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Pi, Pa, Po: Piper-Hiedsieck Rare 2002, Bruno Paillard N.P.U. 2003 und 2 x Pommery Louise 2004

Eigentlich ist es ein Unding, diese drei Erzeuger mit ihren jeweiligen Champagnern in einem Atemzug oder Beitrag zu nennen. Jeder davon wäre einen eigenen Beitrag und eine eigene Würdigung wert. Könnte man meinen. Nur wenn man die Dinge so sieht, darf man überhaupt nie über mehrere tolle Sachen zugleich berichten, solch eine Sicht wäre also grundlegend falsch. Weil ich zu denen gehöre, die nur im Sinne der Straßenverkehrsordnung gern mal was falsch machen, hier eine kurze Einschätzung von mir sehr geschätzter Champagner.

Piper-Heidsieck Rare 2002, mittlerweile ein alter, von mir ehrlich gesagt nie wirklich geliebter Bekannter, ich fand die regulären Jahrgänge von Piper-Heidsieck in den letzten Jahren meist schöner (zuletzt den 2006er). Das Fine Champagne Magazine setzte den Rare 2002 nach einer Reihe ungewöhnlicher Entscheidungen als eine für mich nochmals weniger nachvollziehbare Kür an Nummer 1 der 100 Best Champagnes for 2011, Dirk Würtz stapelte neulich mit 94 Punkten etwas tiefer und attestierte vor allem Balance. Dem kann ich mich mittlerweile anschließen, bei den Punkten bin ich bekanntlich sowieso geiziger als die meisten Berufsbepunkter. Warum ich den Rare aber an dieser Stelle und Umgebung erwähne? Weil er zu den Champagnern mit der heftigsten, erstaunlichsten, dabei nachvollziehbarsten und positivsten Entwicklung der letzten Jahre gehört. Wie in Zeitlupe kann man seit 2011 dem Abschmelzen der Fettmassen zusehen, das zuckersüße, auf weltweiten Zuspruch getrimmte Äußere weicht Stück für Stück einer abgeklärten, in sich ruhenden Schönheit und Größe, die Meckerer wie ich vor drei oder vier Jahren höchstens als Lippenbekenntnis prognostiziert hätten, ohne wirklich selbst dran zu glauben.

Bruno Paillard N.P.U. 2003 ist nach 1990, 1995, 1996 und 1999 das jüngste Baby der Reihe von Superchampagnern aus dem Hause Bruno Paillard, obwohl das nicht ganz richtig ist: 2000 und 2002 warten schon, bzw. noch auf ihre Freigabe. Bei 2000 ist es immerhin denkbar, dass die Entscheidung ähnlich ausfällt, wie bei Krugs Clos du Mesnil 1999, der ja kurz vor Freigabe doch noch abgesa(e)gt wurde. Zurück zu Bruno Paillards NPU. Hier ist es fast schon nicht mehr erstaunlich, dass die besonders herausfordernden Jahre in der Genealogie überwiegen: 1990, 1996, in Klammern 2000 und jetzt das Problemjahr 2003 (davon gibt es nur etwas mehr als 4000 Flaschen, nach sonst immer so um die elftausend). 50PN 50CH aus Oger, Chouilly, Verzenay und Mailly, vergoren und ausgebaut in kleinen Eichenfässern, dosiert mit 3g/l. Seit Oktober 2015 auf dem Markt und daher für eine zutreffende Einschätzung jetzt noch gar nicht geeignet. Aber neugierig ist man ja doch immer und lässt sich gern verblüffen. Am verblüffendsten beim NPU 2003 ist das Fehlen jeder Fettleibigkeit oder Schwere, hochgradig beweglich und geländegängig, passend zum Bohnensalat aus warmen Bohnen, Hummerfleisch, Foie Gras und Trüffeln, mit etwas Reimser Essig und Aceto Balsamico, Salz, Pfeffer abgeschmeckt.

Louise Pommery 2004 Brut (5 g/l) und brut Nature (1 g/l), könnten auf den ersten Schluck unterschiedlicher kaum sein, dabei trennt sie nur ein wenig Zucker. Die so schon leichtbekleidete Louise gänzlich nackend als Brut Nature herauszubringen grenzt an eine Ungeheuerlichkeit, ist aber nur konsequent, was ja fast auch schon wieder gleichbedeutend ist. Pommery als Erfinder des Brut-Stils in einer Zeit, als weit über 100 Gramm/Liter Dosagezucker angesagt waren, ist natürlich von Hause aus legitimiert, eine Prestigecuvée mit nur einem Gram Dosagezucker herauszugeben, beinahe möchte man sagen: verpflichtet. So ist die Brut Nature Version der 2004er Louise eine Art Blaupause, als hätte Elon Musk die Tesla-Patente öffentlich zugänglich gemacht. Einen so genauen Blick auf das Innere der Cuvée konnte man noch bei keinem Champagner dieser Klasse werfen. Die Louise Brut Nature wirkt deshalb erstmal verstörend. Nicht jeder, der sich für Frauen interessiert, kann sich schließlich ebensosehr für ihr Innenleben begeistern. Aber wenn man sich gewöhnt und von unpassenden Assoziationen befreit hat, geht’s ganz gut. Vor allem in der Gastronomie müssten jetzt sehr viele Sommeliers vor Erleichterung in die Knie gehen wie Kühe, deren übervolle Euter abends endlich von kundigen Sennerinnenhänden abgemolken werden. Weil: wenn ich mir vorstelle, dass ich mir von einer Weinkarte künftig nicht nur reife Louise kommen lassen, sondern auch die aktuelle und die in Brut Nature zum Essen servieren lassen kann, z.B. die Kamtschatkakrabbe mit Safran aus dem Kronenschlösschen also in ein flüssiges Habitat Eingang fände, das besser als ihr natürliches ist, oder die unglaublichen Kingcrabs von Jean Porno im Pure White Food oder die Seezunge mit Mandarine von Thomas Bühner, dann werde ich schon beim Schreiben wieder ganz wuschig.

Wein-Glossar



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