Das Atlantic Congress Hotel ist heimlich, still und leise neben der Gruga entstanden. Es gehört zur Zech-Gruppe, die in Essen noch ein Holiday-Inn Hotel betreibt und unter dieser Flagge auch in Neuss und Frankfurt segelt. Der Betrieb läuft schon, offizielles grand opening ist aber erst am 25. März.

Die Ausstattung ist modern, Durchbrüche und offene Wände prägen das Bild. Die Executive Lounge hat den Charme einer DDR-Betriebskantine und kommt mir sehr niedrig vor. Bis zur offiziellen Eröffnung will man das noch ändern. Bemerkenswert ist die umglaste Dachterrasse, ansprechend auch die Vinothek im Keller, deren Holzvertäfelung lässt unweigerlich an das Innere einer Sunseeker-Yacht denken. Nach dem siebzehnten 100-Punkte Wein schaukelt's dort mit Sicherheit auch genauso. Gut deshalb, dass die Toiletten direkt um die Ecke sind.

Die Küche zeigte folgendes:

I.1 Pata Negra vom Stück tranchiert mit zweierlei Melonen und Minzsalsa

Der Schinken war butterweich, mürbe und liess sich mühelos am Gaumen zerdrücken, die Fettstreifen trugen mit einem dezenten Nussaroma zum Genuss bei, auf die Melonen hätte ich verzichten können. Gut gefiel mir die Minzsalsa, zur Melone und zum Schinken.

 

I.2 Caesar's Salad vom Hummer

Das Hummerfleisch war eigentlich in Ordnung, aus den Scheren zog ich aber ein – mir – noch zu glasiges Fleisch heraus.

 

I.3 Russischer Kaviar auf Wachtel-Spiegelei

Dieser kleine Happen schmeckte mir sehr gut, auch wenn ich insbesondere russischen Kaviar wegen des dort üblichen Raubbaus ablehne. Zwischen Eigelb und Kaviar bestand ein gut ausgewogenes Verhältnis, das Eigelb hatte eine für mich sehr zufriedenstellende Konsistenz und hätte allenfalls zum Kern hin noch einen Hauch fester sein können.

 

I.4 Foie Gras auf Walnussbrioche

Die Foie Gras vertrug sich erwartungsgemäß gut mit dem Walnussbrot, etwas zu fest kam sie mir dennoch vor – ich mag es lieber, wenn sie wie Butter im Mund schmilzt.

 

I.5 Salat von Feta, Roter Bete und Nashi-Birne

Das war eine schöne Auflockerung zwischendurch, die erdige und sehr würzige Rote Bete stand in einem appetitanregenden Kontrast zur krachend-saftigen Nashibirne, der Feta wirkte auf mich zu sättigend, weshalb ich davon nur ein paar kleine Bröckchen aß. Alle drei zusammen sahen zwar aus wie ein verunglückter Heringssalat, schmeckten aber vorzüglich.

 

I.6 Orangen-Couscous mit Minze und Mozzarella

Das Couscous war wieder angenehm erfrischend und der Mozzarella nicht ganz so sättigend, wie der Feta davor. Die Hirse war fest, aber nicht mehlig.

 

I.7 Strauchtomaten mit getrüffelter Spinatfüllung

Tomaten im März kann man essen, sollte man aber lieber nicht. Die schmeckten nicht gerade nach aztekischem Fruchtbarkeitsritual. Gottseidank war nicht auch noch der Spinat wässrig, aber etwas mehr Trüffel hätte er vertragen können.

 

I.8 Saure Sardinen mit Tomatensalsa

Die kleinen Kerlchen waren nicht zu sauer, nicht zu süss, nicht zu jodig, sondern gerade recht. Von der Tomatensalsa habe ich nur ein bisschen genommen, begeistert war ich davon nicht, eine frische Knoblauchtunke hätte es besser getan.

 

II.1 Prime Rib vom Pommerschen Rind, dazu Schupfnudeln und Gemüsestreifen, mit Gorgonzola überbacken

Das Pommersche Rind überzeugte optisch mit einer Weltklasse-Marmorierung, die Konsistenz und Schnittfestigkeit war auf sehr hohem Niveau, leider war es mir etwas zu durch. Die Schupfnudeln hatten dagegen den richtigen Grad an Hitze abbekommen, waren aussen leicht kross, sonst bissfest. Zusammen mit dem Gemüse und dem Gorgonzola eine schöne Beilage zum Rind.

 

II.2 Barbarie-Entenbrust mit bretonischen La Ratte Kartoffeln und frischen Kräutern

Sehr weich und zart auch die Ente, vornehmes rosa Fleisch und delikater Fleischsaft, der ideal und richtig minimalistisch zu den Kartöffelchen passte.

 

II.3 Linguine aus dem Parmesan-Laib, mit Trüffelbuttersauce

Die Linguine waren sehr fein geraten, umso größer die Freude, dass da nichts verpappte und verklebte, aber auch nicht wässrig, ölig oder sonstwie matschig wurde. Parmesan, Trüffel, Butter dazu und man sieht, wie schön das einfache Leben sein kann.

 

II.4 Handgeangelter Loup de Mer mit Orangen-Pfeffer-Sauce

Der Loup de Mer hatte leider gar kein festes Fleisch, sondern brach beim zerlegen trümmerhaft auseinander. Aroma war nur noch wenig übriggeblieben, so dass die gutgemeinte Sauce den Alleinunterhalter auf dem Teller machen musste. Das war aber nicht der Job, für den sie geschaffen war. Kann man besser machen; die Wärmelampe dann lieber auslassen.

 

II.5 Atlantik-Steinbutt mit Kartoffel-Thymian-Gratin

Das respektable Exemplar von Steinbutt hatte das gleiche traurige Schicksal wie der Loup de Mer, vom festen Fleisch war nach dem Garen nicht viel übrig. Das Kartoffel-Gratin sah sich in die gleichen viel zu großen Hauptdarstellerschuhe versetzt, wie zuvor die Orangen-Pfeffer-Sauce. Schade.

 

II.6 Rotes Thaicurry vom Hühnchen mit Wokgemüse, dazu Mandelreis mit Sternanis parfumiert

Mutig scharf kam das Curry auf den Tisch, die Hähnchenwürfel waren im Gegensatz zu den Fischen einwandfrei gegart, der Mandelreis brachte genügend Gewicht auf die Waage, um einen eigenständigen Akzent zu setzen und der Sternanis passte sich ebenfalls gut ein.

 

II.1 Mango- und Himbeermousse

Die Mangomousse war etwas fest für eine Mousse, sehr gut dagegen die Himbeere. Vollfruchtig, mit natürlicher, aber nicht unreifer Säure. Anders als die Tomaten scheinen Himbeeren im Frischeparadies das ganze Jahr über gut zu sein.

 

III.2 Beerenragout mit Pistaziensauce

Das Beerenragout war eine Rote Grütze, wie man sie in schwedischen Haushalten von der Oma bekommt. Gefiel mir sehr gut, die Konsistenz war nicht zu saucig, aber auch nicht allzu geliert. Die Früchte waren gross, reif und sehr aromatisch, standen auch in einem vernünftigen Verhältnis zueinander – ich schätze nämlich Grützen nicht, die von einer Fruchtsorte dominiert werden. Lobenswert. Die Pistaziensauce war aber nicht erforderlich.

 

III.3 Kandierte Banane und Ananas am Stiel

Schmeckte nicht schlecht, erinnerte aber fatal an die einfallslosen Desserts in Asia-Restaurants.

 

III.4 Variation von Crème Brûlée: Klassisch, mit Orange und aus Espresso

In dieser Reihenfolge schmeckte mir die Crème Brûlée. Die klassische war eben klassisch, der Karamelldeckel leider nicht besonders fest und knackig, die Crème selbst etwas zu kühl. Die Orangencrème auch mit einem eher flüssigen als festen Deckel, aber mit einer bezaubernden, eher an Orangenwasser als an Orangen erinnernden Aromatik. Schließich die Espressocrème, als am wenigsten süße, mit dem besten, knackigsten Deckel ausgestattete von den dreien. Ein Abschluss, der nahtlos zum Kaffee überleitete und mir trotz des schon langen Mahls Lust auf mehr machte.