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Terres et Vins de Champagne (II/III)

 

VII. Vincent Couche

Junger Aube-Avantgardist aus Buxeuil, -Vinifikateur mit insgesamt 12 ha. Spielt seinen Reben u.a. Musik vor und wirkt dabei auch noch völlig glaubwürdig. Nach Art der Champenois sind seine Etiketten jedoch zumindest eigenwillig. Scheinbar nämlich gilt es bei den Winzern als Ausdruck höchster Glaubwürdigkeit, selbst auf dem Eikett abgekonterfeit zu sein. Gewöhnliche Winzer beschränken sich dabei auf einen Scherenschnitt, ein mehr oder weniger künstlerisch bearbeitetes Portrait oder abstrahierend auf ihre Unterschrift. Nicht so Monsieur Couche, der auf dem Etikett seines Dosage Zéro höchstselbst und offenbar splitternackt dazu einzuladen scheint, der Bedeutung seines Namens auf den Grund zu gehen. Ich empfehle, seinen Champagnern auf den Grund zu gehen, denn was ich verkosten durfte, war ernsthaft! sehr gut!! Ausnahmsweise deshalb hier der link zur website: www.champagne-couche.fr

Vins Clairs:

1. PN von jungen Anlagen aus Buxeuil

Sahnig und crèmig, mit Fenchel, Anis und Süßholz, die ich bekanntlich nicht besonders schätze. Im Mund dennoch forsch, kräftig und gut.

2. Chloé

75PN 25CH 25PM, 25% Fassausbau

Ansatzlos herausplatzende Säure, reichlich merkliches Holz, trinkt sich dann aber doch erstaunlich ruhig und unaufgeregt.

3. Montgueux

100CH aus dem Holzfass

Prickelnd und leicht süß, erinnert an Marihuana, wenn es das in der Geschmacksrichtung Apfel-Zitrone zu trinken gäbe, wären wir dem Montgueux von Couche wahrscheinlich schon sehr dicht auf den Fersen. Basis für den Perle de Nacre.

Champagner:

1. Perle de Nacre, Blanc de Blancs

2004er Basis mit 2003 und 2002 aus Montgueux, 20% Fassausbau, mit 5 g/l dosiert

Wirkt süßer als er dosiert ist, was offensichtlich an der hohen Grundsüße des Montgueux-Chardonnays liegt. Schlingel Couche spielt auf den Etiketten nicht nur mit seinem eigenen Nachnamen, sondern gibt auch bei dieser narkotisierenden Cuvée deutliche Hinweise. Apfel, Zitrone und Marihuana haben sich hier zu einer schönen Melange zusammengefunden und nach dem genuss einer Flasche Perle de Nacre kann vermutlich jedermann Gedichte schreiben schreiben wie Baudelaire in seinen besten Tagen.

2. Chloé (2009) non dosé

70PN 30CH, 30% Holzfassausbau, 10 g/l Restzucker, daher keine Dosage

Mandel, Marshmallow und eine klare Restsüße überdecken hier das Holz. Kein Champagner, den man in jungen Jahren trinken sollte und selbst als reife Version dürfte die Aromatik nur wenigen Champagnerpuristen gefallen. Ich bin da nicht sehr dogmatisch und empfehle den Champagner zum hinlegen.

3. Rosé Desire

70PN 30CH, aus Buxeuil und Montgueux, 30% Holzfassanteil, 2007er Basis mit 2006. Mazerationsrosé mit normaler Maischegärung und carbonischer Gärung

Das Etikett ist nicht besonders schön und könnte so auch auf Billigschaumwein anderer Provenienz prangen. Etwas mehr gewollt als gekonnt ist auch die zugehörige Aufnahme mit der wohlgeformten Dame in schwarz auf der website (www.champagne-couche.fr) des Winzers, aber was soll's, in der Hinsicht bin ich noch viel schlimmere Bilder gewöhnt. Der Champagner um den es hier geht ist frisch, unverkitscht, sehr belebend, mit luftigem, die Seele weitendem Charakter; die eher unauffällig grasige Note ist insofern nicht im selben Sinne grasig, wie man es vom Sauvignon-Blanc kennt, sondern deutlicher an die bereits bekannten Marihuananoten angelehnt.

 

VIII.

Knappe 9 ha überwiegend in Vertus und Le Mesnil bewirtschaftet der grundsympathische Pascal Doquet seit 1996, seit 2007 übrigens biodynamisch. Äußerlich übriggebliebener Hippie, strahlt er eine herzliche Wärme und Begeisterung aus, die einen sofort ansteckt und auf die Weine vorbereitet.

Vins Clairs:

1. Mazerationsrosé

Chardonnay und Pinot Noir mit drei Tagen Maischestandzeit

Angenehm weich und feinbuttrig, mit körbchenweise handgepflückten Beeren, die so schmecken wie die, die im Werbespot von der ganzen glücklichen Familie mit zwei zauberhaften Kindern und der Oma zu Kuchen, Kompott, Roter Grütze und Marmelade verarbeitet werden.

2. Chardonnay

Bergères les Vertus. Holzfass.

Milder, weicher Chardonnay, zurückhaltende Exotik und Spuren von Kalk, ohne besonderen Holzeinfluss.

3. Chardonnay

Le Mesnil. Holzfass.

Höhere Schlagzahl gegenüber dem Vorgängerchardonnay, mehr Säure, mehr Mineralität, auch hier kein besonders ausgeprägtes Holzaroma. Beide Chardonnays könnte man auch direkt servieren, für den Sologenuss oder zum Essen.

Champagner:

1. 2/3PN 1/3CH

Mit 7 g/l dosiert, weich, mandelig, zart haselnussig und von samtiger Textur.

2. Blanc de Blancs Vertus Premier Cru 2004

1/3 Fassanteil, mit 4,5 g/l dosiert; Haselnuss- und minimale Röstnoten, dabei frisch, mit grünen und roten Äpfeln, etwas agrûmes, entfernt auch Honig und ungestrengter, sanfter Säure

3. Blanc de Blancs 2002

Le Mesnil

Vollmundig, reif, rund, entschiedener nussig, mehr und konzentriertere Apfel- und Quittenaromen, auch Mandarine, für einen Mesnilchardonnay eine schon jetzt sehr tief eingebettete Säure

 

IX. René Geoffroy

Ursprünglich aus Ay, ist das Haus Geofrroy näher an seine Weinberge in Dizy, Hautvillers, Damery und Cumières gerückt und heute in Cumières ansässig. Vinifiziert wird im großen und kleinen Holz, BSA wird gemieden.

Vins Clairs:

1. Chardonnay

Fruchtige Säure, fröhlicher Wein.

2. 32PN 53CH 15 Mischsatz aus CH, PN, PM, Petit Meslier und Arbane

Eine Glätte zwischen hochglanzpoliertem Stahl und Seidengeschmeide, die Fruchtdimension dieses Weins will sich mir nicht recht erschließen. Beträchtliche Säure, die lang und mild ausgleitet.

3. Mischsatz aus CH, PN, PM, Petit Meslier und Arbane (wird nächstes Jahr erstmals in den Handel kommen)

Würde auch als Pouilly Fumé durchgehen.

Champagner:

1. Pureté non dosé

50PM 50PN

Mild, buttrig und fein; knackig wie junge Möhrchen, mit charmanter Säure, wirkt aber etwas indifferent, vielleicht wäre wenigstens ein bisschen Disage doch hilfreich beim Öffnen gewesen.

2. Rosé Extra Brut

50CH 50 PN Mazerationsrosé aus Commaceration, d.h. CH und PN waren drei Tage lang zusammen auf der Maische

Viel Mineralität und wenig Frucht, kein Rosé für den Solospaß, hier muss ein fetter Käs dazu, wahlweise eine dicke Sauce.

3. Pinot Meunier Coteaux Champenois

Heller, samtiger Wein, jugendlich und nett, aber leider nicht mehr.

 

X. Henri Goutorbe

Die Familie Goutorbe stammt aus dem Rebveredelungsbereich.

Vins Clairs:

1. Chardonnay

Chlor und Menthol, süßlicher und schwerer Stil

2. Pinot Meunier

Kein gewaltiger Unterschied zum Chardonnay, nur dass hier noch eine metallische und eine apfelige Komponente dazukommt

3. Coteaux Champenois Rouge, Ay Grand Cru

Schöner Spätburgunder, den man so auch an der Ahr bekommen könnte.

Champagner:

1. Grand Cru d'Ay 2004

75PN 25CH, mit 9 g/l dosiert

Eine glückliche Ehe aus elegantem Pinot und rassigem Chardonnay, gehört zu den höchstdosierten Champagnern der Terres et Vins und erinnert am deutlichsten an den Stil der großen Häuser.

2. Cuvée eclatante, "Elisabeth"

75PN 20CH 5PM, mit 9 g/l dosiert, ausschließlich für den amerikanischen Markt bestimmt; wirkt noch ein bisschen gefälliger, weil statt der Chardonnayrasse etwas von der gefügigeren Meunier drin ist.

3.Réserve Prestige Premier Cru

70PN 25CH 5PM, mit 9 g/l dosiert

So deutlich sich das Fehlen von 5% Chardonnayanteil in der Cuvée Elisabeth bemerkbar machte, so wenig wiederum merkt man die Erhöhung des Chardonnayanteils um den selben Prozentpunktsatz. Ob der Champagner also wirklich signifikant frischer, schlanker, präziser wirkt, oder ob das reine Einbildung ist, kann ich nicht sagen.

 

XI. Jeaunaux-Robin

Ex nihilo nihil fit, sagten die Römer. Aber: ein Teil des Betriebs von Jeaunaux-Robin ist mit ca. 4 ha in Talus St. Prix zu Hause, mitten im Nichts, der andere mit ca. 1 ha an der Aube, ebenfalls im Nichts. Doch der Champagner der hier entsteht, ist alles andere als Nichts.

1. Chardonnay ohne BSA

Klassischer Chardonnay mit einer etwas candyhaften Nase und Babybananenduft, im Mund hingegen schon ernstzunehmende, wenn auch nicht aggressive Säure

2. Pinot Meunier ohne BSA

Schlank, auf hohem Niveau vinifiziert, mit seriöser Exotik; von der Thai-Masseuse im Bahnhofsviertel so weit entfernt, wie die Wellness-Massage im Spa. Schwächelt allerdings gegen Ende.

3. Pinot Meunier mit BSA

Hat gegenüber dem Meunier ohne BSA den längeren Atem und eine weniger starke, dafür stabilere Säure, sowie durchgehende kräuterige Würze.

Champagner:

1. Cuvée Prestige

80CH 20PN, zu 70% aus 2007, zu 30% aus 2006, mit 6 g/l dosiert

Schmeichelnder Champagner, dem man die 6 g/l anmerkt. Fruchtig, von angenehm freundlichem Naturell wie der Winzer selbst.

2. Sélection Extra Brut

60PM 30PN 10CH, mit 5,5 g/l dosiert

Kirsche, Banane, etwas Brot, süffig, harmonisch und gut. Natürlich noch arg jung, so dass man jetzt kaum sagen kann, was mit dem Champagner passieren wird, wenn die Primärfrucht weg ist. Allgemein ist KiBa für mich ein gutes zeichen, beim Blanc de Blancs Celebris Extra Brut von Gosset habe ich in der Jugend sehr gute Erfahrungen damit gemacht und viele andere Champagner konnten ihr Genussversprechen aus den ersten Tagen ihrer kommerziellen Existenz nach Jahren ebenfalls noch einlösen.

3. Les Grands Nots 2003, dég. Okt. 2010

Drittelmix, mit 3 g/l dosiert

Karamellisierte Kondensmilch, Milchschokolade, salziger Toffee, Marzipan mit verschiedenen Füllunge wie Apfel, Orange, Aprikose, Kirsche. Sehr reif, wenig Säure; dennoch so viel überbordende Aromenfülle, dass ich dem Champagner noch locker ein paar Jahre Leben in der Flasche zutraue, für mich einer der besten 2003er bislang und in Jahren wie 2004 oder 2008 sicher ein Erlebnis! Kommt auf die Merkliste.

 

XII.

Dem delikaten Bouzy-Pinot hat sich Benoit Lahaye verschrieben. BSA brauchts da so wenig, wie pampige Dosage, beides schadet auch nach meiner Auffassung diesem besonders schmackhafte Wein.

Vins Clairs:

1. ?

Ob er den Namen des Weins nur vernuschelt hat, ob ich ihn vergessen habe, aufzuschreiben oder ob Benoit Lahaye ähnlich wie Franck Pascal bei einem seiner Weine selbst gar nicht sagen konnte, was er da servierte, wird nicht mehr aufzuklären sein. Fest steht für mich: der Wein war gut. Animierend, mit Eukalyptus und einer efeuhaften Note, klarer, milder, aber nicht schwacher Säure.

2. Pinot Noir

Auf eine harmlose Candynase folgte schwallartig eine happige Säure, die sich schneidend bis in den letzten Mundwinkel und die allerkleinste Zahnfleischverletzung ergoss und als Strafe für nachlässiges Zähneputzen verwendet werden könnte.

3. Mazerationsrosé

Bleistift, Blaubeere, Pflaume, Veilchen, Brot. Im Mund eine elegante und sanft tanninschmelzige Süße, geht minimal griffig in die Backen. Sehr gute Substanz.

Champagner:

1. Violaine

50PN 50CH ohne Schwefel

Schicker, leicht blumiger Duft, mädchenhaft schüchterner Wein

2. Millésime 2006

70PN 30CH

Mild und genauso zurückhaltend wie die Violaine, gegen Ende mit einer Mischung aus Süßholzsaft und wässriger Säure, die ich irritierend fand

3. Mazerationsrosé

So gut mir die Substanz beim Stillwein noch gefallen hat, fehlte mir beim Champagner dann doch Säure und Stoffigkeit.

4. Blanc de Noirs Prestige

Der Blanc de Noirs nahm einen langen Anlauf, prallte mit voller Wucht am Gaumen auf, entwickelte viel Frucht und Materie am Gaumen, dünnte aber gegen Ende zu schnell ein und hinterließ eine etwas alleingelassene Säure. Da muss mit zunehmender Reife noch mehr Fleisch dran.

Wein-Glossar



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