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Monatsarchive: Februar 2014

Die grösste Champagner-Bar der Welt: La Côte des Bar (I/III)

Seltsam genug: Das Nachtleben in der Champagne ist kaum nennenswert. In Epernay und Reims, immerhin der zweigeteilte Nabel der Champagnerwelt, ist abends weniger als nichts los, in Epernay ist der Tag offiziell beendet, wenn die stets gut besuchte, nein proppenvolle Pizzeria Sardaigne schließt. Wer sich danach noch auf den Straßen und nicht ausdrücklich auf dem Nachhauseweg befindet, ist verdächtig. In Reims ist es wenig besser, denn das Reimser Nachtleben findet der Einfachheit halber gleich in Paris statt. So leicht haben es die Bewohner der Aube nicht. Die müssen sich nach Troyes hin orientieren, aber dort finden sie mit der Weinbar Crieurs de Vin immerhin eine Anlaufstelle mit putzmunteren Kellnern, Essen nach Wahl des Küchenchefs und allerlei verrückten Stillwein, neben dem gut sortierten Champagnerregal. Der Großteil des Champagnersortiments stammt von der Côte des Bar. Die kennt nur keiner. Die Côte des Blancs kennt dagegen jeder, der mal in der Champagne war. Das ist jammerschade, aber Grund genug für mich, mal wieder und verschärft die südliche Champagne heimzusuchen.

Jetzt noch schnell besorgen: Champagner zum Valentinstag

Jedes Jahr ist Valentinstag, jedes Jahr weiß keiner so recht, was er seinem significant other schenken oder Gutes tun soll. Doch jedes Jahr ist Champagner eine gute Idee. Rebellisch ist sie obendrein. Denn der Quatschfeiertag ist ureigentlich dem, pardon: den Vögeln gewidmet, oder noch genauer: der englische Erzpoet Chaucer soll am 14. Februar 1383 ein Werk mit Namen "Parlament der Vögel" vorgestellt haben, in dem es um die Liebe geht, usw.usf., das Verhängnis nahm seinen Lauf. Irgendwann kaperten erst die Amerikaner und dann die sonst nicht wegen ihrer Marketingpfiffigkeit berühmten Blumenhändler das jährlich wiederkehrende Ereignis. Seitdem muss man Blumen oder anderen Beziehungsschnickes kaufen, wenn der eigene Chromosomenvorrat im Rennen oder zumindest der Hormonpegel händelbar bleiben soll. Kenner schenken eine ungerade Anzahl Rosen. Könner schenken Blumen in ihrer schönsten Form: als Weinbouquet. Und Echte Könner greifen auf Rosé zurück, den es als Stillwein praktisch nur in schlecht gibt, der aber als Champagner gleichzusetzen ist mit dem önologischen Korrelat romantischer Liebe. Die bewährtesten Valentins-Roséchampagner habe ich gerade bei CaptainCork vorgestellt, hier geht es zum Artikel. Die Rosés, mit denen sich nach einem trotz aller redlichen Mühewaltung, d.h. Beachtung meiner Champagnerempfehlungen, aus welchem unerfindlichen Grund auch immer völlig verpatzten Valentinstag dann die Partnerschaft noch retten und der beste Versöhnungssex nach einem handfesten Beziehungskrach einleiten lässt, sind diese:

Reingespitzt: Frank Rosin (**/17), Dorsten

Auch und gerade im Winter muss gegessen werden und Frank Rosin hält in Dorsten ein Wintermenu bereit, das zu kosten ich mich auf den Weg in das Baiersbronn des Gogerichtsbezirks Recklinghausen gemacht habe. Draußen prangt, Reverenz ans Ruhrgebiet, zu dem Dorsten ja irgendwie auch gehört, die König-Pilsener Reklame; drinnen geht es weniger kneipenmäßig zu, wenngleich der Laden immer voll zu sein scheint und Pils in der Tat oft und auf vielen Tischen steht. Doch auch zeitgenössische Kunst, zB von Christian Nienhaus, hängt da. Und der freundliche, sehr flotte, sehr aufmerksame Service lässt jedes Gefühl von Strukturwandel in den Hintergrund treten, Gedanken an Massenarbeitslosigkeit oder andere entmutigende Themen verblassen.

Caractères et Terroirs de Champagne in der Cordobar, Berlin

Die unermüdliche Nicola Neumann von Noblewine München ist die wackerste Streiterin für den Winzerchampagner in Deutschland, gleichsam ein Winzerchampagnerinformations- und Lieferbüro in einem. Daher ist sie auch berufen, eine Veranstaltung wie die Caractères & Terroirs de Champagne auf die Beine zu stellen, in bedeutungsschwerer Anlehnung an mehr oder weniger lose, bzw. eng geknüpfte Winzervereinigungen der Champagne (Origines Champagne, Terres et Vins de Champagne, Artisans de Champagne und Terroirs & Talents de Champagne, die sich aber umbenannt haben in Les Mains du Terroir de Champagne). Deren frühjährliche Verkostungen sind Pflichtveranstaltungen für jeden, der sich mit der Materie tiefer auseinanderzusetzen gewillt ist. Außerhalb Frankreichs sind derartige Verkostungen selten. Deshalb und weil es einfach längst überfällig war, gibt es seit diesem Jahr die Caractères & Terroirs de Champagne. Im hippen Berlin gibt es zur Zeit kaum einen hipperen Platz für eine solche Veranstaltung, als die Cordobar der – natürlich – Österreicher Gerhard Retter und Willi Schlögl. Dort bot sich am Vorabend der Falstaff Champagnergala die Gelegenheit, drei angesagten Winzern ins Angesicht und Glas zu schauen.

Wein-Glossar



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