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Monthly Archives: April 2011

Kontrollbesuch bei Laurent-Perrier




Bei Laurent-Perrier geht man ganz eigene Wege. Laurent-Perrier ist als großes Haus eine etablierte Marke, in deren Portfolio keine Umwälzungen stattfinden, von der letzthin dazugekommenen Spitzencuvée Alexandra Rosé abgesehen. Das, was andere als Trend eifrig aufgreifen, wird hier seit Jahrzehnten praktiziert: der Ultra Brut als dosageloser Champagner war zur Zeit seiner Kreation ein gewagter Schritt, heute ist er seit Jahrzehnten ein treuer Begleiter. Der Rosé des Hauses gilt zusammen mit den Rosés von Billecart-Salmon und Ruinart als benchmark im jahrgangslosen Rosébereich, ob sich demnächst auch der jahrgangslose Rosé von Bollinger dieser den Top-Rosé-Markt beherrschenden Trias hinzugesellen wird, bleibt abzuwarten.

Sehr eigenwillig ist die aus Sicht des aufgeklärten Konsumenten geradezu bevormundende Produkt- und Informationspolitik des Hauses, bzw. von Kellermeister Michel Fauconnet, hinsichtlich des andererseits beinahe schon wieder schlüpfrig schönen Grand Siècle Multi Vintage. Welche Vintages nämlich das Multi gerade ausmachen, weiß man nie oder kann es bestenfalls ahnen.

Einen hilfreichen Trick verrate ich an dieser Stelle: das Dégorgierdatum der Champagner von Laurent-Perrier kann man am Korken ablesen. Der führende Buchstabe gibt das Quartal an, in dem dégorgiert wurde, die beiden Ziffern dahinter ergeben, wenn man ihre Reihenfolge umdreht, einen Hinweis auf das Jahr. "D01" steht also für das vierte Quartal 2010.

Um meine kontinuierlich hohe Wertschätzung mit guten Gründen aufrecht erhalten zu können, habe ich dem Haus einen Kontrollbesuch abgestattet. Die freundliche Anne-Laure Domenichini nahm mich mit auf die Reise über das reichlich große und tiptop gepflegte, herrschaftliche Anwesen von Laurent-Perrier im, was viele gar nicht wissen, Grand Cru Örtchen Tours-sur-Marne. Tradition und Moderne stehen hier so dicht beieinander, wie kaum anderswo in der Champagne, demonstrativ künden die ausrangierten Holzfässer im Eingangsbereich zu den Kellern vom angestrebten, reduktiven Stil des Hauses, zu dem auch die beiden Jagdhunde Salon und Delamotte, der alte Kahn aus Mitgift de Castellane und Château Malakoff mit den Marken Malakoff, Jeanmaire und Oudinot gehören.

Nach langem und anregendem Gespräch gab es am Ende der Wanderung im Verkostungsraum – mit Marmorspuckbecken in den Ecken der Fensterfront – eine kleine Fortsetzung des Rundlaufs durch das Programm von Laurent-Perrier, zu dem sich auf ein Gläschen Grand Siècle ganz leutselig Exportchef Arnaud Longuent gesellte, worüber ich mich sehr gefreut habe.

1. Ultra Brut

55CH 45PN aus reifen Jahren, wie man bei Laurent-Perrier sagt; aktuell ist es der 2003er, der als Basis dient, daher wohl auch die immerhin 1,3 g/l Restzucker.

Reduktiv, keinerlei Luftton, etwas brotig oder doch eher phenolisch-klinisch, was den Austernschalenduft und das Zitronige fördert. Mit Luft hatte ich den Eindruck von Menthol, insgesamt ein Champagner mit dem, was ich bei den jüngeren Dom Pérignons die japanischen, also minimalistischen, dunklen, linearen, wohlgeordneten Aromen aus dem blauen und grauen Farbspektrum nenne, der sich darauf freut, fette und knusprige Speisen zu begleiten, bzw. ihnen zu begegnen. Tempura, Sashimi, Algen, Jod, aber auch fritierter Grana Padano drängen sich da auf. Sein großes Erweckungserlebnis hatte dieser Champagner naheligenderweise, als Anfang der Achtziger die Nouvelle Cuisine mit ihrer europäischen Facon eines minimalistischen Stils Land gewann.

2. Brut NV

50CH 35PN 15PM, wobei der Chardonnayanteil in den letzten Jahren ausgebaut wurde, der Reservewein mach gut 20% aus; früher lag der Chardonnayanteil bei ca. 45%, während Pinot Noir mit 30% und Pinot Meunier 25% vertreten waren. Dosiert wird mit 12 g/l, was ganz schön happig ist. Das macht ihn rund und weich, Spuren von agrûmes und rotem Apfel verteilen sich, verlieren sich aber noch nicht in der hefezopfigen Umgebung. Exzellent beispielsweise zum schlichten Pfifferlingtopf mit Olivenöl, Butter, Pfeffer und Salz.

3. Vintage 2002, dég. IV/2010

50CH aus den Grand Crus der Côtes des Blancs (Chouilly, Avize, Cramant, Oger und Le Mesnil), 50PN aus den Grand Crus der Montagne de Reims (Ay, Ambonnay, Bouzy, Mailly, Verzy und Verzennay), dosiert mit 8 g/l. Weiche Anlagen, die von Akzenten aus dem Bereich der Zitronenmelisse, Verbene, Bergamotte aufgefrischt werden. Kräutersträusschen und Akazienhonig, sonst vom Typ wieder einer der Champagner, die eher das Meer als das Land verkörpern.

4. Grand Siècle MV

55CH 45PN, ausschließlich Grand Crus aus den Jahren 1999, 1997, 1996. Pinot Noir aus Ambonnay, Bouzy, Mailly; Chardonnay aus Avize, Cramant und Le Mesnil.

Seit dem 1959er Jungfernjahrgang ist diese Cuvée nicht mehr aus den vorderen Rängen großer Vergleichsverkostungen wegzudenken. Meist zu recht. Wenn man nur immer wüsste, um welche Jahrgangszusammenstellungen es sich dabei handelt, wäre allen mehr geholfen. So muss man sich drauf verlassen, dass der jeweilige Inhalt vom Kellermeister für würdig befunden wurde, die Reihe der Multi Vintages möglichst bruchlos zu verlängern. Der aktuelle Grand Siècle, bei Laurent-Perrier serviert aus der vom Goldschmied auf das Flaschenformat maßgefertigten Silberaiguière, ist samtig, renommiert mit einer pikanten Mischung aus weißem Trüffel, Mandelsulz und weißer Schokolade, was in jeder Hinsicht überaus deutliche Hinweise für die noble Herkunft des Champagners sind. Pitahaya gibt eine leichte Gerbstoffigkeit hinzu, schlanke Säure sorgt für Haltung.

5. Rosé NV

100PN, Mazerationsrosé.

Den gibt's seit 1968. Wahrscheinlich hat er schon immer so bestechend geduftet, sonst hätte er sich nicht eine so beherrschende Stellung im Markt erobern können. Wildkirsche, Walderdbeere, Himbeere, alles was man für eine gute Rote Grütze braucht, mit ein wenig Ananas und Ingwer verfeinert. Wirkt nur auf den ersten Blick fragil, kommt aber dank seiner kräftigen Struktur mit herausfordernden Aromen selbst von Rotschmierkäse gut zurecht.  


Heidsieck-sploitation

 

 

Piper-Heidsieck, Charles Heidsieck, Heidsieck Monopole, wer von denen macht eigentlich was, ist das was unter dem Namen Heidsieck verkauft wird nicht sowieso alles eins, taugen die Champagner überhaupt was, warum gibt es die in Deutschland fast nur im Supermarkt und wie heißen eigentlich die einzelnen Spitzencuvées? Fragen, die sich der champagnerinteressierte Verbraucher stellen könnte, denn das Namenswirrwarr ist groß und wird nicht dadurch besser, dass zwei Heidsiecks unter einem Dach vereinigt sind und gerade verkauft wurden.

Das alles ist für mich Grund genug, mich mit dem Kommunikationschef von Piper- und Charles Heidsieck, dem fabelhaften Christian Holthausen zu einem champagnerhaltigen Schwätzchen zu treffen – über die Einzelheiten des Verkaufs der beiden Häuser wurde ich gleichwohl gebeten, vorerst Stillschweigen zu bewahren. Wir trafen uns in Reims an diskreter Stelle, vor den verschwiegenen Mauern des Gästeanwesens von Charles Heidsieck und Christian ließ mir ohne Umschweife den Genuß seiner Gastfreundschaft zuteil werden. In dem hinter den Mauern liegenden Park befindet sich ein Kleinod des architektonischen Konstruktivismus, ein veritables Gästehaus aus dem Jahr 1921, das so, und ganz genau so, direkt von Piet Mondrian hätte erbaut werden können. Die Inneneinrichtung lässt jede USM Haller Möbelschau alt aussehen. Schwarzes und weißes Leder, schwarzer und weißer Lack, spiegelnde Flächen wohin man blickt und das einzige was nicht spiegelt, sind die hinter der Bar vom Boden bis zur Decke einzeln horizontal präsentierten Champagnerflaschen. Und sapristi, sehr beeindruckend auch der Speiseraum mit riesiger Glastafel und extravaganter Beleuchtung.

Wer nur das affröse Image der beiden in Deutschland nicht ganz ohne eigenes, etwas ungeschicktes Zutun als Supermarktchampagner verschrienen Häuser kennt, wird erstaunt sein, was sich unter dem Namensdach Heidsieck tatsächlich verbirgt, tummelt und herumquirlt. Den Anfang machten wir mit dem früher nur sehr unzureichend als Mis en Cave kommunizierten Brut Réserve. Dieser Champagner gehört zu den ersten Champagnern eines großen Hauses und ist bis heute einer von nur ganz wenigen, die ein Dégorgierdatum auf der rückwärtigen Halskrause tragen. So weit, so gut. Was abturnt, ist der arg supermarktige Barcode auf dem sonst ziemlich nackerten Rückenetikett. Dass es dort Entwicklungsbedarf gibt, weiß auch Christian. Leider steht er hausintern im Clinch mit den Marketingmenschen, die sich offenbar mit Händen und Füßen gegen eine weitere Öffnung der bis jetzt nur halbherzig transparenten Informationspolitik wehren.

1. Charles Heidsieck Brut Reserve, dég. 2009

Mis en cave 2006, Drittelmix mit 60% 2005er Basisweinen, der Rest sind zwischen fünf und acht Jahre alte Reserveweine, dosiert mit ca. 10,5 g/l

Krachender Toast, goldener Honig über einem Hauch von Butter und reichlich reifer Apfel. Für mich eine der wirklich zuverlässigen Basiscuvées, vom Stil her völlig anders als die Bollinger-Zugmaschine unter den zuverlässigen Standards, doch würde ich nicht sagen, der Brut Réserve sei generell unterlegen. Der Stil ist zweifellos von der leichteren Stilistik der Drittelmixe geprägt und nicht so entschieden weinig, auch was Holzeinsatz und Dosage betrifft, liegen die beiden nicht gerade beieinander. Freunde hat der Brut Réserve jedoch bei den Anhängern eines behenden, auf Anhieb vollmundigen und schmatzigen Pinotstils, der von freundlichem Meuniereinfluss aufgelockert wird, ohne dadurch profaniert zu werden.

Sodann machten wir uns an den in Deutschland schon selteneren Jahrgang, wohlgemerkt, ein 2000er.

2. Charles Heidsieck Brut Vintage 2000, dég. Dezember 2009

55CH 45PN, dosiert mit ca. 10 g/l

Manchmal enthielt der von Daniel Thibault kreierte Jahrgang einen kleinen Meunieranteil, was ich sehr sympathisch finde. Seit er im Jahr 2002 verstorben ist, ist es Regis Camus, der in den Kellern von Piper- und Charles Heidsieck das Sagen hat; ob er die Meunierkontinuität wahren wird? Abwarten. Am 2000er Vintage fiel mir unterdessen auf, dass der Chardonnayanteil überwiegt, während es früher der Pinotanteil war. Der 2000er Charles Heidsieck ist somit vielleicht Ausdruck des von Daniel Thibault mit dem Wechsel von Champagne Charlie zu Blanc des Millénaires eingeleiteten Paradigmenwechsels hin zur Rassigkeit und Frische des Chardonnay und zudem im recht verkorksten Jahrgang 2000 taktisch gesehen eine kluge Entscheidung. Nach dem, was ich im übrigen bisher von Regis Camus probieren durfte, sehe ich keinen der von ihm verantworteten Champagner in gefährlichem Fahrwasser, sondern sich eher wie auf Schienen zielstrebig weiterentwickeln.

Dann kam einer der wildesten Schönheiten des 1995er Jahrgangs ins Glas.

3. Charles Heidsieck Blanc des Millenaires 1995, dég. Juli 2009

100CH aus Cramant, Avize, Oger, Le Mesnil-sur-Oger und Vertus, dosiert mit ca. 10 g/l

Toast und Honig, Mineral, Frische, Rasse, Druck, Apfelkuchen, Mandelsplitter, Crème brûlée, Erdbeer-, Himbeer- und Orangenmaccarons, Limettenparfum, Bergamotte, hinreißend. Zusammen mit Bruno Paillards Nec Plus Ultra außerdem einer der ältesten "aktuellen" Jahrgänge, wenn man bedenkt, dass andere schon bei 2004 angekommen sind.

Im Park befindet sich der Einstig in die Crayères von Charles Heidsieck, die unterirdisch am Ende unserer Tour in die Champagner-Bibliothek des Hauses führen. Dort zog es uns, hätte Christian den weg nicht auch blind gekannt, wie magisch hin. Inmitten eines der pyramidenförmigen Kreideabbauschächte beherrscht eine kreisrunde Theke den Raum und der Blick fällt von dort in die verschiedenen Kavernen: rare und längst vergriffene Jahrgänge Champagne Charlie, Blanc des Millénaires und Royale Cuvée liegen zwanglos, aber ordentlich geschichtet dort herum und warten darauf, ihrer Bestimmung zugeführt zu werden.

4. Charles Heidsieck Blanc des Millenaires 1983, dég. wohl 2005

100CH aus Cramant, Avize, Oger, Le Mesnil-sur-Oger und Vertus, dosiert mit ca. 10 g/l

Was für eine Begegnung. In Butter karamellisierter roter und grüner Apfel, warmer Grießpudding, minimal salziger Toffee; selten habe ich einen Champagner getrunken, der eine ähnliche, an Windbeutelchen erinnernde Fluffigkeit gepaart mit geeistem Verbenengelee vorweisen konnte, der so schön ausbalanciert war, weniger in puncto Aromatik als mehr zwischen langer Flaschenreife und spätem Dégorgement. Für eine Flasche, die wahrscheinlich vor ca. fünf bis sechs Jahren dégorgiert wurde, hatte sich der erste aus dem vormaligen Blanc de Blancs entstandene Blanc de Millenaires phantastisch gehalten, was vielleicht wiederum daran liegt, dass die Lagerbedingungen in den Crayères optimal sind.

5. Charles Heidsieck Champagne Charlie 1981, dég. wohl 2005

60PN 40CH, dosiert mit ca. 10 g/l

Bei diesem Champagner wurde mir bis zum Schluss nicht klar, wo och ihn einordnen sollte. Eine mörderische Stinknase störte über lange Minuten und wollte nur sehr langsam vergehen. Dann zeigte sich darunter so etwas wie ein leichter Korkschleicher, doch im Mund war der Champagner trotzdem deliziös, sehr feinporig, mit einer betörenden Zitrusfrische, die mich weit weg von der Korkidee brachte. Da sich die Aromenstörung aber bis zum Schluss nicht verziehen oder einbinden wollte, gehe ich davon aus, dass die Flasche einen Hau hatte. Sehr schade, denn das was ich da erlebt habe, war schon angeschlagen grandios.

Nach 147 Stufen wieder ins Tageslicht zurückgekehrt, hatten wir uns zum Abschluss noch eine letzte Belohnung verdient.

6. Piper-Heidsieck Rare Vintage 1988, dég. Juni 2008

65CH 35PN, dosiert mit ca. 10 g/l

Ein völlig anderer Stil, stärker von Kaffee beeinflusst und mit einer durchdringenderen, unverschämt provokanten Säure. Milchige Noten wie sie bei Charles durchaus zu finden sind, sucht man hier vergeblich. Hier ist Würze angesagt, Champignons, vollreifer Boursaultkäse, Trüffel, Tellycherry-Pfeffer, Boskoop, Feige, Muskatnuss, Walnuss, Orangenabrieb. Neben den eleganten Tänzern aus dem Hause Charles Heidsieck ist der 88er Rare sicher sowas wie ein Rockertyp, aber einer mit Klasse. Starker Ausklang! Es ist nur todtraurig, dass in Deutschland viel zu wenig bekannt ist, was für ein herrlicher Champagner unter diesem Namen verkauft wird. Den Vorwurf, das Konzept vom jahrgangslosen Rare und vom Jahrgangs-Rare nur sehr lasch unter die Leute gebracht zu haben, muss sich das Haus deshalb gefallen lassen. Wenn man sieht, was da für herrliche Perlen schlummern und nach und nach in Form von Sondereditionen zu leider auch sehr stattlichen Preisen geborgen werden, ists ein Jammer. Doch vielleicht wird ja bald alles besser.

Plauderstunde mit Vitalie Taittinger

 

Pierre-Emmanuel hat mit Hilfe der Crédit Agricole du Nord-Est sein Champagnerhaus und die alte Taittinger-Partnerschaft Domaine Carneros zurückgekauft, nachdem Starwood die Mehrheit an der Société du Louvre von Taittinger übernommen hatte. Starwood war glücklicherweise nur am Hotelteil der vormaligen Taittinger-Gruppe (zu der neben dem berühmten Hôtel de Crillon u.a. Bouvet-Ladubay, Baccarat und der Edelparfumeur Annick Goutal gehörten) interessiert und hat in der wenige Monate währenden Eigentumszeit keinerlei Einfluss auf die Geschäftsführung bei Champagne Taittinger genommen. Taittinger ist damit eines der letzten großen Häuser in den Händen der Namensträger, geleitet von Vater Pierre-Emmanuel, Sohn Clovis und Tochter Vitalie. In Reims war ich mit der liebenswürdigen Vitalie Taittinger zum Plausch verabredet.

Der durch die Generation der Kinder verjüngte Familienspirit durchweht das gesamte Unternehmen und setzt sich bis in die einzelnen Champagner fort. Die famosen Entertainerqualitäten von Pierre-Emmanuel Taittinger finden sich in den Champagnern des Hauses wieder, wie ich meine. Der kunstfreundliche Impetus setzt sich bei Vitalie Taittinger fort, Absolventin der École de Dessin Emile Cohl und den für die Champagnerhäuser traditionell wichtigen Export verantwortet Clovis.

Was macht nun den Geist der Familie aus und wie schlägt sich das im Champagner nieder? Ich meine, es ist die Harmonie der Taittingerschen Champagner, die besonders bemerkenswert ist. Freilich: jedes Champagnerhaus nimmt für sich in Anspruch, harmonische oder besonders elegante oder raffinierte Champagner zu machen. Doch immer wieder enttäuschen Champagner bekannter Marken durch einfältige Frucht und zuckrige Schminke. Viele qualitätsbewusste und meist kleinere Erzeuger gehen deshalb den Weg einer biodynamischen oder biologisch zertifizierten Traubenproduktion, der sich eine eingriffsarme Vinifikation mit geringstmöglicher Abschlussdosage anschließt. Auch an Taittinger ist der Trend zur (Re-)Biologisierung des Champagners nicht vorbeigegangen. Auf 3 ha Versuchsfläche wird unter anderem mit biodynamischen Methoden gearbeitet und was sich als tragfähig erweist, wird übernommen; über company carbon footprint und nachhaltige Bewirtschaftung der Umweltressourcen hat sich die Firma schon lange Gedanken gemacht. Mit durchschnittlich 9 g/l sind die Champagner von Taittinger geringer dosiert, als große Häuser vor sagen wir mal zehn Jahren dosiert haben. Doch sind 9 g/l noch weit weg von den Extra oder Ultra Brut dosierten Champagnern der erfolgreichen Nobelwinzer. Das kann auch ruhig so bleiben. Denn keiner der Champagner von Taittinger wirkt aufgesetzt, hohl, mißtönend oder ungleichgewichtig. Stets bildet gesunder Chardonnay den harten Kern um den herum sich die ausgleichend weiche Pinotweinigkeit und Frucht schmiegt. Ein Weniger an Dosage würde hier nicht ohne weiteres einem Mehr an Geschmack, Qualität oder eben Harmonie bedeuten.

a) Millésime 2004

50CH 50PN, mit 9 g/l dosiert.

Zuletzt hatte ich diesen Champagner auf der Meininger-Probe während der ProWein getrunken. Hefige und mandelige Aromen, auch weiße Blüten, eine ganz zarte Nussigkeit, reife Zitrusaromen und eine gewisse Apfeligkeit hatte ich vorgefunden und denselben geschmacklichen Eindruck hatte ich ganz überwiegend auch in Reims. Die Struktur ist im Gegensatz zur ProWein, wo mir der Champagner aufgrund seiner nicht zuletzt dosagebedingten Dichte etwas schwer vorkam, klarer geworden, was zum Glück nicht auf Kosten der Harmonie erfolgte. Um ihn für einen süffigen Champagner zu halten, fehlte mir damals wie heute die für diesen Stil erforderliche Spritzigkeit, der 2004er hat gerade nicht das überschäumende und rein spaßhafte Naturell der Partychampagner und ist nach meiner bisherigen Erfahrung weder vom Jahrgang her dafür geeignet, noch entspräche diese Art von Champagner dem Stil des Hauses.

b) Prélude Grand Cru

50PN 50CH.

Der ursprüngliche Prélude war eine Cuvée für das Jahr 2000, damals gab es sie in Magnums mit einem Aufdruck der unvermeidlichen Grace Kelly. Diese Flaschen sind teilweise heute noch zu bekommen und wenn der Preis stimmt, kann ich nur dringend empfehlen, sie zu kaufen. Der Prélude waren schon vor Jahren hervorragend trinkbar und haben jetzt bei guten Exemplaren eine verführerisch toastige Reifenote hinzugewonnen, aber leider gibt es bei den kursierenden Flaschen auch eine beträchtliche Zahl Ausfaller. Die frische Ausgabe des Prélude ist vom selben Charakter wie der Millésime, er wirkt nur auf den ersten Schluck ein wenig ernster, offenbart aber dann schnell sein freundliches, weichherziges Gemüt und noble Herkunft.    

c) Folies de la Marquetterie

45CH 55 PN aus den Weinbergen rund um das Château de la Marquetterie in Pierry, Vinifikation teils in kleinen Eichenfässern

Den überwiegenden Pinotanteil kann man schnell anhand der goldenen Färbung identifizieren. Technisch handelt es sich um einen Premier Cru. Aromatisch ist der Champagner einer der fülligsten von Taittinger, die Zusammenstellung hat etwas rokokohaftes: rundliche Früchte und runde, verspielte Formen, Feigen, Orangen, Strauchrosen; Arkadien im Glas.

d) Cuvée Prestige Rosé

70PN 30CH, Assemblagerosé mit 15% Stillwein aus der Montagne de Reims und aus Les Riceys,

dazu gab es im zauberhaften Jardin des Crayères: Champagnerlinsen mit pochiertem Ei und geröstetem Brotnetz, danach geschmorte Kalbsbäckchen im Sud, sowie Parmesankartoffeln.

Bei Taittinger wird der Rosé zu fruchtigen Desserts empfohlen, was ich nicht unterstützen kann. Es sind im Gegenteil die herzhaften, aber nicht schweren Hauptgerichte und kleineren Speisen, zu denen sich dieser Champagner empfiehlt. Der vergleichsweise hohe Anteil an rotem Stillwein verleiht ihm nämlich eine untergründige Kraft, die zusammen mit den hervortretenden empyreumatischen Noten des Chardonnay bestens zu den Linsen mit Ei und zu geröstetem Brot passen. Eine schwierigere Aufgabe hatte der Champagner mit den Kalbsbäckchen zu bewältigen. Die kamen nicht in dicker Bratensauce, sondern in einem trotz seiner Konzentration leichten Gemüsesud auf den Tisch. Zu einem derart zubereiteten Kalbfleisch sind kräftige Chardonnays eine gute Wahl, doch besser sind meiner Meinung nach Rosés, wie sich dann schnell bestätigte. Die zarten, saftigen Kalbsbäckchen badeten ausgiebig im rötlichen Sprudel und sogen sich am Gaumen voll damit, bis sie von den Parmesankartoffeln abgelöst wurden, die von der kristallinen Struktur des Käses sehr profitierten.  

Terres et Vins de Champagne (III/III)

 

XIII. Laherte Frères

Aurelien Laherte, in dessen Fasskeller ich schon vor zwei Jahren den bravourösen Gehversuchen des noch ganz jungen Winzers folgen durfte, hat mal wieder ein spitzenmäßiges Programm mitgebracht.

Vins Clairs:

1. Les Noues

100CH aus Chavot

Ausdrucksvolle Nase mit Bergamotte, Formosa Oolong, auf einen Chabliskörper aufgepflanzt.

2. Vigne d'Autrefois

100PM

Luftig, womit nicht der gelegentlich anzutreffende Luffton gemeint ist, sondern eine leichte und beschwingte Art, ein müheloses und fröhliches Mit- und Durcheinander von gebackener Banane, Nashibirne, Litschi, Pitahaya, bouquet garni, umgeben von reichlich Zitrusfrüchten.

3. Rouges Maisons

100PN

Im Gegensatz zum Meunier stach hier roter Apfel mit einer etwas oxidativen, brotigen Note durch, auch hier wieder viel strukturgebende Säure

Champagner:

1. Blanc de Blancs brut nature

2008er Basis mit 2007

Hart, kraftvoll, mineralisch, das aber eher von der würzigen, angeschmutzten Sorte und nicht so sehr wie von pudrigem Kalk; bodennah, mit insgesamt gemäßigter Säure

2. Les Empreintes brut nature

40PN 40CH, davon wiederum 1/3 Chardonnay Muscaté, 20PM, 2007er

Sehr feiner Champagner, stark, aber ultranervös und spannungsgeladen, vibrierend und mit einer besonders ausgeprägten Schmackhaftigkeit, wie eine Essenz von Trauben-Tiramisu

3. Vigne d'Autrefois

2007er, mit 2 g/l dosiert

Wippend, federnd, elastisch, weniger vibrierend, als die Empreintes. Leicht und fruchtig, pricklig, aufgeladen mit Energie und Tatendrang, dabei mittelgewichtig und vom Typ her eher ein Jacky Chan als ein Steven Seagal

 

XIV. David Leclapart

Der Winzer, der ein bisschen aussieht wie Sting. Auch er ist noch nicht so arg lang mit seinen Weinen im Geschäft dass man von echter Trinkerfahrung mit seinen alten Jahrgängen sprechen könnte; auch dürfte sich wegen der kleinen Menge die Zahl der weltweit gelagerten Léclapart-Flaschen in sehr überschaubaren Grenzen halten, was einer der Nachteile dieser Kleinsterzeuger ist. Denn bei Verkostungen der aktuellen Jahrgänge hat man immer nur Hoffnungen im Glas, aber noch keinen empirischen Anhalt dafür, wohin die Reise einmal gehen könnte.

Vins Clairs:

1. Amateur

Bananig, amylisch, trotzdem hart und verschlossen, gleichzeitig irgendwie vielversprechend. Ist nur zu hoffen, dass sich all die Erwartungen, die in Grundweine dieser Art gesetzt werden, auch irgendwann als berechtigt erweisen.

2. Artiste

Weicher und extraktiger als der Amateur, aber sonst sehr ähnlich.

3. Apôtre

Erkennbar die Spitze der Pyramide dieser Art von Grundwein. Einesteils fühlt man, wie das Zahnfleisch von Rasiermesserklingen traktiert wird, andereseits ist da die fast schon künstlich wirkende und nahezu übersteigerte Fruchtverlockung.

Champagner:

1. Amateur 2007

Gummibärchen und Tannennadeln, Walnuss, Apfel und Muskat. Solche Champagner lassen einen dann erstmal die Bedenken wieder auf Seite schieben. Viel weniger rätselhaft, als im letzten Jahr um die Gleiche Zeit der 2006er Amateur

2. Artiste 2006

Weicher als der Amateur, mit stärker ausgeprägtem Luftton, wirkt er aromatisch nicht so ausgearbeitet wie der Amateur und gleichzeitig nicht so selbstbewusst wie der 2005er Artiste

3. Apôtre 2005

Weinig, rund, weich, groß. Hier ist der Champagner von Leclapart wieder ganz bei sich. Nicht so kalkig und unbezwingbar wie der 2004er Apôtre, sondern fassbar, wenngleich nicht einladend oder freundlich. Auch dieser Wein will von Luft, Zeit und Gaumenwerkzeu bearbeitet werden.

 

XV. Franck Pascal

In so guter Form habe ich die Champagner von Franck Pascal noch nie erlebt.

Vins Clairs:

1. Silicieux

80PM 12PN 8CH

Bananig und weich, wie man die Grundweine von Franck Pascal gar nicht kennt. Außerdem rund, würzig, samtig, auch etwas metallisch.

2. Assemblage wusste Franck selbst nicht mehr; ungeschwefelt

Rassig, spritzig, scharf, das war wieder ganz die alte Form.

Champagner:

1. Tolérance Rosé

Kirsche, Banane, Erdbeere, einige gemüsige Anklänge, ein wenig Metall; nichts erinnert hier an den sonst so weltabgewandten Rosé, der sonst unter diesem Namen auf den Markt kam. Weiter so.

2. Quintessence 2004

Butter, Candy, Karamell, nur gegen Ende noch ein wenig ungezügelte Säureaggressivität, die wirkt, als wäre der Maler kurz vor Vollendung seines Gemäldes plötzlich wahnsinnig geworden. Genau das macht den Champagner natürlich aufregend und interessant, auch hier ein weiter so, das ist der richtige Weg!

3. Prestige 2002

Der wohlgeformteste und arrondierteste Champagner, den ich bisher von Franck Pascal im Glas hatte. Gurken und Zitronenlimonade, einige Kräuter – erinnert entfernt an Pimm's No. 1.

 

XVI. Hubert Paulet

Monocrus aus Rilly-la-Montagne. Was nicht an Billecart-Salmon verkauft wird, dient als Grundlage für die Champagner des akkurat gescheitelten Monsieur Paulet.

Vins Clairs:

1. Chardonnay

Abgeklungen ist die Banane, jetzt sind Vitamin-C und eine leichte Exotik am Steuerrad.

2. Pinot Meunier

Vornerum weiche Frucht, hintenrum stabile Säure.

3. Pinot Meunier, dekantiert, aus 2009

Sehr weich und mild. Ende Vitamin C, insgesamt glatt.

Champagner:

1. Brut Tradition Premier Cru

50PM 25CH 25PN, mit 7 g/l dosiert

Leichter, etwas einfacher Champagner, brotig, alter Apfel, wenig Säure, mir außerdem zu hoch dosiert.

2. Mazerationsrosé 2004

80CH 20PM, drei Tage auf der Maische

Kirsche, Banane, Holz. Eher leicht, mit etwas Gerbstoff, nachhaltig, aber nicht beeindruckend.

3. Cuvée Risleus

27CH 20PN 43PM ohne BSA, bâtonnage; ungeschönt, ungefiltert.

Nach den beiden mäßigen Vorgängern ein starkes Stück: markig, kräftig, behutsam eingebundenes Holz, vollmundig, mit stattlicher Säure; auf dem Niveau würde ich gern alle Champagner von Paulet sehen.

 

XVII. Pouillon et Fils

Elodie und der beredte Fabrice Pouillon bewirtschaften ca. 15 ha entlang der Marne bis in die Montagne de Reims

Vins Clairs:

1. Les Villages

100PN, aus Ecueil, im Holz spontanvergoren, mit BSA

Minimal gerbstoffig, mit Fenchelnote und weichem, etwas einfachem Burgundercharakter

2. Les Blanchiers

50PN 50CH, im Holz spontanvergoren, mit BSA

Ausgeprägter, komplexerer Cuvéecharakter, einleitend apfelig, leichter Luftton, dann übernimmt erfrischende Säure, von Gerbstoffen hingegen keine Spur

3. Mazerationsrosé

100PN

Beaujolaischarakter, so ähnlich wie bei Horiot; sehr mild, mit abschließend knackiger Säure

Champagner:

1. Les Blanchiers Brut Nature

2006er Basis

Brotig, apfelig, mit der erfrischenden Säure, die auch schon der Les Blanchiers zeigte und ruhig noch etwas kräftiger sein könnte.

2. 2XOZ

100PN, Süßreservezugabe für die Gärung

Grapefruit, Mandeln, Graphit und ein eleganter Säureteppich mit herbfruchtigem finish.

3. Mazerationsrosé

2008er Basis, mit 20% aus 2007, mit 8 g/l dosiert

Weich, mild und weinig. Frucht und Mineralität im Einklang miteinander, ausgewogener, nicht sehr prunkvoller Rosé.

 

XVIII. Tarlant

Vins Clairs:

1. BAM

Pinot Blanc/Arbane/Petit Meslier

Als Fassprobe hatte ich diesen Mix schon in zwei unterschiedlichen Ausführungen probiert, zwischen unzugänglichem, nicht besonders charmantem Stinker und sehr flottem Burgundergrundwein mit bemerkenswertem Potential schwankten meine Einschätzungen im letzten Jahr noch. Die massive Säure wird von buttrigen und kandierten Aromen etwas gezügelt, der Wein wirkt harmonischer, crèmiger, nicht mehr so furieux, bleibt aber noch leicht gerbend und hat das Zeug zu einem weiteren namhaften Champagner aus dem an famosen Champagnern bereits nicht armen Haus Tarlant.

2. Mocque Tonneau

 

100PN

Erhebliche Säure mit einem nicht ganz so ernsten Charakter, pricklig und rund.

3. Îlot des Sables

Das ist der Grundwein für den berühmten Vigne d'Antan, ungepfropfter Chardonnay mit Extrakt, Würze und Tiefe, etwas Crème und der Ambition, als Champagner etwas richtig Großes darzustellen.

Champagner:

1. Cuvée Louis, dég. März 2009

50PN 50CH, aus den Jahren 1998/1997/1996.

Holz, Wucht und Kraft, Haselnuss, Walnuss, Trockenfrüchte und Apfel. Fette Sahnigkeit, die man bei einem Champagner ohne BSA gar nicht vermuten würde; glasklar ein Powerchampagner erster Güte.

Terres et Vins de Champagne (II/III)

 

VII. Vincent Couche

Junger Aube-Avantgardist aus Buxeuil, Montgueux-Vinifikateur mit insgesamt 12 ha. Spielt seinen Reben u.a. Musik vor und wirkt dabei auch noch völlig glaubwürdig. Nach Art der Champenois sind seine Etiketten jedoch zumindest eigenwillig. Scheinbar nämlich gilt es bei den Winzern als Ausdruck höchster Glaubwürdigkeit, selbst auf dem Eikett abgekonterfeit zu sein. Gewöhnliche Winzer beschränken sich dabei auf einen Scherenschnitt, ein mehr oder weniger künstlerisch bearbeitetes Portrait oder abstrahierend auf ihre Unterschrift. Nicht so Monsieur Couche, der auf dem Etikett seines Dosage Zéro höchstselbst und offenbar splitternackt dazu einzuladen scheint, der Bedeutung seines Namens auf den Grund zu gehen. Ich empfehle, seinen Champagnern auf den Grund zu gehen, denn was ich verkosten durfte, war ernsthaft! sehr gut!! Ausnahmsweise deshalb hier der link zur website: www.champagne-couche.fr

Vins Clairs:

1. PN von jungen Anlagen aus Buxeuil

Sahnig und crèmig, mit Fenchel, Anis und Süßholz, die ich bekanntlich nicht besonders schätze. Im Mund dennoch forsch, kräftig und gut.

2. Chloé

75PN 25CH 25PM, 25% Fassausbau

Ansatzlos herausplatzende Säure, reichlich merkliches Holz, trinkt sich dann aber doch erstaunlich ruhig und unaufgeregt.

3. Montgueux

100CH aus dem Holzfass

Prickelnd und leicht süß, erinnert an Marihuana, wenn es das in der Geschmacksrichtung Apfel-Zitrone zu trinken gäbe, wären wir dem Montgueux von Couche wahrscheinlich schon sehr dicht auf den Fersen. Basis für den Perle de Nacre.

Champagner:

1. Perle de Nacre, Blanc de Blancs

2004er Basis mit 2003 und 2002 aus Montgueux, 20% Fassausbau, mit 5 g/l dosiert

Wirkt süßer als er dosiert ist, was offensichtlich an der hohen Grundsüße des Montgueux-Chardonnays liegt. Schlingel Couche spielt auf den Etiketten nicht nur mit seinem eigenen Nachnamen, sondern gibt auch bei dieser narkotisierenden Cuvée deutliche Hinweise. Apfel, Zitrone und Marihuana haben sich hier zu einer schönen Melange zusammengefunden und nach dem genuss einer Flasche Perle de Nacre kann vermutlich jedermann Gedichte schreiben schreiben wie Baudelaire in seinen besten Tagen.

2. Chloé (2009) non dosé

70PN 30CH, 30% Holzfassausbau, 10 g/l Restzucker, daher keine Dosage

Mandel, Marshmallow und eine klare Restsüße überdecken hier das Holz. Kein Champagner, den man in jungen Jahren trinken sollte und selbst als reife Version dürfte die Aromatik nur wenigen Champagnerpuristen gefallen. Ich bin da nicht sehr dogmatisch und empfehle den Champagner zum hinlegen.

3. Rosé Desire

70PN 30CH, aus Buxeuil und Montgueux, 30% Holzfassanteil, 2007er Basis mit 2006. Mazerationsrosé mit normaler Maischegärung und carbonischer Gärung

Das Etikett ist nicht besonders schön und könnte so auch auf Billigschaumwein anderer Provenienz prangen. Etwas mehr gewollt als gekonnt ist auch die zugehörige Aufnahme mit der wohlgeformten Dame in schwarz auf der website (www.champagne-couche.fr) des Winzers, aber was soll's, in der Hinsicht bin ich noch viel schlimmere Bilder gewöhnt. Der Champagner um den es hier geht ist frisch, unverkitscht, sehr belebend, mit luftigem, die Seele weitendem Charakter; die eher unauffällig grasige Note ist insofern nicht im selben Sinne grasig, wie man es vom Sauvignon-Blanc kennt, sondern deutlicher an die bereits bekannten Marihuananoten angelehnt.

 

VIII. Pascal Doquet

Knappe 9 ha überwiegend in Vertus und Le Mesnil bewirtschaftet der grundsympathische Pascal Doquet seit 1996, seit 2007 übrigens biodynamisch. Äußerlich übriggebliebener Hippie, strahlt er eine herzliche Wärme und Begeisterung aus, die einen sofort ansteckt und auf die Weine vorbereitet.

Vins Clairs:

1. Mazerationsrosé

Chardonnay und Pinot Noir mit drei Tagen Maischestandzeit

Angenehm weich und feinbuttrig, mit körbchenweise handgepflückten Beeren, die so schmecken wie die, die im Werbespot von der ganzen glücklichen Familie mit zwei zauberhaften Kindern und der Oma zu Kuchen, Kompott, Roter Grütze und Marmelade verarbeitet werden.

2. Chardonnay

Bergères les Vertus. Holzfass.

Milder, weicher Chardonnay, zurückhaltende Exotik und Spuren von Kalk, ohne besonderen Holzeinfluss.

3. Chardonnay

Le Mesnil. Holzfass.

Höhere Schlagzahl gegenüber dem Vorgängerchardonnay, mehr Säure, mehr Mineralität, auch hier kein besonders ausgeprägtes Holzaroma. Beide Chardonnays könnte man auch direkt servieren, für den Sologenuss oder zum Essen.

Champagner:

1. 2/3PN 1/3CH

Mit 7 g/l dosiert, weich, mandelig, zart haselnussig und von samtiger Textur.

2. Blanc de Blancs Vertus Premier Cru 2004

1/3 Fassanteil, mit 4,5 g/l dosiert; Haselnuss- und minimale Röstnoten, dabei frisch, mit grünen und roten Äpfeln, etwas agrûmes, entfernt auch Honig und ungestrengter, sanfter Säure

3. Blanc de Blancs 2002

Le Mesnil

Vollmundig, reif, rund, entschiedener nussig, mehr und konzentriertere Apfel- und Quittenaromen, auch Mandarine, für einen Mesnilchardonnay eine schon jetzt sehr tief eingebettete Säure

 

IX. René Geoffroy

Ursprünglich aus Ay, ist das Haus Geofrroy näher an seine Weinberge in Dizy, Hautvillers, Damery und Cumières gerückt und heute in Cumières ansässig. Vinifiziert wird im großen und kleinen Holz, BSA wird gemieden.

Vins Clairs:

1. Chardonnay

Fruchtige Säure, fröhlicher Wein.

2. 32PN 53CH 15 Mischsatz aus CH, PN, PM, Petit Meslier und Arbane

Eine Glätte zwischen hochglanzpoliertem Stahl und Seidengeschmeide, die Fruchtdimension dieses Weins will sich mir nicht recht erschließen. Beträchtliche Säure, die lang und mild ausgleitet.

3. Mischsatz aus CH, PN, PM, Petit Meslier und Arbane (wird nächstes Jahr erstmals in den Handel kommen)

Würde auch als Pouilly Fumé durchgehen.

Champagner:

1. Pureté non dosé

50PM 50PN

Mild, buttrig und fein; knackig wie junge Möhrchen, mit charmanter Säure, wirkt aber etwas indifferent, vielleicht wäre wenigstens ein bisschen Disage doch hilfreich beim Öffnen gewesen.

2. Rosé Extra Brut

50CH 50 PN Mazerationsrosé aus Commaceration, d.h. CH und PN waren drei Tage lang zusammen auf der Maische

Viel Mineralität und wenig Frucht, kein Rosé für den Solospaß, hier muss ein fetter Käs dazu, wahlweise eine dicke Sauce.

3. Pinot Meunier Coteaux Champenois

Heller, samtiger Wein, jugendlich und nett, aber leider nicht mehr.

 

X. Henri Goutorbe

Die Familie Goutorbe stammt aus dem Rebveredelungsbereich.

Vins Clairs:

1. Chardonnay

Chlor und Menthol, süßlicher und schwerer Stil

2. Pinot Meunier

Kein gewaltiger Unterschied zum Chardonnay, nur dass hier noch eine metallische und eine apfelige Komponente dazukommt

3. Coteaux Champenois Rouge, Ay Grand Cru

Schöner Spätburgunder, den man so auch an der Ahr bekommen könnte.

Champagner:

1. Grand Cru d'Ay 2004

75PN 25CH, mit 9 g/l dosiert

Eine glückliche Ehe aus elegantem Pinot und rassigem Chardonnay, gehört zu den höchstdosierten Champagnern der Terres et Vins und erinnert am deutlichsten an den Stil der großen Häuser.

2. Cuvée eclatante, "Elisabeth"

75PN 20CH 5PM, mit 9 g/l dosiert, ausschließlich für den amerikanischen Markt bestimmt; wirkt noch ein bisschen gefälliger, weil statt der Chardonnayrasse etwas von der gefügigeren Meunier drin ist.

3.Réserve Prestige Premier Cru

70PN 25CH 5PM, mit 9 g/l dosiert

So deutlich sich das Fehlen von 5% Chardonnayanteil in der Cuvée Elisabeth bemerkbar machte, so wenig wiederum merkt man die Erhöhung des Chardonnayanteils um den selben Prozentpunktsatz. Ob der Champagner also wirklich signifikant frischer, schlanker, präziser wirkt, oder ob das reine Einbildung ist, kann ich nicht sagen.

 

XI. Jeaunaux-Robin

Ex nihilo nihil fit, sagten die Römer. Aber: ein Teil des Betriebs von Jeaunaux-Robin ist mit ca. 4 ha in Talus St. Prix zu Hause, mitten im Nichts, der andere mit ca. 1 ha an der Aube, ebenfalls im Nichts. Doch der Champagner der hier entsteht, ist alles andere als Nichts.

1. Chardonnay ohne BSA

Klassischer Chardonnay mit einer etwas candyhaften Nase und Babybananenduft, im Mund hingegen schon ernstzunehmende, wenn auch nicht aggressive Säure

2. Pinot Meunier ohne BSA

Schlank, auf hohem Niveau vinifiziert, mit seriöser Exotik; von der Thai-Masseuse im Bahnhofsviertel so weit entfernt, wie die Wellness-Massage im Spa. Schwächelt allerdings gegen Ende.

3. Pinot Meunier mit BSA

Hat gegenüber dem Meunier ohne BSA den längeren Atem und eine weniger starke, dafür stabilere Säure, sowie durchgehende kräuterige Würze.

Champagner:

1. Cuvée Prestige

80CH 20PN, zu 70% aus 2007, zu 30% aus 2006, mit 6 g/l dosiert

Schmeichelnder Champagner, dem man die 6 g/l anmerkt. Fruchtig, von angenehm freundlichem Naturell wie der Winzer selbst.

2. Sélection Extra Brut

60PM 30PN 10CH, mit 5,5 g/l dosiert

Kirsche, Banane, etwas Brot, süffig, harmonisch und gut. Natürlich noch arg jung, so dass man jetzt kaum sagen kann, was mit dem Champagner passieren wird, wenn die Primärfrucht weg ist. Allgemein ist KiBa für mich ein gutes zeichen, beim Blanc de Blancs Celebris Extra Brut von Gosset habe ich in der Jugend sehr gute Erfahrungen damit gemacht und viele andere Champagner konnten ihr Genussversprechen aus den ersten Tagen ihrer kommerziellen Existenz nach Jahren ebenfalls noch einlösen.

3. Les Grands Nots 2003, dég. Okt. 2010

Drittelmix, mit 3 g/l dosiert

Karamellisierte Kondensmilch, Milchschokolade, salziger Toffee, Marzipan mit verschiedenen Füllunge wie Apfel, Orange, Aprikose, Kirsche. Sehr reif, wenig Säure; dennoch so viel überbordende Aromenfülle, dass ich dem Champagner noch locker ein paar Jahre Leben in der Flasche zutraue, für mich einer der besten 2003er bislang und in Jahren wie 2004 oder 2008 sicher ein Erlebnis! Kommt auf die Merkliste.

 

XII. Benoit Lahaye

Dem delikaten Bouzy-Pinot hat sich Benoit Lahaye verschrieben. BSA brauchts da so wenig, wie pampige Dosage, beides schadet auch nach meiner Auffassung diesem besonders schmackhafte Wein.

Vins Clairs:

1. ?

Ob er den Namen des Weins nur vernuschelt hat, ob ich ihn vergessen habe, aufzuschreiben oder ob Benoit Lahaye ähnlich wie Franck Pascal bei einem seiner Weine selbst gar nicht sagen konnte, was er da servierte, wird nicht mehr aufzuklären sein. Fest steht für mich: der Wein war gut. Animierend, mit Eukalyptus und einer efeuhaften Note, klarer, milder, aber nicht schwacher Säure.

2. Pinot Noir

Auf eine harmlose Candynase folgte schwallartig eine happige Säure, die sich schneidend bis in den letzten Mundwinkel und die allerkleinste Zahnfleischverletzung ergoss und als Strafe für nachlässiges Zähneputzen verwendet werden könnte.

3. Mazerationsrosé

Bleistift, Blaubeere, Pflaume, Veilchen, Brot. Im Mund eine elegante und sanft tanninschmelzige Süße, geht minimal griffig in die Backen. Sehr gute Substanz.

Champagner:

1. Violaine

50PN 50CH ohne Schwefel

Schicker, leicht blumiger Duft, mädchenhaft schüchterner Wein

2. Millésime 2006

70PN 30CH

Mild und genauso zurückhaltend wie die Violaine, gegen Ende mit einer Mischung aus Süßholzsaft und wässriger Säure, die ich irritierend fand

3. Mazerationsrosé

So gut mir die Substanz beim Stillwein noch gefallen hat, fehlte mir beim Champagner dann doch Säure und Stoffigkeit.

4. Blanc de Noirs Prestige

Der Blanc de Noirs nahm einen langen Anlauf, prallte mit voller Wucht am Gaumen auf, entwickelte viel Frucht und Materie am Gaumen, dünnte aber gegen Ende zu schnell ein und hinterließ eine etwas alleingelassene Säure. Da muss mit zunehmender Reife noch mehr Fleisch dran.

Terres et Vins de Champagne (I/III)

 

Terres et Vins de Champagne

I. Olivier Horiot

Seit 2000 ist Olivier Horiot in Les Riceys zugange. Parzellengenaue Vinifikation im Holzfass, einjähriges Ruhen auf der Feinhefe, Spielerei mit alten Rebsorten, hier gibt es für Olivier Horiot noch vieles zu entdecken und zu erfahren. Die erste Zusammenkunft mit Champagne Horiot hatte mich noch nicht begeistert, daher war ich gespannt auf seinen zweiten Auftritt.

Vins Clairs:

1. Pinot Noir, en Barmont, 2008

Duftige Nase, Veilchen und Lakritz im Einklang, etwas Pillenbox, merkliche Säure

2. 100PN Mazerationsrosé

Gut stoffiger Beuajolaischarakter mit einem gewissen noch nicht störenden Restprickeln

3. 100PN Coteaux Champenois

Leichter, etwas flacher Burgunder

Champagner:

1. Sève, En Barmont Blanc

Eieiei, hier wieder dominante Pillenbox, medizinaler, etwas künstlicher, an Plastik erinnernder Ton. Nicht besonders schön

2. 5 Sens

Frische Säure, auch wieder etwas medizinal, mit Noten von angestaubtem Trockenkräutersträußchen

3. Sève, En Barmont Rosé

Deutlich ausgeprägte Noten von Rosmarin und Thymian, im Mund erst wässrig, bevor er sich dann über eine leichte Mehligkeit verfestigt, sämig wird und einen mandeligen Eindruck hinterlässt

 

II. Pascal Agrapart

Einer der ersten Champagnerwinzer, die den Weinberg wieder mit Pferdchen zu bearbeiten begonnen haben und eine feste Größe unter den Chardonnaykönnern.

Vins Clairs:

1. Minéral

Leichter Böckser, der sich in eine metallische Richtung weiterentwickelt und mild mit Zitronenmelisse ausgleitet

2. Avizoise

Mineralisch, räucherig, erstaunlich glatt und bartlos, gut trinkbar

3. Vénus

Straff, raumfordernd und muskulös, dabei entsprechend dem Pferdchennaturell von sanftem Temperament, wenngleich durchaus fordernd am Gaumen

Champagner:

1. Minéral

Mit 4 g/l dosiert, schwankt er zwischen leichter Brettigkeit, bleibt dnn zwischen brotig und saftig liegen.

2. Avizoise

Ebenfalls mit 4 g/l dosiert, von Beginn an bestimmter, klarer, und deutlich zitrusfrischer als der Minéral.

3. Vénus Zéro Dosage

Sanft, glatt und gediegen, zeigt sich hier, dass das mit dem Pferdchennaturell so weit von der Wahrheit gar nicht entfernt liegt. Kraft und Beständigkeit zeichnen den Champagner schon jetzt aus und es ist abzusehen, dass er sich im Laufe seiner Entwicklung nicht aus der Bahn werfen lässt.

 

III. Francoise Bedel

Tief im Westen, wo die Meunier zu Hause ist, ist auch Madame Bedel, die mit Nachnamen auch Meunier heißen könnte, zu Hause. Ihre Champagner gehören bei jeder Biochampagnerverkostung zum festen Inventar.

Vins Clairs:

1. Chardonnay

Saftig und geradezu limonadig, erfrischende Säure auf mittlerem Niveau.

2. Pinot Meunier aus dem Stahltank

Mild und fruchtig, fast schon süßlich.

3. Pinot Meunier aus dem Barrique

Wenig spürbares Holz, vordergründig eher eher Kräuter und Grapefruit, mehr Struktur als der Meunier aus dem Stahltank, zudem stärker ausgeprägte Brotnase und deutlicher Luftton.

Champagner:

1. Entre Ciel et Terre Brut 2002

100PM

Verbene, Limette, grüne Noten, aber auch waldige Elemente und Wacholder. Fein, für einen reinen Meunier auch nicht unelegant.

2. L'Âme de la Terre Extra Brut 2003

67PM 17PN 7CH, mit 3 g/l dosiert.

Runder und hrmonischer als der Entre Ciel et Terre, obwohl geringer dosiert, was auf Pinot Noir und Chardonnay zurückzuführen sein mag. Leider auf Kosten des Unterhaltungswerts, denn der Âm de la Terre wirkt durch den Rebsortenmix gewöhnlicher.

3. Robert Winer 1996

Mit 8 g/l dosiert und deshalb im Vergleich süßlich; Kautschuk, Leder, Kakao, Kokos, Toffee, sehr schönes, langes und dezentes Eukalyptus-Menthol finish. Ganz klar der stärkste Champagner im Portfolio von Mme. Bedel, hat sich seit letztem Jahr temporeich weiterentwickelt.

 

IV. Bérèche et Fils

Die Champagner von Bérèche haben mir schon bei meiner ersten Begegnung gefallen, damals waren es Beaux Regards und Reflet d'Antan, mittlerweile kenne ich natürlich auch die anderen Champagner des Hauses.

Vins Clairs:

1. Pinot Meunier

Im Vergleich mit zB den Meuniers von Tarlant ist dieser Meunier handzahm und brav wie ein Kommunionskind, den Rabaukencharakter ahnt man hier noch nicht.

2. Chardonnay, Beaux Regards

Saftig, kernig, gut, so kurz kann man sich hier fassen und der Rest ist Vorfreude auf den fertigen Champagner.

3. Le Cran

55CH 45PN

Völlig unvorbereitet traf mich die augenkneifende Säure dieses vin clair. Nur mit Mühe konnte ich angesichts dieser gefährlichen Attacke die Tränen des Schmerzes zurückhalten, der salzige Geschmack am Gaumen kam nicht von meinem eigenen Blut, wie ich dann später erleichtert festgestellt habe. Mit dem zweiten, dritten, vierten, jeweils vorsichtigeren Probierschluck war es immer noch schwer, dem Wein zu folgen; ebenso hätte könnte man versuchen können, die Handlung von Fellinis Satyricon im Schnelldurchlauf verstehen zu wollen.

Champagner:

1. Réserve Extra Brut, Handdégorgement

ca. Drittelmix auf 2007er Basis mit 30% Reservewein, keine Schwefelzugabe beim Dégorgement.

Hart, schlank, lang. Etwas störender Luftton, der den Champagner etwas aufgebläht wirken lässt, wie ein hochgewachsener Athlet in zu weiten Klamotten. Müsste noch etwas zulegen, wovon ich mit einiger Sicherheit ausgehe.

2. Beaux Regards Zéro Dosage

100CH, im Schnitt 40 Jahre alte Reben.

Hart und karg, schnell bis rasant, und das ganz ohne die Hilfe von Chardonnays aus der Côte des Blancs. So geht es im Inneren eines Rallye-Piloten bei der Wertungsprüfung zu. Hierbei zeigt sich auch, dass es nichts langweiligeres gibt, als einen nur durchschnittlichen Chardonnay.

3. Vallée de la Marne Rive Gauche

100PM, von Reben aus 1969, erste Gärung in verschieden großen Holzfässern spontan und langsam; keine bâtonnage, keine Filtration, mit 4 g/l dosiert.

Mein Favorit in dieser Verkostung. Anders als der Beaux Regards rührt dieser Champagner nicht an der Adrenalinproduktion, sondern wirkt entspannend wie Oxytocin. Intensiv, dabei ausgleichend, entstressend und ganz sanft stimulierend.

 

V. Francis Boulard et Fille

Aus Champagne Raymond Boulard wurde Francis Boulard und Delphine Richard-Boulard. In Cauroy mit dem einzigen Küfer der Champagne benachbart, ist Francis Boulard einer der alten Hasen im biodynamischen Champagnergeschäft und ein Terroirspezi obendrein, was nicht zuletzt damit zusammenhägt, dass sein Rebbesitz sich vom Massif St. Thierry bis weit hinein in die Montagne de Reims (Mailly Grand Cru) erstreckt.

Vins Clairs:

1. Les Rachais

100CH ohne BSA

Reif und würzig, hintenrum eine fast schon dramatische, nackte Säure, die sich in der nächsten Zeit noch weiter nach vorn schieben dürfte

2. Le Murtet

100CH ohne BSA

Herber und enger als der Rachais, die Säure beginnt sich schon wesentlich früher am Gaumen zu zeigen, der Wein ist insgesamt fast genauso lang und kompromisslos wie der Rachais

3. Les Murgiers (früher Brut Réserve)

100PM mit BSA

Anis und Fenchel, die mir nicht so gut gefallen haben, trotz des BSA eine noch gut strukturierte Säure, natürlich der weicheste vin clair in der Reihe

Champagner:

1. Les Rachais 2005 non dosé

Starker Meeresfrüchtecharakter, Austernschale, Zitrusabrieb. Meerwasser und Kalk bestimmen den Champagner.

2. Les Murgiers non dosé

50PM 50CH auf 2008er Basis

Weich, sehr reif, rund und mürbe, nicht sehr fordernd, wirkte auf mich etwas müde.

3. Millésime 2005

50CH 25PN 25PM, mit 5 g/l dosiert

Sehr versöhnlicher Jahrgang, rund und weich, etwas mandelig, mit dezenter Säure, die aus dem Hintergrund wirkt.

 

VI. Chartogne-Taillet

Ebenfalls im Massif St. Thierry, an prominenter Stelle, ist der in Deutschland schon recht verbreitete Champagner von Chartogne-Taillet zu Hause. Alexandre Chartogne ist ungemein sympathisch, jungenhaft und hochgewachsen eine echte Bilderbucherscheinung, bedachtsam, ein gründlicher und harter Arbeiter mit – wie ich finde – riesigen Händen, denen man die Arbeit ansieht und verschmitztem Blick. So macht er nicht nur die Damenwelt verrückt, sondern sorgt mit seinen exzellenten Champagnern auch bei Männern für Verzückung.

Vins Clairs:

1. Orizeaux

100PN

Limette, Nektarine, Blutorange, Pomelo. Vollreif, herbfrisch, ohne jede Spur von Überreife. Ein zupackender, starker Händedruck.

Champagner:

1. Orizeaux Extra Brut auf der Stelle handdégorgiert

2007er Basis

Fizzy, lebhaft bis quirlig und enorm stark. Keineswegs unseriös oder bonbonig, aber immer mit freundlichem und einladendem Augenzwinkern.

2. Les Barres

100PM, ungepfropft, ca. 60 Jahre alte Reben

Würzig und intensiv, herbe Frische, die ganz ohne druckvolle Säure dennoch Spannung aufbaut. Ich weiß nicht, ob ich diesen oder den Heurte Bise besser finden soll.

3. Heurte Bise

100CH

Klar zitrusnasiger Chardonnay mit weißem Pfeffer, Nashibirne, Pitahaya und Vetyver. Griffig, nachhaltig und schwer beeindruckend.

Champagnernacht in Dorsten

 

I.1 Raumland, Blanc et Noir Brut Nature 2005

Umgeben von Champagner fühlt der Raumland sich wohl, was für den Sekt ebenso gilt, wie für seinen Schöpfer, dessen Sekte im Laufe des Abends noch einige Auftritte hatten und den ich in Person zwei Tage später wie durch Zufall in der Champagne traf. Der Blanc et Noir ist erkennbar kein Champagner, ohne dass er dadurch jedoch deplaziert wirkt, zumal wenn es der Auftaktsprudler einer Probe ist. Der Sekt war ruhig, souverän, mit Beerenobst dekoriert und einer aus dem Lesegut selbst stammenden Fruchtigkeit und Süße, die Dosagezucker entbehrlich werden lässt.

I.2 Gimonnet-Henry, Blanc de Blancs Cuis Premier Cru

Mit 8 g/l dosiert.

Im Gegensatz zum Raumland war der von Pierre Gimonnet gefertigte Champagner als solcher erkennbar, mit der Erkennbarkeit von Cuis habe ich dagegen meine Probleme, weil mir dafür einige wichtige Marker fehlen. Weder ragte eine besondere Feinheit, Nervosität und tänzelnde Unruhe heraus, noch die für nördliche Crus kennzeichnende Exotik oder die typisch südliche Mineralität. Wenn dieser Champagner eine Eigenschaft hat, dann die, dass er zwischen all diesen Eigenschaften liegt.

II.1 Leclerc-Briant, Les Chèvres Pierreuses

Sehr süß, sehr fortgeschritten und sogar etwas plump kam der sonst so phantastische Chèvres Pierreuses ins Glas. Kochbanane, mehlige Textur, überreifer, kopflastiger Charakter, so kannte ich das Meisterwerk von Leclerc-Briant gar nicht und bin deshalb sicher, dass mit der Flasche etwas nicht stimmte.

II.2 deMarne-Frison, Cuvée Goustan Brut Nature

Dass wir von Thierry und Valerie de Marne-Frison noch viel Gutes hören und trinken werden, scheint mir gewiss. Von Beginn an habe ich deren Grundweine probieren dürfen und der einnehmende Gesamteindruck bestätigte sich mit dieser erstmals vermarkteten Jungferncuvée auf hohem Niveau. Schlank, rasant, nervös, wie poliert, platinartig dunkel schimmernd, der Silver Surfer – und damit meine ich nicht die älteren Herrschaften unter der Internetbenutzern – des Abends. Heute gegenüber seiner Schwester im Vorteil, ich habe sonst immer den umgekehrten Eindruck gehabt; auch das ein gutes Zeichen für den sportlichen Ehrgeiz der beiden.

III.1 Ayala, Brut Majeur

Einen guten, straff gefederten Eindruck vermittelte der Standardbrut von Ayala, der mir im Vergleich zum großen Bruder Bollinger vorkam wie ein 3er BMW mit M-Paket gegenüber einem mäßig durchzugsstarken Serien-5er: bisschen assiger, aber mehr Fahrspaß.

III.2 Bollinger, Special Cuvée

Behäbig, nicht ganz so ausdrucksvoll und pinotkräftig wie ich ihn erst kurz zuvor bei Bollinger getrunken habe, wirkte die eigentlich zuverlässige Special Cuvée. Oder vielleicht war das auch das Problem: er wirkte eben allzu zuverlässig und unaufregend.

IV.1 Dönnhoff, Pinot Brut 2004

Schwach war der Dönnhoff-Sekt, Fenchel und Anis im Vordergrund, gefolgt von gähnender Leere am Gaumen und einem zehrenden, etwas stechenden Trigeminalgefühl. Volker Raumland räumte zwei Tage später ein, dass er damals schon mit dem Grundmaterial nicht völlig glücklich war. Schade, vom 2004er Dönnhoff hatte ich mir im Vergleich mit dem laut Gault Millau besten deutschen Sekt mehr erwartet.

IV.2 Ökonomierat Rebholz, R – Pi No Gold Brut 2004

Schon im letzten und vorletzten Jahr hatte mir dieser Sekt gut gefallen, blind erkannt hätte ich ihn allerdings nicht – damit teilt er freilich dasselbe Schicksal wie fast alle Schaumweine, was nicht an deren bemängelnswerter Qualität liegt, sondern an meinen begrenzten Verkosterfähigkeiten. Dem namengebenden Pi No Gold machte der Sekt alle Ehre, Farbe und Mundgefühl ließen an sich keinen Raum für Chardonnay, der folglich strukturbildend im Hintergrund wirkte und dort, wo sonst vielleicht die Frucht allzudick aufgetragen wirken könnte, eine korrigierende Säure bereitstellte und so dem Sekt seine vorbildliche Balance verlieh.

V.1 Larmandier-Bernier, Blanc de Blancs Premier Cru Extra Brut

Chardonnay aus Cramant, Avize, Oger, Vertus, 2007er Basis.

Sieht man sich an, aus welchen Örtchen die Trauben kommen, kann man schon erahnen, dass es sich selbst bei kleiner Dosage nicht um ein Säureungeheuer handeln wird, sondern um einen Champagner, der mit dem Terroir seiner Herkunftsgemeinden spielt, wenn nicht kokettiert. Kaum verwunderlich, wenn sich das im Glas bewahrheitet und keinerlei aggressive Säurespitze den Rachen aufreißt, sondern kalkiges, zerstoßenes Gestein die gediegene Mineralität von Grand Crus der Côte des Blancs repräsentiert, darübergegossen eine feine Crèmeschicht und locker auch darüber noch gestreut appetitanregende Vertus-Frucht.

V.2 deMarne-Frison, Blanc de Blancs Brut Nature Cuvée Lalore

Mit Larmandier-Bernier hatte die schon in jungen Jahren selbstbewusste Tochter des Hauses de Marne ihre Schwierigkeiten. Im direkten Vergleich ist ihr Chardonnay der aufgekratztere, exotischere und trotz der relativen Zurückhaltung des Larmandier-Bernier nicht ganz so säurehaltige. Das wiederum zeigt, wieviel versteckte Säure die Chardonnays aus der Côte des Blancs haben und wenn man das mal so deutlich wie hier vorgeführt bekommt, weiß man auch, warum die Crus der Côte des Blancs so phantastisch reifen (können). Meine hohe Meinung von der Lalore bleibt davon unberührt, schließlich sind nicht alle Blondinen gleich und ob man es mit Drew Barrymore oder Catherine Deneuve zu tun hat, spielt im Dunkeln ja auch nicht unbedingt die führende Rolle.

VI.1 Alfred Gratien, Blanc de Blancs

Ein gutes Match lieferte die jüngste Cuvée von Alfred Gratien. Das mittelgroße Haus aus Epernay ist bekannt für seine konservative Vorgehensweise mit viel Holz, ohne BSA und den Einsatz von Pinot Meunier bis hinein in die Spitzencuvée. Der Blanc de Blancs war nicht der logisch zwingende nächste Schritt bei der Weiterentwicklung des Portfolios, aber da man sich offenbar dazu entschlossen hat, muss er zumindest wohlüberlegt gewesen sein. Expertise im Umgang mit Holz und BSA sind insofern gute Voraussetzungen. Unter diesen Umständen hätte ich erwartet, einen wenn nicht burgundischen Typ, so vielleicht doch einen irgendwie charakteristischeren Chardonnay vorzufinden. Der Blanc de Blancs entzieht sich aber jedem Kategorisierungsversuch. Verwandtschaft mit der Côte des Blancs sehe ich überhaupt keine, mit Burgund wie gesagt auch nicht und mit den wenigen reinen Chardonnays aus der Montagne de Reims gibt es wenn, dann nur eine sehr entfernte Verwandtschaft. Dass er sich nicht schubladisieren lässt, macht ihn wohlgemerkt nicht gut oder schlecht. Womit er aufwarten kann, ist eine reife, milde, nicht sehr säurebetonte, bzw. nur untergründig säurehaltige Komposition, die sich zwischen Frucht und Mineralität noch nicht recht entschieden hat. Wenn diese Entscheidung mit zunehmender Flaschenreife einmal fallen wird – womit ich rechne -, dürfte sich die Nachverkostung lohnen.

VI.2 Diebolt-Vallois, Blanc de Blancs Prestige

Seit Jahren der unangefochtene Meister des Terroirs von Cramant. Weißes und gelbes Fruchtfleisch, Apfel, Honig, Birne, Pfirsich, Blütenduft, stimmige Säure, fließende Übergänge, Beherrschtheit und Entspannung wie beim Tai-Chi.

VII.1 Paul Bara, Special Club Grand Cru Brut 2002

70PN 30CH

Dunkle Früchte prägen das Bild, Haselnüsse und feiner, schmiegsamer Gerbstoff unter dem elegant geschwungenen Jahrgangsdach des 2002ers.

VII.2 Marie-Noelle Ledru, Grand Cru Brut Nature 2002

Im Vergleich zum schwerpunktmäßig feinnoisettigen reinen Bouzy-Champagner von Paul Bara ist Viticultrice Mme. Ledru bei ihrem Grand Cru Brut Nature 2002 mit Trauben aus Ambonnay und Bouzy darüber hinaus im Bereich der erdigen, kräftigen und würzigen Aromen anzutreffen. Der Champagner ist noch immer jugendfrisch, verliert aber langsam seine Ungebärdigkeit, seine manchmal unbeholfenen und eckigen Bewegungen werden geschmeidiger, harmonischer und ansehnlicher, neben der in frühen Stadien ungewöhnlich mächtig wirkenden Säure schälen sich jetzt ebenbürtige Frucht- und Nussaromen heraus.

VIII. André Clouet, Silver Brut Nature

100PN

Auch Clouet besitzt Reben in Ambonnay und Bouzy, dort sogar in Nachbarschaft zu Bollinger. Die Nähe ist nicht allein räumlich, sondern auch aromatisch nachvollziehbar. Der Silver Brut Nature ist wie eine Special Cuvée auf Dope.

Marco Henschel vom gleichnamigen Dorstener Restaurant brachte dann noch auf den Tisch:

IX. Georg Breuer, Brut 2002 (mit Kachel)

Spätburgunder, Weißburgunder, Grauburgunder

Ausbau teilweise im kleinen Fassl, Dosage mit Riesling-Auslese. Starker, eigenständiger Sekt und der einzige nicht von Volker Raumland hergestellte Sekt des Abends. Tatsächlich war es hier noch Georg Breuer selbst, der das Ruder führte. Weißer Pfirsich, ankaramellisierte Apfel, Lindenblüten, ein Hauch Bittermandel, ein touch Anisette, ohne dass ich den Eindruck hatte, dieser Sekt würde in die Niederungen zehrender Lakritznoten abrutschen, die sich nämlich bei Brut oder noch geringer dosierten Sekten so ähnlich ankündigen und für mich zu den unschönen Sektnoten gehören.

X. Dom Pérignon 1995

52CH 48PN.

Einer der stärkeren Doms der letzten Jahre und zur Zeit zusammen mit gesunden Exemplaren vom 1996er wahrscheinlich der beste "normale" Dom Pérignon, den man oft sogar noch zu recht vernünftigen Preisen bekommen kann. Hier gab es noch nicht die überhandnehmende Jodigkeit, Strenge und Mineralität der 1998, 1999, 2000, die für mich bestenfalls Ausdruck einer Japanisierung des Dom-Geschmacks sind – und weniger schmeichelhaft formuliert: eine marketingbedingte Qualitätsinflation. Leichtigkeit und Mühelosigkeit spielen bei diesem klassischen Dom tragende Rollen, unter den Elementen würde man ihn der Luft zuordnen; ein gut gedeckter Frühstückstisch im Garten eines Manoir tief in der sommerlichen France profonde duftet so, Croissant, Kaffee, Sahne, Butter, verschiedene Marmeladen, Blütendüfte vom Gras und vom Laubwerk der Bäume, der Duft von frischem Obst und Honig kommt noch dazu und alles changiert und schwebt munter über der Tafel.

Die mittelgroßen Häuser: Philipponnat vs. Pol-Roger

 

Zwei starke Erzeuger mit jeweils ausgeprägt eigenem (pinotfreudigem) Stil und treuer Anhängerschaft sind Philipponnat und Pol-Roger. Ein rundherum überzeugendes und selbst beim 2003er Jahrgang bravouröses Programm hat Philipponnat derzeit anzubieten. Pol-Roger sehe ich nicht ganz auf dieser Höhe, dafür sind mir insbesondere Rosé und Winston Churchill zu arg an der Schmerzgrenze dosiert.

1. Philipponnat

1.1 Royale Réserve, dég. Oktober 2010

40-50PN 30-35CH 15-25PM, Vinifikation im Stahltank und zu einem kleinen Teil im Holzfass, dort auch kein BSA. 25-40% Reservewein aus Soleraverfahren (jedoch nicht klassisch in Pyramidenform, sondern durch nachfüllen im Stahltank), teilweise aus Holzfassausbau. Mit 8 g/l dosiert.

Herzhaft hefig, mild nussig, großzügige Weinigkeit, machte einen dem Dégogierdatum entsprechenden jugendlichen Eindruck und war keineswegs zu hoch dosiert.

1.2 Grand Blanc 2004, dég. Februar 2010

Chardonnay stammt zu 70% aus der Côte des Blancs, jeweils 15% stammen aus dem Clos des Goisses und aus Trépail in der Montagne de Reims. Mit 5-6 g/l dosiert.

Der erste große Wurf aus den modernisierten Kellern von Philipponnat und daher – obwohl ich die beiden Jahrgänge sonst auf Augenhöhe sehe und Philipponnat 2002 sogar höher einschätzt als 2004 – dem 2002er trotz seiner Jugend sogar noch überlegen. Mandeln, Nüsse, Honig, elegante Säure, exotische Frucht, also alles, was man von einem großen Chardonnay dieser Provenienz erwarten darf. Die exotische Frucht ist nach meinem Empfinden immer ein deutlicher Marker für die Chardonnays aus dem Marnetal und geht hier wohl auf den Clos des Goisses Anteil zurück. gegenüber dem schon sehr guten 2002er erschien mir der 2004er weniger verträumt, fokussierter, mehr bei der Sache.

1.3 Réserve Mill. 2003, dég. August 2010

70PN 30CH, mit 6 g/l dosiert.

Fein, ausgewogen und für den meist überreifen bis abgeschlafften Jahrgang erstaunlich frisch, ja sogar elegant und mit einer delikaten Säure ausgestattet. Das Mundgefühl von geschmolzener weißer Schokolade war sehr apart, enzückend fand ich dann noch, dass der Champagner im nschluss nicht ins überreif-rosinige weggerutscht ist, sondern mit feiner, wie ein elektronisches Stabilitätsprogramm beim Auto wirkender Säure ausging.

1.4 Cuvée "1522" Grand Cru Mill. 2003, dég. Januar 2009

60PN aus Ay 40CH jeweils zur Hälfte aus Cramant und Le Mesnil, mit 4 g/l dosiert.

Ein Champagner, der nach Auffassung des Hauses vorbildlich zu Schalentieren passt. Doch geht bei dieser Betrachtung ein vergnüglicher Teil verloren: besonderen Spass macht es nämlich zu beobachten, wie die dunklen Pinotaromen langsam in den mineralischen Teil überleiten, der am Ende die Herrschaft übernimmt und verantwortlich für die Meeresfrüchteaffinität des Champagners ist. Ob man die Assemblage auch historisierend nur aus der Vallée de la Marne, bzw. Ay hätte zusammenstellen können, beschäftigt mich schon länger, tut dem Erfolg, bzw. Güte der Cuvée aber natürlich keinen Abbruch.

1.5 Clos des Goisses Blanc 2000, dég. Oktober 2009

65PN 35CH, 30-50% im Fass vergoren. Mit 4 g/l dosiert.

Feiner, schlanker, dabei druckvoller und organischer, fester in sich geschlossen und auch länger, als der "1522". Sehr raffiniert und in sich verschachtelt gebaut, so dass man sich nicht wundert, im Alter die überwältigende und für diesen Champagner typische, nussige, kakaoige, röstige und an Kaffee erinnernde Fülle anzutreffen. Beim 2000er ist das gegenüber seiner spätwienerischen Primärfruchtphase von vor einem Jahr derzeit alles wie in einem Origami verborgen, allenfalls die köstliche Honignote lugt noch hervor und lässt die zutreffende Vermutung zu, dass hier ein starker Champagner schlummert.

 

2. Pol-Roger

Eine Konstante ist Pol-Roger. So zuverlässig wie früher Christian Pol-Roger kümmert sich schon seit einigen Jahren der freundliche und verbindliche Laurent d'Harcourt um die Gäste und Freunde des Hauses.

2.1 White Foil und

2.2 Pure

Ein schönes Duo, das sich noch aufeinander einspielen muss, ist der White Foil zusammen mit dem Pure, dem Brut Majeur von Ayala in der Programmatik nicht unähnlich.

2.3 Vintage 2000

Der Vintage stammt noch immer aus dem Jahrgang 2000 und wirkt auf mich langsam etwas mürbe; nicht altersschwach zwar, aber altersmilde. Ein Heißsporn war er nie, ein Charmeur mit anregenden Qualitäten in seinen besten Zeiten dagegen schon. Das Funkeln ist noch da, was sich verändert hat, ist das bezwingende Element. Dieser Champagner nimmt einen nicht mehr in Beschlag, sondern er bietet sich an.

2.4 Blanc de Blancs 1999

Mittlerweile ist der 1999er Chardonnay von Pol-Roger reifer, aber nicht gesetzter, sondern auf eine beeindruckende Art energischer geworden, in jeder Hinsicht bestimmter, konturierter und vollendeter.

2.5 Rosé 2002

Für mich der kontroverseste Champagner des Programms von Pol-Roger ist im Moment, vielleicht zusammen mit dem Winston Churchill, der sehr scharf an der – für mich – Lästigkeitsgrenze dosierte Rosé. Hier hat gewiss der Jahrgang dem Kellermeister reifemäßig in die Hände gespielt und selbst wenn ich von Pol-Roger zuverlässig gute Arbeit im Umgang mit der Dosage gewöhnt bin, im Rosébereich finde ich die Gefahr immer besonders groß, durch übermäßige Dosage ins Kitschige abzurutschen. Davor schützt in diesem Fall nur die besonders punktgenau eingesetzte Säure. Nun ist natürlich, das weiß ich selbst, mein Gaumen alles andere als maßgeblich für Pol-Roger und das Stammpublikum des Hauses; ich würde aber dazu raten wollen, diesen sehr schmalen Pfad bei den nächsten Jahrgängen wieder zu verlassen.

2.6 Cuvée Sir Winston Churchill 1999

So süß wie nie zuvor kam mir der aktuelle Sir Winston Churchill vor. Frucht spielt unverkennbar eine entscheidende Rolle bei diesem Eindruck, Dosagezucker aber auch. Mir kam der durch den Zucker etwas speckig geratene Champagner nur um ein Haar noch nicht schwabbelig vor, hier gilt, was ich auch beim Rosé meine: noch weiter sollte man es mit der Dosage nicht treiben.

ProWein Nachlese: Meiningers Champagnerverkostung

 

Die ProWein bietet zahlreiche Attraktionen für große und kleine Weinfreunde. Für mich eine der Hauptattraktionen ist die vom stets wohlinformierten Sascha Speicher kundig geleitete Champagnerprobe des Meininger-Verlags. Dieses Jahr gab es einen etwas unzusammenhängenden, als best of ProWein annoncierten Querschnitt der Gewächse von Ausstellern auf der ProWein.  

1. A.R. Lenoble, Blanc de Blancs Grand Cru Chouilly "Les Aventures" Extra Brut,

Jahrgänge 2002, 2000 und 1996 aus der 0,5ha-Einzellage Les Aventures am Fuß des Château de Saran. Unter Naturkork gereift, Handdegorgement, Ficelage. Mit 3 g/l dosiert.

Schmeckte sehr reif, etwas holzig und profitierte von der aus dem Inneren kommenden, gut stützenden Säure. Traubig, fast muskatig, mit flüchtigen Anteilen; schmeckt süßer, als er dosiert ist, was an teilweise sehr reifem Lesegut liegen dürfte.

2. Alain Thiénot, La Vigne aux Gamins 2000

Blanc de Blancs, Avize Grand Cru. Zehn Jahre Hefelager, dann mit 10g/l dosiert. Nussnote.

Muscovado-Zucker und schwarzer Pfeffer, etwas nussig und leicht sahnig, insgesamt in einer sehr schönen Form und freundlicher, als die Pulle vom Vortag.

3. Duval-Leroy, Blanc de Blancs Premier Cru Vertus "Clos des Bouveries" 2005

Der Clos des Bouveries gehört als Sonderling eigentlich in die Authentis-Serie von Duval-Leroy, ihm wurde aber von den beiden resoluten Damen in Chef- und Kelleretage ein eigenes Leben geschenkt. Bei meinem letzten Besuch dort konnte ich mir den in ferner Vergangenheit wohl mal ummauerten, heute teilweise von Hecken umstandenen Weingarten ansehen, sowie die Vorgänger des 2005ers intensiv mit und ohne Dosage durchprobieren. Der aktuelle 2005er war überaus apfelig, etwas pektinig, lang und frisch, mit dezentem Druck.

4. Bruno Paillard, Blanc de Blancs "Réserve Privée" Grand Cru Brut, dég. Juni 2010

Le Mesnil, Oger, Chouilly, 6,5 g/l.

Weich, sahnig, satinig, relativ hohe, aber noch nicht störende Süße, weil ein erfrischender Säuregegendruck drin ist. Aus dem Portfolio der Champagner Bruno Paillards ist dieser Champagner mit dem verminderten Flaschendruck eine gute Empfehlung und verglichen mit dem in jeder Hinsicht überragenden Nec Plus Ultra auch noch bezahlbar.

5. de Saint Gall, Blanc de Blancs Grand Cru "Cuvée Orpale" Brut Nature 2003, en Magnum

Chardonnays aus Cramant, Oger und Le Mesnil.

Die Genossen sind rege und einfallsreich, zuletzt haben sie sich stark in der Gastronomie festsetzen können, wo sie mit der Cuvée Orpale eine preisgünstige Alternative zum übermächtigen Dom Pérignon zu platzieren versuchen. Die Fachpresse scheint angetan. Ich nicht so sehr. Kernobst und süssliches Kompott im Vordergrund, dahinter nicht mehr viel. Mir fehlte die Säure, was gewiss am Jahrgang gelegen haben mag – aber: dann darf man eben einen solchen Jahrgang nicht oder nicht so vinifizieren. Mau.

6. Drappier, IV (Quattuor), Blanc de Quatre Blancs

Je 25% Chardonnay, Pinot Blanc, Petit Meslier und Arbane. Mit 8,5 g/l dosiert.

So gut habe ich den Quattuor noch nie getrunken. Meist stört mich der Weißburgunderanteil in Champagnern aus den Randrebsorten. Hier ging es aber. Buttercrèmetortenfeeling am Gaumen. Konzentriert, aber nicht belastend, kräuterig, mit Apfelanklängen.

7. Moutard, Cuvée des Six Cépages 2004, dég. 9. Dez. 2010

Arbane, Petit Meslier, Pinot Blanc, Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier. Mit 10 g/l dosiert.

Stinkige Nase. Süß, sektig, leicht hefig, irgendwie belanglos. Da sind mir die Rosés des Hauses lieber.

8. Jacquesson, Cuvée No. 734

54CH 20 PN 26PM. 2006er Basis, 22% 2005 und 5% 2004. Mit 3,5 g/l dosiert.

Die Chiquet-Brüder legen seit der Cuvée No. 728 vielleicht nicht jedes Mal noch einen drauf, aber sie arbeiten bei diesem Standardbrut an der vordersten Spitze der Champagne mit. Kräftig, saftig, mit gekonnter Herbe und einer weichen, entgegenkommenden Art; zwar nur mäßige Säure, aber im Gegenzug viel grip.

9. Taittinger, Mill. 2004

50CH 50PN, mit 9 g/l dosiert.

Karamellisierte Mandelsplitter, Brioche, Nuss, Orangenobst, etwas Apfel. Nicht ganz leicht, aber noch elegant.

10. Deutz, Rosé

100PN aus der Montagne de Reims; Assemblagerosé, 8% Rotwein Ay Grand Cru von alten Reben und aus der Einzellage Meurtet, mit 10 g/l dosiert.

Hagebutte, Quitte, Kirsche. Wenig Säure, dennoch appetitanregend. Der weiße Standarddeutz gefällt mir besser.

11. Pol-Roger, Rosé 2002

65PN 35CH. Mit 11 g/l dosiert.

Rumtopf, Wildkirsche, hohe Süße und haarscharf ausbalancierende Säure, noch weiter kann man den Einsatz von Dosagezucker nicht auf die Spitze treiben, bevor der Champagner ins marmeladige kippt.

Champagne: Farmer’s Fizz

 

Winzerchampagner ist ein ganz besondres Elixier. Glanz und Elend liegen hier besonders dicht beieinander. Die erfolgreichsten Winzer eint, dass bei ihnen meisterlicher Umgang mit den natürlichen Vorgaben, Avantgarde und Experimentiersinn eine günstige Liaison eingehen und Champagnerfreunde in ihren Bann ziehen. Daraus entwickeln sich verkürzt gesprochen manchmal Trends, die bei einigen der großen Erzeugern mit Freude aufgenommen werden. Die stellen natürlich nur allgemach ihre Portfolios um, denn in der Champagne entscheidet man nicht von Jahrgang zu Jahrgang, sondern muss immer ein diachrones Moment berücksichtigen: die Hefeverweildauer der Champagner von zum Teil mehreren Jahren. Tuchfühlung bei den richtigen Winzern bedeutet deshalb fast so etwas wie einen Blick in die Zukunft zu werfen, was dem intensiven Verkosten einen zusätzlichen Mehrwert verleiht. 

1.Pehu-Simonet

Der Winzer aus Verzenay hat seine Ausbildung wie zahlreiche Champagnerwinzer-Kollegen seiner Generation und eben wie der unvermeidliche Anselme Selosse in Beaune abgeschlossen und orientiert sich bei der Weinbereitung an den Vorgaben aus Burgund. Der Weinberg (8ha) und speziell der Boden wird schonend,bzw. 'nachhaltig' bewirtschaftet. Auf BSA wird weitestgehend verzichtet. Zur Verfügung stehen Stahltanks, 30 Burgunderfässer und 10 klassische Champagnerfässer mit einem Format von 205l. Flaschenvergoren wird kühl bei ca. 10°C.

1.1 Sélection Grand Cru

70PN 30CH, kein BSA, 30% Reservewein aus den beiden Vorgängerjahren, 15% werden fassvergoren. Mit 8 g/l dosiert.

Sauberer Champagner-Winzerschoppen, bei dem man von der Säure zwar nicht überfahren, aber doch bleibend beeindruckt wird.

1.2 Transparence Grand Cru Extra Brut 2006

Hat im Frühjahr einen BSA durchlaufen, ist dafür nur mit 3 g/l dosiert.

Vom Konzept her ein Sélection Grand Cru mit verlängertem Hefelager. Es gibt nur 3000 Flaschen davon, verkauft werden die exklusiv auf der Domaine. Man merkt einen holzigen Einschlag, eine angenehm hefige Note und ein Quentchen mehr Reife, als beim Sélection Grand Cru.

1.3 Blanc de Blancs

2008er Trauben aus einem jungen Weinberg in Le Mesnil, im Stahltank ausgebaut und mit 9 g/l dosiert.

Gefiel mir gut. Rauh, schlank, dabei leicht amylisch, mit den angenehmen Bonbonnoten kühl vergorener Champagner. Dabei bleibt er zum Glück nicht, eine grantelige mineralische und sehr mesnilige Note setzt sich recht schnell durch.

1.4 Rosé

80PN 20CH, 2007er Basis und 25% Reservewein aus den beiden Vorgängerjahren. Teilweise Biotrauben, ohne BSA. Assemblage aus Blanc de Noirs mit einem Anteil Verzenay Rouge. 15% Fassausbau, sonst Stahltank. Mit 7 g/l dosiert.

Hier merkt man paradoxer Weise am deutlichsten den angestrebten Burgundercharakter. Mandel, Marzipan, gehackte Nüsse, im Mund sehr schlank, aber nicht harmlos, minimal adstringierend, dann wieder stahlig, dicht und in sich geschlossen. Kein Moderosé.

1.5 Blanc de Noirs Grand Cru

2007er Basis, Trauben von alten Reben in Verzenay. Ausbau zu 40% im Stahltank und zu 60% im Holzfass von der Tonnellerie de Champagne, die Eichen dafür stammen aus dem Wald von Verzy, nur wenige Meter entfernt über dem Weinberg. Mit 8 g/l dosiert.

In einem komfortablen Bett aus weichem, ganz gegen die Gewohnheit der Tonnellerie de Champagne schonend getoasteten Eichenholz liegt der unruhige Säurekern, eingebettet in dämpfende Ananas-Mangoaromen. Wirkt unausgeglichen, müsste man beobachten.

1.6 Millésime Grand Cru 2005, dég. Nov. 2010

50PN aus der Lage Les Noues in Verzenay, Ausbau im Barrique; 50CH, davon 40% aus Le Mesnil, 60% aus Verzenay Grand Cru, ganz genau aus Pisses-Renard, einer der wenigen Chardonnaylagen in der Pinothochburg, im Stahltank ausgebaut. Mit 8 g/l dosiert.

Unter dem leichten Böckser präsentiert sich ein exotisches Duftbouquet, das in ein Geflecht aus Birne, Ananas, Pfirsisch, Banane und ein paar Nüssen übergeht. Was dieser Champagner wirklich drauf hat, wird sich erst zeigen, wenn die noch fast alles überdeckenden Primärnoten sich mit zusätzlicher Flaschenreife verzogen haben.

 

2. Die Avantgarde der Biowinzer

Besonders rege und betriebsam sind die Biowinzer. Unter ihnen finden sich alteingesessene Großmeister und die junge Generation von Winzern, die teilweise Stück für Stück Pachtverträge mit den großen Häusern ablaufen lässt, um diesen Teil der Weinberge nach eigenen Vorstellungen selbst – und meistens eben biologisch/nachhaltig/biodynamisch – zu bewirtschaften. In der Champagne, wo sowieso jeder mit jedem verwandt ist, netzwerkeln diese Winzer untereinander meist ebenso erfolgreich, wie sie sich neuer Medien bedienen.So kommt es, dass man Kleinsterzeuger mit gerade einmal 3 ha Rebfläche im New Yorker Cru, im Kopenhagener Noma und in Tokyo sowieso auf jeder besseren Weinkarte findet.  

2.1 Benoît Lahaye, Naturessence, dég. 3. August 2010

50PN 50CH

Phenolisch, aber nicht kränkelnd, mit scharfer Säure, dabei sehr traubig, erinnerte mich schon beim Bioweintasting in Paris an einen besonders süffigen Verjus; hatte hier schon etwas Druck verloren und Temperatur gewonnen, wirkte daher gebändigter und trinkfreundlicher.

2.2 Georges Laval, Cumières Premier Cru Brut Nature

Ein Füllhorn an Zitrusfruchtaromen, mit mentholischem touch, kräuterig, mineralisch, ein Spaziergänger mit sehr strammem Schritt.

2.3 Larmandier-Bernier, La Terre de Vertus Premier Cru, non dosé

Blanc de Blancs auf 2006er Basis aus den Einzellagen Les Barillers und Les Faucherets in Vertus.

Stachelbeere, gelbe Johannisbeere, Quitten, Hagebutten, Limetten, dazu eine feine, mineralische Art, die den Wein aber nicht verschließt, sondern stützt. Wo der Laval marschiert, schreitet der Larmandier-Bernier.

2.4 Tarlant, La Vigne d'Antan, Chardonnay non-greffée, 2000

Zusammen mit dem berühmten Vieilles Vignes Francaises von Bollinger einer der ganz wenigen Champagner von ungepfropften Reben, in diesem Fall Chardonnay. Und genauso schwer zu bekommen, aber wenn, dann für ca. ein Zehntel der VVF. Massives Chardonnaygeschütz aus einer anderen Zeit.

2.5 Jérôme Prevost, La Closerie, fac-simile, Rosé Extra Brut

100PM davon 11% Meunier Stillweinzugabe, 2009er Basis. Ausbau in jungen und alten Barriques.

Helles Rosé und natürlich schmeckt er viel zu jung. Kaum, dass sich übrhaupt aromatische Anlagen ausgebildet haben, noch überwiegen sehr unroséhafte mineralische Noten, Geißblatt, weiße Blüten, Akazie, auch eine ganze Reihe frischer Beeren ist dabei, aber das Aromenkonzert klingt wie durch eine dicke Glasscheibe.

2.6 Olivier Horiot, Cuvée Sève "En Barmont", Blanc de Noirs non dosé 2004, dég. 16. April 2009

Nicht sehr inspirierend war leider der fassvergorene, eher schlichte, wenngleich extraktstarke und dadurch süßlicher wirkende Champagner aus dem für seine Rosés prominenten Aubedörfchen Les Riceys.

2.7 Robert Dufour, Bulles de Comptoir Extra Brut

Pinot Blanc, Pinot Noir, Chardonnay.

Einmal mehr zeigt sich, dass Pinot Blanc keine so wahnsinnig gute Schaumweintraube ist. Nach gut gelungenem Sekt schmeckte dieser Champagner, der reinsortige "Les Instantanés" Blanc Gourmand Extra Brut, bzw. sogar Brut Nature 2003, von Dufour lässt grüßen.

 

3. Penet-Chardonnet

Dieser Familienbetrieb aus Verzy verfügt über sechs Hektar ausschließlich in Grand Crus. In Verzenay, bei Pehu-Simonet begann die kleine Winzerchampagner-Revision und im benachbarten Verzenay schließt sich der Kreis für dieses Mal. Diesen kreglen Betrieb, der zu den größten der Gemeinde gehört und sich gehörig für die Zukunft herausgeputzt hat, muss man ernsthaft im Auge behalten. Schönes Detail: die Rückenetiketten sind mit QR-Codes versehen, wer auf seinem Smartphone eine entsprechende App hat, braucht davon nur ein Bild zu machen und wird dann automatisch auf die website des Erzeugers geführt, wo er die technischen Angaben zum betreffenden Champagner nachlesen kann.

3.1 Extra Brut Millésime 2005

70CH 30PN.

Gelungene Jahrgangsinterpretation, Orangenblüten und Akazienduft, apfelig und mit fröhlicher Säure unterlegt, eine unbeschwert tänzelnde Komposition.

3.2 Réserve Grand Cru Extra Brut, dég. Sep. 2010

2/3PN 1/3CH aus Verzy und Verzenay, Basisjahr 2004, 4 g/l.

Rund, mild, reif, mit toastigen Röstnoten und Lemon Curd. Der Mund wird unversehens zum Nobelplanschbecken, so viel quietschvergnügte Champagnerfreude auf einen Schlag gefiel mir sehr gut.

3.3 Grande Réserve Grand Cru Brut Nature

2/3PN 1/3CH hauptsächlich aus Verzy, Basisjahr 2001

Gesetzter, reifer, etwas strenger war die Grande Reserve. Auch dies ein Champagner, der den Mund schlagartig ausfüllt und lange nachhallt, was man bei Brut Nature Champagnern nur dann erlebt, wenn sie richtig gut gelungen sind – sonst zeigen die sich nämlich gern mal lakritzig, ausgezehrt und streng gegen Ende.

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