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Reisenotizen: Champagne Tristan H., Trélou sur Marne

Hinter dem Namen "Tristan H." verbirgt sich der liebenswürdige und überaus sympathische Winzer Tristan Hyest, den ich bei einer SGV-Veranstaltung kennenlernen durfte und dessen Cuvée Colostrum mir damals gleich so kolossal in Namenswahl, Optik und natürlich Geschmack zusagte, dass der nächste Besuch in der Champagne unbedingt einen Termin bei Tristan beinhalten musste. In Trelou, wo es in der Ortsmitte ein kleines, etymologisch-eponymisches Brauhaus namens "3 Loups" gibt, dessen Biere sich einträchtig neben Tristans Wein auch im nahen Dormans in der uneingeschränkt empfehlenswerten Chocolaterie Sylvain Suty befinden – wo man feinen Süßkram shoppen und einen guten Mittagshappen zu sich nehmen kann -, ist Champagne Hyest zu Hause. Tristan, der sich erst vor zehn Jahren ganz auf das Champagnermachen unter eigenem Namen verlegt hat, vermarktet insgesamt 40000 Flaschen pro Jahr und gehört damit zu den kleinen Winzern, von denen es in der Champagne nur so wimmelt. Unverwimmelt, dafür mit umso stärkerem Anspruch an sich selbst ist sein Champagner, der sich nach einem halben Jahr zum wiederholten Male einer Verkostung vor Ort unterziehen musste. Die Vins Clairs aus dem Stahltank machten allesamt einen guten, nicht zu säurelastigen Eindruck, der sich bei den Champagnern bestätigt findet.   

I. Beim ersten Vorortbesuch habe ich mir vor allem orientierende Notizen gemacht, die mir später als Gedächtnisstütze dienen und die ich zum Abprüfen der Konsistenz und Entwicklung heranziehe. Unter Genussgesichtspunkten schreibe ich da meistens nur wenig Verwertbares oder Veröffentlichungsfähiges auf. Daher nachfolgend nur die wesentlichen Punkte:

I.1. Blanc de Blancs 2004

Mit 6 g/l dosiert, leicht haselnussig, mit Toffee und Nougat; reif, nicht fett. Und nun, da ich diese Zeilen schreibe, fällt mir auch wieder ein, woran mich das erinnert: derselbe Jahrgang, dieselbe Rebsorte, nur von einem anderen Erzeuger, namentlich Duval-Leroy, wirkte auf mich von seinem Gepräge her ganz ähnlich. Weniger die Aromatik war es, als die Art des derzeitigen Reifezustands. 

I.2. Cuvée Colostrum

Die Muttermilchcuvée von Tristan wirkte im Frühjahr holzig, war aber gar nicht im Holz; denn Fuder ist erst ab in ca. zwei Jahren geplant, bis dahin haben andere Investitionen Vorrang, estmal soll das Kellergebäude soll wachsen. Diese Scheinholzigkeit ist wiederum ein Effekt, den ich bei derselben Gelegenheit feststellen konnte, die mir den Duval-Leroy Vergleich beschert hat. Die Champagnergala vom falstaff letzte Woche in Berlin. Dort wurde nämlich der Rare 2002 von Piper-Heidsieck ausgeschenkt. Der erste Rare-Jahrgang von Régis Camus, der im selben Jahr wie Thierry Gasco bei Pommery seinen Vorgänger beeerbte. Chardonnay und Pinot-Noir stehen bei beiden Champagnern in einem ähnlichen Verhältnis zueianander und bei beiden spielt Holz bekanntermaßen keine Rolle, da es schlichtweg nicht vorhanden ist. Röstaroma und Sämigkeit gehen also überhaupt nicht auf getoastete Fässlein zurück, sondern sind weineigenen Prozessen zu verdanken, die für eine ausgeprägte Entwicklungsfreudigkeit sprechen, wie sich regelmäßig herausstellt.

I.3. Cuvée ohne Namen, dég. à la volée

66CH 33PN, 2008er

Geplant war, diesen Champagner als "Clos Courcelles" zu veröffentlichen, das Projekt ist aber an Tristans eigener Schussligkeit gescheitert, er hat es eigener Angabe nach versäumt, den Wein rechtzeitig zu deklarieren. Kommt ja vor und macht die Geschichte sympathisch. Das ist der Wein auch: hohe Konzentration, wenig Säure, weshalb der weiche Chantré Champagner gut dosagelos bleiben kann, wenn es nach mir geht. Im Mund ist er flott da und flott wieder weg, weshalb er bei genauerem Hinsehen also doch ein wenig Dosage vertragen könnte, wie ich nach einigem Nachdenken einräumen muss.

I.4. Rosé

Assemblagerosé mit 6% Rotwein aus Trelou, 2009er Basis

Helles Rosé, eine wilde Pinotstinkernase, im Mund etwas kurz, wenngleich von nobler Herbe, leichter Griffigkeit, wie aufgerauhtes Handschuhleder; schlank, fein und selbst wenn man die burgundische Stoßrichtung in Rechnung stellt, keineswegs gewöhnlich.

II. Beim zweiten Vorortbesuch habe ich alles sacken lassen, den Winzer etwas eingehender studiert und mich mit den Champagnern, die ich mit nach Hause genommen habe, auseinandergesetzt. Die etwas bessere Kenntnis erlaubt es mir bei den Zweitbesuchen, auf bestimmte Punkte näher einzugehen, die ich für verfolgenswert oder aufklärungsbedürftig halte. Oder aber ich werde mit einer ganz neuen Entwicklung konfrontiert und setze mich damit auseinander. Letztes Wochenende war beides der Fall.

Mir fiel bei allen Champagnern ein Wandel weg von Haselnuss und Nougataroma hin zu einer leichteren, weinachtlicheren Kokosmakronennote auf, also wieder eine ganz leichte Röstnote, wie man sie beim Fasseinsatz finden kann, den es aber hier nicht gab und gibt, bzw. bis auf weiteres geben wird.

II.1 Blanc de Blancs 

Mit 3,5 g/l dosierter 2007er,

Honignote, breit angelegt, neben der Weihnachtsaromatik erinnerte mich der Champagner außerdem an feucht gewordenes Russisch Brot, die weiche Art fand ich schon beim 2004er nicht so säurestark und erst spät hebt sich eine kraftvoll am Gaume haftende Apfelaromatik empor.

II.2 Colostrum

60CH 40PN, mit 4,5g/l dosierter 2006er, 20% sind Reserve

Kokos und Oblate erinnern hier besonders stark an den Weihnachtlichen Makronenkeks, wie ihn zB meine Mutter zu backen pflegt, samt aufgesetzter Mandelspitze. Für meinen Geschmack könnte der Champagner ruhig noch etwas länger sein.

II.3 Brut

50PM je 25PN/CH, Basis 2009, 60% Reserve, mit 7g/l dosiert

Deutlich kommt hier die ortstypische Meunieraromatik zum Vorschein, in Form einer hübschen, aber nicht übertriebenen Exotik und mit weiteren Backaromen aus dem Spekulatiusgewürzbereich, dazu gesellen sich Walcholder und Lorbeer, so dass der Wein nicht überbordend plätzchenartig wirkt, sondern herbsaftig ausklingt.

II.4 Blanc de Noirs 2003, aus dem lieu dit Grappilière,

Mit 3 g/l dosiert, bei schmalen 5,5, g/l Säure. Läppische 300 Flaschen gibt es von diesem Stöffchen, das sich damit kaum für die Vermarktung eignet. Dunkel, urwüchsig, geheimnisvoll, wie ein Pinot sein soll, der Neugierde zu wecken im Stande ist; allerdings hatte ich auch Feuerzeugbenzin in der Nase. Ergänzung findet die düstere Feuerteufel-Aromatik bei herbzitrusfruchtigen Kalamansiaromen, später im Mund kommt frisches Toastbrot dazu und der dunkle Schleier hebt sich in dem Augenblick vollends weg, in dem frisch gepellte Litschi auf den Plan tritt, weckend wie ein Sonnenstrahl nach umwölkter Morgenröte.

II.5 Iseult Dosage Zéro

CH/PN aus cordon permanent Erziehung. Das was beim ersten Besuch als Clos des Courcelles hätte veröffentlicht werden sollen, hat eine neue Heimat unter dem romantischen Cuvéenamen Iseult (sprich: Isolde) gefunden, was die persönliche Liebesbeziehung Tristans zu seinen Weinen bestens spiegelt. Noch feiner und regelmäßiger ist diese Isolde geworden, als das was ich vor einem halben Jahr im Glas hatte und Tristan meint dazu, seine Vision, mit der er vor zehn Jahren antrat, sei hier das erste Mal Wirklichkeit geworden, daher der anspruchsvolle und Bände sprechende Name. Wieder fand ich Kokosmakrone, aber vor allem Maracuja und Limettenabrieb, die mir sehr gut gefielen, da ich bei Weihnachtsplätzchen Zuckerguss mit kandierter Zitrusfruchtschale immer lieber habe, als den Keksteig darunter, bzw. sogar gleich ganz pur essen könnte. 

II.6 Colostrum, dég. 2010 

Die Mutter aller Champagner von Tristan, hier auf Basis des 2004er Jahrgangs, in gereifter Form aus dem Lager gegriffen. Tarte tatin und sehr viel Apfel in allen Variationen, dazu blanchierte weisse Mandeln, die ich sehr gern in meinem persönlichen Nussmix habe und im Champagner nicht minder schätze.

II.7.1 Rosé, lieu dit Grappilière,

40CH 45PN 15PM, Assemblagerosé, hier sind geringe 4% roter Stillwein drin; 2009er Basis.  

Sehr beeindruckender Champagner, von dem ich mir deshalb gleich ein paar Flaschen mitgenommen habe. Sehr feingliedrig, aber nicht anämisch oder sonst krankhaft-zerbrechlich, sehr schlank, zitronenfrisch, mit Gojibeere und dem Geschmack von Johannisbeer-/Himbeerkonfituere im Plätzchen (Spitzbuben heißen die im Backrezeptebuch auch und ich bin mir deshalb bei meiner Beschreibung sehr sicher gewesen, weil ich genau diese Plätzchen gerade blechdosenweise zu Hause habe und vertilge).

II.7.2 Rosé "Courcelles"

50CH 50PN, 2009er, mit 1,5g/l dosiert und gleich viel herber als sein Vorgänger. Schön rotapfelig und Tristan meint, man könne den gut zum Rindfleisch genießen. Ich dagegen finde, er hat eine Nähe zum Geschmorten und wenn ich es ganz genau bedenke, dann passt er wahrscheinlich am besten zum pulled pork aus dem Smoker.

II.7.3 Colostrum Rosé,

Mix wie der weiße Colostrum, 2009er mit 7% Rotwein und 1,5g/l Dosage 

Mit höherer Dosage gefiele er mir wahrscheinlich besser, die leichte Herbe der jetzigen Fassung ist zwar sehr angenehm und zeigt unverkitschte Frucht, einen erfrischenden Johannisbeermix, der Luft braucht und sich ansehnlich entwickelt; aber das könnte alles viel müheloser sich ausfalten, wenn mehr Zucker im Spiel wäre, oft reichen ja schon zwei, drei Gramm. 

II.7.4 Rosé 

Ein 2010er aus 50CH 40PN 10PM mit 7 g/l dosiert.

Der Colostrum Rosé sollte etwas mehr als die jetzigen 1,5 g/l bekommen, aber nicht ganz so hoch enden, wie der 2010er Rosé, denn der wirkt zwar insgesamt wie ein kräftiger, ehrlicher Bauernbursche mit guten Anlagen, ist geradeheraus, offengesichtig und ehrlich, aber er hat auch etwas sattes und sättigendes, das ihm nicht guttut.

 
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