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Grande Vallée de la Marne mit Sascha Speicher

Kaum mit der einen Prowein-Veranstaltung fertig (meiner eigenen), hieß es hurtig weiter, zur traditionellen Meiningerprobe von Sascha Speicher. Der hatte sich das Marnetal vorgeknöpft.

Deutz Rosé (Assemblage) Brut, 90PN 10CH, Rotwein aus Mareuil-sur-Ay (Beinahe-Grand Cru mit 99% auch der échelle des crus), wo Deutz über 15 ha Rebfläche verfügt. Wohl nicht ganz zu Unrecht habe ich den Deutz Rosé letzthin gleich mehrfach Sommeliers ans Herz gelegt, die noch auf der Suche nach einem passenden Champagner für ihre Karte oder das Mitarbeiterdeputat waren. Der geringe aber wirkmächtige Anteil an Rotwein ist der Schlüssel zu diesem Champagner. Die Kunst des Assemblagerosé ist es ja, einen massgeschneiderten Stillwein anzufertigen, in den die Cuvée hineinschlüpft und der sich wie ein Marvel-Superheldenanzug dem Körper angleicht. Das klappt hier vorzüglich, wobei der Körper eher etwas von Catwoman hat, als von She-Hulk.

Bollinger Rosé (Assemblage) Brut, 50CH 40PN 10M, Tirage 2012, war fetter und holziger als der Deutz, also mehr She-Hulk (im Zivilleben Anwältin) oder Ben „The Thing“ Grimm (eigentlich der melancholischste aller Marvel-Superhelden).

Lallier R.012 Brut ist nach langer Zeit der erste Schritt aus einer gewissen Etikettenerstarrung des dritten aus Ay stammenden Hauses in dieser Probenfolge. Nach wie vor fehlt bei Lallier so etwas wie eine echte Spitzencuvée in der Dom Pérignon Klasse. Dafür ist das Basissegment jetzt neu aufgestellt mit einer Namensgebung, die Transparenz ganz gross schreibt. Ich hoffe nur, dass das nicht wie mit der Mis en Cave Geschichte bei Charles Heidsieck bloss Quell von Missverständnissen ist. Jedenfalls steht das „R.“ für Récolte, als Erntejahr. Hier: 2012, deshalb 012. 38CH 62PN sind ein guter Mix, dosiert wurde mit räsonablen 8 g/l, dégorgiert wurde im Februar 2015. Der Stil ist leicht, schlank, elegant und weniger röstig-rauchig als früher. So kann Lallier gern weitermachen.

Billecart-Salmon 2006 Extra Brut, überwiegend Pinot aus Mareuil, dosagelos. Nicht ganz einfach und überhaupt nicht mehr so clean, smart und easydrinking, wie man das von Billecart kennt. Phenolisch, nussig, erdig, ledrig. Viel Trüffel im Essen dazu wird helfen.

Geoffroy Empreinte Premier Cru 2009, ein Pendler zwischen Cumières und Ay, der sich nun für Ay entschieden hat und sich dort den örtlichen Gepflogenheiten anglich, bzw. nicht ganz: seine Reserven liegen zwar wie bei Bollinger auch unter leichtem Überdruck, aber bei Bolly sind es 1,5 bar, bei Geoffroy ca. 3 bar, also im Grunde sofort trinkfertig (wie gut das dann nach zig Jahren noch schmecken kann, wissen wir, seit der berühmte Pol-Roger Reservewein aus Grauves 1928 von Juhlin 100 Punkte bekam). 75PN 20CH 5PM, mit 6 g/l dosiert, dég. Oktober 2015, Vinifikation im großen Holz und der Preis ab Hof war schon beim 2008er so lachhaft, dass man ihn besser gar nicht erst verrät. Beim 2008er gefiel mir die Weltklassesäure besser als beim 2009er, aber der 2009er bringt etwas mehr G’schmackigkeit und Würze mit.

Georges Laval Cumières Premier Cru Brut Nature, Erntejahr 2012, dég. April 2015, ist jedes Mal wenn man ihn trinkt nicht nur ein Mordsvergnügen, sondern so wie er in den Rachen hineinfährt weingewordener Triumphzug.

Dom Pérignon 2006, hach, Dom Pérignon. In den letzten Monaten seit seiner Marktfreigabe habe ich ihn einige Male probiert und jedes Mal war er anders. Deshalb probiere ich die mir zugesandten Musterflaschen dieser Art meist nicht sofort, sondern lege sie für mindestens sechs Monate weg und besorge mir ganz gewöhnliche Flaschen über den Handel, um hin und wieder mal reinzuspitzen. Ich muss schließlich nicht der erste sein, der über einen neuen Jahrgang lospalavert, dafür möchte ich lieber ein belastbares und zutreffendes Urteil gefällt haben. Beim Dom Pérignon 2006 bin ich bis heute noch nicht sicher, da ist so viel drin, Smen (nicht: Smegma; sondern die alte marokkanische Butter), Avocadotoast, Eukalyptus, Mandel, Bitterorange zum schwelgen, lagern und jetzttrinken gleichermaßen gut.

R. Pouillon & Fils Blanc de Blancs Les Valnons Ay Grand Cru Extra Brut 2008 war nochmal eine tiefe verneigung vor diesem ehrwürdigen Cru. Intensiv, kraftvoll, schreitend, würdig, lang, anspruchsvoll und so aromenreich wie alter Armagnac, nur ohne den Sprit.

Henri Giraud MV09 Ay Grand Cru Brut, so wie Bollinger mehr Fett, Wucht, Saft und Kraft in seinen Champagner gelegt hat als vorhin zur Eröffnung der Deutz, so hat Giraud in den MV09 einen noch irreren Ansaugdruck erzeugt, als Pouillon. BMW 335i gegen Shelby GT500 (von heute, nicht von früher).

Philipponnat Mareuil-sur-Ay 2006 Extra Brut, 100PN aus fünf verschiedenen Parzellen (Valofroy, Les Côtes, Montin, Carrière d’Athis und Croix Blanche), halb im Tank mit BSA, halb im Holzfass ohne BSA vergoren und mit 4,5 g/l dosiert. Für mich charakterlich sehr nah am Kameraden aus der Rue Carnot. Fand ich schwierig und im Moment nicht im Reinen mit sich selbst. Von Nuss geprägt, leicht verräuchert und sonst sehr verschlossen. Braucht noch viel Zeit.

Roederer Brut Nature Ed. Starck 2006, 66PN 33CH, dég. April 2015, war eine geradezu gewagte Kreation von Roederer, die sich damit schon früh als wache Beobachter der brodelnden Winzerszene zu erkennen gegeben haben, bzw. vielleicht auch das Dosagethema damals ganz von sich aus aufgegriffen haben, um es dann nach langen Jahren mit einer passenden Habillage zu versehen, was ziemlich gut gelungen ist, wie ich schon länger meine. Vor allem der früher irritierende Scotchton ist mittlerweile gewichen, die im Untergrund rasende Säure steht kurz vor ihrer Freilassung, wie es scheint. Was dann kommt, ist nochmal aufregender und als Zwischenfazit muss ich einmal mehr sagen, gehört Roederer zu den großen Häusern, die praktisch alles richtigmachen.

Wein-Glossar



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