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In it to win it

Angenommen, ich sollte einige Champagner für einen größeren Champagnerwettbewerb nominieren – welche würde ich wohl nehmen? So einen verrückten Complantationschampagner, am besten noch mit paar Altrebsorten drin, ohne störende Dosage (von Benoit Lahaye zum Beispiel oder von Agrapart oder von Geoffroy oder von Laherte (IWC (nicht aus Schaffhausen) resp. Stephen Tanzer schätzt ja seinen Les 7 sehr))? Oder lieber was von der Aube, so eine richtig unverschämte Pinotbombe (von Dominique Moreau oder Ruppert-Leroy)? Oder Amphorenchampagner (von Tarlant oder Vouette & Sorbée)? Wohl kaum. Das ist, salopp gesagt, Perlage vor die Säue, bzw. in etwa so sinnvoll, wie ein minutiös gefertigtes Manufakturkaliber aus Schaffhausen (wo man gerade erst 75 Jahre Portugieser abgefeiert hat) zur Information der Fahrgäste im Bahnhof aufzuhängen. Bahnhofsuhr, deren Wirkmächtigkeit man nicht unterschätzen sollte, deshalb da, wo Bahnhofsuhr gefragt ist und acting like big daddy da, wo man etwas damit anfangen kann oder nachdrücklich wünscht. Würde ich nun Champagner empfehlen müssen, die sich einer breiten Leser- und Trinkerschaft gefällig zu zeigen haben, ich nähme diese hier.

Grande Cuvee Moutard 100PN aus dem Stahltank, keine Malo, dafür 10 g/l Dosage nach 36 Monaten Flaschenaufenthalt; 30% Reservewein. Die Dosage klingt erstmal abschreckend, aber der BSA-Verzicht reißt es mehr als raus, wobei diese beiden Faktoren nicht alleinbestimmend sind. Mir gefiel das winzerige, kraftvolle Aroma überaus gut, volle Nuss, viel Brioche, Malz, röstige Brotrinde, einer der besten Moutards überhaupt und ein aufrüttelnder Alarmruf für alle, die sich am liebsten immer nur den allerhippsten und angesagtesten Winzern an den Hals werfen. Kann übrigens locker auch noch was liegen bleiben.

Heidsieck Monopole Blue Top, 70PN 20CH 10M, ist gleich die nächste erschütternde Erfahrung, wenn man bisschen Glück mit der Flasche hat. Zwar merklich viel süßer als der Moutard, aber ein kraftvoller, unverfetteter Champagner, der immerhin eine gewisse Süßetradition von Haus aus mitbringt und zu wahren hat. Das gelingt prächtiger denn je, zum bekanntermaßen lachhaften Supermarktpreis.

Alfred Gratien Brut ist wie alles aus dem Hause Alfred Gratien so durchzugsstark, zuverlässig und dabei günstig, dass man sich seines antrainierten Snobismus beinahe schämen muss. Bei Alfred Gratien gefällt mir wie beim Moutard die Säure immer wieder aufs Neue, die Komplexität verdankt sich hier außerdem einem zurückhaltenden Holzeinfluss, dem das kleine Haus seine Sonderstellung (zwischen allen Stühlen: deutsche Eigentümeschaft, für Winzer zu groß, für Haus zu klein, auch nicht in Familienhand, dafür mit uralter Kellermeisterdynastie) unter den Erzeugern in der Champagne verdankt. Wer sich ein besonders preisgünstiges und richtiggehend vorbildliches Champagnervergnügen ist der 2000er Vintage.

Michel Vignon Père & Fils Grand Cru Les Marquises 2008, im annus mirabilis 2012 habe ich mit mehreren Champagnern erstmals Bekanntschaft geschlossen, unter anderem gehörte damals der Champagner von Frederic Savart dazu, der es mittlerweile zu höchsten Würden gebracht hat, aber auch die etwas langsamer aufsteigenden Champagner von Lelarge-Pugeot (von deren Wirken ich mich in diesem Frühjahr noch einmal überzeugt habe) und mit dem Champagner aus dem kleinen Hause Vignon habe ich mich da vertraut gemacht und gefunden, dass das noch einiges ginge, buzw. möglich sei, bzw. in Wahrheit war ich wohl eher etwas unschlüssig. Mittlerweile weiß ich, dass der Les Marquises 2008 ein kleines Meisterwerk geworden ist, das zu kaufen sich unbedingt lohnt.

De Telmont Blanc de Blancs Grand Couronnement 2002 ist ein Champagner, mit dem man in einer Runde fortgeschrittener Champagnertrinker eher Kopfschütteln und bedrückte Mienen provozieren wird. Dabei ist er gerade für Champagnertrinker, die just vom Stillwein herkommen, sagen wir z.B. (weil ich es von der gerade erst verklungenen Weinlounge bei ihm noch sehr präsent habe) von Matthias Knebels Brückstück #Bückstück wie gemacht, um zustimmendes Kopfnicken und entrückte Mienen heraufzubeschwören. Sicher: er mag für Dosagenudisten hoch dosiert wirken. Nur darf man sich nicht immer nur auf technische Werte, vor allem nicht auf einzelne kaprizieren. Dann entgeht einem nämlich sowas hier und das wäre ein echtes Manko in der eigenen Trinkbiographie.

Fazit:
Mit keinem der oben genannten Champagner wird man Champagnernarren hinterm Ofen vorlocken. In der Blindprobe ist aber jeder von ihnen ein Siegertyp.

Wein-Glossar



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