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Tag Archives: champagne

Abendessen im Kölner Hof

I. Ballotine von der Wildente mit Eisweingelee und Brioche, dazu Banyuls Blanc Mas Cornet sur schiste von Abbé Rous

Die Ballotine war wieder piekfein, keine zu schwabbelige Konsistenz und ein saftiges, aromatisches Entenfleisch in der Mitte, diesmal war auch das Eisweingelee über den weißen Banyuls gut mit eingebunden, die milden Uhunoten vom Eisweingelee und der angenehm aprikosensüße, dabei herbkräftige und garriguekräuterige Charakter des aufgespriteten Weins gingen da ein harmonisches Miteinander ein.

 

II. Karamellisierte Entenleber mit Sauce Griottine, dazu weiterhin Banyuls Blanc

Eine ganz andere Herausforderung für den Banyuls war die knusprige Karamellisierung der Entenleber und da begann er sich schon, etwas schwerzutun. Zusammen mit größeren Happen von der Leber und etwas Sauerkirsche passte dann aber wieder alles.

 

III. Rücken vom Iberico-Schwein mit Chorizo-Wirsing und Tomaten-Kartoffelpüree, dazu Figeac 2003

Die Scheiben vom Schweinerücken lockten mit forsch angebratenem Rand, darunter einem hauchfeinen Fetträndchen und fröhlich-rosafarbenem Fleisch mit dichten, feinen Fasern. Genauso saftig, wie es aussah, war es dann auch. Der dekantierte Figeac zeigte sich ebenfalls freundlich und aufgeschlossen, mit viel Kirschfrucht, die sich aber erst ab der Gaumenmitte so recht entfalten wollte, zum Ende hin eine ganze Zeit lang etwas herb und verstrubbelt, erst nach knapp drei Stunden mit mehr Orientbasar, Gewürznelken und Orangenschalen.

 

IV. Barbarieentenbrust mit Kumqatsauce und Wirsingwürfeln, dazu Dom. St. Eugène, Merlot, Pol Y Fenoll 2006

Die Ente machte erst einen sehr hellfleischigen Eindruck, war aber geschmacklich ganz und gar auf Höhe meiner Erwartungen, die einzelnen Scheiben außen leicht knusprig, das Fleisch saftig und sehr zart. Kumqat und Wirsing passten bestens zum Entenfleisch und auch der Wein enttäuschte nicht. Fruchtiger, mit deutlich weniger Tannin und etwas weniger Säurestruktur als der ebenfalls fruchtig-reif wirkende Figeac süffelte sich der Pol y Fenoll wie von selbst weg. Am besten zusammen mit etwas Ente und Kumqatsauce, etwas schwieriger zum Wirsing.

 

V. Filet vom Hirschkalb, dazu Smith Haut-Lafitte 1993

Eigentlich mag ich ja nur die Weißen von SHL, aber dieser alleinstehende Rote musste mal getestet werden. Anfangs mit ziemlich mürber Nase von eingekochten Früchten und schon deutlich gealtert, mit Waldpilzaromen. Im Mund relativ wenig Struktur, aber eine sympathische, süssliche Frucht. Zurückhaltender Wein. Zum Hirschkalb, das etwas durcher war, als ich es eigentlich gern gehabt hätte, eine annehmbare, aber keine Traumkombination.

 

VI. Kokos-Crème brûlée mit rotem Fruchtsalpicon, dazu Sauternes Laufaurie-Peraguey 2001

Hier traf Kokos auf Kokos, das ganze mit erfrischend sauren roten Fruchtwürfeln, erinnerte an Batida-Kirsch mit Mangoschnipseln und Minzblättern.

 

VII. Käsevariation mit Brillat-Savarin, Morbier, Fourme d'Ambert, Früchtebrot und Pumpernickel, dazu Taylor's Tawny Port 10 yrs.

Der Port machte sich erwartungsgemäss gut zum Morbier und zum Fourme d'Ambert, zum Brillat-Savarin allein nicht so sehr, aber auf Früchtebrot dann doch wieder, ebenso wie auf Pumpernickel. Der Brillat übrigens schmeckte so angenehm nach grobkörnigem Salz, Bärlauch und Wiesenkräutern, dass ich mir davon glatt noch eine Scheibe bestellt hätte, wenn ich nicht schon so satt gewesen wäre.

 

Abschließend Moet et Chandon, alter Marc de Champagne. Sehr hell, in der Nase ziemlich spritig, ein dünner Duftfaden von weißen Trauben und Muskat, im Mund ziemlich warm und alkoholisch. Leicht kratzig.

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Sachsensekt

I. Schloss Proschwitz, Prinz zur Lippe, Edition Meissen, "Cuvée Alexandra", Sekt b. A., brut NV

Riesling, Weißburgunder, Müller-Thurgau, 14,8 g/l Dosagezucker bei 7,6 g/l Säure; DIAM

Schon in der Nase ausgewogen, angenehm fruchtig mit kalkigen Einsprengseln und ohne die für Sekt oft so typische angebrannt-stechend-gezehrte Art. Im Mund von mittlerem Gewicht, fruchtig, floral, mit etwas Eisbonbon und leicht ölig, trotz der hohen Dosage noch spürbares Säuregegengewicht.

 

II. Schloss Wackerbarth, Cuvée "August der Starke", Sekt b. A., trocken NV

Riesling, Kerner, Weißburgunder, 23,4 g/l Dosagezucker bei 7,7 g/l Säure

Zurückhaltendere Nase, ebenfalls fruchtig, kalkig, reife Babybananen; im Mund eine Frische wie von Acerola, dazu Apfel-Bananenmus, gut fokussiert. Milde Säure, die gegenüber der hohen Dosage nur vereinzelt Akzente setzen kann.

 

III. Sächsische Winzergenossenschaft Meißen, St. Benno Scheurebe Sekt b. A., trocken NV

29,6 g/l Dosagezucker bei 5,3 g/l Säure,

In der Nase ein ganzer Asiamarkt voll Litschi und Drachenfrucht, auch rote Beeren, leicht floral, wohlgerundet, kein pipi de chat. Im Mund genauso bissfest, wie eine in Zuckerwasser eingelegte Litschi und genauso süss. Kostet Überwindung, nachher ist es aber gar nicht so schlimm, der Sekt schmeckt sogar richtig gut und nicht annähernd so pampig, wie der Zuckergehalt vermuten ließe, von Säure indes keine Spur.

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flying buffet und passende Champagner

Vorspeisen

 

I.1 Brioche mit Foie Gras, dazu Ralf Peter Schauf Rieslingsekt (ecovin) trocken 2007

Die daumenkuppengrossen Hamburger hatten einen Tupfer zartschmelzender Foie Gras als Belag. Fast schon banal, aber wenn Burgerbrötchen und Foie Gras im richtigen Verhältnis (der Foie Gras Klacks muss ca 2/3 der größe des Miniburgers haben) zueinander stehen, ein willkommener Snack.

Dazu passt sehr gut der mit 7,50 EUR gar nicht teure Winzersekt aus Ernst an der Mosel. Gerade weil er trocken dosiert ist, paaren sich die Süße von der Foie Gras und die durch den Dosagezucker herausgehobene Rieslingfrucht optimal.

 

I.2 Rinder-Carpacchio mit Rucola, dazu Jean Moreau Brut Tradition Grand Cru NV

Etwas faseriges Rucola und extrem dünn geschnittenes Carpacchio, das bevorzugt am Teller kleben blieb oder sich nur durch Zusammenmatschen auf ein Essgerät bringen ließ. Dazu Schnipsel von irgendeinem viel zu jungen Hartkäse. Schmeckte zwar, machte aber keine Freude. Freude machte dagegen der hälftig aus Chardonnay und Pinot vinifizierte Champagner von Moreau aus Ambonnay. Für einen Brut denkbar hoch dosiert und für mich schon extra dry, aber wegen seiner gediegenen, zwischen sportlicher Chardonnayfrische und gemütlicher Pinot-Ruhe angesiedelten Art mit einem Schwenker über Butterscotchtoffee sehr sympathisch. Gut zu Rucola, zu großzügiger geschnittenem Carpacchio sicher auch.

 

I.3 Steinpilz-Tiramisu, dazu Rene James Lallier Brut Zéro Grand Cru NV

Intensives Steinpilzaroma und angenehm feste, nicht zu fluffige Konsistenz. Mir aber selbst als kleine Portion zu viel und zu einseitig. Nicht ganz glücklich dazu der "einfache" Grand Cru von Lallier aus 70% Pinot (Ambonnay) und 30% Chardonnay (Avize) als Zéro-Dosage, jedenfalls dann nicht, wenn das Dégorgement noch nicht so weit zurückliegt. Das Hauptproblem beim Zéro ist, dass er kurz nach dem Dégorgement zu frisch ist und dann nicht so konstant und zuverlässig reift, wie der leicht dosierte Champagner. Gerade die reifen Lalliers bestechen aber durch pilzige Noten und Unterholz, Kaffee- und röstige Komponenten.

 

Hauptspeisen

 

II.1 Maispoularden-Variation am Lollystick, dazu Taittinger Brut Prestige Rosé NV

Zartes, warmes Fleisch am Stiel, eine gute Sache. Mal mit Spinat, mal mit Pumpernickel, teilweise mit einer Karottencrème, jede Variante war gut zu essen. Wieder 70PN/30CH, hier in einer ganz leichten, fruchtigen Mischung, die nach Art der großen Häuser auf Massengeschmack getrimmt ist – das aber so gut, dass es schwer fällt, zu widerstehen. Etwas schwierig mit gemüsigen Speisen, aber sehr schön zur Maispoularde und zum Pumpernickel. Indifferent zu Karotte.

 

II.2 Seeteufelmedaillons auf Pestonudeln mit Lauch-Tomaten-Gemüse, dazu Duval-Leroy Femme de Champagne 1996

Gegen Seeteufel kann man ja nicht viel haben. Die Pestonudeln waren leider etwas hart, das Lauchgemüse nervte und hätte viel dezenter und in kleinerer Menge serviert werden sollen. Entschieden gut und ein großartiger partner zum Fisch die Femme de Champagne. Reife, kräftige Säure und ein zupackender Stil, eine Cuvée aus ca. 25% Pinot und ca. 75% Chardonnay, die eins zu eins dem emanzipierten Führungsstil von Carol Duval entspricht. Nichts für Schleckermäuler und mit Sicherheit kein Champagner fürs Schäferstündchen, sondern ernste Unterhaltung.

 

II.3 Hummerpraline im Kanakiteig auf Mango-Limonen-Ragout, dazu Baron Fuenté Blanc de Meuniers NV

Schöne Kombination aus zurückhaltendem, sehr dünnem Teig, gut wahrnehmbarem Hummer und auflockernder Frucht. Die originelle Flasche birgt einen nicht minder originellen Inhalt, 100% Pinot Meunier, weiß gekeltert. Eigentlich eine sehr naheliegende Cuvée für ein Haus aus Charly sur Marne, denn es handelt sich um die beherrschende Traube im Marnetal. Richtig ausgebaut kann man mit diesem underdog überraschende Ergebnisse erzielen und manche Meuniers bringen es gar zu Kultstatus. Das ist hier gar nicht gewollt, dieser Champagner ist mehr eine Hommage an das Fruchtfleisch auf den mineralischen Rippen vieler "normaler" Cuvées, denn das eine ohne das andere kann nicht sein und nur allzuoft wird mehr Wert auf das Skelett gelegt, als auf die Figur. Fortgeschrittene Reifetöne versprechen eine zum Hummer passende dekadente Üppigkeit, die sich im Mund als konzentrierte, rosinige, auch schon überreife Fruchtdominanz äußert. Säurearm und von Honigtönen umspielt, passt dieser Champagner gut zu den Säurespitzen vom Mango-Limonen-Ragout. Solo geht er mir dagegen zu schnell aus dem Leim.

 

II.4 Vanillierte rote Linsensuppe mit St. Jacques, dazu Deutz Cuvée Brut Classic NV

Sämige, gut gelungene Komposition und bissiges Muschelfleisch, da kann man nicht meckern.

Passend dazu die renovierte Bilderbuchcuvée von Deutz. Drittelmix aus gleichen Teilen Chardonnay, Pinot-Noir und Pinot Meunier, keine zu hohe Dosage und eine von dezent animierender Säure getragene Mineralität, dazu pürierte Früchte und krosser, leicht gebuterter Toast.

 

II.5 Canneloni mit Garnelenfüllung auf Zitrusspinat und Pinienkernen, dazu Franck Bonville Les Belles Voyes Blanc de Blancs Grand Cru (2004)

Bissfeste Canneloni mit etwas müder Garnele, dafür ein aromatischer, grossblättriger, gleichzeitig zartfester Spinat, die Pininekerne dazu sanft angeröstet und aromatisch aber nicht zwingend nötig.

Kein offizielle deklarierter Jahrgangschampagner, aber fakisch ein 2004er aus dem Herzne von Oger, wo die Chardonnays so tiefgründig mineralisch und von strenger Säure sind, wie im benachbarten Le-Mesnil. Die Einzellage Belles Voyes ist mit steinaltem Chardonnay – um die 80 bis 90 Jahre – bepflanzt; Franck Bonville zwingt die Reben zum Glück und lässt sie fast wie im Märchen vom tapferen Schneiderlein die letzten Tropfen aus dem Gestein pressen. Dementsprechend sagenhaft schmeckt der im alten Holzfass gereifte Wein. Großartig und wie verwandt mit Pinienkernen, gut zu den Cannelloni, auch zu den Garnelen, etwas schwierig mit dem Spinat und am besten eigentlich solo.

 

Nachspeisen

 

III.1 Kakaowürfel mit flüssigem Mangokern, dazu Pol-Roger Rich (demi-sec) NV

Ziemlich mastiger kleiner Kakaoklotz, der an Eiskonfekt erinnert, die Mangofüllung hätte mehr Biss und Säure benötigt. Nicht völlig unproblematisch aber mit etwas gutem Willen dazu der Demi-Sec von Pol-Roger. Der ins Zitrusfruchtige neigende Champagner ist gar nicht so arg süss und daher ein heikler Partner für Desserts. Mit dieser eher bitterschokoladigen und ziemlich buttrigen Kreation kommt er, wenn man nicht partout in den Diabetikerhimmel will, gerade noch zurecht.

 

III.2 Quittenmousse mit Lakritzreduktion, dazu Charles Heidsieck Blanc de Millenaires 1995

Feine, sehr saubere Quittenaromen, angenehm samtige Textur, dezente Süßholzaromen, die auch nicht stärker hätten sein dürfen. Diesen Blanc de Blancs muss man allein deshalb zur Quittenmousse trinken, weil er die Quittenaromen so völlig auf Augenhöhe wiedergibt. Da die Quittenmousse nicht zu süss ist, wirken die Aromen prachtvoll und holzschnittartig vergröbert, aber immer noch sehr kunstvoll.

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Bordeaux gegen Bordeaux-Blend im Vecchia Roma

I Amuse Gueule

1. Opener: Diebolt-Vallois Blanc de Blancs Grand Cru 1997

Jahrgangstypischer, deshalb leicht diebolt-untypischer Champagner, der sich erstaunlich freigebig, mit Äpfeln und Birnen präsentiert. Runde, milde Säure, volles Mundgefühl, mittellang.

II. Kurz gegrillter weißer Thunfisch auf lauwarmen dicken Bohnen

1. Beauregard à Pomerol 1993

Gut entwickelte, reife, warme Nase mit Pflaumenmus und Röstnoten. Einen Hauch über dem Léo, dem mehr Luft sicher zu einem besseren Abschneiden verholfen hätte.

2. Léoville-Barton, 2éme GCC à St. Julien, 1993

Verhalten, sperrig, schnappte regelrecht nach Luft, dann langsame Entwicklung von roter Grütze und einer noch ziemlich maskulinen Säure.

III. Gebratene Entenleber auf bitter-süsser Orangengremolata

1. Reichsrat von Buhl, Forster Jesuitengarten Spätlese 1998

Der pfälzische, selbst von Zesten geprägte Stil dieser Zeit passte perfekt zur Orangengremolata. Locker auf Ausleseniveau.

2. Warwick Estate Trilogy, Stellenbosch, 2000

Zunächst eine Nase wie von staubig gewordenen Maggiwürfeln, im Mund auch ziemlich staubig, etwas fleischig, wobei sich mit der Luft eine konzentrierte, amaronige Art entwickelte, die den Wein dann als neue Welt enttarnte.

3. Louis M. Martini Napa Cabernet-Sauvignon 2005

Eine parfumierte Art, wie die Fruchtjoghurtdrops von Katjes. Schmeckte nicht schlecht, aber so beliebig, wie jeder andere Bordeaux-Klon.

Die Roten waren beide keine Knüller, wobei der Warwick der interessantere, entwicklungsfreudigere Wein war.

IV. Geschmorte Kalbsbäckchen auf warmen Linsen

1. Ornellaia 2005

Kraftvoll, kirschige Nase, viele gemahlene Mandel- und Aprikosenkerne, Spuren von Bleistift; im Mund mit einem Knall präsent, vielleicht sogar zu alkoholisch, aber eben eine jugendfrische Schönheit gegen einen schwierigen, da wesentlich älteren, reiferen, voll ausentwickelten Flightpartner. Für mich trotzdem eine Nasenspitze vor dem Bordeaux, der zweifellos sein bestes gab.

2. Grand Mayne, GCC St. Émilion, 1990

Kleiner Stallstinker, gefolgt von einer sehr gelungenen Mischung aus Graphit, Unterholz, Pilznoten und einer darunter liegenden Schicht reifer, süsser Tannine. Dabei durchweg konzentriert, ganz ohne Unschärfen und insofern wohl auf dem Reifehöhepunkt angekommen, bzw. mitten im sweetspot getroffen.

V. Farfalle tradizionale mit Rehrückenragout

1. Grand Corbin Despagne, GCC St. Émilion, 2000 en magnum

In der Nase Zündhütchen von der Karnevalspistole, pfeffrige Noten, sonst eher schwache Nase. Im Mund süsslich, mit Zimt und Kardamomaromen, auch hier wenig Frucht, kam dann erst mit der Zeit aus der Deckung und war dann durchaus erfreulich. Machte sich auch ganz gut zum Kalbsbäckchen, harmonierte aber nicht völlig einwandfrei, gefiel mir deshalb einfach so im Glas besser.

VI. Reiner Weinflight:

1. Lagrange, 3ème GCC à St. Julien, 1990

Sehr kraftvoll, dabei glatte, seidige Tannine, eine Mischung aus Pauillacpower und St. Julien Eleganz. Konzentrierte Frucht und ledrige, auch an Zigarrenkiste erinnernde, mit erstaunlich viel Minze vermischte Noten. Wird jetzt nicht mehr besser – muss er aber auch nicht.

2. Pichon Comtesse de Lalande, 2ème GCC à Pauillac, 1989

Feine Struktur, ebenfalls mit Minze, die aber dezenter und zurückhaltender als beim Lagrange war. Außerdem Laub, Efeu, grüner Pfeffer, reifes, etwas mürb-süsses Mundgefühl, ein langer, harmonischer, fast schon kitschig guter Bordeaux.

VII. Lammfilet aus der Röhre, im gekräuterten Pancettawickel mit Rosmarinreduktion und Artischocken-Oliven

1. Henschke, Mt. Edelstone, Barossa Valley Shiraz, 1996

Joghurt, gekochtes rotes Obst, dunkle Beeren, sehr feines Eukalyptus-Menthol, ziemlich konzentriert und speichelflussfördernd, strukturierter, ansprechender Wein.

2. Gallo Estate, Sonoma, 1996

Hitzig, etwas brandig, konzentriertes, etwas scharfes, beinahe angebranntes Früchtemus, Minze, Zigarrenkiste, vielleicht auch schon zu alt. Entwickelte sich mit Luft und gehörte zu den unterschätzten Weinen des Abends, konnte aber auch nicht in der Spitzengruppe mitspielen.

und einzeln:

VIII. Cantenac-Brown, 3ème GCC à Margaux, 1999 en magnum

Der befand sich in sehr guter Verfassung, war aufgeschlossen, mit harmonischen, eher in Richtung Erdbeer-Himbeer als Cassis-Brombeer gehenden Noten. Zartes Holz, minimal ätherisch-ölige Art, stabile Säure, selbst eine gewisse herb-ledrige Art war noch zu finden. Zurückhaltender, bescheidener Wein, der nicht auf die Pauke haut, sondern als Hintergrundwein eine beständig gute Figur macht. Für mich einer der Überrascher in dem starken Bordeauxfeld.

IX. Weinflight

1. Ducru Beaucaillou, 2ème GCC à St. Julien, 1995

Mürbe, zart nussig, oatmeal cakes, Pumpernickel, ganz leicht metallisch-blutig, aber auch saftige Frucht und kerngesundes Tannin. Elegant und mit sehr rosiger Zukunft.

2. Léoville-Barton, 2éme GCC à St. Julien, 1996

Kernig, trocken, toastig, etwas flintig, auch Rosenblüten, für mich der Riesling unter den Bordeaux, konzentriert, mineralisch, konzentriert aber nicht streng. Enger als der Ducru-Beaucaillou.

X. Weinflight

1. Remelluri, Rioja Reserva, 1995

Kühle Stilistik, entfernt an Waldmeister angelehnte, grünlich-kräuterige, keinesfalls unreife Art. Im Mund dann voll, saftig mit viel Kirsche. Nicht nur dafür, dass der mal 25 DM (!) gekostet hat ein echter Knaller!

2. Figeac, GCC B St. Émilion, 1995

Eng, hart, metallisch, etwas röstig, im Mund dünn, keine Spur von Figeac. Bestätigt meinen Eindruck von früher, als der Wein sich wie ein völlig ungebärdiger Kraftmeier aufführte, ohne Eleganz, ohne Frucht, ohne Spass. Sehr schade, ich hatte mich auf den Wein gefreut und erwartet, dass der sich ein bissche harmonischer zeigen würde.

XI. Fonraud, Listrac, 1959

Rosinig, von einer sehr warmen Art, Kräuterhonig, Garrigue, konzentriert, straff, gesund. Hätte ich NIE für einen völlig unbekannten 59er Listrac gehalten.

XII. Käse

1. Kracher Nouvelle Vague No. 10, Welschriesling, 1999

Aprikose, Ananas, Pfirsich, viel Süße, gleichzeitig ein gesundes Säuregegengewicht, strukturierter, sehr raffiniert gemachter Wein. Großartig mit dem Fourme d’Ambert, aber auch zum Langres.

XIII. Montrose, 2ème GCC à St. Estèphe, 2000

Jung, eng, seidig, schon etwas würzig, mit erdigen, auch an Schiefer erinnernden Noten im Vordergrund. Nach dem Kracher etwas schwierig, vor allem ist der Wein kein Drängler und Schreihals, sondern ausgesprochen distinguiert.

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Pfalzimpressionen

i. weingut zur schwane, volkach/franken, spätburgunder fervor oloris 2006. wie schwere naturseide gleitet der wein ins glas und gibt sich gut zugänglich, die kapriziöse diva ahnt man lediglich im hintergrund, die tanninkrallen bleiben eingefahren. reichhaltige, beerenfruchtige aromatik und nur eine andeutung von schokolade schwebt aus dem glas heraus.

ii. weingut nägelsförst, ortenau/baden

1. blanc de noirs, crémant brut nv, herber, leider nicht sehr harmonischer, etwas zu saurer schäumer ohne die fleischige pinot-art des champagners, leider aber auch ohne sonstige eigenständige, positiv markante eigenschaften

2. cuvée aus 50% spätburgunder, 50% tempranillo, fassprobe. weinüberraschung des abends, den spätburgunder merkt man sofort, die tempranillo hätte ich nie identifiziert. sehr gelungener mix aus frucht und frucht, harmonisch, mit einem mediterranen schwung, der dem wein eine völlig unerwartete richtung gibt. macht spass, dran rumzurätseln, wenn man ihn blind im glas hat, schmeckt aber auch, wenn man weiss, was es ist.

iii. weingut dr. pauly-bergweiler,

1. graacher domprobst feinste auslese 1959. am erstaunlichsten war die jugendliche frische dieses weins. die fünfzig jahre nimmt man diesem charmeur, der fast ganz ohne firne und petrol daherkommt, kaum ab, dafür lässt man sich nur zu gerne von saftigst-reifer aprikose, pfirsich, nektarine, mandarine mitreissen, warme, geschwenkte butter und eine animierende, immer noch leicht pricklige säure tun ihr übriges. ob lagencharakter ja oder nein, lasse ich mal dahingestellt sein, der wein war jedenfalls hochgradig elegant und zeitlos.

2. bernkasteler badstube hochfeine auslese 1969. auch dieser kollege wirkt wesentlich jünger, als er ist. von midlife-crisis keine spur, sondern pralles leben im glas. könnte genauso gut aus den späten achtzigern oder vom anfang der neunziger stammen, etwas dichter, würziger, als der domprobst, erinnerte stärker an honig und püriertes fruchtfleisch und brachte hintenrum eine leichte herbe mit, war also nicht ganz so ätherisch, sondern bodenständiger.

im deidesheimer hof gab es nicht nur den langsamsten und in dieser klasse bislang schlechtesten service, den ich je erlebt habe, sondern auch strohiges sauerkraut zum sonst ganz guten saumagen.

als begleitwein gab es hingegen

iv. müller-catoirs haardter bürgergarten spätlese trocken 2008, d.i. eine liebeserklärung an den pfalzriesling. würzige, exotisch-fruchtige nase, orangenblüten und tropifrutti . der erste schluck dann saftig, kraftvoll, mit berstender frucht und einer länge, die von raffiniert eingebauter und gleichzeitig absolut seriöser süsse bis in den magen reicht.

v. von jul. ferd. kimich in deideheim dannn die deidesheimer grainhübel auslese 2007. feiner, schwungvoll auftretender riesling mit entertainerqualitäten. machte sich gut zu den getrockneten orangenspalten in bitterschokolade.

außerdem für die weiterfahrt

vi. knipsers rosé cabernet & co. 2008 gestürzt. da geht jedesmal die sonne im glas auf. no brainer.

vii. regina menger-krug und mann in der villa im paradies aufgesucht und bei gutem wetter noch folgende buddeln geöffnet:

1. motzenbäcker mondeiche riesling spätlese 2007. da liegt der riesling wie in plüsch eingebettet und strahlt wie ein vergnügtes baby, nur ohne den babyspeck. glasklar, dabei eher fruchtig als mineralisch, mit einer über stunden changierenden, amylischen fruchtaromatik, bei feinster säure und beeindruckender länge. wenn man wolken trinken könnte…

2. motzenbäcker mondeiche chardonnnay spätlese 2007. auch hier die mondaromatik, bzw. so etwas eingebettet-plüschiges, das dem bsa-freien chardonnay einen eleganten rahmen gibt, ohne kitschig zu wirken. chardonnay der marke kokosmakronen mit zitrusschalenabrieb, für mich etwas schwächer als der mondriesling.

3. menger-krug riesling méthode rurale 2007. eine novität mit ca. sieben bar flaschendruck, sehr feiner perlage, aufregendem mousseux. für sein alter ziemlich dunkler, gereift wirkender riesling, der mit apfelaromatik und einer sektuntypischen dreidimensionalität nach einem grossen glas ruft. produktionsbedingt sehr leicht im alc. (die zweite alkoholische gärung fällt ja weg). gefällt mir besser, als zb der rurale von allendorf im rheingau.

4. menger-krug chardonnay méthode rurale 2007. wie beim mondwein gefällt mir auch hier der riesling etwas besser als der chardonnay, der aber ebenfalls von der ungewöhnlichen methode profitiert. ganz und gar ohne dosage – was bei sekt oft zu einer gezehrten aromatik führt -, hier allerdings bleibt die saftige, primärfruchtige art davon völlig unbeeindruckt.

5. motzenbäcker ruppertsberger reiterpfad, flug des falken, auslese, 2007. leichte, etwas ölige auslese, herbe, unverspielte, zupackende art. am besten direkt nach dem espresso.

6. krugscher hof blanc de noirs eiswein 2007 (herrgottspfad?*). im grunde sehr säurearm, in der nase allerdings etwas flüchtige säure, vermischt mit einem hauch schokolade, am gaumen gegen ende dann wieder ein leichter säureschwenker, der dem dichtgewirkten wein zu mehr lebhaftigkeit verhilft.

7. krugscher hof beerenauslese 2007 (römerberg?*). leichterer vertreter, nahtlos, glatt, geschmeidig, mit viel botrytis, aber zum glück noch nicht so süss, dass er schon wieder scharf wirkt. aprikose, aber auch nektarine, sehr viel saft und nicht so viel fleisch.

8. krugscher hof gau-köngernheimer vogelsang tba 2007. sämig, mit leicht flintiger note, apfel, cranberry, viel fruchtfleisch und erfreulich viel säure, harmonisch, balanciert, in bewegung. kein wein, der einen nach zwei schluck satt macht.

9. krugscher hof gau köngernheimer vogelsang tba 80% riesling, 20% gewürztraminer 1967. dunkles, gleichwohl edel rötlich glänzendes gold, eine spur sherry, aber auch sehr viel gewürz, piment, muskat, nelke, omas apfelkuchen. im mund frischer, als die farbe nahelegt. entwickelt sich prächtig mit luft und spielt eine karte nach der anderen aus: säure, lebhaftigkeit, reife, würze, komplexität, entwicklungsfähigkeit, ein wein zum festhalten

* notizen unleserlich

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Essen verwöhnt

1. 1/2 hummer, dazu bruno paillard première cuvée

der hummer schwamm leider im dressing und war auch arg klein. daher war es schwer, an das scherenfleisch zu kommen, zumal mit messer und gabel. bruno paillards arbeit überzeugte da schon mehr. reife, leicht oxidative art mit viel apfel und spritz.

2. tortelloni al tartufo (schwarz), dazu wieder den bruno paillard

die tortelloni waren gut, eine war am rand einen tick zu hart, es gab reichlich sauce, die ich auch gern in einer kleinen tasse ordere, wenn sie mir schmeckt, beim trüffel wurde nicht gegeizt. gut dazu wieder der paillard, dessen reife art eine schöne kombination gerade mit dem trüffel ergab

3. crespelle mit spinat-ricotta-füllung in trüffelsauce und mit frischem schwarzem trüffel, dazu van volxem volz 2006 en magnum

die crespelle hatten eher calzonecharakter und spinat-ricotta-füllung ist nun wahrlich nicht der gipfel ambitionierten küchenschaffens, aber ich hatte es sowieso nur auf den van volxem abgesehen und brauchte nur die begleitspeise dazu. die kombination war mehr, als ich erwartet hatte: der saarrielsing zeigte sich gegenüber dem spinat souverän und konnte wegen der übriggebliebenen knapp 4 g restzucker wohl besonderen charme im umgang mit diesen nicht gerade weinfreundlichen gemüse entfalten

4. tatar à la harry’s bar, dazu rudolf fürst, spärburgunder centgrafenberg “r” 2003 en magnum, außerdem ornellaia 2000 und sassicaia 2002

das tatar war mir zu süss und zu matschig. den fürst dagegen hätte ich küssen können, so gut war der. betörende, frucht, feinstziselierte säure, von störendem holz keine spur, der wein war so drahtig und so beweglich wie ein erster solist im weltklasseballett. dolle vorstellung. völlig andere schiene der ornellaia, wobei der eine überbordenede frucht hatte, die sich mit dem fürst sehr gut vertrug. diese beiden weine waren ein bisschen wie fritz wunderlich (fürst) und, auch wenn es vom land her nicht passt, rolando villazon. fürst mit einer unglaublichen leichtigkeit und geschmeidigkeit, die mühelos klippen und aromentechniosch allzu simple verlockungen umschifft, ein wunderlich eben, der spielend leicht grosse oper und leichte muse verbindet, der andere mit einer präzisen wucht und kunstfertig geschliffenen ungeschliffenheit, vielleicht einer der weine, die too much bieten und sich am ende verzetteln – aber ich habe heute davon nichts mitbekommen, der wein war in top-form. schließlich noch der für meine begriffe bordeauigste supertoskaner, ein konzentrierter sud von schwarzer johannisbeere, brombeere, holunder und einer noch keineswegs ruhigen, aber sehr vertrauenerweckenden tanninladung

5. gratinierter ziegenkäse mit rosmarinhonig, radicchio-rucola und himbeervinaigrette, dazu taittinger brut réserve

beim schließer stimmte wieder alles, die balance von ziege, gewürz und honig passte, auch die vinaigrette war weder bonbonig noch zu sauer und der taittinger leistete solide begleitarbeit.

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La Luna del Rospo

La Luna del Rospo

Agliano Terme, Piemont

1. Grignolino d’Asti 2006

Die königliche Traube fällt mehr und mehr dem Vergessen anheim. Leider. Denn so ungewöhnlich die farbliche Anmutung für einen Roséwein, so überraschend und faszinierend ist der Geschmack. Michaels Grignolino ist hellrot, ziegelsteinfarben und könnte bequem als Rosé durchgehen. Die klar fruchtige Ausrichtung in der Nase deutet zunächst mit Himbeeraromen in Richtung Spätburgunder, könnte aber auch ein Cabernet Franc Rosé sein. Dann kommt die Überraschung, der Wein ist tanninig aufgeladen und beinahe ruppig, bleibt lang im Mund und schmirgelt sich dort ab, bevor er im Rachen verschwindet und einen erstaunten Gaumen zurücklässt. Beim nächsten Schluck dasselbe, aber die ersten differenzierten Geschmackseindrücke gelangen an die vorbereiteten Rezeptoren, eine Mischung aus feingemahlenem weißem Pfeffer, knackiger Paprika, Erdbeer-/Himbeeraromen und einem wohligem Wärmegefühl, selbst bei rosémässig heruntergekühltem Wein, ohne dass er jedoch spritig oder plörrig-alkoholisch wirkt. Ein überraqschender Einstieg in die Welt des piemontesischen Bio-Weinbaus!

2. Barbera Piemonte DOC 2006

Dunkles Rubinrot, eine warme, schmeichelnd einladende Nase voller dunkler, unidentifizierbarer Berren, weniger Kirsche. Im Mund ganz ohne aufgeregtes Tannin, sondern behaglich warm und weich, dafür mit einer gesunden, allgegenwärtigen Säure, die einen ansprechenden Kontrapunkt zu den einlullenden Fruchtnoten setzt. Kein Wein, der wahnsinnige Komplexität vermittelt, von dem man aber trotzdem nur ungern lassen möchte, weil er einfach zu gut in den Mund passt.

3. Barbera SILENTE Piemonte DOC 2006

Dunkles Rubinrot, das bisweilen ins Violette wechselt. Konzentrierte, aber nicht verstopfte Nase. Auch hier ein Getümmel dunkler Beeren, vollreife Plaumen und Kirschen, aber alles klarer identifizierbar und mit mehr eleganter Bestimmtheit als beim einfachen Barbera. So dann auch im Mund. Der Wein prallt nicht mit Wucht an die Backen, sondern schmiegt sich wie ein Luftkissen an und ist insgesamt von einer Leichtigkeit und Schwerelosigkeit geprägt, die für die schweren Fruchtaromen erstaunlich ist.

4. Barbera d’Asti BRIC ROCCHE 2006

Dunkles Rubinrot. Entwickelte Nase, die behutsamen Holzeinsatz spüren lässt, Kirsche mit integriertem Vanilleton, Trockenkräuter und eine warme, aber auch leicht animalische Art. Im Mund eine Mischung aus gerade erst abgerundetem Tannin und saftigen Kirschen, Brombeeren, den gerade schon detektierten Kräutern und einer herben, kraftvollen Statur. Wiederum ein warmes, aber nicht spritiges Mundegfühl, das zum hion- und herspülen und kauen verleitet. Für mich ein Wein, der nach Speisen ruft, praktischerweise hatte ich gerade geschmortes Kalbsbäckchen auf Linsen vor mir.

5. Barbera d’Asti SOLO PER LAURA 2006

Erinnert mich in der Nase sofort an einen meiner italienischen Lieblingsweine, den Kurni von der Az. Agr. Oase degli Angeli in den Marken. Ein Montapulciano, der mit einer Fruchtkonzentration eines Amarone daherkommt. So ähnlich der Solo per Laura. Pflaume, Kirsche, Kräuterwürze, mit Bitterschokolade unterlegter Extraktreichtum alter Reben, so etwas wie die Essenz der vorherigen Weine. Dicht, aber leicht, konzentrierte Aromatik, aber keine Kopflastigkeit, gekonnter Holzfassausbau. Da Capo!

Fazit: Diese Kröten (ital. Rospo = Kröte) schluckt man gern!

2001 Dorsheimer Goldloch, Riesling Auslese, Schlossgut Diel, WS 94 Punkte

2006 Zwischen den Seen, Scheurebe No. 12, Kracher

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Fünfte Bubenhäuser Weinrunde

I. Weingut Laquai/Langehof

1. Riesling Kabinett
2007er Rauenthaler Rothenberg

Bierhefe und Gäraromen. Nicht mein Fall.

2. Riesling Kabinett
2007er Rauenthaler Wülfen

Auch hefig, aber mit durchbrechender blumiger Art, sauberfruchtiger Süße bei spritzigem Naturell. Mittellang

II. Weingut Ernst Rußler

1. Rieslingsekt – brut

2007er Rauenthaler Steinmächer

Trocken, mineralisch, sektig, vielleicht als extra trocken die bessere Version. Am Ende leichter bitterer Schlenker. Trotzdem ordentlich.

III. Hess. Staatsweingüter Kloster Eberbach

1. Riesling trocken

2008 Rauenthaler Baiken

glatt, sauber, mineralisch, Andeutung von gelbem Obst

2. Riesling Spätlese

2007 Rauenthaler Baiken

wässrig und dünn, allenfalls etwas zu der allgemeinen Spritzigkeit passendes, aber nicht besonders originelles Brausearoma, aus der Lage und dem Jahr hätte bei dem Prädikat und Preis mehr kommen müssen

3. Riesling feinherb

2007 Rauenthaler Wülfen

saftig, leicht buttrig, attraktive Säure, besser gemacht als der Baiken, insgesamt aber auch nur Mittelmaß

IV. Weingut Karl Johannes Wagner, Johanneshof

1. Riesling „Alte Reben“ Spätlese, feinherb

2007 Rauenthaler Wülfen

mostig, auch hefig, gleichzeitig schon mineralische, steinige Art und ein irritierender Rest an Kohlensäure, insofern aromatisch etwas wacklig, aber noch entfernt davon, die Balance zu verlieren, kann wirklich was werden

2. Riesling Spätlese

2007 Rauenthaler Gehrn

schöner Lagenvertreter, gegenüber dem Wülfen balancierter, cremiger und buttriger, hat eine sanfte, fast balsamische, aber nicht so fette Art. Manche Mittelmoselrieslinge entwickeln das auch (zuletzt die 03er Wehlener Sonnenuhr Spätlese von S. A. Prüm), vielleicht kein Langläufer, aber man weiß ja nie.

V. Weingut H. J. Wagner/Weinhaus Engel

1. Spätburgunder Weißherbst

2004 Rauenthaler Steinmächer

Kraftvoll und weinig, herber, apfelmostiger Charakter, wie mit untergemischten unreifen Goji-Beeren oder Cranberries mit Frostbrand. Kaum Spätburgundercharakter, aber ein redliches Vergnügen zur Wildbratwurst vom Grill.

2. Riesling Spätlese

2007er Rauenthaler Gehrn

kalkig, pudrig, mineralisch, etwas mostig, Kräuterwürze ja, aber alles noch nicht so weit, dass man von Komplexität sprechen könnte. Dezenter, ruhiger, guter, aber fast etwas langweiliger Wein.

3. Riesling Auslese

2003 Rauenthaler Wülfen

Honig. Röstaromen, noch heisser Kaffeesatz, geklärte heiße Butter, erinnert mich an reifen Piper-Heidsieck Rare. Sättigendes Vergnügen.

VI. Weingut Sturm & Sohn

1. Riesling Spätlese feinherb

Rauenthaler Baiken

gut gelungener Baiken. Milde Kräuterwürze, gleichzeitig mineralisch und fruchtig, wilder Pfirsich, am Ende etwas herb, aber noch im Rahmen des Gesunden.

2. Auxerrois Spätlese trocken

2007

superdicker und säurearmer Wein, Duft von Tannennadeln und Butter, im Mund balsamisch, mit Eukalyptus, vegetabilen Aromen, Zitronenmelisse, lang und wie ein samtiger Belag am Gaumen haftend. Probeflasche für ruhiges Nachverkosten erforderlich gewesen.

VII. Schloss Vollrads

1. Riesling Sekt Brut

2006

ansprechend, vollmundig, sehr präsent, mit haarscharf unter der Süßegrenze liegender Brutdosage. Sehr saubere Frucht, gelbes Obst, Weinbergpfirsich, beerig, recht lang, gut. Für 12,70 EUR /Fl. (gegenüber unrealistischen 28,50 für den Extra Brut) gleich was mitgenommen.

2. Riesling Sekt Extra Brut

2003

dünne Nase mit füchtiger Säure (wegen der Eisweindosage?). Mineralisch und kalkig, im Mund anfangs eher wässrig und dünn, wirkt aromatisch eng und ohne großen Spielraum. Wäre ohne Eisweindosage und als Brut vielleicht ausdrucksvoller.

3. Spätlese trocken

2007 Schloss Vollrads

pudrig, minerlaisch, etwas verwässert. straffe Säure, aber insgesamt nur so naja.

4. Spätlese

2007 Schloss Vollrads

Himbeermarmelade mit Kernen drin, das ganze dann auf frisch getoastetes und mit guter Butter bestrichenes Brot, fertig ist die Spätlesenase hier. Gefällt mir. Im Mund auch wieder leicht buttrig, geht einwandfrei runter, die Säure hält sich im Hintergrund, aber nicht bedeckt. Für 14,60 EUR gleich paar Buddeln gekauft.

VIII. Weingut G. H. von Mumm

1. Riesling Spätlese

2007 Johannisberger Mittelhölle

für 11 EUR ein billiges Vergnügen runder, gelungener Wein

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Kleine Bordeauxsause

Lilian Ladouys 1993

Traut man den Bordeauxauguren, spricht manches dagegen, diesen Wein heute ernsthaft mit Genusserwartung einzuschenken (Wine Spectator: zurückhaltende 82 Punkte bei noch zurückhaltenderer Zukunftsprognose). Wer’s trotzdem wagt, wird belohnt, denn dieser St. Estèphe zeigt reife Cassisaromen, sanftes, noch nicht völlig verschwundenes, sondern jetzt genau richtiges Tannin und etwas Graphit, entwickelt sich mit etwas Luft zu einem vorzüglich harmonischem Speisenbegleiter und das zum Schmunzelpreis (wenn man denn seinerzeit so klug war, mehr als nur für den Alltagsbedarf davon einzukaufen und hinzulegen)

Réserve du Velours 2001
Der zweite Überrascher ist nicht klassifiziert, schmückt sich nicht mit Terroir, Familie, Punkten, oder einem potenten Investor, sondern glänzt einfach nur verlockend rubinrot im Glas und lädt mit einer von Erdboden und ledrigen Aromen geprägten, sonst aber durchweg fruchtigen, nicht unseriösen Nase zum Genuss ein. Genuss ohne Reue, wie sich dann schnell herausstellt, diese Reserve du Velours bringt einen Spass, den man sonst frühestens in der Klasse der guten Cru Bourgeois zu erwarten gewöhnt ist


Pichon Longueville Comtesse de Lalande 1993

Damenhafter Wein von rehhafter Schönheit und Agilität. Getragen von Kirschnoten in tiefdunkelroter Robe und mit schelmisch durchblitzender, sozusagen mädchenhafter Säure. Für viele einer der besten Weinie des Abends.


Grand Puy Lacoste 1993

Herber, ruppiger, vielleicht auch noch nicht ganz ausentwickelt dagegen der GPL – aber Jungs sagt man ja oft nach, dass sie in der Entwicklung ein bisschen langsamer sind als Mädchen. Für mich an diesem Abend eine Nuance über der in puncto Eleganz klar überlegenen Comtesse, aber wegen des meiner Meinung nach größeren immer noch vorhandenen Potentials und der für mich besseren Kombination zum Lammkotelett in diesem flight hauchfeiner Sieger


Canon 1993
Rüber nach St. Émilion und gleich ins volle Leben! Würzig, mit Pfefferkuchen, Nuss, Pflaumenmus und einer immer noch lebhaften, kerngesunden Säure. Reichlich lang am Gaumen und ohne begleitende Speisen für mich besser als mit

Beauregard 1993
Auf der rechten Spur auch Beauregard aus Pomerol. Tannin, Süssholz, reife Kirsche, nicht so komplex wie der Canon, kein Rechtsüberholer, eher einer, der sich mit seiner ruhigen, konzentrierten, aber nicht schwermütigen Art für den Sonntagsausflug eingerichtet hat. Daher gern zum Truthahnsandwich mit Remoulade, Kalbskopfsülze, Stücken von roh geräucherter Lende oder Roastbeefscheiben


Montrose 1989
Wundervoll ist noch zu wenig für diesen dunklen, fast geheimnisvoll anmutenden Wein. In konzentrischen Kreisen finden sich außen softes Tannin mit crèmigem, nur noch Spuren von Vanille verratendem Übergang in einen Ring steiniger Mineralität und schließlich eine vibrierende Säure, die den saftigen Kern aus reifen schwarzen Beeren, Kompott und umgibt.


Angélus 1989

Bordeauxtrinken wird einem selten so gemacht wie bei diesem himmlischen Wein. Der 89er Angélus hat eine so unmittelbare, ganz selbstverständliche Präsenz, dass man sich gar nicht unterhalten mag, sondern nur den Duft aus dem Glas saugen will. Da findet sich Minze neben Pflaume, Kirsche und Cassis, Leder, Zedernholz und Tabak, ja die ganze Latte der Bordeauxaromenclichés auf einmal, aber in einer Anordnung und in einem ganz und gar unclichéhaften Varianten- und Entwicklungsreichtum. Eine bessere Heimat für den – mit um die 40% hohen – Anteil an Cabernet Franc kann man sich nicht wünschen.

Ich habe dann noch mit einem Chateau Negly, 100% Syrah, La Porte du Ciel 2003 gekontert, der Wein war nicht in Konkurrenz zu den Bordeaux zu sehen, eher als ein aliud. Warm, reichhaltig, konzentriert, trotz seiner 14,5% alc. nicht spritig oder hitzig, ähnlich wie die Bordeaux mit kraftvollen roten Fruchtaromen ausgestattet, komplex, auch mit etwas Bitterschokolade, später vermehrt erdige und würzige Noten, die an frische geschnittene Champignons erinnern.

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Châteauneuf-du-Pape: 1978

Peter jakob kühn quarzit 2007 – nice starter with fresh acidity and this typical stinky pjk nose

1st flight

1.1 granville cuvee royale negoce – malt, soil, iodine, rather thin, not very harmonious, not much fun to drink, more or less over the hill

1.2 chateau de vaudieu – same malty and earthy flavours with slightly metallic undertones which disappeared with some air. well-rounded sweetness and some eau de vie de kirsch, slightly too much alcohol on the palate, apparently some splendour left, but the wine has been declining for years already

1.3 domaine de st. prefert – watery, metallic, some malt, under these layers some hints of fruit, light-weighed, weakest wine of the flight

2nd flight

2.1 Vignobles lucien barrot – attractive nose, sweet, malty, develops medicinal flavours and dried herbs, reminded me of ramazotti or averna. clear on the palate, almost youthful, some alcoholic sharpness and still tannins mixed with grounded pepper, declining

2.2 domaine de la serriere – bacon, smoke, sulfites and ironoxydes, nose reminded me strongly of anchovies; later some dark berries showed up. loads of tannins on the palate, some sharpness, but the rest of the wine is still able to integrate the alcohol, drinks well

2.3 La charbonniere, caves mövenpick, en magnum – iron oxyde, but dominated by fruit here, then liquorice and dried herbs. creamy palate, quite easy drinking without sharpness or tannins, but at the same time with quite a masculine attitude. some ripe and juicy, crunchy bell pepper as well. harmonious wine, fun to drink

3rd flight

3.1 jean barrot, cuvee de hurlevent – pottage/gazpacho nose, lovage, later some toffee, rather thin nose although.still a wine with power, medium acidity, not very complex, but stays for a while on the palate

3.2 cuvee du boisdauphin – roasty, smoky nose, perfectly smelled like pimientos del piquillo. juicy, fresh and youthful palate with dark, concentrated berries and mild acidity.

3.3 domaine du pere caboche – strawberry-toffee and coke! almost no acidity, tasted like freshly squeezed strawberry juice, nice to drink

4th flight

4.1 domaine de cabrieres – clean, youthful, some sharpness, drink and forget.

4.2 chateau de la gardine – whipped cream and some malt again here. oxidyzed on the palate.

4.3 clos du mont olivet – ripe, juicy, expressive and youthful fruit, rolling merrily over tongue and palate but disappears too fast

5th flight

5.1 chateau maucoil – detergent with a citrussy flavour, elegantly mixed with madeira, nuts, figs and date, vibrant nose, but at first sip sharp, with a one-dimensional palate; develops with air and gathers some weight, especially the figs and dates are a great counterpart for the bitty acidity

5.2 chante-cigale – malt, iron, acidity were the dominant flavours i did not want to taste in this wine, disappointing.

5.3 elie armenier (domaine marcoux) – warm, with cranberries, blueberries and acidity on the nose; palate still on a high level with grip, tannins, clean and demanding, ambitious acidity

6th flight

6.1 domaine de mont redon – warm liquorice, lovage, graphite, floral notes and ripe fruit here, at least the nose was very promising. eye to eye the palate, well-integrated tannins, fruit and fun to drink for about half an hour, then declining

6.2 domaine de mont redon, en magnum – at least one level above than the mont redon from 1/1 bottle, far more elegant, dancing, with higher complexity and much more finesse, really began to show its superiority after ca. one hour and still developped on and on

6.3 domaine de mont redon “les brusquieres”, en magnum – camphor, metal, fresh blood on the nose for about half an hour, then the first signs of a huge wine: tingling herbal and floral scouts, then more and more earthy and spicy falvours, some metal still mixed up but more and more displaced by fresh mushrooms, graphite, kirsch, plums, cranberries, blackberries. fine structure, harmonious, needs lots of air to breathe, great wine, my secret wine of the night

7th flight

7.1 chateau de beaucastel – silex + slight brett, then razorblade sharp fruit, highly focussed, and leaving a creamy texture on the tongue and palate, tough wine!

7.2 chateau fortia tete de cru – cream and toffee here, very fruity with loads of strawberry and raspberry. not quite so on the palate, there’s more austerity, more tannin, more alcohol – could have some more flesh for me. looks like the wine begins to dry out, but ist still fun drinking, though

7.3 clos des papes – enormous nose, pure purple, flowers, cream, herbs, woodland strwaberries, blackberries, red fruit jelly with finest rum, this wine somehow was the quintessence of all the wines before, truly a monarch, or, a pope.

then we had some

– corked cabrieres 1980 – really a pity

– didinger, bopparder hamm beerenauslese 2007 – just wonderfully balanced, great stuff!

– dveri-pax, radbona, furmint auslese 2004 – not my cup of tea, odd, not harmonious, somewhat resinous

– didinger, bopparder hamm mandelberg * 2006 – apricot, peaches, mushrooms, white nougat, oily mouthfeeling

– leoville poyferre 1990 – musculuous and smooth, tobacco, plums, graphite, well-rounded, almost mellow mouthfeeling, a wine to fall in love with

– pichon baron 2002 – warm wine with vegetables, bell pepper and a smell of vitamin pillbox; harsh acidity at first sip, followed from a more concealing tannic structure and boasting cassis. very youthful, fun to drink for some, for me it’s too young

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