Das Duell der Doppelnamen. Mit den Namensträgern der beteiligten Familien sind ca. 40% der Ortsbevölkerung von erfasst. Lancelot-Goussard aus der Rue Ernest Vallé, kurz bevor man das Lycée Viticole in der Ortsmitte erreicht, verfügt über knapp 5 Hektar mit überwiegend Chardonnay im benachbarten Cramant, sowie in , Oiry und Epernay, in Mardeuil und  steht Meunier und in Celles-sur-Ource der  Noir. Nur wenige Meter weiter ist Simon-Selosse ansässig, der wegen des klingenden Namens zu (manchmal ganz gezielten) Verwechslungen einlädt. Philippe Simon herrscht seit 1990 über ebenfalls knapp 5 Hektar in Avize, Cramant, , Mancy, Moussy und Vinay. Als Beaune-Absolvent und orientierter Winzer bekennt er sich zu einem weinigen Stil. Beide Erzeuger verkaufen ab Hof zu Preisen zwischen 16,50 für die einfachen und 22,50 EUR für ihre jeweiligen Spitzencuvées

Lancelot-Goussard Réserve, Chardonnay aus Epernay, Chouilly, Oiry und Cramant, Basis 2012 mit aus 2011 ist ein üppiger Wein, der sich nicht auf Anhieb als de Blancs zu erkennen gibt und mit viel Nuss punktet, mit für mich zu hoher Dosage aber auch wieder verliert. Als Einsteigerchardonnay geht er in Ordnung.

Simon-Selosse Cuvée hält mit viel Apfel dagegen und wirkt für einen Extra Brut ebenfalls sehr hoch dosiert. Beim Simon-Selosse Cuvée Traditionelle ändert sich daran nichts zum besseren, der wirkt lediglich grober, was an sich nicht schlecht ist, für erfahrene Trinker aber auch keinen besonderen Reiz bedeutet. 

Lancelot-Goussard Cuvée Speciale de Cramant 2006, alte Reben (35-50 Jahre heißt es auf der Website, 60-70 Jahre im flyer), der Champagner erinnert mit wenig bis nichts an die typischen und bekannteren unter den Chardonnays aus Cramant. Dafür ist er zu einseitig nussig, mir auch zu phenolisch, die vibrierende Mitte fehlt.

Simon-Selosse Cuvée Premiers Saveurs non dosé, ist demegegenüber deutlich besser geraten, sehr sauber, sehr definiert, nicht mehr so dicklich wie der Einsteiger und mit einer klaren Vorstellung davon, wo seine Grenzen sind. Ehrlicher, weiniger Champagner ohne großes Drumherum und vielleicht ja die Keimzelle für Größeres.

Lancelot-Goussard Brio , 40PN aus Celles-sur-Ource, 60CH aus Chouilly, praktisch dosagelos, mit der beim Cramantchardonnay noch vermissten Mitte, hier wirklich mit Ausdruck, Konzentration und Tiefe gespielt. Der Champagner wirkt außerdem leichter, nicht um den Erfolg bemüht und daher sympathisch. Leicht, immer noch etwas zu süß für mich, aber mit gegensteuernder feiner Schlussherbe. 

Simon-Selosse Cuvée Prestige Brut ist tropfend saftig, ausgewogen und mit 8 g/l immer noch einen Ticken zu hoch dosiert, um mich dauerhaft einzufangen. Eine bierhefige Note zum Schluss stört mich, zerstört aber nicht den positiven Gesamteindruck.

Lancelot-Goussard Rosé Tradition Saint-Jean, Saignéemethode, 100PN aus Celles-sur-Ource. Essensbegleiterchampagner, der durch seine kräftige Pinotnote und den alkoholischen touch allein wenig Spaß macht, dafür umso besser zu Eintöpfen aller Art, zu Pâté und Wurst passt.