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Mal was über die Mosel

Die Mosel ist meine Stillweinheimat. Der klassische Moselkabinettriesling ist im Stillweinbereich einfach durch nichts, insbesondere nichts mühevoll trocken durchgegorenes (meist mit verschämt weggeklemmtem Zuckerschwänzchen) zu übertreffen. Deshalb sind nehme ich Gerichtstermine des Arbeitsgerichts Trier, die als auswärtige Gerichtstage im Gebäude des Amtsgerichts Bernkastel-Kues stattfinden, mit einem lachenden und einem weinenden Auge wahr. Lachend, weil ich gern bei Gericht bin und schon manchen guten Verfahrensausgang von dort mitgenommen habe. Weinend weniger wegen der längeren Fahrtdauer, um dorthin zu gelangen; sondern aus einem anderen, eigentlich schönen Grund. Ich decke mich nämlich vor Ort auch gerne mit Wein ein. Und das kann die mitgeführte Barschaft teilweise erheblich belasten. Aber egal, das eingekaufte Vergnügen, so ephemer es zu sein scheint, entlohnt und entschädigt in angemessener Höhe. Meine jüngsten Eindrücke waren etwas durchwachsen, was aber an der vorschnellen Öffnung der betroffenen Flaschen gelegen haben kann.

1. Joh. Jos. Prüm Kabinett feinherb 2012
Ist ok, muss ich aber nicht haben. So wie ich die Bezeichnung feinherb und alles, was sich damit verbindet, insgesamt nicht haben muss. War mir auch irgendwie zu getrimmt und gemacht und ohne den sonst so geschätzten unbequemen Einstieg in die Prümsche Weinaromenwelt.

2. Joh. Jos. Prüm Kabinett 2012 
War etwas alkoholisch und hat offenbar reichlich Sonne abbekommen, die für den buttrigen Popcornton verantwortlich sein dürfte, im übrigen ziemlich klar strukturiert, kein Aromenlabyrinth und eng mit dem feinherben Jabinett verwandt. Mit gefällt's bis auf Widerruf.  

3. Joh. Jos. Prüm Graacher Himmelreich Kabinett 2011
Kam mir laktisch und alkoholisch zugleich vor, am Gaumen trotz des diffusen Naseneindrucks etwas schneller entwickelt, als unbedingt notwendig, bzw. von Prüm gewöhnt.

4. Joh. Jos. Prüm Graacher Himmelreich Kabinett 2009
Jugendlich, mit federndem, wippendem Schritt, abgeschmolzener Speck, dennoch etwas verschlossen und maulfaul, aber auf einem hoffentlich guten Weg.

5. Joh. Jos. Prüm Wehlener Sonnenuhr Spätlese 2008
Hier fehlte mir Säure. Und nicht nur ein wenig, sondern hier fehlte mir viel Säure. Die Spätlese wirkte nicht nur behäbig, sondern richtiggehend langweilig.

6. Joh. Jos. Prüm Wehlener Sonnenuhr Auslese 2003
Tangerine, Blutorange, Vetyverparfum, elegante Reife, der ideale Wein für Kolonialromantiker oder um sich dabei den sehr guten Film "Die letzten Tage in Kenya" anzusehen.

7. Max Ferdinand Richter Veldenzer Elisenberg Kabinett 2014
Schlank uns spritzig, wirkte aber gleichzeitig leider auch etwas dünn. Vielleicht kommt mit dem Alter noch mehr ausladender Hüftschwung dazu, der stünde dem Wein gut.

8. Witwe Dr. Thanisch Bernkasteler Doctor Kabinett 2013
Wie beim 12er Prüm Kabinett eine merkliche aber nicht störende Popcornnase, insgesamt eine gerade noch ausgewogene, klassische Moselschönheit, die für mich aufgrund der römischen Vergangenheit immer auch etwas dunkelhaarig-lockig-lockendes haben muss, eine schieferige Stinkigkeit zum Beispiel, oder Moschus oder irgendein verrucht bis obszön wirkendes Aroma.

9. Ansgar Clüsserath Kabinett 2014
Dem Richter nicht unähnlich, aber mit mehr Bizzel und Exotik, ohne in den Bionaden-/Limonaden-/Hipstergetränkabgrund abzurutschen.

10. Licht-Stadtfeld Brauneberger Juffer Spätlese 2013
Trotz seiner geringen Säure ein gelungener Moselriesling. Pausbackig und rund, süffig, unaufgeblasen, für mich eine gänzlich neue Art, Brauneberger Juffer in die Flasche zu bringen.

11. Marlene Schander Neumagener Engelgrube Eiswein 2009
Nougat, Toffee, Rumkirschen. Winterliche, kühle Säure, sehr gelungener Wein aus ausgerechnet Neumagen, das ich praktisch nur von Uralflaschen kenne, die gezwungen sind, ein trauriges Ramschkstendasein zu fristen, weil von Omas Weinnachlass keiner mehr etwas richtig dolles erwartet. Ich aber kann sagen: was ich da bereits getrunken habe ist zwar überwiegend nicht aus dem Weinolymp entnommen, macht aber riesige Freude, wenn man sich ein wenig mit Altweinaromatik anfreunden kann. Umso schöner, wenn es von Marlene Schander jetzt auch Neumagen in jung und spitzenmäßig zu trinken gibt.

Wein-Glossar



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