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Sekt vom Verband der traditionellen Flaschengärer

Nachdem die diesjährige ProWein-Champagnerprobe von Sascha Speicher den Blick für die Dosage beim Champagner noch einmal geschärft hatte, ging ich bei den traditionellen Flaschengärern auf die Suche nach weiterem Anschauungsmaterial. Hinter dem sperrigen Namen "Verband der traditionellen Flaschengärer" stecken einige der besten Namen der deutschen Schaumweinszene und dementsprechend spritziges Vergnügen. Nicht alle verkosteten Flaschen hatten nach dem Dégorgement genügend Zeit, die Dosage zu verdauen, einige sehr interessante Verkostungsergebnisse konnte ich trotzdem mitnehmen. Die nachfolgenden Notizen sind allerdings wegen der teils noch nicht ganz eingegliederten Dosage mehr denn je nur als ganz punktuelle Momentaufnahmen zu verstehen.

 

1.

a) Riesling, dég. November 2011

2008er Jahrgang, mit 11,3 g/l dosiert, bei Säure 9 g/l

Ich habe leider ganz vergessen zu fragen, ob der 2008er so wie der 2007er Riesling ganz ohne BSA in die Flasche ging. Auffällig ist nämlich die knackige, strahlklare Rieslingsäure zusammen mit viel weicher, reifer Aprikose. Die für Raumland eigentlich hohe Dosage fällt dankenswerter- und klugerweise überhaupt nicht auf, bei den später dégorgierten Flaschen wird sie wahrscheinlich aufgrund des längeren Hefelagers sowieso wieder sinken. Eine niedrigere Dosage wäre aber für diesen noch jungen problematisch geworden. Neben seiner Eigenschaft als vorbildlicher Rieslingsekt ist er also eine interessante Lektion für jene, die prinzipiell alles über 10 g/l als weichgespült ablehnen.

b) Marie-Luise Blanc de Noirs, dég. November 2011

2008er Jahrgang, PN mit 8,5 g/l dosiert, bei Säure 6,6 g/l

Frisch, jugendlich und schlank, ohne den von mir durchaus geschätzten Babyspeck, mit anderen Worten: mir im Moment ein Spur zu dünn. Muss mit der Zeit noch einige frauliche Kurven zulegen.

c) Katharina Blanc de Noirs, dég. Januar 2012

2006er Jahrgang, PN/PM mit 7,4 g/l dosiert, bei Säure 6,2 g/l

Vielleicht liegts am Meunier, vielleicht am längeren Hefelager, oder einer der vielen anderen Komponenten, die im Wein wirken; fest steht für mich, dass die Katharina mittlerweile einen ausgeprägteren Champagnercharakter als früher hat, mit gleichzeitig sektig-fröhlicher Frucht und ohne jeden störenden Brotton, dafür mit feiner Nuss und dezenter Pudrigkeit. Gefiel mir gegenüber letztem Jahr deutlich besser und ist einer der dringenden Kauftips aus dem Raumland-Portfolio.

d) Blanc de (Pinot) Blancs , dég. November 2011

2007er Jahrgang

Schon mit dem 2004er Weissburgunder war ich nicht ganz glücklich; die schlanke, mineralische, weißburgundisch-säureschwache Art machte mich auch beim 2007er nicht froh. Schuld daran ist aber nicht Volker Raumland, sondern meine gewandelte Einstellung gegenüber dem Weißburgunder als Schaumweintraube. Ich mag sie in dieser Form einfach nicht besonders, sei es im Sekt, sei es im Champagner oder in Schaumwein anderer Herkunft.

e) Blanc et Noir Brut Nature, dég. April 2011

50CH 50PN, mit 2 g/l RZ, bei Säure 6,3 g/l

Vor einem Jahr habe ich nach meiner Erinnerung erstmals die Cuvée Blanc et Noir getrunken und fand sie da als Einstieg in eine breit angelegte Champagnerprobe bestens geeignet. Nach angemessener Ruhezeit in der Flasche fand ich den Blanc et Noir diesmal wieder sehr gelungen. Saftig und rund, mit Honig, Nuss und Brioche, unter den bisherigen Sekten zusammen mit der Katharina der champagnerigste, überragt nur noch vom Triumvirat. Interessant dabei finde ich, dass Katharina, dieser hier und Triumvirat bei einem zwar vergleichsweise niedrigen aber identischem Säurewert von 6,2 g/l immerhin von 3, bzw. ganzen 5 g/l Dosagezucker getrennt werden.

f) V. Triumvirat 2005, dég. November 2011

PN/PM/CH, mit 5,5 g/l RZ, bei Säure 6,2 g/l

Seit dem I. Triumvirat 2001 verfolge ich die Triumvirate im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten durch die Jahre. Meine gesammelten Eindrücke sind positiv. Jedes Triumvirat ist bislang eine Steigerung gegenüber dem vorherigen gewesen und dabei ist schon das I. Triumvirat wie ein deus ex machina von oben in den deutschen Sektmarkt eingestiegen. Das V. Triumvirat ist voluminös, aber nicht fett, komplex und mit einer aus allen Rebeigenschaften der drei verwendeten Rebsorten zusammengewachsenen Aromenfülle: rote Früchte vom Pinot Noir, grüne und gelbe vom Meunier, etwas Apfel vom Chardonnay, Räucherspeck und Mineralität, dazu sanft mitschwingende Säure. Wahrscheinlich ist es die schönste Genugtuung für einen Kellermeister, wenn der Plan einer Cuvée so haargenau aufgeht, wie hier.

 

2. Reinecker

Im Jahr 1987 begann Herbert Reinecker mit der Herstellung seiner Auggener Spitzensekte. Handlese versteht sich dabei von selbst, die Trauben kommen unversehrt auf die Kelter und werden nach Lagen getrennt, teilweise in alten Eichenfässern, vinifiziert.

a) Riesling Brut

In Auggen ist der Riesling nicht gerade die tonangebende Rebsorte. Gerade für die Versektung dürften die wenigen dort wachsenden Rieslinge kaum je in Frage kommen. Bei Reinecker gibt es trotzdem Rieslingsekt, guten zumal. Rasse und Schwung sind nicht seine Stärke, er ist eher von gemütlicher, aber nicht behäbiger Art, mit viel eingelegter Aprikose und saftigem, vollreifem Pfirsich, etwas Bonbon ist noch dabei, bestimmt ein Resultat notwendiger kalter Gärführung.

b) Pinot Brut Blanc de Noirs

PN/PM

Für einen Pinotsekt aus den beiden Champagnerpinotrebsorten wirkt er eher leichtgewichtig; rund und gefällig, wie die meisten im Marnetal mit ähnlicher Rebsortenmischung hergestellten Champagner auch sind. Denen gegenüber fehlt es hier an Säure, Struktur und Gewicht, unter Sektgesichtspunkten ist der Blanc de Noirs von Reinecker bei den vollmundigeren Vertretern einzuordnen.

c) Baden Crémant Brut

SB/PB/CH

Vom Sauvignon-Blanc kommt wahrscheinlich der in diesem Sekt vorhandene Methoxypyrazinanteil, das Marienkäferaroma, bzw. die merkliche grüne Paprikanote. Mich stört das im Sekt regelmäßig, weil es ein herrschsüchtiges Aroma ist, neben dem sich andere kaum richtig entfalten können. Wenn die Rebsortenpartner wie hier Weißburgunder und Chardonnay heißen, ist von ihnen in der Jugendphase des Sekts außerdem kein bestimmender Aromenbeitrag zu erwarten. Wer sich damit nicht so schwertut wie ich, wird die grünlich-vergetabilen, aber nicht unreif wirkenden Aromaassoziationen des Sauvignon-Blanc als willkommene Bereicherung begrüßen, im Basiscrémant von Reinecker halten sich diese Noten zum Glück noch im Zaum. Säure zeigt sich nicht.

d) Chardonnay Brut

Druckvoll und klar, mit einer an unberabeiteten Marmor erinnernden Textur. Jetzt sicher zu jung.

e) Cuvée Classic Brut

50-60CH im kleinen Holzfass vergoren und ausgebaut, PN/PM, alle aus selektierten Lagen; 36 Monate Hefelager.

Mein Liebling aus dem Reinecker-Sortiment, jetzt offenbar mit neuem, leider nicht mehr so schön schlichtem Etikett. Spritzigkeit und Strukturiertheit schließen einander hier nicht aus, der Wein ist gelbfruchtig, mit exotischen Anklängen, dabei unverkitscht; eingerahmt von rotfruchtigen Aromen. Präzis den Zungenrand entlang geführt, engmaschig und mit einer sich in Form von gerösteter Brotrinde ankündigenden Empfehlung für feine Reife.

f) Rosé Brut

PN/CH und ein Schuß von nur 1-2% Rotwein

Helle Zwiebelschalenfarbe. Herb und kräftig, dabei erstaunlich säurearm, was ich eigentlich nicht besonders mag. Von seiner Art her erinnert er mich ganz entfernt an den Rosé von Giraud, der trotz seiner zarten Färbung so unerwartet herb ist. Was dem Reinecker-Rosé an merklicher Säure fehlt, gleicht er offenbar mit dem Tanninanteil aus dem Rotwein aus. Für mich zusammen mit dem für die Gegend untypischen Riesling auf einer Stufe direkt nach der Cuvée Classic.

 

3. Gebrüder Simon, Sektgut Ingo Simon

Die Gebrüder Simon sind seit der letzten Betriebsübergabe im Jahr 2004 das Firmendach für Familiensproß Ingo Simons 1993 gegründete Sektmanufaktur, die von der verdienstreichen Kiki Pfitzer aus dem Markgräfler Land unterstützt wird. Der Moselsekt von Gebr. Simons Sektgut Ingo Simon ist für um die 8,50 €/Fl. zu haben, wenn er denn mal zu haben ist. Zu haben ist er aber nicht immer, denn dass aus Lösnich guter Sekt kommt, ist weithin bekannt, der Betrieb deshalb jedes Jahr ausverkauft. Handrémuage und Handdégorgement sind hier noch üblich. Einen guten Namen hat der Betrieb sich auch als Lohnversekter erworben (Kunden sind u.a. so renommierte Güter wie Bergdolt, Minges und Franzen). Die verkosteten Sekte sind alle frisch, d.h. Anfang Februar dégorgiert.

a) Riesling Brut

Grundwein aus dem Ürziger Würzgarten und dem Erdener Treppchen, spontan vergoren und kurz im Fuder gelagert. Eisweindosage.

Quirliger und sehr beweglicher, sympathischer, schlanker, ephebenhafter Moselriesling mit reifer Frucht, Apfel, Hagebuttentee, Pampelmuse, lang nachklingendem Mineral und lippenleckender Säure.

b) Pinot Brut Blanc de Noirs

In der Nase etwas verhaltener als der Riesling, auch am Gaumen kein solcher Schnellstarter. Hellere Früchte als beim Riesling stellen sich paradoxerweise im Laufe der Verkostung ein und dann bildet sich zum Abschluss noch eine fast kristalline Salzigkeit heraus. Sehr behutsam gemachter Sekt, dem man mit Freude nachspüren kann.

c) Pinot Cuvée

PN, PM, PB, überwiegend aus Lösnicher und Erdener Steillagen. Kurze Zeit im Holz ausgebaut.

Allerlei apfelige Töne spielen hier eine tragende Rolle, dazu kommt eine wahrscheinlich von den roten Rebsorten herrührende Griffigkeit und Nachhaltigkeit, die einen andeutungsweise bierhefigen Nebenton nicht anklagend in die Ecke stellt, sondern als Ausläufer in das Gesamtbild einbezieht.

d) Riesling Brut

Erdener Treppchen, Lösnicher Försterlay, Kinheimer Rosenberg. Kurz im Fuder. Auslesedosage.

Bei diesem Sekt mag es die Gefahr allzu bonboniger Mostigkeit und vorgeblicher Rieslingfrucht in der Cuvée gegeben haben, zum Glück hat sie sich nicht realisiert. Der Sekt ist nur besonders süffig geraten, meiner Meinung nach sogar mit einem gewissen Archetypcharakter für den Moselrieslingsekt. Mein Favorit im Sortiment des Guts.

 

4. Sekthaus Solter

Der Grundwein für den Sekt von Solter kommt aus Rüdesheimer und Assmannshäuser Steillagen, aus Lorch, Geisenheim, Johannisberg, Hochheim und Winkel, teilweise kommen die Burgunderrebsorten auch vom Kaiserstuhl.

a) Riesling Sekt Brut

Riesling vom Berg Roseneck, 2007er Jahrgang, mit 11,9 g/l RZ , bei Säure 7,8 g/l

Üppiger Rheingauer Riesling, der vollmundige Sahnigkeit mit räucherigem Mineral paart. Bestimmte, aber nicht bestimmende Säure, passende Dosage; Rüdesheim hautnah.

b) Blanc de Blancs Brut

50% Grauburgunder vom Kaiserstuhl und 50% Weißburgunder, mit 2,1 g/l RZ, bei Säure 6,3 g/l

Nach dem schwungvollen Rieslingauftakt hatte es der weichere Burgundersekt schwer, sich durchzusetzen. Er zeichnete sich aber durch Beharrlichkeit aus. Sein niedriger Restzuckergehalt war da ganz hilfreich, die reifen, holzfassverfeinerten Grauburgundertöne und der schlanke Weißburgunder erwiesen sich als gut eingespieltes Team und ergeben zusammen einen runden, schmeichelnden Sekt.

c) Pinot Cuvée

2006er Bischoffinger Grundweine, 50% Spätburgunder 30% Weißburgunder 20% Grauburgunder, mit 4,1 g/l RZ, bei Säure 6,3 g/l

Ob er vom Fassausbau her so buttrig geraten ist, der BSA etwas lange gedauert hat, Oxidation ein Rolle spielt oder was nun die eigentlich Ursache für den Diacetylton in diesem Sekt ist, kann ich natürlich nicht aufklären; das ist sowieso nicht meine Aufgabe. Ich kann nur sagen, dass ich eine leichte Buttrigkeit ganz charmant finde, vor allem wenn sie mit Mandelmilch und einer zarten Kokossplitternase einhergeht, die allerdings tatsächlich vom Holz kommen dürfte. Sonst ist der Sekt mildfruchtig und von robuster Struktur.

d) Pinot Noir Rosé Lilly

Mazerationsrosé mit Pinot Noirs aus dem Rheingau und vom Kaiserstuhl, mit 10,3 g/l RZ, bei Säure 7,5 g/l

Spritziger, frecher Oeuil de Perdrix. Acerola, Rhabarber, Himbeere. Eine Säure fast schon auf Rieslingniveau, die eine entsprechende Dosage erfordert. Mit 10,3 g/l ist der Sekt gut eingestellt und fit nicht nur für die anstehenden Erdbeergelage, sondern auch für Ziegenfrischkäse und längere Flaschenreife.

 

5. Winterling

In Niederkirchen nächst Deidesheim sind die Winterlinge auf ca. 10 ha zu Hause. Seit 1982 besteht das Wein- und Sektgut. Seit 2008 wird ökologischer Weinbau betrieben. Riesling, Spätburgunder, Weißburgunder und Chardonnay werden von Hand gelesen, unversehrt gepresst und vinifziert, bei der Flaschengärung bleiben die Weine möglichst lang auf der Hefe. Der Riesling erhält eine Dosage zwischen 11-12 g/l, die anderen verkosteten Sekte liegen bei 8-9 g/l.

a) Riesling Brut Ruppertsberger Reiterpfad 2010

Vornehmer Pfalzriesling, ein echter Lagensekt, wie man ihn aus dem Rheingau von Schloss Vaux oder Solter, an der Mosel mit vergleichbarer Typizität bei den Flaschengärkollegen von Simon bekommt. Quitte, Boskoop, Kombava, festgewirkt, stoffig, gut.

b) Blanc de Blancs Brut 2010

100CH

Nicht so angetan war ich von dem etwas langweiligen Chardonnay. Hauptsächlich Apfel, ein Touch Nelke, ganz leicht stechender Pfeffer, mit der lebhaften Säure ein durchaus aparter Mix, aber im Moment leider nicht viel mehr als das. Vielleicht ist der Sekt auch noch zu jung, schließlich hat er gerade mal zwölf Monate in der Flasche zugebracht. Spätere Dégorgements oder mehr Flaschenreife müssten die jugendliche Unzulänglichkeit dann ausgleichen.

c) Pinot Rosé Brut 2010

Assemblagerosé.

"The lipstick on his collar/doesn't seem to match mine" – Caro Emerald hat genau diesen Pinot Rosé in Amsterdam kennengelernt, seither ist er ihr fester Begleiter, richtigerweise als Magnum. Zumindest die Farbe in ihrem Glas ist also genau die richtige. Die Probleme des 2010er BdB sind dem Rosé fremd. So vollweibhaft, köperlich und gegenwärtig wie die Musik von Caro Emerald und so gekonnt wie ihr Mix aus Swing, Mambo und Jenesaisquoi ist der dazu passende Rosé von Winterling, kein Wunder also, dass die Sängerin begeistert von diesem Sekt ist. Im Glas ist er vor allem von einer sämigen Erdbeerfruchtigkeit. Der Sekt kommt außerdem ohne die sich häufig ungefragt dazugesellenden Schokoladenaromen aus und wirkt dadurch besonders pur. Auch an weinigem Subkontext mangelt es ihm nicht, das hebt ihn über die Gruppe der no-brainer Rosés hinaus.

d) La Coulée d'Or Brut 2007

Drittelmix wie in der Champagne, Klone und Beratung beziehen die Winterlinge aus Frankreich. Genauer: aus der Champagne. Von Goutorbe in Ay, um ganz genau zu sein. Champagnerfreunde sind vielleicht mit den Champagnern von Henri Goutorbe vertraut oder kennen die Familie wegen der Terres et Vins de Champagne Verkostungen im Castel Jeanson von Goutorbe. Fassgärung und -ausbau des Coulée d'Or finden in alten Fässern von Rousseau aus dem Burgund statt, gefolgt von 36 Monaten Hefelager. Das ergibt kräftigen Sekt mit Winzerchampagnercharakter und burgundischem Naturell. Hauchweise Cognac, feste Säure, Volumen und Kraft. Gebrannte Mandeln, Torrone, Nougat, Walnuss, Zwetschgenröster. Für 12,50 €/Fl. unbedingt kaufen!

 

6. Sektgut St. Laurentiushof Klaus Herres

Der langjährige Lieferant des Bundespräsidenten und des schwedischen Königshauses ist in Leiwen, der Partnergemeinde von Le-Mesnil zu Hause. Das verpflichtet. Erste Erfahrungen mit der Schaumweinbereitung hat Klaus Herres im Chardonnay-Epizentrum deshalb direkt in der Champagne gesammelt. Im heimischen Keller durchlief seine eigene Schaumweinbereitung 300 Jahre Champagnergeschichte im Schnelldurchlauf, insbesondere den ärgerlichen Teil mit den explodierenden Flaschen. Seit Anfang der Neunziger ist das Sektgut in der Spitze der deutschen Flaschengärer verankert.

a) Crémant Extra brut 2009, dég. Ende Februar 2012

PN/CH/R, mit 4 g/l dosiert.

Keinerlei Integrationsprobleme mit der kürzlich erfolgten niedrigen, daher insoweit unproblematischen Dosage. Unabhängig davon ist der Crémant Extra Brut ein luftbedürftiger, sehr kultivierter Sekt mit zitrusfruchtiger Nase, reichem Blumenduft, crèmigem Mundgefühl und klarem Abgang.

b) Crémant Brut 2009

PN/CH/R, mit 8,9 g/l dosiert.

Dem Extra Brut sehr ähnlich, aber gefälliger, süffiger. Abzüge nimmt der Crémant Brut gegenüber dem extra Brut bei Dichte und Mineralität vor, dafür gibt es Zugewinn im Fruchtspektrum.

c) Riesling Brut 2008

Mit 12,7 g/l dosiert.

Hier zeichnet sich der Riesling so klar ab, wie Schamteile unterm Wicked Weasel Bikini. Dazu kommt betäubendes Blumenparfum, Aprikose, Pfirsich und eine beginnende Reifenote. Die Säure hält sich in Grenzen.

d) Riesling Brut 2009

Frischer, frecher, schlanker, rutschiger als der 2008er Riesling, mit nicht ganz so viel ausgeprägter Aprikosenspalte und mir daher eine Spur lieber, ja ich muss sogar sagen, das ist mein Lieblingslaurentiussekt.

e) Chardonnay Brut 2009

mit 11,9 g/l dosiert.

Rund und gelbfruchtig, vom Quittenmus bis zum gelben Paprikaconfit ist alles dabei, Apfel spielt keine so große Rolle, Säure auch nicht.

f) St. Laurent Blanc de Noirs Brut 2008

Sehr hell ist dieser St. Laurent Blanc de Noirs geraten, die bloße Farbe verrät hier nocht nichts über die Rebsorte. Die Nase auch nicht. Im Mund ist der Sekt sehr weich, fast flaumig, quasi säurelos und mir kommt er ziemlich lahm vor.

g) Cuvée Nadine Spätburgunder Rosé Brut 2009

Mit 10,2 g/l dosiert.

Der Spätburgunder Rosé ist nach einer niedlichen Eröffnung mit Milchbrötchen und Schokoraspeln zunehmend kräftig und bildet einen Strudel herbstlicher, kräuteriger Aromen um die im Zentrum stehende verwegen wirkende Erdbeere, die sich nach geschmorter Rehkeule sehnt. Kostet gerade mal 11,50 €/Fl.

 

7. Sektkellerei Martinushof

Niederkirchen ist ein gutes Sektpflaster. Familie Reinhardt fertigt dort seit 2001 Schaumwein, nachdem der Sekt ab 1991/92 zunächst nur für den Ausschank auf der eigenen Hochzeit hergestellt wurde, sich dann aber immer mehr zum Zugpferd entwickelte und schließlich den Umzug in den Martinushof erforderte. Eine Hefelager von mindestens zwölf Monaten haben die hier hergestellten Sekte, produziert werden sie mit Gerätschaften aus der Champagne. Medaillen und Prämierungsbapperl kommen nicht auf die Flaschen, obwohl reichlich Auszeichnungen vorhanden sind. Die Preise liegen größtenteils unter 10,00 €/Fl.

a) Riesling Extra Brut 2010

Pfälzer Signatur, wie mit dem Stempel prägen sich Apfel, Pfirsich und Mango auf die Zunge.

b) Riesling Brut 2010

Der Zucker holt aus dem Riesling noch Stachelbeere und gelbe Johannisbeere heraus, die Unterschiede zwischen beiden sind so fein nuanciert, dass ich keinem von beiden den Vorzug geben könnte. Der Brut ist aber aus mir nicht erfindlichen Grund mit 8,30 €/Fl. um 0,50 € günstiger als der Extra Brut.

c) Crémant Brut 2010

100PN

Rund, weich und finessereich, mit einer delikaten Burgundersäure und zartem Schmelz; leider lässt sich die Säure nach nur kurzem Gefecht von der etwas mächtigeren Fruchtigkeit an den Rand drängen. Das macht den Crémant zwar süffig, aber ein ganz kleines bisschen mutigere Säure hätte ihm mehr Spannung verliehen.

d) Chardonnay Brut 2009

Mir zu süß und verwaschen.

e) Pinot Rosé Brut 2010

75PN 25PM

Auch dieser an sich schöne Marnetalmix leidet meiner Meinung nach unter zu viel Zucker. Mehr als rotes Bonbon konnte ich nicht wahrnehmen.

f) Sauvignon Blanc Brut Nature 2010

Gras, Kräuter, grüne Paprika, auf den ersten blinden Schluck ein richtig guter Neuseeländer. Harte, aber nicht aggressive Säure, die nach der ersten Mundattacke den saftigen Charakter besonders kontrastreich wirken lässt.  

Wein-Glossar



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