Auf dem Vinocamp habe ich Florence Duchêne kennengelernt, eine junge Champagnerwinzerin aus Cumières. Ihre Mutter stammt von den Philippinen, die Familie väterlicherseits ist seit langem inder Champagne verwurzelt. Mitten im Ort liegt daher das Weingut, die Baulichkeit hat schon bessere Tage gesehen, die Presse hingegen ist brandneu. Florence, die derzeit zusammen mit ihrem Freund Stück für Stück das Ruder übernimmt, hat noch sehr viel vor sich. Noblen Verrkostungsraumchic gibt es hier nicht, dafür sitzt der Onkel bereitwillig Gläser hervorkramend im Wohnzimmer und bietet den Gästen zur Überbrückung an. Ihre hatte ich vorher schon im Weinberg probiert, der mit einem Auto ohne Allradantrieb gar nicht so einfach zu erreichen war, bei einem weiteren Besuch kurz vor der Marktfreigabe ihrer jetzigen Kollektion konnte ich mir einen weiteren Eindruck verschaffen, bevor ich die Champagner dann in ihrer Finalform zu Gesicht und ins Glas bekam.

 

1. Kalikasan Nature, dég. April 2013
50CH 45PN 5PM, außerdem ist ein winziger Anteil enthalten, der lange Zeit für gehalten wurde und erst im letzten Jahr wegen seiner ungewöhnlich dicken Beeren auffiel; Basisjahr ist 2004, wegen ca. 3 g RZ hat der keine Dosage erhalten Kalikasan ist die philippinische Bezeichnung für die personifizierte Natur, ein Hinweis auf die Dosagelosigkeit des Champagners einerseits und auf die philippinischen Herkunft seiner Schöpferin andererseits. Herb zeigte er sich, mit einer leicht schwefligen Stinkigkeit, die sich mit Luft erwartungsgemäß verzog. Zum Vorschein kamen Trockenkräuter, bei gleichbleibend feiner Herbe, mit einer petroligen Rieslingnote, die ich rein gar nicht zuordnen konnte und die immer wieder überlagert wurde von einer ausgeprägten Ringelblumenblütennote, Kalk, Kamille und Sanddorn. Die sehr eigene bis eigentümliche Aromatik mag darauf zurückzuführen sein, dass Vater und Onkel von Florence immer weinbergseigene Hefen verwendet haben; jedenfalls ist der etwas höhere Restzuckergehalt darauf zurückzuführen, diese Hefen sterben nämlich schon bei etwas geringeren Alkoholgraden ab, als man sich in der gemeinhin wünscht. Aber sei's drum, diese Art von Champagner lässt erkennen, dass der Betrieb auf einem guten Weg und sich seiner Besonderheiten bewusst ist.

 

2. Dimangan
Dimangan ist der philippinische Erntegott, da die Cuvée identisch ist mit Kalikasan und zusätzlich 3 g/l Dosage erhalten hat, durfte ich mehr Fülle erwarten. So war es. Feuerstein, wieder etwas Schwefel, dabei blumige Frühlingshaftigkeit, eine feine Mischung aus Sonnenblumenkernen, Pinienkernen,
blanchierten Mandeln und Muskattrauben.

 

3. Tradition
Das ist der Standardtrunk, mit 6 g/l sehr gefällig dosiert, etwas ölig-butter-sahniger als die
vorherigen beiden Cuvées, klingt mit Choya Plum aus und will beständig mit großen Schlucken getrunken werden. 

 

4. Bathala Rosé
Bathala bedeutet Gott der Götter und der ist ein 2010er Rosé aus 25CH, der Rest besteht aus Noir und mit einer Rotweinzugabe von leichten 7%, dosiert ist der mit 9 g/l. Diese Cuvée ist ganz zu recht die Spitzencuvée von Florence. Nicht allein die hohe Dosage macht ihn füllig, es ist die großzügige Fruchtigkeit, die mich hier besonders ansprach. Trotz aller geschmacklichen Ausprägung, die in Richtung Himbeer/Waldbeer Panna Cotta geht, wirkt er schlank und zierlich, was den Champagnern von Florence insgesamt eigen ist.