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Und nochmal: Champagner

Anfang des Jahres habe ich meine erste Reise in das Vitryat unternommen und war über meine Unwissenheit  ganz schockiert, ein Schock, der sich bis heute nicht gelegt hat und eine innere Unruhe mit sich brachte, die mich verstärkt dazu antreibt, in die Champagne zu fahren, um diese ungehörigen Lücken mit Champagner und Wissen zu füllen, was ja am Ende gleichbedeutend ist, bzw. überwiegend fülle ich eigentlich nur Champagner in mich hinein. Dankenswerterweise aber ist die Champagne wie ein höherbegabtes Wesen in der Lage, solche Defizite und krassen Fehlentwicklungen vorherzusehen und ihnen mit maßgeschneiderten Mitteln zu begegnen. So kam es, dass Monsieur Claude Kossura auf Einladung der Terres et Vins de Champagne Winzer einen Vortrag über den großen Gebietsdreiklang von der Côte des Bar über den Montgueux bis zum Perthois, das ist die Umgebung des Vitryat, am Leuchtturm von Verzenay abhielt. Zum Glück gab es dazu flüssige Untermalung und passenden Käse, denen ich mich chon einmal mit meiner ganzen Aufmerksamkeit und Körperfülle zur Verfügung stellen konnte, während Monsieur Kossura dozierte.

Das was immer als die berühmte Kreide im Boden der Champagne verkauft wird, ist, so ließ sich erfahren, viel vielgestaltiger, als man gemeinhin denkt. Da gibt es nämlich nicht nur die eigentliche Kreide, sondern auch den von Ammoniten geprägten Portlandkalk (Oberjura, 153 bis 145 Mio Jahre alt) und das etwas ältere ammonitische Kimmeridgien (Oberjura, 163 – 153 Mio Jahre als); die kreidebildenden Belemniten tauchen erst im Turonien, also einem Teil der Kreidezeit (Oberkreide des Mesozoikums, ca. 100 bis 66 Mio. Jahre alt) auf und befinden sich anders als man meinen könnte nicht nur in Le Mesnil sur Oger sondern auch und vor allem im Gebiet rund um Tours, bzw. dort wurden sie erstmals typisiert. Schön und gut, aber was bringt alle graue Theorie, ohne den grünenden goldnen Lebensbaum? Also Gläser gefüllt und eifrig gelernt.

Champagne Piollot Père et Fils verdanke ich eine aufregende Erfahrung mit warm dégorgiertem 1982er Rosé und nun gleich eine ganze Fülle neuer Eindrücke mit dem Champs Rayés Blanc de Blancs 2010, gewachsen in Noé-les-Mallets, mit viel Nuss, dickwandigem Muskelgeflecht und unbändiger Stärke bei anschmiegsamer und weicher Süße, die perfekt zum Lingon passt, ein traditioneller Ziegenrohmilchkäse der Region mit rötlicher Rinde  und feinem Salzgeschmack. Zum Thema Portlandien und Turonien ging es weiter mit Vincent Couche und seiner ADN-Reihe. ADN ist die französische Schreibweise für DNS und um den genetischen Code seiner einzelnen Lagen geht es Vincent folgerichtig in der gleichnamigen Reihe. Der ADN de Montgueux 2010 ist ein Hammer unter den Champagnern und zeigt, dass der Montgueux zu recht mit den großen Burgundern in einem Atemzug genannt wird. So viele aromatische, Mineralität vermittelnde Schwefelverbindungen wie hier gibt es sonst höchstens noch in richtig gutem Meursault. Zum Champ sur Barse, auch dies ein in seiner Grundform leicht salziger, allerdings sehr frischer und bei dieser Gelegenheit gepfefferter Käse der Region, ist das ziemlich dicht am perfekten Genuss. Pascal Doquet lieferte als Dritter im Bunde mit dem Horizons auf 2011er Basis einen Chardonnay-Champagner aus Bassuet ab, der sich mit dem gepfefferten Champ sur Barse ein nichtendenwollendes Rennen auf der Zunge lieferte.

Kimmerdigien war das thema der nächsten Verkostungsrunde, eingeleitet von Marie-Courtin Eloquence 2010, ein Chardonnay aus Polisot, der wie ein gedopter Grüner Veltliner auf mich wirkte, mit sehr viel Pfefferl, Kraut, Pflanzenstoffen, Paprika und einer an Marihuana erinnernden Note. Zum Emmentaler war das eine ganz schöne Herausforderung für den Gaumen, aber einmal gemeistert auch eine, die süchtig macht. Dann durfte Olivier Horiot zeigen, was sein Pinot Noir Val Bazot 2008 aus Les Riceys kann. Der konnte vor allem mit roter Johannisbeere, Aronia und einem Duft von warmem Mulch einen Willkommensempfang für die Quiche aux Champignons de Cussangy bereiten. Vor allem das mulchige Aroma und die Pilze taten einander sehr gut, die Hefe vom Teig und vom Champagner war auch schnell miteinander verbrüdert und das herbsäuerliche Fruchtarome gab der Sache einen energiereichen Antrieb. Der ADN de Buxeuil, ein Pinot Noir von Vincent Couche, der zum Ziegenkäse serviert wurde, blieb mir leider danach nicht so sehr in Erinnerung, dass ich darüber groß etwas notiert hätte. Umso mächtiger drängte sich aber Horiots Barmont 2010 als Rosé de Riceys in mein Bewusstsein, was natürlich auch an seinem Stillweinnaturell liegt. Für mich einer der besten Rosé de Riceys.

Den Schluss bildete das Atelier Kimmeridgien Marneux, hier durfte Piollot seinen Pinot Blanc Colas Robin 2010 aus Polisot zur allgemeinen Überraschung und Freude vorführen, begleitet von einem kräftigen, wunderbar gereiften Soumaintrain. Der Pinot Blanc war zweifelsfrei gut und passte auch zum Käse, zeigte aber keine ganz und gar eigenständige Größe, sondern wirkte mehr getragen von der Käse-Fremdaromatik, auf deren Wellen er freilich sehr kunstfertig zu surfen verstand. Schweinestark war danach Horiots Escharère 2008, ein Pinot Noir, der mit Chaource-Gougères zu ähnlich lustvollen Durchströmungen des Körpers führte, wie der ADN von Vincent Couche mit dem Käse. Trockenkräuter, Verbene, unnachgiebiger Druck und das Gefühl, jemand griffe mit der Faust bis in den Magen hinein. Eine weitere geniale Kombination gab es von Marie-Courtin, deren Concordance 2011 zusammen mit dem Soumaintrain ein trinkbarer Spätsommernachtsraum ist. Bienenwachs, Met, die Leichtigkeit eines feinen Möselchens, dazu Salz, Laktik, Beeren und schier unfassbarer Leichtsinn kommt einen an.

Gelernt habe ich während der drei Ateliers nicht viel, getrunken, kombiniert und mich hinreißen lassen dafür umso mehr. Wichtigstes Fazit für mich: Es gibt fast nichts besseres als Salziges zum Champagner.

Wein-Glossar



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