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Tag Archives: lvmh

Einladung zur Champagnerprobe für Neugierige

Für alle, die sich dem Champagner freundschaftlich nähern wollen und in den Tiefen der Kreidekeller von Reims und Epernay noch kein zweites zu Hause gefunden haben, biete ich am 15. Mai 2010 eine Auswahl von 14 aktuellen Champagnern an.

Neben bekannten Vertretern, werde ich einige in Deutschland weitgehend unbekannte Winzer der Champagne vorstellen. Winzer mit außergewöhnlichen Einzellagenchampagnern, exzellente Jahrgangschampagner und Grand Crus werden sich mit Biochampagner und holzfassausgebauten Cuvées ein Stelldichein geben. Natürlich wird auch ein Dom Pérignon geöffnet.

Und weil man nicht nur trinken kann, wird es auch noch tagesfrische, kulinarische Köstlichkeiten – auf die Champagner abgestimmt – geben.

Die Champagner-Verkostung findet am 15.Mai 2010 in Essen statt!
Die Kosten für die Veranstaltung betragen 95,- Euro gegen Vorkasse bis zum 30.4.2010

Darin enthalten sind:
– Die Verkostung von 14 Champagnern nebst lehrreichen Ausführungen zu den einzelnen Sprudlern
– Begleitende Speisen

Ich freue mich, viele bekannte Gesichter wiederzusehen und neue Champagnermitstreiter kennen zu lernen!

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Des Kaisers neue Kleider

LVMH hat in den letzten Tagen eine ganze Reihe neuer Verpackungen – nicht: neuer Champagner – vorgestellt. Nachdem Veuve Clicquot sich 1877 mit dem berühmten yellow label dem auffälligen Design verschrieben hat, ist das Haus als Designturbo abonniert. Die ursprünglich taillierte Flasche für die Grande Dame gehört zu den bemerkenswertesten Champagnerflaschen-Entwürfen nach dem Zweiten Weltkrieg, wurde aber bald eingestellt. Seit der Vermarktung der 90er Grande Dame haben wir wieder eine nicht endenwollende Serie von Künstlerdesigns für aufregende, mal verspielte und teilweise völlig unnötige Verpackungs- und Merchandiseartikel gesehen. Auffällige Kühler (wie das futuristische Spherebed von Karim Rashid), Geschirr (sehr funktional, da temperatursteuerbar, von Young San Eun), Blütenprints (Sakura/Kirschblüten von Atelier LZC für den Rosé), japanische Papierverpackungen (Irodori-Box von Eriko Horiki für die 98er Grande Dame), Kühlboxen (mit Jason Bruges die Riva Cruise Collection, mit Porsche Design der flotte Kühlwürfel), ja ganze Sitzgelegenheiten (Loveseat von Karim Rashid) und befüllte Kühlschränke (Vertical Limit zusammen mit Porsche Design) hat Veuve Clicquot von zeitgenössischen Künstlern und Designern herstellen lassen. Die Liste der Kooperationspartner liest sich für Kunstfreunde so eingängig, wie sich der passende Champagner dazu schlürft: Andre Putman, Arthus Bertrand, Pablo Reinoso, Pucci, Christophe Pillet und Tom Dixon gehören dazu, eine eigene Workshopreihe der Domus Academy bringt als Future Concept Lab  frischen Designwind auf Abruf. Passend zum Frühling startet Veuve Clicquot mit dem Yellow Basket in die Saison. Der Mini-Picknickkorb hat alles, was man für ein Picknick braucht, nämlich eine Buddel Champagner und zwei Gläser. Häuslicher wirkt dagegen der Fridge – ein Icejacket im Retrokühlschranklook. Der Ice Cube wird ebenfalls wieder aufgelegt.

Bei Dom Pérignon nimmt sich alles etwas langsamer, weniger flippig und gediegener aus. Der Australier Marc Newson ist nun zum vierten Mal zuständig für eine belebende Neuinterpretation des klassischen Dom-Designs. Er hat sich, ganz nach Art der reiselustigen Australier, für eine globetrotterige Black Box entschieden und dem Dom ein quietschgrünes Label verpasst. Auch beim Dom Rosé tut sich was. Kam der 98er Geschenkkoffer noch mit Gläsern von Sylvie Fleury wird der 2000er im signierten Köfferchen von Zoé Cassavetes verkauft werden. Die beiden mitgelieferten Gläser teilen sich den stilisierten Wappenschild. Der normale 2000er Dom wird ausserdem in einer limitierten, von Andy Warhol inspirierten Version ausgeliefert. Für die oenothèque hat Spiegelau Gläser bereitgestellt, die in der aufwendigen schwarzen Einzelflaschen-Holzkiste mitgeliefert werden.

Nun will auch Mumm nicht zurückstehen und bietet nach der Überarbeitung des Flaschenerscheinungsbilds einen neuen Cordon-Rouge Kühler an, der von Patrick Jouin gestaltet wurde. Ist der Kühler da, fehlen noch die Gläser, sind die Gläser da, fehlt noch der ganze andere Accessoirezirkus, mit dem zum Beispiel Schwester Perrier-Jouet gutes Geld verdient – es dürfte also nicht mehr lange dauern, bis wir auch von Mumm neue Ware rund um den Champagner angeboten bekommen. Notiz am Rande: Dominique Demarville, der als junger und dynamischer Kellermeister Mumm aus dem Abgrund gezogen hat, ist als Nachfolger von Jacques Peters mittlerweile chef de caves bei Veuve Clicquot. So schliesst sich der Kreis.

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Das Leben der Veuve Clicquot

Veuve Clicquot – Die Geschichte des Champagner-Imperiums und der Frau, die es regierte

Tilar J. Mazzeo

Hoffmann und Campe

320 Seiten

19,99 €

ISBN-13: 978-3455501247

 

Es ist erstaunlich, aber wahr: eine der berühmtesten Witwen der jüngeren Weltgeschichte stand bisher ohne Biographie da. Die nun von Tilar Mazzeo vorgelegte Geschichte ist, das vorweg, keine Biographie im allerengsten Sinne. Schuld trägt jedoch weniger die Autorin, als die Umstände und Zeitläufte. So war es bis in das 19. Jahrhundert hinein höchst unüblich, aus den Lebensdaten einer weiblichen, damals eher relativen Person der Zeitgeschichte ein literarisches Werk zu fertigen. Wenn überhaupt, dann machte sich die schreibende Zunft diese Mühe allenfalls bei den Damen des Hochadels; zwar wurde die Grande Dame der Champagne über die Grenzen Frankreichs hinaus als ein gekröntes Haupt der Champagne wahrgenommen – aber die Person hinter dieser schon früh sehr starken Namensmarke blieb in der öffentlichen Wahrnehmung trotzdem seltsam farblos. Ihre Nachkommen sorgten sich dementsprechend wenig um den Erhalt z.B. ihrer privaten Bibliothek oder gar persönlicher Schriftstücke, ja selbst die Champagnerfirma blieb nicht sehr lange in den Händen ihrer Familie. Der Autorin kann man aufgrund der in persönlicher Hinsicht dürftigen Quellenlage das Recht zugestehen, fiktionale Anteile und erzählerische Auflockerung einzuarbeiten, was ihr auch tadellos gelingt.

 

Der Buchumschlag ist in der charakteristischen Farbe des Carte Jaune, dem Standardbrut des Hauses, gehalten. Diese "Farbe des Dotters aus den Eiern der berühmten, mit Mais gefütterten Bresse-Hühner" ist das berühmte Clicquot-Gelb und macht sofort Lust aufs Lesen. Mazzeo schreibt flott und unkompliziert, leider um den Preis einiger Ungenauigkeiten. So ist die Angabe Demi-Sec dosierte Champagner enthielten bis zu zwanzig Gramm Restzucker pro Liter falsch, wie sich schnell aus den einschlägigen Normtexten ergibt (Verordnung (EG) Nr. 1493/1999 des Rates vom 17. Mai 1999 über die gemeinsame Marktorganisation für Wein (auch kurz GMO Wein) schreibt in Anhang VIII D Nr. 3 satte 33 bis 50 g/l vor, nach Art. 58 Abs. 3 in Verbindung mit Anhang XIV Teil A der Verordnung (EG) Nr. 607/2009 der Kommission vom 14. Juli 2009 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EG) Nr. 479/2008 des Rates hinsichtlich der geschützten Ursprungsbezeichnungen und geografischen Angaben, der traditionellen Begriffe sowie der Kennzeichnung und Aufmachung bestimmter Weinbauerzeugnisse dürfen es neuerdings 32 – 50 g/l bei 3 g/l Toleranz sein).

 

Ebenfalls verkehrt ist die Aussage, in der Champagne seien nur drei Rebsorten zur Vinifikation von Champagner zugelassen, denn das Loi du 22 juillet 1927, reprenant le texte de la Loi du 6 mai 1919 spricht glasklar und eindeutig davon, dass die verschiedenen Pinotrebsorten, Arbane und Petit Meslier zugelassen sind. An der Aube kommt sogar noch die Gamay hinzu, so dass ampelographisch korrekt bis zu zehn Rebsorten für die Champagneproduktion erlaubt sind. Ebenfalls unrichtig ist die Aussage, bis heute gebe es nur zwei Arten Champagner: Blanc de Blancs und Blanc de Noirs. Denn die weitaus allerhäufigste Art ist der Verschnitt aus weißem Chardonnay und schwarzen Pinot-Noirs, bzw. Pinot Meunier. Genau deshalb ist die Folgeaussauge, die Art sei auf dem Etikett angegeben, genauso falsch.

 

Zumindest fraglich ist außerdem die Aussage, Napoleons Bruder Jérôme habe bei Moet sechs tausend Flaschen Premier Cru geordert – denn zu dieser Zeit gab es die dem Premier- und Grand Cru System zugrunde liegende échelle des crus noch gar nicht. Über die Behauptung, Champagner werde nach dem dégorgieren nicht gerade besser und gehöre möglichst bald getrunken, kann man sich ebenfalls streiten. Ich vertrete die von zahlreichen Winzern und Kellermeistern geteilte Gegenauffassung. Das klärt ganz nebenbei die Fronten: Mazzeos Ansicht ist eine von den Marketingexperten der Champagne in Umlauf gebrachte und von vielen Frischetrinkern gern übernommene, während die Meinung derjenigen, die am engsten mit dem Produkt vertraut sind, im Vertrieb für Probleme sorgt.

 

Hinweisen muss ich zudem auf eine gewisse Ungenauigkeit bei den Angaben zum Crémant. Dieser Wein war nie und ist kein Perlwein im Sinne des Weinrechts. Es gilt vielmehr zu unterscheiden: der klassische Crémant war ein Champagner mit etwas niedrigerem Flaschendruck aufgrund eines geringer dosierten Tiragelikörs. Die Mousse dieser Champagner war immer besonders sahnig und bis heute kann man so produzierte Champagner probieren, die allesamt Schaum- aber keinesfalls Perlweine sind. Der bekannteste von ihnen ist wahrscheinlich der lange Zeit als Crémant de Cramant (heute: Mumm de Cramant) verkaufte Champagner von Mumm. Andere Erzeuger sind Besserat de Bellefon mit ihren Cuvées des Moines, Bruno Paillards Blanc de Blancs gehört dazu, aber auch Chartogne-Taillets Fiacre. Diese Bezeichnung war freilich lange Zeit nicht geschützt und sorgte bis in die späten achtziger und neunziger Jahre für Rechtsstreitigkeiten. Der Europäische Gerichtshof hatte beispielsweise am 18. Mai 1994 eine Nichtigkeitsklage des spanischen Cava-Herstellers Codorniu zu entscheiden (Az.: C-309/89). Dabei ging es um die Grundregeln für die Bezeichnung und Aufmachung von Schaumwein und Schaumwein mit zugesetzter Kohlensäure, wie sie in der Verordnung Nr. 3309/85 niedergelegt waren. Nach einer Änderung der Vorschrift sollte es nur französischen und luxemburgischen Schaumweinen erlaubt sein, sich "Crémant" zu nennen. Codorniu hatte das Markenzeichen "Gran Cremant de Codorniu" aber schon 1924 in Spanien eintragen lassen und seither verwendet.

 

Das Lesevergnügen wird von diesen Ungenauigkeiten nicht getrübt. Vielmehr muss man anerkennen, mit welcher Sorgfalt und Mühe Mazzeo den Spuren der Familie Ponsardin nachspürt und wie gut es ihr gelingt, dem Leser einen lebhaften Eindruck von der dramatischen Lebensgeschichte der Witwe zu verschaffen. Kind eines wohlhabenden, royalistischen Vaters, wurde die junge Barbe-Nicole mitten in die Revolutionswirren geworfen – das allein hätte den Stoff für eine Erzählung von Alexandre Dumas oder Victor Hugo abgeben können. Aber es kommt alles noch viel schlimmer. Die Regimewechsel werden ein ständiger Begleiter im Geschäftsleben der großen Witwe. Über Jahre hinweg ist der sich internationalisierende Weinhandel die reinste Berg-und-Tal-Bahn, ein verschwenderischer Schwiegersohn und ein etwas windiger Geschäftspartner sorgen für zusätzliche Aufregung. Mit riskanten Zusatzgeschäften kommt der drohende Bankrott und ohne das beherzte Eingreifen ihres seinerzeit wichtigsten Vertrauten Edouard Werlé hätte das Champagnerhaus 1827 die Schotten dichtmachen müssen.

 

Ein wichtiges, bis heute erhaltenes Zeugnis vom Reichtum der Witwe ist das oberhalb des Marnetals bei Epernay zu bewundernde Château de Boursault. Nuraghe Fringhian, ein armenischer Juwelier und Genozid-Flüchtling, kaufte das Schloss 1927 und versah es am Hauptschornstein mit seinen Initialen. Heute gehört es Harald Fringhian, der dort nur höchst selten Besuch empfängt. Das ist vor allem für die Autorin schade, die das Schloss lediglich kurz von außen betrachten durfte. Im Inneren sind nämlich noch immer die kostbaren und kunsthistorisch aussergewöhnlichen Vorhänge zu bewundern, auch der prunkvolle Kamin ist vollständig erhalten. Im Eingangsbereich kann man die sich vermählenden Wappen der Familien Chévigny und Rochechouart de Mortemart betrachten und wenn er gut gelaunt ist, führt Harald Fringhian seine Besucher in den Keller des Schlosses, wo bis heute Champagner von den ca. 22 ha Weinberg innerhalb der Schlossmauern (technisch wäre das Weingut als Ganzes einer der wenigen Clos der Champagne) produziert wird. Die Mischung aus Weinkeller und Festungsanlage ist übrigens sehr beeindruckend. Im Keller befindet sich sogar noch der "Kühlschrank", eine tief in den Berg hinein gemauerte Grube, in der früher über längere Zeit Eis und Schnee gelagert wurden. Die Erzählkunst der Autorin hilft mühelos über diese fehlenden Einblicke hinweg. Sie verknüpft gekonnt die Schilderung der Lebensverhältnisse unserer Witwe mit einer Zusammenschau ihrer für die Nachwelt bedeutendsten Leistungen. Drei davon stechen besonders heraus: Die Internationalisierung des Champagnermarkts, die Schöpfung einer Markenidentität und die Entwicklung des Rüttelpults. Das alles ermöglichte überhaupt die erfolgreiche Massenproduktion von Champagner und wurde in seiner Bedeutung, so Mazzeo, erst von der Massenvermarktungsstrategie – vor allem des Brut-Champagners – der Witwe Pommery wieder erreicht. Mit dieser und den nachfolgenden Generationen an Champagnerwitwen schliesst das Buch, dessen Lektüre ich ausdrücklich empfehle.

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Dom Pérignon Rosé Oenothèque 1990

Richard Geoffroy kündigt in seinem Blog den ersten Dom Pérignon Rosé Oenothèque, Jahrgang 1990, an. 

"Rosé yet amber in color; a glorious and intriguing expression of Pinot Noir beyond the commitment to the perfect blend; its voluptuousness expressing itself through layers of spices and exotic fruits"

Nachdem der 90er Jahrgang so viel Furore, wegen seiner teilweise vorzeitigen Altersschwäche leider auch negative, Furore gemacht hat, ist sich Geoffroy nun sicher, dass es an der Zeit für einen relaunch des Rosé ist. Dégorgiert wurde 2007, nun darf man auf die ersten Geschmackseindrücke gespannt sein.

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Der Dom Pérignon Blog

Der Gaumen hinter einem der gewinnträchtigsten Zugpferde von LVMH hat jetzt einen eigenen Blog. Richard Geoffroy, Kellermeister für Dom Pérignon, schreibt auf

http://www.richardgeoffroy-domperignon.com/

über seine Arbeit. Das Design ist dem seit dem 98er Jahrgang ebenso kontinuierlich wie behutsam erneuerten, schlichten Gewand des Champagners angepasst. Bislang finden sich nur zwei Einträge und keine Photos dort, aber der Blog ist ja noch ganz frisch.

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Klimafreundlicher Champagner durch produktionsintegrierten Umweltschutz

Champagner in der heutigen Form wäre nicht denkbar ohne das gute bruchfeste Glas aus England. Dessen augenfälliger Vorzug liegt darin, dem hohen inwändigen Druck standhalten zu können und Champagner auch über längere Strecken transportfähig zu machen. Aber den schweren Buddeln droht Ungemach: ihre CO2-Bilanz ist ungünstig. Kein Wunder, bei einem Gewicht von 900 Gramm pro Flasche (Stillweinflaschen wiegen ca. die Hälfte) – und selbst das ist schon ein Fortschritt gegenüber den ca. 1200 Gramm vom Beginn des 20. Jahrhunderts.

Das Comité Interprofessionnel du Vin de Champagne (auch kurz Comité Champagne oder CIVC genannt) hat sich nun veranlasst gesehen, ab 2011 eine neue Flaschenform zu normieren. Nachdem Versuche bei Mumm und Veuve Clicquot zufriedenstellend verlaufen sind und Pommery mit dem POP Earth bereits einen klimafreundlichen Champagner nach den Regeln des produktionsintegrierten Umweltschutzes auf den Markt gebracht hat, soll die neue Standardflasche nur noch fliegengewichtige 840 Gramm wiegen, Spezialflaschen sind vorerst nicht betroffen.

Ein wichtiger Vorteil der neuen Flaschen ist der Raumgewinn bei Lagerung und Transport: volle 24 Paletten statt bisher nur 22 passen jetzt auf die Ladefläche eines LKW. Und für Veuve Clicquot liegt bei Verwendung des neuen Formats die CO2-Reduktion bei 450 Tonnen pro Jahr. Probleme gibt es allerdings bei der maschinellen Verarbeitung der Flaschen: die Degorgier-, Dosier-, Etikettier- und Versandmaschinen sind nämlich alle auf das alte Flaschenformat eingerichtet. Dennoch dürfte das Umsteigen angesichts der Energiekostenersparnis bei der Glasproduktion mittelfristig nicht schwerfallen.

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Dom Pérignon 1952 bis 1990

 

I. 1952

Flasche im Top-Zustand, einwandfreies Etikett, vielversprechender, sehr hoher Füllstand, was beim Dom aber wegen der Halsform sowieso immer schwierig zu beurteilen ist. Der Korken ließ sich mühelos rauszupfen und war erwartungsgemäß geschrumpft. Undichtigkeit war aber nicht zu entdecken. Im Glas wenig, aber sehr sehr feine Perlage, in der Nase noch Toast, aber doch überwiegend saure, krautige und nussige Töne. Im Mund wenig Aufruhr. Nicht schal, aber schon ziemlich fertig.

 

II. 1959

Tiptop-Flasche, was angesichts der Probleme mit unebenen Flaschenhälsen und demzufolge Leckagen im Überfluss schon einen gehobenen Genusshorizont provozierte. Der Korken kam leicht raus, ein schwaches Seufzen war allenfalls noch zu vernehmen. Leider schien das die gesamte Restkohlensäure gewesen zu sein. Im Glas ließen sich die Perlen an einem Daumen abzählen. Nase war durchaus beschwingt und leicht, man konnte Größe ahnen. Im Mund nur noch abgestandener Apfelsaft mit Sherry. Unsagbar schade.

 

III. 1962

Von der Flasche hatte ich gar nicht viel erwartet, nachdem meine Erfahrungen mit dem ach so großen 59er doch ernüchternd waren. Der Flaschenzustand war auch nicht besonders, zumindest der Füllstand war aber ok. Der Korken kam locker aus der Flasche, Besonders gezischt hat's leider nicht. Beim einschenken dann die erste freudige Überraschung, süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll den nervus olfactorius. Hauptsächlich pilzige, aber auch toastige und apfelige Noten, ein etwas schwieriger, klebriger Tabakduft ist auch dabei, wie der von Büchern aus einem Pfeifenraucherhaushalt; Kokosmakronen und Mandeln. Im Mund noch eine handzahm gewordene Säure und ein mildes, weiniges herabgleiten, leider nicht mehr. Wie schön muss es sein, diese Flasche als Oenothèque zu bekommen.

 

IV. 1964

Keine besonders gut gelagerte Flasche, so der erste optische Eindruck. Aber was soll's, Überraschungen kann man mit den hässlichsten Flaschen noch erleben. Vom 64er darf man sich angenehme Überraschungen erwarten; ganz so war es leider nicht, vielleicht hätte eine tadellose Flasche doch mehr gebracht. Nicht, dass der Dom schlecht oder kaputt war, aber für den prominenten Jahrgang fehte einfach etwas Pfiff. Verglichen mit dem 62er vielleicht auf Augenhöhe. Mehr Toast und geschnittener Champignon, insgesamt eine Tendenz in die kräuterige Richtung, auch mit einem ganz leichten Marihuanaduft und einer milden Süße am Gaumen, von der ich vermute, dass sie sich vor allem deshalb ausgebildet hat, weil die Flasche mal zu warm geworden ist – aber das ist Spekulation.

 

V. 1966

Diese Flasche stammt aus einem Päckchen, dass ich zum Geburtstag eines englischen Kunden zusammengestellt habe. Weil die Gelegenheit und vor allem der Flaschenpreis günstig war, habe ich mir eine Buddel von dem 66er auf Seite gelegt. Beim Öffnen der Flasche zeigte sich, dass die Entscheidung gut und richtig war. Wenig Druck, geschrumpfter Korken, beim Eingießen keine besondere olfaktorische Sensation, aber im Mund dann ein Champagner, der sich mit den Jungburschen noch messen konnte. Mit Luft entwickeln sich sehr reife, auch schon anmaderisierte Nusstöne, Apfel, viel Kräuter, aber auch die appetitanregenden Aromen von Ragout Fin im Blätterteig, am Gaumen nur ganz schwacher Kohlensäuredruck, aber eine kühlende, an naturtrübe Apfelschorle erinnernde Art, die viel Trinkfreude bereitet – nicht weil sie unkompliziert und doff ist, sondern weil sich die gesamte Erscheinung und Aromatik des Champagners darauf zuspitzt.

 

VI. 1969

Einwandfreie, sehr gut gelagerte Flasche, aber scheinbar kein wirklich ganz großer Dom. Unter der jungfräulichen Folie nur wenig Druck, kleiner Korken, eine etwas zu verschlossene Art, als habe da jemand sich einfach überschlafen. 1969 ist ein Jahr, das noch sehr muntere Champagner bringen kann, daher fand ich es etwas schade, von diesem Dom nicht mehr gezeigt zu bekommen. In der Nase ein den Toast überwiegender mineralischer, aristokratischer, aber auch ziemlich unzugänglicher Eindruck. Im Mund seltsam hohl, nicht, dass er überhaupt nach nichts geschmeckt hätte, aber eben auch nicht besonders elegant, auch nicht besonders typisch, sondern einfach nur wie ein sehr guter, aber nicht überragender alter Champagner.

 

VII. 1970

Ich hielt 1970 immer für ein völlig belangloses Jahr und wurde erst sehr spät wachgerüttelt. Offenbar sah man das nämlich in den späten 70ern und 80ern durchaus anders, denn viele 1970er begegnen einem heute nicht mehr. Sie werden anderen geschmeckt haben. Sehr gut geschmeckt hat auch der 1970er Dom. Vor allem, da ich damals gar nichts davon erwartet habe. Aber was war das für ein fröhlicher, saftiger, rundum aufgeräumter Champagner, fast schon zu lebensfroh für einen Dom, dessen Stilistik doch eher elegant als zupackend trinklustig ist.

 

VIII. 1971

Aus den Siebzigern nach meiner Ansicht einer der schwächeren Doms, vom 78er mal abgesehen. Ich kenne den 71er nur als schon ziemlich fertigen, zwar noch walnussigen, aber mehrheitlich maderisierten, günstigstenfalls "leckeren" Champagner, wobei lecker hier im Gegensatz zum 66er nichts weiter bedeuten soll, als dass er sich bedenkenlos wie Apfelsaft trinken lässt und auch höchstens so viel Aufmerksamkeit verdient. Aus diesem Jahr lohnt es sich eher, die deutschen TBAs zu kaufen.

 

IX. 1973

Das nun wieder ist großer, ganz großer Champagner! Vielleicht war der 71er vor fünf bis zehn Jahren mal so. Beide schmecken esentlich jünger als der 66er, mit einer Kraft, mit einem Ausdruck, mit einer Gewandtheit, die besonders beim 73er begeistert. Wüßte ich es nicht besser, ich hätte nicht auf 73 getippt. Der Champagner wirkt gut und gerne fünfzehn Jahre jünger, wie ein guter 89er oder 90er, nur mit mehr Tiefe, dafür weniger Druck. Hier findet sich die einmalig schöne Balance aus reifem Chardonnay und Pinot, die großen Champagner ausmacht. Reife Säure, zarter, fast milchschokoladiger Schmelz, Kräuterbonbons, dunkler Kandis, Earl Grey. Im Mund nicht pappig, klebrig oder mühsam zu schlucken, wie man das schonmal bei altem Wein haben kann, sondern ein Champagner, der wie ein Nebel die Kehle herunterwandert.

 

X. 1975

Kork.

 

XI. 1976

Auch der 76er Dom ist ein herrliches Gewächs. Leider habe ich den nie zusammen mit dem 73er getruken, aber ich stelle mir vor, dass die beiden bei allen Unterschieden doch nicht leicht auseinanderzuhalten sind. Beide sind kraftvoll, jugendlich, auch etwas ungestüm, der 76er vielleicht mit etwas mehr Kohlensäure und Knackigkeit, aber ich würde sagen, nur um wenige Nuancen mehr. Toastbrot, Brotrinde, auch eine kalkige Nase findet sich da, roter Johannisbeersaft, kandierte Orangenschalen, kurz: ein Champagner, der noch immer nicht ganz ausgereift ist und noch eine ganze Weile bezaubern wird.

 

XII. 1978

Schwaches Jahr, schwacher Champagner, so scheint's, auch wenn es Varainzen nach oben hin geben mag. Mich hat der 78er leider nicht begeistern können. Unbegreiflich vor allem, warum es einen 78er, aber keinen 79er Dom gibt.

 

XIII. 1980

Nett, aber nach zwanzig Jahren nicht mehr so überzeugend, wie vielleicht während seiner ersten Reifephase. Die Flasche war vielleicht nicht völlig einwandfrei gelagert worden, ich habe auch nicht so wahnsinnig viele 1980er Champagner getrunken, aber ich habe den Eindruck, dass das Jahr einfach nicht für die Ewigkeit angelegt war. Wahrscheinlich einer der Doms, die wie 98, 99, 00 in den ersten fünf bis sieben Jahren passabel schmecken, einen dann im Ungewissen über ihr Potential lassen und dann urplötzlich tot sind.

 

XIV. 1985

Champagner von der strukturierten, architektonisch gegliederten Sorte. Mir fehlt da der Zauber, das überirdisch Leichte, die schwebende, schwerelose Aromatik.Ich glaube auch nicht, dass sich bei diesem Dom noch viel tun wird, dafür ist er einfach zu schwer und in diesem Alter verliert ein Champagner keinen Geschmacksballast mehr. Alles in allem natürlich ein guter Champagner, der sich aber zu Doms aus besseren Jahrgängen verhält wie eine Schwarzbrotstulle zu Pain Poilâne.

 

XV. 1990

Einer meiner Lieblingsdoms, leider habe ich den Eindruck, dass mit den Neunzigern auch die Zeit der viel zu vielen unnötigen Jahrgänge anfing, die Zeit der abnormen Flaschenvarianzen und der Unbeständigkeit. Gleich mehrfach erlebt habe ich das beim 90er, der in guter Form zur ersten Garnitur der Champagne gehören kann, der aber aus welchen Gründen auch immer dazu neigt, eng, "nur" zitrusfrisch und apfelig und, ohne Verdacht auf Korkschleicher, seltsam eindimensional zu schmecken. In Hochform der Archetyp eines ausbalancierten Jahrgangschampagners. Die Besonderheiten des Jahrgangs schmecken durch, aber der ätherische, mühelose Hausstil bleibt federführend. Für mich ein Champagner, der sich wie Sauerstoff verhält, zum weginhalieren.

 

 

XVI. 1990 Oenothèque, dég. 2003

Im Herbst 2009 getrunken, zeigte sich die Oenothèque in Topform. Bei späten Dégorgements stehe ich oft vor dem Problem, dass die Champagner nach der Freigabe schneller altern, als ihre regulär freigegebenen Pendants, so als müssten sie die Flaschenreife ihrer Jahrgangskollegen aufholen. Diese Oenothèque war von wundervoller fester Crèmigkeit, reifem Toast und heißem Butterdurft, einer entfernten Ahnung von Jod und Pilzen, roten und grünen Äpfeln, Preiselbeere, ein ganzes Erntedankfest könnte man meinen. Im Mund mit einer Säure in den besten Jahren, langem, varianten- und finessereichem Gaumenzauber und einer abschließenden Süße, die ahnen lässt, dass der Champagner demnächst in sein letztes Reifestadium eintreten wird.

 

 

XVII. 1975 Rosé

Leider kenne ich den 75er Dom in weiß aus eigener Verkostungserfahrung nicht anders, als korkig. Der Rosé aus dem selben Jahr hingegen war ein sehr ordentlicher Vertreter. Alte Rosés sind ja oft so eine Sache, wenn zu viel Pinot im Spiel ist, werden sie schnell etwas streng, wenn zu viel Chardonnay drin ist, verlieren sie mit der Roséfärbung auch ihren speziellen Charakter. Bei diesem begann der Pinot die Oberhand zu gewinnen, die feinen nussigen und toastigen Aromen wurden mehr und mehr von kräftig rotftuchtigen Pinottönen verdrängt und mussten sich mit Luftzufuhr der Waldbodenaromatik beugen. Insgesamt eine immer noch sehr schöne Trinkerfahrung, aber die jüngeren Rosés gefallen mir meist besser.

 

 

XVIII. 1985 Rosé

So uninspiriert und routiniert der weiße 85er Dom war, so verspielt, künstlerisch, aber eben nicht artifiziell war der Rosé. Himbeer-Erdbeer, Kirsche, ein Schokoladenunterton, saftiges, frisches Früchtebrot, insgesamt ein Duft wie in der Confiserie. Im Mund läft Druckwelle über Druckwelle gegen den Gaumen, darauf surfen halsbrecherisch die einzelnen Komponenten im Wettstreit gegen die nonchalante Säure. Vielleicht einer der besten Doms die ich je getrunken habe.

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Krug: Clos du Meunier in Aussicht?

Nach dem legendären Blanc de Blancs Clos du Mesnil (der Eigentümer Julien Tarin hat die Parzelle 1973 an Krug verkauft, deren Jungfernjahrgang von dieser Anpflanzung war der 1979er Clos du Mesnil) hat das Edelhaus jüngst einen Blanc de Noirs Clos d'Ambonnay (100% Pinot-Noir, Jungfernjahrgang 1995, Nachfolgejahrgang 1996 wird Anfang 2010 erwartet) herausgebracht. Und dieser Weg wird konsequent weiter beschritten: Offenbar plant man bei Krug, einen dritten "Clos" herauszubringen – und zwar einen 100% Pinot Meunier. Krug gehört zu den wenigen Häusern, die in ihren Spitzenchampagnern Meunier verwenden, insofern wäre es höchst wünschenswert und lehrreich, einen reinen Meunier von Krug zu trinken. Wenn sich der Preis indes ebenso konsequent nochmals verdoppelt, gibts im Marnetal natürlich auch viele andere hübsche Alternativen aus 100% Pinot Meunier.

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Bochum kulinarisch als Kulisse für das Champagnerleistungszentrum

I.1 Charles Lafitte Brut,

40PN, 20PM, 40CH.

Einfacher, kurzer, etwas herber Champagner – kein Ruhmesblatt für Vranken-Pommery und um Welten schwächer als der Jahrgangslafitte. Konnte zum Weißen Wels mit Paprika-Schalottenconfit und Sesamkartoffeln nicht überzeugen und musste sich klaglos dem routiniert auftretenden Lanson Black Label geschlagen geben.

 

I.2 Jacquesson Avize Grand Cru 1996

Den Champagner fand ich wiederum sehr anstrengend und noch völlig unreif; der 97er hingegen wird, wie die meisten seiner Jahrgangskollegen, viel Freude bereiten. Paprika-Schalottenconfit und selbst pure Knoblauchmarmelade sind für ihn keine gastronomischen Herausforderungen. Der Wels ist ein angemessener Partner für diesen herrischen Champagner.

II.1 Lanson Black Label

Zuerst bekam ich den Haussekt eingeschenkt, der aber sowas von pappsüss war, dass ich den Irrtum schnell reklamierte und einen Essensgutschein für das Versehen erhielt, was mich versöhnlich stimmte – schmeckte ausgemacht gut und sauber, riss mich zwar nicht um, vertrieb aber die letzte Klebrigkeit, die von der zuvor eingeworfenen Känguruh-Currywurst am Gaumen geblieben war.

 

II.2 Franck Bonville Avize Grand Cru

Kam mir etwas holzig daher, schmeichelte aber dann doch noch mit angenehmer Apfelnote. Sehr interessanter Kontrast zum Lanson Black Label, der etwas einschüchternd mit seiner fordernden Säure wirkte. Die hätte er für seinen Kontrahenten gut gebrauchen können. So ist er zwar jetzt besser und angenehmer trinkbar als der 96er Jacquesson, nur auf lange Sicht wahrscheinlich unterlegen.

 

III. Veuve Clicquot La Grande Dame 1998,

64% Pinot Noir, 36% Chardonnay.

Zum guten Abschluss bedard es immer eines würdigen Vertreters.Die Grande Dame beginnt ihren Auftritt stark schweflig und wird erst mit 3,5 Stunden Luft überhaupt zugänglich, dann aber kommen Enthüllungen am laufenden Band, erst die zartfruchtige Nase, eine leicht röstige Würze und weisse Blüten, Himbeer- und Johannisbeerduft, getrocknete Blüten, Aloe Vera, Toast, Butter, das alles wie auf einem langsam drehenden Karussell in bunter Folge. Am zweiten Tag ganz ohne Schwefel und alle Aromen deutlich asugeprägter, klarer und gediegener, am dritten Tag Entfaltung der vollen Pracht, leider nur noch wenig Mousseux, aber ein vollmundiges, richtig gutes Geschmackserlebnis.

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Grand Chapitre d’Allemagne 2008 im Hotel Adlon Kempinski

A. Apéritif

I. Billecart-Salmon Brut Reserve en Magnum – sauberer, sehr fruchtiger Champagner mit hohem Meuniereinsatz (zur Zeit 27%) und hoher Speisenaffinität


II. Bollinger Special Cuvee – Pinotstark, harmonische Holznote, üppig, mit vielleicht in den letzten Jahren ganz leichter Tendenz, leichter und zugänglicher geworden zu sein

III. Deutz Brut Classic en Magnum – Stimmiger, ordentlicher Standardbrut, der sich sehen lassen kann. Im Gegensatz zu früher wirklich gut trinkbar, wenn man ihn nicht direkt nach dem Bollinger trinkt.

IV. Duval-Leroy Rosé de Saignée – Sauberer, stilistisch etwas strenger Champagner, den ich schon lange nicht mehr getrunken habe. Im offenen Vergleich sicher nicht herausragend, aber vom Portfolio des Hauses her sicher im Kontrast zum Lady Rosé zu sehen, der wiederum fast kitschig süß ist.


V. Moet et Chandon Grand Vintage 2003 en Magnum – Interessant, weil der Jahrgang so abgrundschlecht und sogar ganz katastrophal war. Nicht ganz so der Champagner, der von der Stilistik entfernt an den 2003 by Bollinger erinnert, im Vordergrund steht aber eine gewisse Müdigkeit und vorzeitige Reifetöne, ja fast schon UTA.

B. Menu
Tim Raue hat zusammen mit dem Adlonchefkoch Thomas Neeser dann dieses hier gekocht:


I. Langusten mit Foie Gras und grünem Apfel,

dazu de Saint Gall Blanc de Blancs Premier Cru 2002 en Magnum:

Eine an sich stimmige Komposition mit klug hinzukombiniertem Apfel, der die Foie Gras aber auch nicht leichter werden liess. Insofern wäre entweder eine kräftigere, auf Grand Cru Niveau spielende Cuvée oder ein Klacks frischer, säuerlicher Fruchtzubereitung, von mir aus auch etwas Aceto Tradizionale o.ä. nötig gewesen, um eine optimale Harmonie zu erreichen.


II. Loup de Mer auf Steinpilzmarmelade mit Sherryessig und Pata Negra Schinken,

dazu Taittinger Comtes de Champagne Blanc de Blancs 1998:

Leider zeigte sich der Comtes de Champagne etwas schwach auf der Brust. Die Speisen waren dagegen ausgezeichnet, kräftig gewürzt und lagen ganz in Erwartung dieses sonst zuverlässigen Prestigechampagners auf dem Teller, resp. glitten über die Zunge, als gälte es, ins Paradies zu gelangen. Der Comtes zeigte auch Andeutungen seiner Größe, war aber irgendwie nicht in Spiellaune. Insofern bringt ihm die dosagebedingte Gefälligkeit keine Pluspunkte, eher bin ich geneigt, für so etwas Abzüge zu verteilen, denn zuckroge Pampigkeit entspricht nicht der für Champagner dieser Größenordnung typischen, zum Leichtsinn zwingenden Lustigkeit.


III. Statt Spanferkelbäckchen in Kreuzkümmeljus mit Roter Bete, Grapefruit und Koriander mit Himbeergelee und dazu Champagne Krug – wie ursprünglich vorgesehen – gab es Kalbskamm und

dazu Veuve Clicquot Rosé 2002

Ein klarer Abstieg: das Kälbchen ist geschmacklich leider keineswegs so breitschultrig, wie es das Spanferkelbäckchen gewesen wäre, insofern empfahl es sich nicht, im Tim Raueschen Geschmacksüberschwang freigebig zu würzen. Die Koriandersauce passte schon ausgezeichnet zum Kälbchen, die Bete ebenfalls und alles zusammen war mutig und wurde belohnt, denn der enge, flache, aromatisch strenge, unverspielte und sehr spröde Veuve Rosé passte, wenn überhaupt zu irgendetwas, dann nur zu diesem Gang.


IV. Als Abschluss gab es Rohmilchkäse von Maître Antony, Chutneys und Marmeladen ohne Ende und einige Desserts wie Ingwer-Tapioca Crème Brûlée, Kir Royal Dessert, Kirschtörtchen, Feigenküchlein mit Mandeln und Mascarpone, Vanille-Orange Topfennockerln, Quitten-Met Charlotte, geschmorte Boskoop-Terrine, Birnen Clafoutis, Fruchtsüppchen mit Kokos-Limonenschaum

dazu Pommery Louise 1998 und Lanson Ivory Label (demi-sec) 1989 en Magnum

Die Louise habe ich einfach so, unbegleitet getrunken, ich halte sie für einen Champagner, der nicht zu Süßspeisen passt und zum Käse ziehe ich demi-sec sowieso vor. Die feine Mineralität und den damenhaften, fin de siècle mäßigen Körper dieser begehrenswerten Dame sollte man sich pur zu Gemüte führen. Von ganz anderem Kaliber ist dagegen der Lanson. Ein ziemlich seltenes Kaliber zumal, denn wer macht schon Jahrgangs demi-sec? Und dann aus der Magnum, herrlich (zum Glück habe ich mir davon noch eine aufs Zimmer bringen lassen)! Ein Festival der Süffigkeit, anregende Säure gepaart mit saftiger, üppiger, dabei nicht übetriebener Süße, keine naive Bonbonaromatik, sondern gut abgelagerter Apfel, bzw. keine Lolita sondern ein ausgewachsener Vamp, der da lockt. Passte meiner Meinung nach am besten zum Käse, die Desserts habe ich wiederum überwiegend einfach so verputzt. Gut in Erinnerung geblieben ist mir die Kombination Lanson mit Creme Brûlée und mit dem Tropensüppchen, denn die Spuren von Ingwer gaben einen besonderen twist.

 

C. Ausklang
Zu den Zigarren von Davidoff, einer No. 2 und einer Semicorona hätte sich der vierzig Jahre alte Port von Rozès noch gut gemacht, mir hat aber der Duft genügt.
Dom Pérignon 2000 aus der Dom-Lounge im hauseigenen Club Felix konnte das dann auch nicht mehr steigern und schmeckte allenfalls gediegen.
Zurück in der Smoking-Lounge vom Adlon habe ich dann noch bis zum Frühstück den Davidoffstumpen zu Ende geschmökt und mir die Lanson Magnum dazu gut gefallen lassen (nicht alleine natürlich).

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