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Lockerungsübungen 1947 – 2009

Am Vorabend zur Vieux Château Certan Probe gab es zur Einstimmung und weil sie irgendwer ja sowieso würde trinken müssen, die folgenden Auflockerungs-Weine: 

I. Muré Vin d'Alsace Riesling Grand Cru Vorbourg Clos St. Landelin 1985

Buttrig mit leichter Bitternote, noch trinkbar aber kein Mordsvergnügen war der Elsässer aus Rouffach.

II. Freiherr Langwerth von Simmern Hattenheimer Mannberg Kabinett trocken 1991

Frischsäuerlich, mit pektiniger Apfeligkeit, hinterließ der Mannberg einen glatten Gaumen, für trockenen Kabinett dieses Alters keine schlechte Leistung.

III. Jacques Lassaigne Blanc de Blancs Montgueux "Le Cotet"

Milchschokolade, roter Apfel, zahme Säure. Ruhiger, eigenwiliger bis untypischer Chardonnay, der im größtmöglichen Kontrast zu den Spitzen der Côte des Blancs steht. Didier Depond von Salon/Delamotte, den ich natürlich als einen der ersten dazu befragt habe, sieht unter anderem deshalb in den Montgueux Chardonnays keine Konkurrenz zu den Chardonnays der Côte des Blancs.

IV. Bernd Philippi Pinot Noir 2003

Veilchen, Bromjodid, weiches Tannin, feines Holzfinish. Viel mehr kann man von so einer Traube aus so einem Jahr nicht wollen.

V. Château Tertre Daugay 1966

Seit Neuestem ist Robert von Luxembourg und damit praktisch Haut-Brion Eigentümer dieses potenten Weinguts. Den 66er gab es aus zwei unterschiedlichen Flaschen. Der Inhalt der einen war oxidiert, die andere hatte dieses Problem nicht. Aus der besseren kamen Liebstöckel und flintige Noten, am Gaumen war der Wein noch griffig, jedoch mit einer verhärteten Säure.

VI. Château Clos Fourtet 1er GCC St. Emilion 1975

Wenn man nach dem Öffnen nicht allzulange wartet, bereitet der Wein mit seinem letzten Aufbäumen noch richtig Freude. Minzig, mit schnell verhallender, aber Sehnsucht weckender Süße.

VII. Latricière Chambertin Händlerfüllung Bernard de Saint-Honge 1979

Rote Johannisbeere, Himbeere, Speckschwarte. Wirkt noch behend, geht aber etwas trocknend aus und wird es nicht mehr sehr lange machen.

VIII. Chambertin Händlerfüllung Vedrenne-Orluc 1950

Süß, reif stark, mit der Kraft und Konzentration von Eau de Vie, ohne dessen alkoholische Hitze. Kirsche und Zwetschge; Tiefe und Alter korrespondieren hier schön, davon habe ich mir gleich eine Flasche gesichert.

IX. Château Lafitte-Laujac St. Emilion (Familie Cruse) 1947

Begrüßt wurde ich von einer Andouillettenase, die ich überhaupt nicht mochte. Ist der Eintritt erstmal gemacht, erwartet einen intensive Kirschfrucht und unerwartet pralles Leben; dieser an sich kleine Wein war für mich die größte Überraschung des Abends. Das Château gibt es heute noch, scheinbar als Laujac und als Lafitte-Laujac Cru Bourgeois. 

X. André Brunel Côtes du Rhône Villages Cuvée Sabrine 2009

Auftakt mit Waschpulvernase, deren Beerigkeit fast schon beißt. Im Mund dafür warm weich, schokoladig, gegen Ende herbbitter, an keiner Stelle pampig, schwammig oder verquollen. Parker sagt mal 89, mal 92 Punkte. Ich sage: für 7 EUR gibts bei diesem Wein prima Gegenwert und vor allem mehr als nur eingekochte Frucht, nämlich Struktur. Wer nicht warten will, bis beim dicken Châteauneuf das Fett abgeschmolzen ist, legt sich die momentan noch leicht pummelige Sabrine zu und labt sich in und für zwei bis drei Jahre(n) an ihr. 

XI. Domaine de Cristia Côtes du Rhône Villages 2009

Rhônenewcomer mit sehr erfolgreichem Châteauneuf, Rayas ist die Nachbarparzelle von Cristia. Schon dieser "nur" CdRV hat Vanilleschote, Crème brûlée mit Früchtefüllung, heiße Kirschtasche, den ganzen Zauber. Für mich ist das leider alles zu primärfruchtig, wirkt mir allzu komponiert; wie ein Stilleben. Wenn man die nötige Geduld hat, wird man sich über diesen Wein in wenigen Jahren trotzdem sehr freuen können.

XII. André Brunel Châteauneuf du Pape Les Cailloux 2009

Schokobombe, Eiskonfekt, Fruchtkompott und Pillenbox, mehlige Konsistenz. So elegant wie ein adoleszenter Brontosaurus. Entzückend ist für mich was anderes, aber Parker gibt 95 Punkte und der weiß, wovon er spricht.

XIII. Graham's Vintage Port 2007

Nach den ganzen gesetzten Weinen war der Übergang zum Port mit den Rhôneweinen sinnvoll und gut vorbereitet. Da die Weine blind ins Glas kamen, wußte ich leider nicht, dass mich nun Port erwartete. Daher war die erste Reaktion auf den eigentlich krönenden Abschluss ein vom Alkohol provozierter Hustenreiz. Nachdem ich mich an die Süße gewöhnt hatte und die Weinart klar war, gingen auch die Geschmacknerven wieder mit. Im ersten Eindruck Wacholder, Kirsche, Blaubeere. Klar, rein und schon jetzt sehr balanciert, mit enormer Vorwärtsorientierung. Trotzdem im Moment nicht mein Wein, nicht weil er nichts taugt, sondern weil ich jungen Portwein so anstrengend finde wie hyperaktive Kinder.

Wein-Glossar



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