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Es lächelt der Rheinturm, er ladet zum Trunk: Champagnerstelldichein in Düsseldorf

Proweinsonntagabends im Rheinturm treffen sich dank einer Initiative der unermüdlichen Nicola Neumann jetzt schon im dritten Jahr die Grand Crus der Champagner-Winzerszene und der deutschen Weinpublizistik. Damit ist der Rheinturm heimlicher Hotspot des Proweinsonntags, wie der See zu Beginn von Schillers Wilhelm Tell lächelt er und ladet zum Trunk.

Leclapart Artiste (2007), ich dachte ja allen Ernstes, ich hätte mehr oder weniger alle Leclaparts seit 2004 bereits ein- oder mehrfach getrunken. Vermessen genug. Den 2007er Artiste habe ich dann auch wirklich in keiner meiner Notizen entdecken können und war überaus happy, ihn nun von Alexander Steinmüller direkt eingeschenkt zu bekommen. Mächtiger Champagner, kann ich nur sagen. Und ein erfülltes Reifeversprechen, das sehr viel Skepsis ausgelöscht und weggespült hat.

Hugues Godmé Brut Nature (50M 30CH 20PN) und Hugues Godmé Fins Bois (60PN 40CH) sind so etwas wie das Gegenstück von der anderen Seite des Hügels zu den Champagnern von Eric Rodez. Vinifikation ohne BSA erfolgt im Stahl, ein zunehmender Anteil wandert danach ins Holz. Bekannt ist Godmé vor allem noch unter dem Namen Godmé Père et Fils (seit 2013 biozertifiziert), die Kinderlein zankten sich aber und im August 2015 wurde die Trennung der aus dem elterlichen Weingut hervorgegangenen Güter von Sabine und Hugues vollzogen. Hugues macht unverdrossen starke Champagner, die in Deutschland viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Die Vorzüge der nördlichen Montagne (Drahtigkeit, Eleganz, Spannkraft und Reintönigkeit) lässt er allegro moderato vortanzen wie das Moskauer Staatsballett die vier kleinen Schwäne in Schwanensee.

Alexandre Salmon Rosé de Saignée 2012 kommt in schwarzmattierter Flasche und wie mit Goldedding handbeschrieben auf den Markt. Nils Lackner (Ex-Sansibar, Sylt), dem ich den Genuss dieser Flasche verdanke, nahm mich schon bei anderer Gelegenheit sehr für die Produkte seines Dienstgebers ein, bis heute kann ich mich nicht entscheiden, ob ich dem „A.S.“ oder dem Special Club von Salmon den Vorzug gebe. Jetzt tritt mit dem Rosé noch ein weiteres Luxusproblem hinzu, ein Champagner ohne Allüren, dafür mit viel Dickschädel, genau das also, was ich mir bei Roséchampagner, der nur zu oft zum Partysprudel degradiert wird, wünsche. Herb, kräftig, kräuterig, mit Cassis und Wacholder.

Eric Rodez stellte seine beiden Parcellaires vor, Les Genettes Pinot Noir Ambonnay Grand Cru 2010 und Les Beurys Pinot Noir Ambonnay Grand Cru 2010. Kaum zu glauben, dass Rodez, dem wir Cuvéekunststücke wie die Cuvée des Grands Vintages zu verdanken haben, sich auf so etwas einlässt. Andererseits: jemand, der den Wein sich entwickeln lässt, sich als Person im Vinifikationsprozess (kleines Fass, kein BSA, meieutische Dosage von 3 g/l) zurückzunehmen versucht, der sollte doch auch einen Parcellaire aus einer Rebsorte und einem Jahrgang hinbekommen. Und genau so ist es. Beide Parcellaires, zugegeben, so etwas wie eine Mode in der Champagne, sind überragend. Les Genettes ist voluminöser, speckiger, saftiger, ganz aus dem Herzen Ambonnays, Les Beurys ist drahtiger, etwas athletischer, feiner. Den Empreinte Pinot Noir 1999, eine freundliche Dreingabe von Eric Rodez selbst, gab es später noch in der frisch renovierten und wiedereröffneten Trattoria Zollhof. Zu meiner späten Fischsuppe und zu den Trüffeltortiglioni war das exquisit. Über diesen hedonistischen Champagner kann ich mich aber auch so, zu jeder Tageszeit und auch ohne Essen gar nicht richtig einkriegen. Der ganze Saft, die ganze Säure, das kunstvolle Changieren, das kreiselnd Schöne, so lässt sichs aushalten.

J.-M. Sélèque Partition 2010, von dem konnte ich gar nicht genug bekommen und hätte am liebsten die anderen Standbesucher gar nicht erst herangelassen. Nach der Solessence als Auftakt ins Programm des jungen Talents ist die Partition so etwas wie der Knixwear Evolution Bra unter den Champagnern, wenn man so will.

Janisson-Baradon Toulette 2008 mit neuem Schwung und neuer Frische, mit der provokanten Note des Chardonnay Muscaté, mit dem Extra an Säure, die in Deutschland nicht erhältliche Red Bull Edition Citron Vert hat sich garantiert an diesem Champagner orientiert und inspiriert.

Ein anderer Liebling ist Dosnon, dessen Récolte Noire so zuverlässig ihre Bahnen zieht, wie der bei Biodynamikern und anderen Somnambulen so beliebte Mond. Alles andere als flüchtig und vergänglich ist der Ephémère, ein hundertprozentiger Meunier. Von der Aube. Das Wort vom sparkling Puligny verließ schnell meine Lippen und dabei ist es doch so falsch (eigentlich wäre wahrscheinlich Chassagne-Montrachet oder zumindest Saint Aubin richtiger, angesichts der roten Rebsorte) und doch wiederum fühlt es sich richtig an (weil weiss gekeltert). Davy Dosnons Rosé ist so aromatisch wie die Früchtegels, die man manchmal aus den guten Küchen z.B. vom Falco in Leipzig, Haerlin oder The Table in Hamburg bekommt und hat bei mir einen ähnlichen Beliebtheitsgrad.

Wein-Glossar



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