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Große Häuser, große Jahrgangschampagner?

Nimmt man das weitverbreitete Großhausbashing ernst, dann dürfte von den notorischen Industriechampagnererzeugern kein vernünftiger Champagner zu erwarten sein, sondern ein perfide auf schnellen Geschmackserfolg getrimmte Einheitssauce, mit der sich die kritiklosen Massen betäuben lassen. Das stimmt in seiner Pauschalität natürlich schon nicht bei den Standardbruts der mengenmäßig größten Häuser, aber weil Standardbrutverkostungen mit dem Zweck, allgemeine Vorurteile zu widerlegen langweilig sind, habe ich mich der kaum minder großen Mühe unterzogen und in munterer Runde einige Jahrgangschampagner einiger mittelgroßer und großer Häuser näher betrachtet. Nicht ohne den Spaß dabei aus den Augen zu verlieren und nicht ohne die eine oder andere eingeflochtene Überraschung. Voilà:   

1. Soutiran Brut Grand Cru 2002

Eher gewoehnliche Nase, recht süß im Mund, Minisaeure. Keine riesige Offenbarung für einen Grand Cru aus sonst schönem Jahr.

2. Ferghettina Extra Brut 2001

Anfangs irritierende Kautschuknase, die sich bis hin zum Geranienton aus übertriebenem BSA erstreckt, was im Mund von lebhafter, zitrusfrischer Säure widerlegt wird. Eine gewisse Candyhaftigkeit kann man ihm nicht absprechen, dringende Zweifel daran, dass es sich um einen Champagner handelt, hatte ich aber in der Blindprobe nicht.

3. Louis Roederer Cristal 2004

Nach leichtem Böckser sehr cristallig, sehr leicht, sehr elegant, etwas röstig, ein wenig Toast, Brioche, Ingwerraspel, eine Ahnung von Kumqat, Physalis und Granatapfel. Wie konzentriert und dicht dieser Champagner ist, zeigt sich erst im Vergleich. Für sich genommen wirkt er unverfänglich und leicht, gerade so, als könne er kein Wässerchen trüben. Was für eine Gravität und aromatische Schwerkraft er besitzt, wird dabei nicht einmal ansatzweise erkennbar und lässt Champagner wie den Cristal in der öffentlichen Meinung neben amtlichen Schwergewichten wie z.B. Krug immer als Bruder Leichtfuß dastehen. Ich ertappe mich ja selbst immer wieder dabei, den Cristal nicht ganz ernst zu nehmen.

4. Laurent-Perrier Millésime 2002

Smoother, cooler Champagner mit einem unfairen Startnachteil gegenüber dem Cristal, der ein so hohes Tempo vorgelegt hatte. Dieser 2002er verdiente einen eigenständigen Auftritt und mit etwas Abstand zum Verkostungskontext konnte er sich unbefangener präsentieren. Immerhin gehört Laurent-Perrier zu den wenigen ganz großen Häusern, die nicht mit Jahrgängen um sich werfen. Der 2002er ist – seit 2011 – als aktueller Jahrgang des Hauses ein rundum gelungener Champagner, der die ganze Reichhaltigkeit, Finesse und Ausgewogenheit des formidablen Jahrs in sich trägt. Gut nachvollziehbar daher der hälftige Mix aus Chardonnay und Pinot Noir, der sich niederschlägt in Form feiner Nussnoten, etwas hineingewobenen Apfels, Orangenblüte, Zimtblüte, Rooibush, Marille. Hinterlässt keine so tiefen Rillen im Gehirn, wie der Cristal, kostet aber auch nur ca. ein Viertel.

5. Moet et Chandon Grand Vintage 2002

Champagner mit einer für den Brut Impérial typischen Eigenschaft, nämlich einer Easygoingmentalität und kalifornischen Beachboylässigkeit, die aufreizend oberflächlich wirkt. Genau das ist der Trugschluss bei beiden, dem jahrgangslosen wie dem groß bejahrten Moet. Nach ca. drei Jahren zusätzlicher Flaschenreife kommen diese Champagner in puncto Ausgewogenheit und innerer Ruhe dahin, wo die meisten anderen bei Vermarktungsbeginn starten. Die jugendliche Unbeständigkeit des Grand Vintage ließ ihn gegenüber dem Laurent-Perrier Jahrgangskollegen unterlegen wirken.

6. Delamotte Blanc de Blancs 2002

Die kleine Schwester von Salon hat mit ihren Jahrgangschardonnays fast immer Aussicht auf eine reiche Verehrerschar. 2002 könnte das anders aussehen oder zumindest etwas länger dauern, als sonst. Mir wirkte der Champagner selbst im Vergleich mit dem Sunnyboy von Moet zu easy und glattgelutscht. Obs an einer hohen Dosage liegt, vrmag ich nicht zu sagen und würde mindestens zwei, lieber drei Jahre warten, bevor ich die nächste Flasche Delamotte BdB 2002 öffne.

7. Louis Roederer Blanc de Blancs 2000

Eine andere von mir stets als sicher angenommene Bank ist der Blanc de Blancs von Louis Roederer, ähnlich dem Delamotte, der sich oft als günstige Salon-Alternative platzieren kann, geht der Blanc de Blancs von Roederer gut und gern als kleiner Cristal durch, selbst wenn beide grundanders konzipiert sind. Hefe, Toast und Aromenleichtigkeit, zwanglos wie hindrapierte Frauenfiguren in einem Art-Déco Werbeplakat von Alphonse Mucha, das ist die große Stärke dieses Champagners.

8. Cantine Marchesa Pallavicino 1998 Trentodoc, sbocc. 2008

Verbene, aber nicht zu knapp. Und ich liebe Verbene. Im Rahmen einer Champagnerverkostung ist ein so ausgeprägtes Einzelaroma trotzdem immer ein Hinweis auf einen Piraten. Ich bin wegen meiner Verbenenverliebtheit natürlich voll drauf reingefallen und habe dem reifen Trentosprudel hohe Qualität attestiert, zu der ich weiterhin stehe.

9. Alain Thienot Grande Cuvée 1999

Ein Augenöffner war dann das großzügigere, weiter verteilte Aroma von Zitrusmelissen, Verbenen und beurre blanc limonée, das der Thienot verströmte und spätestens in dem Augenblick, als der Trunk die Zunge benetzte, war ich wieder kalibriert und gestehe dem von mir nie besonders fokussiert wahrgenommenen Erzeuger beträchtliches Können zu.

10. Pol-Roger Millésime 1996

Die Geschmeidigkeit einer bengalischen Tigerin gepaart mit großartiger Säure und dem Format eines echten Kolonialherren. Mit sowas im Gepäck erobert man Weltreiche.

11. de Saint-Gall Blanc de Blancs Grand Cru Cuvée Orpale 1995

In ausgeruhter Verfassung trat der de Saint Gall an, tat sich aber nach dem sehr überzeugenden Pol-Roger sichtlich schwer. Was mir positiv auffiel, war die Gelassenheit, die der Jahrgang verströmte und mittlerweile dürfte 1995 als eines der schönsten Jahre des Dezenniums feststehen. Nicht so gehyped wie 90 und 96, viel massiver und stärker als 92 und 93, lasziver und verwöhnender als 98 und 99. Zurück zum Orpale, der bei aller Freude am Jahrgang meine Voreingenommenheit gegenüber reinsortigen Chardonnays einmal mehr bestätigte; denn so angenehm und mit hohem Wiedererkennungswert Blanc de Blancs selbst aus Grand Crus auftreten, so langweilig und austauschbar sind sie am Ende doch oft. Für einen Champagner, der auf einen ganz bestimmten Massenmarkt zielt, ist das vertretbar und nicht dumm, nur wird de Saint Gall damit meinen Gaumen weiterhin nicht für sich erobern können.

12. Taittinger Comtes de Champagne Blanc de Blancs 1995

In letzter Zeit hatte ich zu viele schwefelböckserige Taittingers im Glas, die Befürchtungen überwogen deshalb im Vorfeld des Öffnens die Freude. Die Entwarnung kam schnell, der Comtes zeigte sich als ein starkes Gewächs mit viel mehr sympathischem Eigensinn, als ihn der charmante aber gesichtlose Orpale vermittelte. Reif, noch einige Jahre vor dem Zenith, sehr galant und weltläufig, dem Chef des Hauses wie aus dem Gesicht geschnitten.

Wein-Glossar



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