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Tag Archives: 2002

Champagner roundup

1. Maurice Vesselle, Grand Cru Millesime 2002

85PN 15CH. Kein BSA. Nachdem ich vor Jahren in einem Pariser Nicolas-Laden an der Ave. Kléber nächst meinem dort bevorzugten Hotel keine besonders gute Erfahrung mit Georges Vesselle gemacht hatte, war mir der ganze Erzeugername vermiest. Erst nachdem ich mich vor Ort in Bouzy eines besseren überzeugen konnte, wurde zumindest der sippenverhaftete Maurice Vesselle endlich rehabilitiert. Ein gute Leistung hat er mit dem 2002er abgeliefert, der fleischig ist, eine angenehme Haselnuss- und/oder Mandelnote von seinen schönen Bouzy-Pinots gibt ihm zusammen mit den aus dem Untergrund durchklingenden Aromen von frischem Kirschkompott Gehalt, der Chardonnayanteil macht sich mit erstaunlichem Geltungsdrang im Bereich der Apfel-Zitrusnoten bemerkbar.

2. Bonnaire, Blanc de Blancs, Cuvée Variance

Mit 9 g/l dosiert. Vor die Wahl gestellt, ob ich lieber den holzfassgeprägten Variance oder den 2002er Jahrgang von Bonnaire nähme, würde ich mich bis auf weiteres für den Jahrgang entscheiden, der meiner Freude an schlanken, eleganten Champagnern besser entgegenkommt. Leider habe ich meine letzten 2002er von Bonnaire schon längst und viel zu früh ausgetrunken. Der Variance ist somit nur zweite Wahl, aber ein gute, denn er ist sozusagen aus dem selben Holz geschnitzt, wie der von mir so geliebte Vintage. Zu der erquickenden, entschieden leichten, aber nicht fliegengewichtigen Art des Jahrgangs gesellt sich hier eine milde Note wie von Kiefernholz, das von einem heißgewordenen Sägeblatt leicht angetoastet wurde, die Dosage ist mir zu hoch ausgefallen.

3. Charles Heidsieck Millesime 1995

Charles und Piper-Heidsieck stehen bekanntlich derzeit zum Verkauf. Es ist zu hoffen, dass sie in gute Hände geraten. Denn das was früher Daniel Thibault verantwortete und nun Regis Camus fortführt, wird nach wie vor weithin unterschätzt. Bezogen auf die Jahrgänge von Charles Heidsieck kann ich nur jedem empfehlen, sich damit einzudecken, fast gleichgültig, aus welchem Jahr. Denn die Jahrgänge dieses Erzeugers sind in ihrer Preisklasse exquisit, lagerfähig und von einer aromatischen Entwicklung, die über Jahre hinweg zu bestaunen sich lohnt. Der 1995er ist da nur eines von vielen Beispielen und gehört zu den Charles Heidsiecks, die noch ganz am Anfang ihrer Karriere stehen. Rauchig, jodig, toastig, mit einer Zitrusfrische durchmischt, wie Seidenbrokat mit Platinfäden.

4. Champagne Yves Ruffin Premier Cru élevé en fûts de chêne

75PN 25CH.

Gewohnt fruchtige Herbe, immer noch frisch, Holz ist merklich, die Säure noch immer lebhaft.

5. Champagne Bérèche et Fils Rosé

07er Basis, dég. von Hand im Oktober 2010, mit 4 g/l dosiert, 45 mg/l SO2 total

35PN 35PM 18CH, Stillweinzugabe aus PN/PM

Rote Früchte überwiegen, der Ingweranteil und die Zitrusfrüchte sind etwas zurückgegangen. Noch merklich in der Entwicklung, zu Beginn und an der Zungenspitze ballen sich Aroma und Kraft, um gegen Zungenmitte hin abzufallen. Das dürfte sich bald gelegt und über den gesamten Gaumenraum vereinheitlicht haben, dann beginnt der eigentliche Champagner sich zu zeigen.

6. Champagne F. Bonnet, Blanc de Blancs Grand Cru 1974,

Für eines der schwächeren der 70er Jahre ein guter, noch sehr säurestarker Champagner, der frisch und überhaupt nicht unausgewogen wirkt. Könnte sogar noch ein paar Jährchen liegen, ohne abzubauen, aber wohl auch, ohne dadurch weiter zu gewinnen.

7. Bérèche et Fils Blanc de Meuniers, Vallée de la Marne Rive Gauche, Extra Brut

2007er Basis aus der Parzelle "Les Misy", von Rebanlagen aus dem Jahr 1969, langsame Spontangärung, Hefelager von Mai 2008 bis Oktober 2010, unfiltriert, mit 4 g/l dosiert; 1800 Fl. Immer wieder erstaunlich, was man mit Sorgfalt und Mühewaltung aus dieser Rebsorte rausholen kann. Rafael Bérèche hat alles richtig gemacht: die richtigen Trauben selektiert, sie beim Gärprozess sich wohlweislich selbst überlassen, kein allzulanges Hefelager aufgezwungen, am Dosagezucker gespart, der hier nicht nur dienend, sondern unterwürfig zum Einsatz kommt und damit einen Champagner geschaffen, der mit der sanften Kraft einer Gezeitenwelle in die Kehle schwappt.

8. Eric Isselée, Grande Sélection

50PN 50CH.

Eric Isselées Champagner, speziell den 2002er Blanc de Blancs genehmige ich mir immer gern und lasse sie mir auch stets gern einschenken. Neben meinem Favoriten ist seit einiger Zeit die Grande Sélection immer wieder zu Gast im Glas. Kein komplexer Champagner, aber eine kunstvolle und über längere Zeit mit Unterhaltungspotential ausgestatte Komposition aus den beiden Großreben der Champagne, speziell zu Handfraß wie Walnussalami, mildem Stinkekäse usw. eine Empfehlung, geht aber auch prima zum Schnitzel.

9. Ulysse Collin, Blanc de Noirs (Jahrgang 2006), dég. 16. März 2010

Rötlich, für einen Blanc de Noirs schon gefährlich rötlich und nach deutscher Auffassung wahrscheinlich verboten rot schimmert der schwere Stoff im Glas, der Champagner selbst ist so dicht, dass die Perlage Mühe hat, sich durchzudrücken. Ein Schlachtfest der Früchte, den satten Alc. merkt man kaum. Seit ich das Jungfernerzeugnis bei Olivier Collin probiert habe, hat sich in diesem Champagner viel getan. Er ist muskulöser, schwerer, massiger geworden und sollte jetzt damit aufhören, damit er nicht zum incredivle Hulk unter den Champagnern wird. Wenn die Entwicklung ab jetzt in Richtung Eleganz verlaufen sollte, dann hat die Champagnerwelt eine feste Größe mehr. Der Besuch auf der Domaine ist insbesondere für Endkunden einfacher, wenn man sich über das nahegelegene Château d'Etoges einen Termin machen lässt. Dort ist Ulysse Collin Hauschampagner.

10. Veuve Clicquot, La Grande Dame, 1995

Letzte Flasche, dem Sommelier günstig abgeschwatzt und mit viel Freude getrunken. Dazu ließ ich mir eine Wachtelbrust schmecken, Salatherzen mit Parmesan und Schnipseln vom Wollschwein verpartnerten sich auch sehr gut, eine bis auf die Kruste weniger gelungene Parmesan Panna Cotta ließ sich schnell damit fortspülen, versöhnlicher war das Ibericoschwein mit geschmolzenen Tomaten und Oliven und der abschließende Käse – Fourme d'Ambert, Trappe d'Echourgnac, Banon – sowieso. Förmlich erleichtert war ich, nach dem ersten Schnuppern keinen Kork wahrgenommen zu haben. Dann ging das sinnliche Vergnügen los, die Grande Dame zeigte sich einmal mehr ihres Namens würdig, gab sich aristokratisch, aber nicht unantastbar, von kräftiger Statur, aber nicht säuerlich, wohlgereift, aber nicht ältlich. Weinig natürlich, mit der gewissen Pinotherbe, die dem Wein aber gerade seinen Charme und eine noble Anmutung verleiht. Außerdem wies die Grande Dame mal wieder ihre Nähe zum Wein nach, mit etwas Temperatur gab sie noch einen ganzen Schwung trockener Kräuter, schmelziger Karamellbonbons und kandierter Zitrusfrüchte frei.

11. Dom Pérignon Oenothèque 1983, dég. 2003

Zu den Doms der 80er Jahre habe ich kein richtiges Verhältnis. Sozialisiert bin ich mit den 90er Jahrgängen, von denen mir der 1990er kurz nach seinen Erscheinen die Augen für Champagner geöffnet hat und der mir als Oenothèque wie der Archetyp des elganten Champagners vorkommt. Leider folgten mit 92, 93 und später mit 98, 99 weniger starke Doms, während 95 und 96 wieder und jeder für sich ganz unterschiedliche Ausprägungen des Dom Pérignon waren, bzw. sind. 92 und 93 bezeichne ich für mich als die europäischeren und abgelebteren Doms, wohingegen 98 und 99 für mich japanisch anmuten. Karg, reduziert, mit einer Ästhetik, die sich mir nicht ganz erschließt, von der ich aber verstehe, wenn sie andere fasziniert. Ähnlich ist es mit japanischen Parfums und von japanischen Designern kreierter Mode, ich denke da in erster Linie an Issey Miyake, Annayake und Comme des Garcons. Völlig anders sind die Doms aus den Epochen davor. Der normale 1983er ist, wenn man eine gute Flasche erwischt, noch fit und baut erst langsam ab, leider werden die fitten Flaschen schnell weniger, auch scheint der Jahrgang insgesamt langsam ausgetrunken zu sein. Für die späteren Dégorgements halte ich Trinkfenster von bis zu zehn Jahren nach dem Dégorgement für angemessen, danach fallen spätdégorgierte Champagner zusehends in sich zusammen, rühmliche Ausnahmen, gibt es freilich auch da. Der 1983 Oenothèque bewegt sich mit hoher Ganggenauigkeit in diesem Fenster, mehr als zwei bis drei Jahre würde ich ihm jetzt nicht mehr geben, dann ist er über den Punkt. Jetzt kann man ihn mit Genuss trinken, sehr genau und klar sind die tragenden Aromen herausgeschält, ein Mix aus Zitrusfrüchten, Ananas, Nektarine und weißem Pfirsich, Hefezopf, eine geringfügig störende weil nicht ins Bild passende Steinigkeit und Herbe muss man aber ebenfalls in Kauf nehmen, sie leitet über zu den entwickelteren Aromen die hier wie bei den meisten Spätdégorgements aber verhaltener auftreten, als bei den gewöhnlichen Ausgaben.    

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Einladung zur I. Champagne Master Class

Liebe Champagnerfreunde,
bei Gelegenheit zahlreicher Champagnerverkostungen wurde ich immer wieder mit der Idee konfrontiert, doch endlich eine Champagne Master Class zu etablieren. Dieser Gedanke hat mittlerweile Form angenommen. Im Laufe der Planung musste ich mich mit mehreren Aspekten auseinandersetzen, die das Wesen einer Wine Master Class ausmachen.

Die Zusammensetzung der Teilnehmer einer Master Class spielte dabei eine wichtige Rolle. Ich habe mich dafür entschieden, die Veranstaltung allen Champagnerinteressierten zugänglich zu machen. Ausschlaggebend war dabei, dass die Verkostungserfahrung von professionellen und privaten Champagnerliebhabern nach meinem Eindruck in der Praxis nicht so weit auseinanderklafft, wie bei Bordeaux, Burgund und anderen Stillweinen. Es erscheint mir deshalb gerechtfertigt, Angehörige beider Gruppen an dem "Exotenthema" Champagner teilhaben zu lassen. Eine weitere wichtige Überlegung war der Probenaufstellung selbst gewidmet. Schon eine kurze Beschäftigung mit der Materie reicht, um festzustellen, wie höchst heterogen selbst ein so überschaubares Gebiet wie die Champagne ist. Dem sollte die Probenzusammenstellung Rechnung tragen, ohne jedoch ein Unschärfe in das didaktische Konzept zu bringen. Ohne vorzugreifen hoffe ich, dass mir der Mix gelungen ist. Schließlich musste ich mich noch mit der Frage befassen, ob und welche Speisen die Verkostung begleiten sollen.

Nach langem Ringen und weil ich weiss, wie anstrengend eine intensive Probe mit zwanzig Champagnern sein kann, habe ich mich für eine Menubegleitung entschieden. Damit fiel gleichzeitig die Entscheidung gegen eine labormäßige, allzu verschulte Verkostung. Bei allem Bildungsmehrwert, den eine Master Class haben soll, steht für mich bei dieser Veranstaltung doch die champagnertypische Lebenslust und ungehemmt hedonistische Begeisterung im Vordergrund.

Ich freue mich, Sie

am Samstag, 21. August 2010 zur I. Champagne Master Class in der Résidence, Essen-Kettwig einladen zu dürfen.

Einen geeigneteren Zeitpunkt als das Kulturhauptstadtjahr kann ich mir für die erste Champagne Master Class in Essen nicht vorstellen. Und es gibt keinen geeigneteren Ort für diese erste Veranstaltung, als das erste Haus am Platz – den exklusiven Club B in der Résidence (2 Sterne im Gault-Millau und 18 Punkte im Guide Michelin). Diese von Patron Berthold Bühlers freundlicher Präsenz gekennzeichnete Chambre Séparée bietet Platz für maximal zwanzig Schlemmer und Geniesser. Werfen Sie hier schonmal einen Blick hinein: http://www.hotel-residence.de/page16/page16.html.

Was es geben wird:
Henri Bach wird zu den insgesamt acht Flights mit zusammen zwanzig Champagnern ein exklusives Sieben-Gang-Menu auf die Teller bringen. Für alle, die sich danach nicht mehr in ein Taxi setzen wollen, hat Berthold Bühler zum Preis von 50 statt 95 Euro pro Person im Doppelzimmer inklusive Frühstückschlemmerbuffet ein kleines Zimmerkontingent reserviert (Einzelzimmer sind für nur 75 statt der sonst fälligen 125 Euro verfügbar).
Zimmerbuchungen können über mich oder direkt in der Résidence vorgenommen werden. Verkostet werden Champagner von 1979 bis 2005, darunter Magnums, Spätdégorgements, Bio-Champagner, Rebsortenraritäten, Starwinzer und renommierte Prestigecuvées, kurz: es wird eine tour d'horizon durch die Champagne.

Die Anmeldung:
Der Preis für Champagner und Menu beträgt 200,00 EUR. Sommeliers und Restaurantfachleute, die an der Champagne Master Class teilnehmen, erhalten auf Wunsch ein Zertifikat. Um den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten und allen Interessierten eine faire Chance zur Teilnahme zu geben, ist die Teilnahme nur gegen Vorkasse möglich. Anmeldungen nehme ich per mail und auf den üblichen Kommunikationswegen bis zum 30. Juni 2010 entgegen. Unmittelbar nach Eingang der Anmeldung verschicke ich jeweils eine vorläufige Anmeldebestätigung mit der Bitte um Zahlung des Teilnehmerbeitrags. Die endgültige Anmeldebestätigung versende ich dann in der Reihenfolge der Zahlungseingänge. Es gilt wie immer: wer zuerst kommt, trinkt zuerst.

Ich freue mich auf eine hervorragende Veranstaltung in herrlichem Ambiente mit einer Runde von Champagnerbegeisterten,

Boris Maskow

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Champagner auf der Chardonnaygala

Die siebzehnte Ausgabe des Wettbewerbs der besten Chardonnays der Welt hat einige Medaillen in der Champagne gelassen. Insgesamt 887 Muster aus 37 Ländern waren angestellt.

Gold erhielten folgende Champagnererzeuger:

 

– Tribaut-Schloesser, für ihren Chardonnay brut

– Michel Genet für den Prestige de la Cave brut 2004

– Gallimard Père & Fils für die Cuvée Quintessence brut

– Champagne Colin für den Premier Cru Blanche de Castille brut

– Champagne Josselin für den Blanc de Blancs brut 2005

– Louise Brison – GAEC Brulez für die Cuvée Tendresse brut 2002

– Michel Gonet et Fils für den Blanc de Blancs Grand Cru brut 2004

– de Lozey für den «Le Suchot» brut

– Paul Goerg (das ist die Genossenschaft Goutte d'Or aus Vertus) für den  Premier Cru brut

– Die Coopérative Régionale des Vins de Champagne (CRVC)  unter der Marke Champagne de Castelnau für den Blanc de Blancs Millésimé 1999 brut

– Das Königskind der Union Champagne – Champagne de Saint-Gall für den Premier Cru brut Blanc de Blancs

– Bergeronneau-Marion für ihren Blanc de Blancs brut, élevé en fûts de chêne

 

Die vollständige Liste findet sich hier: http://www.chardonnay-du-monde.com/

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Zwei 2002er im Champagnerleistungszentrum

A. Marx-Barbier, Millésime 2002

25% Chardonnay, 35% Pinot-Noir, 40% Meunier.

In einem Nest zwischen Damery und Reuil, am rechten Ufer der Marne, oben am Berg liegt Venteuil. Von dort aus ist es nicht mehr weit bis zur Statue von Kreuzzugspapst Urban II. in Villers-sous-Châtillon. Wir sind in Pinot-Meunier-Country. Diese allenthalben unterschätzte Rebsorte wächst bevorzugt hier und nimmt in den Cuvées der Erzeuger viel Platz ein. Platz, den Marx-Barbier in Form dieses 2002ers genutzt haben. Zu den gedünsteten Jakobsmuscheln passte der Campagner eher zufällig, denn das kurz nach dem Öffnen noch sehr dominante Raucharoma gab der Kombination einen gewissen Reiz, auch vertrug sich die Quittenaromatik gut mit den Schalenbewohnern. Richtig gut schmeckte der Champagner zu dem Zeitpunkt aber trotzdem nicht, vor allem nicht allein. Das änderte sich zum Cassolette vom Flusskrebs. Der hat nämlich ein angenehm süsslich schmeckendes Fleisch, das sich schön mit dem Quittenaroma und der leicht hervortreteden Herbe des Champagner vetrug. Die Gambas in Zitronen-Käse-Sauce schienen mir eine zu große Herausforderung für den Champagner zu sein, so recht ineinanderpassen wollte da nichts. Zu den Tournedos Rossini war mir der Champagner dann zu simpel. Die sehr konzentrierte Sauce bügelte alles weg, was der Champagner an Säure, Frische, Finesse oder Aromatik zu bieten hatte, entsprechend flach schmeckte er zum Trüffel. Allenfalls zur Foie Gras und zum Filet machte die Paarung ansatzweise Spass. Als Dessert gab es Vanilleeis, Crème Brûlée und Schokomousseline, alles keine Speisen, die ich dem Champagner jetzt auch noch hätte zumuten wollen. Ein Test ergab aber, dass er den Schwanz nicht ganz eingekniffen hatte, zur Schokomousseline zeigte er noch etwas gönnerhafte kandierte Aromen und zur Crème brûlée war der Ofen ebenfalls noch nicht ganz aus. Die schöpferische Pause nahm ihr Ende zum Käsegang, die vorher noch von Quitten und kandierten Zitrusfrüchten geprägte Aromatik entwickelte sich zum Ziegenkäsetaler und zum alten Schafsmilchbrie (ein alter, nach Salmiakpastillen riechender Camembert hätte es hier nicht sein dürfen) in Richtung Pomelo, pink Grapefruit und von mir aus auch Blutorange, war jedenfalls wieder sehr alert. Zum Roquefort riss er aber dann nichts mehr.

 

B. Maxime Blin, Blanc de Noirs, Millésime 2002

100PN.

Der Ort Trigny im Massif St. Thierry verfügt über 550 Einwohner (die aber nicht alle Blin heißen). Dort wohnt Jungwinzer Maxime Blin und dort stehen auf 12 ha alle seine durchschnittlich ca. 20 Jahre alten Reben. Das macht ihn zum Monocru-Winzer, eine ziemlich seltene Situation in der Champagne. Blin arbeitet mit biologisch orientiertem Ansatz und hat eine moderne Coquard-Presse mit einem Fassungsvermögen von 6000 kg in der Garage stehen; der Saft läuft allein durch Schwerkraft ab, sein 2002er Blanc de Noirs lag ganze sieben Jahre auf der Hefe, bevor er für den Handel freigegeben wurde. Gute Bedingungen also für einen guten Champagner. Im Glas dick, golden und einladend, mit vorbildlicher Perlage und feinem Schäumchen. In der Nase gelbe Pflaumen, Birne und Johannisbeeren, im Mund wieder saftig, klar, lustvoll und mit einer Säure, die bis hinter den Augen kribbeln verursacht. Sehr gute Arbeit! Ganz getan war die Arbeit indes noch lange nicht, denn im Champagnerleistungszentrum gibt es nichts geschenkt. Die Jakobsmuscheln nahm der Blin großzügig unter seine Aromenfittiche. Das Flusskrebscassolette als Herausforderung für diesen Champagner zu bezeichnen, wäre verkehrt gewesen. Die beiden vertrugen sich nicht nur, sondern waren sogar richtig gute Freunde. Dieses sparring war natürlich nur der Auftakt zu den Gambas, mit denen sich Blin schwertat. Zugegeben, die Sauce war schon in ihrer Anlage recht eigenwillig, so wie Milch und Säure nunmal nicht gern in einem Topf schwimmen, und dann noch die Gambas! Diese spannungsvolle Grundkonstellation traf Maxime Blins 2002er BdN an und er muss sich gefühlt haben, wie Peter Zwegat oder die Supernanny. Dass er das beste daraus zu machen versuchte, ist rühmlich, das Resultat war es nicht so sehr. Der Gentleman stiess hier leider an seine Grenzen und bewies, dass Säuremonster aus der Côte des Blancs durchaus ihre Daseinsberechtigung haben. Mit dem Trüffel von den Tournedos tat sich der Blin nicht so schwer, das war wieder die gewohnte Trainingsgröße. Der zugehörigen Sauce musste er sich unterordnen, was ohne Murren geschah und der Sauce sehr zugute kam. Die konnte auf dem eleganten Blanc de Noirs Teppich ihre Konzentration etwas entzerren und wirkte dadurch gleich doppelt appetitlich. Zu Dessert und Käse trumpfte der Champagner nicht auf, die Süßspeisen waren ihm zu mächtig und beim Käse war mir die Kombination allzu gewöhnlich.

 

C. Auswertung

Zwei unterschiedliche 2002er mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Solo war der Marx-Barbier der eindeutig unterlegene Champagner, was auch an seinem reduktiven, stinkigen Start gelegen hat. Zum nachfolgenden Essen hatte der Blin schon einen Vorsprung aufgebaut, den einzuholen der Marx-Barbier sich sichtlich schwertat. Zwar schmeckte er nach und nach immer besser, konnte aber nicht Schritt mit der Speisenfolge halten. Das änderte sich erst zum Schluss, wo er den Blin sogar noch überholte. Mein Favorit bleibt wegen seiner überlegenen Solotrinkbarkeit und des tadellosen Starts der Blin.

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Besuch bei Champagne Bernard Tornay

Besuch bei Bernard Tornay

Alle Champagner dieses sympathischen Winzers aus dem Grand Cru Bouzy sind mit 9-10 g/l dosiert und durchlaufen einen biologischen Säureabbau. Verschlossen wird seit sechs Jahren mit Mytik. Thierry Gasco, Kellermeister und Nachfolger von Prince Polignac bei Pommery, ist ein langjähriger Freund des Hauses und kauft die nichtklassifizierten Trauben von Tornay aus Riceys. Und das coole, loungige Design des Verkostungsraums hat die Frau von Pol-Roger-Chef Hubert de Billy zu verantworten. So klein ist die Champagne. Schön übrigens, dass der Erzeuger versucht, eine Bibliothek mit alten Jahrgangschampagnern anzulegen.

 

1. Palais des Dames

50PN, 50CH, 2004er Basis.

Wir stiegen mit der Spitzencuvée ein, die zugleich der am elegantesten geratene Wein des Hauses ist. Einen hohen Wiedererkennungswert hat die Hausnote, eine Mischung aus Nougat und leicht säuerlichen, vegetabilen Noten. Das hört sich unschön nach verunglückter Nutella an, schmeckt aber sehr gut.

 

2. Grand Cru Mill. 2002

Mein Liebling aus der Kollektion glänzt mit dem hauseigenen, minimal säuerlichen Nougat und ist auch sonst wie ein Traum aus Schokobaiser, gelben Johannisbeeren und Kiwi.

 

3. Blanc de Blancs Mill 1999 Extra Brut, dég. 11/2009

1998er Basis mit 97 und 96.

Dieser ältere Kollege stank nach dem Öffnen erst eine Weile lang nach Rauch, ich habe bei sowas ja immer die Vermutung, dass der Expeditionslikör mit etwas SO2 versetzt ist. Nachdem sich der Rauch gelegt hatte, kam natürlich wieder Haselnuss zum Vorschein, etwas länger geröstet, als bei den beiden anderen, aber auch mit weniger Säure. Sahnig, ein bisschen wie Irish Coffee und sehr gemütlich war dieser gut gelungene Champagner.

 

4. Grand Cru

60PN, 40CH, 2005er Basis.

Der einfache Grand Cru hatte die am schwächsten ausgeprägte Haselnussnote und machte einen gegenüber den anderen Champagnern etwas wässrigen und auch herben Eindruck. Eher austauschbar.

 

5. Rosé Vieille Reserve

2005er Basis. Assemblage mit ca. 10% Bouzy Rouge.

Hier muss er wieder dran glauben, der Mon-Chéri-Vergleich. Warme, saftige, knackige Kirschfrucht, ebenfalls wärmender, aber nicht spritiger Alkohol und zartschmelzende, mit Nougat verfeinerte Bitterschokolade.

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Silvesterchampagner

I. Gloria Ferrer Sonoma Brut

Ca. 90PN, 10CH, ca. 25% Tête de Cuvée, 20 Grundweine; 18 Monate Hefelager, 13g/l Dosage.

Saftig, mostig, Gummibärchennase. Reduktiv. Duft und Geschmack von Birne, Melone und rotem Apfel, mit Luft etwas röstig. Trinkt sich wie frischer Saft, etwas unchampagnerhaft, aber dadurch nicht schlechter.

 

II. Besserat de Bellefon Cuvée des Moines Rosé

30CH, 30PN, 40PM. Crémantstil, mit etwas weniger Flaschendruck und sehr crèmiger, sahniger Textur. Zunächst Duft von Buttercrèmetorte, Geschmack von Brombeerjoghurt, eher schwer am Gaumen. Dann entwickelt sich mehr und mehr Brioche, eine sanfte Röstaromatik gepaart mit frischer, sahniger Butter, immer noch sehr dicht.

 

III. Henri Germain Cuvée Bicentenaire 1789 – 1989, en Magnum (763/5000)

Das Haus existiert nicht mehr, die Marke gehört seit 1999 zu Vranken-Pommery. Beim einschenken sehr hell für sein Alter. In der Nase irgendwo zwischen metallischer und röstiger Aromatik. Kaffeebohnen und Kastanienschalen, wandeln sich mit Luft in deutlicher ausgeprägte Kaffee- und Nussnoten um, später kommen Röst- und Champignonaromen dazu. Leider nicht mehr sehr viel Frucht, sonst hätte ich ihn wesentlich besser gefunden. So überwogen die Altersaromen.

 

IV. Arunda-Vivaldi Blanc de Blancs Extra Brut, Mise en Cave 2002, dég. 04/2008, en Magnum

100CH, 36 Monate Hefelager.

In der Nase anfänglich etwas irritierend, mit Moosbeere, vielen spinatigen, vegetabilen Aromen, grünen Kaffeebohnen, altem Männerschweiss, Campher. Im Mund der Eindruck eines zu hoch dosierten Champagners, fast klebrig am Gaumen und nicht sehr lang. erst mit der Zeit und sehr viel Luft ändert sich der Gesamteindruck. In der Nase zeigen sich komplexere Aromen, alles wirkt durchkomponierter und ansprechender, auch im Mund entfaltet sich das nicht unattraktive herbe Beerenaroma deutlich und ohne störende Nebentöne.

 

V. Bernard Tornay Grand Cru Palais des Dames

50PN, 50CH aus Bouzy und Ambonnay.

Kirschnase, Toffifee, verlockend fruchtig wie ein Kaubonbon. Im Mund dann ebenso lang, lebhaft und saftig, wie in der Nase angekündigt.

 

VI. Bernard Housset Rosé

Rotfruchtig und etwas kakaodurchsetzt, gesalzene Mandeln, Apfelchutney, aber alles ziemlich zurückhaltend. Im Mund ebenfalls zurückhaltend, aber sauber. Der Chaoswinzer schafft es doch tatsächlich, einen anständigen Champagner herzustellen!

 

VII. Perrier-Jouet Belle Epoque 1985, en Magnum

50Ch, 45PN, 5PM. Reife, würzige Kaffee-, Vanille- und Röstnase. Im Mund dann viel jugendlicher und frischer, als die Nase vermuten ließ. Lebhafte, alerte Säure, die sich gut mit der fetteren Milchkaffeearomatik verträgt und dem Champagner eine leichte, elegante Erscheinung verleiht. Sahnebonbon und eine gleichzeitig vorhandene flintige Note erinnern an den starken Cramantchardonnayanteil. Der Champagner wirkt nie unbalanciert oder einseitig und behält seine trainierte, athletische, gleichzeitig damenhafte Form stets bei.

 

VIII. Picard-Collard Premier Cru Rosé de Merveilles, demi-sec, élevé en fûts de chêne

Junges Haus mit ehrwürdigen Wurzeln: Olivier Collard ist der Enkel von René Collard aus Reuil, seine Frau Delphine Picard ist die Cousine von Chantal Gonet von Champagne Phillippe Gonet in Le-Mesnil. So kommen mächtige Chardonnays aus Le-Mesnil und raffinierte Meuniers aus der Vallée de la Marne zusammen. In der Nase hat dieser rare Rosé demi-sec Kaffeekränzchenduft mit Schwarzwälder Kirschtorte, Linzer Torte, Frankfurter Kranz und Mon Chéri. Im Mund deutlich ausgeprägte Süße, aber durch den hohen Säureanteil – der Champagner durchläuft keinen biologischen Säureabbau – noch im Rahmen des erträglichen. Viel Kirsche, gleichzeitig buttrig und zartschmelzig.

 

IX. Jean Moreau Grand Cru Millésime 2002

70PN, 30CH. Der Erzeuger hat seinen Sitz direkt neben dem Clos d'Ambonnay von Krug. Der Champagner ist in der Kooperative vinifiziert, neben Toffee und einem schwierig zu identifizierenden Aroma, das an Dresdner Christstollen und Nusssplitter/Krokant erinnert, finden sich noch Spuren von Zitrus. Im Mund glatt, eine Textur wie Marzipanrohmasse.

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Cuvée zum Generationenwechsel bei Alfred Gratien

Das in Epernay ansässige Haus Alfred Gratien hat anlässlich des Generationenwechsels in der Kellermeisterdynastie Jaeger eine besondere Cuvée herausgebracht. Jean-Pierre Jaeger, der das Amt nun an seinen Sohn Nicolas weitergegeben hat, kreierte zusammen mit seinem Nachfolger eine nochmals strenger limitierte Cuvée Paradis aus dem Jahrgang 2002, die unter dem Namen "Passation" vermarktet wird.

Die Spielregeln bei Alfred Gratien sind dabei seit vielen Jahrzehnten klar: Saft aus der ersten Pressung und aus Premier und Grand Crus wird ohne biologischen Säureabbau in Barriques vinifiziert und nach der zweiten Gärung handgerüttelt. Die so entstandenen Paradis Blancs und Rosés gelten wegen ihres Reifevermögens als sehr gutes Kellerkapital und sind zudem im unteren Preisbereich der Prestigecuvées angesiedelt.

Seit 2008 ist das Haus mit dem Paradis Rosé unter anderem Lieferant des Elysée-Palastes.

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Einige Winzerchampagner

I. J. et J. Berat, Special Cuvée

Gar nicht mal so kleiner Erzeuger in Boursault, mit schönem Blick auf das Château de Boursault der Veuve Clicquot hinter den Baumwipfeln.

Die Special Cuvvé ist vor allem eine frische, nicht sehr säurehaltige Cuvée aus 60% Pinot Noir und jeweils 20% Chardonnay und Pinot Meunier, 10% neues Holz. Mild, sogar fast sämig am Gaumen, hinterlässt einen leicht klebrigen, aber nicht unsauberen Eindruck.

 

II. J. et J. Berat, Millésime 1999, dég. 2008

70 CH, 30 PN

Da geht also noch was! Weiniger Champagner aus der Cognacnasen-Ecke, Duft von Eau de Vie und altem Holz. Im Mund keinerlei scharfe Säure, wie man sie bei einem kürzlich degorgierten Champagner hätte erwarten können, sondern eitel Sonnenschein und gute Laune. – Chardonnays aus der Vallée de la Marne einzuschätzen, ist schwierig, denn statt der unzugänglichen Mineralität und Säure junger Côte des Blancs oder der üppigen exotischen Früchte aus dem Bereich von Ay bis Ambonnay sind diese Chardonnays einfach etwas verhaltener, neigen zur Frucht und zu milder Säure und erinnern damit an die Gewächse aus Pierry und Chouilly.

 

III. J. et J. Berat, Cuvée Perle

Marzipannase, dahinter wenig bis nichts. Auch im Mund kein Champagner, der begeistert. So abwechslungsreich wie ein Würfel, ich hätte von dieser Cuvée, die der Winzer mit leichtem Nachdruck anpries, mehr erwartet.

 

IV. Paul Déthune Grand Cru Millésime 2002

Déthune aus Ambonnay muss man als Qualitätszugpferd nicht mehr vorstellen. Sophie macht einen grossartigen Job, der sich leider auch in den hohen Preisen für ihre Champagner niederschlägt.

70 CH, 30 PN. Kirsch-Banane, Acerola, sehr sparsam eingesetztes Holz. Wie so viele 2002er filigran, aber nicht zerbrechlich. Die besondere, jahrgangstypische Eleganz macht es hier schwer, den Hausstil zu erkennen, dieser Champagner hätte zwischen Regis Fliniaux' Cuvée des Signataires bis hin zu Gossets Celebris Blanc de Blancs alles sein können. Jedenfalls war er wegen der starken KiBa-Aromatik erkennbar sehr jung und ebenfalls erkennbar auf Cru-Ebene anzusiedeln. Den Jahrgang zu identifizieren, war da schon wesentlich schwieriger.

 

V. Champagne Piollot/Marie-Courtin Cuvée "Efflorescence" Extra Brut

100 PN, 2006er Basis, 10-monatiger Ausbau im Holzfass

Das Haus an der Aube gehört zu den wenigen Erzeugern, die noch einen Bestand an Arbane haben (hier ca 4% der Rebfläche). Gearbeitet wird bio-nachhaltig.

Vielversprechender Champagner von einem vielversprechenden Erzeuger, leider hatte die Flasche einen Hau. Sauerkrauttöne und Schwefel hielten sich die Waage, im Mund null Säure, für mich ein Anzeichen für übertriebene Malo und vielleicht einen Schwefelfresser. Sehr schade.

 

VI. Eric Taillet, Brut Excellence, 30 PN, 30 CH, 40 PM

Erzeuger aus der Mitte der halbmondförmigen Weinbergskerbe von Châtillon sur Marne (da wo Kreuzzugpapst Urban II. steht) bis Paradis in nordöstlicher Richtung durch die Wälder des Marnetals gegen Reims zu.

Winzerchampagner von der herbfrischen Sorte. Mostige Nase, auch am Gaumen traubig, kühlend, mineralisch. Wirkt etwas alkoholisch, insgesamt eher kurz.

 

VII. Laurent Gabriel, Brut Rosé, 100 PN

Der Winzer ist in dem Premier Cru Avenay Val d'Or zu Hause, ein Örtchen am südlichen Fuss der Montagne de Reims, dort wo der Wald aufhört und die Grand Crus beginnen.

Schönes Kupfer, Eau-de-Vie Nase, herb, erinnert an Kirsche, Acerola. Am Gaumen schwer, mit konzentrierter, aber einfacher Frucht, auch eher kurz.

 

VIII. Alexandre Lenique, Cuvée Excellence, 50 CH, 45 PM, 5 PN

Der Juniorchef von Champagne Michel Lenique aus dem Premier Cru Pierry am südlichen Ortsausgang von Epernay hat unter seinem Namen ein eigenes, modernes Label.

Fruchtige, etwas sahnige Nase, sehr einladend. Auch im Mund sehr fruchtig, mit einer diskreten Buttrigkeit und einer molligen, aber überhaupt nicht fetten Art. Sehr gelungene Kombination aus Geradlinigem, nicht zu säurebetontem Chardonnay und gekonntem Fruchteinsatz von der Meunier.

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Das schreiben die anderen: Jacques Dupont, Le Point Magazine

Jacques Dupont berichtet in seinem berühmten Champagnerdossier im Magazin Point über die performance aktueller Champagner; nicht jedoch, ohne zuvor darauf hinzuweisen, dass

«les champagnes sont vendus à une date trop proche de leur dosage, c’est-à-dire de leur mise en bouteille définitive. La liqueur de dosage que l’on ajoute pour remplacer le volume de dépôt que l’on a retiré de la bouteille n’a pas encore eu le temps de s’intégrer au vin. Trois mois, six mois, c’est trop court. Une année ou deux, si vous tenez le coup, c’est beaucoup mieux…».

Dann aber geht es hinein ins Vergnügen und es gibt die eine oder andere kleine Überraschung.

Aus dem Hause Pierre Moncuit stammt mit der Cuvée Nicole Moncuit Vieilles Vignes 2002 der 19/20-Knaller, nicht viele Erzeuger kommen bei Dupont so hoch, die Winzer haben es da besonders schwer und bleiben meist bei um die 17/20 liegen. René Geoffroy kommt allerdings mit seinem Extra Brut Mill. 1996 auf ziemlich großartige 18,5/20.

Bollingers Grande Année Rosé 2002 säckelt immer noch saftige 18/20 ein, nachdem sie erst jüngst in der Revue du Vin de France 20/20 kassierte. Sie liegt zusammen mit Laurent-Perriers Grand Sieècle und Pol-Rogers Cuvée Sir Winston Churchill 1998 gleichauf.

Dicht dahinter tummelt sich’s dann: Bollingers Special Cuvée wieder weit vorn mit 17,5/20, diese Bewertung holte sich auch de Sousas Cuvée de Caudalies 2002 und Jacques Diebolts Fleur de Passion 2004 ab, die sich auch in der RVF ein spannendes Rennen lieferten. Auch bei Francis Boulard dürfte die Freude groß gewesen sein, nachdem er für seine Steineichencuvée Petraea MMV 17,5 – 18/20 mit nach Hause nehmen durfte und auch sonst gut abschnitt. Immerhin liegen diese Kandidaten damit auf derselben Ebene mit Louis Roederer Cristal 2002, Taittinger Comtes de Champagne 1999, Mumm René Lalou 1998, “S” de Salon 1997 und dem großen Charles Heidsieck Blanc des Millenaires 1995 – sehr verschiedenen Champagner im übrigen.

Deutlich in der zweiten Reihe stehen indessen Krugs Grande Cuvée, Dom Pérignon 2002 und Billecart-Salmons Nicolas-Francois Billecart 2000 mit jeweils 17/20. Nur noch verhalten dürfte der Jubel über die 16,5/20 für Elisabeth Salmon Rosé 2000 und Grande Année 2000 gewesen sein.

Hier gibt’s ein kleines Interview mit Jacques Dupont:

http://www.rmc.fr/blogs/bourdinandco.php?post/2009/12/04/Special-Champagne-avec-Jacques-Dupont

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Champagne-Kurztrip: Ledru, Bonnaire, Diebolt u.a.

I. Marie-Noelle Ledru, Ambonnay

Die sehr resolut wirkende Mme. Ledru öffnete

1. Extra Brut 85PN/ 15CH mit 50% 2003 und 50% Reserveweinen aus den

Jahren 1999 und 2002. Die holznahe Nase wies in die falsche Richtung,

Holz kam bei diesem Champagner nicht zum Einsatz. Der Wein wirkte

angenehm und fruchtig, ließ aber etwas rondeur vermissen. Kraft, die

er zu besitzen scheint, ist eben nicht alles.

2. Brut, gleiche Cuvée, jedoch mit 8g dosiert. Hier zeigte sich die

ganze Stärke des Spätburgunders aus gutem Hause und guter Lage.

Weich, rund, sanft, schon gut zugänglich und mit sanft kandierten

Fruchtaromen schon ein interessanter Champagner, dessen

Chardonnayanteil die nötige Portion Frische und etwas belebende Säure

einbringt.

3. 99er Brut Nature. Hart und karg, mit einer hauchzarten Chlornote,

die sich bis ins Lakritzige erstreckt, durchgängiger Säure und

rundlicher Frucht, erscheint so gar nicht brut nature; das mag für’s reife Lesegut sprechen.

4. 00er Brut. Wie der 99er, die etwas an Gougères erinnernde Note

störte mich allerdings. Mit Luft wurde der 00er dann feiner und eleganter als sein

Vorjahrescousin. Ein Champagner, der wie alle Champagner des Hauses

gewöhnungs- und luftbedüftig ist. Für eilige Proben nur schlecht

geeignet.

5. Goulté 2002, Blanc de Noirs. Weinig und rund, lecker-gschmackig und

stoffig im Mund. Ein Wein, der zwar nicht die Gaumenauskleidung

herunterreißt, aber mit etwas Temperatur, Flaschenreife und Luft zu

großer Form auflaufen kann, speziell in diesem guten, die elegante

Seite noch betonenden Jahr. Mittlerweile ist schon die sehr gelungene 2004er Cuvée de Goulté auf dem Markt, die beiden werde ich mir mal nebeneinander vorknöpfen.

II. Paul Déthune, ebenfalls Ambonnay.

Viel zu trinken gibt es bei Sophie meist nicht, im Lagerchen herrscht nämlich das ganze Jahr über ziemlicher Durchgangsverkehr mit nur sehr kurzer Verweildauer. Aber es gab zumindest:

1. Brut (2003-basiert, zzgl. Reservewein), 10g/l. Frisch, säurebetont,

kann Temperatur vertragen, die zart holzige Nase und die lebhafte

sonstige Art dieses Champagners vermitteln den Eindruck einer

besonders gut gelungenen Pomeloschorle.

2. Cuvée Prestige. Holzfaßgereift. Kandierte Zitrusfrüchte,

hintergründig etwas nussige Noten, stabiler und langgezogener

Säureteppich, im Mund von warmer, gemütlicher, fast anheimelnder Art,

gleichzeitig seidig, mit der Zeit kommt eine feine Silexnote zum

Vorschein.

Mme. Déthune erklärt übrigens gern, wie die Lotnummern

ihrer Champagner zu lesen sind: Die Großbuchstaben stehen für die

Cuvée (z.B. PR für Prestige), danach kommt die Nummer (3) und das Jahr

der Tirage (T), in unserem Fall 00 für 2000. Es folgt D für das Datum

des Degorgements und ein Kürzel für Monat (01) und Jahr (07).

III. Yves Delozanne, Serzy et Prin (86% auf der échelle, ein

Meunierspezi), Vallée de l’Ardre.

1. Brut Tradition, 80PM, 10CH, 10PN. Saftiger, süßlich wirkender

Champagner mit gut eingebundener Säure und leichter Metallnote.

Unbeschwert zu trinken und wegen seiner einfach strukturierten

Aromatik ein bequemer Essensbegleiter selbst zur Gorgonzolapizza.

2. Rosé, selbe Cuvée wie oben. Hefig, brotig, rindig. Krosse, mit Bier

behandelte Holzofenbrotrinde, dazu bananige Aromen und ein paar

Tröpfchen Rosenwasser im Bouquet. Wirkte angenehm mürbe, wenngleich

zu jung. Kann noch was werden. Dosage wirkte im übrigen recht hoch,

scheint um 11g gewesen zu sein.

3. 97 Cuvée d’Exception, je 1/3 PM, PN, CH. Quitten, Cranberry,

Sauerkirsch und zum Schluß etwas Schokolade. Eine Art Edelmoncheri

mit strammer Säure und spannendem Potential. Mittlerweile hat ja die junge Generation das Ruder bei Delozanne übernommen, die Cuvée d’Exception wird jetzt unter dem Label V. Delagarde verkauft.

IV. Pol-Roger, Epernay

wie immer eine freundliche Führung, in deren Verlauf dies und das

erklärt wurde. Zu den Champagnern gibt es nicht viel Erstaunliches zu vermelden:

1. Extra Cuvée de Reserve schmeckte wie immer, ziemlich gut.

2. Blanc de Chardonnay (im Hausjargon: flüssiger Diamant) 1998, ein

reiner Grand Cru (was viele gar nicht wissen) und der letzte dieser Art, seit dem 99er Jahrgang

heißt der “Blanc de Chardonnay” wie alle 100%CH-Champagner “Blanc de

Blancs”. Zuerst toastig und vollzuversichtlich blnacdeblancig,

dann mit plötzlich auftauchender, schockierend häßlicher Krautnase und dann erst ganz langsam wieder als vernünftiger Chardonay erkennbar. Merkwürdige Flasche.

3. Vintage 1998, 60PN, 40CH. Kraftvoll, ja wuchtig, ausgewogen und

typisch. Zwischen kräuterigen Noten und schmelzigem Karamell. Mein

Favorit.

4. Rosé 1999, Cuvée wie der weiße Vintage, jedoch mit 10% Rotwein.

Erdbeerchen, fast leichtfertige Fruchtnase, im Mund Rote Grütze,

dunkle Kirschen, wegen fehlender Säure leider etwas kurz – und im Handel leider auch viel zu teuer.

5. Sir Winston Churchill 1996. Dunkel, machtvoll, fordernde Säure und

eine Andeutung von Cognac und angebrannten Waffeln in der Nase. Wunderwunderwundervoll.

Im Table Kobus dann nochmal 98er Pol-Roger (zum Steak, bzw. zum

Zander). Genuss ohne Worte.

V. Bonnaire, Cramant

Monsieur Bonnaire zeigte uns seine beeindruckende, sehr moderne

Anlage und öffnete

1. Non Dosé

Vorbildliches, sehr schönes Äußeres. Springlebendige Nase, im Mund

unbeschwert schorlig, Durstlöschercharakter. Unaufdringliche,

jederzeit diskrete, aber spürbare Säure und milde Mineralität.

2. 2002er BdB GC 10-11g/l

Saftig, weinig, rund und lecker. Orangenmarzipan, Grand Marnier,

feine, cremige Textur. Sehr schöner Champagner und mein Favorit aus dem gelungenen Program von Bonnaire.

3. Variance (Boisé), enthalten ist ein Drittel zweimal belegtes Holz,

10-11g/l. Holzige, nicht zu schwere Nase, Minze, Eukalyptus und

freche Zitrusnoten kitzeln in der Nase. Säure satt, jedoch nicht

ermüdend. Länger, dafür auch schwerer als der 2002er. In gewisser

Hinsicht eine Steigerung zum 2002er, an dem sehr warmen

Verkostungstag und bei gehoben-frivoler Laune aber etwas zu

herbstlich.

VI. Diebolt-Vallois, auch in Cramant

Monsieur Diebolt war anfangs wie immer etwas zugeköpft, kam aber schnell ins

rollen.

1. Prestige

Blitzblanke Säure, Tannenholz, Harz, Lindenblüten, Weißdorn, Honig.

Frisch, schön, sauber, zugänglich, von ruhiger Had gemacht und schon

jetzt sehr gut zugänglich.

2. Blanc de Blancs 2002, 6g/l

Süffiger als der Prestige, etwas schlanker und filigraner. Weißdorn

und Lakritzanspielungen, dabei saftig, kräuterig und voller

Kelleräpfel, abschließend warme, nussige Töne, die den gut reifenden

Großchardonnay ankündigen.

Im Keller von Monsieur Diebolt griff er en passant eine

3. Fleur de Passion 2002 heraus. Wir leerten diesen gigantischen Wein

an Ort und Stelle. Sagenhaft schöner Champagner. Potenzierter Burgunder mit feinsten Bläschen.

Zum Schluß probierten wir noch die 2006er Grundweine aus den Tanks

und die Grundweine für die Fleur de Passion 2006 aus dem Holzfässchen

(53 Fässer getrennt nach lieu dits, bzw. zum Teil bereits im Faß

vereint). Am beeindruckendsten und einer großen Tafel würdig war Faß

5, “Grosmonts”.

VI. Bollinger, Ay

Im Garten des Hauses gedeiht das Miniversuchsfeld mit den Rebsorten (Teinturier, Pinot Meunier, Pinot Blanc und Pinot Gris, Arbane und Gamay).

1. Special Cuvée: wie immer: sehr gut! Was soll man da eigentlich noch groß schreiben?

2. Grande Année 1999 (einmal im September, einmal im Dezember 2006

degorgiert), dasselbe: auch sehr gut, jetzt deutlich harmonischer als beim letzten Mal und beispielsweise für Silvester 2009/2010 ein würdiger Trunk, wenn man nicht das Glück hat, die noch bessere 2000er Grande Année zur Hand zu haben.

3. RD 1996. Immer noch zu jung (degorgiert im Dezember

2006), aber zweifellos großer Wein, der noch eine ganze Weile laufen kann.

VII. Regis Fliniaux, Ay

1. Blanc de Blancs Grand Cru (Ay). Die Flasche wurde a la

volée vor unseren Augen degorgiert, Dosage hatte er deshalb natürlich

keine, vorgesehen ist eine Dosage von ca. 8g/l. Ein außergewöhnliches

Erlebnis, einen Blanc de Blancs aus der Pinot-Hochburg zu trinken. Ähnlich wie etwa der Chardonnay von Billecart-Salmon erstklassig gediehen und

von einer für die gegend von Dizy bis Mareuil exemplarischen exotischen Fruchtfülle, der nur ein ganz kleines bisschen Säure fehlt.

2. Cuvée des Signataires 50PN/50CH. Ananas, KiBa, Vanille, verspielte Säure, trinkbare gute Laune, der perfekte Abschluß eines großartigen Kurztrips.

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