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Moselsekt

Auf den Sekt muss man immer wieder einen Blick werfen, weil dort viel mehr Bewegung ist, als es den Anschein hat. Das liegt nicht nur an der vermeintlichen Welle, die von Buhl ausgelöst hat, sondern daran, dass der deutsche Winzersekt seit locker zehn Jahren eine Entwicklung nimmt, die sich von Althergebrachtem löst und immer selbstbewusster die Auseinandersetzung mit dem Champagner sucht. Auseinandersetzung wohlgemerkt nicht im Sinne eines blutigen Aneinanderprallens, sondern mehr so önointellektuell-dialektisch, oder was. Der Moselsekt könnte dabei ruhig eine führende Rolle einnehmen, aus mir nicht ganz nachvollziehbaren Gründen ist die Mosel aber erstaunlich ruhig bis totenstill.
 
1. Hild, Elbling Privatcuvee 4, wirkte in der Nase positiv steinmehlig bis staubig; in Mund etwas süsslich, brausepulvrig, trotz vorhandener, balancierender Herbe, insgesamt war der Sekt nur leider zu breit und kurz geraten.
 
2. Hellershof-Zilliken, Elbling Crémant 2013, war eine Nummer komplexer, runder, weiniger, bei ähnlicher steiniger Mehligkeit, pointiertere pudrige Note, kalkiger, auch mit guter, gesunder Herbe ausgestattet. So kann guter Elbling schmecken.
 
3. Hellershof-Zilliken, Cuvée Muschelkalk 2013, aus Elbling und Burgunderrebsorten, wirkte etwas aufgesetzter, hatte einen aufgestülpten, leicht kratzigen, kaktusfeigigen Burgundercharakter, der Freunden von reinsortigen Weißburgundersekten gefallen könnte, mir aber nicht zusagte, weil die Harmonie der rebsorten nicht hergestellt war.
 
4. Reh, Weissburgunder, Lot 4, 2014, viel Melone, Honigmelone, farblich deutlich hochfarbig, für einen Weißburgunder insoweit irritierend, aber sonst ok.
 
5. Alice Hartmann, Luxembourg, eigentlich Jahr für Jahr eine sichere Bank; diesmal mit Müslinase, Dinkelflocken, zu kurz geratenes Aroma von gefriergetrockneten Himbeeren, gegen Ebde breiig süss, trotzdem charmant.
 
6. Reverchon Riesling brut, schmeckte bierhefig, kahmig, bestach auch nicht mit seiner simplen, grünlich und mit Wohlwollen stachelbeerig zu nennenden Säurestruktur, hatte wenig bis keinen Rieslingcharakter, kurz: war wenig interessant.
 
7. Stefanie Vornhecke, Senheimer Riesling 2012, dieser Sekt war angenehm frisch, unverstellt, aufgelockert, sauber, mit freier Stirn, erkennbar von jemandem gemacht, der weiss wie Sekt geht, nur gegen Ende etwas süsslich was an den immerhin 14 g/l Dosage liegen dürfte.
 
8. Frank Brohl, Pündericher Nonnengarten 2012, Ecovin; schöner Rieslingsekt, der einerseits reif, mit Rose, Apfel, Marille die blumig-fruchtige Seite bedient, andererseits mit einer Spur Klebstoff in der Nase so etwas wie gezielte Irritation zur Herstellung von Komplexität versuchte, Im Mund leider nicht ganz so druckvoll, da bringt er etwas zu viel Aroma mit, das wegen der insgesamt nicht besonders hohen Säure bremsend wirkt. Sehr solider, homogener Sekt auf Augenhöhe mit Alice Hartmanns Stöffchen. 
 
9. Bauer, Winzersekt 2012, viel Kalk in der Nase, im Mund leider milchig, oxidativ, herbbitter, mit Perspektive, die allzufrüh nach unten weist; begeiosterte nicht.
 
10. Werner, Grand Cuvée, Lot 5/12, handgerüttelt, schlank, frisch, etwas kratzig, wirkt auch hitzig, alkoholisch. Der Grundwein bildet mit satten 85 Oechsle eine sehr breit, vielleicht zu breite Unterlage, vielleicht kommt daher der alkoholische, fettweinige Eindruck bei sonst dünner Statur.
 
11. Von Schleinitz, Riesling Brut 2013, Klebstoffnase, im Mund matt, kurz, nur mit etwas aufmunterndem Popcorn, sonst nicht haftenbleibend.
 
12. Reverchon Blanc de Noirs 2011, Nase wie gekochter Futtermaisbrei, malzige Note vom Spätburgunder, wie man ihn auch schonmal an der Aube findet, nicht besonders komplex, karamellig-milchig, mau, kurz, kein Antörner.
 
13. Bauer, Blanc de Noirs vom Spätburgunder, war recht süss, der Gesamteindruck war etwas barock, dicklich, aber stimmig und passte sehr gut zur schweren, bauchigen Flasche mit entblößter Frau.
 
14. Befort, Pinot Rosé Nitteler Rochusfels 2013, Halsfolierung mit Rockabillysternchen, dementsprechend passende Kaugumminase, die reinste bubblegum bitch, mit Vanille, Minze, chemischer Erdbeernote, ein ganzer amerikanischer candyshop; nach diesem trivialen Ersteindruck und wenn die Kohlensäure sich gelegt hat, zeigt sich dahinter ein sensibler, ja raffinierter Spätburgundersekt, dem noch nicht einmal die Trocken-Dosierung etwas anhaben kann (sind auch nur 16 g/l), ganz anders als Hartmann und Brohl, aber in einer Liga. Würde ich für alle drei Punkte geben müssen, wäre ich im Probenkontext bei jeweils 88. 
 
Fazit: gibts keins. Die Mosel könnte und müsste beim Sekt mehr abliefern. Einige wenige Protagonisten reichen da einfach nicht.
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