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Mal wieder Champagner

2015 gab es mehrere schöne Neuentdeckungen, viele Bestätigungen bei den beobachteten Champagnern, die alten Bekannten kamen dabei leider etwas zu kurz. Schöne Chardonnays hat das Jahr mir bisher ins Glas gebracht und es werden bis zum Ende des dritten Quartals noch einige mehr geworden sein, wie ich hoffe. Im Oktober gibt es dann die große Rutsche aller bis 1998 unter der Führung von Champagne Krug entstandenen Clos du Mesnils, ein vorgezogenes Weihnachten und sicher eine der Höhepunktveranstaltungen des Jahres. Die allgemeine Arbeit am Glas darf darüber aber nicht zu kurz kommen und sei hier in verzweifelter Kürze ausschnitt- und überblickartig zusammengafasst.  

Pierre Callot Blanc de Blancs Brut Grand Cru, dicke, reife, fette Chardonnaychampagner sind die Stärke von Callot, den man mit dieser Stilistik gar nicht in Avize vermuten würde. Aber woanders auch nicht. Die typische Chardonnaylangeweile, die von vielen nur mittelguten Champagnern ausgeht, ist Callot fern. Er fordert mit seiner oxidativen, milschschokoladigen, nussigen und dennoch stets frischen und apfeligen Art milden Widerspruch heraus, wobei deutsche Sekthersteller ohne engeren Champagnerbezug den ausgeprägten Luftton reflexhaft als Fehler ablehnen, Verbraucher schätzen ihn hingegen als champagnertypisch und besonders gesuchtes Merkmal. Für mich ist der Champagner von Callot immer eine sichere Zuflucht und ein Behagen verströmender Trunk. 

J. Charpentier Réserve Brut 80PM 20PN, Reservewein aus dem Fuder, mit 9,5 g/l dosiert, ist ein Klassiker der mittleren Marne, mit seiner rötlichen Fruchtgrundtönung, dem Brotduft, der Exotik von Mango-Maracuja Eis am Stiel.  

Maurice Grumier Brut Blanc de Noirs 80PM 20PN, 30% Reservewein, mit 9 g/l dosiert, ist im Vergleich mit Charpentier etwas straffer und enger anliegend, ja disziplinierter, wenn nicht gleich preußischer, aber immer noch als Kind der mittleren Marne zu erkennen und zu schätzen, vor allem, wenn man es etwas strikter mag.

de Venoge Cordon Bleu Légion Etrangère dég. 2011, ist ein Champagner aus 50PN 25CH 25M, der von Urban Legion vertrieben wird und dessen Erlös zu einem teil in soziale Projekte der Fremdenlegion fließt. Den Preis pro Flasche kann man bei ebay oder französischen Placomusophilisten rekapitalisieren, die Kapseln bringen zwischen fünf und acht Euro am Markt. Der Champagner liefert sehr zuverlässig ab. Gerade die länger dégorgierten Ausgaben wie diese hier entwickeln köstliche Reifenoten, sind vollmundig, beinahe schwülstig, aber mit herben, rauchigen und röstigen Noten, die den Champagner gekonnt abgrenzen.   

Vincent Couche hat seine Perle de Nacre auf Basis des 2004ers mit 5 g/l dosiert und findet ebenso wie die Cuvée selbst kein Ende. Der Stoff aus Montgueux hat in den letzten Jahren so viele Facetten gezeigt und ist dabei noch kein bisschen in die Jahre gekommen, dass es doch eine rechte Pracht ist. Eine gewisse Weichheit und wohlgeformte Rundung zeichnet sich aber mittlerweile schon ab und somit ein mehr als erfreulicher Erwartungshorizont beim Einlagern. Ähnliches behaupte ich aufs geratewohl für die demeterzertifizierte Cuvée Eclipsia aus dem Erntejahr 2011, und ungewöhnlichen 80PN 20CH, bei 3 g/l Restzucker und ohne jegliche Dosage. Ganz schön fett, der Champagner, oder klassischer gewendet: schönärschig. Gemäßigter in den äußerlichen Anlagen, aber ein Gingertyp ohnegleichen ist die Roséausgabe der Cuvée Eclipsia, mit 6 g/l dosiert, teils Saignée, teils macération carbonique, mit einer umwerfenden Sauerkirscharomatik. Die Cuvée Passion 2002, 50CH 50PN, dég. Juni 2014 und mit 7 g/l dosiert, war danach mit ihrer völlig anderen Reife und Struktur ein Exempel für die Auswirkungen langen Hefelagers, wobei der Passion keine verstörende Aggressivität innewohnte, sondern unschuldigster Trinkspaß. Die schwefellose Cuvée Chloé auf 2012er Basis mit 2011er PN/CH, stammt aus dem Faß und ist undosiert ein Mordschampagner. Ohne jeglichen Schnickes, unchaptalisiert, ungeschönt, ungeklärt, ungefiltert, mit viel Saft und Kraft. Die Sensation 1997, dég. 2012, erinnerte mich an honey-coated peanuts, Räcuhermandeln und getrocknete Zitronenschale. Sehr schön zu trinken und jetzt mit einer leichten Mürbe ausgestaltet, die noch nicht morbid ist und dem Champagner etwas von beiden Welten, der diesseitgen und der jenseitigen, gibt.      

Aus dem Hause Tarlant kommt schon lange ein nicht versiegen wollender Strom, origineller Champagnerideen und es folgt mit verblüffender Zuverlässigkeit eine Umsetzung, die nichts zu wünschen übrig lässt. Der Zéro auf 2007er Basis (55%) mit Reserven (volle 45%) aus 2006, 2005 und 2004 ist weiterhin als Drittelmix zusammengeschraubt; im September 2014 dégorgiert gab er sich brotig, nussig und straff, eben als der kernige Typ, den man erwartet, wenn man einen Zéro Dosage öffnet. Schön. Die Roséversion auf 2008er Basis, dég. Juli 2014, ist weiterhin eine der schärfsten waffen im Kampf gegen die Verkitschung und modische Anbiederei des Roséchampagners. So soll er bitte bleiben. La Matinale 2003 ist ein famoser, undosiert gebliebener Gleichklang aus Säure und Masse, so eine Art Tesla P85D unter den Champagnern und der Lohn frühmorgendlicher Arbeit im Weinberg. Der Name La Matinale kommt nämlich daher, dass im Jahr 2003 morgens immer sehr zeitig geerntet werden musste, um die Säurewerte einzufahren, die den Champagner lebhaft halten. Daraus entwickelte sich der tarlanttypische Cuvéespitzname, der sich schließlich offiziell durchsetzen konnte. Der 2004er Vigne d'Or (100M), dég. März 2015 kommt erst im september 2015 auf den Markt und jetzt schon sehr vielversprechend, das reinste Johannisbeergelee, lebhaft wie eine Katze, die nicht in das für den Transport zum Tierarzt bestimmte Körbchen einsteigen will und trotzdem verschmust. Der rebsortenmäßig große, altersmäßig jedoch jüngere Bruder vom Vigne d'Or ist der Vigne Royale aus 100PN, die in Condé sur Marne stehen. Erntejahr ist 2003, der nächste wird erst wieder den Jahrgang 2007 tragen. Die aktuelle Ausgabe ist seit September 2014 im Handel und dort aus dem Dornröschenschlaf erwacht, die schlaftrunkene Süße und Weichheit des Champagners ist einer putzmunteren Aufgewecktheit gewichen, die sich viel Anmut bewahrt hat, aber jetzt vor allem gesunde Burgunderaromen entwickelt. Der Vigne d'Antan ist jetzt im Jahr 2002 angekommen und frisch in den Handel gelangt. Als Brut Nature mit feinstem Pilzaroma und jugendlicher Frische, etwas machohafter Säure und goldenem Toast wirkt er wie ein völlig entfesselter Comtes de Champagne, der versehentlich mit Dom Pérignon aufgegossen wurde. Die Cuvée Louis, dég. Juli 2014 und mit 1,4 g/l dosiert, die zu den bestpreisigen Spitzenchampagnern gehört, ist auf Basis (=85%) des 99ers mit Anteilen aus 98, 97 und 96 einer der großen Würfe dieser an starken Champagnern schon so reichen Reihe.    

Wein-Glossar



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