Was die deutschen Winzer ruhig bei den Österreichern lernen können: die Angaben zum Lesezeitpunkt, Vinifikation und Fülldatum finden sich erstaunlich und erfreulich oft auf den Etiketten, noch häufiger auf den gut gestalteten Webseiten der Erzeuger. Das Design ist insgesamt ein Punkt, in dem ich in Deutschland Nachholbedarf sehe. Zwar gefällt nicht jedes außergewöhnliche Etikettendesign, doch das liegt in der Natur der Sache. Mehr Mut beim Verlassen der altbackenen, oft nichtssagenden Designs wäre jedenfalls vielen deutschen Winzern sehr zu wünschen.

Die Preispolitik: mir kamen die nachfolgend probierten Österreicher alle relativ hoch bepreist vor. Nun kenne ich nicht die Verkaufspreise in Österreich, aber die probierten Qualitäten bis ca. 12,00 EUR waren ganz überwiegend nicht überzeugend, jedenfalls nicht für diese Preisklasse. Zwischen 12,00 und ca. 20,00 EUR fanden sich dann einige Weine, die ich beim Kauf in Erwägung ziehen würde, jenseits der 20,00 EUR wurde die Qualität überwiegend richtig gut, aber auch recht international im Sinne von beliebig. Unter den Cuvées fielen mir als österreichische Rebenmixe positiv auf Heinrichs einfacher Red und sein Pannobile. Die anderen Cuvées hatten immer einen Anteil Cabernet, Merlot oder gar Syrah, was die Weine nicht schlechter machte, ihr Profil aber auch nicht gerade schärfte.

1. Pfaffl, Blauer Zweigelt, 2009

Pfeffrige Nase. Kräftiger wein mit Kirsche und pfeffriger Schärfe auch am Gaumen.

2. Stiegelmar Blauer Zweigelt 2007

gefüllt am 20. Mai 2010

Brotiger Naseneindruck mit etwas Kirsche. Am Gaumen mild, etwas kirschig, beerig, kaum Tannin.

3. Tesch, Zweigelt, 2008

In der Nase rote Paprika, Kirsche, etwas Vanille. Im Mund frisch, griffig, rundlich, dabei etwas spritig.

4. Tement, Zweigelt, Temento Red, 2008

Kühl, erfrischend, leicht gerbstoffig, eher einfach.

5. Tement, Zweigelt, Selektion RT, 2007

Leicht parfumierte, zuckrig wirkende Nase. In der Nase außerdem ein Weihnachtsmarktduft von Zimt und Nelken. Im Mund dafür etwas säuerlich, mit mittlerem Grip.

6. Gernot Heinrich, Zweigelt, 2008

abgefüllt im Februar 2010

Beerenkompott, Maulbeere, etwas herber Gaumen-Eindruck.

7. Tesch, Zweigelt, Hochberg, 2008

Kirschkuchen, Rumaroma, bzw. Rumtopfnoten, dazu Marillenkerne und eine etwas kräuterige Aromatik. Im Mund mild pfeffrig, zwischen rund, sanft und herb angesiedelt.

8. Polz, Zweigelt Klassik, 2008

Kirsche mit reichlich Fruchtfleisch. Griffig, schlank, insgesamt etwas einfache Kirmesschönheit mit einer alkoholischen Schärfe zum Schluss. Gefiel mir trotzdem gut.

9. Markowitsch, Rubin Carnuntum, Zweigelt, 2008

Stinkerle mit überreifen bis angefaulten Kirschen, am gaumen dann sehr konzentriert, fleischig, mit Sandelholz und Tabaktönen. Gegen den Naseneindruck doch noch rund, organisch und ausgewogen.

10. Stiegelmar, Zweigelt, Ungerberg 2006

gefüllt am 10.Juni 2008

Sehr vanillig und vollgeholzt, darunter aber eine ordentliche Struktur, könnte auch ein sehr gelungener badischer oder fränkischer Spätburgunder sein. Flotter, ansprechender Wein, der sich mit Luft gut entwickelt und dabei immer schön schlank bleibt.

11. Tesch, Blaufränkisch, Classic, 2008

Weiche Kirschnase, auch am Gaumen rund, kirschig, weich.

12. Stiegelmar, Blaufränkisch, 2007

gefüllt am 12. Mai 2009

Veilchendurft, Mössinger Sommerwiese, nach einem druckvollen Start in der Gaumenmitte sehr luftig, ja fast schon leer, danach kommt die Tanninreserve und eine kirschsaure Abgangsaromatik.

13. Tesch, Blaufränkisch, Hochberg, 2008

Rundlich, kirschfruchtig, etwas jodig, mineralischer Eindruck. Im Mund gediegen, reif, mit leichter Süße. Ordentlicher Wein.

14. T-FX-T, Blaufränkisch, A'Kira, 2007

Konzentrierte nase mit viel Pflaume, Rumtopf und Roter Grütze. Im Mund sehr weich, fließend, ja elegant, auch etwas pfeffrig und hitzig. Sehr international wirkender Stil, aber ok.

15. Tesch, Blaufränkisch, Selektion, 2006

gefüllt am 17. Juni 2008

Aprikosenkerne, Mandelaroma, Vanillenote. Mittelschwer bis einigermaßen kraftvoll.

16. Pichler-Krutzler, Blaufränkisch Weinberg, 2007

gefüllt am 12. Mai 2009

Fassige Note, Brandyduft. Zeigt sich am Gaumen herb und kraftvoll, geht mit süsslichen Zungenrändern und einigem Druck saftig nach vorne.

17. Tement, Pinot Noir, 2006

Künstlich wirkende nase mit überwiegendem Wachsduft und angebranntem Plastik, mit Luft entwickelt sich daraus so etwas wie Zimtduftkerzenaroma. Im Mund recht süß und auch hier ein störender, wachsiger Eindruck. Nicht mein Wein.

18. Bründlmayer, Langenloiser Dechant, Pinot Noir, 2004

Zunächst ein nur zurückhaltendes Pinotdüftchen, vermischt mit jungen, noch ganz saftigen Aachener Printen, süsslich und pricklig, wirkt unruhig und etwas unentschieden, wird mir gegen Ende zu süß.

19. Polz, Steinbach, Pinot Noir, 2006

Wachsig, filzig, darunter fruchtig. Im Mund ausgewogen, mit Früchtekompott und sehr feiner kräuterwürze. Schanker, eleganter Weine, dem man Holzeinsatz praktisch nicht abschmeckt. Gefiel mir sehr gut.

20. Bründlmayer, Cecile, Pinot Noir 2005

Erdberr-Himbeer-Kompott, wirkt hochreif und etwas laktisch. Am gaumen zaghafter Griff, sauber, am Ende jedoch wieder immer süßlicher werdend, ohne ein geeignetes Säure- oder Gerbstoffgegengewicht anzubieten. Wirkt unstrukturiert und scheint mir am ehesten etwas für esoterisch empfängliche Damen zu sein, die im Kontakt mit Engeln und anderen Geistwesen stehen.

21. Markowitsch, Pinot Noir Reserve, 2007

Üppiger Holzeinsatz, für mich schon hart an der Grenze. Mit sehr viel Luft zeigt sich dann, dass der Wein darunter nicht gelitten hat. Es entfalten sich sehr bestimmt und kräftig Himbeeraromen, Quitte, auch eine leichte Teenote, der Wein ist süsslich, aber nicht einfältig, hat einen etwas spröden, noch sehr jugendlichen Schmelz, Kraft, Tiefe und Rückgrat, bleibt aber durchweg fein und hat somit alles, was Bründlmayrs Cecile leider fehlt.

22. Pfaffl, Wien 2, 2009

70ZW 30PN

Etwas staubige, sonst angenehm kirschfruchtige Nase. Einfach, aber gut.

23. Gernot Heinrich, Red 2008

BF/ZW

Ledrige Nase, animierende Säure, milde Würze, sanftes Tannin. Eine Spur ansprechender, als der Wien 2 von Pfaffl.

24. Markowitsch, Carnuntum Cuvée, 2009

85ZW 15PN

Andouilette-Nase, kurz, herb bitter, auch mit Luft nicht mein Fall.

25. Gut Oggau – Eduard Tscheppe, Atanasius, 2008

BF/ZW, demeter

Vom Etikett schaut ein Jünglingskopf, den auch Arno Breker nicht besser hingekriegt hätte. Von allen Etiketten des Weinguts schauen übrigens Köpfe. Charakterköpfe, die den Eigenschaften des jeweiligen weins entsprechen sollen. Der Atanasius nun ist tatsächlich noch ein Jüngling, der sich von jugendlicher, aber nicht versponnener oder nervtötender Säure tragen lässt, wohin, ist ungewiss, doch vermute ich, in eine eher sportliche, als gemütlich-fette Zukunft. Im Auge behalten – den Wein und das Weingut.

26. Tesch, Kreos, 2007

BF/ZW/Syrah/Merlot

Internationale Nase, die mit ihrer Mischung aus Eukalyptus-Menthol und After Eight an Neue-Welt-Weine erinnert. Im Mund weiches Tannin, aber auch lebhafte, spritzige Aromenverwirbelungen. Entwickelt sich mit Luft. Gut.

27. Stiegelmar, Heideboden, 2007

70ZW 30BF, gefüllt am 4. März 2009

Jod- und Makrelennase, darunter Frucht und Würze, seidig, glatt und straff eingewickelt in herbmännliches Tannin.

28. Pfaffl, Excellent, 2007

60ZW 20C-S 20 Merlot

Porridgenase, arg laktisch. Im Mund pfeffrig und sonst aufgrund des wohl übertreibenen BSA erwartungsgemäss erdbeer-himbeer-fruchtig und überfein.

29. Polz, Urbani, 2006

BF/ZW/C-S

Charaktervolle, sehr ansprechende Mischung aus Cherry Coke, Cassis und Langpfeffer, dazu eine Handvoll Blüteneinsprengsel und ein mittleres Gerbstoffgerüst.

30. T-FX-T, Arachon, 2007

BF/ZW/Merlot/C-S

Allerlei Kirschsorten, von dick, schwarz und saftig über Maraschino- und Cocktailkirsche bis hin zu hellrot und knacksauer. Außerdem eine fleischig-saftige, grüne Komponente wie von Sukkulenten. Mildes Tannin. Saftiger, schmatziger und leicht süßer, von Pfeffernoten fast unbeeindruckter Eindruck am Gaumen.

31. Stiegelmar S 2006

53ZW 25BF 22C-S, gefüllt am 10. Juni 2008

Beginnt verhalten, ruhig und leicht röstig, etwas brotig. Im Mund reif, volllmundig, leicht süss. Rund, andeutungsweise bordeauxig.

32. Tesch, Titan, 2007

BF/Merlot/C-S

In der Nase eine sehr ansprechende Mischung aus schwarzem Tee, Formosa Oolong, Erdbeer-Sahne-Rooibush; saftig. Im Mund ausgewogen, facettenreich, merklich strukturiert, aber nicht eckig oder klobig.

33. Markowitsch, Rosenberg, 2008

50ZW 45Merlot 5C-S

Zunächst etwas flüchtige Säure, dann ein Duft von Nivea und Cassis. Im Mund recht süss mit zupackendem Griff. Noch lange nicht im Reinen mit sich selbst, könnte aber durchaus etwas Schönes draus werden.

34. Gernot Heinrich, Gabarinza, 2007

60ZW 30BF 10Merlot; Sponti, abgefällt Mitte Juli 2009

Kaffee und Zwetschgenröster, Mandelnase und ein Hauch Rhabarber. Im Mund ziemlich geschniegelt, angenehme Herbe und erfrischende Rotfruchtigkeit halten sich spannungsvoll die Waage.

35, Gernot Heinrich, Pannobile, 2007

60ZW 40BF, Sponti, abgefüllt Anfang Juni 2009

Seidig, verhalten, anfänglich nur eine milde Erdbeer-Sahne-Nase, die sich langsam dunkler färbt und in Richtung Cassis-Brombeer-Aromatik verschiebt, mit einer Andeutung von frischem Liebstöckel, Kerbel und Estragon. Im Mund dann stoffig, griffig, krachlederner und derber als der Gabarinza, mit mehr Druck, besserer Kontrolle und mehr Mut zum Aromawagnis.

36. Zöhrer, Adonis Vinotheksfüllung, 2007

PN/Merlot

Ausgeprägte Honignote, erinnert an trockene Rieslaner Spätlese. Spritzig, freche Säure, rote Früchtchen und Aromen von eingelegtem grünem Pfeffer. Leider ein etwas kurzer Trinkspass, aber jedenfalls ein bemerkenswerter Spassfaktor. Aus einem schwarzen Glas würde es bei diesem Wein extrem schwerfallen, ihn als rot oder weiss zu erkennen.