Henri Giraud

Die Hémarts sind seit Jahrhunderten in Ay zu Hause, die Girauds nicht. Trotzdem heißt das Haus heute Giraud. Das liegt daran, dass ein Veteran der Marneschlacht des Ersten Weltkriegs, Léon Giraud, in die Hémartfamilie eingeheiratet hat und dann maßgeblich dafür sorgte, dass die von der Reblaus vernichteten Weinberge wieder bewirtschaftet werden konnten. Der der Familie Giraud/Hémart kann heute ein wenig als das Pendant zu den Rieslingen von Egon Müller gelten. Wahrscheinlich genau deshalb stehen sich die beiden auch tatsächlich recht .

1. Le

70PN 30CH

In Frankreich heißt die Cuvée "Esprit de Giraud", in Deutschland hat man sich auf das schlichte "Le Brut" limitiert. , Vanille, Brioche und weißen Pfeffer kann man wahrnehmen, stehen für mich aber nicht im Vordergrund. Da sehe ich bei diesem Champagner als viel wichtiger an, dass er bei aller Sportlichkeit etwas verwinkelt strukturiert ist, was ihn nicht ganz leicht wirken lässt. Gleichzeitig lässt er Noblesse und einen ganz eigenen, sehr weinigen und zutiefst herbschönen Charakter erkennen. Dieser Eindruck setzt sich durch die ganze Reighe der Giraud-Champagner fort. Die "Le Bruts" sind die moderne Visitenkarte des Hauses und stehen in deutlichem Kontrast zu den altmodischeren, aber nicht altbackenen Hommageweinen.

2. Le Brut de Blancs d'Ay

Giraud ist einer der wenigen, die reinsortigen Ay- als Champagnerbesonderheit auf den Markt bringen, am bekanntesten sind wahrscheinlich die d'Ay von , aus dem lieux-dit les Vauzelles, wo auch die Cousins von Jacquesson ihren Chardonnay stehen haben. ist ein anderer Exponent des Ay-Chardonnays, speziell die undosierten Versionen sind hierbei besonders aufschlussreich. Der Ay-Chardonnay von Giraud ist süffigste, exotischfruchtigste und weichste, dabei untypischste von allen Giraudchampagnern, ein typischer Ay-Chardonnay eben.

3. Le Rosé

70PN 22CH und 8% Ay Rouge aus dem Holzfassl.

Der Rosé zeigt seine Nähe zum weißen Le Brut vor allem durch seinen modernen Ansatz, er ist fröhlich, aber nicht leichtsinnig, fruchtig, ohne ins candyhafte abzugleiten. Ein zarter Blumenduft gibt ihm das Quentchen Würde, ohne das er 'nur' ein Sommerchampagner wäre.

4. Hommage à Francois Hémart Blanc

70PN 30CH

Die Trauben stammen auch hier wieder komplett aus Ay, die Weine wurden sechs Monate lang im kleinen Holzfassl aus Argonner Eiche ausgebaut, dort wurde jedwede freche Säurespitze gezüchtigt und ins Glied gestellt. Der Stil ist deshalb wuchtiger, weiniger, dichter. Der Champagner wirkt vornehm, vor allem trägt das Holz nicht zu dick auf.

5. Code Noir

Am wuchtigsten und holzigsten ist der Code Noir. Mir ist das schon eine Spur zu viel und ich fühle mich bei der Hommage wohler.

6. Code Noir Rosé

90PN und 10% Ay Rouge aus dem bewährten kleinen Argonner Holzfassl..

Diesem Champagner hat das Holz etwas besser getan, als dem weißen Code Noir, , Zigarrenkiste, Jod, Pfeifentabak und Bittermandel finden sich in ernster Runde, ein Plaisirchampagner ist auch dieser nicht. Dafür ist er zu streng, zu herb, viel zu wenig leichtsinnig. Dafür meistert er den Umgang mit dem Wildbret des Argonner Walds mühelos und öffnet sich wie ein alter Forstassessor zur bestandenen Jagdprüfung seiner Adjunkten; es wäre die reinste Verschwendung, diesen Champagner solo zu trinken.

7. Cuvée Fût de Chêne

Kein schönes Jahr in der Champagne und dennoch hat Claude Giraud sein Flaggschiff sicher in den Heimathafen gebracht. Die Essenz aus Argonner Holz und Ay-, ein staatsmännischer Alleinunterhalter.

8. (20 Jahre)

30CH 70PN, hier kommen die fruchtigsten Moste der zweiten Pressung zusammen, der älteste ist zwanzig Jahre alt. Sie lagern im Solerasystem in kleinen Fässern übereinander, abgestoppt mit einem Fine de Champagne.

Der Duft ist betäubend, Très Vieux Pineau de Charente, ausentwickeltes Rancio, Gorgonzola, Pilze, heiße Butter, Mascarpone, Nüsse, im Mund dann ein leichtes, eingängiges Trinkgefühl, das zum endlosen Nuckeln anregt.