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Tag Archives: spätburgunder

Zu Mantua in Banden . . . Südtiroltasting in der Essener Philharmonie

Weissburgunder:

Schreckbichl "Weisshaus" 2009

Holzloser, fruchtbetonter, gut gelungener Weißburgunder mit Druck, etwas Butter und leichter Bauart. Mehr Säure hätte ihm zu mehr Länge und Struktur verholfen, das Fruchtfleisch dafür hat er jedenfalls (85).

Castell Sallegg 2009

Bonbonig, mit Äpfeln, Blüten und einer sommerlich-frischen, zitronig-sauberen Anmutung. Könnte mehr Säure haben (83).

Kellerei Kaltern "Vial" 2009

Verschlossener, in der Nase wenig interessanter Wein. der auch am Gaumen von allem etwas zu wenig bietet. Etwas Frucht, etwas Frische, wenig Säure, nicht sehr erhebend (79)

Weingut Niklas "Klaser" 2007

Mein Favorit unter den Weißburgundern dieses tastings. Lagerfeuer- und Speckduft, dazu Waldhonig, reife Zitrusfrüchte, angenehme Intensität und ein lebendiger Auftritt am Gaumen, der am Ende mildbuttrig ausgleitet (88).

Elena Walch "Kastelaz" 2009

Nicht ganz auf dieser Höhe spielt Frau Walch mit, auch hier etwas Holz, aber alles femininer, zierlicher, niedlicher, als beim Klaser (86).


Sauvignon-Blancs:

Gumphof "Praesulis" 2008

Mein Favorit unter den Sauvignon-Blancs dieses tastings. Europäische Bauart, zunächst verhalten mineralisch, dann anwachsende Zitrusnoten, die sich zu den typisch grünen Tönen von reifer Paprika, Gras und Stachelbeere verdichten. Herb, reif, gut (88).

Tiefenbrunner "Kirchleiten" 2009

Jodiger, steiniger, bergiger Wein mit trainierten, strammen Waderln. Kommt sofort mit Almwiesenduft und krachend-grüner Paprika zur Sache, am Ende auch etwas kühlend (85).

H. Lun 2009

Gegenüber dem Tiefenbrunner eine Spur mehr Exotik und Komplexität, gleichbleibend hoher mineralischer Druck, merkliche, aber noch am unteren Rand angesiedelte und von reifen, süssen Beerenaromen abgedämpfte Säure (86).

Erste und Neue Kellerei "Stern" 2008

Paprika, Butteröl, Stachelbeere und Kiwi, mäßige, etwas wässrige Säure. Frucht und Säure, Volumen und Struktur sind da und wirken wie ein frisch zubereiteter Salat: alles gut durchgemischt nur noch nicht recht harmonisch (84).


Gewürztraminer:

Loacker Schwarhof "Atagis" 2008

Süß, anstrengend, seltsam. Drachenfrucht und Litschi, sonst stark floral, am Gaumen belagbildend und klebrig, etwas acetonig, mit dennoch gesunder Fruchtsäure; für mich nicht fehlerhaft, bloss komisch (79).

Tiefenbrunner "Castel Turmhof" 2009

Konzentrierter, etwas scharfer Duft. Aprikosenmus, bröckeliger Honig, andeutungsweise nussig, Rosenblüten und Gewürznelken, ohne dass ich den Eindruck habe, der Wein sei schon oxidiert. Am Gaumen sehr frisch, sehr intensiv, floral, druckvoll und lang (87+).

Kellerei Tramin "Nussbaumer" 2008

Zusammen mit dem Gumphof "Praesulis" mein Favorit unter den Gewürztraminern dieses tastings. Mango-Maracuja und eine an fruchtige Relishes erinnernde Würznase, sehr vielschichtig, sehr entwicklungsfreudig und auch am Gaumen zieht er voll mit. Etwas schlankere, dafür focussiertere Säure wäre angesichts der orientalisch und auf die dauer sättigenden Aromenvielfalt nicht schlecht gewesen (89).

Josef Weger "Maso delle Rose" 2009

Mango, Banane und ein etwas holziger Eindruck. Kommt am Gaumen leicht ins schwimmen und fängt sich bis zum Abgang nicht mehr so recht. Vielleicht noch zu jung (84).

Peter Zemmer "Reserve" 2008

Rosenblüten, Mango-Lassi oder sehr stückiger, mit Anis, Minze und Basilikum verfeinerter Fruchtjoghurt. Konzentriert bis leicht hitzig, noch mit freude trinkbar aber kein Kandidat für lange Reife (86)

Gumphof "Praesulis" 2008

Keiner von den ganz barocken, überladenen, mit allzuvielen Soeckröllchen versehenen Weine. Man merkt die Freude am Dekor und an der verschwenderischen Ausstattung und sieht hleichzeitig den Sinn für's Praktische und Lebensnahe. das gibt dem Wein positiven Anschub. Komplex, mit einer Wanne herabregnender Rosenblätter, Honig, Pfirsich und getrockneten Kräutern, dazu kandierte Orangenschalen, eine milde, doch stützende Säure und ein sauberes, glasklares finish (89+).

Josef Brigl "Windegg" 2009

Von gewichtiger Statur, doch geschmacklich gut händelbar. Saftig, gehört zu den körperreichen, aber noch nicht schwergewichtigen Weinen, der mit einer Blütenaromatik am Gaumen kleben bleibt (84).

Eisacktaler Kellerei "Aristos" 2008

Im Gegensatz zum lebenslustigen Windegg wirkt der Aristos wie der Name schon anzudeuten scheint eher wie ein hagerer Aristokrat. Noble, würzige Herkunft, die mir etwas farblos gezeichnet vorkommt. Alle Aromen sind da, verblassen aber schnell (83).

Klaus Lentsch "Fuchslahn" 2008

Kork.

Martin Pohl, Köfelgut 2008

Alles dominierende Bierhefe machte es unmöflich, den Wein zu genießen.


Spätburgunder:

Peter Zemmer "Peter Zemmer" 2007

Frischer, eher einfacher Spätburgunder. Kühle Machart mit Sauerkirsche, einer Handvoll Erde und mittlerer Länge (80)

Elena Walch 2008

Kaum anders Frau Walch. Kirsche, Waldboden, etwas totes Holz. Auch nicht besonders lang und ebenfalls einer der einfacheren Spätburgunder (80).

Erste und Neue Kellerei "Mezzan" 2008

Hier kam erste behutsame Spielfreude auf, neben den obligatorischen roten Früchten mit ihrer frischen, mich auch etwas nervenden Säure scheint der Wein durch Holzeinsatz gewonnen zu haben. Stimmiger Abgang, bei dem Frucht, Säure und Alkohol sich in einem Punkt treffen und gemeinsam verschwinden (82).

Kellerei St. Michael-Eppan "Riserva" 2007

Guter Standardspätburgunder, der mich auch noch nicht begeisterte. Sowas gibt's an jeder kühlen Ecke und wird, wie die drei zuvor, dem Potential der Traube nicht gerecht (85).

H. Lun "Sandbichler" 2007

Ebenfalls ordentlich aber weit davon entfernt, zu beeindrucken war Luns Sandbichler. Guter Standard, der die Anlagen der Rebsorte durchblitzen lässt, aber nicht mehr (85).

Johannes Pfeifer, Pfannenstielhof 2007

Kork.

Weingut Stroblhof "Pigeno" 2007

Mein Favorit unter den Spätburgundern dieses tastings und eindeutig mindestens eine Klasse über den anderen Spätbrugundern anzusiedeln. Hier merkte man, dass Leidenschaft im Spiel war, Verführung, Dichte, Verschleierung und Entschleierung, es galt, ineinandergewobene Aromen zu verfolgen und erstmals hatte ich den Eindruck, in den Wein eintauchen zu können. Eine minimale alkoholische Hitze tat dem keinen Abbruch, sie wurde überwogen von einem Wechselspiel aus rotfruchtiger Spannung, erdiger, mineralischer Gelassenheit, einer mürben, betäubenden Reife und einem alles gediegen einrahmenden, sehr feinkörnigen Tannin (90).

Martin Pohl, Köfelgut "Fleck" 2006

Schwieriger, sehr unruhiger Wein, der irgendwo zwischen Schwefelböckser und extrem reduktivem Stil steht (75).


Lagrein:

Loacker Schwarhof "Gran Lareyn" 2007

Samtig, weich, etwas glänzend, wie ein Poliertuch für Schuhe, das schon reichlich viel Schucrème aufgenommen hat. Merkliches Holz tut ein Übriges, versaut aber nicht den geschmeidigen Eindruck am Gaumen (87).

Stiftskellerei Neustift "Praepositus" 2006

Herb, konzentriert, mir etwas zu eindimensional und dadurch anstrengend (83).

Kellerei Tramin "Urban" 2007

Zusammen mit dem Morus von Lentsch mein Favorit unter den Lagreinern dieses tastings. Sauber ausgeprägtes Holz, das dennoch nicht nach Laubsägearbeit aussieht, dazu eine angemessene menge tiefschwarzer, triefend-saftiger Beeren, Veilchenblüten und ein Unterton von schwarzem Leder; kühlende Minze und merkliche Kraftreserven. Man spürt den unterschwellig drängenden Alkohol und die Frage ist, wie lange Früchte, Holz und Tannine ihn im Zaum halten können. Mit etwas Glück ein Kandidat für die Reifung, mit etwas Pech klappt er bald auseinander. Ich vermute, er hält sich noch eine ganze Weile (90).

Kellerei Bozen, St. Magdalena-Gries "Riserva Prestige" 2007

Schokoladenkuchen mit versenkten Schattenmorellen, noch warm und mit Puderzucker überstreut, im Kern saftig, aussen kross. Außerdem Noten von Jasmintee (88+).

Schmidt-Oberrautner "Villa Schmid" 2007

Nussig, fruchtig, erinnert an einen schwächeren Tawny-Port (82).

H. Lentsch "Morus" 2005

Brombeere, Kirsche, Veilchen, Leder, grüne Kaffeebohnen, Walnüsse, etwas Holz. Weicher, gut gelungener Lagrein mit milder Säure und ungelenkem Tannin. Hat noch Potential nach oben (89+).

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Essen… verwöhnt. Ein Zug durch die Gemeinde.

I. Hugenpoet (1* Guide Michelin)

Frau Bergheim habe ich leider nicht selbst am Herd gesehen, aber das Hugenpoet ist mir vor allem wegen der dort verschnabulierbaren Grossbuddeln eine gerngewählte Anlaufstelle.

Weine:

– Van Volxem, Volz 2008 en Magnum – die alte Einzellage aus dem Wiltinger Braunfels grenzt an den Scharzhofberg. Der Wein war noch arg jung, mit Kräuterduft und Apfelnase, reifen Obst, milder, schmeichelhafter und genau richtig platzierter Süße, mineralischem Druck am Gaumen und noch reichlich Potential.

– Fürst, Spätburgunder Centrafenberg R 2003 aus der Doppelmagnum. Der Centgrafenberg hatte von seiner jugendlichen, überaus betörenden Frucht und charmanten Säure etwas zugunsten einer volumigeren Reife eingebüßt. Da war nun eine geschmeidige, reife, mit etwas Graphit angereicherte Burgunderwürze im Vordergrund, außerdem Kirschfrucht und reifes, süßes Tannin. Die unfassbare Leichtigkeit von letztem Jahr habe ich allerdings vergeblich gesucht, der Wein ist deutlich ernster geworden.

1. Würzbissen: Gambatartelett mit Gewürzsauerrahm, Lachspumpernickel und geröstetes Baguette mit Tomate und Parmaschinken

Das Tartelett bildete einen guten Einstieg ins Rennen, der Rahm war fest, aber nicht betonhart und wässerte auch nicht. Die Tomate schmeckte erwartungsgemäß tomatig, als hätte sie es drauf angelegt, zu den Würzbissen zu zählen. Der Parmaschinken war ok, ebenso Lachs und Punpernickel. Den Fürst konnte man dazu gut trinken, den Volz besser.

2. Blutwurststrudel mit Gewürzkürbis und Bohnenragout

Ich gehöre zu denen, die gern Weißwein zur Blutwurst trinken, ebensogut konnte man hier den Fürst nehmen, der sich mit dem Strudelteig sehr gut verwob und die Kürbisaromen gekonnt prononcierte.


II. Lucente

Gaspare Maidas und Franco Giannettis Restaurant gehört trotz des Umzugs um einige Meter in der Rü zu den feststehenden Größen in Essen, das weiß nicht nur Otto Rehhagel, der zu den prominenteren der dort immer wieder anzutreffenden Stadtbekannten gehört.

1. Spaghetti Aglio-Olio-Peperoncino mit Wildgambas

Die relativ dünnen, bissfesten Spaghetti waren mit dem Aglio-Olio-Peperoncino sozusagen lasiert, kaum, dass überflüssig herumsuppende Flüssigkeit die Gefahr der völligen Outfitverhunzung barg. Die Gambas dazu waren reichlich, ohne das Gericht zum Meeresfrüchteteller zu machen und hätten einen Wimpernschlag früher aus der Pfanne genommen werden sollen. Trotzdem noch bissig und aromatisch, was gut zur unaufdringlichen, nachhaltigen Schärfe der Nudeln passte.


III. Résidence (2** Guide Michelin)

Henri Bach und Patron Bühler standen auch heute wieder hinter dem gewohnt stilsicheren Auftritt.

Weine:

– Springfontein Sopiensklip White (2/3 Chardonnay, 1/3 Sémillon) 2009

Frischer, lebhafter Weisswein mit einem schönen Gleichgewicht aus bedenkenloser Fruchtigkeit und würdevoller Mineralität, ungebutterte Chardonnayaromatik, reife, botrytisfreie Sémillonwürze.

– Odernheimer Weingut Klostermühle Riesling feinherb 2008

Die Energierechtskanzlei Becker Büttner Held hat einen Namenspartner, der offenbar noch weinfreudiger ist, als man Rechtsanwälten gemeinhin nachsagt. Bei diesem Wein fällt es allerdings nicht schwer, Wein zu mögen. Mittelgewichtig, von schmaler, fast zierlicher Struktur, mit einer leicht überwiegenden Fruchtsüße, gefälliger Säure und bedächtiger Herbe, ganz das, was man sich unter einem feinherben Riesling vorstellen sollte.

1. Geschmortes Bäckchen vom irischen Weideochsen mit Graupenrisotto und Vanillemöhrchen

Dieses geschmorte Bäckchen aus Henri Bachs Küche ist zum Verrücktwerden. Unfassbar zart, von einer Aromenintensität und gediegenen, fleischigen Faserigkeit, wie man sie selten auf den Teller bekommt. Dazu passte bestens das bis in den Kern weiche Graupenrisotto und die behutsam vanillierten Möhrchenwürfel. Der Sopiensklip hatte gegenüber dem Riesling den Vorteil der etwas besseren Durstlöscherfunktion und der dezenteren Aromatik, die sich gegenüber dem Bäckchen wohltuend im Hintergrund aufhielt.

2. Entenbrust in Tandoori-Honig mit gestiftetem Rahmkohlrabi, Süßkartoffelpurée und Sesamjus

Die Entenbrust war auf den Punkt gegart, außen angenehm kross und mit einem für mich etwas zu sparsamen Kleckser Tandoori-Honig versehen, dessen raffinierte Würze ausgezeichnet zum Riesling passte. Kohlrabi und Süßkartoffelpurée gefielen mir sehr gut, obwohl ich kein besonderer Kohlrabiesser bin, dafür Süßkartoffeln umso lieber habe. Verbindendes Glied war der Sesamjus, in dem ich leider einige zu arg geröstete, schwarz gewordene Sesamkörner fand, was dem Geschmack keinen merklichen Abbruch tat, aber vermieden werden muss.


IV. Casino Zollverein

Eine der spektakulärsten Restaurantlocations nicht nur im Ruhrgebiet.

Wein:

Peter-Jakob Kühn, Eine Traube "Jacobus" 2009. Man merkt es gleich, da ist einer von den kleineren Petar-Jakob Kühns im Glas. Der hat noch nicht den Mut, Spontangäraromen öffentlich zur Schau zu stellen und Weinanfänger damit zu vergraulen. Statdessen bietet sich süffiger Rheingauer Rieslingspass mit Mineralität und Zitrusfrische, Apfel, Pfirsichanklängen, etwas in die Breite gehendem Honig und steinigen Noten.

1. Gratinierter Ziegenkäse mit Ingwer-Ahornsirup und Rucola mir Bergamotte-Vinaigrette

Als Earl-Grey-Trinker fand ich die Bergamotte-Vinaigrette sofort überzeugend. Deren Aroma passte zur typischen Rucolaschärfe und schlug einen doppelten Salto zum Riesling, der sich nicht zweimal bitten ließ und den Ziegenkäse anstandslos herunterspülte. Gute Combo.


V. Nelson Müller, Die Schote

Nelson Müller war so freundlich, höchstselbst eine Extraportion Trüffel über Maultasche und Lauchgemüse zu hobeln.

Weine:

– Pinotage 2007

Ohne den ganz dramatischen ape-shit in der Nase, jedoch sehr fordernd, mineralisch, etwas flintig, am Gaumen eher ruhig.

– Reichsrat von Buhl, Weissburgunder aus der Ruhr-Edition 2009

Um ihn kommt man im Kulturhauptstadtjahr nicht herum. Gekonnte Mischung aus Frucht Säure, Blütenaromen und gelbem Obst.

1. Dreierlei von der Blutwurst mit marinierten Linsen

Die Blutwurst gab es einmal kross gebraten, dann im Teigmantel und schließlich noch in Brotwürfelform. Mächtig würzig und typisch für Nelson Müllers soulfood waren die Linsen. Zu denen schmeckte der Pinotage gut, beide auf hohem Niveau aromatisch und in spannungsvollem Kontrast zueienander. Mit der Blutwurst, mein Favorit war die kross gebratene, gefiel mir der Weissburgunder besser, wobei der Pinotage sich respektabel zur Teigversion verhielt.

2. Kalbsmaultasche mit Rahmlauch und Sommertrüffel

Die Kalbsmaultasche war kein gewöhnliches Hergottsb'scheisserle mehr, sondern ein ausgewachsener Klotz von einer saftigen Kalbfleischfüllung in einem starken Rahmlauchbett. Vor dem strengen Blick der göttlichen Obrigkeit getarnt wurde der Teigracker nur durch die sehr reichlich darübergehobelten Trüffelscheiben, was das Vergnügen noch einmal steigerte. Ich habe dazu den Weißburgunder favorisiert, doch letztlich bereut, nicht ein Glas Roséchampagner dazu geordert zu haben.


VI: Kölner Hof (16 Punkte Gault-Millau)

Heinz Furtmann ließ es sich anlässlich der WM und herzlichst belohnt mit dem Schweizer Sieg über die Spanier nicht nehmen, in "Hopp-Schwiz!" T-Shirt und mit Alphorn als Reverenz an seine Frau aufzutreten.

Wein:

Champagne Alfred Gratien Brut Classic

Taufrisch, mit viel Apfel, Kraft, Würze und voller Tatendrang strömte der Champagner ins Glas und aus dem Glas in die Kehle.

1. Rosa Kalbsrücken mit Thunfischsauce, Sommersalat und Baguette mit schwarzer Oliventapenade

Zart, fein und mürbe das Kalbfleisch, sämig, aromatisch und nicht zu mastig die Thuinfischsauce, ein Vitello Tonnato, wie es direkt aus dem Film "Das große Fressen" hätte serviert werden können. Exquisit dazu war der Champagner, dessen klare Säure beim durchschniden der Sauce half, Kapern und Kalb miteinander verband und einen sauberen Gaumen hinterließ.

2. Ziegenfrischkäse mit Trüffelhonig auf Rucola-Melonensalat

Ganz zum Abschluss nochmal Käse, für die schon etwas müden Kiefermuskeln in Frischkäseform und einem wohlig-trüffeligen Honig, der nicht belastete. Rucola und Melone gesellten sich gern dazu, kabbelten sich etwas mit dem Champagner, der deshalb solo nach vollständigem Verzehr auch der letzten Frischkäsekrümel den Heimweg einläutete.

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Besuch auf der Domaine Ulysse Collin, Olivier Collin

Besuch bei Ulysse Collin in Congy. Olivier, bei dem der Champagner-Enthusiasmus förmlich greifbar ist, führte Fasskeller, Böden (in der Chardonnayparzelle liegt etwas Feuerstein/Onyx mit im Kalk) und Weine vor. Früher verkaufte die Familie alles an Pommery, seit 2004 (wäre die katastrophale Ernte 2003 nicht gewesen, hätte er damit losgelegt) macht Olivier lieber seinen eigenen, von Lehrmeister Selosse (ein Praktikum beim Burgunderchampagnerchef im Jahr 2001 machte den Paragraphenjünger Collin zum Winzer) inspirierten Champagner. Er arbeitet aufgrund seiner noch beschränkten Möglichkeiten nur in Ansätzen biodynamisch und experimentiert seit 2004 mit zahlreichen Fässern von zahlreichen Küfern und aus allen möglichen Hölzern, von der Akazie bis zur Kaukasus-Eiche ist alles dabei. Seine Grundweine gären so lange, wie sie gären müssen, nimmt man den Stopfen aus einem der vielen Fässer, kann man dem Wein noch im Mai dabei zuhören. Vergoren wird mit weinbergseigenen Hefen spontan, was sieben, acht Monate dauern kann und locker 12,2% vol. alc. bringt. Durch die zweite Gärung kommen noch einmal 1,5% vol. alc dazu, so dass die fertigen Champagner hart an der 14%-Marke kratzen. Beim Blanc de Noirs wurde daraus ein Problem bei der Weinkontrolle, die sich erst gegen den außerdem zwibelschalenfarbenen Wein wehrte (der Pommery Springtime Rosé ist im Vergleich blasser). Am Ende konnte Olivier den Wein doch noch als Blanc de Noirs deklarieren und das ist mehr als gut so. Insgesamt liegen die Weine 13 Monate im Fass, bevor die parzellenreinen Champagner draus werden. Dosiert wird extra brut, um die 2 g/l, nach dem BSA kommt freies SO2 bei ihm auf ca. 15 mg/l. Weil er nur insgesamt knapp 5 ha mit Chardonnay und Pinot-Noir bewirtschaftet (Pinot Meunier wird verkauft), sind seine Champagner bislang meist reine Jahrgänge, Ausnahmen waren 2006 mit 10% Reservewein und 2007 mit 30% Reserveweinanteil.

I. Blanc de Noirs aus der Parzelle Les Maillons, dég. 13. März 2010

2006er. Jungfernjahrgang.

Aromensprengbombe! Feinstes Holz, kandierter und schokolierter Ingwer, Orangenfilets, Jod. Saft und Mineral in einer Form, die vielleicht zur Zeit nur Selosse-Schüler hinbekommen. Das heisst vor allem: an dem Champagner ist trotz seines Feuerzaubers nichts dauerhaft ermüdendes, der Champagner ist unangestrengt und er strengt nicht an, trotz seiner vielen, die Aufmerksamkeit fordernden Facetten. Nach Deutschland haben es gerade einmal lachhafte 204 Flaschen geschafft, von denen ich mir überlege, einfach ALLE zu kaufen, so gut ist das Zeug.

 

II. Blanc de Blancs aus der Parzelle Les Perrières, dég. 17. Februar 2010

2006er Basis mit 10% 2005er Reservewein

Ganz anders der Chardonnay. Schlank, mit einer flächendeckenden Säure. Wenn der Blanc de Noirs die Sprengbombe ist, dann ist der Blanc de Blancs der daisy cutter. Der mäht Mikrometer über der Zungenoberfläche einfach alles um. Dieser Chardonnay stammt aus der besagten Parzelle mit den Feuertsein/Onyx-Einsprengseln. Eine dramatische feuersteinigkeit hat er indes nicht gerade. Mineral jedoch zuhauf, und eine Steinigkeit, die zwar nichts mit Feuerstein zu tun hat, aber einen provokant guten Chardonnay ergibt.

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Mehr vermischte Champagnernotizen

Dieses Jahr lag Christi Himmelfahrt günstig. Was kann man in so einem Fall besseres machen, als kurz in die Champagner zu düsen?

I. Bonnaire Blanc de Blancs Grand Cru

Chardonnay. Cramant Grand Cru.

Etwas grüner Apfel, recht lang, behäbiger als die undosierte Version, anfangs noch nicht besonders komplex, aber eben auch kein langweiliger Durchschnittschardonnay. Diesen Erzeuger und genau diesen Einstiegschampagner von ihm darf man nicht unterschätzen: ganz langsam fügen sich nämlich die Puzzleteile ineinander und wie in Zeitlupe reifen die Chardonnays aus Cramant, wie man beispielsweise von Diebolt-Vallois weiß. In groß angelegten Proben überzeugt dieser Champagner nicht, bei Blindproben dagegen hat er etwas, das innehalten lässt. Nämlich genau diese langsame Art, die sagen will, dass da noch viel mehr ist. Passt sehr gut zur Tapasplatte, insbesondere zu grünen Oliven, zum Schinken und zu fetter Salami. Die Enthüllng kommt dann zur Entenleber mit Whiskylackierung, auch wenn die Kombination nicht gerade augenfällig zu sein scheint. Die spritig-süsslichen, torfigen, schon gereiften Whiskyaromen auf der Entenleber schmecken zwar großartig, bedürfen zur Vervollkommnung aber eines Champagners wie diesem, der sich nicht aufspielt, sondern mit seiner langsam und behutsam sich einfügenden Apfel-Mineral-Aromatik das Geschmacksbild perfektioniert.

II. Lacourte-Guillemart Brut Tradition

85% Pinot-Noir, 15% Chardonnay, drei Jahre Hefelager. Ecueil Premier Cru in der westlichen Montagne de Reims. Mit charmanter Winzertochter.

Ziegenledernase. Weinig und rund, leicht oxidativ, roter Apfel, standfester Champagner mit einiger Komplexität und Entwicklungsfreude im Glas. Schön zur Büffelmozarella und reifen Kirschpaprikas, nicht verkehrt zum Langustenschwanz mit Passionsfruchtbrunoise, obwohl ich mich bei dieser Kombination immer frage, ob nicht Diebolt-Vallois' Fleur de Passion noch besser dazu schmecken würde. Werde ich irgendwann mal ausprobieren müssen.

III. Abel-Jobart Brut Sélection

Blanc de Meuniers. Sarcy, tief in der Vallée de la Marne, 15 Monate Hefelager.

Quitten und Holzapfel, Wildkirsche, herbe Säure, gerbstoffig, dabei fruchtig und mit einer ansprechenden, etwas devoten, sich unter der Herbe durchschlängelnden Fruchtsäure. Blind nicht leicht als Champagner zu erkennen, aber ein kleines Lehrstück über die reinsortige Vinifikation von Meunier. Dazu kann man sich ein sehr stimmiges Barbenfilet mit geschmortem Fenchel und schwarzen Oliven servieren lassen. Die Fenchelsüße und das etwas anisige Aroma verweben sich mit dem Duft des Champagners zu einer beinahe orientalisch anmutenden Komposition, die Oliven, die um Gottes Willen jeder Spur von Herbe entbehren müssen, unterstützen diesen Eindruck gekonnt und schon wird aus einem nicht gerade wahnsinnig komplizierten Champagner ein Essensbegleiter mit leicht schwülstigem Charme und gebändigter Abenteuerlust.

IV. Delaunois Cuvée Royale

Klassischer Drittelmix mit 25% Reservewein, der selbst ein Drittelmix ist. Drei Jahre Hefelager. Rilly-la-Montagne Premier Cru.

Dieser Champagner hatte mich trotz seiner beiden Sternchen im Guide Hachette beim letzten Mal nicht überzeugt und die Cuvée Palmyre von André Delaunois hatte es in der letzten Verkostung schwer gegen Bruns “La Pelle, Cuvée des Sires”, daher der re-call. Herb und kräftig, eher einfach, aber noch nicht grob, war er solo wieder kein besonderes Vergnügen. Des Rätels Lösung offenbart sich nach dem Verzehr einer mehr als nur eishockeypuckgroßen Portion Boeuf Tartare mit einer Extrabeigabe Speck und grünem Spargel: dieser Champagner passt zu allem, wozu sonst ein schönes Pils passt. Ein Durstlöscher für Männer eben.

V. Carré-Guebels Rosé

70% Chardonnay, 30% Pinot-Noir. Trépail Premier Cru im Südosten der Montagne de Reims, schon fast etwas abseits gelegen, wenn da nicht die mitunter sehr interessanten Champagner wären, die eine Reise lohnenswert erscheinen lassen.

Ein Blick auf die watchlist und der nächste Kandidat stand fest. Dieser hier nämlich. Zuletzt hatte er mit seiner weißen Seele gut gepunktet und auch dieses Mal habe ich mir notiert, daß weißes Herz und rote Haut einen kernigen, am Anfang kirschigen, gegen Ende hin gekonnt ausgewogenen, nahtlos verschweissten Champagner ergeben. Mit Luft und zunehmender Temperatur verlor er etwas an Biss und wurde leicht wärmend-alkoholisch. Muss kalt getrunken werden und passte traumhaft zum Gurkensüppchen. Eine Empfehlung spreche ich auch zum festen Fleisch vom Seeteufel mit Wildreis, Rosmarin und balsamierten Tomaten aus.

VI. Laurent Gabriel Grande Reserve. Premier Cru am südlichen Fuss der Montagne de Reims und Avize Grand Cru. Tochter Marie-Marjorie hilft seit 2001 mit.

Selbst wenn das Thema Holzfassausbau beim Champagner keinen mehr vom Stuhl fegt, probierenswert sind die Kollegen meist durchaus. Dieser war besonders gut gelungen, das Holz dominant und dennoch nicht erdrückend. Laurent Gabriel hat bereits mit seinem Rosé gezeigt, wohin bei ihm die Geschmacksreise geht und seine Grande Réserve geht beherzten Schritts weiter. Vanillekeks, Kokos, Macarons, Brotrinde, auch stark geröstete Haselnuss und eine mit Luft sich immer besser und weiter entfaltende Struktur sind Indikatoren für den vielleicht auf Anhieb etwas vordergründig erscheinenden Stil des Hauses. Wobei ich die Aromenfülle dieses Champagners nicht im negativen Sinne vordergründig finde, bzw. hervorheben will, dass die Grande Réserve im Laufe eine halben Stunde noch eine ganze Menge nachlieferte. Gut! Zum kaffeegefüllten Krokant mit Karamelleis und Fleur de Sel passt der Champagner, weil Kaffee, Karamell, Salz und mäßige Süße sich so leichtherzig und übermütig mit den Holznoten vereinigen. Wer es konservativer mag, fährt mit einer karamellisierten Apfel-Birnen-Tarte nicht falsch.

VII. Banchet-Legras Blanc de Blancs

Chardonnay. Chouilly Grand Cru.

Unauffälliger, etwas altmodischer, fruchtiger, nicht so sehr mineralischer Chardonnay. Absolut unbekannt und sehr schwer zu finden! Passte zur Foie Gras von der Ente, bloss mit etwas grobem Pfeffer und Guérande-Salz ad libitum bestreut und mit Paprikaschnipseln garniert, war mir zu den confierten Entenmägen sehr willkommen und musste erst bei den etwas salzigen Entenrillettes passen.

VIII. Paul Michel Blanc de Blancs Premier Cru 1999

Cuis Premier Cru.

In der Nase reif, schwarzer Tee (irgendetwas zwischen Friesenmischung und Lady Grey) mit viel Kandis und einem Spritzer Limettensaft. Schwierig, dazu einen passenden Speisenpartner zu finden. Tranchen vom Iberico-Schwein mit Steinpilzen, Knoblauch und Blattpetersilie überzeugen jedenfalls nicht so recht, zu viel Geschmacksdurcheinander. Besser ist da schon die junge Ente mit behutsam getrüffelten Gnocchi und getrockneten Früchten.

IX. Franck Bonville Blanc de Blancs Grand Cru Brut 1998

Avize Grand Cru.

Helle, harmlos wirkende Strohfarbe. In der Nase eine sehr entwickelte, dem Alter besser entsprechende Nussigkeit, Apfel natürlich, Butteröl und etwas Hefe. Am Gaumen wieder eine Überraschung, kein leichtgängiger, runterflutschender und irgendwie überholzter Burgunderklon, sondern eine sehr eigenständige, nicht derbe, aber zielsicher zupackende Griffigkeit, nicht zu verwechseln mit alterungsbedingter Brandigkeit oder einem sonstwie unausgewogenen Auftreten. Zur Fischsuppe mit Zitronengras gerade noch vertretbar, schmeckt aber besser allein.

X. Perrier-Jouet Grand Brut

Epernay. 35PN, 40PM, 25CH.

Viel zu selten trinke ich diesen guten Standardbrut, obwohl er mir in praktisch allen Reifegraden gut schmeckt. Als Basischampagner eines großen Hauses kommt er mit viel Pinot Meunier ins Glas, was ich begrüße. Der Grand Brut reift übrigens sehr schön, was viele gar nicht für möglich halten. Dieser hier war sehr jung und zitrusfruchtig, aber nicht von der chardonnayigen Art, sondern mit rötlichen Akzenten, wie sie von der Pomelo, Grapefruit, Blutorange und vom Sanddorn kommen können. Angenehm, frisch und saftig. Kein Wunder, dass die gebratenen Speckscheiben mit Orangenconfit und Auberginenkaviar dazu schmeckten.

XI. Perrier-Jouet Belle Epoque 1996

Drittelmix.

Komplex, buttrig, reif, abgeblühte Akazie und reichlich Nuss. Stärker werdender Honig, immer noch vorhandene Limette, etwas Karamell. Dieser Champagner scheint sich noch nicht verabschieden zun wollen, obwohl er vor einiger Zeit bedenklich gewackelt hat und oft genug gar kein Urteil zuließ, weil schlimme Flaschenvarianzen oder Kork den Genuss verhinderten. Erscheint sehr fit, ohne dass ich damit rüstig sagen will. Ein starker Partner für das gebackene Lammbries mit Röhrchennudeln und Früchtemus.

XII. Perrier-Jouet Belle Epoque Rosé 1997

55PN, 5PM, 40CH, 15% Rotweinzugabe.

Die Nase erinnert mich an ein puderzuckerüberstäubtes Pfannkuchendessert mit Blutorangenfilets und Brombeersauce. Sonst der weißen Belle Epoque nicht unähnlich, wenn man mit geschlossenen Augen reinschnuppert. Im Mund ziemlich weinig, etwas griffig, nicht besonders säurehaltig und nicht mehr ganz auf der Höhe. Passt gut zu überbackenen Samtmuscheln und zum Seewolf in Mandelschuppen.

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Bei der ersten Bundesgartenschau in Rheinland-Pfalz im kommenden Jahr in Koblenz wird sich Deutschlands Weinland Nummer 1 eindrucksvoll und selbstbewusst präsentieren. Das hat der rheinland-pfälzische Weinbauminister Hendrik Hering angekündigt.

„Mit einer Vinothek und einer Aquathek in der „Langen Linie“ auf der Festung Ehrenbreitstein sowie einer multimedialen Ausstellung zu Weinreisen, Wandern, Radwandern und Gesundheit, den Schwerpunktthemen unserer Tourismusstrategie, wollen wir den vielen Besuchern der BUGA 2011 Lust und Appetit auf die vielfältigen Weine und die hochwertigen Urlaubsangebote im Land machen“, erklärte Hering.

Sehr erfreut zeigte sich der Minister darüber, dass die BUGA GmbH das Thema „Wein“ in ihre eigenen konzeptionellen Überlegungen eingebunden hat und es ermöglicht, dass in der BUGA-Gastronomie ausschließlich Weine aus Rheinland-Pfalz angeboten werden. Gemeinsam mit den Gebietsweinwerbungen des Landes und der BUGA GmbH ruft der Minister Weingüter und Winzergenossenschaften auf, sich an der Ausschreibung für die BUGA-Weine zu beteiligen.

Gesucht werden rheinland-pfälzische Weine, die folgenden Kriterien entsprechen:

Probe A

Im Offen-Ausschank der BUGA-Gastronomie werden präsentiert:

·   Silvaner trocken (Rheinhessen),
    Grauburgunder trocken (Pfalz),
    Riesling halbtrocken/feinherb (Mosel),
    Riesling trocken (Mittelrhein),
    Dornfelder trocken (Nahe),
    Früh- oder Spätburgunder trocken (Ahr).

·   Weißweine des Jahrgangs 2009, Rotwein der Jahrgänge 2007 bis 2009

·   Qualitätswein, Kabinett oder Spätlese bzw. Spätlesequalität

·   0,75-Liter-Flasche

·   Mindestmenge je1.500 Flaschen

Probe B

Für den Bereich der Selbstbedienungsrestaurants ist der Verkauf von 0,25-Liter-Flaschen geplant.

  • Silvaner trocken (Rheinhessen),
    Dornfelder trocken (Pfalz),
    Riesling halbtrocken/feinherb (Mosel),
    Portugieser oder Spätburgunder Rosé oder Weißherbst (Nahe)
  • Weißweine/Rosé des Jahrgangs 2009, Rotwein der Jahrgänge 2007 bis 2009
  • Qualitätswein
  • 0,25-Liter-Flasche
  • Mindestmenge je 2.000 Flaschen

In der Auswahlprobe werden 2009er Weißweine verkostet. Zum Ausschank bei der BUGA 2011 soll der dann aktuelle Jahrgang 2010 kommen.

Die Angebotsformulare mit den detaillierten Lieferkonditionen können unter www.weinmarketing.rlp.de (Themen/Vertrieb/BUGA 2011 Ausschreibung) beim Kompetenzzentrum Weinmarkt und Weinmarketing in Oppenheim abgerufen werden.

Alle bis 4. Juni 2010 angemeldeten und eingeschickten Weine nehmen an der verdeckten Auswahlprobe teil.

Die Probenweine (je 2 Flaschen) bitte zusammen mit dem Produktpass an folgende Anschrift senden:

DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück
Kellerei – Herr Eller
Wormser Str. 111
55276 Oppenheim

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Weinsause bei Essen-Privat

A. Als Menu gab es

I. Lachsterrine und Variation vom Wildlachs

II. Flusskrebssuppe mit Zitronenbutter-Croûtons

III. Wiesenkräuter an Rinderfiletspitzen

IV. Lammhüfte vom Grill mit Haricots verts, Fenchelgemüse und Trüffelkartoffelpurée

V. Dessertvariation mit Erdbeersorbet

 

B. Dazu die folgenden Weine

Opener:

Champagne Eric Isselée, Blanc de Blancs Grand Cru 2002 en Magnum

Schon wieder der Isselée. Weil er immer noch gut ist, der Isselée. Zusammen mit Voirin-Jumels Blanc de Blancs Grand Cru ist das bis auf weiteres mein favorisierter Partychampagner aus der Magnum. Saftig, wohlgerundet, mittellang, ein echter Appetitanreger, der aus der Magnum immer genauso schnell verschwindet, wie aus Normalflaschen.

Weiss:

I. Reichsrat von Buhl, Weissburgunder "Ruhr-Edition" 2009

Dieser Wein wird nicht ohne Grund den Sommer an Rhein und Ruhr beherrschen. Fruchtig, mit kerniger, für Weissburgunder schon sehr stattlicher Säure, zur Seite hin mit hellen Blüten und weissem Pfirsich abgepolstert. Der typische crowd pleaser.

II. Pompaelo Blanco 2009

Auf der ProWein erstmals probiert und als Muster mitgenommen. Wenn ich das richtig erinnere, ein Mix aus Viura und Chardonnay mit Muscat Gros Grains, es kann aber auch alles ganz anders sein. Das wohlige, reichhaltige Bouquet spricht für den von mir jetzt einfach mal unterstellten Rebsortenmix, im Mund fiel er leider nach dem Buhl deutlich im Säurewert ab und wirkte laff. Doch nochmal solo nachprobieren.

III. Badet, Clement & Cie., Révelation 2008

Chardonnay und Viognier verpartnern sich in diesem Wein ganz köstlich. Durch den Fassausbau kommt eine leicht speckige Note dazu, die sich mit dem Duft aus Opas Zigarrenkiste vermengt. Im Mund kühlend, mittelgewichtig, mit einer etwas breiten, aber liebenswerten Säure.

IV. Bodegas Piedemonte Garnacha Rosado 2008

Rosé gekelterte Grenache aus Navarra. Erdbeerig, himbeerig, auch schokoladig. Trotz der klaren und allgegenwärtigen roten Aromatik hat man nicht den Eindruck, einen roten Wein im Mund zu haben, dafür ist er dann wieder zu frisch und leicht. Einen transsexuellen Eindruck machte der Wein auf mich aber auch nicht. Gut gelungener Balanceakt in einer immer wieder bespöttelten Kategorie.

V. Reichsrat von Buhl, Forster Pechstein Großes Gewächs 2008

Nach dem jüngsten GG-Performance-Check hatte dieser Pechstein nur wenige Pflichtaufgaben zu erfüllen. Aromatisch war alles da, was junger, ungestümer Pfalzriesling haben darf, Apfel, Melone, Aprikose und Pfirsich, sehr viel Schmiss und eine mitreissende Offenherzigkeit.

VI. Elena Walch, Beyond the Clouds 2007

Aus den Traminer Steillagen Castel Ringberg und Kastelaz stammen die Trauben für diesen eigenwilligen Wein. Chardonnay soll vorwiegend drin sein, aber auch Traminer und am Ende noch Sauvignon Blanc. Aber genaue Angaben fehlen leider. Sie hätten auch nichts an meinem Verdikt geändert: kein Wein, der mir geschmeckt hat. So filigran und einfallsreich wie eine Sonnenblume, so aromatisch wie Sonnenblumenöl. Von Säure keine Spur, dafür ein seltsam verlorenes Zuckerl. Vielleicht in fünf Jahren nochmal trinken, aber im Moment würde ich die Finger davon lassen.

Rot:

I. Château Citran 1996 Mise du Château de Preuilhé, en Magnum

Jedes Mal, wenn er auf den Tisch kommt, überrascht dieser Wein. Diesmal hatte ich mir als allerersten, sich mir sofort in der Nase auffälligen Ton getrockneten, mit Sesamöl eingepinselten und mild gesalzenem See-Lattich notiert, wegen der jodigen Note und weil er tatsächlich danach duftete – und ich bin ein großer Vertilger von getrocknetem, mit Sesamöl eingepinseltem und mild gesalzenem See-Lattich. Eine etwas scharfe Beerenfrucht kam noch dazu, wie ein Dessert aus Erdbeeren, Orangensaft und Pfefferkörnern. Obwohl ich nie ein Fan von Citran war, mit diesem Wein könnte ich es mir vorstellen.

II. Würtz-Weinmann Pinot-Noir 2005

Der Wärtz in rot, was ja gut passt. Knackig war er, die Runde rief sehr schnell und überwiegend "deutsch", vielleicht wegen dieser kühles Klima vermuten lassenden Knackigkeit, vielleicht wegen des für deutschen Spätburgunder typischen, hier aber nicht stereotypischen Charakters von Einmachobst und einer freundlich-warmen Waldboden- oder Humusnote. Verhaltene Kraft und einen süsslichen, entfernt an Weihrauch erinnernden Abgang hatte er ausserdem.

III. August Kesseler, Assmannshäuser Höllenberg Pinot-Noir 1990

Erdig, waldbodig und pilzig duftete dieser Wein. Mit Luft wuchsen die ersten roten Beeren aus dem Glas und lieferten sich einen Wettlauf mit der nicht unbeträchtlichen Säure. Das griffige Tannin spielte daneben keine grosse Rolle, viel spannender war es, den beiden Komponente bei ihrer Entwicklung beizuwohnen. Fast muss man sagen, dass der Wein mit seinen nunmehr zwanzig Jahren noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen ist, so wandlungsfreudig wie er sich zeigte.

IV. Warrenmang Estate Grand Pyrenées 1998

Dieser Bordeaux-Blend passte so gut zum Fleisch, wie nur dasselbe Fleisch selbst noch einmal gepasst hätte. Brombeer und Cassis waren so selbstverständlich da, als wären sie meine direkten Tischnachbarn, dazu kam noch ein neuweltliches, etwas minziges Tannin, das dem Wein ein schlankes, raffiniertes Gewand lieh. So soll Wein zum Fleisch schmecken.

V. Grand Puy Lacoste 1997

Meiner Meinung nach Kork. Wirkte aber unabhängig davon als sei er noch gut beisammen.

VI. Torbreck Juveniles 2001

Über David Powells Weine kann man viel philosophieren. Man wird aber immer auf die Person zurückkommen, die diesen Wein macht. Und ein Stück seiner Persönlichkeit, mehr als nur eine persönliche Randnotiz, steckt in jedem seiner Weine. Holzfäller und Weinmacher, Grobe Kraft und kunstsinniger Feingeist, das sind einige der Stichworte zur Person, an die man sich erinnert, wenn man seine Weine trinkt. Dieser Juveniles kam leider nicht in Höchstform ins Glas, zeigte aber die typischen tiefdunklen, aus den Wäldern der schottischen Highlands stammenden Beerenaromen. Aus 60% Grenache und jeweils 20% Mourvédre/Mataro und Shiraz gekeltert, im Stahltank vinifiziert.

VII. Pikes Merlot 2000

Hier zeigte ein Wein ab der ersten Sekunde, was er kann. Dem Assmannshäuser in der Beziehung verwandt. Mich erinnerte der Wein zunächst an Thymian und medizinische Präparate, dann trat aus dem dichten Schleier langsam der fruchtige, beerige Charakter hervor. Von seiner Art her kühl, hatte der Wein ein durchaus hanseatisches Auftreten. Mit diesem Wein werden in Hamburg-Pöseldorf die künftigen Schwiegersöhne bewirtet, bevor es ans Heiraten geht.

VIII. Robert Groffier Chambertin Clos de Bèzes 1995

Das folgende Gewächs kam von Groffier, der zu den Spitzenwinzern der Region zählt. Ich wusste nicht recht, ob sich der Wein hauptsächlich gegenüber meinem Gaumen, oder seinem eigenen fortschreitenden Alter so angriffslustig zeigte. Die Bewegung tat ihm jedenfalls gut. Eine mürbe, etwas mehlige, nussige Art konnte er nicht verhehlen, verkaufte das aber sehr gut als Esskastanie. Die vereinigte sich ausgesprochen glücklich mit gewissen Kirsch- und Beerenaromen, umspielt, oder besser gesagt umlaufen von einer sehr agilen Säure, die wie ein Schäferhund die Herde an noch frischen Aromen hütete.

IX. Fox Creek Reserve 1998

Sehr viel getrocknete Sellerieschnipsel und Brühwürfel. Unter diesem Konzentrat eine sehr dicht ineinandergewobene Mischung aus allem, was man in der Küche verwenden kann und dunkel ist. Schokolade, Crema di Balsamico, schwarzer Pfeffer, Morcheln, Nelken. Nicht leixcht zu trinken.

X. Léoville Poyferré 1996

Starker Wein für starke Männer. Hat aber auch den Frauen geschmeckt, soweit ich das beobachten konnte. Denn überwiegend habe ich entweder ins Glas geschaut, oder die Augen beim Trinken geschlossen. Nach kurzer Aufwärmphase schiessen saftige Frucht, seidenweiches, reifes Tannin und eine beides sehr dezent umklammernde Mineralität aus dem Glas. Rund und gut, ein Wein, für den man sich ohne falsche Scham prostituieren darf.

Schließer:

I. Horst Sauer, Escherndorfer Lump Riesling Auslese 2009 Fassprobe

Einen guten Riesling hat der Horst Sauer da ins Glas gebracht. Genauso topfit, wie er selbst. Nun bin ich kein großer Kenner der Frankenrieslinge und schon gar keiner der edelsüssen Frankenrieslinge. Das mag erklären, warum mir der Wein so schwer identifizierbar vorkam. Trotz vorhandener, junger, leider noch arg hefiger Frucht wirkte der reichlich massige Wein gebremst und nicht ganz balanicert. Ich hoffe, das renkt sich demnächst ein.

II. Dr. Crusius, Schlossböckelheimer Felsenberg Riesling Auslese 2008

Altersbedingt eine ganze Stufe weiter war der Riesling von Crusius. Quietschlebendig, mit einem pumucklhaften Übermut und Lust an der Komplementärfarbe. Grüne Aromen von Apfel, Kiwi und Stachelbeere standen knallroten Aromen von Johannisbeere und Cranberry gegenüber. Dazu kam Mirabelle, gelbe Pflaumen nicht zu vergessen. Also letztlich genau die Hausfarben vom bayrischen Kobold. Feiner Wein!

III. Fox Creek Vixen Sparkling Shiraz

Schoko und Kirsche in prickelnd. Wenn man ganz genau auf seine Geschmacksknospen horcht, hört man auch, wie sie "grüne Paprika" oder "ladybird taint" rufen. Darüber bin ich mir selbst nicht ganz sicher, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, das vernommen zu haben. Schliesslich passt es sogar ganz gut zu diesem in Deutschland völlig exotischen Wein.


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Rési reloaded – Mit dem Fernseh in der Résidence

Beim Essen gefilmt zu werden ist gar nicht weiter schlimm, wenn man sich seiner Umgangsformen nicht schämen muss, oder wenn es einem sowieso egal ist. Oder aber, wenn das Fernsehteam dank fortgeschrittener Kameratechnik dezent im Hintergrund bleiben und dem sorglosen Schlemmer trotzdem auf die Gabel blicken kann. So war es letzten Dienstag in der Résidence, Essen-Kettwig.

O.1 Amuse Gueule: Frühlingsrolle, Selleriecréme auf Pumpernickel und Walnusscrème im Knusperröllchen

– Die Frühlingsrolle war mundgerecht, dicht, aber nicht zu dicht gepackt und daher angenehm bissfest;

– Die Selleriecrème als Würfel mit ca. einem Zentimeter Kantenlänge auf der Pumpernickelscheibe stand aromatisch im richtigen Verhältnis zum Brot, war mir aber als Kontrast zwischen wabbeliger Crème und festem Brot etwas zu weit auseinander;

– Die Walnusscrème im Knusperröllchen lag wieder auf meiner Wellenlänge, fluffige Crème, die intensiv nussig, aber nicht ranciohaft schmeckte, das Knusperröllchen harmonierte gut.

 

O.2 Gruss aus der Küche: Hummer-Fenchel-Variation

– einmal im Wan-Tan gebacken, mir zu sehr an die Frühlingsrolle angelehnt, aber geschmacklich gut;

– mit Fenchel-Tagliatelle, leicht säuerlich, wie beim Sushi-Rettich, als Appetitmacher ausgesprochen gklug platziert;

– als Tartar war mir der Hummer zu unsichtbar, ich habe ihn lieber in größeren Stücken;

– als gestreifte Terrine wiederum gingen Hummer und Fenchelcrème eine überaus schmackhafte einander spielend leicht ergänzende Kombination ein.

 

O.3 Zweiter Gruss aus der Küche: Tomatenessenz mit Gemüserauten

Das war das Signal für die Geschmacksnerven, die nächsten fünf Stunden unter Höchstspannung zu arbeiten. Die Essenz kam sozusagen als Blanc de Noirs, also nur als weiss abgepresster Saft aus den Tomaten, mit einem leicht rötlichen Schillern und war so konzentriert, so aromatisch, dass am Gaumen die schönste Sommersonne schien.

 

Währenddessen gab es Champagne Robert Moncuit Blanc de Blancs Grand Cru 2004. Am besten schmeckte er zur Frühlingsrolle und zum Wan-Tan-Hummer, auch zum Sellerie-Pumpernickel und zu den anderen Variationen mit Fenchel brillierte der Champagner, auch mit der Tomate hatte der champagner keine Mühe und das, obwohl die beiden sonst als geschworene Feinde gelten. An seine Grenze stiess er jedoch sehr klar, als er es mit der leicht süssen Walnusscrème aufnehmen musste, dafür fehlte ihm das nötige Alter und die dann sich langsam herausbildende nussige Aromatik reifer Chardonnays. Anzulasten ist das nicht dem Winzer, nicht dem hervorragenden Sommelier Herrn Voigt, sondern mir, denn ich hatte den Champagner mitgebracht.

 

I. Zweierlei vom geräucherten Chinook-Lachs mit Topinambur und Wildkräutern, dazu ein 2009er Klüsserather Riesling vom Weingut Kirsten, auf Wunsch der Ehefrau Inge von Geldern durchgegoren

Für einen jungen Riesling war der Klüsserather herausfordernd golden, mit aromatisch breiter Schulter und einem herbsüssen Restzuckerschwänzchen. Zum Topinambur mit seiner süsslichen Aromatik passte das schonmal sehr gut. Aber um den Topinambur ging es nicht, der Riesling sollte sich zum Lachs beweisen. Dessen Filet war wahrhaft königlich. Wer sich auf Empfängen und Buffets beim Lachs immer zurückhält, weil er sich vor den Hormonschleudern aus Aquakultur fürchtet, kann beim Chinook beherzt rein- und zubeissen, der Unterschied ist so groß wie der zwischen altem Badeschwamm und Kalbsbries. Dazu der Reisling und die eröffnung des Abends war gesichert.

 

II. Sautierter Skrei im Feldsalatsud, mit Lardo, konfierter Kartoffel und Senfsauce, dazu Rudolf May, Silvaner Spätlese trocken "RECIS" 2007

Kabeljau, bzw. eben Skrei ist und bleibt ein schmackhafter Fisch, den früher nur Kinder, Engländer und arme Leute gegessen haben. Daraus einen schmackhaften Gang zu kreieren, geht so: Den Kabeljau mit guter Butter auf der Haut anbraten, einen nur optisch draufgängerischen, aromatisch dafür umso delikateren Feldsalatsud zubereiten, der sich mit einer nicht zu senfigen Senfsauce optimal für das zarte Skreifleisch eignet, fertig. On top kam dann noch der leicht knusprige Lardo mit der konfierten Kartoffel und ganz on top der Silvaner von Rudolf May, der wie massgeschneidert für diesen Gang war.

 

Z.1 Den Übergang machte ein zartfaseriges, nussig-aromatisches, gesundfleischiges Bäckchen vom Ibericoschweinderl auf gebratener Tomate. Dazu tat der Silvaner weiterhin gut und zeigte bei aller Konzentration und Tiefe willkommene Durstlöscherqualitäten.

 

III. Langostino mit karamellisiertem Blumenkohl und Trüffelscheiben, Frühlingsmorcheln und Dörraprikosen, dazu Domaine de Chatenoy, Menetou-Salon, Cuvée Pierre-Alexandre 2007

Wenn ich Menetou-Salon höre, stelle ich mir unwillkürlich immer eine seltsame Mischung aus dem Sioux-Häuptling von Karl May und dem Spitzenchampagner aus dem Hause Laurent-Perrier vor. Einen champagnerschlürfenden Indianer also, was irgendwie nicht passen will. Was jedoch sehr gut passt, ist Langostino und dieser Wein. Der war nämlich erst ganz sachte pfeffrig und andeutungsweise holzig, entwickelte eine kühl buttrige, ja speckige, auch ein wenig burgundische Stilistik, blieb lang, kühl und ohne Säure im Mund, so dass er mich von seinem ganzen Wesen an ein in dunklen und kühlen Regionen des Meeres herumwanderndes Krustentier erinnerte. Butter, Speck und Pfeffer riefen den Langostino leibhaftig auf den Plan und die zutage getretene Seelenverwandtschaft war das reinste Freudenfest, gekrönt noch von dem konzentrierten Dörraprikosengeleewürfel, von dem ich mir zu jedem Happen vom Langostino eine mikrometerdünne Scheibe herunterschnitt, wenn ich nicht gerade damit beschäftigt war, mich an der Kombination der Geleescheiben mit Blumenkohl und Trüffel zu laben.

 

Z.2 Vor der Jakobsmuschel gab es noch Pulposalat mit Brunnenkresse, die den Gaumen wieder etwas klärten, was vor allem an der reinigenden, auch den Appetit wachhaltenden Schärfe der Brunnenkresse lag.

 

IV. Jakobsmuschel mit Kirschtomate, Kräuterfocaccia und Basilikumkresse, dazu Kruger-Rumpf Blanc de Noirs vom Spätburgunder, Spätlese trocken 2008

Kruger-Rumpfs 2008er Grosse Gewächse gehören zu meinen Lieblingen dieses Jahrgangs. Grosse Freude war deshalb gesichert, als Herr Voigt den Blanc de Noirs von Kruger-Rumpf vorschlug. An diesem Gang gefiel mir am besten die Basiliumkresse, die der Jakobsmuschel zusammen mit der Kirschtomate zu einer lebendigen Aromatik verhalf. Wie erwartet sehr gediegen dazu der Blanc de Noirs, dem es gelang, die entlegeneren Aromen der Kräuterfocaccia herauszukitzeln.

 

V. Medaillon und Tartar von der Gelbflossenmakrele mit Erbsenallerlei, dazu Churchview Estate, Margaret River unoaked Chardonnay 2007

Das Medaillon von der Gelbflossenmakrele war einer der Höhepunkte des Menus. Besser hätte man es nicht zubereiten können, das relativ feste Fleisch hätte schon für sich allein stehen können und genau deshalb habe ich es getrennt von den Beilagen genossen. Der Chardonnay dazu war mir leider zu lasch, ich wüsste aber aus dem Stand auch nicht, was mir ausser Sake oder Pils besser hätte gefallen können.

 

VI. Cherry Valley Entenbrust mit Rote-Bete-Ravioli, Pak-Choi und Belugalinsen, dazu Domaine de la Martinelle (Beaumes de Venise) Rouge 2008

Ein anderer Höhepunkt des Mahls war der Entengang. Auf die Garkunst von Henri Bach ist Verlass, so dass ich das Entenfleisch nicht noch weiter belobhudeln will. Worauf es mir hier im Gegensatz zur Makrele ankommt, ist die Kunst der Beilage. Das Türmchen von der Roten Bete und der kleine Ravioli mit Roter-Bete-Füllung waren trotz ihrer ja eigentlich erdnahen natur zusammen mit der Ente dem Himmel schon sehr nah. Die Reise wäre aber nicht anzutreten gewesen ohne den roten Beaumes de Venise, eine Gegend, aus der ich bis dahin nur Süssweine getruinken habe. Allein hätte mir dieser Rotwein auch gar nicht geschmeckt, fruchtig war er, erdig, trocken, nicht uncharmant, etwas mehlig, sehr bodennah. Flügel wuchsen ihm erst, als er der Kombination von Ente und Roter Bete den letzten Schliff gab.

 

Wenn mir in einem Restaurant die Sauce besonders gelungen erscheint, dann nehme ich davon gern ein Espressotässchen für den Sologenuss. Hier musste ich ein Tässchen mit dem sensationellen Sesamjus haben, das ich in winzigen Schlückchen zusammen mit dem schon ganz irrational gut dazu passenden Beaumes de Venise wegschlürfte. Perfekt war an dieser Sauce alles, hervorheben muss ich die einzigartige Konsistenz der Sesamkerne. Die waren exakt bissfest, nicht mehr mehlig oder hart, aber auch noch nicht durchgeweicht und matschig, auch keine Abstufung irgendwo dazwischen, sondern exakt auf den Punkt. Sowas macht mich als Sesamfreund glücklich.

 

VII. Geschmorte und kurzgebratene Short Rib vom Angus-Rind mit Poweraden und Perlzwiebelpurée, dazu Côtes de Bourg, Château Falfas "Le Chevalier" 2005 ca. 2/3 Cabernet-Sauvignon und 1/3 Merlot von achtzig Jahre alten Reben, biodynamisch erzeugt

Dieser Wein scheint mir nicht geeignet, im Alleingang den Ruf einer in Vergessenheit geratenen Appellation zu restaurieren. Dazu erscheint er mir zu außergewöhnlich und untypisch für die Region, die ich aber – im Vertrauen – gar nicht besonders gut kenne. Zum geschmorten Rind, das ich mühelos noch Stunden lang hätte essen können, machte sich das Perlzwiebelpurée besonders gut, zum gebratenen Stück gefiel mir die Babyartischocke, deren Name so frappierend an ein isotonisches Getränk erinnert, besser.

 

VIII. Wölkchen von der Passionsfrucht, Sesamkrokant, Kokosnusseis und Zuckerblüte, dazu eine 2006er Riesling Beerenauslese von der Disibodenberger Klostermühle

Zum Passionsfruchtwölkchen hätte ich zu gerne und ganz gegen meine Gewohnheit und Vorliebe eine ältere Fleur de Passion von Diebolt-Vallois getrunken. Herr Voigt hatte aber eine – wahrscheinlich – bessere Idee. Er trug den Hauswein der großen deutschen Energierechtskanzlei Becker Büttner Held auf, deren Namenspartner Christian Held steht hinter diesem Weingut. Dass die Kollegen nicht nur etwas von Energie- und Infrastrukturrecht verstehen, wird schnell klar. Sonntägliches Toastbrot mit dick Butter und Honig drauf, dazu ein schöner Ceylon-Tee – oder ein Schluck vom Disibodenberger, dessen galoppierende Säure nach einem längeren Mahl jeden Schnaps ersetzt. Für das Passionsfruchtwölkchen war das schon eine Herausforderung, Sesamkrokant und Kokoseis dagegen verstanden sich auf Anhieb blendend mit dem Wein.

 

IX. Pitahayacrème mit Knallbrause, weißem Kaffeeeis und Schokobecher

Peta Zeta heisst die Knallbrause. Nun weiss ich es endlich, werde es mir aber wiederum nicht merken können, fürchte ich. Zur Pitahaya, die zu meinen Lieblingsfrüchten gehört, passte sie, so wie sie zu fast allen Desserts gut passen mag. Die Pitahayacrème war indes sehr delikat, mir wäre sie ohne Knalleffekt lieber gewesen. Auch Wein mochte ich dazu nicht kombinieren. Das konnte man schon eher mit dem weissen Kafeeeis machen, das sich ebensogut allein schön wegschlotzen liess. Der Schokobecher, so winzig er letztlich war, kam mir zu dem Zeitpunkt schon sehr mächtig vor. Zur BA passte er besser, als Pitahaya und Kaffeeeis.

 

X. Himbeertörtchen, Orangen-Brombeer-Törtchen, Physalistörtchen und Chilipraliné

Die Törtchen wollte ich eigentlich gar nicht mehr. Zwei Dinge brachten mich dennoch dazu, davon zu probieren. Einerseits: die völlig absurde Überlegung, wenn ich etwas frisches, fruchtiges nehmen würde, hätte das vielleicht eine erfrischende Wirkung und ich könnte mich danach noch dem Käse zuwenden. Andererseits: ausgerechnet die angebotenen Sorten gefielen mir alle sehr gut, einzig die Schokotrüffeltorte liess ich aus. Vielleicht hätte ich davon ein Stückchen nehmen sollen, die Törtchen waren überzeugend. Himbeere, wie ich sie aus meiner Kindheit in Erinnerung habe, Brombeeraroma wie von den Sträuchern die damals direkt neben den Himbeeren standen, Physalis und Orange, die gute Laune verbreiten. Völlig überrumpelt vom plötzlichen Ende meiner gastrointestinalen Aufnahmefähigkeit musste ich auf den Käse dann leider verzichten und trollte mich rüber in den Club B. Und was sich dort noch ergab, darüber bald mehr an dieser Stelle und in der Champagnerdepesche!

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Ruhr-Karussell Teil IV

 

 

Was wäre ein Ruhrmenu-Check ohne einen Blick auf die Teller der Résidence? Eben. Unvollständig. Deshalb musste Essens gastronomischer Leuchtturm mal die Lampen anmachen.

 

O.1 Erster Gruß aus der Küche: Dreierlei Appetizer

 

O.2 Amuse Gueule: Variationen vom Ochsenbäckchen, mal knusprig, mal mit Erbsenespuma

 

O.3 dazwischen: Walnussbrot mit mildgesalzener Butter

 

O.4 Zweiter Gruß aus der Küche: Karotten-Chili-Süppchen mit Bananenchip und Karotten-Kokos-Kraut

 

zu alledem: Champagne Perrier-Jouet Belle Epoque 1988;

beim Öffnen noch sehr zurückhaltend, zeigte sich im Glas doch eine altersgerecht verfeinert Perlage in einem sattgoldenen Rahmen. Die anfangs etwas metallische Nase war der Auftakt zu einem reifen, aromatischen Wechselspiel, das hauptsächlich aus frisch eingekochter Kondensmilch, Milchschokoladen- und Haselnussaromen bestand. Im Mund ein quietschfideles Säuregerüst, das immer noch mehr als großzügig mit Apfel, Toffee und Nüssen behängt war. Daher war meine Lieblingskombination die zum gebutterten Walnussbrot. Ebenfalls sehr gut vertrug sich dieser Champagner mit dem knusprigen Ochsenbäckchen und dem exquisit luftigen Erbsenespuma. Auch zum Noriröllchen war der Champagner schön, wobei der Reis noch etwas länger hätte gegart werden müssen, denn mehlig bröckeln dürfen einzelne Körner nicht. Zum zweiten Gruß aus der Küche war die Kombination am schwierigsten, denn insbesondere das Kraut hatte, vor allem zusammen mit dem Bananenchip, einen starken Einfluss auf die Geschmackswahrnehmung. Zum Süppchen allein passte diese entgegen im Vorfeld gehabter Befürchtung schön gereifte Belle Epoque allerdings durchaus.

 

I.1 Klümpken von geräucherten Aal & Sternenrenette, dazu Weingut Münzberg, Weissburgunder "Schlangenpfiff" Großes Gewächs 2007;

das Klümpken war ein dreischichtiger Würfel aus Gänseleber, einer Mittellage Ruhraal und einer oberen Schicht aus beidem. Eine gut durchdachte Komposition mit einem bissfesten Aal in der Mitte, der sich schön zur Leber machte. Ebenfalls sehr schön war der Schlangenpfiff dazu, klugerweise vom lobenswerten Sommelier Alfred Voigt im passenden Kelch serviert. Der Tupfer Gänselebereis war mir geringfügig zu kalt, um ihn gemeinsam mit dem Wein zu geniessen, was ich etwas bedaure. Die vanillierte Rote Bete hingegen setzte wieder einen schönen Akzent neben den Weißburgunder.

 

I.2 Involtini von Jakobsmuscheln & Brunnenkresse mit Rote-Bete-Chutney, dazu Künstler, Riesling Spätlese Alte Reben, Hochheimer Stielweg 2008

Eine überzeugende aromatische Zusammenstellung war auch die Brunnenkresse mit der Roten Bete. Typische milde Kresse-Schärfe und erdig, saftig, animierend, fruchtig das Chutney. Ein farbenfroher Rahmen für die Jakobsmuschel und genau der richtige Ort für Künstlers Alte Reben, die mir solo noch ein wenig zu jung vorkamen.

 

dazwischen gab es die beliebten selbstgebackenen Brötchen, von denen mir das mit Tomatenpesto noch besser gefiel, als das ebenfalls sehr gute Laugenbrötchen

 

II.1 Stulle von Kaninchen mit gebackenen Schalen & Stampf von Erdäppeln in Honig-Senf-Sauce, dazu Deutzerhof Cossmann-Hehle Spätburgunder Caspar C. 2006

Dieser Spätburgunder gehört zu den trotz Holzeinsatzes zurückhaltenden Vertretern mit kühler, mineralischer, von etwas apfelpektinigem, tanninigem grip unterstützter Stilistik. Zum weichen, aber nicht labberigen Kaninchen passte das sehr gut, während ich dem Wein solo nicht viel abgewinnen konnte. Aber zum Essen ein wahrer Prachtbursche, dessen ganze Stärke sich noch zeigen sollte: in Verbindung mit dem reichlichen Trüffelaroma einerseits, als Komplize der konzentrierten, aber nicht überladenen Sauce und schließlich noch zum Zwiebelconfit. Jede Komponente entlockte diesem allein etwas schüchtern dastehenden Burgunder eine neue treffende und schlagfertige Äußerung, so dass ich den Gang letztlich als den schönsten angesehen habe.

 

II.2 Sautierter Langostino mit Pimentofregola, Auberginentasche und Paprikaperlen, dazu Gerard Boulay Sancerre Chavignol 2007

Wenn man diesen Wein getrunken hat, fragt man sich, warum die verschiedenen Meeresbewohner nicht lieber in Sauvignon-Blanc schwimmen. Mineralisch, gravitätisch, aber nicht schwülstig, mit frischen, an Verbene und Trockenkräuter erinnerndem Duft, im Mund schlank, lang und wendig. Dem Langustino merkte man an, dass er sich in dieser Begleitung wohlfühlte und das Auberginentäschchen fügte einen raffinierten touch hinzu. Besonders gelungen waren aber die Paprikaperlen, deren Aroma sich im Wein gespiegelt fand.

 

III.1 Lachsforellenstollen mit Blutwurst und lauwarmem Kappessalat, dazu Knipser, Mandelberg "Steinbuckel" Großes Gewächs 2007

Der Stollen als Edel-Dürüm angerichtet, auf der einen Seite mit der Lachsforelle, auf der anderen mit der groben Blutwurst, war in einem krossen Teigmantel untergebracht. Den zu zerschneiden, bedeutete leider immer auch, etwas von der Füllung herauszuquetschen, was bei mir nicht sehr schön aussah, aber gut schmeckte. Eine gute Sache waren die luftigen, sehr krossen Kartoffelkissen, aber eine gute Sache war auch der Steinbuckel zur Blutwurst. Die hat bekanntlich eine durstfördernde Eigenschaft, das Große Gewächs in diesem Fall eine dankenswerte und überaus hilfreiche Feuerwehrfunktion.

 

III.2 Strudel vom Saibling mit Spitzkohlsalat und Birnen-Ingwerrelish, dazu Peter und Brigitte Pligers Kuenhof, Grüner Veltliner aus dem Eisacktal 2007

Wenn sich je einer fragen sollte, welche Daseinsberechtigung der Sommelierberuf eigentlich hat, dann ist die Antwort einfach: um dem Gast solche Weine zu empfehlen. Zunächst ein mörderischer Stinker, dann erstmal lange nichts als Mineralstaub und eine konzentrierte, zehrende Säure, nach spannungsvollem Warten kippt der Wein dann nicht tot um oder wird gar brandig, sondern entlässt den Gaumen aus seinem Würgegriff und heraus fallen Blumen, Kräuter und beinahe zufällig noch das Pfefferl. Zum Saibling war das ein extrem guter Griff und zum Birnen-Ingwerrelish hätte ich mir gar nichts anderes wünschen können.

 

IV.1 Taubenbrust und Keule aus dem Henkelmann mit karamellisierten Schwarzwurzeln, Pancettachip und Graupenallerlei, dazu Springfontein Ulumbaza Syrah 2006

Der Henkelmann war ungewohnt minimalistisch, einfach nur ein Knusperbogen, der sich über die saftig lockende Taube spannte. Das Taubenfleisch wunderbar zart, mit einer dichtwürzigen, unverfälschten Sauce, die einwandfrei mit dem beschwingten, leichten Syrah harmonierte. Dem gelang es, einerseits der Sauce, andererseits den Rote-Bete-Würfeln und den Schafspilzen Gewürznoten zu entlocken, die das Menu auch in Afrika hätten heimisch erscheinen lassen können. Schöne Randnotiz: Die Macher von Springfontein kommen sogar aus Essen.

 

IV.2 Steinbutt mit Bianchettotrüffeln, Spaghetti und Canelloni vom Muskatkürbis und Zitrusfrüchtesugo, dazu Springfontein Sauvignon/Sémillon 2007

Zum Steinbutt machte sich der Bianchettotrüffel bestens, schließlich hat er ja jetzt auch Saison. Mir war der Wein etwas zu fruchtig dazu und auch zum Zitrusfrüchtesugo, das wiederum grossartig gelungen war, passte er besser in der Nase als im Mund. Schön dagegen war die Kombination mit dem Muskatkürbis.

 

V. Schnuckelige Quitte mit Ziegenkäseeis, dazu Martin Pasler, Welschriesling Beerenauslese 2006

Die Quittenvariation bestand aus einem Ragout von der Quitte, dem Ziegenkäseeis mit Quitte und einer Lilienblüte, einem Karamell und einem Schokegel mit Apfelfüllung. Die Beerenauslese von Pasler machte alles davon mit. Gegenüber der Quittenvariation spielte sie ihre softe, musige Seite aus, zur Lilienblüte konterte sie mit geballter Süße, die gekonnt zum kräftigen Ziegenkäse überleitete, die vom Apfel aufgelockerten Schokoaromen erwiderte sie mit einem Rest an fruchtiger Säure.

 

Patron Bühler, ließ zur Strafe für den versäumten Schluck vom mitgebrachten 88er Belle Epoque schwarze Gläser auffahren, deren Inhalt bestimmt werden musste. Listigerweise hatte er Champagne Lenoble Rosé 2004 eingeschenkt; dessen fruchtige, nicht sehr säurebetonte Art liess mich auf einen noch jungen Winzerchampagner mit mindestens 70% Chardonnay tippen. Ob weiß oder Rosé, da war ich mir nicht sicher, wobei die ausgeprägte Frucht sehr für Rosé sprach, ebensogut hätte es aber auch ein hoher Chardonnayanteil aus Ay oder Mareuil sein können.

 

Abschließend gab es noch eine umfangreiche Auswahl vom gut sortierten Käsewagen, ganz zum Schluss Pralinés.

 

Die zwei Sterne sind verdient, die Küchenleistung muss ich gegen Anwürfe, sie sei allzu unbeweglich in Schutz nehmen. Der Service ist über jeden Zweifel erhaben, ausgesprochen aufmerksam und niemals aufdringlich, gleichzeitig von einer unaufgesetzt fröhlichen Freundlichkeit, die man andernorts vermisst. Auch entstand in dem nicht sehr großen Speiseraum in keinem Moment der Eindruck von Enge oder Überfülltheit. Glückliches Essen!

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Ein (+) bezeichnet meine Favoriten aus der jeweiligen Kollektion am Verkostungstag.

 

A. NAHE

– Rieslinge –

 

I. Schlossgut Diel

 

1. Pittermännchen

Ausgewogen, fruchtig und klar, aber recht wenig Säure, eher birnig. Kann man auch als elegant bezeichnen, mir ist das zu wenig Wumms.

 

2. Goldloch

Etwas mehr Säure, dabei immer noch milde, hier aber schon schärfer ausgeprägte Konturen von gelbem Obst und mehr Gewicht als beim Pittermännchen.

 

3. Burgberg (+)

Mineralisch, auch nicht gerade massive Säure, aber gut versteckte Kraft und vielleicht der eleganteste von den dreien.

 

II. Dönnhoff

 

1. Dellchen (+)

Elegant, mit mild eingebundener, feiner Süße und einem saftigen, sämigen Naturell. Hoher Wegschlotzfaktor.

 

2. Hermannshöhle

Verschlossener, enger, mit höherer Säure und weniger Süße, deutlich ernster, als das Dellchen, aber wohl auch mehr Potential.

 

III. Emrich-Schönleber

 

1. Frühlingsplätzchen

Mineralisch, erdig, mit flintigen Noten. Sehr feine Säure und viel Spiel. Braucht frische Luft und Auslauf.

 

2. Halenberg

Etwas alkoholischer und schwergewichtiger als das Frühlingsplätzchen, in der Entwicklung auch etwas zurück, gesund-vegetabile Noten, die zusammen mit reichlich Säure noch ziemlich unruhig wirken.

 

IV. Tesch

 

1. Rothenberg

Mild, weinig, großväterlich. Sehr säurearm, mit sanfter Süße und keineswegs unangenehmem, aber auch nicht besonders originellem, weil recht allein dastehendem Apfelaroma.

 

V. Prinz zu Salm-Dalberg'sches Weingut

 

1. Berg Roxheim

Wässrig, mittelherb, nicht sehr lang.

 

2. Johannisberg

Alkoholischer, nicht ganz so wässrig wie der Berg Roxheim, länger, aber kein Knaller.

 

VI. Schäfer-Fröhlich

 

1. Felsenberg

Mild, sogar andeutungsweise nussig, dabei keinesfalls oxidativ, eigenwillig schön, mit herben Kräutern und von guter, säuregetragener Länge.

 

2. Kupfergrube

Gegenüber dem Felsenberg geglättetere Aromatik, aber am Gaumen griffiger.

 

3. Felseneck (+)

Pricklig, dem Felsenberg von der aromatischen, unverkitschten Eigenständigkeit nicht unähnlich, aber einen touch besser, weil irgendwie geheimnisvoller, abenteuerlicher und rundum eine Spur gelungener.

 

VII. Kruger-Rumpf

 

1. Kapellenberg

Samtiger, sanfter Auftakt, der schnell in heftige Säure übergeht und weg ist der Wein.

 

2. Dautenpflänzer

Eher grober Typ, dabei nicht besonders lang und recht sauer.

 

3. Pittersberg (+)

Der längste, ausgeformteste, mineralischste und mit charmant apfeligen Aromen ausgestattete Pittersberg machte dem Gaumen ein herbschönes Angebot.

 

B. RHEINHESSEN

– Rieslinge –

 

I. Kruger-Rumpf

 

1. Scharlachberg

Kräuter, saftig, mild, auch hier wieder Äpfel und eine unverkrampfte, einfach zu trinkende Stilistik.

 

II. Battenfeld-Spanier

 

1. Kirchenstück

Konzentriert, jung, dicht, fest, nur von einer ganz feinen, noch etwas Zitrusschalen-Bitterstoff mitschleppenden Süße stellenweise aufgelockert.

 

2. Frauenberg

Wie ein mit Kalk abgedämpfter, sehr mineralisch wirkender Pfalzriesling, viel Frucht, aber auch noch viele andere, weniger stark entwickelte Anlagen, insgesamt recht herb, aber blitzsauber.

 

III. Kühling-Gillot

 

1. Sackträger

Ölig, mit Fassgeschmack, ziemlich herbe Schönheit.

 

2. Ölberg (+)

Mineralisch, steinig, auch feuersteinig, erdiger, regennasser Boden, viel verhaltene Kraft, die dem Wein schon eine gewisse Eleganz verleiht.

 

3. Pettenthal (+)

Dem Ölberg nicht unähnlich, ruppiger, auch filziger und mit einem Hauch mehr Süße, am Ende mit Luft und Zeit vielleicht sogar der überlegene Wein.

 

IV. Gutzler

 

1. Kirchenstück

Naturtrüber Apfelsaft, süßlich; nicht schlecht, aber etwas einfach gestrickt.

 

V. Keller

 

1. Hubacker

Nur wenig und verspielte Säure, dafür Butter, Apfel und Zimt.

 

VI. Rappenhof

Der Rappenhof hat sich, das vorweg, nach Kellers Hubacker sehr gut geschlagen und das bei vergleichsweise moderaten Preisen.

 

1. Ölberg

Saftig, säurearm und insgesamt ganz gut, dem Gutzler'schen Kirchenstück nicht unähnlich.

 

2. Pettenthal

Mineralischer, männlicher, härter als der Ölberg, vielleicht etwas kürzer.

 

VII. St. Antony/Freiherr Heyl zu Herrnsheim

 

1. Pettenthal

Ölig, apfelig, weinig und rund, etwas mostig, insgesamt ganz fülliger Wein, mittellang.

 

2. Ölberg

Prickliger, und einen Hauch schlanker als das Pettenthal dabei auch kein Leichtgewicht.

 

3. Brudersberg (+)

Sämig, mostig, aber im Einklang mit sich selbst, präsente Säure und nährendes Fruchtfleisch stehen sich auf hohem Niveau gegenüber.

 

VIII. Wagner Stempel (+) das von mir favorisierte Weingut an diesem Tag

 

1. Höllberg

Schon der Höllberg schlank, rassig, kalkig, mit flotter Säure und gleichzeitig zupackender Art. Kein Weinungetüm, sondern ein behender Macher, geht in großen proben leider nur zu schnell unter, weil die feinen Anlagen des Weins kaum Chancen haben, sich im rechten Licht zu zeigen.

 

2. Heerkretz (+)

Vielschichtig, gediegen, sanft und von adeliger Süße, die dem Wein Würze und Politur verleiht, ohne aufgesetzt zu wirken. Rubensweib trifft es nicht ganz, aber um eine veritable Maitresse à la Marquise Maintenon oder Marie-Louise O’Murphy dürfte es sich schon handeln. Und das beste: praktisch jeder kann sie haben!

 

IX. Wittmann

 

1. Aulerde

Ein Wein, genau wie der Boden auf dem er steht. Unter einer dichten Packung von Ton, Sand, Stein liegt ein lockerer Kies. So liegt auch unter der dcihten, aber nicht gedrängten jodigen Mineralik eine luftige, lebenslustige Säure. Schon jetzt ein Vergnügen.

 

2. Kirchspiel (+)

Eine Schaufel mehr Komplexität und Ernsthaftigkeit legt das Kirchspiel drauf. Dickere Mineralschicht, mehr, auch ernstere Säure, dafür auch mehr und längerer Nachhall.

 

3. Brunnenhäuschen

Der Wein vom Rotliegenden oberhalb des Morsteins teilt dessen wesentliche Bodeneiegnschaften bis auf das Drainageverhalten. Gegenüber dem Morstein ist er feiner, leichter, buttriger und unterscheidet sich auch durch eine etwas nussige Art.

 

4. Morstein

Der schläft noch. Lange, ruhige Atemzüge von Kräuterduft und Steinen, eine grummelnde, tiefgründige Säure, darüber hoch aufgetürmte Schichten von Mineral. Ruhen lassen.

 

– Spätburgunder –

 

X. Battenfeld-Spanier

 

1. Kirchenstück 2007

Ziemlich herber, leicht kräuterbonboniger Geselle mit Malzbrocken und einer Andeutung von Weihnachtsmarkt: kühle Luft, kalte Nasen, Punsch- und Glühweingewürze.

 

XI. Gutzler

 

1. Morstein 2006

Der 2006er schon mit einem ziemlich reifen Auftreten, mit Mürbeteig und einer etwas mehligen Art.

 

2. Morstein 2007

Der 07er dagegen noch etwas zu jung und spitz. Genau dazwischen müßte es noch einen geben, dann wäre die Spätburgunder-Performance von Gutzler gelungen.

 

XII. Keller

 

1. Bürgel

Ladungen von Toffee, Milchschokolade, Kaffee und Himbeertörtchen. Erfreulich, dass bei diesem Wein keine kleinen Himbeerkerne zwischen den Zähnen stecken bleiben, auch erfreulich, dass sich da weder Graphit noch Rauch störend in den Vordergrund mengten, selbst obwohl ich das sonst sehr mag – hier hätte es bloss den idyllischen gesamteindruck verhunzt.

 

C. PFALZ

– Rieslinge –

 

I. Kuhn

 

1. Steinbuckel

Weich, fein, lang, aber auch aufgrund seiner überwiegend reifen, obstigen Aromatik etwas sättigend.

 

2. Burgweg (+)

Eleganter, bissiger, kraftvoller, dynamischer, aber auch schlanker als der Steinbuckel und insgesamt trotz seiner ebenfalls auf reifes Obst aufbauenden Stilistik eher das powerhouse unter den Kuhn'schen Rieslingen.

 

3. Kirschgarten

Noch etwas komplexer, und ca. eine halbe Gewichtsklasse höher angesiedelt ist der Kirschgarten. Auch hier wieder reife Stilistik, aber zusätzlich noch ein Händchen voll Bodylotion, die dem Wein Geschmeidigkeit und Elastizität verleiht.

 

II. Pfeffingen – Fuhrmann-Eymael

 

1. Herrenberg "M" (Mardelskopf)

Die Uhunase kündet von flüchtiger Säure, eine nicht unappetitliche Schärfer lässt erstmal vorsichtig nippen. Und in der Tat findet sich eine adstringierende Säure, die schwachen Mägen nichts anderes als feinstes Sodbrennen verheißt. Wem das nichts ausmacht, der wird unter der übrigens sehr küchenfreundlichen Säure einen noch längst nicht fertigen, spannungsvollen Wein finden, auf dessen weitere Entwicklung man sich freuen darf.

 

2. Weilberg (+)

Einen ebensolchen Rabauken verbirgt der Weilberg, dieser pubertierende Wein ist der Parkourläufer unter den Weinen. Zupackend, schnell, drahtig, gleichzeitig elegant und nahtlos geschmeidig. Gefiel mir deshalb deutlich besser als der "M", wobei beide Weine sicher noch eine verfolgenswerte Entwicklung absolvieren werden.

 

III. Mosbacher

 

1. Kieselberg (+)

In der Nase wie ein Cassis-Traubenzuckerbonbon aus der Apotheke; auch Nektarine mag dabei sein. Ein Wein, der mir sehr leicht, fast zu leicht vorkommt aber die Eleganzphilosophie von Mosbacher exemplarisch zum Ausdruck kommen lässt. Gehört solo getrunken, im Verkostungsgetümmel geht er schnell unter.

 

2. Pechstein

Zitrusnoten, auch Grapefruit prägen diesen Wein. Und wer gerade keine Limette und keinen grobgemahlenen schwarzen Pfeffer zur Hand hat, um ein knalliges Salatdressing herzustellen, der kann auch einfach die rohen Salatblätter essen und mit diesem kompromisslosen Pechstein runterspülen.

 

3. Freundstück

Etwas herber, kräuteriger, und fetter geht es im Freundstück zu. Nachdem das Salatbouquet aufgegessen ist, darf es mit dem ersten Vorspeisengang auch etwas kräftiger weitergehen. Der Wein dazu ist völlig stimmig.

 

4. Ungeheuer

Eine sehr reife Leistung bietet das Ungeheuer. Honig, Wucht, Trockenkräuter, Ingwerschnipsel und Blutorange hämmert der Wein so eisenhart raus, wie 1870 die Telegraphenstationen Frankreichs Kriegserklärung an Preußen, dessen Ministerpräsident Bismarck bekanntlich einer der prominentesten Ungeheuer-Trinker war.

 

IV. Bassermann-Jordan

 

1. Hohenmorgen

Zwar saftig, aber mit einer vegetabilen, grünlichen Note, die nicht recht passen wollte.

 

2. Jesuitengarten

Organischer, harmonischer, schöner war der Jesuitengarten. Auch hier etwas viel Gartengemüse, aber auch reichlich gelbes Obst und eine ordnende Säure. Mehr, als der Hohenmorgen, weniger als der Pechstein, im Moment aber am besten zu trinken. Auf lange Sicht wohl dem Pechstein deutlich unterlegen.

 

3. Pechstein

Der Pechstein pricklig, ausdrucksarm und eng, hinter der abweisenden Front aber schon absehbar eine Ansammlung verschiedenster Aromen; schwierig, die zuzuordnen, hier hilft erstmal nur warten, ich bin aber guter Dinge.

 

V. von Buhl

 

1. Kirchenstück

Buhl zeigte eine reihe schöner Weine, die langsame, aber stetige Entwicklung versprechen. Das Kirchenstück steht ersichtlich noch ganz am Anfang seiner Karriere und ist kaum mehr als erdig und ungelenk.

 

2. Jesuitengarten

Ein eleganter Wein, die Mönchskutte aus Seide, weltläufig, ansprechend, durchgebildet, vielleicht eine Spur Jod, vielleicht einfach Unruhe im Wein. Jedenfalls ein entwicklungsfreudiger Wein mit Potential.

 

3. Reiterpfad

Auf Anhieb erstmal furchtbar eng, zitronig, allenfalls noch etwas sehr harter, grüner Apfel. Erst mit etwal Luft lösen sich Blütendüfte, salzige Mandeln und Aprikose, auch Pfirsich aus dem monolithischen Block. Slowperformer, aber einer, von dem wir noch viel erwarten dürfen.

 

4. Pechstein

Schon ganz freundlich zeigte sich dagegen der Pechstein. Wie ein Juwelier präsentiert dieser Kollege seine Juwelen und breitet die Aromenpalette von roter Johannesbeere über Marille, Quitte bis hin zu Jonathan-Äpfeln und granitenen Klumpen aus. Der erste Wein der ollektion, der sozusagen mit offenen Karten spielt und jetzt schon zeigt, was er alles hat. Nämlich alles.

 

5. Ungeheuer

Nicht ganz so grandios und mühelos trabte das Ungeheuer an. In allem etwas gedrungener, noch nicht so lichtdurchflutet und glockenhell wie der Pechstein, auch kompakter und gedrängter wirkte das alles, aber vielleicht lässt sich das Ungeheuer mit der Entfaltung auch einfach nur mehr Zeit.

 

V. Christmann

 

1. Reiterpfad

Säurearm, mild und mit offenen Armen erscheint dieser Wein im Glas.

 

2. Langenmorgen

Ebenfalls versöhnlich und sehr gastfreundlich ist der Langenmorgen. Mit einem Anklang von Weizenkörnern in der Nase, im Mund dagegen eher reife Kumqat.

 

3. Mandelgarten

Mineralisch und durchstrukturiert, aber auch saftig, von der herbfruchtigen Seite der Mango beeinflusst, für mich nur knapp unter demn Idig.

 

4. Idig (+)

Schlank und ausgewogen, so elegant wie der Nachtfuchs Toulour aus Ocean's Twelve, geschmacklich in der Nähe einer Mischung aus Pitahaya und Litschi, vibrierend, agil, leicht, stark.

 

VI. Bergdolt St. Lamprecht

 

1. Reiterpfad

Mild, leicht und würzig, erinnert an Milch mit Muskatnuss, geschmacklich wie ein Apfeljoghurt, solider Wein, fair bepreist.

 

VII. Ökonomierat Rebholz

 

1. Im Sonnenschein "Ganz Horn"

Zurückhaltende Mineralität, leichter, nicht dramatisch säurehaltiger Wein, sondern ein vornehm zurückhaltender, sich seiner Stärke bewusster Riesling.

 

2. Im Sonnenschein

Gegenüber dem Ganz Horn jodiger, salziger, fast schon etwas problematisch, wenn da nicht auch diese unschuldige, reine Pfalzfrucht wäre, Aprikose, Weinbergpfirsich, mit grasigen Noten unterlegt.

 

3. Kastanienbusch (+)

Sanfter Engel aus Blutorange und Vanille, Nektarine, eine Prise Salz, herrschaftlicher und prunkvoller als die beiden Sonnenscheine, aufgrund dieser Offenheit, bei mindestens gleichem Potential, von mir etwas höher angesiedelt.

 

VIII. Friedrich Becker

 

1. Sonnenberg

Einer der wenigen ganz leichten Rieslinge, mit nur 12,2% vol. alc. Wirkt regelrecht moselanisch, Nektarine und Aprikose, feine fruchtige Säure, wahrscheinlich einer der Weine, die im Rahmen einer solchen Verkostung allzuschnell übersehen werden.

 

– Spätburgunder –

 

IX. Knipser

 

1. Kirschgarten "Mergelweg" 2006

Die Ansage ist: stark, zart, süß. Zwischen diesen Polen schwebt der Wein, unterstützt von einem leichten Feuer.

 

2. Kirschgarten 2006 (+)

Der Kirschgarten legt noch ein Scheit drauf, ohne dass das Fruchtmobilé verbrennt. So wird aus dem herzhaften Kirscharoma z.B. gerade nicht ein Eau de Vie de Kirsch, sondern einfach ein intensiveres Geschmackserlebnis. Die ganze Konstruktion bekommt etwas mehr Frucht, Konzentration, Würze, Tannin und Druck.

 

3. Burgweg "Im Großen Garten" 2006

Etwas abgetaucht und unauffindbar wirkt der Große Garten. Die sparsame Frucht täuscht aber lediglich über die sich ankündigende reife hinweg, denn aus den poren wabert und dampft eine verführerische, dunkle, würzige Komposition aus Malzbrocken und Espressobohnen. Wenn der wieder auftaucht, wird's ein Fest.

 

X. Kuhn

 

1. Kirschgarten 2007

Ich bedauere ja am allermeisten, dass der Kuhn'sche Frühburgunder kein Großes Gewächs ist. Der Spätburgunder ist aber auch sehr schön, saftig, konzentriert und reif, freundlicher und greifbarer als die Kirschgarten-Komposition von Knipser.

 

XI. Bergdolt St. Lamprecht

 

1. Kalkberg 2007

Ziemlich klassisch deutsch anmutender Spätburgunder mit einer gut herausgearbeiteten Erdbeer-Himbeer-Frucht, aber auch etwas zu einfach gestricktem Säuregerüst. Kirschkern und Tannin, Rumkandis und ein touch Eukalyptus machen den Wein aber trotzdem zum Hingucker.

 

XII. Münzberg

 

1. "Schlangenpfiff" 2006

Lang, erdig und dem Schlangennaturell damit nicht unähnlich. Dabei eine milde Säure und keine stark ausgeprägte Frucht. Ein Kaltblüter eben.

 

XIII. Ökonomierat Rebholz

 

1. Im Sonnenschein 2004

Uhu, Erde, grip und Säure, wirkt dabei immer noch etwas tapsig und sollte erstmal die Säure unter den vorhandenen Zwetschgenhut bringen; dafür mit mildem, mandeligem Ausklang.

 

XIV. Friedrich Becker

 

1. Sankt Paul 2007 en Magnum (+)

Animierende, Neugier weckende Schärfe und schmeichelnde Süße wechseln sich ab, dazwischen feuert der Wein seine beeindruckende Beerenpalette ab, dass es nur so raucht – aber was für ein edler Rauch, vermischt mit Mokkaduft und Kakaobohnen, dann wieder Mon Chéri, etwas kunstvoll eingestreutes Tannin; ja so darf eine Diva sein.

 

2. Kammerberg 2007

Gerade mal 400 Meter vom Sankt Paul entfernt kommt hier gleich wesentlich mehr Säure ins Glas, der Wein ist gerbstoffiger, wirkt wilder, ist von drahtigem Körperbau, der die Sehnen etwas sträker hervortreten lässt, einfach der sportlichere Typ.

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