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Tag Archives: agrapart

Terres et Vins de Champagne: Leclapart, Laval, Agrapart

Leclapart

Artiste 2008er Basis, vollmundig, fett, reif und stark

Apôtre 2007er Basis, behäbiger als der Artiste

Alchimiste 2008er Basis, nachdem der erste Mief verstunken ist, zeigt sich ein rassiger Champagner, der mir von allen Alchimisten bisher am besten gefiel

 

Laval

Brut Nature Premier Cru 2010er Basis, selten einen Brut Nature mit so viel Substanz getrunken

Brut Premier Cru 2008er Basis, geweitet und aufgespreizt, jahrgangs- und dosagebedingt.

Hautes Chèvres Pinot Meunier vs. Longues Violes Pinot Noir, die ersteren oben am Berg, die zweitgenannten direkt darunter. Viel mehr Säure und Konzentration beim Pinot Noir, aber auch eine gefährliche Schwergewichtbildung dadurch. Ein Kandidat für die lange Kellerlagerung.

 

Agrapart

Mineral 2007er Basis, weich und fast schokoladig wirkte der Mineral, mit mildgesalzener Butter und getrockneten Apfelstückchen, von den sonst üblichen Blumen, Kräutern und vor allem von der geschätzten Säure habe ich nur wenig vernommen.

Avizoise 2007er Basis, scharfe Kanten, kein Schoko, weniger Süßwarenladen, mehr Epicerie, mehr Kreide und Stein.

Venus 2007er Basis, Harmonie, Kraft und Kontrolle; Heu, Gras, reifes Obst, Hagebitte, Quitte, ein ganzer Sommer auf dem Lande, zusammengefasst in wenige Deziliter.

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Ein Traum in weiß: schöne Chardonnay-Champagner

Es gibt nichts schlimmeres, als einen durchschnittlich guten Blanc de Blancs. Das ist eines der wenigen Weistümer, die ich auf meiner Âventiure des Champagners erlangt habe. Das Thema Blanc de Blancs Champagner ist so ausgelutscht, fad und arg, dass man damit wirklich niemanden mehr belästigen mag. Und doch finden sich immer wieder Mutige, die es auf sich nehmen, die letzte, nein allerletzte Facette zu erspüren. Sascha Speicher vom Meininger Verlag ist zB so einer.

Aus meiner Tirade nehme ich, das vorweg, die Blanc de Blancs aus, die unter Beteiligung der alten Rebsorten entstanden sind, also alles, was mit Pinot Blanc, Arbane, Petit Meslier oder gar Pinot Gris zu tun hat. Mein Verdikt gilt nur für die – mengenmäßig ohnehin allein maßgeblichen – Chardonnaychampagner. 

Warum eigentlich ist denn nun also Blanc de Blancs Champagner so schlimm? Oder anders, was ist schlimm daran, Blanc de Blancs gut zu finden? Der Reihe nach. Blanc de Blancs sind an sich gar nicht schlimm. Schlimm ist nur die Verwahrlosung, die in diesem Champagnersegment herrscht. Die Einfalls- und Mutlosigkeit, die Mentalität des "lieber sicher als gut", die einlullende Überformung des antizipierten Massengeschmacks. Das ist schlimm am durchschnittlichen Blanc de Blancs. Über die dazu noch handwerklich schlecht geratenen Exemplare brauche ich mich gar nicht auszulassen und habe da nichts abzuarbeiten, darum geht es mir auch gar nicht. Zur zweiten Frage: warum darf man Durchschnittschampagner nicht gut finden? Antwort: dochdoch, man darf, aber man braucht darüber nicht groß palavern. Im besten Sinne (be)merkenswerte Champagner sind das nicht. Trinken und vergessen reicht völlig. Nur wenn es um mehr gehen soll, als gewohnheitsmäßig in Trab gehaltenen alkoholischen Metabolismus oder Champagner als reflexhaft geordertes Abschleppgetränk für Menschen, die Cliché für ihren höchstpersönlichen Geschmack halten oder rundheraus jede Entscheidung als Geschmackssache, in Sachen Wein und Champagner besser bekannt als "schmeckt mir oder schmeckt mir nicht"-Antwort, patziger noch: " mir schmeckt er halt", zu Tode relativieren – dann, ja dann wird es interessant. Nur ist das Eis in dieser Region sehr dünn. So dünn, dass es für die meisten nur aus der Ferne zu betrachten ist und dementsprechend verfälscht ist dann auch die mehr oder weniger sachunkundige Einschätzung.

Einige Champagner, die eine Betrachtung aus der Nähe lohnen, sind diese hier. Es sind nicht unbedingt die ultrararen oder ultrateuren Champagner oder förmliche unicorn wines, wie man so schön sagt, aber es sind Champagner, die Beschäftigung bieten und die man haben wollen muss.

1.a) Eric Rodez Blanc de Blancs Brut

Eric Rodez hier, Eric Rodez da, Eric Rodez überall. Seit Jahren hat der Mann bei mir einen festen Platz im Champagnerherz und muss deshalb immer wieder als Paradewinzer herhalten, wenn es um rebsortenreine Champagner, Multi Vintage und Kunst der Assemblage geht. Denn das kann er wie kaum ein anderer, ohne dass er dabei verschreckend oder verstörend wirkt. Man kommt sich bei ihm nicht vor wie bei einem irren Sektierer und allein schon für dieses gute Gefühl hat er meine Wertschätzung. Als Blanc de Blancs ist eigentlich der Einsteiger von Rodez schon hinreißend genug, noch verrückter wird es erst mit den Empreinte de Terroir Chardonnays, von denen sich jetzt noch einige 1999er am Markt befinden und der aktuelle 2003er, die gleichermaßen obergeil sind.

Bei dieser Gelegenheit weise ich gleich noch auf drei Champagner hin, die ebenfalls Aufmerksamkeit verdient haben und sich in gewisser Hinsicht sehr ähnlich sind:

– Regis Fliniaux Blanc de Blancs d'Ay Grand Cru NV, Regis ist in der Dorfmitte zu Hause und leider immer ausverkauft, aber wenn man beharrlich genug in seinem Minimuseum stehen bleibt und etwas zu kaufen verlangt, degorgiert er ggf. spontan was weg und stattet die Flaschen mit ihren Etiketten aus. Der Blanc de Blancs aus ay ist eine Seltenheit, weil in diesem Ort niemand Sinn für Chardonnay hat, alles stürzt sich verständlicherweise auf den Pinot. Dabei sind die Chardonnays von hier so herrlich eigenständig und beweisen mit ihrer typischen Aromatik beste Herkunft, da ist es ein Jammer, dass nicht mehr Winzer Blanc de Blancs d'Ay produzieren.

– Gaston Chiquet Blanc de Blancs d'Ay Grand Cru NV, wenn man Chiquet hört, denkt man schnell nur an die Chiquet-Brüder, die Jacquesson leiten und in immer neue Sphären heben. Aber Gaston Chiquet, wenige Meter daneben, ist immer gut für einen tiefen Schluck aus der Pulle. Sein Blanc de Blancs d'Ay gehört zu den ältesten, wenn es nicht sogar gleich ganz der erste ist.  

– Lallier, der einstige Kellermeister von Deutz & Geldermann, ist als Dritter im Bunde in Ay ansässig und macht einen Blanc de Blancs, der zu 70% Chardonnay aus den Dorflagen enthält und 30% aus der Côte des Blancs. Das hievt in nicht in ganz dieselbe Schiene wie die anderen beiden, aber ist auf jeden Fall probierenswert, um Erkenntnisse abseits des Massenchardonnays zu sammeln. 

2. Agrapart Minéral Blanc de Blancs Grand Cru Extra Brut 2005

Ein anderer Winzer aus dem Spitzensegment und einer der großen Avize-Winzer ist Pascal Agrapart, der unermüdlich an neuen Cuvées arbeitet. Wie bei Rodez kursieren vom Minéral derzeit zwei Jahrgänge, 2005 und 2007; der Verzihz auf BSA gibt dem Chardonnay sehr viel Schwung mit, wobei dem kräuterigen Apfelaroma Sahnigkeit und edle Herbe kunstvoll zur Seite gestellt sind.  

3. de Sousa Cuvée des Caudalies Blanc de Blancs Grand Cru Brut

Der dritte große Avize-Winzer, der sofort die Synapsen besetzt, wenn von dem Örtchen die Rede ist, ist Erick de Sousa, der als einer der ersten den Schritt zur Aufspaltung gegangen ist und unter seinem Namen die Winzertradition, das berühmte "RM" hochhält, während unter dem Label Zoémie de Sousa zugekaufte Trauben vinifiziert werden. Seine Cuvée des Caudalies ohne Jahrgang ist ein Klassiker der réserve perpetuelle und hat mir schon vor Jahren ein in mehreren Varianten erlebbares Paradoxon vor Augen geführt, nämlich das von Reife und Jugend im selben Champagner.  – man erlebt das sonst noch bei Spätdégorgements – überspitzt ausgedrückt –  in Form eines unerhörten Säureangriffs, dem dann unvermittelt wohltuende Tertiäraromen folgen. Bei der Cuvée des Caudalies ist es die besondere Solera-Weichheit, die den Champagner trotz seiner knackigen Säure so eindrucksvoll wirken lässt.  

4. Jacques Lassaigne Le Cotet Blanc de Blancs Extra Brut

Montgueux und die Winzer dieses Champagner-Tafelbergs, das ist per se schon etwas besonderes. Die Lage als südlichster Ausläufer der Côte des Blancs ist natürlich exponiert bis exotisch und so verblüfft es nicht, wenn sich einige der ansässigen Montgueuxwinzer von der fruchtigen Ausdrucksstärke ihrer Chardonnays dazu verführen lassen, allzu banale Weinchen zu vinifizieren, womöglich in der Hoffnung, bloßes Aroma könnte den entscheidenden Vorsprung garantieren. So ist es nämlich nicht. Im Gegenteil, das Aroma will korrekt geführt werden, sonst fasert es aus und macht den Wein lächerlich. Emmanuel Lassaigne ist einer, der das weiß und kann. Seine Champagner wirken puristisch und kompromisslos, auch salzig und gar nicht unbedingt wie Aromenschwergewichte. Aber Lassaigne geht mit dem großen Aromenvorrat, den ihm der Berg anvertraut um, wie der Bäcker mit dem Teig. Er knetet ihn gehörig und walzt ihn geschickt aus, am Ende steht kein dicker Klumpen mehr, sondern präzis ausgestochene Formen.

5. Rafael & Vincent Bérèche Côte Grand Cru Blanc de Blancs Extra Brut 2002

Bei Bérèche und kürzlich auch bei Janisson-Baradon hat sich dieselbe Entwicklung vollzogen, wie bei Agrapart, ein Teil der Produktion bleibt "RM", ein anderer wird "NM". Der Côte von Bérèche stammt aus der NM-Linie. Das macht ihn nicht schlechter, ganz im Gegenteil. Der Chardonnay für den Côte stammt großteils aus Cramant, der Ort ist bekannt für Ausgewogenheit und die Vereinigung aller Stärken der umliegenden Grand Crus. Ausgewogenheit ist deshalb bei diesem Champagner auch das Hauptstichwort. Die Säure ist zurückhaltender, Apfel, Nüsse und Brioche sind da, aber bleiben dem Rampenlicht fern. Und das ist klug, denn durch die marktschreierische Art, mit der diese typischen Aromen immer wieder an den Mann gebracht werden, gewinnt man keine Freunde. Die Textur ist seidig, fast hätte ich gesagt mehlig, denn kurz hatte ich den Eindruck, aber das teigige Element findet sich hier allerhöchstens in Form einer Erinnerung an Laugenbrezeln. 

6. Bruno Paillard Blanc de Blancs Brut 2004

Die gewaltige Ernte des Jahrgangs 2004 hat uns Champagner beschert, die von manchen mindestens auf dem Nioveau von 2002 gesehen werden, von manchen aber auch als gefährlich substanzschwach, ja dünn bis wässrig gesehen werden. Die Gefahr mangelnder Konzentration sehe ich beim 2004er Chardonnay von Bruno Paillard nicht. Er wirkt etwas fetter sogar, als der Côte von Bérèche, aber das mag eine Dosagefrage sein.

7. Duval-Leroy Blanc de Blancs Brut Nature 2002

Nussig, reif, mit Hefezopf und einem dezenten Holzeinfluss präsentiert sich der Chardonnay Brut Nature aus dem Duval-Leroy, das vor allem wegen seiner exquisiten Authentis-Champagner bekannt ist und das ich wegen der Femme de Champagne genannten Spitzencuvée schätze, die es jetzt auch als Rosé gibt. Der Chardonnay in undosierter Form ist recht neu und Zugeständnis an den dorthin drängenden Markt, sofern man bei der als brut nature insgesamt verkauften Menge an Champagner überhaupt von einem richtigen Markt reden kann. Jedenfalls aber ist dieser Champagner ein Bekenntnis in Richtung der Winzer, die damit angefangen haben, Einzelmerkmale vor Kontinuität im Geschmack zu setzen. Sahnig und reif, mit viel gelber Frucht schließt dieser untypische Champagner.  

8. Taittinger Comtes de Champagne Blanc de Blancs Brut 2005

Die Aromenklassiker Nuss, Hefe, Toast und Apfel haben diesen Champagner zu recht berühmt gemacht und unter den Chardonnay-Prestigecuvées gehört er zum nicht wegzudenkenden Inventar. Besonders, wenn er seine zwanzig oder fünfundzwanzig Jahre hinter sich gebracht hat, wobei ich mich mit wohligem Schaudern an den 1994er Comtes de Champagne erinnere, den ich technisch für toto und in einer Probe nur als Kuriosum hätte betrachten wollen, der dann aber so aufdrehte, dass ich mich über meine voreilige Einschätzung richtig geärgert und umso mehr am Champagner gelabt habe. Zurück zum 2005er, der seinen Reiz von Currystraucharomen, Safran, Zimtblatt, Muscovado und trotz all der Orientalik einer kreuzfahrerischen Gemütsruhe und kühlen Ausstrahlung bezieht. Er wirkt und ist süßer als die Chardonnays der Winzer, aber meiner Liebe tut das keinen Abbruch.  

9. Ruinart Dom Ruinart Blanc de Blancs Brut 2002

Zusammen mit dem Comtes de Champagne und dem Blanc de Millénaires von Charles Heidsieck ist das wahrscheinlich einer der größten Chardonnaychampagner, die man von einem Erzeuger dieser Größenordnung bekommen kann. Er gehört schon kurz nach der Freigabe zu den würzigsten, auch am mutigsten mit Röstaromen versehenen Champagnern, bleibt aber dank des verschwenderischen Einsatzes von Butterschmalz, Hagelzucker, Macadamia, Pekan- und Paranuss, einer glanzvollen Parade unterschiedlichster Apfelsorten und dank seiner enormen Durchzugskraft nicht stehen, sondern spurtet unermüdlich und raubkatzenhaft über den Gaumen. 

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Terres et Vins de Champagne (I/III)

 

Terres et Vins de Champagne

I. Olivier Horiot

Seit 2000 ist Olivier Horiot in Les Riceys zugange. Parzellengenaue Vinifikation im Holzfass, einjähriges Ruhen auf der Feinhefe, Spielerei mit alten Rebsorten, hier gibt es für Olivier Horiot noch vieles zu entdecken und zu erfahren. Die erste Zusammenkunft mit Champagne Horiot hatte mich noch nicht begeistert, daher war ich gespannt auf seinen zweiten Auftritt.

Vins Clairs:

1. Pinot Noir, en Barmont, 2008

Duftige Nase, Veilchen und Lakritz im Einklang, etwas Pillenbox, merkliche Säure

2. 100PN Mazerationsrosé

Gut stoffiger Beuajolaischarakter mit einem gewissen noch nicht störenden Restprickeln

3. 100PN Coteaux Champenois

Leichter, etwas flacher Burgunder

Champagner:

1. Sève, En Barmont Blanc

Eieiei, hier wieder dominante Pillenbox, medizinaler, etwas künstlicher, an Plastik erinnernder Ton. Nicht besonders schön

2. 5 Sens

Frische Säure, auch wieder etwas medizinal, mit Noten von angestaubtem Trockenkräutersträußchen

3. Sève, En Barmont Rosé

Deutlich ausgeprägte Noten von Rosmarin und Thymian, im Mund erst wässrig, bevor er sich dann über eine leichte Mehligkeit verfestigt, sämig wird und einen mandeligen Eindruck hinterlässt

 

II. Pascal Agrapart

Einer der ersten Champagnerwinzer, die den Weinberg wieder mit Pferdchen zu bearbeiten begonnen haben und eine feste Größe unter den Chardonnaykönnern.

Vins Clairs:

1. Minéral

Leichter Böckser, der sich in eine metallische Richtung weiterentwickelt und mild mit Zitronenmelisse ausgleitet

2. Avizoise

Mineralisch, räucherig, erstaunlich glatt und bartlos, gut trinkbar

3. Vénus

Straff, raumfordernd und muskulös, dabei entsprechend dem Pferdchennaturell von sanftem Temperament, wenngleich durchaus fordernd am Gaumen

Champagner:

1. Minéral

Mit 4 g/l dosiert, schwankt er zwischen leichter Brettigkeit, bleibt dnn zwischen brotig und saftig liegen.

2. Avizoise

Ebenfalls mit 4 g/l dosiert, von Beginn an bestimmter, klarer, und deutlich zitrusfrischer als der Minéral.

3. Vénus Zéro Dosage

Sanft, glatt und gediegen, zeigt sich hier, dass das mit dem Pferdchennaturell so weit von der Wahrheit gar nicht entfernt liegt. Kraft und Beständigkeit zeichnen den Champagner schon jetzt aus und es ist abzusehen, dass er sich im Laufe seiner Entwicklung nicht aus der Bahn werfen lässt.

 

III. Francoise Bedel

Tief im Westen, wo die Meunier zu Hause ist, ist auch Madame Bedel, die mit Nachnamen auch Meunier heißen könnte, zu Hause. Ihre Champagner gehören bei jeder Biochampagnerverkostung zum festen Inventar.

Vins Clairs:

1. Chardonnay

Saftig und geradezu limonadig, erfrischende Säure auf mittlerem Niveau.

2. Pinot Meunier aus dem Stahltank

Mild und fruchtig, fast schon süßlich.

3. Pinot Meunier aus dem Barrique

Wenig spürbares Holz, vordergründig eher eher Kräuter und Grapefruit, mehr Struktur als der Meunier aus dem Stahltank, zudem stärker ausgeprägte Brotnase und deutlicher Luftton.

Champagner:

1. Entre Ciel et Terre Brut 2002

100PM

Verbene, Limette, grüne Noten, aber auch waldige Elemente und Wacholder. Fein, für einen reinen Meunier auch nicht unelegant.

2. L'Âme de la Terre Extra Brut 2003

67PM 17PN 7CH, mit 3 g/l dosiert.

Runder und hrmonischer als der Entre Ciel et Terre, obwohl geringer dosiert, was auf Pinot Noir und Chardonnay zurückzuführen sein mag. Leider auf Kosten des Unterhaltungswerts, denn der Âm de la Terre wirkt durch den Rebsortenmix gewöhnlicher.

3. Robert Winer 1996

Mit 8 g/l dosiert und deshalb im Vergleich süßlich; Kautschuk, Leder, Kakao, Kokos, Toffee, sehr schönes, langes und dezentes Eukalyptus-Menthol finish. Ganz klar der stärkste Champagner im Portfolio von Mme. Bedel, hat sich seit letztem Jahr temporeich weiterentwickelt.

 

IV. Bérèche et Fils

Die Champagner von Bérèche haben mir schon bei meiner ersten Begegnung gefallen, damals waren es Beaux Regards und Reflet d'Antan, mittlerweile kenne ich natürlich auch die anderen Champagner des Hauses.

Vins Clairs:

1. Pinot Meunier

Im Vergleich mit zB den Meuniers von Tarlant ist dieser Meunier handzahm und brav wie ein Kommunionskind, den Rabaukencharakter ahnt man hier noch nicht.

2. Chardonnay, Beaux Regards

Saftig, kernig, gut, so kurz kann man sich hier fassen und der Rest ist Vorfreude auf den fertigen Champagner.

3. Le Cran

55CH 45PN

Völlig unvorbereitet traf mich die augenkneifende Säure dieses vin clair. Nur mit Mühe konnte ich angesichts dieser gefährlichen Attacke die Tränen des Schmerzes zurückhalten, der salzige Geschmack am Gaumen kam nicht von meinem eigenen Blut, wie ich dann später erleichtert festgestellt habe. Mit dem zweiten, dritten, vierten, jeweils vorsichtigeren Probierschluck war es immer noch schwer, dem Wein zu folgen; ebenso hätte könnte man versuchen können, die Handlung von Fellinis Satyricon im Schnelldurchlauf verstehen zu wollen.

Champagner:

1. Réserve Extra Brut, Handdégorgement

ca. Drittelmix auf 2007er Basis mit 30% Reservewein, keine Schwefelzugabe beim Dégorgement.

Hart, schlank, lang. Etwas störender Luftton, der den Champagner etwas aufgebläht wirken lässt, wie ein hochgewachsener Athlet in zu weiten Klamotten. Müsste noch etwas zulegen, wovon ich mit einiger Sicherheit ausgehe.

2. Beaux Regards Zéro Dosage

100CH, im Schnitt 40 Jahre alte Reben.

Hart und karg, schnell bis rasant, und das ganz ohne die Hilfe von Chardonnays aus der Côte des Blancs. So geht es im Inneren eines Rallye-Piloten bei der Wertungsprüfung zu. Hierbei zeigt sich auch, dass es nichts langweiligeres gibt, als einen nur durchschnittlichen Chardonnay.

3. Vallée de la Marne Rive Gauche

100PM, von Reben aus 1969, erste Gärung in verschieden großen Holzfässern spontan und langsam; keine bâtonnage, keine Filtration, mit 4 g/l dosiert.

Mein Favorit in dieser Verkostung. Anders als der Beaux Regards rührt dieser Champagner nicht an der Adrenalinproduktion, sondern wirkt entspannend wie Oxytocin. Intensiv, dabei ausgleichend, entstressend und ganz sanft stimulierend.

 

V. Francis Boulard et Fille

Aus Champagne Raymond Boulard wurde Francis Boulard und Delphine Richard-Boulard. In Cauroy mit dem einzigen Küfer der Champagne benachbart, ist Francis Boulard einer der alten Hasen im biodynamischen Champagnergeschäft und ein Terroirspezi obendrein, was nicht zuletzt damit zusammenhägt, dass sein Rebbesitz sich vom Massif St. Thierry bis weit hinein in die Montagne de Reims (Mailly Grand Cru) erstreckt.

Vins Clairs:

1. Les Rachais

100CH ohne BSA

Reif und würzig, hintenrum eine fast schon dramatische, nackte Säure, die sich in der nächsten Zeit noch weiter nach vorn schieben dürfte

2. Le Murtet

100CH ohne BSA

Herber und enger als der Rachais, die Säure beginnt sich schon wesentlich früher am Gaumen zu zeigen, der Wein ist insgesamt fast genauso lang und kompromisslos wie der Rachais

3. Les Murgiers (früher Brut Réserve)

100PM mit BSA

Anis und Fenchel, die mir nicht so gut gefallen haben, trotz des BSA eine noch gut strukturierte Säure, natürlich der weicheste vin clair in der Reihe

Champagner:

1. Les Rachais 2005 non dosé

Starker Meeresfrüchtecharakter, Austernschale, Zitrusabrieb. Meerwasser und Kalk bestimmen den Champagner.

2. Les Murgiers non dosé

50PM 50CH auf 2008er Basis

Weich, sehr reif, rund und mürbe, nicht sehr fordernd, wirkte auf mich etwas müde.

3. Millésime 2005

50CH 25PN 25PM, mit 5 g/l dosiert

Sehr versöhnlicher Jahrgang, rund und weich, etwas mandelig, mit dezenter Säure, die aus dem Hintergrund wirkt.

 

VI. Chartogne-Taillet

Ebenfalls im Massif St. Thierry, an prominenter Stelle, ist der in Deutschland schon recht verbreitete Champagner von Chartogne-Taillet zu Hause. Alexandre Chartogne ist ungemein sympathisch, jungenhaft und hochgewachsen eine echte Bilderbucherscheinung, bedachtsam, ein gründlicher und harter Arbeiter mit – wie ich finde – riesigen Händen, denen man die Arbeit ansieht und verschmitztem Blick. So macht er nicht nur die Damenwelt verrückt, sondern sorgt mit seinen exzellenten Champagnern auch bei Männern für Verzückung.

Vins Clairs:

1. Orizeaux

100PN

Limette, Nektarine, Blutorange, Pomelo. Vollreif, herbfrisch, ohne jede Spur von Überreife. Ein zupackender, starker Händedruck.

Champagner:

1. Orizeaux Extra Brut auf der Stelle handdégorgiert

2007er Basis

Fizzy, lebhaft bis quirlig und enorm stark. Keineswegs unseriös oder bonbonig, aber immer mit freundlichem und einladendem Augenzwinkern.

2. Les Barres

100PM, ungepfropft, ca. 60 Jahre alte Reben

Würzig und intensiv, herbe Frische, die ganz ohne druckvolle Säure dennoch Spannung aufbaut. Ich weiß nicht, ob ich diesen oder den Heurte Bise besser finden soll.

3. Heurte Bise

100CH

Klar zitrusnasiger Chardonnay mit weißem Pfeffer, Nashibirne, Pitahaya und Vetyver. Griffig, nachhaltig und schwer beeindruckend.

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Schaumparty im Kloster Besselich – Champagnerverkostung für Einsteiger

Am Sonntag, 4. Juli 2010 um 19:00 Uhr ist es wieder so weit: ich halte eine meiner beliebten Champagnerproben ab. Und zwar im Weinstein/Klostergut Besselich, dem Showroom des Gourmetdepots von Marcus Stein in Urbar. Mit traumhaftem Blick auf das Deutsche Eck in Koblenz (BuGa-Stadt 2011, der Besuch dort lohnt sich schon jetzt!).

Zu probieren gibt es eine ganze Reihe aufregender Champagner, die nicht im Supermarkt stehen. Coole und verrückte Winzer, Kultstöffchen, Holzfasschampagner, Prestigecuvées, Grand Crus, Magnumflaschen, Biochampagner, kurz: alles, was das Herz eines Champagnerverrückten schneller pumpen lässt, wird aufgemacht. Dazu gibt es Kurzweiliges und lehrreiche Erläuterungen, Knabberspass aus dem Gourmetdepot und jede Menge Schaumschlägerei. Geplant sind folgende Champagner – kurzfristige Änderungen im lineup, die der Verbesserung dienen, natürlich vorbehalten:

Eric Isselée, Blanc de Blancs Grand Cru en Magnum

Voirin-Jumel, Blanc de Blancs Grand Cru en Magnum

Bernard Tornay, Bouzy Grand Cru Extra Brut

Tarlant, Extra Brut

Cattier, Renaissance

Vilmart, Grand Cellier d’Or

Gaston Chiquet, Blanc de Blancs d’Ay Grand Cru

Paul Déthune, Blanc de Noirs

Agrapart, Les Demoiselles Rosé

Frank Pascal, Tolérance Rosé

Moet et Chandon, Cuvée Dom Perignon 2000

Pol-Roger, Cuvée Sir Winston Churchill 1995 en Magnum

 

Teilnehmerzahl: max. 20

Teilnahmegebühr: 89,00 € pro Person

Anmeldung: bis spätestens 28. Juni 2010, Platzreservierung erfolgt durch Überweisung der Teilnahmegebühr

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Mittagstisch im Berceaux, Abendessen bei Duval-Leroy

Berceaux (http://www.lesberceaux.com/)

Leichte Bistroküche:

I. Hasenterrine mit grünem Spragel und Cornichons, dazu Claude Cazals, Blanc de Blancs 2000

Ich bin kein besonderer Fan vom 2000er Jahrgang und die meisten Champagner dieses jahrgangs sind völlig überflüssig. Nicht ganz so bei Cazals. Das Haus in der Côte des Blancs, das die Gyropalette erfunden hat, gehört zu den stabilen Jahrgangsvinifikatoren und der 2000er hier zeigte sich gut ausgewogen zwischen crèmiger Textur, leichter Mineralität und bei merklich fortgeschrittener Reife noch immer igelartig rundherum angelegten Säurespitzen, sonst eher weich. Zu den Cornichons eine gute Wahl, zur Hasenterrine sowieso völlig unproblematisch.

II. Lachs auf Pilzbett, dazu Agrapart, Blanc des Blancs “Les 7 Crus”, tirage Mai 2007, dég. Aug. 2009

Auch von Lachs bin ich kein so besonderer Freund, denn die meisten Kombinantionen mit diesem wie Hausschweine im Wasser gezüchteten Fisch sind schon zur Genüge ausprobiert und penetriert worden. Zu den besseren Kombinationen gehört die von gebratenem Lachs mit einem frischen Pilzbett. Wenn dann noch der Champagner ok ist, lasse ich mir das gefallen. Und Agrapart gehört bekanntlich zu den Könnern. Seine 7 Crus sind das, was man unkompliziert, aber gut nennen kann. Die nördlicheren Crus bringen Saft, die mittleren Crus bringen Struktur, die südlichen Crus bringen Mineralität, hier allerdings nur relativ wenig Säure ein und das ganze ergab einen einfachen, aber gelungenen Gang. Angenehm war die Kombination mit den Pilzaromen, die sich beim Agrapart noch lange nicht finden, von denen man sich aber bereits vorstellen konnte, dass sie einmal sehr gut stehen werden.

III. Haselnusseis mit Birne und Nougatsauce, dazu weiterhin Agrapart, BdB Les 7 Crus

Birne und Nougat vertrugen sich sehr gut mit den jugendlichen, frischen Aromen des Champagners und hier war es ähnlich wie mit den Pilzen: die Speisearomen von Birne und Hanuta fanden sich nur andeutungsweise, Birne stärker als Hanuta, bildeten aber eine stimmige Ergänzung.

Champagne Duval-Leroy, Verkostung mit chef de cae Sandrine Logette-Jardin

I. Fleur de Champagne Premier Cru

70 CH aus Vertus, Trépail, Chouilly, 30 PN aus Bouzy, Ambonnay, Verzennay, Basisjg. ist 2006, Reserveweine aus 2005, 10g/l dosiert

Der FdC gehört zu den leichten, feinen und fruchtigen, im Mund rgendwie volatilen Champagnern, die mit ihren 10 g/l einen grossen Konsumentenkreis ansprechen, ohne direkt Massenchampagner zu sein. Die Chardonnays selbst sind schon von mildsaftiger Art und bekommen durch die klassischen Pinots aus den großen Crus der Montagen de Reims eine anteilsmässig kleine, aber sehr feine Gesellschaft. Erinnert an Kokos und Noisette, mittellang, dann aber auch sehr abrupt weg.

II. Brut Tradition

60 PN, 30 PM, 10 CH aus allen Ecken der Champagne, Basisjg. 2006, 20% Reserveweine aus 2004 und 2005, 9g/l dosiert, dégorgiert Juli 2009

Der Standardbrut ist wie ein kleiner Fleur de Champagne mit 30 PM und einer einfacheren Frucht. Roter Apfel in der sonst zurückhaltenden Nase, auch rote Trauben, wenig Säure. Die etwas niedrigere Dosage macht sich geschmacklich nicht dermassen bemerkbar, dass der Champagner trockener wirkt, als der FdC, sondern wegen seiner sowieso leichteren Art kommt er am Gaumen sogar ein klein wenig süsser an. Eher ein Massenprodukt.

III. Blanc de Blancs 1999, 50% Vertus, Rest Chouilly, Avize, Cramant, Oger, Le Mesnil, 7% Fassausbau, 4 g/l dosiert, dég. 06/2009

Kokos, Toffee, rote Apfelschalen, nasses Holz. Im Mund schon reif, entwickelt und etwas mürbe, dabei wenig und immer noch gut strukturiert, körperreich und saftig, mit Spuren von Kreide. Wirkt nicht wie ein Extra Brut und kommt mit etwas Luft erfreulich aus der Reserve. Jetzt trinken.

IV. Femme de Champagne 1996 (davon gibt es zwei Chargen: eine ist während des Hefelagers mit Kronkorken verschlossen, die andere mit Naturkork – wir hatten die mit Naturkork), 79 CH aus zwei kleinen Parzellen in Chouilly, 21 PN aus Bouzy und einer Parzelle in Ay, direkt neben der berüchtigten côte aux enfants von Bollinger, 7% Holzfassausbau und Dosage < 5g/l

Kokos und Rauch, flintig und immer noch ziemlich unruhig. Thymian-Rosmarinnnoten, bei hoher Säure noch ziemlich enge Aromatik.

V. Clos des Bouveries 2003 sans dosage (die im Handel erhältliche Version hat 2,5 g/l), Blanc de Blancs aus einer rein östlich exponierten Hanglage auf halber Höhe bei Vertus, jeweils hälftig Inox-/Holzfassausbau, gerade erst dégorgiert

Der reinste Kräutergarten, sehr weiche, blumige Nase, Blütenstaub, auch Butter, kandierte Zitrusfruchtschalen und Kreide. Im Mund alkoholisch, recht herb, ein bisschen kratzig und von der Stilistik her dem 2003 by Bollinger nicht unähnlich.

VI. Clos des Bouveries 2004 mit ca. 3,5 g/l dosiert, sonst wie der 2003er, dégorgiert April 2009

Viele viele getrocknete Kräuter, insgesamt eine viel leichtere, beschwingtere und sorglosere Art als der etwas verklemmt wirkende 2003er CdB, kandierter Apfel, Schaumgummierdbeeren, aber auch Duft von Lindenblättertee. Zuckerwattefeeling im Mund, außerdem leicht, seidig, kalkig, mit einer Spur Süßholz. Mein Favorit von Duval-Leroy.

VII. Brut Rosé (ehemals Rosé de Saignée), reiner 2006er, was aber nicht angegeben wird, PN aus Vertus, Verzennay und Ambonnay, als Saignée, dazu CH aus Vertus und Pinotstillwein, 10 g/l dosiert

Intensives Rosé mit blau-violetten Reflexen. In der Nase Erdbeer-Himbeermix, ein Hauch Feuerstein, vielleicht vom Schwefel. Burgundischer Charakter; die Expressivität der Pinot-Noir ohne hinderliches Tannin. Mir etwas zu süß.

Bei Duval-Leroy gab es natürlich auch zu essen:

VIII. Ris de Veau mit Windbeuteln und grünem Gemüse, dazu Blanc de Blancs 1999 en magnum mit 6g/l Dosage und Fleur de Champagne Premier Cru

Die Überraschung des Abend war der 99er aus der Magnum. Völlig anders, als aus der Normalflasche, viel eleganter, mit fröhlicher, ausgelassener Säure und unbeschwerter, verspielter Aromatik. Wirkte wesentlich jünger. Wieder mal ein Beispiel, dass man Champagner am besten nur aus Magnums trinken sollte. Das Ris de Veau geriet dabei völlig in den Hintergrund, was aber gar nicht weiter schlimm ist.

IX. Lammcarrée, dazu Femme de Champagne 1996 en magnum, dég. April 2009

Zum Lammcarrée machte sich die Femme de Champagne aus der Magnum sehr gut. Das aromatische Lammfleisch konnte zusammen mit den Thymian/Rosmarin-Kräuteraromen der Femme nur gewinnen und zusammen mit der Säure liess sich das Lämmchen gleich viel besser essen, fast, als hätte man vier eiss- und Schneidezähne mehr im Mund.

X. Schokomuffin mit flüssigem Kern und Sauerkirschspiegel, dazu Brut Rosé

Trotz seiner deutlichen Süße als standalone Champagner war die Kombination hier nicht einfach. Die Schokolade war zwar eher herb als süß, machte dem Rosé aber dennoch zu schaffen. Gelungen war die Zusammenstellung mit den sehr sauren Sauerkirschen, so dass der Champagner sich aromatisch zwischen den beiden Speisekomponenten bewegen konnte.

abschließend Käse (St. Nectaire, Langres, Brie fermier, Bleu) und Sarments Chocolat et Orange

Mir gefiel gut der Rosé zum Brie fermier und zum St. Nectaire, aber auch der Blanc de Blancs konnte hier nochmal überzeugen.

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Ambassadeursessen in der Traube Tonbach

I.1. Mousse von Räucherfischen mit Zupfsalat
dazu: Billecart-Salmon Brut Réserve NV en magnum
Dazu muss man nicht viel sagen, der Standardbrut von Billecart-Salmon steht zwar nicht so sehr im Fokus wie der Rosé, aber das Prinzip ist dasselbe: nur wer beim Grundwrein nicht rumschlampt, kann auch guten Champagner erzeugen. und beim Grundwein ist Roland Antoine-Billecart so pingelig, ja fanatisch wie nur wenige Weinerzeuger. Gegen den Trend zum immer süßeren Standardbrut erfreulich "brut", mineralisch und dem hochaufgeschossen-drahtigen, etwas hagerenChef des Hauses nicht unänhlich.

I.2 Poelierter Kabeljau auf Rotweinschalottenmarmelade, mit gebratenem Lauch und Limonenschaum
dazu: Pierre-Yves Colin, St. Aubin La Chatenière Premier Cru 2007
Der älteste Sohn von Marc Colin führt ein Mikroweingut, in dem er allerkleinste Erträge vinifiziert, dementsprechend winzig ist die Menge des verfügbaren Weins, jeweils knapp 300 Flaschen. Dieser St. Aubin kokettiert mit ultraelegantem Holz und bietet eine Duftvermählung von Röst- und Feuersteinaromen mit Nuss, Butter und weißem Pfeffer. Im Mund warm, seidig, lang, provozierendes Feuer und milde, besänftigende Öligkeit. Geheimtip zum Kabeljau.

I.3 Délice von Valrhona-Schokoladen mit Sauerkirschkompott und Bourbon-Vanilleeis
dazu: Bodegas Malaga Virgen, Don Salvador, Muscat d'Alexandrie, 30 anos
30 Jahre in amerikanischer Eiche, 300g Restzucker/Liter, 900 Flaschen pro Jahr. Das sind die Zahlen.Im Glas dann flüssiges Mahagoni, in der nase frischer, heißer Kafee, Bitterschokolade und Sauerkirschen. Im Grunde das Dessert in konzentrierter Flüssigform.

Am nächsten Tag dann:

II.1 Anisgebeizter Thunfisch mit Thaimango und Avocado
dazu: Agrapart Rosé lieu dit "Les Demoiselles" Premier Cru, 25% neues Holz, Beginn der 2. Gärung März 2004, dégorgiert Mai 2008, dosiert mit 10g/L bei 50mg SO2/L
Dieser redhead unter den Champagnern ist eine Mischung aus Marcia Cross und Laura Prepon, schlank, finessereich, sportlicher, kurvenreicher body. 93% Chardonnay aus den Grand Crus Avize, Cramant, Oger, Oiry und ein Schuss Rotwein aus dem Premier Cru Cumières. Tiefgründige Mineralität und druckvolle Säure haben mich dazu verführt, wesentlich mehr als notwendig davon zu trinken, was aber auch daran lag, dass der Folgechampagner mir nicht zugesagt hat.
Die Kombination Anis-Mango-Avocado mit der femininen, gleichzeitig entschieden blancdeblancigen Art ist unbedingt empfehlenswert.
Am Rande noch die Anmerkung, dass es diesen Champagner vielleicht nicht mehr lange geben wird, Das Champagnerhaus Drappier und das noch einmal viel grössere Haus Vranken-Pommery haben Bedenken wegen Verwechslungsgefahr bei der Namenswahl (Drappier hat einen eigenen Rosé-Lagenchampagner "Val de Demoiselles" und Vranken-Pommery besitzt eine ganze Marke, die Demoiselle heisst); man wird sehen, ob Pascal Agrapart mit der Bergündung durchkommt, der Champagnername beziehe sich selbst auch auf eine Einzellage "Les Demoiselles".

II.2 Schnitte vom Heilbutt in Hibiskus-Curry und grünen Spargelspitzen
dazu: Pannier Rosé.
Der Champagner liegt 36 Monate auf der Hefe, bevor die Genossenschaft aus Chateau-Thierry, fast schon ein Vorort von Paris, ihn für den Handel freigibt. Der Mix ist in etwa gedrittelt und mit ca. 10g/L nicht so hoch angesetzt, mir aber zu süss und zu beliebig. Ic hatte zu dem herrlich festen Heilbutt und zu den pikanten Curryaromen deshalb lieber den durchschneidenderen Agrapart.

II.3 Rücken vom schwäbischen Alblamm an Safran-Rucolajus, Risotto, Kardamom-Karotte und gebratenen Zucchini
dazu: Veuve Devaux Brut Rosé de Saignée "Intense" (5100 Fl.)
Sehr dunkel, für Roséchampagnerverhältnisse tiefrot. Üppige, von Walderdbeeren und Himbeeren dominierte Brugundernase und am Gaumen derselbe Eindruck. Sogar etwas griffiges Tannin. Ein Saignée der verführerischen, erotischen Sorte, schafft Boudoiratmosphäre. Gut zum Lämmchen und unproblematisch mit Safran-/Kardamomaromen.

II.4 Pampelmuse und Cassisgratiné auf Beerenkompott, dazu prickelnder Champagnerschaum
dazu: Louis Roederer Brut Rosé 2004
Ziemlich heller, fast oeuil-de-perdrix-farbener Rosé. Feine, entfernt holzig-würzige Nase, sehr balancierter Champagner mit einem Potpourri an Blüten, Kräutern und Beeren. Allerdings wenig jahrgangscharakter, vielleicht aber einfach noch zu primärfruchtig und noch nicht ausentwickelt – dürfte auch erst vor kurzem dégorgiert worden sein.Schön zur Pink Grapefruit.

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