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Renaissance des Appellations und Haut les Vins Biowein Tastival II/II: Champagnes Fleury, Bedel und Laherte

Weiter geht's mit Champagner:

II. Champagner

1. Champagne Fleury

a) Brut Nature Fleur d‘Europe

85PN 15CH, 2005er Basis mit 2004.

So schmecken die klassischen Aubechampagner, kräftiger Körper und eine Spur Leichtigkeit, die den massigen, arbeitsamen Körper wie ein flottes Textil helfend zu bedecken versucht.

b) Brut Tradition Blanc de Noirs

2010er Basis mit 2009, 2008, 2007, mit 7 g/l dosiert.

Gut, glatt, von sanftem Gemüt und etwas länger als der mit einer Spur Dosagezucker vielleicht überlegene Fleur d’Europe. Trinkt sich gut weg, hinterlässt aber kaum bleibenden Eindruck

c) Notes Blanches

100PB

Seit 2009 hat der Weißburgunder ein eigenes Forum im Fleury-Portfolio, wo er vorher als Verschnittpartner diente. Leider korkte die Flasche, so dass ich nicht mehr berichten kann.

d) Bolero No. 4 Extra Brut

100PN, 2004er Basis, zu einem Drittel im Holz vinifiziert, zweite Gärung unter Naturkorken, mit 4 g/l dosiert.

Ein ganz anderes Kaliber kommt nun mit dem Bolero auf den Markt. Munter, mit schalkhaft blitzenden Augen und einer für die Rebsorte ungestümen bis hyperaktiven Art, vom Holz eher noch aufgepeitscht als gebändigt, außerdem fast schon obszön triefend saftig und mundgängig.

e) Robert Fleury

Je ein Drittel PB, PN, CH, 2004er Basis, großteils Fassgärung, Flaschengärung unter Agraffe.

So etwas wie der Spitzenchampagner des Hauses, mit einem bemerkenswert hohen Weißburgunderanteil, der beim Vorgänger (2002) sogar noch deutlich höher ausfiel. Einzuordnen ist er bei den typischen, klassischen Champagnern traditioneller Machart, was meist auf Kosten der Finesse geht und den Champagner berechenbar macht. Ganz im Gegensatz zum hauseigenen Herausforderer Bolero oder zur neuen Sonate läuft hier alles seinen reifen, runden, geregelten Gang, wie der Einkauf beim Bäcker oder Metzger. Röstaroma finden Sie hier, Blüten, Honig und Hefe da, etwas Orangenschale vielleicht noch? Ja, bitte. Dürfen es auch Äpfel und Nüsse sein? Gerne doch. Und ein rundgedrechseltes, poliertes finish? Ich bitte darum. Alles in allem ein sehr guter Champagner, dem gegenüber den jüngeren Cuvées nur das – gar nicht immer und von jedem geforderte – Überraschungsmoment fehlt.

f) Rosé de Saignée

Bei Fleury wird der Rosé demnächst auf einer 2010 begonnenen réserve perpetuelle des Blanc de Noirs basieren. Dieser hier gehört noch nicht dazu.

Erst mineralisch, dann fruchtig, aber leider mit alkoholischer Note, die in eine Kirschpaprikanote übergeht und eine für mich schwer definierbare, vielleicht vom Alkohol vielleicht von stehengebliebener Äpfelsäure herrührende Schärfe transportiert. Dürfte am besten zum Essen passen, wobei ich nicht weiß, ob er das Gewicht hat, um Andouillettes zu begleiten.

g) Sonate 09 Zéro Dosage, ungeschwefelt

100PN aus der ersten (1989) bewirtschafteten Parzelle des Hauses „Val Prune“

Estragon- und Dillnoten werden bei diesem insgesamt erstaunlich fruchtigen und trotz vollen BSAs ziemlich frisch wirkenden Champagner von Apfel- und vor allem Wassermelonenschale eingerahmt. Das klingt nach viel grün, ist aber im Ergebnis gut trinkbar und lässt sich von diesem Startpunkt aus gut verfolgen.

 

2. Champagne Bedel

In zwei bis drei Jahren soll, so erzählte mir Vincent Bedel, die 1997er Cuvée Robert Winer endlich rauskommen. Ich verspreche mir davon sehr viel, wenngleich ich nicht glaube, dass es große Ähnlichkeit zum beeindruckenden 1996er RW geben wird.

a) Dis, Vin Secret Brut

80PM 15CH 5PN, 2005er Basis

Spielt mit Minze, Toffee und Crema Catalana; wirkt dabei nicht so mastig, wie es sich anhört, kühlt den Mund unabhängig von der Trinktemperatur sogar ganz leicht und geht weich ab, ohne seine stattlich wirkende Dosage verhehlen zu wollen, ähnlich einer prachthintrigen Konkubine, die soeben den Saal verlässt.

b) Brut

80PM 20PN, 2004er Basis

Sehr gut hält sich dieser Wein, dessen besondere Stärke in der vielgepriesenen Balance und Ausgewogenheit zwischen den aromatischen und sonstigen organoleptischen Polen liegt. Dieses Mal wirkte er besonders erfrischend und klar auf mich, plätscherte nur gegen Ende mit einer entfernt scotchigen Note in den Hals und wird sich mit der Entwicklung nobler Reifetöne sicher noch etwas Zeit lassen, selbst wenn sie sich jetzt ankündigen.

c) L’Âme de la Terre Extra Brut

67PM 17PN 16CH, 2003er Basis. Einen immer volleren Körper legt sich der Champagner zu, die ohnehin geringe Säure tritt neben den schokoladiger werdenden Aromen und den schweren Blütenessenzdüften in den Hintergrund, bzw. bald ganz von der Bühne ab. Trotzdem ist der Champagner in der Extra Brut Version – noch – nicht schwerfällig. Gleichwohl ists langsam Zeit für einen Nachfolger.   

 

3. Laherte Frères

a) Blanc de Blancs Ultradition

Seit ich die Champagner von Laherte kenne, ist der Blanc de Blancs Brut Nature ein recht gleichbleibender, meist gleichgewichtiger Mix aus Basisjahr und Vorgängerjahr. Daran hat sich bei der 2010er/2009er Version nichts geändert. Nur der Name hat sich geändert. Nur der Name? Nein. Früher erschienen mir diese Champagner härter, bissiger und eckiger, aber auch ungelenker, noch nicht ganz versiert. Mittlerweile hat Aurelien offenbar einen Pfad gefunden, den er mit seinen Champagnern beschreiten will und der ist bei den Chardonnays von unaufdringlichem, aber merkbarem Holzeinsatz und einer daraus resultierenden sehr typischen Winzernote geprägt. Die Champagner sind griffig, saftig und reif, wo sie vorher ungeschliffen und hart, aber nicht uncharmant waren. Mit dem Ultradition macht der Chardonnay von Laherte einen weiteren Schritt raus aus der Experimentier- und Kinderstube.   

b) Grand Brut Ultradition

60PM 30CH 10PN, 2010er Basis mit 2009er Reserve.

Der hier zum Einsatz gelangte hohe Barriqueanteil half erfreulicherweise, die zwar nicht verstockten, aber vielleicht eigenwilligen Meuniers zu öffnen, wobei leider die Säure ins Hintertreffen gelangt ist. Da half der Verzicht auf Dosagezucker nicht weiter, der Champagner muss sich nun, nackig wie er ist, die nächsten Jahre auf sich allein gestellt entwickeln, bevor man wieder Stellung zu ihm beziehen kann.

c) Les Empreintes

50PN 50CH, davon 30% Chardonnay Muscaté; 2008er Basis.

Einer der ungewöhnlichen Champagner nicht nur von , sondern innerhalb des gesamten Gebiets, der mir schon immer besonders gut gefiel. Nach dem Auslaufen des Empreintes auf 2007er Basis habe ich letztes  Jahr erstmals den Empreintes auf 2008er Basis probiert und fand ihn exquisit. So auch jetzt. Die Fruchtexotik hat sich verschärft, der Champagner ist gleichzeitig noch etwas frecher geworden, trinkt sich aber weiterhin so bequem wie kalte Limonade aus dem Jumbobecher, wenn man zu viele Nachos mit zu vielen Jalapenos und Käsesauce vertilgt hat. Selbst davon würde sich dieser trotz aller Flippigkeit ausnehmend stabile Champagner nicht aus seiner in sich verzahnten und verschränkten Ausgewogenheit bringen lassen.

d) Les Vignes d’Autrefois 2008

100PM.

Auch den 2008er Vignes d’Autrefois kenne ich schon seit seinen ersten Gehversuchen. Auffallend war immer die hervorgehobene, sehr animierende Säure, die dem versöhnlichen, manchmal einfältigen, überwiegend exotisch-fruchtigen Naturell der Rebsorte eine erstklassige Umgebung bot, um sich optimal zu präsentieren. Herausgekommen ist keine vollgeholzte Wuchtbrumme oder ein vor lauter Raffinesse blutleeres und angekränkeltes Filigranstweinchen, sondern ein druckvoll agierender Wein mit Selbstbewusstsein und Ausdruck, leicht getrübt nur von einer anisig-fencheligen Note, die ich nicht unbedingt hätte haben müssen.  

e) Les 7 (früher: Les Clos)

Spätes, d.h. erst kürzlich, genauer: im Januar 2013 vorgenommenes Dégorgement dieses aus allen sieben mehr oder weniger klassischen Rebsorten der Champagne bestehenden Weins, der wiederum auf einer 2005 angelegten Solera beruht (im Startjahr 10% Fromenteau = Pinot Gris, 18% PM, 18% CH, 15% Petit Meslier, 8% Arbane, 15% Pionot-Noir, 17% Blanc Fumé = Pinot Blanc). Batonnage; kein BSA, mit 4 g/l dosiert.

Wirkt dem Dégorgierdatum entsprechend sehr jung und noch reichlich hölzern. Zeigt enormen Vorwärtsdrang und gehörige Muskeln, nicht jedoch die sonst soleratypischen Abrundungserscheinungen. Gefiel mir sehr gut.  

f) Millésime 2005

85CH 15PM, Ende 2011 dégorgiert.

Schon sehr rund, in Sachen Sprudel, Druck und Säure kein Vergleich zu den vorherigen Champagnern, wirkte auf mich gesetzt und müde.

g) Rosé Ultradition

PM in Rotweinfässern weiß vinifiziert, 2010er. Assemblage mit 15% PM Rotwein. Ganz schön festfleischig und völlig unverspielt, ohne jeden unnützen Schlenker, Schnörkel oder puderzuckrige Verzierung und gerade deshalb ein ungebremster, lebhafter, freudespendender Wein.

h) Rosé 2008

PM Mazerationsrosé ohne BSA und weniger als 3 g/l Dosage.

Ernster, ruhiger, langsamer Wein, programmatisch ganz anders ausgerichtet, als der Rosé Ultradition und für einen Meunier fast schon gravitätisch, aber noch unter der Würde, Eleganz und Gediegenheit eines Spätburgunders angesiedelt. 

Wein-Glossar



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