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Champagne von Norden nach Süden in nur einer Stunde

Partypeople! Dann und wann muss ich selbst mal ran und das champagnerapostolische Werk verrichten. Auf der Prowein findet sich dafür naturgemäß ein besonders empfangsbereites Publikum. Der Veranstaltungsdienstleister der Messe Düsseldorf, Promessa, hatte ein schönes Rahmenprogramm für die seit Jahren immer besser angenommene Champagnerlounge organisiert (http://www.champagne-lounge.fr/de/champagne-lounge-2016/rahmenprogamm), mir fiel wie im letzten Jahr die Rolle des Reiseleiters einer Verkostungstour von Norden nach Süden zu. Eine Stunde Zeit und Zugriff auf alle Weine der Aussteller in der Champagnerlounge, Herz, was willst du mehr?

Apollonis Authentic Meunier Les Classiques Brut, 9 g/l, hieß früher Authentic Blanc de Meuniers und noch vorher Réserve Blanc de Noirs, nach der ca. dritten Etikettenänderung in den letzten fünf Jahren hat man sich nun zur völligen Umbenamsung einschließlich des Weinguts selbst entschieden. Michel Loriot heißt jetzt Apollonis und sein Meunier ist weiterhin so etwas wie die Eintrittskarte in die Welt dieser Rebsorte, somit auch ein passender Einstieg in die Probe.

Xavier Leconte Meunier Parcellaire La Croisette (Ex Vent d’Anges) 2007, 3,6 g/l, Vinifikation im alten Fass. Vater Xavier, der ein wenig aussieht wie Dieter (bzw. Max) Moor vom Fernsehmagazin titel, thesen, temperamente, der wiederum ein Buch geschrieben hat, das in die Champagne passen könnte: „Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht. Geschichten aus der arschlochfreien Zone“, hat die Weingutsleitung auf seinen deutlich kommunikativeren Sohn übertragen. Der hat die vom Vater erdachte Rebsortenlinie Les Vents d’Anges konsequent weiterentwickelt, die Profile schärfer herausgearbeitet, die Etikettengestaltung modernisiert und mit dem Croisette 2007 einen Champagner geschaffen, der einen durch die – in diesem Fall in Troissy, gelegene – geschmackvoll eingerichtete Eingangshalle des Meunierhabitats führt.

Collard-Picard Dom. Picard Blanc de Blancs Grand Cru, die Familie ist in Epernay zu Hause, aber an zwei Standorten beheimatet. Der Meunierteil kommt aus der Vallée de la Marne, rund um Villers-sous-Chatillon, der Chardonnay aus Le Mesnil. BSA gibts hier nicht, vinifiziert wird halb im Foudre, halb im Stahl, die Dosage von 10 g/l merkt man da nicht; Reifung findet hier noch unter Naturkork statt. Dieser Champagner ist ein reiner Jahrgang 2012, ohne dass das auf dem Etikett groß auftaucht. Reif und stark, etwas angepilzt, braucht ein ungewöhnlich grosses Glas und ist der erste Schritt in Richtung Süden.

de Venoge Cordon Bleu Brut, Basis 2011, 7,8 g/l Dosage, Saft nur aus erster Pressung (wie fast allerorten betont wird) 50PN 25PN/25M; Kokos, Toast, 20% Pinot aus Les Riceys, außerdem noch etwas aus Villers Allerand und der übrigen Montagne de Reims. Dieser Champagner ist ein echter Gebietsquerschnitt und einer der wenigen, die sich nicht nur ungewohnt klar, sondern mit Stolz zu ihrem hohen Traubenanteil aus der Aube bekennen. Was bei der Herkunft aus Les Riceys aber auch nicht verwundert. Sehr fein ist das, was von dort kommt allemal, im fertigen Champagner oft verantwortlich für malzige und leicht kräuterig-röstige Noten. Der Pinotteil aus Villers Allerand ist auch kein Zufall, sondern eine kleine Verbeugung in Richtung des Präsidenten des Hauses, der dort wohnt.

Malard Blanc de Blancs Grand Cru habe ich deshalb in die Probenfolge eingebaut, weil Natacha Malard eine bildhübsche Ex-Volleyballerin und Model, bzw. der Erzeuger einen schönen Querschnitt durch die Grand Crus der Côte des Blancs vinifiziert hat, und das mit Blickwinkel aus Ay, was ich immer besonders interessant finde, selbst wenn Champagne Malard nicht zu den alteingesessenen Erzeugern gehört, sondern vom Champenois und Quereinsteiger Jean-Louis erst 1996 gegründet wurde (der mittlerweile von seinen Söhnen unterstützt wird). Gerade das erlaubt einen unverstellten Blick auf traditionelle Crus, was hier zu einer noch nicht besonders eigenständigen, aber frischen, nicht zu säurelastigen Cuvée mit stattlichem Reserveweinanteil führt.

Le Brun de Neuville Blanc de Blancs Lady de N., aus dem Sézannais, Bethon, um genau zu sein. Le Brun de Neuville ist eine Kooperative mit ca. 155 ha Rebbesitz im Sézannais, ein unterschätztes und wenig bekanntes Gebiet, gleich dem Vitryat (und wie dieses erst in den 1960ern wieder planvoll aufgerüstet). Die Lady de N. ist mit 10g/l hoch dosiert, obwohl ihre freundliche, blumige Art das gar nicht benötigt. Hier wie bei Collard-Picard befasst man sich mit der Lagerung unter Naturkork. Die Lady de N. Chardonnay ist nussig, blumig und leicht minzig, was ihn zum interessanten Vertreter in einer Gebietsprobe macht.

Michel Mailliard Rosé (Assemblage), 90CH 10PN kein BSA, 7 g/l, mit diesem Erzeuger hatte mich mal Claus Niebuhr vertraut gemacht, der Rosé ist ein schönes Beispiel für die – im positiven Sinne – Doppelgesichtigkeit von Vertus, einmal als Rotwein, eimal als Weissweinort. Den Pinot aus Vertus schätzte man früher dem Vernehmen nach sogar höher ein, als die Chardonnays, heute ist es eher umgekehrt. Der Rosé ist einer der wenigen Rosés mit weißer Seele, zuden herausragendsten vertretern gehört sicher der von Ruinart, aber auch der Mailliard zeigt das Prinzip als Assemblagerosé bestens. Das Wort von Michel Drappier, Assemblagerosé sei immer wie eine Blattvergoldung, wohingegen Saignéemethode Massivgold bedeute, wollte mir dabei nicht aus dem Sinn.

de Barfontarc Rosé de Saignée bestätigte den Wahrheitsgehalt der kleinen Weisheit von Michel Drappier, der nur wenige Kilometer weiter südwestlich residiert. Die 2012er Ernte blieb nur kurz auf der Presse stehen, der Champagner wurde mit 4,5 g/l dosiert. Der Ausdruck ist deshalb bestätigend massiv und betrachtet man die beiden Rosés nebeneinander, wird man nicht ernsthaft den einen oder den anderen nur aufgrund seiner Herstellungsweise besser oder schlechter finden können.

Wein-Glossar



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