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Les Artisans du Champagne 2014

Den traditionellen Abschluss der Grands Jours in der Champagne hat bisher immer die Veranstaltung der Artisans du Champagne gebildet, traditionell verortet in der Reimser Gegend und nicht im Marnetal. Die Winzer dieser Truppe haben wieder ihren ganz eigenen Stil, mit Alfred Gratien und sind ausnahmsweise sogar größere Häuser dabei, die aber ähnlich wie vielleicht Jacquesson oder Bollinger wegen ihres individuelleren Ansatzes eine gewisse Zugehörigkeit zu den Winzern empfinden. Oft hört man, dass solche Erzeuger von den Winzern als große Häuser und von den großen Häusern noch als kleine Winzerbetriebe betrachtet werden, sie sitzen also irgendwo zwischen den Stühlen. Diese Sparte füllt sich in den letzten Jahren zusehends, Selosse und de Sousa haben schon länger, Cyril Janisson, Rafael Bérèche und andere führende Winzer haben erst kürzlich NM-Zulassungen beantragt und erhalten. Damit können sie innerhalb kürzester Zeit Traubenzukäufe tätigen und damit ein interessantes Volumengeschäft betreiben. Gratien und sind also nichts Fremdkörper, sondern haben eher eine Vorreiterstellung inne, ich zähle sie auch nicht zu den schlechteren Erzeugern der Gruppe, ganz im Gegenteil.    

Seit Veranstaltungsort der Artisans das Château des Crayères ist, finden sich dort vor allem Besucher mit gehobenem Kleidungsgeschmack ein, der Örtlichkeit angepasst ist hier die Anzugträgerdichte am höchsten. In meinen üblicherweis signalbunten Polos falle ich dort zumindest optisch am meisten auf.

Einzeln vorgestellt habe ich die Artisans-Winzer hier in toto vor zwei Jahren, daher kann ich mich mittlerweile etwas kürzer fassen.

 

Champagne Domaine Dehours & Fils, Jérôme Dehours

Unter den Vins Clairs fiel der Lieu-dit Les Genevraux Extra Brut 2005, 100PM, BSA, positiv wegen seiner Champagnernähe auf, wobei ein feines Tafeltraubenaroma sehr bekömmlich wirkte. Die Vallée de la Marne Rive Gauche fungiert als Basis für den Grande Réserve und den Rosé; sie gab es einmal in der normalen Stahltankversion aus 100PM mit BSA und einmal als 1998 begonnene Solera aus überwiegend PM, die hervorragend schmeckte und viel erwarten lässt.  

Die Grande Réserve Brut auf 2011er Basis mit einem kleinen Teil der Reserve aus Fassausbau macht 50% der Gesamtproduktion aus und ist also das Rückgrat des Betriebs. Leider begeistert mich dieser Champagner mal mehr, mal weniger, diesmal bekam er mit viel Nuss und Brot gerade noch die Kurve, ich hätte mir mehr Früchte und mehr Finesse gewünscht. Der Rosé mit dem Namen "Rose" ist ein Oeuil de Perdrix aus 2008, er besteht aus PM und CH, BSA ist gemacht, die Dosage beträgt 3 g/l. Der Rosé heißt nach der Tochter von Jérôme und trägt deshalb keinen Akzent. Vom Charakter her weiß eingestellt, schnittig, mit wenig Meunierfrucht und frechem Biss. Webig überraschend war der Genevraux 2006 spitze. Für einen Meunier hat er so viel Stärke, so viel Selbstbewusstsein und Power, ohne an einer Stelle zu dick aufzutragen.   

 

Champagne Doyard, Yannick Doyard

Gleich beide Vins Clairs fand ich exquisit. Der CH Clos de l'Abbaye aus Vertus profitierte davon, dass er keinen BSA durchlaufen hat. Schnittig, rassig, kraftvoll, kontrolliert, locker auf Grand Cru Niveau. Spiegelbildlich dazu war der Les Bonottes PN aus Ay wunderbar exakt, mit passgenauem Holz.

Die Cuvée Vendémiaire gab es als Brut und als Blanc de Blancs 2007. Das ist etwas irreführend, denn der Brut (2008 mit Reserven aus 2007 und 2006) ist selbst auch ein Blanc de Blancs, bloss dass die Chardonnays aus Vertus kommen und nicht wie beim Millésime aus Le Mesnil, Oger, Avize und Cramant. Dosiert sind beide mit 5 g/l, der Brut hat 40% Stahltank und 20% BSA, der Blanc de Blancs war komplett im alten Fassl und blieb ohne BSA. Richtiger wäre wohl, die beiden nach Premier und Grand Cru zu unterscheiden, sagt der Hausverstand. Aber so ist es eben nicht. Der Brut kommt viel süßer daher ist ordentlich und saftig, auch von gehöriger Kraft, aber von ganz anderem Kaliber als der Millésime. Das ist einer der richtig starken Chardonnays und ein Paradebeispiel für den gekonnten Einsatz von altem Holz. Sollte man getrunken haben, wenn man über die Côte des blancs urteilen will, mir gefiel er aus der Aufstellung von Doyard jedenfalls am besten. Nicht so gelungen wirkte leider der erst im Dezember 2013 degorgierte Clos de l'Abbaye 2009, dessen 4 g/l deutlich vorschmeckten und sich recht ordinär über den eleganten Spitzen des Champagners wälzten, so dass es fast nicht möglich war, den wiederum sehr gelungenen Holzeinsatz zu bewundern. Zum Schluss kam ein Hedonistenchampagner der Extraklasse, die Cuvée La Libertine, ein 1998er Chardonnay aus Vertus, zu 100% im Fass vinifiziert, mit 65 g/l dosiert. Was ein Nektar. Reif, mit Morcheln und Honig, ein Champagner zum schlemmen.    

 

Champagne Gonet-Medeville, Xavier Gonet

Von Xavier Gonet gab es zwei reinsortige Vins Clairs, von denen mich der Chardonnay aus Le Mesnil, Champ d'Alouette, nicht umwarf. Umso mehr war ich aber vom Pinot aus Ambonnay angetan. Der hatte wieder alles, was ein machtvoller Pinot haben soll. Druck, Säure und ein Geschmacklager wie ein mittleres Logistikzentrum von amazon.

Tradition Premier Cru, wie eh und je 70CH 25PN 5 PM, kein BSA, mit 6 g/l dosiert; seltsam, vielleicht noch nicht ganz integriert war der sonst doch so gute Brut Tradition. Widersprüchlich schienen mir hier die deutlich fortgeschrittene Reife und die unbalancierte Süße. Der Rosé Extra Brut mit 70CH 30PN aus Le Mesnil Bisseuil und Ambonnay hatte nur 3 g/l Dosage und war in altem Barrique vinifiziert worden. Den hohen Chardonnayanteil merkte man sofort, dann kamen Nuss, Kokosschäumchen, nervöse Frische und gesetzter Pinotcharakter, was einen guten Rosé ergab. Der folgende Blanc de Noirs Premier Cru hatte früher immer 30% altes Holz in der Vinifikation, wie viel es jetzt ist, weiss ich nicht, aber er ist mit 6 g/l dosiert. Im Gegensatz zum Rosé hat er mehr innere Ruhe, ohne dass er etwa langweilig wirken würde, die höhere Dosage ist aber wahrnehmbar. Weil mir das schon einige Male aufgefallen ist, wäre der nächste Schritt am besten eine ganz kleine Reduzierung auf 5 oder 4 g/l.

 

Champagne Alfred Gratien, Nicolas Jaeger

Ein Grundwein, ein Knaller. Der Chardonnay Grand Cru Mix aus Oiry und Avize aus dem Holz ohne BSA war riesig, Frucht aus dem Norden traf Frucht aus dem Süden, begleitet von Kreide, Würze und fiebrigem Alkohol.

Bei den Champagnern machte der 2007er Blanc de Blancs (Avize, Mesnil, Chouilly, Oger, Cramant) den Anfang, mit 8 g/l dosiert schien er mir etwas sehr gefällig, der Brut Classique 46CH 25PN 29 PM auf 2008er Basis hatte da mehr Sympathien für sich, trotz seiner ebenfalls 8 g/l Dosage. Mag sein, dass die Jahrgangsbasis einfach eine bessere ist und die 15% Reserve aus zB auch 2007 nicht so sehr ins Gewicht fallen, vielleicht ist aber auch der ausgewogene Rebsortenmix ein maßgeblicher Vorteil. Der laufend unterschätzte Paradis Brut aus dem Jahr 2006 aus 65CH 35PN wurde im Holz vinifiziert und hat keinen BSA abbekommen. Daher wirkt er auf hohem Niveau gespannt, die merkliche Dosage könnte aber ruhig etwas besser eingegliedert sein oder gleich ganz um ein zwei Gramm runtergesetzt werden, wie ich dieses Jahr erstmals festgestellt habe. Mein unerwarteter Liebling war der schließende Brut Classique Rosé, ein Assemblagerosé aus 45CH 29PN 26PM und 10% Rotweinzugabe, aus Bouzy natürlich. Ernst- und schmackhaft, Birne, Preiselbeere, eingekochte Aromen, die aber nicht hitzig oder unfrisch wirken.   

Champagne M. Hebrart, Jean-Paul Hébrart

Die beiden Vins Clairs aus Chouilly Montaigu Grand Cru (CH) und Mareuil sur Ay (60PN 40CH) waren sehr exemplarisch und vorbildlich herausgearbeitet. Der Chardonnay aus Chouilly hatte die angenehme Gänseflaumtextur, die ich dort für besonders typisch halte. Der Mix ist Grundlage für den 2013er Special Club, von dem ich annehme, dass er enormen Druck erzeugen wird, wenn schon der Vin Clair so loslegt. Hat mir sehr viel Spass gemacht.

Die Champagner begannen mit der Cuvée Sélection auf 2009er Basis (70%), der Rest stammt aus 2008 und 2007, 65PN aus Mareuil-sur-Ay und Ay 35CH aus Oiry, im letzten Jahr kam der Chardonnay noch aus Chouilly und beim Pinot spielte Ay keine Rolle. Vinifikation im Stahltank, BSA, die Dosage liegt bei 7 g/l. Das ist in jedem Jahr unter den höher dosierten Standards einer meiner Lieblinge. Den Durchbruch nach ganz oben hat er irgendwie noch nicht geschafft, was am verhaltenen, gebremsten Naturell liegen mag. Doch das Zeug dazu hat er. Der Special Club 2009, 60PN aus Mareuil-sur-Ay, Ay 40CH aus Chouilly, wurde im Stahltank vergoren, BSA absolviert und hat 6 g/l Dosage bekommen. Mir gefiel er schon sehr gut. Pricklig, unruhig, positiv aufgekratzt, mit einer freundlichen Limonadennote und nach ein paar Jahren sicher sehr schöner Herbe. Noch besser war nur noch der Rive Gauche – Rive Droite Grand Cru 2008, was das bessere Jahr war. Hier finden Ay und Chouilly in gleichen Teilen zusammen, die Vinifikation erfolgt im Holzfass und dosiert wird mit 4 g/l. Das ergibt einen fedenrd leichten Champagner, der so mühelos über den Gaumen hoppelt wie ein gutgelaunter Jungkater, wenn es Futterchen gibt. Exotik spielt eine Rolle, getrockenete Kokosflocken, getrocknete Ananas, die Essenz eines ganzen Cocktails im Kleid eines Champagners, paradiesisch.

 

Champagne Domaine Lancelot-Pienne, Gilles Lancelot

In Cramant, das vor allem von Namen wie Diebolt-Vallois und Lilbert dominiert wird, tutu sich was. Eine ganze Reihe neuer Namen macht dort von sich reden und aus der Lancelot-Familie ist Gilles mit von der Partie. Seine Weine scheinen mir nur etwas zu weich, süsslich und unfokussiert, um am ganz großen rad mitzudrehen. 

Die Cuvée de la Table Ronde Grand Cru mit 100CH aus Cramant, Avize und Chouilly, in deren reserve fast zwanzig Jahrgänge Solerareserve verarbeitet sind, gibt es als brut Nature und als Brut mit 8 g/l Dosage. Der Brut gefällt mir besser. Nuss, kandierte Orange, Apfel und Brioche kommen dort besser zur Geltung, während der Brut Nature etwas schlaff in den Seilen hängt, weil ihm die alten Soleraanteile scheinbar innerlich zu schaffen machen. Die Cuvée Marie Lancelot Grand Cru 2009 ist ein reiner Chardonnay aus Cramant, im Stahl mit BSA vinifiziert, 4 g/l Dosage. Ganz schön kräftig, wie ein zartes Weibchen mit dem prankigen Händedruck eines Bauarbeiters. Im Mund ziemlich herb, ging der mehr so, als dass er wirklich rannte. Anegnehmer, freundlicher und stimmiger schien mir die Cuvée Perceval 2009 zu sein. 50PN 50CH aus der Vallée de la Marne, genauer: Boursault, wo die Veuve ihr Schloss hat(te) und der Côte des Blancs, Stahltanks, BSA, 7 g/l. Schön süffig, mit einer nicht mehr ganz zeitgemäß wirkenden Noblesse.

 

Champagne Nicolas Maillart, Nicolas Maillart

, Stadt, bzw. Dorf, bzw. Weiler der Helden. Nicolas Maillart, der in Deutschland seltsamerweise noch keinen Importeuer hat, bestach mich erstmals in der Traube Tonbach und seither immer wieder. Die Vins Clairs, PN je einmal aus Bouzy und einmal aus , waren so dynamisch, wie ich Pinot Noir nur selten erlebt habe. Das ist ein Merkmal, das man in den Champagnern wiederfinden kann, wenn nicht die Dosage einen Stricj durch die Rechnung macht. 

Die Cuvée Platine Premier Cru, 80PN 20CH aus Ecueil, Bouzy, Vilers-Allerand, Fassvinifikation, habe ich in zwei Versionen probieren können. Der mit 4 g/l dosierte Extra Brut war schwebend und leicht, wirkte aber von der von der Süße gegen Ende doch etwas herabgezogen und plattgedrückt, wie eine gestylte Frisur nach dem Nickerchen. Danach konnte ich ein Spätdegorgement probieren, die 2006er Cuvée, mit 8 g/l Dosage, was entschieden zu viel war. Blanchierte Mandel, Fenchel, Apfel, Sellerie, Walnuss, kurzum, ein Waldorf-Salat zum trinken. Überschminkt war leider auch der Rosé aus 70PN 30CH, fassvinifiziert, mit 8 g/l, nach dem spätdegorgierten Platine konnte er sich mit wenig Mühe noch durchsetzen, was immerhin für die Sinnhaftigkeit der Probenabfolge spricht. Viel mehr habe ich dem Rosé leider nicht abgewinnen können. Völlig anders und genau so, wie ich mir alle Champagner von Maillart wünsche war dann wieder der schon in den Vorjahren auffällige Blanc de Blancs Premier Cru Chaillots Gillis 2004, aus einer Lage in Ecueil, die Grand Cru Status beanspruchen kann. Großer burgundischer Charakter, der ohne BSA und bei 3 g/l Dosage auch frei zur Geltung kommen kann. Reif, fein, stark, lang. Ein anderer, schon länger etablierter Klassiker von Maillart schloss die Reihe ab: Francs de Pied Blanc de Noirs Premier Cru 2005, das optimale Gegenstück zum Chardonnay, zeigte sich jetzt erstmals ansatzlos trinkbar und machte keinerlei Zicken, so dass ihm der Umweg über die Karaffe erspart werden kann. 

 

Champagne Pierre Paillard, Antoine Paillard

Wenn man an Bouzy denkt, denkt man oft an nichts Gutes. Zu plakativ gehen viele Erzeuger mit dem typischen Haselnussaroma der Trauben dieses Grand Cru um, als müsste man sonst nichts hinkriegen, außer eben dieses Haselnussaroma. Dass das schnell langweilt und den Champagner unnötig eingrenzt, müssen einige Winzer erstmal verstehen. Antoine Paillard hat's verstanden. Seine Vins Clairs sind zauberhaft. Die Lage Les Maillerettes ist mit alten Pinot-Reben bepflanzt. Der stahltankvergorene Wein ist reichhaltig, strotzt vor Löwenzahn, Kräutern bis hin zum Beifuss, hat eine schmelzige, lockende Süße und kann so wie er ist getrunken werden. Ähnlich ist es beim Les Motelettes, einem Chardonnay mit 11,2° Alkohol, also 0,1 über dem Maillerettes. Mächtig, selbstbewusst, mit zurückhaltenderer Säure, Malz, Kräuterzuckerl und Sauerkirsche.

Bouzy Grand Cru 60PN 40CH, im Stahltank vergoren, mit 5 g/l dosiert, ist immer eine sichere Bank und gegenüber letztem Mal gleich 2 Gramm in der Dosage gesunken, wobei ich noch weiteres Einsparpotential sehe. Nuss, Kirsche, Apfel, Brotrinde, ein bisschen Eukalyptus meine ich auch wahrgenommen zu haben. Gewaltig war der Blanc de Noirs Les Maillerettes 2009, mit 3 g/l. Orangenfilets in Joghurtsauce, herbe Schokoladensplitter und kandierter Ingwer. Toll und um Längen besser als die Vorgängerversion mit ihren dicklichen 8 g/l. Der Blanc de Blancs Les Motelettes 2009 hat für meinen Geschmack zu viel BSA abbekommen und wirkte laktisch, war damit aber noch nicht an der Schmerzgrenze angekommen, im Mund zeigte er sich forsch, schlank und sehr konzentriert bei der Arbeit, jedoch deutlich schwächer als der Pinot. Für einen Bouzy-Chardonnay völlig okay. Bouzy Grand Cru Millésime 2004, 50PN 50CH, mit 3 g/l dosiert, en Magnum serviert. Vom Vintage aus dem Hause Pierre Paillard war ich schon lange ein guter Freund, durch die gesunkene Dosage fällt es mir noch leichter bei der Stange zu bleiben. Der 2004er schmeckt wie ein idealer Kompromiss aus Maillerettes und Mottelettes.

 

Champagne Daniel Savart, Frédéric Savart

Eine der großen Erfolgsgeschichten der letzten fünf Jahre und die Geschichte eines weinfanatischen Champagnerwinzers. Die Vins Clairs aus Villers aux Noeuds und Ecueil sind deftig, fordernd und sehr stark, ganz wie die Champagner.

Die Cuvé Ouverture, seit zwei Jahren so etwas wie mein Lieblings- und Hauschampagner, war wie eine herzliche Begrüßung im eigenen Haus, so vertraut, gut, erholt und bester Laune wie nach der Rückkehr aus einem erlebnisreichen Urlaub. Die Cuvée L'Accomplie auf 2010er Basis legt immer etwas mehr an Komplexität drauf, durch den leichten Holzeinsatz und die um ein Gramm niedrigere Dosage von 5 g/l. Für mich ist das, um es in Masse zu trinken, schon einen Hauch zu viel, weshalb ich meist lieber beim perfekt ausgewogenen Ouverture bleibe. Der Bulle de Rosé aus 80PN 12CH und 8% Rotwein aus Ecueil, Stahltankvinifikation, mit 6 g/l dosiert, ist fein und schlank, nach den brachialen Einsteigern wirkt sie zerbrechlich und mit ihrer milden Frucht fast ein wenig schüchtern. Die Krönung der Range ist im Moment die Cuvée Expression, von der es nur den Inhalt zweier Fässchen gibt. Pinot Noir, der so abgründig ist, wie schwarze Magie. 

 

Champagne Vilmart & Cie.,

Die Vins Clairs von Vilmart zu probieren, lässt einen innehalten. Diesmal gab es den Les Blanches Voies aus Rilly la Montagne in doppelter Ausführung. Der reine Chardonnay geht in den Grand Cellier d'Or 2013, der Mix aus 80CH 20PN landet in der Coeur de Cuvée 2013. Wahnsinnig nobel sind beide, aber auch so, als wollten sie gerade nicht gestört werden.

Die Champagner mussten sich dann aber die Störung gefallen lassen und machten das sogar ganz gerne. Der Grand Cellier, 70PN 30CH, auf Basis 2011 mit 2010 und 2009, verbrachte 10 Monate im Fuder und hat keinen BSA. Seine 9 g/l sind so gut versteckelt wie bei nur ganz ganz wenigen Champagnern. In diesem Segment so ziemlich das beste, was man frei kaufen kann und in rauhen Mengen tun sollte. Ein in allen Bereichen üppiger ausstaffierter Champagner ist der Grand Cellier d'Or 2009, dessen technische Daten dem Grand Cellier natürlich stark ähneln, nur dass es hier 80CH 20PN sind, bei einer Dosage von 8 g/l. Der Grand Cellier d'Or ist im Verhältnis zur Coeur de Cuvée das, was richtig guter Barbaresco im Verhältnis zum Barolo ist. Der agilere, flottere, früher trinkbare Wein, der sofort loslegt und Riesenspass macht. Das heisst nicht, dass die Coeur de Cuvée 2006, 80CH 20PN, von 50 Jahre alte Reben, mit 8 g/l dosiert, lahm wäre. Im Gegenteil, diese Coeur de Cuvée steckt, was ich bisher noch nie erlebt habe, den Grand Cellier d'Or einfach in die Tasche. So viel Raffinesse, so viele quirlige, konzertiert umherwuselnde Früchtchen, die sinnliche Holznote, die immer im rechten Moment, wenn die Früchtchen schon zu sehr zu toben drohen, besänftigend eingreift, das ist einfach bewundernswert. Die Cuvée Rubis kommt da nicht mit. 90PN 10CH mit 10 g/l dosiert, sind dann wirklich etwas zu langsam und mehr etwas für die Essensbegleitung bei Paul Bocuse, wo alles auf Sättigung ausgelegt ist.

 

Champagne Pierre Péters, Rodolphe Péters

Bei Rodolphe Péters Einlass zu erhalten, war einige Jahre lang gar nicht so leicht. Mehrmals stand ich vor verschlossener Tür, bzw. wurde abgewiesen, weil nix zum Verkaufen mehr da war oder weil die Bude voller amerikanischer oder japanischer Einkäufer war. Das hat sich etwas entspannt, der Ruf von Pierre Péters, der in USA wie Donnerhall klingt, in Deutschland aber eher der eines einsamen Rufers in der Wüste zu sein scheint, hat indes nicht etwa gelitten. Seine Vins Clairs sind nach wie vor Erlebnisse, ich glaube nur, dass die Traubenversorgung mitllerweile etwas einfacher für Pierre Péters geworden ist und die Lage sich deshalb entspannt hat. Ganz gleich, ich habe dieses Jahr drei einzelne Lagen probiert, die mich froh und glücklich stimmten. Der Le Mesnil Chardonnay Le Montjoly (daraus wird es ab dem 2012er Jhrgang einen neuen Einzellagenchampagner geben) war der weichste davon, der Chétillons war der präziseste, knackigste und der Mussettes war nochmal mächtiger, nussiger, dichter, dunkler, gewaltiger als der Chétillons. Mounmental ist eine gar nicht so fernliegende Qualifikation dafür. 

Die Champagner begannen mit dem Perle, auf 6,5 g/l dosiert. Weich und fruchtig, Candy mit Sahne, ein Einstieg in die Péters-Welt, der irreführend ist, denn die Perle ist eigentlich untypisch. Trotzdem schmeckt sie gut, weil der Candykram nicht dauerhaft vorschmeckt, sondern einen kräftigen Chardonnay verdeckt, der sich mit Luft aber schnell freikämpft. Der L'esprit 2009 ist ein Champagner, der das Messer zwischen den Zähnen hat und sich nicht erst freilämpfen muss. Alles ist hier konkret und greifbar, bei 4,5 g/l auch nur wenig Speck, kein Candy, dafür männliche Herbe und ein interessantes Duell der vier südlichen Grand Crus der Côte des Blancs. Das Finale bildet der bereits weithin bekannte Chétillon 2007, Le Mesnil Chardonnay, der zupackt. Gesunde Reife, die Orangen-Ingewerstäbchen, Himbeerpurée, Johannisbeere, rote Grütze und markige Aromen in die Welt entlässt, sämig, konzentriert und lang. Einer der Champagner, auf deren Reifepotential ich nichts verwetten möchte, weil sie schon jetzt so viel zu bieten haben, dass ich immer befürchte, dass sie bald augebrannt sind, bei denen aber die tollsten Entwicklungen möglich sind.

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