Den wenigen Rotwein, den ich im Jahr trinke, trinke ich meist auf einmal. So zuletzt auf Uwe Bendes unwiderstehlichen Ruf nach Warendorf hin, in das phänomenale Restaurant und Landhotel von Uwe Aust in Warendorf, unweit von Münster und nicht sehr weit vom berühmten Taufstein der Stiftskirche von Freckenhorst. Dort gab es schön viel Chateauneuf von Charvin und Rayas.

I. 

Erstmal gab es Fonsalette 98, mineralisch bis gar kalkig kam er mir vor, vielleicht weil ich noch Restchampagner am Gaumen hatte, im Mund schien mir der Fonsalette herb und angäeltelt. Fonsalette 01 hatte eine süsslichere Nase mit etwas Andouillette, ausserdem Wacholder; ohne den Nasenstüber ein schöner Wein, aber reichtlich ungehobelt eben. Es folgte Fonsalette 03, der war flott, schnittig, fruchtig, elegant; Lorbeerblatt und Kräuter machten den Weion zum Flightsieger für mich, der folgende  2007er war nämlich noch sehr dicht und verschlossen, bei ähnlicher Größe wie ich sie dem 2003er zubilligen möchte, aber noch pieksend, unreif und frech. Der Côtes du Rhône von Charvin aus 2007 und aus der Magnum war dann der passende Saufwein für zwischendurch.

II. 

Charvin 2010 kam mit dicker, wonnigsüsser Nase und leicht steinig ins Glas gebröckelt, zeigt sich aber dann schlank und nordisch kühl, mit kandierter Rosenblüte als speziellem Etwas. 2009 war eeetwas ruhiger als 2010, im Mund noch dicker und zur Strafe für die Übertreibung leicht brandig, insgesamt also ganz schön schwergewichtig. Den dann vorgeführten 1998 hatte Uwe selbst abgefüllt, hier war mehr Schnittblume, liebstöckel und Butter im Mund, der Wein wirkte etwas süsser und machte mehr Spass als 1998 in der Chateauabfüllung, der hatte mehr Pillenbox, eine verhaltenere Nase und wirkte im Mund kühler, geschliffener, komplexer, auch minziger, mit mehr Eukalyptus, als die Eigenfüllung.

III. 

Charvin 1989 war reif und röstig, schmeckte nach in Butter gebratenen Semmelbrösels und gefiel mir mit seiner reifsüßen Nase nicht schlecht; im Kern war der Wein säuerlich, im Mund, rund, weich und mit Menthol. Für seine volle Reife sprach der sanfte Liebstöckelduft, im Anschluss baute der Wein dann auch eher ab als auf. Charvin 90 hatte ein viel juengere Nase, mit Popreis, angebratenem Reis, wirkte, dicker und auf elegantere Art reifer und entwickelter aber eben nicht ältlicher im Geschmack, weil sich deutlich mehr Walderdbeere und Himbeerlimonade als im 89er aufspüren ließen, Dann kam Pignan 07 ins Glas, mit purer Reisnase, Getreidekeks und einem seltsamen Pyrazinton, während er im Mund malzig, bonbonig, süss war; Uwe meinte, das sei flüchtige saeure, für mich schien es eher ein Waschmittelton zu sein, der an UTA erinnerte. Rayas 74 mit viel Speck, Holzkastl, Schinken, und Rauch war ein starker Wein mit Luft kam Teerseife, pikant-herzhafte Süsse, milde Pilzigkeit, Rahm und sich ankündigende Milchschokolade. Sehr stark, aber nicht jedermanns Sache.

IV. 

rayas stets heller als charvin; rayas immer grenache, charvin 80grenache 20syrah charvin 00 eher dicke, schwerfaellige nase, im mund pflanzlich und etwas einfach gestrickt, rosenbluete rayas 00 flott, suess, girlyhaft, im mund weit, fein, elegant, gut; , blumenbouquet, apfelspalte charvin 01 saeuerlich, campher, sauerampfer, im mund kompakt, dicht, eher kraeftig; dicklich auch im mund rayas 01 wuerzige nase, roter apfel, cranberry, milde roestnote, im mund schlank, fein, zart

V. 

Charvin 07 hatte viel Frucht und Candy, wirkte dummschön, sehr schmatzig, mit etwas Lakritz und Kautabak. Rayas 07 war fast wie der Vorgänger, aber etwas dunkler, mysteriöser, okkulter, im Mund superfein, dynamisch, stark, ein tolles geschoss. Charvin 03 war reduktiv, mit Austernschale, Luftzufuhr machte ihn weich, fluffig, beerig, samtig, aber ließ ihn nicht sehr elegant aussehen. Ganz anders der Rayas 03, vegetabil und blutig zugleich, stahlgefedert, druckvoll, bärenstark und von natürlicher Eleganz. 

VI. 

Rayas 2006 war ein weicher, seidiger Wein, der deutlich eleganter war, als Charvin 06, die beiden sah ich am Ende qualitativ eng beieinander, gustatorisch hingegen weit auseinander; den 2004er Rayas muss ich, da vielleicht in einer Verschkussphase, als wenig bis nichtssagend abtun, vielleicht war er für mich zu dieser Zeit aber auch einfach nur zu fein, wohingegen Charvin 2004 etwas prächtiger und ungestümer wirkte. 

VII. 

Der 99er Charvinteil des flights war den 98ern sehr ähnlich, den selbstabgefüllten fand ich überlegen. 2002er Charvin gefiel mit mit seinen Brombeertönen, dem nahtlosen Tannin, seiner geschmeidigen Stoffigkeit, der sich ankündigenden Reife, erstaunlich gut für das, was ich von Charvon bis dahin getruken habe und fast durchweg mit mehr als respektablem Abstand unterhalb von Rayas angesiedelt sah. 2005 Charvin hatte Rotfrucht, Candy, war im Mund aber fairerweise doch schon seehr geschmeidig, mit Maulbeere, wirkte wieder rustikal aber gut und warf mit Luft Schwarzkirsche, Veilchen und Pfeffer aus. Mein Zwischenfazit zu diesem Zeitpunkt: Rayas ist Champions League, Charvin Bundesliga. Beim Vergleich der Weine habe ich überwiegend Unterschiede, weniger Gemeinsamkeiten gesehen und mitnichten kann ich im Charvin so etwas wie einen kleinen Rayas erkennen.

VIII. 

Charvin 94 war nicht sehr expressiv, hatte aber die von mir geschätzte Griottenote, schien dabei zunächst wässrig, später getreidig. Charvin 95 hatte leider Kork. Charvin 96 zeigte sich maulbeerig, hatte eine pelzige Nase, mit Zedernholz und einer angenehm reifen Art. Charvin 97 war minzig, mentholig, auch mit Zedernholz ausgestattet, wurde mit Luft aber immer ledriger, ja sogar problematischer.