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Tag Archives: Champagne Maurice Vesselle

Les Mains du Terroir 2014

Die ehemals unter dem Namen Terroirs et Talent de Champagne firmierende Winzertruppe hat sich auch 2014 wieder im Obergeschoss des Theatre in Epernay eingefunden, um die Leistungsfähigkeit der Mitgliedsbetriebe unter Beweis zu stellen. Bei den Mains du Terroir Winzern triftt man die Vins Clairs oft in Form der schon bereiten Cuvées an, die sich demnächst zur zweiten Gärung in die Flasche verabschieden. Das ist vor allem dann sinnreich, wenn man die aktuelle Version dieser Champagner unmittelbar danach probieren kann, was überwiegend möglich ist. Neben den Vins Clairs und zwei bis drei fertigen Champagnern gibt es an den Ständen dieser Winzer hier eine freestyle Cuvée, also eine Experimentalcuvée, einen alten Jahrgang oder einen besonders lehrreichen Champagnervergleich. 

Von Champagne Aspasie haben aufmerksame Leser meiner Mitteilungen schon vor Jahren gehört und der Betrieb arbeitet unentwegt konstant gut, großes Auf und Ab habe ich hier nie feststellen können, insbesondere ein dynamisches Auf würde ich mir gleichwohl wünschen. Nicht, weil die Qualität so weit am Boden ist, sondern weil diese fortgesetzt saubere Arbeit es verdient hätte. Mit den Cépages d'Antan, die mir auf der diesjährigen Prowein wieder mal sehr positiv aufgefallen waren, hat der Betrieb einen schönen Joker im Blatt; Blanc de Blancs und Millésime 2008 sind frisch, klar und leicht, der jahrgang etwas individueller, kakteeiger, will sagen stachliger. Der 2009er Jahrgang wirkt auf mich leichter als der 2008er und ist mit 3 g/l Dosage schon reichlich bedient. Wahnsinnig rasant macht ihn das nicht und zum Langläufer taugt er ebenfalls nicht. Deshalb würde ich ihn jetzt trinken und den 2008er liegen lassen, bis der sich zu voller Größe aufgerichtet hat, im Idealfall ist das zu der Zeit, wenn der 2009er abzubauen beginnt.

Champagne Maxime Blin liegt nicht ganz so weit ab vom Schuss, aber Trigny sagt trotzdem nur den wenigsten Champagnebesuchern etwas. Schade, denn die Champagne von Maxime Blin tragen eine schöne, nicht zu schwülstige Handschrift, die der Neigung zur Dosage im oberen Bereich unterhalb der 10 g/l Grenze geschuldet sein mag. Der Drittelmix, die Cuvée Maxime Blin, besteht aus 08er und 07er, der erste Eindruck ist nussig und krautig, dann zeigt sich der zusammenfügende Einfluss der Holzfassvinifikation und des Ausbaus im Fassl. Der Champagner wirkt trotz der beiden verschiedenartigen Elemente wie aus einem Guss, solide, dicht, mit feiner Frucht und etwas Brot. Die beiden Rosés Authentique (Saignée) und Rosé d'Assemblage sind beide aus 100% Pinot Noir, wobei mir der Assemblagerosé ganz gegen die sonstige Machart der Blin-Champagner nicht wie aus einem Guss erschien, was er ja auch tatsächlich nicht ist. Die ca. 17% Rotwein aus 2009 wirken in der Cuvée aus 10er und 11er Pinot wie ein Fremdkörper. Viel besser gefiel mir demgegenüber die Cuvée Onirique Extra Brut aus 90PN und 10CH, basierend auf 2011 mit 2010. Die ist gegenüber den stets empfehlenswerten Jahrgängen von Blin eine Spur fetter, was überhaupt nicht schlimm ist, weil die Champagner aus dem Massif St. Thierry ruhig etwas Fett vertragen können, vor allem, wenn es mit so schönen Noten von Orangenmarzipanfüllung, Krokant und Quittenmus daherkommt.

Natürlich ist auch die Aube in den Winzergruppen immer angemessen vertreten. Bei den Mins du Terroir Winzern ist Jerome Coessens der Mann fürs Grobe. Oder eben auch nicht fürs Grobe, sondern für das ganz Feine, ganz grundeigentlich für das Gegenkonzept zum klassischen Champagner. Monocru, Monocepage, jahrgangsrein, ich habe  nur wenige Tage vor den Grands Jours das vergnügen gehabt, Jerome in Ville sur Arce in Keller und Weinberg mit meinen Fragen und meinem Durst auf die Nerven gehen zu dürfen. Die Lrgilliers als Brut Nature, normaler Blanc de Noirs, Rosé de Saignée und mit Holz als Les Sens Boisés teilen sich immer wiederkehrende Aromen von Mandeln, Marzipan, Blüten und mildestem Akazienhonig. Sanft, gefügig und gleitend schienen mir die Champagner, der brut Nature mit einer spritzigen Zitrusnote, der Rosé besonders seidig und dieses Mal am beeidnruckendsten der Sens Boisé. Jahrgangsbasis 2008, mit 7 g/l dosiert und so burgundisch, pulignyhaft, wie aus dem Bilderbuch.

Im Sézannais, dieser kaum wahrgenommenen Region, ist Jacques Copinet ansässig. Chaptalisiert wird nicht, es gibt dafür immer vollen BSA und was es leider wiederum nicht gibt, ist ein Degorgierdatum auf dem Etikett, dafür steht ein Code auf der Flasche. Das Sézannais ist so etwas wie eine südwestlicher gelegene Côte des Blancs ohne die Harschheit und Entschiedenheit, die der Chardonnay von der Côte des Blancs an den Tag legen kann. Die Champagner von Copinet geben das wieder. Die Blanc de Blancs Brut, Brut Integral und Marie Etienne sind alle im Extra Brut Bereich oder eben Brut Nature, wirken aber vermittelnd, weich, sehr milde, teilweise primörfruchtig, mit hervorstechenden Tafeltraubenaromen, blanchierter Mandel und Sahne. Die Cuvée Surprise inedite sensation hatte einige Bananen- und Birnennoten, die beim Publikum ja gerne begeisterten Anklang finden.

Altmeister de Sousa aus Avize kennt man schon, da weiß man, es ist fast egal was von ihm ins Glas kommt, das ist eigentlich immer gut, ich räume sogar ein: er übetrifft meine Erwartungen sogar meistens. Schon der einfache Brut Réserve mit 7 g/l war schön und gefiel mir besser, als der Dosagewert vermuten ließ. Avize, Oger und Mesnil, Säure und Süße spielen da schön miteinander, die Süße gewinnt am Ende. Die Cuvée 3A, mit der de Sousa seit ein paar Jahren am internationalen Gaumen reüssiert ist ein Mix aus Chardonnay und Pinot Noir (Avize, Ay, Ambonnay), die im Barrique zeigen müssen, was sie können. Ihnen werden 3 g/l Dosage zur seite gestellt, aus denen sie einen sehr schönen und ausgewogenen Champagner machen. Doch ist der nichts im Vergleich mit dem "Mycorhizes" getauften Wein aus Uraltreben, die in Avize und Oger stehen. Das ist starker Tobak, richtig dickes Zeug, das ich schon im Vin Clair Stadium als kommenden Star der Region ansehe. Ein anderer großer Wurf ist die Cuvée Umami von der Negociantlinie Zoémie de Sousa. 2009er Basis, 70CH 30PN, auf erst einmal 6000 Flaschen limitiert. Herbe, Limone, Hefe, Tiefe, Komplexität, Ausdauer, nebelhafte Verteilung der Aromatik am Gaumen, ein rätselhafter, schöner, großer Champagner.

Und wieder nähern wir uns Eric Rodez, der nach Jahren nun endlich die Aufmerksamkeit zu bekommen scheint, die ihm zusteht, jedenfalls in Deutschland. Die Vins Clairs des Jahrgangs 2013 waren die helle Freude. Der Chardonnay öffnete sein Nussherz und zeigte die kraftvoll darin pulsierende Wildkirsche, der Pinot Noir daneben elegant, zurückhaltend und fein wie russischer Zobel, aber unwahrscheinlich kraftvoll auch dieser Wein. Die Champagner sind kleine Denkmäler. Der Blanc de Blancs aus 2008, 07, 06, 05, 04, 03 war so vollmundig, vorbildlich und weit weg vom Klischee, dass man fast eine neue Kategorie innerhalb des Genres für ihn aufmachen müsste. Der Blanc de Noirs aus den gleichen Jahren mit Ausnahme des 2003ers, der hier durch 2002 ersetzt wurde, ruht buddhistisch in sich selbst, ein Pinot, der völlig unaufgeregt sich seiner Schönheit selbst bewusst ist. Sowas gelingt nur ganz selten, einen ähnlichen Eindruck hatte ich nur einmal bei einem  Domaine Prieuré-Roch Chambertin Clos de Bèze, den ich (natürlich, möchte ich fast meinen) in der Champagne getrunken habe. Die neue Dosage Zéro aus 30CH 70PN, gemixt aus 2006, 05, 04 und 02 hat völlig richtig keinen Zucker zugesetzt bekommen, weil auch diese neue Cuvée im perfektionistischen Rodez-Stil so gebaut ist, dass alles notwendige bereits aus den verwendeten Grundweinen genommen werden kann und Zugaben des Winzers weitestgehend unnötig, ja störend erscheinen. Die Cuvée des Grands Vintages aus 05, 04, 02, 00, 99, 98 zeigt das ganz deutlich und befindet sich JETZT auf Nöchstniveau. Eine vollere Ausprägung von Jahrgangskomplexität habe ich in einem Multivintage noch nicht erlebt. Anders ja, aber nie so, dass einzelne Merkmale greifbar werden und zu sprechen scheinen. Die Empreinte de Terroir Champagner von Eric Rodez aus dem Jahr 2003 gehören wie die Vorgänger aus dem Jahr 1999 als Pinot und als Chardonnay zu den Denkwürdigkeiten des Champagnergeschäfts und zu den Champagnern, die man getrunken haben muss, um ernstlich mitreden zu können. Archetypischer geht es eigentlich nicht, ohne Abstriche zu machen.

Mit den Champagnern von Fallet-Dart bin ich noch nie in Gänze so recht warm geworden. Mal zu griesgrämig, jetzt zu bunt und zuckrig. Mir sind die durchgehend 9 g/l Dosage wahrscheinlich einfach zu dick aufgetragen, von der Substanz, so gut sie im Zweifel sein mag, merke ich da einfach zu wenig, vereinzelt zucken Mentholspitzen durch. Der verführerische erste Naseneinruck hilft da wenig, als Trinker fühlt man sich buchstäblich an der Nase herumgeführt, wie als würde sich der schicke Aufriss aus der Hotelbar dann im Zimmer plötzlich als Ladyboy entpuppen. Im Gegensatz zu früher würde ich heute die Cuvée des Clos du Mont bevorzugen. 

Aus Le Mesnil kommt mit Chantal Gonet immer eine Geheimwaffe zu den Verkostungen. Sie bringt viel Schalk und die Champagner aus dem Hause Philippe Gonet mit, das sattsam bekannt sein dürfte. Daher nur kurz die Eindrücke vom Auffrischungstrinken. Der Signature wirkte etwas lahm, was am direkten Vergleich mit dem Extra Brut 3210 gelegen haben wird, der sich in alter Form und Frische präsentierte. Meine Sympathien hatte aber vor allem der Roy Soleil, der so souverän wirkte, wie es seinem Namen ansteht. Die sechs Monate seiner Fassausbauzeit hat der Champagner bestens genutzt, um Klasse und Würde zu produzieren, der Trinkfluss ist nochmal deutlich einfacher, als beim 3210, der stärker analysiert werden will. Die Spitzencuvée, der Belemnita 2004 aus Reben, die 1929 gepflanz wurden, ist ungeher dicht und konzentriert, fließ aber nicht lahm oder zähflüssig in den Rachen, sondern geht wie der Wirbelwind hinunter, um wie ein Hohlspitzgeschoss im Körper aufzupilzen.       

Ein alter Bekannter ist natürlich auch Janisson-Baradon, dessen Toulette als Vin Vlair schwer Eindruck bei mir gemacht hat. Der hätte für mich allein schon das Tagesziel markieren können. Der Extra Brut, den ich mir auch gern im neuen Laden von Cyril genehmige, mitten in Epernay am Kreisel, dort, wo es zu den großen Häusern hinauf geht, der griff nach Kräften in die dargebotenen Aromenangebote und weil er aus Pinot und Chardonnay gleichermaßen besteht, machte er den Übergang zu den sprudelnden Toulette, Conges und Tue Boeuf 2006 leicht. Am weitesten stach der Toulette 2006 heraus und nahm damit dem von mir für eine ganze weile favorisierten Tue Boeuf wieder Punkte ab, der unter Conges firmierende Meunier kommt da nicht ganz mit, gehört aber zu den stärksten Meuniers der Region. Anschauen kann man sich die Reben übrigens ganz einfach vor Ort, den Chemin de Conges erreicht man, indem man einfach rechts am Anwesen von Janisson-Baradon vorbei nach oben geht und sich dann hakenförmig nach links wendet, als quasi Richtung hinterer Garten des Hauses, dort stehen auch die Trauben vom Nachbarn Leclerc-Briant.

Michel Loriot ist als Meunierspezi aus dem Marnetal weithin geachtet, seine Etiketten haben ein kleines Re-design erlebt und der Bezug zur Musik wird jetzt deutlicher. Das ist sowieso ein allgemeiner Trend, der scheinbar in der Mains du Terroir Gruppe besonders viele Winzer begeistert. Eric Rodez versteht sich schon seit jeher als Komponist und weiß das gut verständlich zu erläutern, Jungtalent Sélèque verwendet Hendrix-Themen bei der Flaschenaustattung, Fleury von der Aube legt eine ganze Sonate hin und Michel Loriot hat mit der Monodie en Meunier Majeur nicht nur der Wortspielvorliebe vieler Winzer Reverenz erwiesen, sondern eben auch dem Musiktrend. Die Inspiration de Saison 2006 Extra Brut ist kaum als Extra Brut zu erkennen, was an den schon tiemlich reifen Früchtchen liegen wird, die der Meunier abliefert, aber man kann diesen Fruchtkorb ohne Mühe trinken. Die Sources du Flagot sind ein rustikaleres Gewächs, kräftiger, ruppiger Blanc de Blancs aus dem Jahrgang 2004, der stellenweise so unberechnbar wie ein kleiner Wildbach, aber alles in allem ungefährlich ist. Die Monodie ist wieder Multivitaminspektakel für die ganze Familie. Die hohe Konzentration macht ihn schon beinahe wieder scharf und fast meint man, einen belehrenden Zeigefinger vorzufinden, der über die Vorzüge einer ausgewogenen Ernährung informiert und zugleich dazu mahnt, aber zum Glück bleibt der aus und die Monodie kann langsam ausklingen, wofür sie einige Zeit braucht. Den hochgelobten 1975er Meunier, der gerade erst am Vortag degorgiert worden war kann ich leider nicht positiv beurteilen, meiner Meinung nach hatte die Flasche Kork.

Die Terminator-Champagner von Penet-Chardonnet wirken auf mich, wie aus der Zukunft, wie aus einer Zeit, in der man mit überlegenen Werkzeugen um ein Vielfaches präziser arbeiten kann, als heute. Der Reserve Grand Cru Extra Brut aus 70CH 30PN ist mit leichten 3 g/l dosiert und wirkt deshalb stramm, ohne großes Gepäck, stahlig und mit einem Hauch von blanchierter Mandel. Die Cuvée Parcellaire Les Fervins aus Verzy ist ein 2009er Champagner, mit 70PN 30CH, mit etwas zeitlichem Abstand wirkt er süßlicher auf mich, als vor wenigen Monaten noch. Am beeindruckendsten ist der Pacellaire Les Epinettes, ein Verzy Grand Cru 2009 aus 100% Pinot Noir, dessen Aroma von gesalzenen Nüssen mir doch sehr dicht an dem zu liegen scheint, was man das Terroir von Verzy nennen könnte. Formal noch höher anzusiedeln ist die Cuvée Diane Claire, Grand Cru Brut Nature 2002 mit zwei Dritteln Pinot Noir und einem Drittel Chardonnay, alles aus Verzenay. Hier kommen Butter, Hefe, Honig, Seide, Balsam, Akazien und Apfel in einen Bottich, woe sie kundig vermengt werden und in schönster Balance am Gaumen begeistern. Und dennoch: wenn ich gefragt werden würde, ich würde den Epinettes vorziehen.

Mit die schönsten Vins Clairs hatte das junge Talent Sélèque dabei. Sein Meunier aus Pierry, Les Gouttes d'Or und sein Rosé de Saignée, beides 2013er hatten allerbeste Anlagen. Vanillekipferle, Krokant und Traubenmost hier, Mandel, Frische und Schlürfigkeit da – und das schon nur beim Vin Clair! Comédie 2008 war brotig, mälzelte etwas und hätte nicht höher als mit den hier verwendeten 4 g/l dosiert sein dürfen. Partition 2008 und 2009 sind saftig, flott, ja rockig (2008), bzw. klarer, klassischer, förmlicher (2009). Einmal mehr wird hier gelten, dass der 2008er ruhig liegen darf, bis der 2009er seine Vorzüge voll verausgabt hat und sich auf dem absteigenden Ast befindet – das sieht Sélèque ganz ähnlich, weshalb er den Verkauf der 2008er gestoppt hat und erst in ca. fünf Jahren wieder aufnehmen will, mit Spätdegorgements. Überhaupt nicht kindsköpfisch, rebellisch oder aufmüpfig war der 2009er Rosé de Saignée, der auf mich saftig mit leichtem Halskratzen, sonst aber herbfrisch und ziemlich erwachsen wirkte.  

Die an guten Erzeugern reiche Aube hat in Avirey Lingey einen Produzenten, der in Deutschland schon auf eine treue Anhängerschaft blicken und zurückgreifen darf. Zu recht, wie ich finde. Unter den Namen Serge Mathieu machen Isabelle Jakob (geb. Mathieu) und Michel Jakob sonnenklare Champagner, die jugendlichen Übermut und jugendfreie Lebensfreude transportieren. Der Extra Brut aus 100PN hätte auch von Billecart-Salmon nicht sauberer gemacht werden können, der Prestige aus 70PN und 30CH drängt nach vorne und will der Erste sein, sein Spiegelbild ist der Select aus 70CH und 30PN, der Kalk statt Nuss hat, mit seiner behenden Leichtigkeit auch mehr zu schweben als zu stürmen scheint. Den 2008er Jahrgang gab es mit zwei unterschiedlichen Dosierungen und Schwefelgraden zu probieren. Die niedriger geschwefelte Variante hatte den höheren zuckergehalt und wirkte auf mich um eine Spur muffiger, während der höher geschwefelt Champagner Verbene, Zitronenmelisse, Apfel und kräuterige Würze aus dem Glas entließ, die mir so gut gefielen, wie schon beim Besuch vor Ort.  

Aus dem Gänseort Chouilly stammt Vazart-Coquart, Jean-Pierre Vazart ist einer der praktisch immer gutgelaunten Winzer, denen man zunächst gar nicht abnehmen will, dass sie sich schon seit Ewigkeiten mit Sachen beschäftigen, die erst seit Kurzem en Vogue sind. So hat Vazart-Coquart zB eine Solera, die 1982 begonnen wurde, mithin eine der ältesten zumindest mir bekannten Soleras der Champagne. Die bringt naturgemäß jetzt einige pilzige Aromen mit sich, die sich voraussichtlich noch dieses Jahr in Kleinstauflage en mousse beweisen müssen. Der Rest geht wie gehabt zu 25% in den jahrgangslosen Champagner von Vazart-Coquart ein. Der Extra Brut auf 09er Basis punktet mit Früchten und bekommt für seine leichte Candynase keine Abzüge, da sie sich so vorzüglich in das Aromenbild einfügt und nicht kirmeshaft wirkt. Eine feine Exotik durchzieht den Champagner, der bittermandelig ausklingt. Grand Bouquet 2007 und 2008 sind sich nicht sehr ähnlich. Einen Eindruck von Gänseflaum kann man sich vielleicht bei beiden einbilden, aber danach hören die Gemeinsamkeiten auf. 2007 ist der Typ gewaltbereiter Kumpel, 2008 ist der wortgewandte Kumpeltyp, also im Trio mit vier Fäusten der Denker. Ein scharfsinniger, freilich und ein wenig schmecjt der Grand Bouquet 2008 so, wie ich mir viele 1996er gewünscht hätte. Mein Liebling ist aber der gerade degorgierte 1989er, mit 3 g/l Dosage. Frittengewürz, Kurkume, Curryblätter, Safran, Pilze und trotzdem habe ich nicht den Eindruck von Imbissbude, sondern von spitzenmäßiger Gourmetunterhaltung.

Bouzy ist ein Ort, der unter der Last seines Namens zusammenzubrechen droht. Alle Welt prahlt und prunkt mit den Bouzy-Pinots, aber nur zu oft sind die einseitig haselnussig und ohne wirkliche Finesse. Für Terroirfetischisten sicher toll und für Verkoster, die auf hohe Trefferquoten in Blindverkostungen setzen, ein gefundenes Fressen. Aber eigentlich wünscht man sich von einem Grand Cru mehr als das. Der Brut Réservée Grand Cru von Maurice Vesselle liefert genau das. Noblesse und Raffinesse vom Grand Cru, ohne das plum-wiederkehrende und ermüdende Hanutaaroma, das die weniger gelungenen Champagnr aus Bouzy brandmarkt. Dass sowas Bestand haben kann, beweist der 2000er von Maurice Vesselle, in dem sich eben nicht die Haselnuss etwa am Ende doch noch durchgesetzt hat, sondern schön im Glied neben Honig, Pilz und Reife bleibt. Ganz große Klasse ist dann schon der Blanc de Noirs Les Haut Chemins 2005, mit 3 g/l dosiert und ein Pflichtkauf für Eleganztrinker. Ingwer, Honig, Verbene, Zitrone, Toast. So viel Spass für so – vergleichsweise – wenig Geld. Danach hat es der Rosé Saignée wieder mal schwer, vorziehen würde ich soweiso den vom Vetter mit Vornamen Jean – dessen Oeuil de Perdrix ist ein Mordsspass für ganz, aber ganz kleines Geld.    

 

   

Terroirs et Talents: Penet-Chardonnet und Maurice Vesselle

Verzy gegen Bouzy.

I. Penet-Chardonnet

Penet-Chardonnet gehört zu den Erzeugern, die ich noch nicht so lange kenne. Das ändert nichts daran, dass mir die von dort probierten Champagner bis jetzt jedes Mal gut gefallen haben. Mein bisheriger Favorit war der Réserve Grand Cru als Extra Brut und als Brut Nature gleichermaßen. Nun sind aber diese beiden neuen Parcellaires dazugekommen, die ich prompt erstmalig verkosten durfte. Die Grundweine waren schwer einzuschätzen, der Rebsortenmix aus der Einzellage Les Fervins genoss bei mir den Vorzug wegen seiner raffinierten Säure und schon sehr generösen Art. Alkoholischer und mit etwas zu viel Brotrinde ausgestattet war der reinsortige Pinot aus der Lage Epinettes. Hefe, unbändige Säure und eine leichte Gerbsoffnote kamen dann nicht gerade ausgleichend hinzu. Bei den Champagnern war es dann genau umgekehrt, was aber an der unterschiedlichen Zusammensetzung liegen mag.

1. Parcellaire "Les Fervins" Verzy Grand, im Moment Cru Zéro Dosage

50PN 50CH, 2009er Vinifikation, kommt 2013 wahrscheinlich mit leichter Dosage um 3 g/l, also auf der Grenze zwischen Brut Nature und Extra Brut auf den Markt. Im Fuder vinifiziert.

Ruhiger, sehr feiner Champagner mit geschliffenen Manieren, dem für einen Einzellagenchampagner die notwendige Entschiedenheit fehlt.

2. Parcellaire "Les Epinettes" Verzy Grand Cru

100PN, 2009er Vinifikation, ebenfalls im großen Fassl vinifiziert. Erst der 2011er wird im Barrique vinifiziert sein.

Hier ist die beim Fervins noch vermisste Beißfreudigkeit, die schnelle Gangart, der mondäne, aber nicht beliebige, weichgespülte touch und hier sehe ich auch eine deutliche Absetzbewegung gegenüber den beiden Réserves. Der Epinettes ist klarer darüber angesiedelt als sein Geschwisterchen aus den Fervins.

3. Réserve Grand Cru Extra Brut

2/3PN 1/3CH aus Verzy und Verzenay, Basisjahr 2004, 3 g/l.

Sehr fein war der Extra Brut, eine so niedrige Dosage würde man blind nicht vermutet haben, so reif und ausgeprägt waren seine klassisch fruchtig-röstigen, von Zitrusnoten aufgelockerten Aromen.

4. Grande Réserve Grand Cru Brut Nature

2/3PN 1/3CH hauptsächlich aus Verzy, Basisjahr 2004

Besonders stark war diesmal der Brut Nature, der die Geschmacksknospen magnetisierte. Hier macht sich das Holz etwas deutlicher bemerkbar, wobei es mir schwierig vorkäme, bei den charmant röstigen Noten eine Unterscheidung nach Holzeinfluss, Autolyse und innewohnender Reife vorzunehmen.

5. Cuvée Diane-Claire Grand Cru Brut Nature 2002

Das ist die Spitzencuvée des Hauses, ein reiner Verzenay-Champagner. Der Honig- und Briocheton täuscht nur kurz darüber hinweg, dass dieser Champagner ein Brut Zéro ist. Aromatische Grundlage könnte ebensogut ein sehr herbes Tonic Water sein. Die für den Jahrgang realtiv strenge Formgebung kam mir für die sonst zwar nicht verspielten, aber immer irgendwie fröhlich wirkenden Chamnpagner von Penet-Chardonnet etwas ungewohnt vor. Mein neuer Favorit ist die Cuvée Diane-Claire deshalb bis auf Weiteres nicht, dafür muss sie erst die Epinettes überwinden.

 

II. Maurice Vesselle

Die Pinots von Maurice Vesselle stammen komplett aus Bouzy Grand Cru. BSA gibts keinen, dafür wird mit 7 bis 9 g/l dosiert. Das Degorgierdatum hat die Form LXXYZ. Y gibt die Zahl des Degorgements im laufenden Jahr an, Z die letzte Ziffer des Jahres, in dem die Degorgements stattfinden. Also LXX31 = 3. Dégorgement des Jahres 2011. Angestaunt habe ich von Maurice Vesselle zuletzt den 2002er Jahrgang, auf den 2000er war ich deshalb sehr gespannt, denn dieses eher mäßig gute Jahr ist so manchem Winzer doch sehr wohlgeraten. Schon ziemlich entwickelt meist, in den besten Fällen richtig g'schmackig, mit einer selten anzutreffenden Mischung aus voller Aromenanlage und gesunder Jugend. Die Vins Clairs versprachen viel, von Tulpe über Veilchen und Lavendel bis auch hin zum gefährlichen, hier aber sicher nicht von übertriebenem BSA herrührendem Blumenerde- und Geranienduft gab es eine Palette pflanzlicher Noten, die frische Kräuter nicht ausschließt. Buchenholzrauch, süßliche Akzente und eine bei allen Vins Clairs hinzutretende Mischung aus säuerlicher Noisettecrème und gerbenden Komponenten bildeten die ersten An- und Ausbaustufen.

1. Brut Cuvée Réservée Grand Cru

80PN 20CH, 2006er Basis, 2005 und 2004 als Reserve.

Vollmundig, von mittlerer Komplexität und Länge, pikanter, aber nicht vorwitziger Säure und einem sauberen Mundgefühl ohne klebrige oder lakritzige Reste.

2. Grand Cru Millesime 2000

85PN 15CH.

Honig und Weizen, eine kleine Schale Cerealienfrühstück, eingeweichte Knuspertaschen mit getrockneten Beeren und zischelnder Säure. Gefiel mir sehr gut.

3. Rosé Brut Grand Cru

100PN, 2008.

Der Rosé war lebhaft und schlank, mit genügend Körper um fraglos als weinig durchzugehen, vor allem mit viel Pinot-Potential in der Hinterhand, um nicht von anspruchsvollen Speisen überrumpelt und als überfordertes Schäumerchen bloßgestellt zu werden.

Champagnerhäuser

 

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Quelle: www.e-recht24.de

Das schreiben die anderen: Patrick Dussert-Gerber

Der aktive Autor hat sich in der aktuellen Ausgabe von "Millésimes" mit seinem Champagner-Classement für 2010 zu Wort gemeldet. Nicht zur Unzeit, wie ich meine, denn Zeit für Champagner ist bekanntlich immer – nicht nur kurz vor Weihnachten. Also, was schreibt er denn? Zunächst mal muss man seine Classements kennen. Darin unterscheidet er zwischen erst-, zweit- und drittklassifizierten Weinen. Diese Classements stellt er für jede Weinbauregion gesondert auf, d.h. ein erstklassifizierter Champagner unterliegt den Regeln seines Champagner-Classements und ist insofern nicht vergleichbar mit einem von ihm erstklassifizierten Bordeaux. Innerhalb der jeweiligen Classements herrscht nochmal eine Hierarchisierung, wobei Dussert-Gerber im Champagner-Classement jede Klasse nochmal in kräftige und elegante Champagner unterteilt. Dabei fließen Werte wie Reifevermögen, Preis-Leistungs-Verhältnis und Kontinuität der letzten Jahrgänge einer Cuvée ein. Wer also in der Spitze eines Classements steht, dem kommt eine gegenüber den nachfolgenden Weinen herausgehobene Bedeutung zu.

Neu hinzugefügt hat er die folgenden Champagner (A steht jeweils für die Gruppe der körperreichen Champagner, B für die eleganten Champagner):

AVENAY-VAL-D'OR, CHAMPAGNE LAURENT-GABRIEL, 2ème A

AY , CHAMPAGNE GOSSET, 1er B

BOUZY, CHAMPAGNE MAURICE VESSELLE, 2ème A

CHAMERY, CHAMPAGNE PERSEVAL-FARGE, 2ème B

CHIGNY-LES-ROSES, PHILIPPE DUMONT, 2ème A

CHOUILLY, CHAMPAGNE LEGRAS ET HAAS, 2ème B

COURTERON, CHAMPAGNE FLEURY, 2ème A

CRAMANT, CHAMPAGNE P. LANCELOT-ROYER, 3ème A

DAMERY, CHAMPAGNE DANIEL CAILLEZ, 2ème B

DIZY, CHAMPAGNE VAUTRAIN-PAULET, 2ème A

EPERNAY, CHAMPAGNE ELLNER, 1er A

LE BREUIL, CHAMPAGNE PIERRE MIGNON, 2ème B

POUILLON, CHAMPAGNE BOURDAIRE-GALLOIS, 2ème A

RILLY-LA-MONTAGNE, CHAMPAGNE ANDRE DELAUNOIS, 2ème B

Um einen Eindruck von seinem Classement zu bekommen, ist es hilfreich, sich seine erstklassifizierten Champagner anzusehen.

In der Gruppe A, bei den körperreichen Champagnern, finden wir:

CHARLES HEIDSIECK (Millénaire)
KRUG (Grande Cuvée) (r)
MOËT ET CHANDON (Dom Pérignon)
POL ROGER (Sir Winston Churchill) (r)
TAITTINGER (Comtes de Champagne) (r)
ALAIN THIÉNOT (Grande Cuvée)
DEVAUX (D) (r)
ELLNER (Réserve) (r)
PHILIPPONNAT (Clos des Goisses)
(BOLLINGER (RD))
CANARD-DUCHÊNE (Charles VII)
RENÉ GEOFFROY (Volupté)
LAURENT-PERRIER (Grand Siècle)

In Gruppe B, bei den eleganten Champagnern, finden wir:

GOSSET (Grand millésime) (r)
PIPER-HEIDSIECK (Rare)
ROEDERER (Cristal)
DE SOUSA (Caudalies)
DE TELMONT (O.R.1735)
Pierre ARNOULD (Aurore)
PAUL BARA (Réserve) (r)
Pierre PETERS (Spéciale Millésime)
RUINART (Dom Ruinart) (r)
DE VENOGE (Princes)

Was sagt uns das? Das sagt uns, dass Monsieur Dussert-Gerber einen, sagen wir mal: sehr eigenständigen Gaumen hat. Wie sonst ist es zu erklären, dass er Dom Pérignon, den Inbegriff der Leichtigkeit und des schwerelosen Genusses in die Gruppe der körperreichen Champagner einordnet? Liegt es vielleicht daran, dass er nur die klobigeren, angestrengteren Jahrgänge aus den späten Neunzigern getrunken hat? Wir wissen es nicht. Auch eine Erklärung über die Jahrgangschampagner aus dem Hause Krug bleibt der Meister schuldig. Doch der Seltsamkeiten noch nicht genug, finden wir unter den erstklassifizierten Champagnern Häuser wie Devaux, Ellner und Canard-Duchêne, nicht jedoch die Grande Dame von Veuve Clicquot, keine Champagner aus dem Haus Perrier-Jouet, Delamotte, Salon oder Besserat de Bellefon, die alle wahrlich keine Geheimtips mehr sind und es mit einigen der erstklassifizierten Champagner ohne weiteres aufnehmen könnten.

Sehr seltsam ist auch, dass sich im gesamten Classement Winzer finden, die gut und gerne trinkbare Champagner machen, Erzeuger wie Selosse, Prevost, Ulysse Collin, David Leclapart, Jacques Lassaigne, Tarlant, Cedric Bouchard, Vouette et Sorbee, Georges Laval, Diebolt-Vallois jedoch noch nicht einmal unter den drittklassifizierten auftauchen. So ist doch ausgesprochen fraglich, ob die süffigen, aber nicht besonders inspirierten Champagner beispielsweise vom Château de Boursault und Abel-Jobart einen Platz im Classement halten könnten, wenn die anderen genannten Winzer dort ebenfalls vertreten wären.

Will man Monsieur Dussert-Gerbers Gaumen kein voreiliges Unrecht antun, so kann man nur vermuten, dass er einige sehr wichtige Champagner noch gar nicht getrunken hat. Dann aber, so meine ich, muss man sich mit der Herausgabe eines Classements zurückhalten und artig gedulden, bis die Datenbasis dafür groß genug ist.

Dass er einige sehr gute Champagner auf dem Schirm, resp. im Glas hatte, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass er Champagne Aspasie von Ariston Père et Fils hoch einstuft. Franck Bonville, Pascal Agrapart und Jacky Charpentier haben sich ihren Platz gewiss ebenfalls verdient, wenngleich ich ihre Champagner nicht zu den körperreichen zählen würde. In der Kategorie ist richtigerweise der "Comète" von Francis Boulard gut aufgehoben – auch wenn dieser Champagner ultrarar ist und die anderen Champagner von Francis scheinbar keine Berücksichtigung gefunden haben. Bei den eleganten Zweitklassifizierten stoßen wir sodann auf Gaston Chiquet, Leclerc-Briant, Legras et Haas, Bonnaire, Comte Audoin de Dampierre, Drappier und Gimonnet, sowie auf andere alte Bekannte: Blin, Bedel, Tixier, Brice, Chapuy, Robert Charlemagne und Michel Turgy. Wieder könnte man darüber streiten, ob die Champagner z.B. von Dampierre zu den allerelegantesten gehören, oder ob sie nicht wegen ihrer reichlichen Dosage bei den körperreichen Champagnern anzusiedeln wären.

Lässt man die Frage nach der Notwendigkeit eines Champagner-Classements offen, so kann man sich fruchtbar nur noch mit der tatsächlich erfolgten Umsetzung eines solchen Classements befassen. Das von Dussert-Gerber ist gut gewollt, doch unübersichtlich und die vergleichsweise umfangreichen Beschreibungen der Erzeuger wiegen nicht seine allzu kurz geratenen Weinbeschreibungen auf. Wichtige Champagner fehlen völlig, mancher nur leicht überdurchschnittliche oder gerademal durchschnittliche Erzeuger erhält durch die viel zu dünne Datenbasis ein unproportional hohes Gewicht. Das mag den betroffenen kleinen Winzer freuen und mit Sicherheit werden einige Winzer nach der Publikation des jeweils aktuellen Classements ein verdientes Maß erhöhter Aufmerksamkeit erhalten. In diesem Punkt erweist sich Dussert-Gerber nämlich als fleißiger Verkoster – was letztlich dem Verbaucher nur willkommen sein kann. Meiner Ansicht nach leidet das Classement aber noch zu sehr unter seiner Unausgewogenheit.

Weitere Champagnermedaillen bei der Challenge International du Vin

Beim 34. Wettbewerb der Association Concours des vins gingen am 23. April 2010 insgesamt 22 Medaillen in die Champagne.

Gold erhielten:

Champagne Diogène Tissier et Fils, Millésime 2005,

Champagne Moutardier, Cuvée Rosé,

Champagne David Coutelas, Millésime 2003,

Champagne Maurice Vesselle, Grand Cru Rosé Brut,

Der noch junge Erzeuger Coutelas hat etwas positive Aufmerksamkeit sicher verdient und dürfte sich über das Gold für den Problemjahrgang 2003 sehr freuen. Maurice Vesselle aus Bouzy hat das Gold in diesem Bewerberfeld sicher ebenso verdient. Moutardier, dessen Rosé ein reiner Pinot-Meunier ist, gehört mit dieser Rebsorte zumindest zu den besten Traubenlieferanten der Vallée de la Marne und ringt mit den Genossen von Leuvrigny um die Krone. Schön, dass der sympathische Erzeuger nun auch mit eigenem Champagner nach oben zu kommen versucht. Tissiers jungen Jahrgang kenne ich leider nicht.

Silber erhielten:

Champagne Colin, Grand Cru Millésime 2004,

Champagne Gremillet, Brut Sélection,

Champagne Pannier, Brut Rosé,

Champagne Maurice Vesselle, Grand Cru Brut Cuvée Réservée,

Gremillet sieht man seit Jahr und Tag bei der ProWein, die hervorstehcendste Eigenschaft seiner für mich allenfalls durchschnittlichen Champagner ist der vergleichsweise niedrige Preis. Pannier und Vesselle überraschen mit Silber nicht, Colins 2004er habe ich noch nicht probiert.

Bronze erhielten

Champagne Royer Père et Fils, Cuvée de Réserve,

Champagne Royer Père et Fils, Cuvée Vintage 2005,

Champagne Breton Fils, Rosé,

Champagne Philippe Fontaine, 2005,

Champagne Fallet-Dart, Rosé Brut,

Champagne Vignier-Lebrun, Paul Lebrun Grande Réserve,

Champagne Baron Fuente, Grande Réserve Brut,

Champagne Baron Fuente, Tradition Brut,

Champagne de Castelnau, Blanc,

Champagne de Castelnau, Rosé

Champagne de Castelnau, Millésime Brut 2000,

Champagne J.-M. Goulard, Cuvée Prestige,

Champagne Le Brun de Neuville, Cuvée Lady de N Chardonnay,

Champagne Pierre Moncuit, Millésime 2004,

Fallet-Dart haben bei den unabhängigen Winzern schon einige Medaillen eingesäckelt, dass es hier nur zu Bronze gereicht hat, wird man deshalb verschmerzen können. De Castelnau, eine Marke der Regionalkooperative CRVC, kenne ich seit dem Marken-Relaunch. Dort wird sehr sorgfältig gearbeitet, vielleicht sind die Champagner gerade deshalb etwas zu steril. Immerhin hat es für drei Bronzemedaillen gereicht. Le Brun de Neuville ist ebenfalls Kooperative und als solche auf Chardonnay spezialisiert. Für die Spitzencuvée hätte mehr drin sein können. Baron-Fuenté, einer der größeren buyer's own brand Erzeuger, hätte es auch in die Silberränge schaffen können, ist mit Bronze aber auch nicht unfair bewertet. Pierre Moncuit sehe ich im Feld der hier mit Medaillen behängten Teilnehmer deutlich weiter oben, wenn nicht eigentlich an der Spitze. Royer, Breton, Fontaine, Vignier-Lebrun und Goulard habe ich nicht probiert.

Im Vergleich zum Wettbewerb der unabhängigen Winzer muss man sagen, dass hier zwar weniger Medaillen vergeben wurden, dafür schien das Erzeugerfeld nicht auf demselben hohen Niveau angesiedelt zu sein.

 

 

Medaillensegen bei den unabhängigen Winzern

Der 21. "Concours des vins des vignerons indépendants" am 24./25. März 2010 in Paris brachte 92 Champagnern eine Medaille.

Gold erhielten:

Champagne Alain Navarre, Passy-sur-Marne,

Champagne Bernard Naude, Charly-sur-Marne (für insgesamt gleich drei Cuvées),

Champagne Bonnaire, Cramant (für zwei Champagner),

Champagne Caillez-Lemaire, Damery,

Champagne Fallet Dart, Charly-sur-Marne,

Champagne Françoise Bedel et Fils, Crouttes-sur-Marne,

Champagne Gonet Sulcova, Epernay (für drei Cuvées),

Champagne Guy Larmandier, Vertus,

Champagne Jacques Copinet, Montgenost,

Champagne Janisson Baradon et Fils, Epernay,

Champagne Joseph Loriot Pagel, Festigny,

Champagne L. Bernard-Pitois, Mareuil-sur-Aÿ ;

Champagne Legallais, Boursault,

Champagne Liebart-Regnier, Baslieux-sous-Chatillon,

Champagne Michel Brocard, Celles-sur-Ource,

Champagne Michel Lequeux, Passy-sur-Marne ;

Champagne Paul Clouet, Bouzy,

Champagne Perseval-Harteel, Chamery,

Champagne Pierre Moncuit, Le Mesnil-sur-Oger (für zwei Champagner),

Champagne Sadi-Malot, Villers-Marmery,

Champagne Sébastien Bression, Etoges (für zwei Champagner),

Champagne Serveaux Fils, Passy-sur-Marne,

Champagne Thierry Fluteau, Gye-sur-Seine,

Champagne Trudon, Festigny,

Champagne Vazart-Coquart, Chouilly,

Champagne Xavier Leconte, Troissy,

Champagne Françoise Seconde, Sillery,

Champagne Locret-Lachaud, Hautvillers,

Champagne R. Blin et Fils, Trigny

Bei den Goldkehlchen fällt auf, dass eine hohe Anzahl aus der westlichen, sogenannten kleinen Vallée de la Marne jenseits von Mareuil-sur-Ay, Ay, Cumières und Damery kommt. Beginnend mit Vazart-Coquart aus Oeuilly und Legallais aus Boursault über Liebart-Regnier in Baslieux-sous-Chatillon und Freund Xavier Leconte aus Troissy, bis hin zu Serveaux, Michel Lequeux, und Alain Navarre, die alle aus Passy-sur-Marne stammen, Fallet-Dart und Bernard Naude, beide aus dem wenige Kilometer westlich gelegenen Charly-sur-Marne und natürlich Meisterin Francoise Bedel aus Crouttes-sur-Marne. Die Côte des Blancs ist mit wenigen, aber bekannten Namen vertreten, die Crus der Montagne de Reims praktisch nur mit Perseval-Harteel aus Chamery und Sadi-Malot aus Villers-Marmery, wenn man Bouzy noch dazunimmt, ist auch Paul Clouet mit im Boot.

Silber erhielten:

Champagne Abel-Jobart, Sarcy (zwei Champagner),

Champagne Alain Siret, Gionges,

Champagne Bernard Girardin, Mancy,

Champagne Boulard-Bauquaire, Cormicy,

Champagne Colin, Vertus (zwei Champagner),

Champagne David Bourdaire, Pouillon ;

Champagne Doue Etienne, Montgueux,

Champagne Eric Isselee, Cramant,

Champagne Fallet-Dart, Charly-sur-Marne,

Champagne Forget Chemin, Ludes,

Champagne Guy Larmandier, Vertus,

Champagne Henin-Delouvin, Aÿ,

Champagne Jacques Copinet, Montgenost,

Champagne Janisson Baradon et Fils, Epernay,

Champagne L. Bernard-Pitois, Mareuil-sur-Aÿ,

Champagne Leconte Agnus, Troissy-Bouquigny,

Champagne Lemaire Fourny, Damery,

Champagne Liebart-Regnier, Baslieux-sous-Chatillon (zwei Champagner),

Champagne Maurice Vesselle, Bouzy (zwei Champagner),

Champagne Maxime Blin, Trigny (zwei Champagner),

Champagne Michel Furdyna, Celles-sur-Ource,

Champagne Michel Rocourt, Le Mesnil-sur-Oger,

Champagne Michel Tixier, Chigny-les-Roses,

Champagne Mourey Dumangin, Verzenay,

Champagne Olivier Salmon, Chaumuzy,

Champagne Paul Leredde, Crouttes-sur-Marne (zwei Champagner),

Champagne Philippe Gamet, Mardeuil,

Champagne Philippe Gonet, Le Mesnil-sur-Oger,

Champagne R. Blin et Fils, Trigny,

Champagne R.C. Lemaire, Villers-sous-Chatillon,

Champagne Robert Allait, Villers-sous-Chatillon,

Champagne Sourdet Diot, La Chapelle-Monthodon,

Champagne Sadi-Malot, Villers-Marmery

Auffällig bei den Silbernen ist, dass sich hier durchaus einige der bekannten Crus tummeln, es aber scheinbar nicht bis in die erste Reihe geschafft haben. Das Marnetal bleibt weiterhin dominant. Abel-Jobart scheint sich auf die Rolle des Zweitligisten einzuspielen, für Alain Siret tut mir die Silbermedaille fast etwas leid, denn seine Champagner sind meiner Meinung nach kontinuierlich auf hohem Niveau und machen viel Freude, da fehlt nur ein kleiner Anstoss um es ins Goldlager zu bringen. Eric Isselée, Janisson-Baradon und Guy Larmandier gehören mit Maxime Blin und Philippe Gonet sicher ebenfalls zur Spitzengruppe der Silbergekürten, auch Maurice Vesselle und Philippe Gamet gehören wohl in dieses Umfeld.

Bronze erhielten:

Champagne Abel-Jobart, Sarcy,

Champagne André Tixier et Fils, Chigny-les-Roses,

Champagne Brochet-Hervieux, Ecueil,

Champagne Colin, Vertus,

Champagne Daniel Caillez et Fils, Damery,

Champagne G.P. Wafflart et Fils, Bouilly,

Champagne Gonet Sulcova, Epernay,

Champagne Guy Larmandier, Vertus,

Champagne Jacques Copinet, Montgenost,

Champagne Jean Josselin, Gye-sur-seine,

Champagne Michel Gonet, Avize (zwei Champagner),

Champagne Mourey Dumangin, Verzenay,

Champagne Olivier Salmon, Chaumuzy,

Champagne Poissinet Ascas, Cuchery (zwei Champagner),

Champagne Yves Jacques, Baye

Im Bronzebereich gab es zwei interessante Würdigungen. Einmal die Champagner von Michel Gonet aus dem Grand Cru Avize. Da hätte mehr drin sein sollen. Zum andern die beiden Champagner von Poissinet-Ascas aus dem Nest Cuchery, auf halber Strecke von der Urbanstatue in Richtung Autobahn rechter Hand im Nirgendwo gelegen. Den Erzeuger werde ich mir nämlich mal merken, vielleicht kommt da gerade einer nach oben. Yves Jacques beweist mit seinem Champagner, dass Baye nicht nur eine ansehnliche Befestigungsanlage hat, sondern auch vernünftigen Champagner produzieren kann, beim nächsten Ritt in Richtung Congy und Etoges werde ich dort mal Halt machen.