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Blanc de Noirs im Herbst 2009


I. Abel-Jobart Brut Selection, 100%

Kalkig, prudig, Blütennoten, Veilchen, darunter Eau de Vie de Kirsch, Quitte. Mit etwas Übung als reiner Meunier erkennbar, könnte aber bei unkrititscher Betrachtung auch als durchgehen, da ihm die typische Bandbreite der Cuvéechampagner fehlt und die reinen, fruchtigen, aber säureschwachen Komponenten der Rebsorte im Vordergrund stehen.

II. Larnaudie-Hirault , 100% Pinot Noir

Kühle Stilistik, feines, aber nicht zu sahniges Prickeln, dezent traubige Aromen. Saftig, gleichzeitig zurückhaltend und mit einer immer wieder erfrischenden und für wichtigen, lebenspendenen Säure. Wegen der Säure für mich eine Stufe über dem Abel-Jobart.

III. Lamblot Brut Premier Cru, 80% Pinot Meunier, 20% Pinot Noir

Nase von Wildgeflügel und gekochtem Fleisch, säurearm, schwierig. Kein Genusschampagner. Entwickelt sich mit der Zeit im Mund nach oben, zeigt sich gefällig, dicht, gut trinkbar, die störende Nase bleibt aber.

IV. Roger Brun "La Pelle" , (3g/l), 100% Pinot Noir, à la volée dégorgiert

Weinig, weihnachtlich, würzig, Orange, Zimt, Kardamom, angebranntes Apfelmus, kurz die volle Champagnerbreitseite. Durchaus nicht jahrgangstypisch, 2002er kenne ich eleganter, feinsinniger, filigraner, aber das Grobe steht ihm gut. Ich hätte indes auf 2003er Jahrgangsbasis getippt, auch wegen der sehr dünnen Säure. Darauf, dass der Extra Brut dosiert ist, wäre ich nie gekommen, dafür hatte er eine viel zu breite Brust. Mehr als 3g/l hätten ihm wohl auch nicht gutgetan. Als Spitzencuvée eines Grand-Cru Winzers erkennbar, mit viel Liebe gemacht und für mich einer der Favoriten des Abends.

V. André Delaunois, Cuvée Dame Palmyre Premier Cru , 100% Pinot Noir

In Nase und Mund die Stilistik eines Grande Maison Champagners, vielleicht ist der da etwas zu unkritisch oder vielleicht findet er es auch besonders erstrebenswert, wenn sein Spitzenchampagner an Pommery "Wintertime" erinnert. Ich hätte mir mehr als die rundum smoothe, fehlerfreie Textur gewünscht, einen individuellen Aufhänger oder einen besonderen aromatischen Fingerzeig. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, der Champagner hatte es auch nicht leicht, nach Roger Bruns Gewaltausbruch.

VI. Hervy-Quénardel Grand Cru 2002 Extra Brut (5g/l), fût de chêne

Weinig, eingängig, locker, gleichzeitig ein hohes Niveau, erinnert an Bollinger und steht stilistisch dem Roger Brun sehr . Honig, Schmelz, gerade zu Ende gelutschtes Kaffeebonbon, auch hier vergleichsweise wenig Säure und ein breites Kreuz, meine Nr. 2 des Abends.

VII. Bergeronneau-Marion, de Bergeronneau, 100% Pinot Meunier

Mit hohen Erwartungen begleitet, ein Champagner, bei dem schon die technischen Werte Freude bereiten: mit ficelage, aus einem der wenigen Clos der , reiner Pinot Meunier von alten Reben (65 Jahre), Holzfassausbau, was will man mehr? Im Glas dann überraschend subtil, keine Spur von Holzhammerwürze, feiner, sehniger Körperbau, mittlere Säure, zurückhaltende Nase. Im Mund soft-drink-mäßig, ei Champagner, der die Peristaltik glatt umgeht, weil er wie von selbst die Kehle runtergleitet. Problem: er geht zu glatt die Kehle runter. Ruckzuck war die Flasche leer und ich hatte mir gar nicht recht Gedanken gemacht, wie der Champagner denn nun einzuordnen sei.

VIII. Cuvée Pierre-Henri

Leider in schwächerer Verfassung als die letzten Male angetroffen, kräuterige, minimal rauchige Nase, wirkte etwas unruhig. Mittlere, unauffällige Säure, noch keine besonders stark entwickelten Aromen, vielleicht zu jung.

Wein-Glossar



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