Champagnernacht in Dorsten
I.1 Raumland, Blanc et Noir Brut Nature 2005
Umgeben von Champagner fühlt der Raumland sich wohl, was für den Sekt ebenso gilt, wie für seinen Schöpfer, dessen Sekte im Laufe des Abends noch einige Auftritte hatten und den ich in Person zwei Tage später wie durch Zufall in der Champagne traf. Der Blanc et Noir ist erkennbar kein Champagner, ohne dass er dadurch jedoch deplaziert wirkt, zumal wenn es der Auftaktsprudler einer Probe ist. Der Sekt war ruhig, souverän, mit Beerenobst dekoriert und einer aus dem Lesegut selbst stammenden Fruchtigkeit und Süße, die Dosagezucker entbehrlich werden lässt.
Champagner roundup
1. Maurice Vesselle, Grand Cru Millesime 2002
85PN 15CH. Kein BSA. Nachdem ich vor Jahren in einem Pariser Nicolas-Laden an der Ave. Kléber nächst meinem dort bevorzugten Hotel keine besonders gute Erfahrung mit Georges Vesselle gemacht hatte, war mir der ganze Erzeugername vermiest. Erst nachdem ich mich vor Ort in Bouzy eines besseren überzeugen konnte, wurde zumindest der sippenverhaftete Maurice Vesselle endlich rehabilitiert. Ein gute Leistung hat er mit dem 2002er abgeliefert, der fleischig ist, eine angenehme Haselnuss- und/oder Mandelnote von seinen schönen Bouzy-Pinots gibt ihm zusammen mit den aus dem Untergrund durchklingenden Aromen von frischem Kirschkompott Gehalt, der Chardonnayanteil macht sich mit erstaunlichem Geltungsdrang im Bereich der Apfel-Zitrusnoten bemerkbar.
Die Blanc de Noirs Nacht
1. Wilhelmshof, Blanc de Noirs Brut 2007
20 Monate Hefelager.
Der erste Wein in einer Verkostung sein zu müssen, ist immer mit Schwierigkeiten behaftet. Der Gaumen mancher Verkoster ist vielleicht noch nicht recht kalibriert, die Begeisterungsschwelle noch nicht alkoholbedingt gesunken. Der Wilhelmshof musste als leicht zu enttarnender Pirat diese undankbare Einsteigerrolle übernehmen. Für den bekanntermaßen exzellenten und vielfach dekorierten deutschen Sekterzeuger mit der hohen Champagneraffinität war die Pole-Position leider besonders ungünstig, denn Sekt und Champagner lassen sich nur ganz schwer in einer Probe, bzw. in einem flight unterbringen. Hinzu kommt noch, dass der konkret verkostete BdN mit einem unangenehmen Sauerkrautstinker nicht auf Anhieb begeistern konnte; besser wurde er dann zu allem Unglück auch nicht mehr. Keine Spur von der sonst vom Wilhelmshof bekannten Sekt-Noblesse, keine betörende Frucht, zwar ein angenehmes Mundgefühl, aber letztlich zu wenig von allem.
Unabhängige Winzer unter der Lupe – Côte des Blancs: Pierre Callot, Avize
Pierre Callot et Fils, Avize
Thierry Callot verkauft von seinen sieben Hektar in den Grand Crus Chouilly, Cramant und Avize sowie aus dem Premier Cru Grauves den Ertrag zweier Hektar an Bollinger. Die Wirtschaftsgebäude in der Avenue Jean Jaurès, vis à vis Michel Gonet, hat er 1971 von Piper-Heidsieck übernommen. Bemerkenswert ist seine slow-wine mäßige Art der Champagnererzeugung, die dem Profil der Trauben aus Cramant und Avize besonders entgegenkommt, letzthin in der Fachpresse einige Anerkennung fand, meiner Meinung nach jedoch den Hinkefuss allzu hoher Konzentration haben kann, was normalerweise gerade bei der Verwendung reifer, sehr reifer und schon überreifer Trauben zu Lasten von Säure und Schnittigkeit geht.

