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Celebrity Death Match im Champagnerleistungszentrum (Teil V. – “The Düsseldorf Oyster Massacre”)

V.1 Blanc 2002

55PN 45CH, 20% Fassausbau, kein BSA, ca. 9 g/l Dosage.

Einen ganz leichten Startvorteil hatte zunächst der Cristal Blanc. Der Champagner rann mit sanftem Druck die Kehle herab, als saugte man an der Düse einer ständig nachproduzierenden Softeismaschine. Crèmig, aufgeschlagen, luftig, mit viel feinem Apfelmus und Orangen-Ingwerstäbchen, nicht zu vergessen die mineralische Grundierung. Trotz der bunten Früchtemischung war der Cristal kein Zirkuschampagner und weit davon entfernt, ein ungebärdiger Luftikus zu sein. Die Bestätigung dieser Einschätzung kam spätestens bei der Kombination mit den minimal nussigen und überwiegend jodig-strahligen Austern (das kleine tasting erlangte nachma(h)lige Berühmtheit unter dem Namen "The Düsseldorf Oyster Massacre") und dem erdigen, frisch-nussig bis etwas moosigen Kaviar. Beide entlockten dem Champagner mühelos ein bis zwei weitere Geschmacksoktaven und selbst der reichlich auf Brot und Auster verteilte Zitronensaft vermochte nicht, den Champagner zu dominieren. Die Dosage kam mir wie fast immer beim Cristal etwas hoch vor, scheint sich aber bei diesem Jahrgang besonders harmonisch mit den anderen Kraftsträngen des Champagners, seiner blitzblanken Säure und seinem schienenstrangartigen Rückgrat, vermählen zu wollen. Mit Luft legte der weiße Cristal sehr ansehnlich in Richtung frischer Toastaromen zu, seinen Reifehöhepunkt wird er, wie die meisten bisher von mir verkosteten 2002er guter Herkunft sicher erst in einigen Jahren erreichen.

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V.2 Louis Roederer Cristal Rosé 2002

60PN 40CH, 20% Fassausbau, Saignéemethode, kein BSA, ca. 9 g/l Dosage.

Stets mit etwas Respekt begegnet man dem in unseren Breiten nicht sehr häufig anzutreffenden Cristal Rosé. Mehr noch als sein weißer Bruder fühlt sich die Rothaut in monacensischen Edeldiscos und auf Musik-, Öl- oder sonstwelchen Magnatenfeiern wohl. Umso schlimmer, wenn man bedenkt, wie gut dieser Champagner sein kann. Und selbst obwohl ich die heillos überteuerten Rosé-Prestigechampagner zu meiden versuche, der 2002er Cristal Rosé musste es einfach sein, da half kein Weg dran vorbei. Beim Trinken stellt sich der Genuss mit minimaler Startverzögerung ein. Beim ersten Schluck ist also obacht geboten. In der ersten Sekunde im Mund tut sich noch nichts, erst in der zweiten, dritten, wenn man schon fast etwas enttäuscht ist, birst die Aromenbombe und kann vor lauter Schreck über das Geschehen im Mund zu lustigen Verschluckern und Hustenanfällen führen. Ahnen kann man das freilich nicht, weder beim Ansehen der Flasche, noch beim reinschnuppern ins Glas, deshalb hier die Warnung. Der optisch unauffällige, typisch roséfarbene Rosé ist kurz nach dem Öffnen in der Nase noch nicht besonders heimisch. Schüchtern, unfreigebig, zugeknöpft. Erst mit sehr viel Luft zeigt sich, welche reizende Unterwäsche Jean-Baptiste Lecaillon diesem Rosé angezogen hat. Wer immer schonmal die Victoria's Secret Fashion Show miterleben wollte, aber zu bequem ist, an den Ort des Geschehens zu reisen, kann sich das Vergnügen mit dem Louis Roederer Cristal Rosé 2002 in die heimischen Räumlichkeiten holen. Quirlig, bunt, sexy, ausgefallen, mit dem Heidi-Klumschen Ehrgeiz und Willen zur Perfektion, erkennbar von einem großen Haus gemacht und dementsprechend mit den Raffinessen eines großen Großhauschampagners ausstaffiert, ist der Cristal Rosé 2002. Gojibeeren, vollmundige, saftige und reife rote und gelbe Früchte, darunter Blutorange, immer wieder eine milde Kakaonote, mit neurochirurgischer Präzision auf den Zungenlaufsteg gesetzte, hochhackige Säurepiekser und ein Hüftwiegen, wie es gleichermaßen einladend, verführerisch und distinguiert, bzw. distanzwahrend nur Übermodelmuttis wie Claudia Schiffer und Heidi Klum hinbekommen. Mit Kaviar und Austern traunwandlerisch sicher, noch eine Spur reizvoller zum zitronensaftbesprenkelten Brot und zum Ziegenkäse.

Wein-Glossar



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