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Klimafreundlicher Champagner durch produktionsintegrierten Umweltschutz

Champagner in der heutigen Form wäre nicht denkbar ohne das gute bruchfeste Glas aus England. Dessen augenfälliger Vorzug liegt darin, dem hohen inwändigen Druck standhalten zu können und Champagner auch über längere Strecken transportfähig zu machen. Aber den schweren Buddeln droht Ungemach: ihre CO2-Bilanz ist ungünstig. Kein Wunder, bei einem Gewicht von 900 Gramm pro Flasche (Stillweinflaschen wiegen ca. die Hälfte) – und selbst das ist schon ein Fortschritt gegenüber den ca. 1200 Gramm vom Beginn des 20. Jahrhunderts.

Das Comité Interprofessionnel du Vin de Champagne (auch kurz Comité Champagne oder CIVC genannt) hat sich nun veranlasst gesehen, ab 2011 eine neue Flaschenform zu normieren. Nachdem Versuche bei Mumm und Veuve Clicquot zufriedenstellend verlaufen sind und Pommery mit dem POP Earth bereits einen klimafreundlichen Champagner nach den Regeln des produktionsintegrierten Umweltschutzes auf den Markt gebracht hat, soll die neue Standardflasche nur noch fliegengewichtige 840 Gramm wiegen, Spezialflaschen sind vorerst nicht betroffen.

Ein wichtiger Vorteil der neuen Flaschen ist der Raumgewinn bei Lagerung und Transport: volle 24 Paletten statt bisher nur 22 passen jetzt auf die Ladefläche eines LKW. Und für Veuve Clicquot liegt bei Verwendung des neuen Formats die CO2-Reduktion bei 450 Tonnen pro Jahr. Probleme gibt es allerdings bei der maschinellen Verarbeitung der Flaschen: die Degorgier-, Dosier-, Etikettier- und Versandmaschinen sind nämlich alle auf das alte Flaschenformat eingerichtet. Dennoch dürfte das Umsteigen angesichts der Energiekostenersparnis bei der Glasproduktion mittelfristig nicht schwerfallen.

Troost/Bach/Rhein – Sekt, Schaumwein, Perlwein

Sekt, Schaumwein, Perlwein

Troost/Bach/Rhein

Ulmer, 2. A. 1995

620 Seiten

99,00 €

ISBN: 3-8001-5818-3

 

Es gibt Bücher, die einen besonderen Stellenwert haben. Vom Autor signierte Erstausgaben großer Klassiker zum Beispiel, möglichst bibliophil ausgestattet natürlich. Zu den Büchern mit herausgehobenem Stellenwert gehören auch Fachbücher, die sich über lange Jahre am Lehrbuchmarkt etabliert haben. Juristen werden Brox und Medicus, ältere Semester Flume rufen, aus der Medizinerecke schallt es laut Harms, Silbernagl und Pschyrembel, die Physiker pochen auf Demtröder, Bergmann/Schäfer oder Tipler. Unter den religiösen Werken sind die führenden Klassiker-Bestseller unter anderem Talmud, Koran und Bibel. Und so haben wir es hier auch mit einem Buch von ganz besonderem Wert, ja einer Art Bibel zu tun: es handelt sich um die deutschsprachige Bibel der Schaumweinbereitung.

 

Die – noch – aktuelle zweite Auflage aus dem Jahr 1995 (Neuauflage mit Schwerpunktbildung beim Winzersekt ist für April 2010 geplant) ist eine önologisch-technische Aufbereitung der Schaumweinherstellung, wie man sie sich umfassender und kompakter zugleich nicht wünschen kann. Es handelt sich freilich weniger um ein Wein-Lesebuch für den ambitionslosen Weinfreund, vielmehr sind einigermaßen belastbare Kenntnisse rund um die chemischen, biologischen, physikalischen und technischen Aspekte der Sekterzeugung für ein gewinnbringendes Lesevergnügen unabdingbar – und auch dann wird sich das gewichtige Werk nicht in einen Schmöker verwandeln, den man in der Grabbelkiste großer Buchhandelsketten wiederfinden könnte. Dafür bürgen bereits die Verfassernamen, große Namen der deutschen Schaumweinforschung- und Lehre. Gerhard Troost ist als uralter Geisenheimer quasi von Amts wegen bekannt, Hans-Peter Bach ist als Leiter der staatlichen Lehr- und Versuchskellerei in Trier durch seine zahlreichen, man könnte versucht sein zu sagen: zahllosen Veröffentlichungen bestens eingeführt und zusammen mit Otto Rhein, der langjähriges Mitglied im technischen Ausschuss des Sektverbands war, ein Praktiker erster Güte.

 

Das Lehrbuch wendet sich dementsprechend ausdrücklich an die Praktiker in den Kellern und beantwortet in glasklaren, unverquasten Ausführungen alle erdenklichen Fragen, die sich im Rahmen der Schaumweinbereitung stellen können. Nachdem gerade erst wieder ein offenbar mäßig gut recherchierter Bericht über zugesetzte Industriekohlensäure in deutschen Schaumweinen an die TV-Öffentlichkeit gelangt ist, beruhigt es sehr, über das Problem des Minderdrucks bei deutschen Markensekten in nüchternen Worten bereits bei Troost/Bach/Rhein lesen zu können.

 

Im Übrigen folgt das Buch einem übersichtlich gegliederten Aufbau. Es zerfällt in sechs Teile, auf die Einführung in das Thema schäumende Weine folgt bereits der umfangreiche herstellungsbezogene Teil, wiederum gefolgt von den theoretischen Grundlagen der Kohlensäurebildung und einem Teil über die Mittel zur Lenkung der Herstellung. Nach einer Vorstellung der Geräte, Maschinen und Apparate schließt das Buch mit dem sechsten Teil, der leider nur sehr knapp das Umfeld der Herstellung beleuchtet und insbesondere Abwasser/Abwasseraufbereitung, Unfallschutz und die Produktionsplanung näher erfasst. Angesichts der zahlreichen Änderungen vor allem der rechtlichen Rahmenbedingungen (man denke nur an die gemeinsame Marktordnung und die Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie) und der an Fahrt aufnehmenden biodynamischen Wirtschaftsweise wäre eine vertiefte Bearbeitung dieser Themen in der Neuauflage sehr wünschenswert.

 

Die Ausführungen zur Cuvéebildung sind knapp, aber was soll ein Lehrbuch auch konkrete Angaben zur Zusammenstellung einer bestimmten Cuvée enthalten? So gesehen ist die Beschränkung auf die wesentlichen technischen Vorgänge völlig richtig, so mancher junge Sekterzeuger dürfte sowieso eher auf die Angaben zur kellertechnischen Stabilität angewiesen sein, als auf Dosierbeispiele fiktiver oder existierender fremder Cuvées.

 

Der Verfasser eines Lehrbuchs das in einem Wirtschaftsbereich angesiedelt ist, der von nationalen und europarechtlichen Vorgaben nur so strotzt, steht immer vor der Frage, ob er gerade noch ausreichend auf die gesetzlichen Grundlagen hingewiesen hat, oder ober schon damit übertreibt. Troost/Bach/Rhein haben hier ihre Hausaufgaben gemacht. Der Bezug auf Verordnungen, Richtlinien und Gesetze geschieht wohldosiert und unaufdringlich, im Gegenteil: er ist oft genug hilfreich – denn nicht selten schweigen sich andere Lehrbücher über den gesetzlichen Regelrahmen aus oder zitieren ungenau, was lästige Recherche provoziert.

 

Gute Hilfe bietet das Buch bei der Mengenberechnung z.B. von Dosagezucker und Schwefelgehalten, ein besonderer Schwerpunkt liegt auch bei den Ausführungen zur Tankgärung, bzw. Großraumgärverfahren; dass in der Neuauflage die Schwerpunktsetzung beim Winzersekt und damit bei der Flaschengärung erfolgen wird, ist sehr zu begrüßen. Zwar dürfte die deutsche Sektproduktion auch weiterhin mengenmäßig hauptsächlich durch Tankgärung erfolgen; aber Winzersekt erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Und mit steigendem Interesse der Verbraucher an diesem qualitativ hochwertigen Produkt dürfte auch die Nachfrage der Winzer nach entsprechender Literatur steigen. Was das für einen auf wenige tausen Exemplare begrenzten Fachbuchmarkt bedeutet, kann sich jeder leicht ausmalen.

 

Schon in der jetzigen Auflage nimmt übrigens die Besprechung der Verschlussarten für Schaumweinflaschen einen erfreulich großen Raum ein, allerdings dürfte angesichts der Entwicklung neuer Verschlussmethoden und der sich verschärfenden Korkproblematik in der Neuauflage noch einiges an Erkenntnissen hinzugekommen sein.

 

Fazit: Das Werk von Troost/Bach/Rhein kann getrost als die Bibel der Schaumweinbereitung und demnächst wohl auch der Winzersektbereitung bezeichnet werden.

Von Champagnerkrise keine Spur

Ende 2009 blubberte es mächtig aus allen möglichen Quelle, Tenor: Champagnerkrise! Wer den Champagnermarkt schon vor der Finanzkrise aufmerksam verfolgt hatte, konnte aber wissen, dass die daherpalaverte Krise eher ein Kriselchen sein würde. Die aktuellen Verkaufszahlen aus der Champagne belegen das:

Insgesamt wurden 294 Mio. Flaschen verkauft. Statt der Einbrüche um 30% und mehr gab es zum Jahresende 2009 somit einen Verkaufsrückgang von 12% gegenüber dem Vorjahr. Immer noch ein herber Schlag ins Kontor, aber wenn man sich ansieht, wen es da getroffen hat, hält sich das Mitleid in Grenzen. Einbussen mussten nämlich vor allem diejenigen Großkopfeten hinnehmen, die in den Jahren zuvor wiederum für abartige Preissteigerungen verantwortlich waren. Dass es dabei auch mittelgroße, und verantwortungsbewusste, bzw. preispolitisch besonnen handelnde Häuser wie Bollinger trifft, ist bedauerlich, gehört aber zu den Risiken des Geschäfts.

Freuen können sich dagegen die selbstvermarktenden Winzer, deren Qualitäten waren zusehends gefragt und nicht wenige Erzeuger dürften auf Kosten der Großen Kunden hinzugewonnen haben.

Alles in allem ist die Champagne nun wieder auf dem Verkaufslevel von 2002 angekommen, die Krise hat sich damit bloss als – notwendige – Kurskorrektur entpuppt. Die Vergrößerung der Anbauzone wird dadurch nicht unter Zeitrduck gestellt und das Spiel kann von vorne beginnen.

Die Champagnerwinzer haben gewählt

Das Syndicat Général des Vignerons de la Champagne (SGV), seit 1904 die Interessenvertretung der ca. 15000 Champagnerwinzer, hat nach einigem Krachen im Gebälk am 15. Januar einen neuen Verwaltungsrat gewählt. Bemerkenswert war die hohe Wahlbeteiligung, von 697 Delegierten haben 686 ihre Stimme abgegeben, was einer Beteiligung von 98% entspricht.

Die vollständige Liste der neuen Verwaltungsratmitglieder ist hier einzusehen: http://www.lachampagneviticole.fr/IMG/pdf/RESULTATS_ELECTIONS_CORRIGES.pdf

Aussergewöhnliche Champagner: 2XOZ

Elodie und Fabrice Pouillon produzieren seit 2004 Champagner von ca. 15 ha Weinbergbesitz. Einen kleinen Teil der Premier Cru klassifizierten Weinberge bei Eceuil hat das Paar ausgewählt, um ein Seitenprojekt zu realisieren. Dessen Produktion ist winzig, 2547 Flaschen insgesamt. Die beiden schwimmen dabei unter anderem auf dem Dosagetrend und arbeiten ganz ohne Zugabe von Saccharosezuckern. In den aus 100% Pinot-Noir von 47 Jahre alten Reben produzierten Champagnern sollen ausschliesslich die fruchteigenen Fructosen und Glucosen, die wegen ihrer sechs Kohlenstoffatome zu den Hexosen gehören, enthalten sein. Daher auch der Name des Projekts: Deux-Hexozes oder 1337-speak-abgekürzt: 2 XOZ. Vinifiziert wird mit Naturhefe, der Ausbau erfolgt in Barriques. Die Non-Vintage Version liegt 24 Monate auf der Hefe, der Jahrgang bekommt 36 Monate. Darüber hinaus wird es dem Vernehmen nach 300 Flaschen von einem roten Champagner geben – wobei mir noch nicht gank klar ist, wie das Paar diesen Champagner durch die INAO-Prüfung bringen will. 

Zur website der beiden geht es hier: http://www.2xoz.fr/

Ruhr-Karussell Teil I

Erste Station war die Schote von Nelson Müller in Essen.

Amuse Gueule: Thunfischtartar mit warmer Kichererbsenkugel und Gurkenspaghetti

Dazu Pol-Roger Cuvée Sir Winston Churchill 1996. Prachtvoller Champagner, reifes, reines Gold und eine überströmende Aromatik schon von weitem. Typisch für den SWC ist die kraftvolle, pinotgeprägte Nase mit dem raffiniert untergehobenen, rassigen Chardonnayapfel und einem Anflug von Toast. Im Mund kompakt und würzig, mit einer ariadnefadenmäßigen, silberhellen Säure. Eine geschmackliche Erfahrung der besonderen Art war die Kombination mit dem Kichererbsenkügelchen. Das war mit Kreuzkümmel und Koriander gewürzt und forderte den Champagner zu Höchstleistungen heraus. Die Mélange wird sicher nicht jedem gefallen, ich fand den Kontrast aber sehr appetitanregend.

 

I. Förderturm vom geräucherten Aal und Sieglinde mit Backpflaumen und Speck

Dazu Pol-Roger Cuvée Sir Winston Churchill 1996. Zum Fördertürmchen auf Schwarzbrotunterlage passte das ganz hervorragend. Der Aal und die stromlinienförmige Säure vertrugen sich vorzüglich. Erstklassig war auch die Kombination aus Backpflaume, Speck und Champagner. Ein sehr gelungener Einstieg.

 

II. Schwarzwurzelcrème mit Kaninchenmaultaschen

Dazu Franz Keller Silvaner Oberbergener Bassgeige 2008 und Reichsrat von Buhl Weissburgunder 2007. Die Schwarzwurzelcrème kam von der Konsistenz wie Kondensmilch daher und trug ein feines Schaumhäubchen. Dazu vertrug sich der Silvaner mit seiner eigenwilligen Aromatik nicht so gut, wie der duftige, melonige, mit filigraner Säure ausgestattete Weissburgunder von Buhl. Zu den perfekten, in Bissfestigkeit, Packdichte und Aromatik gar nicht mehr zu übertreffenden Kaninchenmaultaschen lief der Silvaner zu besserer Form auf und überholte den hier etwas zu leichten Weissburgunder sogar.

 

III. Kross gebratene Lachsforelle mit Sauerkraut und Blutwurststrudel

Dazu Blankenhorn Spätburgunder 2008. Die Ruhredition des Blankenhorn Spätburgunders ist ein ordentlicher Gutswein mit ansprechender Fruchtfülle und einer präsenten Säure. Zur Lachsforelle mit Blutwurststrudel war das die richtige Entscheidung. Der Fisch konnte mit seinem würzigen Fleisch und den blattfeinen, gerösteten Blutwurstscheibchen genau die nötige Gravität entfalten, die es dem Spätburgunder leichtmachte, sein verspieltes Beerenaroma darauf auszurollen.

 

IV. Taubenbrust mit Graupenrisotto und karamellisiertem Knoblauch

Dazu ein Ribatejo Trincadeira 2007. Die Taubenbrust war zum weinen gut. Saftig glänzende Aussenhaut und ein gleichmäßiges, grossflächiges Rosa innen, auch beim Schlegel bis an den Knochen perfektes Rosa und dazu ein verführerischer Geflügelduft. Der erste Biss mehr ein gleiten als ein beißen, dazu der marzipanige Duft vom Trincadeira, gepaart mit der würzigen, nicht zu gerbstoffigen, etwas mürben Kirschfrucht – hier waren die Verhältnisse gegenüber dem Fischgang praktisch umgekehrt. Der Wein bildete das Panorama und die Taubenbrust konnte mitsamt dem karamellisierten Knoblauch und den sämigen Risotto im Vordergrund glänzen.

 

V. Armer Ritter vom Kaiser-Wilhelm Apfel mit Rübenkrauteis

Dazu Losen-Bockstanz Riesling Auslese Wittlicher Portnersberg 2006. Der Wein duftete nach Lady Grey und Reiswaffeln und liess fürchten, er können nicht mit dem rustikalen Apfel mithalten. In puncto Süße hatte er es auch schwer, bedingt durch die hohe, auch erfrischende Säure wirkte die Auslese neben dem Dessert nur knapp auf Augenhöhe mit, wobei das intensive Rübenkrauteis es dem wein sicher zusätzlich schwer machte. Dafür schmeckte der Portnersberg zusammen mit dem Nachhall des Desserts um so besser und konnte als Solist vollends überzeugen.

 

 

Schliesser: Lemaire-Rasselet Brut Reserve NV

Nach alter deutscher Sitte gab es nach dem Essen wieder Champagner, diesmal Lemaire-Rasselets brut Reserve. Ein gediegener, ruhiger Champagner, der mir wesentlich willkommener war, als jede Form von geistigem Getränk. Reife Äpfel, Biskuit und ein sahniges Mundgefühl ergabe einen schönen Ausklang für den Abend.

Franz Gosch: Weinmarketing

Weinmarketing

Gosch, Franz

Österreichischer Agrarverlag, 2003

120 Seiten

19,90 €

ISBN: 3-7040-1890-2

 

Das Marketingbüchlein aus der Reihe Winzerpraxis des Österreichischen Agrarverlags dürfte dem Bedürfnis der Praxis nach unkomplizierter, aber werthaltiger Handreichung entgegenkommen. Der Autor hat es nämlich auf eine bestimmte Zielgruppe, die kleinen bis mittelgroßen Weinbaubetriebe abgesehen. Diese Akteure verfügen meist nicht über das Budget für die Vergabe der Marketingaktivitäten an außenstehende Dienstleister. Um so wichtiger ist es, den Winzern Mittel an die Hand zu geben, erfolgreiches Marketing in Eigenregie zu betreiben. Gosch formuliert deshalb in gut verständlicher Sprache die Anforderungen des Markts an das Marketing der Weinbautreibenden. Die Strukturierung der einzelnen, jeweils nicht sehr langen Kapitel ist gelungen, leicht verständliche Diagramme, Formeln, Schemata und Checklisten erleichtern das durcharbeiten.

 

Zunächst werden die Grundbegrifflichkeiten der englischen Marketingsprache unprätentiös vorgestellt. Der Leser lernt, dass sich hinter CI, 4P-Politik, USP und brainstorming keine undurchdringliche Geheimwissenschaft verbirgt, sondern erprobte Arbeitsmethoden. Dadurch nimmt der Autor dem Marketingneuling einige Schwellenangst. Die beiden Säulen Marketingphilosophie und Marketingtechnologie werden vorgestellt und dann geht es auch schon ans Eingemachte. Der Winzer ist als Marktteilnehmer auf Erkennbarkeit ebenso angewiesen, wie auf Kooperation. Um nicht im Rahmen einer breit angelegten Kooperation völlig unterzugehen, sondern ein mit möglichst hohem Wiedererkennungswert ausgestattetes Profil zu zeigen, empfiehlt der Autor als Königsweg die konsequente Orientierung am Archetyp der Unternehmerpersönlichkeit. Das Auftreten des Chefs ist prägend für den Stil des Weinguts und gleichzeitig das Grundrezept erfolgreichen Marketings – wenn nicht der Chef selbst ein Retortentyp ist.

 

Gosch warnt außerdem vor der Vernachlässigung der Unternehmenskennzahlen und streut einige hilfreiche Formeln ein, die aber auch zu den niedrigeren Rechenkünsten eines jeden gutwilligen Steuerberaters gehören.

 

Dann geht es weiter zur Marktanalyse. Im wesentlichen gebe es sieben Trends: Authentizität, Retro, "weniger ist mehr", Individualität, Gesundheit und Wellness, Spaß/Fun, Wine-Surfing/Homing/Cocooning. Diese Trends werden jeweils knapp vorgestellt. In der zusammenfassung heißt es sodann, Weinmarketing müsse sich den zum eigenen Wein passenden Trend heraussuchen und mit Nachdruck bearbeiten, was einleuchtet. Schwupp, ist der Sprung zur Produktanalyse gelungen. Auch hier gibt es hilfreiche Vorüberlegungen, die in konkrete Anweisungen münden.

 

Sodann ein paar Worte zum Marketing-Mix. Der Autor ist erkennbar davon überzeugt, dass es kein "master tool" für erfolgreiches Weinmarketing gibt und steht deshalb vor dem Problem, in seinem notgedrungen kurzen Marketingbuch kein Patentrezept anbieten zu können. Das ist andererseits nur ehrlich, birgt jedoch wiederum die Gefahr, nur mit Allerweltsweisheiten aufwarten zu können. Aber Gosch kriegt die Kurve. Er verdeutlicht erst den Wert des Produktdesigns im Weinmarketing und kommt dann auf das ausgesprochen wichtige Thema Verkaufs- und Verkostungsraumkonzept zu sprechen. Hier wird er wieder erfreulich konkret und gerade jüngere Winzer, die eine seit Jahrzehnten nicht mehr umdekorierte Verkostungsstube von ihren Eltern übernommen haben, dürften für Verbesserungshinweise sehr dankbar sein.

 

Etwas theoretischer wird es dann beim kurz abgehandelten, aber gut verständlich dargestellten Thema Preisgestaltung und Preispolitik, das eng verknüpft ist mit dem Komplex der internen und vor allem externen Kommunikationsprobleme. Hier kommt es insbesondere auf die rhetorischen Fähigkeiten des Winzers an. Dass sich das rabulistische Repertoire eines gewieften Marketingfachmanns umfangreicher ausnimmt, als das des Weinbauern, erscheint ganz natürlich. Derjenige, der sich externes Marketing nicht kaufen kann oder will, muss deshalb an seiner Verkaufsgesprächstechnik arbeiten. Eines der großen Verdienste dieses Weinmarketingbüchleins ist deshalb die darin enthaltene, kondensierte Rhetorikschulung.

 

Der Messeauftritt nimmt einigen Platz in Anspruch, sicher auch mit gutem Grund – denn ein Messeauftritt ist nach wie vor eine der mächtigsten Möglichkeiten, sich einem breiten, potentiell appetenten Publikum zu präsentieren. Leider nimmt der Autor nicht die Möglichkeiten des Internetmarketings in den Blick. Gerade Betriebe ohne üppiges Marketingbudget haben doch hier ungeahnte Kontaktchancen. Es mag sein, dass zum Erscheinungszeitpunkt diese Entwicklung noch nicht so stark ausgeprägt war, wie heute, aber zumindest in dem am Ende enthaltenen Ausblick auf die Situation im Jahre 2010 hätte ein entsprechender Fingerzeig nicht fehlen dürfen.

 

Fazit: Goschs Weinmarketing ist ein empfehlenswertes Arbeitsbuch. Das Werk ist weder unnötig fremdwortgespickt, noch theorieüberfrachtet. Insbesondere die zahlreichen konkreten Ratschläge und Checklisten dürften gerade kleineren Betrieben sehr nützlich sein

Mosel Weinbautag 2010

– Pressemitteilung des MWVLW RLP –

Markante Steillagen, gebietstypische Schieferböden und die Renaissance des Rieslings sind nach Überzeugung von Weinbauminister Hendrik Hering die Chancen der Moselwinzer, sich mit einem profilierten Produkt am Weinmarkt zu behaupten. "Moselweine müssen wieder angemessene Preise erzielen, die der Einzigartigkeit und den Herausforderungen des Steillagenweinbaus gerecht werden", sagte Weinbauminister Hendrik Hering beim Mosel Weinbautag 2010 in Bernkastel-Kues. Dabei gelte es auch, für die Vermarktung die Möglichkeiten des neuen Bezeichnungsrechts einzusetzen.

Die Perspektiven der Mosel-Steillagen werden zunehmend vor allem von den jungen Winzern erkannt, so Hering. Dies zeige sich auch in der Nutzung von Rebflächen. Bei Fragen der Betriebsnachfolge und im Hinblick auf eine effizientere Flächennutzung werde das Land sein Beratungsangebot weiter ausbauen.

Ein derzeit festes Konsumklima wird auch die Lage in der Weinwirtschaft beeinflussen, ist sich der Minister sicher. "Der Weinabsatz dürfte stabil bleiben und gut zu dem mengenmäßig kleineren aber qualitativ hervorragenden Weinjahrgang 2009 passen", sagte Hering. Er zeigte sich überzeugt, dass sich der Fassweinmarkt erholen und der Absatz über Direktvermarktung sich weiter entwickeln werde.

"Wein ist ein einmaliges Kulturgut, das jedoch auch entsprechend beworben werden muss", unterstrich Hering. Wer Widerspruch gegen die Abgabenbescheide zur Weinwerbung einlege, müsse wissen, dass er damit den Handlungsspielraum seiner Weinwerbeeinrichtung einschränke. Vor diesem Hintergrund begrüßte der Minister die Abweisung der Klage eines Winzers gegen die Abgabe an den deutschen Weinfonds durch das Verwaltungsgericht Koblenz. "Zentrale Weinwerbung ist gerade für die mittelständischen und kleinen Winzerbetriebe wichtig", so Hering. Das Urteil stütze nicht nur die Rechtsauffassung eines im Auftrag des Ministeriums erstellten Gutachtens, sondern lasse auch in Bezug auf die Klagen gegen Abgaben für die regionale Weinwerbung hoffen, dass deren Verfassungsmäßigkeit bestätigt werde.

Bei der Neuregelung des Pflanzenschutzrechtes ist es nach den Worten des Ministers gelungen, einen praktikablen Rebschutz im Steillagenweinbau und damit den Hubschraubereinsatz zu sichern. Derzeit laufe die Umsetzung des EU-Rechtes in deutsches Recht.

Hering verwies darauf, dass am Sitz des Dienstleistungszentrums Mosel in Bernkastel-Kues in diesem Jahr das Steillagenzentrum fertig gestellt werde. Erstmals werde damit für das Anbaugebiet, die Weinberatung, Versuchswesen und angewandte Forschung unter einem Dach zusammengefasst. Wichtige Forschungsprojekte wie die Weiterentwicklung des Steillagenvollernters seien bereits angelaufen.

Zur Förderung des Weinbaus in Rheinland-Pfalz verwies der Minister auf das nationale Stützungsprogramm, das Hilfen zur Umstellung von Weinbergen, Investitionen in die Kellerwirtschaft und Absatzförderung auf Drittlandsmärkten ermöglicht, Für den Zeitraum 2009 bis 2013 stehen landesweit rund 100 Millionen Euro zur Verfügung. Deutlichen Widerstand kündigte Hering gegen Pläne der EU-Kommission an, das Verbot von Neuanpflanzung bis 2015 abzuschaffen. Keine Notwendigkeit sieht der Minister zudem, die Grenzwerte für den Einsatz von schwefeliger Säure beim Öko-Wein abzusenken, wie von der Kommission diskutiert.

Hering kündigte einen zweiten Mainzer Weingipfel für den 16. September dieses Jahres an, um rechtzeitig vor einer Halbzeitbilanz der EU zu den Auswirkungen der Weinmarktreform eine Standortbestimmung aus Sicht der Weinbauregionen vorzunehmen.

Taittinger Collection

Das Haus Taittinger kennt man wegen seiner unverschämt guten Spitzencuvée Comtes de Champagne. In vielen ambitionierten Kellerbars hängt sicher auch das berühmte Plakat mit Grace Kelly, die sich hinter einem überdimensionalen Champagnerglas aufgebaut hat und dort kontrapostiert.

Man kennt Taittinger außerdem von den verrückten bunten Flaschen, die manchmal bei ebay verschleudert werden, manchmal aber auch für viel Geld aus gut gehüteten Sammlerkellern ihren Weg in seriöse Weinauktionen finden. Über die Entstehungsgeschichte der bis jetzt erschienenen elf Flaschen aus Jahrgängen von 1978 bis 2000 hat Phlippe Margot ein kleines Brevier erstellt, das hier abrufbar ist.

Ein neuer Jahrgang für die Collection ist übrigens dem Vernehmen nach gerade in der Mache.

Die nächste Generalversammlung des CDER …

… befasst sich, ja womit? Genau – mit der "Champagnerkrise".

Das CDER (Centre Départemental d'Economie Rurale) kann man wahrscheinlich am besten mit den rheinland-pfälzischen DLRs (Dienstleistungszentren für den ländlichen Raum) vergleichen. Das 1956 gegründete CDER hilft landwirtschaftlichen und weinbautreibenden Betrieben bei der Umsetzung technischer, ökonomischer, sozialer und juristischer Neuerungen.

Am 4. Februar wird der Wirtschaftshistoriker Jacques Marseille vor der Generalversammlung des CDER einen Vortrag über Möglichkeiten, versteckte und womöglich sogar offene Trümpfe in der Krise halten. Man darf auf die Thesen gespannt sein.

Beginn ist 14:00 Uhr.

Die Veranstaltung findet statt im Complexe du Mont Bernard in Châlons en Champagne.