stolte lieferte letztes Mal:

 

Tatar vom sternanisgebeizten Thunfisch mit Soja-/Ingwersud, dazu Lanson Extra Age Blanc de Blancs, wobei mir besonders gut der Soja-/Ingwersud gefiel. Oft bekommt man diese Mixtur unausgewogen, mit schlechter oder dominanter Sojasauce, selten auch mit vordergründigem, zu scharfem Ingwer. Nicht so hier und das war toll. Zum Lanson passte der Sud außerdem noch, Schärfe, Säure, Würze und Chardonnayfett verbanden sich hier vorzüglichst, selbst der Anisfisch störte mich dabei nicht und das will etas heißen, da ich seit einer sehr häßlichen erfahrung mit einem Übermaß an Raki kein Anisfan mehr bin.

 

Konfierter Kabeljau mit Gartenkresseemulsion und Kartoffelkrusteln, dazu Devaux Cuvée D Brut; was war das für eine sensationelle Kresse und einmal mehr ein Beleg dafür, wie vermeintliche Kleinigkeiten einem Mahl den entscheidenden Reiz verleihen können.  

 

Gebratenes Kalbsfilet mit Steinpilzrisotto und getrüffelte Rotweinsauce, besonders hervorzuheben ist hier der Würfel aus Maske, Herz. Lunge und Backe vom Kalb. Eben kein Mischmasch aus Schlachtabfällen, sondern große Küchenkunst. Perfekt dazu war Palmer & Co. Amazone Brut, deren reife Honig-Trüffelnote sich 1a mit der Sauce verband und den köstlichen Würfel umspielte. Palmer & Co. ist ja eine der Genossenschaften neueren Typs (ähnlich wie Nicolas Feuillatte, Devaux oder Jacquart), die sich nicht dem Vorwurf aussetzen lassen müssen, sie würden nur herunternivellierenden Mickersaft vinifizieren und daraus hcöhstens passable Champagner machen. Im Gegenteil, Palmer ist durch die den Champagnern angedeihende großzügige Lagerdauer eher so etwas wie der Bruno Paillard unter den Winzerzusammenschlüsen. Der Vintage 2004 ist trotz seiner üppigen Dosage ein Champagner mit ausgeprägter Pinotdominanz und raffinierter Reife, einer Aura von Pilz und einem verwirrend komplexen Gegengewicht von getrockneten Apfelringen, Muscovadozucker und Ginger Ale. Übertrumpft wird der Vintage von der kämpferischen Amazone de Palmer, einem ganz schönen Dickschiff unter den Prestigecuvées, nicht die eleganteste Fassung für einen Multivintage, aber eine prunkvolle. Empfindsamen Trinkern ist das gewisslich too much, da ähnelt die Amazone entfernt den Palmes d'Or von Feuillatte, nicht aber der schlankeren, stahligeren Spitzenriege von devaux oder dem eleganten, wenn auch nicht besonders auf Langlebigkeit getrimmten Alpha von Jacquart.     

 

Abschließend gab es dann noch Champagnerschnee mit rosa Pampelmusensorbet und Beeren im Hibiskussud, dazu Laibles 2012er Traminer Auslese aus dem Durbacher Plauelrain, die mir aber nicht besonders schmeckte, a) weil ich mit der Rebsorte nicht viel anfangen kann, b) weil mir der Wein mit dem Dessert zu verbissen kämpfte. 

 

Versprechen werden beim Rotwein gegeben und beim Champagner gebrochen, resp. vice versa. Wo ich also gerade so ungezwungen über's Essen, den Wein und Champagner spreche will ich ganz ohne Anlass bekräftigen: Essen und Champagne bleibt 2016 ein wichtiges Thema für mich. Mit Guy Charlemagnes notorisch gutem Mesnillesime habe ich schon in unverjährter zeit feine Erlebnisse verbuchen können, vor allem mit salzigen Speisen natürlich. Tatar mit Sojasauce, krosser Schweinebauch, Bugs Bunny mit Pilzen und Fourme d'Ambert seien da nur beispielsweise genannt. Jérôme Prevosts La Closerie Les Beguines LC08 und Egly-Ouriets Meunier (aus Vrigny, unweit von Gueux: 2 km über die Autoroute de l'ext hinweg) sind ähnlich potente Kandidaten für eine besonders harte Gönnung.

 

Den von Heidsieck Monopole zu Vranken hinübergewanderten, einstmal gesuchten, begehrten und bis heute teilweise noch sehr fitten Cuvée Diamant Blanc de Blancs 2007 darf und muss man den Vorwurf machen, dass sie zu hoch dosiert ist. Das Niveau der früheren Kultcuvée erreicht der neue Diamant leider nicht. Henriots Brut Souverain jedoch, dem Namen Heidsieck bekanntlich dynastisch doppelt verbunden (einmal als Geschäftspartner von Charles-Camille Heidsieck im Jahr 1851 und dann 1976 nochmal, als Henriot sich Charles Heidsieck kurzzeitig einverleibte), der ist seit vielen Jahren eine Wucht unter den Bruts Sans Année. Ich vergleiche ihn den Wagen Pharaos, die Backen stehen lieblich in den Kettchen und der Hals in den Schnüren. Wir wollen dir goldene Kettchen machen mit silbernen Pünktlein, quillt es da beinahe besinnungslos aus mir heraus. Ähnliches fiele mir zu Horiot, Sève en Barmont Rosé Saignée ein, den ich bis zum Erntejahr 2007 immer ein wenig seltsam fand und seit 2008 für ein ganz exquisites, immer noch eigentümlich eigenständiges Getränk halte, das aber seither meine Synapsen doch frecher und freudiger befeuert, a complete breath of fresh air, wie die Franzosen sagen.

 

More is more and less is bore: noch ein paar mehr Champagner

Ich mühe, ja placke mich ab, um von Zeit zu Zeit neue Namen in das erlauchte Zitierkartell der Spitzenerzeuger unter den Champagnerwinzern hineinzubugsieren. Nicht immer gelingt mir das. Dann schreibe ich über Erzeuger, die sowieso erwiesen gut sind und einen tiefen Schluck ohne näheres Hinsehen lohnen. Um aber ganz sicher zu sein, schaue ich meist doch nochmal hin und lange im wohlverstandenen Eigeninteresse beim nachschenken reichlich zu. Am Ende platziere außerdem die eine oder andere Überraschung (für die Ungeduldigen):

 

Pascal Agraparts Avizoise und Vénus lassen schweflige Verbindungen frei, die nicht zum Gotterbarmen stinken, sondern weithin als mineralisch missverstanden werden. Wenn Meursault an der Mosel läge, wären diese beiden Agrapart im Paralleluniversum so etwas wie die Spät- und Auslese von J.J. Prüm. Sehr aufregend ist immer auch der Blick von Avize nach Cramant, von Agrapart zu Aurelien Suenen, seinem önologischen Ziehsohn, wenn man so will. Von dem wird man noch einiges hören und trinken, wie ich ziemlich sicher vorhersagen kann. 

 

R. & V. Bérèche hat einen Meunier in petto, La Côte aux Chateigners in Mereuil-le-Port, der schon als vin clair Maßstäbe setzt. Le Cran Chardonnay aus Ludes und Les Challois Pinot aus Mailly Grand Cru (im zweiten Jahr) werden auch mal etwas Großes, vor allem der Pinot kündigt sich mit Getöse an. Unter den fertigen Champagnern ist der Rive Gauche (2011er Meunier) hervorzuheben, dessen Exotik und Mangofruchtfleischigkeit schon jetzt sehr verlockend sind. Weiter geöffnet jedenfalls als der viel langsamere Beaux Regards. 

 

Jean-Baptiste Geoffroy hat im neuen Anwesen in Ay einfach mehr Möglichkeiten als in Cumières, zu denen auch der Wegfall von Pumpen im Keller gehört. Die Cuvée Houtrants (Tirage 2011) kommt aus Complantation von PN/CH/M mit Arbane und Petit Meslier. Der so schon sauffreudige Champagner bekommt von den beiden Altrebsorten seinen besonderen touch und wirkt nicht seltsam, verbaut, verkorkst oder unrund. Mir ist er damit lieber als der trotz nur 6 g/l etwas süß wirkende Empreinte 2008 (79PN 15M 6CH) und selbst als der sonst vorzeigemäßige Saignée (2012er Basis).  

 

Laherte in Chavot, direkt vor dem Haus steht Chardonnay in der Parzelle Les Noues. Was da schon als Wein rauskommt, ist verblüffend und bestätigt das mittlerweile schon sehr gut mit dem Terroir vertraute Können der Lahertebrüder. Bei den Champagnern ist der Extra Brut Ultradition (2011/2012) ein trotz seiner nur 4,5 g/l Dosage sehr exotisch-fruchtiger, leichtfallender Einstieg in die Lahertewelt, einer, der an Multivitamin, Capri Sonne und Schulferien erinnert. Der Hohe Anteil an reservewein (40%) sorgt für weiche Übergänge. Les Empreintes (2009) aus PN/CH direkt vor dem Haus, bzw. in Chavot ist buttrig, ausgewogen, lang und wird von einer gesunden Säure getragen, wie sie sich auch im Les 7 (2005 – 2012) findet. Wie bei Lahaye und Geoffroy haben wir es hier wieder mit einer Complantation zu tun, die vor allem blumenduftig und mit knackendem Schmelz daherkommt.   

 

Laval mit seiner winzigen Produktion hatte dieses Jahr unter anderem mit dem Chardonnay Les Chênes, dem uralten (Pflanzung seit 1931) Meunier PC aus der Lage Les Hautes Chèvres und dem Pinot aus Les Longues Violes einen Haufen starkes Zeug am Start, von dem ich hoffentlich wieder etwas zu schmecken bekomme, wenn herrlicher Champagner draus geworden ist. Bis dahin ist mir der Cumières PC Brut Nature eine willkommene Wartehilfe und ein Flugzeug mit Strahltriebwerk unter propellergetriebenen Maschinen. Blumig, mit viel Veilchen und einer überraschend hitzig-alkoholischen Schlussnote ist der Mazerationsrosé brut nature, der sich zu Merguez empfiehlt, zu Rehrücken oder wenn man mal zu viel Gin pur getrunken hat.       

 

Léclapart kam mir vor, wie manche biodynamischen Weine, bei denen die Umstellung siche gerade bemerkbar macht und weichere, sanftere Weine ergibt. Der Artiste zeigte das ganz deutlich, war süßlich, verträumt, mit nur ganz wenig Säure, viel Butter und ein paar Meersalzflocken. Der Apôtre war druckvoller, allseitiger, mit mehr Säure und Mobilität, aber auch er insgesamt wie in Zeitlupe. Mit dem Astre habe ich nach wie vor meine Probleme, mir kam er dieses Jahr mild und zahm, ja zahnlos vor. Der aktuelle Artiste 2010 war griffig wie ein grober Wollstoff, hefig, mit viel Autolyse, dabei blinkend, strahlend und rein. Der Apôtre 2009 war das genaue Gegenteil von dem, was ich sonst so unter diesem Namen gerne trinke: oxidativ, angematschter Apfel, so kenne ich diesen Champagner gar nicht und hoffe, dass sich das nicht verfestigt – selbst wenn es eine ausgemachte Freude sein kann, gekonnt oxidativen Stil zu champagnerisieren; aus dem Hause Leclapart mag ich das nicht so sehr. David selbst, der mit der Freigabe dieses Champagners noch zögert, scheint das ähnlich zu sehen. Die 2003er-Stilistik ist eben einfach nicht das, was man sich von einem Apôtre wünscht. Ob der 2009er Apôtre mal so etwas wird wie der 1999er Clos du Mesnil von Krug? Man weiss es nicht, darf aber neugierig bleiben. Worauf ich ebenfalls neugierig bin, ist der Astre 2011. Bisher hat mir noch keiner davon wirklich den Kiefer ausgerenkt und der karottensaftige, mit roter Bete durchsetzte, gemüsig-frühstücksflockige Astre 2011 ist dazu gleich dreimal nicht in der Lage. Ich lege mir also das bisschen, was ich davon bekommen kann hin und warte ab.  

 

Pouillon Réserve ist rundlich und knüpft meiner Meinung nach an höher dosierte Champagner an, um von dort in die Untiefen der geringer dosierten Winzerwelt zu entführen, was überwiegend gut gelingt. Der Chardonnay Les Valnons 2007 kommt aus Ay, hat aber nicht die für dortigen Chardonnay übliche Exotik im Gepäck, der einzige Hinweis auf seine ungewöhnliche Herkunft ist die unaggressive, weiche und am Ende süssliche Art, beides vielleicht auch ein wenig dem Jahrgang geschuldet. Und dann aber kommt der Oberhammer, auch preislich betrachtet: Les Blanchiens 2008. Aus altem Fass, nussig, kirschig, winzerig. Wein, der Backpfeifen verteilt. Toll.  

 

Bevor ich zu den Geheim-Geheimtips komme, hier noch ein paar Tips, die manchem Fortgeschrittenen nicht besonders geheim vorkommen mögen, für den ganz jungen Champanerpadawan sind sie aber vielleicht doch hilfreich und nützlich. 

 

Comte Audoin de Dampierre Millésime 2002 ist gegenüber der früheren, doch recht barocken Anmutung mittlerweile ungewöhnlich schlank, beinahe sportlich, mit köstlichem Apfel, die Family Reserve Blanc de Blancs 2005 auch wieder sehr schlank, aber länger, was man dem Jahrgang sonst gar nicht abkaufen würde. Für mich einer der Erzeuger, die mit einigem Aufwand aber doch irgendwie auch im Stillen ihr Werk verrichten, zumindest was die Wahrnehmung in Deutschland angeht. Schön, dass der Champagner an sich ohne Getöse auskommt. 

 

Louise Brison Cuvée Tendresse 2005 ist einer der Champagner, die mit Honig, Akazie, mittlerem Gewicht, feiner Säure und eleganter Ausstattung sinnbildhaft für den Champagnerstil und hier ganz besonders für den Jahrgang 2005 stehen. Der 2007er war nicht einfach zu vinifizieren, heraus kam ein etwas gewichtiger, holziger Champagner mit guter Struktur, etwas bromiger Nase.

 

Patrick Bigar ist wie Louise Brison ein Champagner, den man nicht gerade jeden Tag auf dem Speiseplan hat, der aber mit seiner Cuvée Clovis gute Arbeit verrichtet. Die parfumierte Nase muss nicht jedem gefallen, die ordentliche Länge und klare Struktur, das etwas limonadige bis molkige des Champagners macht ihn sehr eingängig. Die Cuvée Marie ist fortgeschrittener, winzeriger, holziger, leider auch eine Spur süsser als Clovis, macht aber trotzdem erstmal mehr Spass.

 

Comtesse de Massy Brut Elegance, Gemeinschaftsprojekt von Jean Milan aus Oger und Francois Lavergne. Reinsortiger Chardonnay (Oger), mit 6 g/l dosiert. Im direkten Vergleich mit Pierre Callot Brut Grand Cru aus Avize wirkte Comtesse de Massy fester, gedrängter, mit einem appetitlich geschnürten aber nicht gequetschten oder schwabbeligen Décolleté. Die Kunst ist es, aus kargem Oger-Chardonnay ohne viel Frucht einen Champagner zu machen, der nicht ausdruckslos bis säuerlich schmeckt. Das ist Milan/Lavergne bestens gelungen. Von Etienne Calsac, der bei Bruno Paillard auch in puncto Flaschenausstattung gelernt und gesehen hat, wie's geht, sollte sich jeder einige Flaschen von der L'Échappée aus dem Jungfernjahrgang 2010 zurechtlegen, je nach Geschmack mit 2 oder mit 6 g/l dosiert; besseres habe ich aus Grauves noch nicht im Glas gehabt. Von seinem 2 Ar großen Clos des Maladeries in Avize gibts naturgemäß nicht viel Wein, aber vielleicht wird man in Zukunft mehr von diesem mit Pferd bewirtschafteten Fleckchen hören. 

 

Was jetzt kommt, habe ich schon vor einigen Monaten hier empfohlen und deshalb ist es so geheim nun auch wieder nicht; um den Widerhall zu verstärken, wiederhole ich eindringlich meinen Aufruf, diese beiden Erzeuger nicht nur im Auge, resp. Glas zu behalten, sondern auch regelmäßig genügend davon einzukaufen, um die Entwicklung der nächsten Jahre genießen zu können.

 

Guillaume Sergent

Les Prés Dieu, Chardonnay Extra Brut der Extraklasse. Da steckt so viel Aroma drin, dass man hundert Grundweine und hundert Jahre Erfahrung dafür veranschlagen müsste; doch in Wahrheit gibt es das Miniweingut erst seit 2011 und der Champagner stammt von nur zwei Parzellen, die sich im Namen vereinigt finden: Le Prés (in Vrigny) und Les Vignes Dieu (in Coulommes la Montagne), teilweise dank des sandigen Bodens in der Gegend um Vrigny ungepfropft. Magisches Zeug.

 

Thomas Perseval

Seit 2004 dabei, in Burgund geschult und seit ich das erste Mal Champagner von ihm getrunken habe einer meiner erklärten Lieblinge. Spielt auch mit den BAM-Rebsorten herum; geduldige Fass- und Tankvinifikation ohne dogmatischen Ansatz zum BSA. Der im Namen pures understatement vermittelnde Brut Tradition und die Grande Cuvée kommen dank ihrer fabelhaften Grundweinsubstanz ohne weiteren Dosageliqueur aus und rauben mir jetzt schon den spärlichen Rest-Verstand. Was wird dann erst passieren, wenn die Lagen einzeln vinifiziert auf den Markt kommen?    

Tätigkeitsnachweis und Ausblick

In Zeiten größer werdender Insurgenz, nein, Intransigenz? Quatsch! Inkontinenz? Nein: Intransparenz, ist es mir wichtig und ein Anliegen, die über meinem an sich eher engen Tätigkeitsfeld liegenden Schleier möglichst zu lüften und bis hin zur Belästigungsschwelle zu klarifizieren, was ich eigentlich so treibe, wenn ich mal nicht Anfragen auf allen möglichen Social Media Kanälen beantworte, sei es wegen Transvasage in der Champagne bei bestimmten Flaschenformaten (ab 3 Liter erlaubt und tunlich), den heißesten Tips für importinteressierte Händler (Savart kam bereits in gute Hände, Horiot, Brochet, Valerie Frison sind ebenfalls versorgt, Tristan Hyest ist auf dem besten Wege, Charlot-Tanneux ist eigentlich viel zu klein, könnte aber noch einen Abnehmer in Deutschland vertragen. Und, Händler/Importeure (auch kleiner Mengen), hergehört: wenn Solemme, Thomas Perseval und Guillaume Sergent noch einen Importeur in Deutschland finden, ebenso wie beispielsweise Aurelien Lurquin und Agnes Corbon, dann ist mein Werk zwar längst nicht vollendet, aber ein gutes Stück vorangekommen) oder weil in irgendeinem Weinfreakforum eine bestimmte Détailfrage streitig ist.

 

Am publikumsträchtigsten ist immer die Verkostungstätigkeit in echten Publikationen mit professionellem Layout und Leuten, die sich um Inhalte wirklich kümmern, also nicht unregelmäßig über das Jahr verteilt immer wieder mal ein paar Zeilen abwerfen, die sich aus dem Handy oder einer Kugelschreiberkritzelei noch so eben rekonstruieren lassen. In den letzten Wochen und Monaten waren das bei mir vor allem:

 

Sternefresser Bubble Tank: http://www.sternefresser.de/index.php?id=bottletank-3-champagner

 

Enos Champagner Verkostungsreport: http://www.enoworldwine.de/degustation/verkostungsreport/champagne-superstar

 

Meiningers Weinwirtschaft Große Champagnerverkostung: https://www.meininger.de/de/weinwirtschaft/ausgabe-232015

 

Fernab davon bewegt sich mein Ginengagement: http://www.sternefresser.de/cooktank/bottletank2/

 

Vom Sherryengagement ganz zu schweigen.

 

Bis zum Jahresende werde ich wohl oder übel noch einige Champagner vertilgen müssen, über einige davon wird man an dieser oder an anderer Stelle noch zu lesen bekommen, über einen anderen Teil werde ich den Mantel des Schweigens breiten, was verschiedene Gründe haben kann und nicht fehlgedeutet werden sollte. Meistens berichte ich von einem Champagner nicht, wenn er mir nicht geschmeckt hat (beredtes Schweigen) oder wenn ich mir vorstelle, dass eine Nachverkostung nötig ist, bevor das – sowieso stets nur vorläufige, momentane – Verdikt gesprochen oder vielmehr getippt wird. Oft schreibe ich aber auch nichts, wenn es ganz einfach nichts neues zu sagen gibt, bei Pol-Roger habe ich mir das als erstes angewöhnt, bei Bollinger ist es oft so, aber auch bei Jacquesson, Larmandier-Bernier und den gängigen Gastro- sowie den meisten Großhauschampagnern. Immer, wenn sich ein kleines "s.i." in meinen Notizen findet (für die Kiebitze), hat sich an meinem Eindruck gegenüber dem letzten Mal nichts groß geändert.

 

Was bringt 2016? Schon so einiges. Die Verkostungsreihe "Sekt trifft Champagner" nimmt Fahrt auf. Der erste Termin wird bei Griesel stattfinden, es folgen heiter-ausgelassene Abende ähnlichen Kalibers bei Barth (mit kleinen Kaviarschweinereien) und Graf Schönborn im Rheingau. Mainz wird eine Neuauflage des "Champagner pêle-mêle" erleben, mit Klassikern von der ersten Pommery Louise (1979) bis zum Louis Roederer Cristal Rosé 2000. Natürlich wird das Austernfrühstück wiederholt und ich begleite die Geburt einer Zéro Dosage Cuvée. In Düsseldorf stehen die größten Champagner des Jahrgangs 1996 zur Verkostung an, rares Zeug wird es da geben, von Selosse und Krug, in weiß und rosé, was das Herz begehrt. Reifer Champagner wird 2016 insgesamt nicht zu kurz kommen, ein Florens-Louis Heidsieck 1969 zum Beispiel steht, bzw. liegt bei mir nutzlos im Keller herum und wird bald endlich in die Ewigkeit eingehen, begleitet von angemessenem Gefolge. Und wenn ich schon bei Heidsieck bin, darf ich schon jetzt freundlichst auf einen Artikel im Magazin Schluck! hinweisen, der sich mit dem Namen und seinen Marken beschäftigen wird. Soviel zur ersten Januarwoche. Nein, Joke. Natürlich. Aber das sind die aufziehenden ersten Höhepunkte des Jahres, von denen ich gewiss getreulich berichten werde.

Champagne Henri Giraud

Die in Deutschland anzutreffende Eiche, so habe ich von jemandem vernommen, der es wissen muss, eignet sich zum Möbel- aber nicht zum Weinausbau. Von der Spessarter Eiche abgesehen, seien die deutschen Eichen zu dicht, zu kleinporig und taugten nicht für die Küferei. Was ein Glück für die Champenois, dass sie den Argonnerwald direkt vor der Nase haben. Die dortigen Eichen eignen sich nämlich sehr gut zum Fassbau; Troncais eben. Claude Giraud, der schon immer eine gewisse Sonderstellung unter den Champagnererzeugern einnahm und in den letzten fünf Jahren mit besonderer Agitationskraft hervorgetreten ist, weiß das und er weiß, von diesem Wissen, das er sich höchstens noch mit den Jungs von Château Latour teilt, Gebrauch zu machen. Zwar findet sich bei ihm auch das eine oder andere Betonei, aber vor allem der Wald hat es ihm angetan. Seine Champagner sind merklich davon beeiflusst.

 

Seit ich mal eines seiner Ateliers besucht habe, versuche ich verstärkt darauf zu achten, was nicht immer leicht ist, denn die Giraud-Champagner sind alle von hypnotischer Überzeugungskraft, jedenfalls sofort an allen Schaltstellen des Bewusstseins präsent, was eine ungetrübte Wahrnehmung sehr erschwert. Bemerkenswert außerdem: sie entziehen sich der derzeitigen Dosagediskussion ebenso wie sonst nur noch die Weine von Laurent Champas aus dem Hause Vilmart, der, wenig verwunderlich, ebenfalls ein großer Holzspezialist ist.

 

Die Annäherung an Ay-Pinot ist ja schon schwer genug. Dieser Ort ist einer der prominentesten in der Champagne und automatisch einer, dessen guter Name zum önologischen Schindludertreiben verführt. Dass es in Ay wenig bis keine ausgesprochen schwachen Erzeuger mit eigener Marktpräsenz gibt, erfreut dafür umso mehr und spricht für die Selbstreinigungskraft der Region, wobei nicht ausgemacht ist, dass nicht vielleicht doch sehr viel schwaches Grundmaterial in größere Kellereien abfließt. Wobei ich auch da skeptisch bin, denn auf Käuferseite wird in der Champagne nicht minder scharf hingesehen, als im Kreise der Selbstvermarkter. 

 

Was macht den Ay-Pinot aus? Er ist eher kleinbeerig und bringt gern Veilchennoten mit, würde ich sagen, ohne damit ganz allein zu stehen. Und was macht das Argonner Eichenholz aus? Nun, das hängt von den verschiedenen Holzterroirs ab. Claude Giraud führte das ganz eindrucksvoll anhand desselben Weins vor, den er in zwei unterschiedliche Holzarten steckte. Im Gaize-Wald mit Chatrices, Haut Bati und Controlerie bilden sich sehr typisch holzfassige Noten aus, Vanille vor allem. Salz und Säure haben hier gute Chancen für ausgiebige Selbstdarstellung. Im Beaulieu-Wald kommt die Säure nicht so sehr durch, der Wein oxidiert stärker und wird etwas bulliger, dafür kürzer angebunden im Mund.

 

Chardonnay verhält sich bei unterschiedlicher Holzherkunft wieder ganz anders. Chatrice fördert Orangenblüte, lackierten Knusper-Schweinebauch, Haut Bati macht den Chardonnay, waldiger, dunkler, mehr wie kalte Butter mit weicher Säure und sanfter Oxidation, während Controlerie den Wein zwischen Pflanzennoten, Röstigkeit und Feuerstein pendeln lässt.

 

Das alles dient als Vorspiel für die Zubereitung der Cuvée Argonne, Basis 2012, die mit 75PN 25CH einmal in einem Fassmix aus Controlerie und Chatrice, einmal aus Controlerie und Haut Bati jeweils völlig anders schmeckt. Die erste Version ist elegant, rassig, mit vor allem viel Veilchen und Salz, also genau den Kernelementen, die für Pinot und Chardonnay eine tragende Rolle beim Giraud-Champagner spielen. Die zweite Version ist süßer, süffiger, leichter zugänglich und schneller wieder vergessen. Nach zehn bis zwölf Jahren auf der Hefe dürfte der erste Mix also den Vorzug verdienen und mir war das Ganze mal wieder ein weiteres wichtiges Verstehenserlebnis, eine ganz wichtige Hilfe auch beim Verständnis von Champagnern wie sie Benoit Dehu mit der Rue des Noyers oder Pythie macht und dank der großzügigen Gastfreundschaft Claude Girauds ein Besuch, der in Erinnerung bleibt und von dem ich bis heute zehre.    

Chabos wissen, wer der BaBu ist

Na gut, nicht alle Chabos werden wissen, wer der hier gemeinte BaBu ist. Noch nicht. Doch halt: Chabo? Die japanische Zwerghühnerrasse? Und BaBu? Um was geht es hier überhaupt? Nun, nicht um diese kleinen Gockel, so viel ist sicher. Aber auch nicht direkt um eine lebende Person. Eher um eine Art Keyser Söze. Die vom Manischen beeinflusste Kowelenzer Hejelsprache (Vorsicht: kaum, bzw. nur wenig Bezug zum Verfasser der Phänomenologie des Geistes, obwohl dieser zeitweilig sogar Chefredakteur der, aufgemerkt, Bamberger (!) Zeitung war) bringt uns jedenfalls vorerst nicht weiter. Manisch wiederum ist ein gutes Stichwort, wenn man sich die Auseinandersetzungen ansieht, die um Sekt und Champagner geführt werden. Nicht umsonst wird eine meiner nächsten – vor allem zu Veranschaulings- und Schulungszwecken veranstalteten, nicht-, bzw. nur teilöffentlichen – Proben unter dem Motto "Sekt trifft Champagner" stehen. Nicht: "Der beste deutsche Winzersekt steckt sowieso jeden Großhauschampagner mühelos in die Tasche". Oder: "Champagner ist nur teurer aber nicht besser als guter deutsche Winzersekt". Nein, "Sekt trifft Champagner" trifft es schon sehr gut und wir werden, das steht schon jetzt fest, mal wieder erstaunliche Erkenntnisse und Kommentierungen mitnehmen.

 

Einen Ex-Babo, der sich mit Auseinandersetzungen und kritischen Kommentierungen gut auskennt, juckt das alles ausnahmsweise nicht: Richter und Justizminister a.D. Heinz Georg Bamberger. Muss es auch nicht. Aber dessen Namensvetter-Weingut Karl-Kurt Bamberger und Sohn (Heiko) aus Meddersheim an der Nahe. Schließlich bildet das Wein- und Sektgut Bamberger den ersten Teil der titelgebenden, scilicet, Mundmische. Heiko und Ute Bambergers Sekt ist regelmäßigen Besuchern der Spitzengastronomie rund um Bad Kreuznach, nehmen wir z.B. mal das Bollants im Park als referenz herbei, schon seit Jahren bestens bekannt. Auch die kleine Gruppe der ernsten Bibelforscher Weinführerleser darf wissend abwinken. Alle anderen hören jetzt bitte ganz genau hin, bzw. her, resp. lesen aufmerksam, was folgt. Der trocken (!) dosierte Rosé-Sekt von Bamberger hat die schmeichelnd bezwingende und sämige Art einer perfekten Sauce Hollandaise. Butter und Cayennepfeffer, Limette, Erdbeere und Shiitake spiegeln sich im Sekt, der nicht auf völlig ausgelatschten Burgunderpfaden wandelt und in der Welt magersüchtiger Zerodosagen wie ein plus-size model wirkt, mit anderen Worten: in etwa so übergewichtig wie Myla Dalbesio oder Crystal Renn, so arrangiert wie Sophie Dahl für Boucheron und für mich bedeutet das am Ende: 750ml deutsche Sexyness, so absurd das in manchen Ohren klingen mag.

 

Der zweite Teil des heutigen Einakters ist gleichzeitig so etwas wie ein Sequel der mehrteiligen Sektsaga aus dem Hause Reichsrat von Buhl. Kellermeister Matthieu Kauffmann weiß, wie man Druck macht. Schließlich kommt er von Champagne Bollinger. Sein deutsches Erstlingswerk wurde ihm hier aus den Händen gerissen, dann war Sendepause bis April. Mit "frisch degoutiertem Flaschengärsekt" (so heißt es auf der Website) meldete sich Buhl jetzt zurück. In pink, ohne biologischen Säureabbau, dafür mit 9 g/l dosiert. Just am Tag nach der Deutschlandpremiere des von Kauffmann noch zu Bollingerzeiten verantworteten Grande Année Rosé 2005 habe ich mir seinen Rosé-Sekt näher angesehen. Und erlebte so etwas wie ein kleines déjà bu. Dafür verantwortlich war die gierig züngelnde Säure, die hemmungslos wirkende und doch so kontrolliert, geradezu deutsch agierende Kirsche in all ihren Ausprägungen und ein verblüffender Anflug von Torrefaction, zu deutsch: Röstaroma. Was sich wie Schlangenbeschwörung anhört, läuft technisch innerhalb von 15 Monaten ab und ist nichts anderes, als der Zerfallsprozess von Hefen. Deren Selbstzersetzung bringt eine Aromenkomplexität, die wie extrem zurückhaltender Holzeinsatz schmecken kann. Eine gelungene Katastase.

 

Die Eskalation ist bei Buhl noch längst nicht zu Ende, wie Torpedos eines Uboots auf Feindfahrt liegen dort noch weitere Cuvées und warten auf ihren unweigerlichen Abschuss. Wie der nächste Schritt bei Bamberger aussieht, weiß ich zufällig auch schon. Dort wird man sich im Januar 2016 an einen Nulldosagesekt machen, an dem mitzuwirken ich die Ehre und das Vergnügen habe, weshalb ich schon jetzt drauf hinweise.

 

Fazit: Wem an Mutti (also an seiner eigenen) gelegen ist, sollte zum Muttertag ernsthaft mal darüber nachdenken, Sekt aufzumachen. Dann weiß auch sie, wer der BaBu ist.   

Champagner? Champagner!

Einen Leserückblick, angereichert um highlights von der Bulles Bio in Reims habe ich igerade erst geliefert. Mit highlights alleine ist es aber nicht getan, das gilt für make-up genauso wie für Champagnerübersichten. Deshalb folgen hier noch einige Tips und Hinweise zu Champagnern von der diesjährigen Falstaff-Champagnergala in Berlin, die aus Gründen  der Wiederholung, Vertiefung und besseren Streuung getreulich nachgetrunken werden sollten.

Von Champagne André Roger habe ich vor allem den Rosé zu empfehlen, der mir zuletzt zusammen mit Krug Rosé, Deutz Rosé und Roederer Vintage 2010 Rosé sehr viel Freude bereitet hat. Auch die Grande Réserve Brut Grand Cru (75PN 25CH) und der Millésime (85PN 25CH) sind preislich wie qualitativ sehr interessant.

Von Charles Heidsieck ist der Blanc de Millenaires 1995 nach wie vor eine sichere Empfehlung, aber was vielleicht noch viel spannender ist: der Rosé Millésime 1999.Eleganz, Power und Finesse, wie man sie bei einem Jahrgangsrosé dieses Alters gar nicht erwarten würde. Gegenüber dem jahrgangslosen, auch schon guten Rosé von Heidsieck ist das ein ganzes Saeculum, das da dazwischen liegt.

Champagne Lallier wird uns im Jahr 2016 einige schöne neue Kreationen durch die charmante Repräsentantin Vanessa Cherruau liefern, bis dahin gedulden wir uns gern mit der Grande Réserve Grand Cru (65PN 35CH), dég. Sep. 2014.

Champagne Moutard Père et Fils kennt man vor allem von der Cuvée des 6Cépages, deren aktuelle Version 2008 ist zwar mit üppigen 8 g/l dosiert, steckt den Zucker aber gut weg. Das liegt gewiss am Arbane- und am Petit Meslier Anteil, deren Säure ja so manchen eleganten Faltenwurf in allzuglatt gebügelte Cuvées zu zaubern versteht; maßgeblich für die Frage, ob es eine Altrebsortencuvée gibt, ist übrigens Jahr für Jahr der empfindliche Arbaneertrag. Seitenblicke auf den reinsortigen Parcellaire Pinot Noir de Vieilles Vignes lieu dit Richardot und auf die Cuvée des 2 Soeurs (50PN 50CH) lohnen sich übrigens auch.

Von Louis Roederer gibt es sowieso fast nur gute Champagner, das Haus setzt außerdem auf Biodynamie und zuletzt gab es, für ein Haus dieser Größe einigermaßen ungewohnt, einen Brut Nature in der Kpnstleredition von Starck, Jahrgang 2006. Das ist ein leicht scotchig geratener, sonst ganz sauberer und direkter Champagner, der Lust auf mehr Experimente dieser Art macht.

Nils Lackner und Champagne Alexandre Salmon muss man auf dem Speiseplan haben. Die Cuvée A.S. (50PM 50CH) war 95 Monate auf der Hefe, Basis sind 2006 und 2005 und wenn da die Post nicht abgeht, weiss ich auch nicht. Das neue Holz aus der Tonnellerie der Champagne dient unaufdringlich und polstert an den richtigen Stellen, der Champagner ist eine wohlgeratene Mischung aus üppiger Form und kühnem Schwung. Weiter so.

Direkt da ist, ganz gegen die Erwartungshaltung, Taittinger, Comtes de Champagne 2006. Null Babyspeck, null Fett, null Makerade, keine Versteckspiel, sondern sofortige Ansprache und rabiates Durchstarten. Schlank, würdig, leicht, sehr gelungen und sicher einer der am frühesten schmackhaften Comtes der letzten zehn Jahre.

Champagne Demoiselle aus dem Hause Vranken-Pommery habe ich Anfang der 2000er Jahre zum ersten Mal getrunken und die Cuvée Parisienne Premier Cru gefällt mir seither stets am besten. Der aktuelle 2003er ist buttrig, ohne fettig zu sein, die geschickt verbaute Autolytik gibt dem Champagner Gediegenheit und Charme.