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Als nochmal: In it to win it, diesmal mit Sekt

Angenommen, ich wäre Juror beim Deutschen Sektpreis vom Meininger Verlag – was wären da wohl meine Favoriten? Nach meinen Erfahrungen der letzten Zeit würde sich wahrscheinlich am altbekannten Kanon nicht viel ändern. Die Sektszene ist zwar in Bewegung – aber Schaumweinbereitung ist ein diffiziles, auf jahrelange Strategien ausgerichtetes Geschäft. Wer weiß denn schon, was in zehn Jahren wie schmecken wird? Welche Grundweine in welcher Cuvée mit welcher Dosage bringen die Zunge zum lachen? Eben. Eine schwierige kombinatorische Problematik haben wir da vor uns, die es Neueinsteigern schwermacht. Ich habe dafür Verständnis. Meine ausgeprägte Unzulänglichkeit im Bereich Kombinatorik habe ich erstmals im Mathematikunterricht der achten Klasse und zuletzt öffentlich beim blending workshop von Champagne Deutz auf Schloss Bensberg unter Beweis gestellt, glücklicherweise hielt sich dort die Häme in Grenzen. Was mir vom Thema Kombinatorik blieb, ist die Freude an abzählbar unendlichen Mengen – ich dachte immer, nur Chuck Norris könne bis unendlich zählen. Daher rührt auch meine Begeisterung für Primzahlen. Und letztlich verdanke ich dem Schulbesuch einen Lösungsansatz für das eingangs geschilderte Sektproblem. Im Mathematikunterricht der Tertia erzählte nämlich der Mathematiklehrer etwas von „systematischer Probiermethode“, ich bekam das möglicherweise in den falschen Hals, bzw. wende diese Methode noch heute an, nur eben nicht in elementaren Fragen der Mannigfaltikeitslehre, sondern beim Schaumwein.

Heraus kam eine Mischung aus Alt- und weniger Bekanntem.

Natürlich hat die Diel Cuvée Mo Brut Nature 2008 einen hochrangigen Platz verdient. Dunkler Charakter, ein ganz starker 2008er, vollmundig, reif mit einem aparten Cognacnäschen, raumfüllend und bildschön.

Aus dem Hause Raumland steht sowieso immer mindestens ein Sekt auf dem Siegertreppchen, für mich sollen es gleich drei, nein: vier! sein. Raumland Blanc de Noir Prestige Brut 2007 ist so komplex, ausdrucksstark und eigenständig, wie man sich einen deutschen Pinotsekt nur wünschen kann. Reife und Frische sind hier kein Widerspruch. Ganz ähnlich wie Eric Rodez gibt es bei Volker Raumland ein Gegenstück zur Paraderebsorte Pinot Noir, nämlich den Chardonnay Prestige Brut 2009, der ist, und das ist die Kunst, fein gegliedert, von der Machart und Behandlung der Rebsorteneigenheiten völlig anders als der Pinot, eben nicht ein und derselbe Stil gewaltsam aufgeprägt, sondern jeweils das besondere herausgekitzelt. Das alles mündet im IX. Triumvirat 2009, das dem prallen Leben selbst abgeguckt ist wie die Bilder von den Brueghels, in allen ihren Schreibweisen. Die Katharina 2011 will ich abschließend jedem ans Herz legen, der etwas von Sekt versteht oder demnächst verstehen will. So geht Lebensbejahung. Kein Wunder an Komplexität, aber Lokum, weißer Nougat und Pistazie, vermengt mit Speisetraube und südamerikanischer Limonade.

Mit der Pinot Cuvée „H“ Solter 2001 ist ein weiterer bekannter Name im Rennen, der in Sachen Reife ganz groß aufspielt. Toastigkeit und pilzyness, fruchtbare, nein trächtige Opulenz, für mich ein ganz gewaltiges Sektvergnügen, vor dem unreife Trinker allerdings gewarnt werden.

Trotz meiner Bemühungen um den deutschen Sekt gibt es noch viel zu viele weiße Flächen auf meiner persönlichen Sektlandkarte. Das ist nicht die Schuld der Erzeuger, sondern liegt an meinem Arbeitsrückstand. Mit Bamberger aus Meddersheim und Griesel aus Bensheim habe ich sicher zwei (auf mich gar nicht angewiesene, weil auch so erfolgreiche) weißglühend heiße Eisen im Feuer, aber da draußen ist noch mehr. Einer von diesen weniger bekannten, von mir glaube ich überhaupt noch nie erwähnten Sekte, ist der Riffel Pinot & Chardonnay Brut 2008. Das Weingut Riffel in Bingen hat mit dieser Prestigecuvée alles goldrichtig gemacht. Bei einer Gesamtsäure von 5,80 g/l war eine niedrige Dosage (3,5 g/l) zu wählen, der Wein dankt es, der Trinker auch. Schlank, sportlich, sympathische Dynamik, Briocheanleihen und ein freundschaftlich ausgewogenes Verhältnis von Frucht, Alkohol und Würze.

Von Winning kennt man vor allem wegen der Stillweine. Den Sekt von dort sollte man ebenfalls kennen. Der Pinot Brut ist ausgerechnet auch noch ein Weißburgundersekt. Einer der besten, die es gibt. Traubig, wohlschmeckend, der Aprikosenton mag manchen Puristen stören und Botrytisverdacht wecken, wenn man ganz arg meckern will, wird man fehlende Säure bemängeln, mir war der Sekt aber die zweithöchste Bepunktung unter 50 Sekten wert.

Oliver Zeter aus Neustadt kennen die Schlaufüchse schon lange, ich habe ihn jetzt meiner Meinung nach erstmals im Glas gehabt und bin von der Zeter Zero Grande Cuvée Extra Brut 2010 hin und weg. Potente 9,5 g/l Säure und 3 g/l Dosage, 60PN 40CH in gebrauchtem Barrique vinifiziert, trotz leicht krautiger Noten (nach langem BSA?) ein großer Sekt, der mit jedem Detail klarmacht, dass er beim Blick über die Grenze nicht ins Elsass oder ins Burgund schaut.

Den Wilhelmshof und seinen Patina Pinot 2009 empfehle ich gern, weil mir die Stilistik mit Fenchel, Anis, Amaretto und dem feinen Esspapierduft gut gefällt, beim sekt nicht ganz üblich ist und in dieser Form hohe Eigenständigkeit zeigt.

Der SMW Saar-Mosel-Winzersekt Pinot Cremant Mosel 2009, wieder aus dem Jahr 2009, müsste nur einen Hauch oder von mir aus sogar deutlich weniger dosiert sein und schön würde er sich nach weit oben katapultieren. Sehr guter Pinotsekt!

Zauberhaft ist der SM SektManufaktur Pinot Dosage Zero der auch im Mund fast alles ausschöpft, was geht. In Schweppenhausen verstehen sie sich darauf, dem – obacht! – Weißburgunder Apfel, Birne und Litschi abzugewinnen, ohne die weniger feinen Teile des Rebsortenspektrums in den Sekt gelangen zu lassen. Etwas mehr Länge könnte er ruhig noch haben, aber bereits jetzt chapeau.

Matthias Gaul aus Grünstadt hat mit diesem schon hochpreisigen Chardonnay „Mademoiselle Anne Zero Dosage“ eine unbedingt empfehlenswerte Leistung gebracht; über den Preis mag man streiten, aber getrunken haben sollte man den Sekt.

Wein-Glossar



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