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Schlosshotel Hugenpoet: tour de plaisir mit Künstler, Salwey, Knipser et al.

Im Essener Schlosshotel Hugenpoet, wo die besternte Frau Bergheim in gediegenstem Ambiente kocht und eine Übernachtung zwar nicht billig, aber schön ist, habe ich mir einige aktuelle Kreszenzen zu Gemüte geführt. Die beiden jeweils favorisierten Weine der einzelnen Winzer stelle ich im Folgenden kurz vor.

I. Künstler

Künstler einmal in trocken und einmal in süß, jeweils aus der jetzt schon ihre Langlebigkeit ankündigenden Hölle:

1. Hochheimer Hölle Riesling trocken Erstes Gewächs 2010

Den Rummel um die Großen und Ersten Gewächse verstehe ich nicht, Namenswahl und Bezeichnungswirrwarr machen die Angelegenheit nicht sympathischer. Was mir aber trotz meiner Vorliebe für die fruchtigen Kabinette und Spätlesen von der Mosel sehr sympathisch ist: die Hochheimer Hölle von Künstler. Die geht selbst in trocken gut runter. Ein Weingewebe wie Werkstoff aus der Weltraumforschung. Leicht, strapazierfähig, elastisch. Vollreife blassgelbe Früchte. Wirkt zeitlos.

2. Hochheimer Hölle Auslese 2010

Die Aromenintensität von Früchtemus ohne dessen konzentrierte bis scharfe Süße, blumige Noten und eine das ganze Obstgewicht stützende Säure. Von mittlerer Länge.

II. Salwey

Aus dem rundum guten Burgunderangebot bei Salwey fiel es mir schwer, mich zu entscheiden. Letztlich wurden es trotz starker Rotweine doch die Weißen:

1. Henkenberg Weißburgunder Großes Gewächs 2010

Merkliche, aber nicht vordergründige Säure, erstaunlich viel reifes Obst, das den Wein sehr ausdrucksvoll wirken lässt, fast als hätte man gar keinen Weißburgunder, sondern einen Viognier im Glas.

2. Henkenberg Grauburgunder Großes Gewächs 2010

Muskatig, mostig, würzig, etwas pfeffrige, vielleicht alkoholische Schärfe bildet sich außerdem am Gaumen und gleitet Richtung Rachen süßlich aus. Holz ist ebenfalls etwas dabei. Wenn ich es recht bedenke, würde ich rückblickend dem Grauburgunder den Vorzug gegenüber dem Weißburgunder geben, bin mir aber nicht sicher wegen des Lagerpotentials, das ich beim Weißburgunder höher einschätze.

III. Dr. Heger

Nicht sehr überzeugend fand ich die Weine von Dr. Heger. Noch am besten waren:

1. Ihringer Winklerberg Spätburgunder "Mimus" 2008

Gut geraten, aber in allem zu konzentriert, zu viel von allem wahllos über den Gaumen schüttend war der Mimus. Weine dieser Art können sicher eine breite Käuferschicht erreichen, laufen aber auch Gefahr, verwischt und beliebig zu erscheinen. Gerettet hat den Mimus seine warme Erdigkeit, die auf eine schöne Reifung in der Zeit nach dem Abklingen der Früchtedominanz hoffen lässt.

2. Ihringer Winklerberg Spätburgunder *** Großes Gewächs 2007

Dichter an der natürlichen Rasse und Eleganz der Rebsorte war das Große Gewächs. Pektinig bis trocknend fand ich ihn in Spuren, störte mich aber angesichts der reichhaltigen Aromenfülle daran nicht besonders. Butter, Croissant, Marmelade, Mokkabohne, Früchtetee und Schokonote, also mal wieder ein halber Frühstückstisch kam da ins Glas. Anders als beim Mimus wirkte hier alles geschmackvoller komponiert und mit einem schimmernden, extraktigen Glanz überzogen, der mir zwar nicht herbbitter aber durchaus niveacremig vorkam. Vielleicht brauchen beide Weine noch ein paar Jahre, bis sie sich gefunden haben.

IV. J. J. Adeneuer

Aufsteiger des Jahres 2008, Kollektion des Jahres 2009, da sollte sich ein vertiefender Schluck aus der Pulle lohnen. Meine Favoriten von Adeneuer 2010:

1. Frühburgunder trocken 2010

Sehr leicht, trotz schweissiger Note sehr fruchtig, beinahe leichtsinnig, jedenfalls mit viel Freude wegzuschlürfen, mit Cassis und Blaubeermuffin, dabei keinesfalls belanglos, bonbonig oder ein bloßer Saufwein. Gefiel mir besser als der ernstere, viel komplexere, aber auch umständlichere Spätburgunder und ist mit 15 EUR preislich ganz im Rahmen.

2. Walporzheimer Gärkammer (Monopollage) Spätburgunder trocken 2010

Ich will nicht sagen kolossal oder gigantisch, aber jedenfalls am Tag der Probe zu groß für mein Glas, in dem der Wein sich regelrecht gefangen vorkommen musste. Dementsprechend wenig Chancen hatte er, sich auszubreiten und sein Qualitäten zu zeigen. Lorbeer, Wacholder, Laub, Kirschwasser, Pflaume, Veilchen, verhaltene Säure; buttrige Noten fehlten zum Glück hier ganz. Die Anlagen für einen mächtigen Wein waren zweifelsohne da, aber eben wie eine meisterliche Skizze von z.B. Dalì auf einem zusammengeknüllten Blatt Papier.

V. Knipser

Einmal rot, einmal weiß, beide aus einem starken Sortiment noch herausragend:

1. Mandelpfad Riesling trocken Großes Gewächs 2010

Rassig, noch pricklig, schon reichlich kernig, auch noch etwas hefig. Trinkt sich verführerisch gut und ist doch noch so jung. Bestürzend, dass dieser Wein vielfach ausgetrunken sein wird, bevor er sich zu seiner tatsächlichen Höhe aufrichten kann. Die sanfteste Art, großer Riesling zu sein.

2. Kalkmergel Spätburgunder Spätlese trocken 2009

Hier ist die Situation ähnlich wie bei Adeneuer, den Kalkmergel ziehe ich dem ebenfalls verkosteten aber noch völlig unausgeglichenen (nicht im Sinne von spannungsgeladen und bereits trinkbar, sondern im Sinne von nur ansatzweise entwickelt und noch ruhebedürftig) Kirschgarten GG 2008 zur Zeit deutlich vor.

VI. Hans Wirsching

Zwei frankenuntypische Weine gefielen mir bei Wirsching am besten. Das zeigt mir mal wieder, wie wenig ich von Frankenwein wahrscheinlich verstehe.

1. Iphöfer Kronsberg Riesling trocken Großes Gewächs 2010

Nie, nie, nie hätte ich so einen guten Riesling in Franken erwartet. Zitrus, Apfel, Quitte, Mirabelle, Kräuternoten und Boden, umspielt von frei schwingender Süße. Hohe Rieslingkunst, ich bin sehr angetan.

2. TriTerra (Grauburgunder, Weißburgunder, Chardonnay) trocken 2008

Sicher hätte ich auch den Silvaner von Wirsching an zweiter Stelle platzieren können, aber mir sagte einfach die sehr gute, freilich etwas konventionell anmutende Burgundercuvée stärker zu. Buttergebäck, Sahnigkeit und Nusstörtchen, etwas Säure, meinetwegen sogar flüchtige Säure, das Ganze nicht halb so mastig wie es sich anhört, von hoher handwerklicher Güte und elegantem Süßefinish, Wein dieser Art hätte ich im silvanerseligen und ultratrockenen Frankenland gar nicht vermutet. Sicher ein schöner Essensbegleiter.

VII. Drautz-Able

Württemberg gehört zu den Gebieten, in denen ich noch orientierungsloser bin, als sonst schon in der Weinwelt. Von Möbitz und Knauß abgesehen, bin ich kaum mit einem der dortigen Winzer auch nur halbwegs vertraut, auch sagen mir die dort bevorzugten Rebsorten nicht besonders zu.

1. Jodokus Beerenauslese 2009

Exzellent war die Beerenauslese, der zuvor probierte Sekt aus PN PM PB ist mir demgegenüber nicht so sehr in Erinnerung geblieben. Wahrscheinlich ist das besser so. Also die Beerenauslese: die war von einer dunklen, geheimnisvollen Art, raffiniert und vielschichtig, mit einer unter mehreren Schichten versteckten Süße, die man sozusagen erst hervorlocken musste und die sich dann mit einer Delikatesse entfaltete, wie ich sie sonst nur von der Mosel kenne, mit wesentlich höheren Säurewerten allerdings. Spitzenwein, der Jodokus. Unter gleichem Namen gibt es bei Drautz-Able einen 2008er Mix aus Cabernet-Sauvignon, Merlot, Lemberger und Samtrot, der mir wie ein gut gepolsterter Bodeaux vorkam und reichlich gut schmeckte; obsiegen musste aber der Süßwein.

2. Lemberger Reserve trocken "Hades" 2007

Toastig, mit Milchschokolade und Zwetschgenröster. Wenig Säure und ich habe mich außerdem gefragt, was den Wein eigentlich im Kern bzw. natürlich auch außen rum zusammenhält, denn besonders viel Tannin habe ich ebenfalls nicht detektiert. Egal, der Wein hält sich vielleicht selbst irgendwie zusammen und schmeckt mir trotz seiner düsteren Namensgebung sehr gut.

IX. von Hövel

1. Oberemmeler Hütte Riesling Spätlese 2010

Für schlappe 10 EUR gibt es diesen Wein zu kaufen. Mir kam er vor, wie ein Zweizack. Hie Süße, da Säure. So einfach, schön, gut gearbeitet und effektiv wie eine Bratengabel aus Omas Silberbesteckkasten.

2. Scharzhofberg Riesling Großes Gewächs 2010

Abtörnend fand ich die trockene Scharzhofberger Spätlese wegen ihrer ungehörigen Sauvignon-Blanc Aromatik. Im Großen Gewächs war die nicht so plärrend präsent, sondern einem weichen Muskattraubenton gewichen, der dem schlanken, fließend gewandeten Wein gut stand, so dass er mir am Ende besser gefiel als die Kanzemer Hörecker Auslese 2007 – deren Petrol- und Popcornnase ich nicht so unwiderstehlich fand, wie sonst. Obwohl dem trockenen Mosel-Saar-Ruwer Wein abhold, verdient dieses Große Gewächs Lob. Kostet vergleichsweise bescheidene 22 EUR.  

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