Der liebe Jan Buhrmann hat für den einige deutschländer Festtagstropfen ausgewählt, die ich einfach mal frech mitverkostet habe. Hier meine Ergebnisse.

1. Solter Noir Cuvée "Lilly Rosé“

Beerig, laktisch, mit Reifesignalen. Rheingauer Kraft, badischer Saft, aus dem Rheingau kommt außerdem die sich langsam zurückziehende Säure. Kein Powersekt, sondern eher was beschauliches.

2. Frank John – Hirschhorner Hof Riesling Reseve "Buntsandstein" 2008

Beerig und rotapfelig, recht fruchtig, etwas bonbonig mit mäßiger, obgleich noch nicht betulich wirkender Säure und milder Chorizonote, trinkt sich insgesamt ziemlich easy.

3. Fürst von Metternich trocken

Reif und auffallend saftig, dabei im Mund auch recht süß, was die Aromenidentifikation erschwert. Wirkt trotz der hohen Dosage nicht zugekleistert, baut aber auch nicht besonders viel Druck auf und wirkt insgesamt doch herzlich wenig aromatisch; Riesling habe ich keinen erkannt.

4. Bäder Grauburgunder 2011

Anfangs eine ausgeprägte Klebstoffnase, die einem ausdrucksarmen Mienenspiel weicht und eher herbe Schönheit erkennen lässt. Das hätte natürlich an der von mir im nicht besonders geschätzten Rebsorte liegen können, lag es aber nicht, sondern daran, dass der viel höher dosierte Metternich ein tückischer Geselle in einer Sprudelblindprobe aus schwarzen Gläsern ist und den Probenkontext ganz schön verwirbeln kann. Siehe dazu weiter unter 6.

5. Schloss Sommerhausen Auxerrois 2005, dég. 8/2011

Reichlich phenolisch, mit Blumentopferde bis hin zu einem Hauch von Geranie, dann Bittermandel und höchstens im Hintergrund etwas Grapefruit, für mich doch arg weit dran am übertrieben BSA, aber trotz allem nicht ganz unreizend, mit freakigem Charme.

6. Bäder Grauburgunder 2011

Dann nochmal der Grauburgunder von Bäder, der es nach dem Metternich so schwer hatte und siehe da, plötzlich purzeln Himbeere und eine wider Erwarten ansprechende, ja pikante Saeure aus dem zwar nicht übervollen, aber wohlmeinend bestückten Füllhorn. Guter, wenngleich nicht sehr komplizierter Sekt.

7. Bäder Riesling Nature Méthode Rurale 2011

Parfumiert, Brausebonbon, im Mund mit schlanker, irritierender Herbe. Wirkt unvollständig.

8. Zur Schwane Volkach Brut

Birnig, beerig, Stachelbeere, Bananenschale, auch leicht melassig. Im Mund dann angenehm süffig und rund. Gelungener -Sekt.

9. Brut, Kirsten,

Ansprechender Beerenmix, im Mund anfangs gut ausbalanciert, dann aber für meinen Geschmack zu süß und labberig. Wirkt gegen Ende ausgefranselt und insgesamt zu kurz.

10. Heymann-Löwenstein Brut, Lot 48, dég. Sep. 2012

Anfangs ein klein wenig Klebstoff, im Mund dann aber kraftvoll mit milder Herbe. Überraschungskandidat von der Mosel, der mit Flaschenreife noch deutlich zulegen kann.

11. Kirsten o.J

Multivitaminnase, süß bis plörrig, praktisch keine merkbare Säure, weshalb der lasch wirkt und mir viel zu laktisch vorkommt, buttrig ist und so viel mitbekommen hat, wie ein Kriegswaisenkind Gewalttaten.

12. A.R. Lenoble Blanc de Blancs

Leichter Champagnertyp, der nach den vielen Sekten schnell blind zu erkennen war und mit seiner sahnigen, leicht säuerlichen Noisette, dem Toffee, etwas Walnussschale, Apfelnoten und massentauglichen Dosage einige neue Töne ins Spiel brachte.

13. Mathieu-Princet Blanc de Blancs

Mittelschlank bis fleischig, brachte der Champagner aus Grauves ein nicht sehr schönes metallisches Aroma ein.