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Monthly Archives: Mai 2012

Artisan de Champagne: Marc Hebrart

 

Die amerikanische Version der Champagner von Hebrart trägt das Dégorgierdatum auf dem Rückenetikett – verständlich, seit der Wine Advocate keine jahrgangslosen Champagner ohne Dégorgierdatum mehr annimmt. Und gut so. Nur schade und unverständlich, dass Jean-Paul Hebrart als einer der geschätztesten Winzer in Mareuil das nicht bei allen Märkten so praktiziert.

1. Sélection

65PN aus Mareuil-sur-Ay 35CH aus Chouilly

Sehr easygoing, trotz seines bedeutenden Pinotanteils überwiegend apfelig und so angenehm kühlend, wie Quarkwickel auf verbrannter Haut.

2. Special Club Premier Cru 2006 en Magnum

55PN aus Mareuil-sur-Ay 45CH aus Oiry und Chouilly

Gerbender, ernster und herber als der Sélection, ein Champagner, der seinem Special Club Classement etwas bemüht gerecht zu werden versucht.

3. Rive Gauche/Rive Droite Grand Cru 2005

50CH aus Oiry und Chouilly 50PN aus Ay, mit 4 g/l dosiert.

Die eigentliche Prestigecuvée von Hebrart. Gezuckerte Erdbeere, Maraschinokirsche, Johannisbeersorbet, das knisternd in den unanständigen Teil des Abends überleitet.

Artisan de Champagne: Alfred Gratien

Nicolas Jaeger beantwortete geduldig alle Fragen die mir zur Cuvée Passation, anlässlich der Stabübergabe von Vater zu Sohn Jaeger herausgegeben, einfielen, und ließ sogar den Paradis Vin Clair 2011 probieren.

1. Brut Classic

44CH 44PN 12 PN, Vinifikation im Holzfass, kein BSA, anschließende Lagerung im Fuder.

Balanciert zwischen Holz und Säure, dabei von eher erfrischendem Charakter, wegen der frechen Äpfelsäure.

2. Millésime 1999

65CH 18PM 17PN. Reift unter Naturkork; Handdégorgement, mit 7-8 g/l dosiert.

Deutlich holziger als der Brut Classic, aber nicht überholzt, wurde wohl erst kürzlich dégorgiert (habe ich vergessen zu fragen), war nämlich noch nicht so weich, voluminös und einnehmend wie einige im Herbst 2011 getrunkene Flaschen.

3. Cuvée Paradis

70CH 30PN, 2005er Ernte.

Haselnuss und Mandelgebäck täuschen nur oberflächlich darüber hinweg, dass hier ein Champagner in Lauerstellung auf den richtigen Augenblick wartet, wie ein Eisvogel, kurz bevor er sich einen Fisch aus dem Teich holt. Hochkonzentriert, mit angespannten Muskeln, fertig zum Sprung. Physalis, Lime Juice, Tonic Water.

4. Brut Classic Rosé

Brut Classic mit 8% Vin Rouge de Bouzy.

Weinbergspfirsich, mit Himbeergeist angeschwipster Pfirsich Melba. Wieder so ein Champagner, der unter dem Radar fliegt, den kaum einer spontan benennen würde, wenn er nach einem richtig guten Rosé gefragt werden würde, der aber für mich einer der zuverlässigsten (Mittel-)Großhaus-, bzw. maison familiale Rosés ist.

Artisan de Champagne: Gonet-Médeville

Xavier Gonet und Julie Médeville ste3cken seit 2000 hinter dem Doppelnamen aus Bisseuil in der Grande Vallée de la Marne. Insgesamt bewirtschaften die beiden 12 ha mit 5 Premier Crus und 3 Grande Crus.

1. Tradition Premier Cru (Extra Brut)

70CH 25PN 5 PM, kein BSA, mit 6 g/l dosiert.

Fesch wie ein k.u.k-Leutnant in Ausgehuniform, wenn's drauf ankommt mit dem schneidigen Auftreten eines preußischen Ulanen. Sehr viel Zitrone. Gefiel mir nach vorangehend augiebiger Verkostung und ermattetem Gaumen strahlend gut. Ein ähnliches Erfolgsrezept hat übrigens der ebenfalls aus Ambonnay stammende Champagne H. Billiot mit seiner – mittlerweile soweit ich weiß weitestgehend von ihr selbst verantworteten – Cuvée Laetitia. Am Ambonnay-Chardonnay muss also was dran sein.

2. Blanc de Noirs Premier Cru (Extra Brut)

100PN, 30% altes Holz, kein BSA, mit 6 g/l dosiert.

Weicher, süßer, reifer war der Blanc de Noirs und damit die Paradedisziplin des sympathischen Erzeugers. Für mich hätte er etwas weniger Dosage oder mehr Flaschenreife haben dürfen. Eine Woche später zeigte sich diese strukturelle Schwäche im direkten Vergleich mit dem reinsortigen Meunier von Egly-Ouriet, der ein höheres Tempo und einfach mehr Dampf vorlegte.

3. La Grande Ruelle Ambonnay Grand Cru 2004 (Extra Brut)

100PN, 100% altes Holz kein BSA, mit 3 g/l dosiert.

Ein prickliger, an Orangina erinnernder Champagner voll kindlichen Übermuts auf der einen Seite und einer an reifen Dom Pérignon erinnernden Toast- und Pilzigkeit auf der anderen Seite. Gäbe es ein Sandwich mit Foie Gras, Trüffelsauce und englischer Orangenmarmelade, wäre dies der einzig passende Champagner dazu. Hat mich sehr berührt.

4. Coteaux Champenois Rouge d'Ambonnay

Den Vogel schoss aber, und das ist mehr als ungewöhnlich, der Rotwein von Gonet-Medeville ab. Eigentlich hätte ich mich ja schon drauf einstellen können, nachdem ich die roten Weine von Nicolas Rossignol (Volnay) und Gonet-Medeville geschätzt zu gleichen Teilen in den Händen der verschiedenen Winzer sah, die sich zwischendurch immer wieder mal einen Schluck Stillwein statt des obligatorischen Champagners genehmigten. Dass aber ein dermaßen starker Rotwein ins Glas käme, habe ich nicht vermutet. Veilchen, Tellycherry-Pfeffer, Kirsche, Aronia, viel Grip, null Luftton, samtig und weich, ein Mordsvergnügen, dieser Wein. Und das will einiges heißen, denn die stillen Roten der Champagne stehen selbst bei eingefleischten Champagne-Fans nicht im Ruf besonderen oder auch nur gehobenen Gaumenkitzels.

Artisan de Champagne: Pierre Gerbais

 

Aube. Stahltank. Weißburgunder. Pascal Gerbais verfügt über einen für Champagnerverhältnisse gewaltigen Bestand – alter! – Weißburgunder, gepflanzt 1904.

1. Cuvée de Réserve

60PN 40CH, 2008er Basis, mit 5 g/l dosiert.

Aus dem als plumper Bauerntrunk verkleideten Champagner wird mit etwas Luft der reinste Roadrunner. Verblüffende Mischung aus gekonnter Knackigkeit und moderater Komplexität mit langem Untehaltungswert.

2. N.N. Zéro Dosage

100PN, 2008er Ernte, 11 mg/L Schwefel total.

Eindimensional, hart und kurz. Wirkt auf mich nicht offensichtlich fehlerhaft, insbesondere nicht korkig, sondern einfach nicht sehr gelungen.

3. L'Originale Les Proies

100 Pinot Blanc, 2007er Ernte, mit 5 g/l dosiert.

Pascal Gerbais hat 4ha mit Pinot Blanc, das sind ziemlich genau 4% des Gesamtrebbesitzes dieser Rebsorte in der Champagne, die sich damit in seinen Händen befinden. Räucherspeck, Leberwurst, Apfel-Zwiebel-Stückchen. Nicht sehr lang, stark raumfordernd im Mund und sättigend.

4. Rosé

Assemblage aus Cuvée de Réserve und 12% Coteaux Champenois Rouge, mit 8 g/l dosiert. Unmittelbar nach der prise de mousse Lagerung sur pointe.

Der Aufwand lohnt sich. Der Rosé ist meiner Meinung nach Pascal Gerbais' bester Champagner. Buttrig, weinig, mit rotfruchtigen Noten, wie beim Abendbrot in Juan-les-Pins, wo ich als Austauschschüler gern den einfachen Roten mit ein paar reingeschnittenen Nektarinenspalten verzehrt habe, bevor es zur weiteren Abendgestaltung an den Strand oder auch mal nach Antibes hinein ging.

Weinbergsausflug mit den Champagne-Winzern (II/II)

Weiter ging's mit überwiegend stillen Champagne-Weinen, die zum zweiten Tel des Essens geöffnet wurde, einer sehr zünftigen Erntehelferspeise.

10. Pascal Docquet, Coteaux Champenois Le Mesnil Coeur de Terroir 2009

Ein weich geratener Chardonnay aus Le Mesnil, der wie Anfängerchablis schmeckt.

11. Horiot, AOC Rosé des Riceys "En Barmont" 2004

Eine Fruchtbombe, zur Boudin Noir und Schweinebauchstücken vom Grill fast nicht zu schlagen, trinkt sich jetzt perfekt und kann auch völlig ohne Begleitung aukommen.

12. Henri Goutorbe, Coteaux Champenois Ay Rouge

Ziemlich üppiger, etwas schwarzpfeffrig schmeckender Rotwein, der sich vor allem zum Essen empfiehlt.

13. René Geoffroy, Coteaux Champenois Pinot Meunier Cumières Rouge 2008

Ungeklärt, unfiltriert, der zweite Jahrgang nach dem Jungfernjahrgang 2004. Tulpenblütendurft. Vorrangig sauer, dann auch noch dünn, malzig, pflanzlich.

14. R. Pouillon, Coteaux Champenois Mareuil Premier Cru Rouge 2007

Beifuss, Pfeffer, Mehl. Panierte Gänsekeule könnte man damit runterspülen, die deutliche Säure des Weins würde dabei als große Hilfe dienen. Solo ist der Wein nichts für mich.

15. Léclapart, Coteaux Champenois Trépail Premier Cru Rouge 2002

Noch ein Säuerling, wenngleich gemäßigter als seine Vorgänger, mit fleischigem Aroma, gebratener Erdbeere, Morcheln. Kraftvoller und konzentrierter auch, als seine drei Vorgänger.

16. Lahaye, Coteaux Champenois Bouzy Rouge 1999

Veilchen, Lakritz, Cassis. Süße Reife, angestaubter Liebstöckel, im Mund noch sehr alert, obwohl eine Spur phenolisch anklingender Möbelpolitur dabei ist, die mich aber bei einem Coteaux dieses Alters nicht stört.

17. Bedel, Entre Ciel et Terre Brut 2002

100PM.

Zimthonigeis, Lebkuchenparfait, passte sehr gut zu einem nicht weiter definierbaren leicht salzigen Käse, auch zum Chaource sehr gut und ganz überragend, ja traumhaft gut zu einem 24 Monate alten Comté.

18. Hubert Paulet, Coteaux Champenois Pinot Noir 2004

Vinifiziert im Eichenfass. Angeflämmte Kräuter, Hummerbutter. Nicht so recht die Aromen, die ich in einem Pinot Noir erwarte. Wohl fehlerhaft.

19. Agrapart, Minéral Extra Brut 1992, dég. 2002

Stahltank. Wirkte mit seinen 5 g/l sogar schon hoch dosiert, machte aber noch einen jungen Eindruck, mit Quitte und sehr reifer Aprikose. Ließ mich trotzdem nicht jubeln.

20. Chartogne-Taillet, lieu-dit Orizeaux Extra Brut 2003

100PN, mit 10 g/l dosiert. Apfel, Rhabarber, Rote Bete. Die anfangs sehr prominente Säure wird behutsam von einer aus der Tiefe kommenden, d.h. gut integrierten Süße abgelöst.

21. Franck Pascal, Cuvée Prestige Brut 2003 en Magnum

Flacher, simpler, nicht so reif und aromatisch nicht so präzise wie der Orizeaux. Vielleicht liegt das am Flaschenformat.

22. Vincent Couche, Sensation 1997 en Magnum, frisch dégorgiert (3 Tage)

CH aus Montgueux und PN aus Buxeuil, mit 8 g/l dosiert.

Pushende, weckende Säure, wie eine von vorn in die Zungenspitze hineingedrückte Kanüle. Trotz Diam-Mytik ein leichter Muffton, der mich auch deshalb an einen Korkschleicher denken ließ, da ich sonst nicht sehr viele Aromen bemerkt habe.

23. Lahaye, Tres Vieux Marc de Champagne, Bouzy 1967

Ein Schnaps, der Kaffee und Kaminfeuer ersetzt.  

Weinbergsausflug mit den Champagne-Winzern (I/II)

 

Am Vorabend der Terres et Vins de Champagne organisierten die rührigen Winzer eine Minirundreise durch die Champagne. Da der Schwarzriesling eine immer noch unterschätzte Rolle in der Champagne spielt, lag es nahe, sich bei der Tour an dessen Wurzeln zu heften. Der erste Teil des Ausflugs drehte sich deshalb um Pinot Meunier, seine Eigenheiten und bevorzugten Standorte.

1. Laherte, Pinot Meunier 2011

Gepflanzt 2001 in Chavot, lieu-dit Les Vinages, rechts vor der berühmten und vielphotographierten Kirche von Chavot. Im alten Holz mit BSA vinifiziert. Mild, aber nicht lasch, finessereich und nussig, leicht, mit Birne und Litschi.

2. Laherte, Pinot Meunier 2011

Gepflanzt Mitte der Siebziger in Chavot, nur wenige Meter von der Kirche entfernt, auf der anderen Straßenseite, wo der Boden eine dickere, dunklere Deckschicht hat; identische Vinifikation, aber intensivere, strengere, konzentriertere Aromatik.

3. Bérèche, Pinot Meunier 2011

Leuvrigny, Barrique, Bâtonnage, kein BSA. Wenn man von Chavot aus nicht in die Côte des Blancs fährt, sondern über St. Martin d'Ablois durch den Wald in Richtung Marne, dann landet man in der zweiten Reihe hinter den direkten Marneanliegern. Dort fühlt sich der Schwarzriesling säuisch wohl, bleibt schlank, wird aber rassiger und gewinnt dezent Muskelmasse.

4. Bérèche, Champagne Rive Gauche

100PM, 2008er lieu-dit Les Misy, mehr als vierzig Jahre alte Reben.

Orangenmarzipan, kandierte Rosenblüte und kandierte Mango/Papaya/Ananas, Cashewkerne, sanfter Druck wie bei einer schnellen Kurvenfahrt im fahrdynamischen Multikontursitz der neueren S-Klasse Modelle.

5. Tarlant, La Vigne d'Or Brut Nature 2002 dég. à la volée sur place

100PM aus der Lage La Pierre de Bellevue. Eisenhart und stahlig, mit etwas Fenchel und Honig; für einen reinsortigen Pinot Meunier sehr unkommunikativ, ein regelrechter Einzelkämpfer. Das dürfte der Grund dafür sein, dass Benoit ihn solo vinifiziert hat, für eine Cuvée ist der nicht nichts. Wird sich mit etwas Dosage und Flaschenreife sicher genauso liebenswert zeigen, wie der Jungfernjahrgang.

6. Tarlant, La Vigne d'Or Extra Brut 1999

100PM aus der Lage La Pierre de Bellevue. Kräuter sind drin, viele Kräuter. Und Heidelbeeren. Wie das schmeckt (nicht wie Echt Stonsdorfer jedenfalls)! Mit viel Luft entwickelt sich der Champagner in eine medizinische, thymian-rosmarinige Richtung.

Mit den drei folgenden Champagnern wurde dann das Präabendessengrillen eingeleitet.

7. Marie-Courtin, Efflorescence Extra Brut (Brut Nature)

100PN in gebrauchten Barriques mit weinbergseigenen Hefen vinifiziert und zur zweiten Gärung gebracht.

Seit 2005 ist Dominique Moreau, jüngster Neuzugang im Club der Terres et Vins de Champagne Winzer, Herrin über 35 bis 40 Jahre alte Reben aus Massenselektion, seit 2007 arbeitet sie biodynamisch. Darüber kann man schmunzeln und streiten, über die Champagner nicht. Die sind schlank bis drahtig, rotfruchtig, etwas apfelig, mit einer Mischung aus gtrockneter Aronia, Acaibeere, Kumqat und Sauce Griottine. Dabei gestählt wie klassischer Chablis; wenn er aus dem Fruchtfleisch in den nächsten drei bis fünf Jahren etwas macht, könnte das ein richtig großer Champagner werden.

8. Francis Boulard Extra Brut 2005, dég. 9. Dezember 2011

50CH 30PN 20PM, 30 Jahre alte Reben, spontan mit weinbergseigenen Hefen vergoren, im kleinen Eichenfass vinifiziert, dosiert mit 3 g/l.

Gesalzene Mandeln, Früchtebrot, Feigen, Datteln, Backpflaumen; wenig Säure. Da hatte sich noch nicht alles an seinem Platz befunden, in einem Jahr wissen wir mehr.

9. Jeaunaux-Robin, Rosé de Saignée Brut

100PM aus Talus-St.-Prix, durchschnittlich ca. 30 Jahre alt, 2008er, im 228-Liter Fass vinifiziertmit 8 g/l dosiert. Mandelgebäck, Nektarine, frisches, warmes Apfelmus. Macht Freude.

Artisan de Champagne: Champagne Doyard, Yannick Doyard

 

 

1. Oeuil de Perdrix 2007

75PN 25CH, der Pinot aus Ay war im Holz, der Chardonnay kennt nur Stahltanks.

Kräftiges, zugpferdartiges Auftreten, leicht gerbend, ungewöhnlich fordernd für einen Wein mit so zarter Farbe, bei dem man eher ein prinzesschenhaftes Schäumerchen erwarten würde, wäre man nicht von den sehr ernt zu nehmenden ODPs anderer Erzeuger hinreichend gewarnt und vorgeprägt. Unter den Champagnern dieses Stils ist der von Doyard trotzdem ein besonders charakteristischer Wein.

2. Cuvée Vendémiaire Blanc de Blancs, dég. November 2011

2006er Ernte zur einen, 2005 und 2004 zur anderen Hälfte, die eine Hälfte der Cuvée wiederum war im Holz, die andere nicht. Keine Bâtonnage, teilweise BSA.

Herzhaft, mit nicht ganz so viel Säure, wie ich es von seinem Vorgängermix in Erinnerung hatte, dafür mit einer etwas öligen Textur, die ich aber nicht unangenehm fand, da sie dem Champagner etwas Gehaltvolles gab und gut zu seinem weichen Eindruck passte.

3. Cuvée de l'An I Blanc de Blancs 2004

Komplett im Fass vinifiziert, reiner Vertuschardonnay.

Mein Favorit von Doyard, merklicher Holzeinfluss, etwas Sauerrahmbutter; die forsche, nach vorn drängende und ungeduldig von vorn zu sich heranziehende Art hat er vom ODP, das retardierende Moment teilt er mit dem Vendémiaire, ohne dessen stärker abbremsenden Extraktreichtum.

Artisan de Champagne: Champagne Dehours & Fils, Jérôme Dehours

 

Jérôme Dehours gehört zu den Winzern mit Solera-Champagner; der Trio S greift auf eine 1998 angelegte reserve perpetuelle zurück. Die drei folgenden Champagner nicht. Das sind Einzellagenchampagner von teilweise vierzig Jahre und älteren Anlagen. Rebsortenrein im Fass gewesen, gibt es sie nur in kleiner Menge, zwischen 2000 und 3000 Flaschen pro Sorte.

1. Lieu-dit Les Genevraux Extra Brut 2005

100PM

Brotig, mit Brie-Rinde, Birne, Rosmarin; noch sehr jung. Saftig, für meine Begriffe etwas eckig und unbeholfen, ich gehe aber davon aus, dass sich das mit etwas Flaschenreife legt.

2. Lieu-dit Maisoncelle Extra Brut 2004

100PN

Kirsche, Aronia, Jod. Weinig, substanzreich und gut. Für mich der unentschiedenste unter den Einzellagenchampagnern von Dehours, oder der mit der größten Schwankungsbreite.

3. Lieu-dit Brisefer Extra Brut (Brut Nature) 2003

100CH

Rassig, räucherig, mit Speck, Kraft und Säure. Wirkt wie drei gleichzeitig gerauchte Mentholzigaretten aus dem Osten Europas nach einem längeren Zeitschwimen. Mein Favorit aus der Einzellagenkollektion von Jérôme Dehours.

Jahrgangsinspektion bei Piper- und Charles Heidsieck (II/II)

Zum Abschluss der Verkostungsreise gab es die gerade erst zur zweiten Gärung in der Flasche angesetzte Assemblage 2011 des Piper Heidsieck Brut und die schon in Flaschen befindliche Assemblage 2010 des Charles Heidsieck, dessen 2011er Assemblage noch nicht endgültig feststeht und deshalb nicht probiert werden konnte. Das, was bei den Vins Clairs an vereinzelten Elementen und Eigenschaften herauszuschmecken war, zeigte sich nun in Summe. Der Geist des kupferrötlicher schimmernden Piper-Heidsieck gegenüber dem des tiefer gelbgoldenen Charles ist mir pikant-würzig vorgekommen, mit Apfel-Zwiebel-Confit, Mangochutney, viel blumigem Dekor und diskreter Säure. Kakaotrüffeliger, schmelziger und feinkörniger war dagegen der Charles, dem seine längere Standzeit natürlich zugute kam. Nahtlos angeknüpft haben wir die fertigen Champagner probiert, zu denen man nach einer solchen Studie ein ganz anderes Verhältnis gewinnt.

Die Champagner:

1. Piper-Heidsieck Brut

An die 100 Crus wandern in den Piperstandard, mit ca. 65% überwiegend Pinot Noir von der Aube und aus der Montagne de Reims. Chardonnay macht 15-20% aus, Pinot Meunier ca. 15%. Der Reserveweinanteil ist nicht so hoch, in der Vergangeheit war dafür auch gar nicht genügend Masse da; er liegt bei etwa 20%. Der Champagner ist fruchtig, entwicklungsfreudig, mit Aromen von Palmiers und Croissant, etwas Birne und nordeuropäischem Obst. Die hochsommerliche Blumennote, die ich bei den Grundweinen immer wieder wahrgenommen habe, fand ich beim Champagner nicht mehr so deutlich, aber immer noch in zarter Ausprägung wieder.

2. Charles Heidsieck Brut

Drittelmix mit ca. 40% nicht nur jungem Reservewein, mit 11 g/l dosiert. Exakt gleiche Vinifikation wie Pipers Standadrbrut und trotzdem ist das Produkt so völlig anders. Toffee, Buttercrème, südliches Obst, Aprikose, Mandelkerne., goldener Toast. Harmonisch, spätsommerlich.

3. Piper-Heidsieck Rare 2002

70CH 30PN, mit 11 g/l dosiert. Brotrinde und Malz treffen gelbe Kiwi und Ananas, torrefaction meets smoothie.

4. Charles Heidsieck Blanc des Millenaires 1995

100CH aus Cramant, Avize, Oger, Le Mesnil-sur-Oger und Vertus, dosiert mit ca. 12 g/l

Die Kulmination des Charles-Stils mit Stoßrichtung Burgund. Haferflocken und Aronia, eine Konditoreiauslage voll süßer Schweinereien, dazu ein erfrischender, die Süße vergessen lassender Schluck Tonic Water mit Yuzu im Hintergrund.

5. Piper-Heidsieck 2004

55PN 15CH 30PM.

Tonisch und athletisch, wie Régis eingangs bei den Montagne-Chardonnays bemerkte. Noch nicht sehr weit entwickelt, schmeckt der Champagner mit seiner milden Weizenkleiearomatik sogar irgendwie gesundheitsfördernd.

6. Charles Heidsieck Brut Vintage 2000

55CH 45PN, dosiert mit ca. 10 g/l.

Nach dem Blanc de Millenaires, der die Konsistenz von Kalbsbries hatte, wirkt der 2000er Vintage wie ein Stück gebratener Kalbsleber. Dichter, intensiver, gedrängter im Aroma, aber auch einseitiger, nicht so wechselspielbegabt. Trotzdem ein schöner Champagner, dessen erfrischender, fast minziger Ausklang überrascht und erfreut.

7. Piper-Heidsieck Brut Sauvage 1982, dég. Anfang der Neunziger

Was Überraschung und Freude betrifft, so hatte Régis mit diesem Schätzchen meinen Nerv genau getroffen. Eine vor kurzem getrunkene Scharzhofberger Spätlese 1991 von Egon Müller hatte dieselbe betörende ménage à trois von Süße, Säure und Firne. Pilz, Eukalyptus, weißer Pfeffer, saftiger Pfeifentabak, in der Ferne etwas Sherry. Wenn man bedenkt, dass dieser Champagner undosiert geblieben ist, damals keinen BSA durchlaufen hat und sich dann heute trotzdem noch so ultrafrisch präsentierte, kann man getrost die immer wieder aufkommenden Bedenken hinsichtlich der Reifefähigkeit von Brut Nature Champagner über Bord werfen und hinter sich lassen.   

Jahrgangsinspektion bei Piper- und Charles Heidsieck (I/II)

Bei Licht betrachtet ist die Grundweinprobiererei in der Champagne eine ziemliche Schinderei, das Zahnfleisch braucht nach einer mehrtägigen Säuretortur, wie sie jedes Frühjahr über Wochen hinweg unausweichlich ist, Wochen, um den ursprünglichen Stand wieder zu erreichen, vom Zahnschmelz ganz zu schweigen. Vin Clair schmeckt oft weder zauberhaft noch mystisch, oder lässt den ungeübten Betrachter gar einen Blick in die Zukunft werfen; mit dem Glaskugelblick hat ein Schluck Vin Clair vielleicht die teils noch milchige Farbgebung gemeinsam, oder den beißenden, schwefligen Geruch abgenutzter Jahrmarktgauklereien, Kinder und Tiere meiden ihn deshalb instinktiv. Trotzdem kommt es einem Privileg gleich, einen Blick in die Kinderkrippe des Champagners werfen zu dürfen und der schlummernden Säuglingsschar beste Anlagen zu- oder abzusprechen. Nach einem Verkostungstriathlon über drei Tage, bei dem die überragende Mehrzahl der fünfzig besten, in Frankreich und weltweit höchstgehandelten Winzerstars und -sternchen ihre 2011er und aktuellen Experimente vorstellten, habe ich den Blick zur Abwechslung und auf Einladung von Piper- und Charles Heidsieck in die dortige Gärküche geworfen. Régis Camus und Christian Holthausen empfingen in den noch gar nicht so alten Räumlichkeiten der Schwesterhäuser Piper- und Charles Heidsieck vor den Toren von Reims, unweit der ähnlich zweckdienlichen Anlage von Bruno Paillard.

Kellermeister sind eine sehr eigene Sorte Mensch. Oft eher nach innen gewandt, als persönlich geltungssüchtig, verstehen es die meisten von ihnen, mit dem Medienrummel, der von ihren Arbeitgebern entfacht oder befeuert wird, stoisch bis professionell umzugehen, ohne sich allzusehr mit den ihr Produkt bereffenden Werbeaussagen zu identifizieren, denn wenn überhaupt dann müsste ja umgekehrt ein Schuh draus werden, d.h. die Werbeaussage und im Idealfall die Medienberichterstattung müsste das, was der Kellermeister geplant und – natürlich bei den großen Häusern nicht aus alleiniger eigener Machtvollkommenheit, aber immerhin mit der ihm zukommenden natürlichen Autorität zumindest salviert – in die Welt entlassen hat, möglichst ohne Übertragungsverluste als das identifizieren, was es eben nach seiner Vorstellung sein soll. Und genau da drückt der Schuh am meisten. Die lautesten Krakeeler sind dabei die, die sich für ein Produkt starkmachen und ins Zeug werfen, das nach Möglichkeit ohne Marketingschiebereien auskommen soll, also für sich selbst steht und überzeugt. Dass das selbst beim marketingversauten Nischen- und meistmissverstandenden Luxusgetränk Champagner funktioniert, wird vor allem in Stunden, wie ich sie in Reims verbracht habe, klar.

Régis Camus, der vom Decanter so oft zum Sparkling Winemaker of the Year gekürt wurde, wie niemand anders sonst, erwies sich einmal mehr als aufgebuffter Didaktiker, nachdem er so oder so, wie bekanntermaßen alle großen Kellermeister der Champagne, über ein richtiggehend napoleonisches Strategieempfinden verfügt. Was man darüber und folglich über Piper- und Charles Heidsieck wissen muss, ist dabei weniger, dass beide eine glanzvolle Geschichte haben und, dies als echter geldwerter Tip, dass es sich unbedingt lohnt, alte Jahrgänge und sogar alte (d.h. vor Anfang der Achtziger) jahrgangslose Flaschen von beiden Häusern stets zu kaufen, wenn der Füllstand einigermaßen vertrauenerweckend ist; viel wichtiger ist die jüngere Kellermeister-Geschichte der beiden Häuser. Daniel Thibault, unbestritten einer der größten Kellermeister seiner Zeit, arbeitete wie sein Nachfolger Régis Camus für beide Häuser, sah sich aber nur Charles Heidsieck in puncto Qualität verpflichtet. Für Piper-Heidsieck, wo bis etwa 1991 konsequent der biologische Säureabbau vermieden wurde, blieb bei seiner Arbeit nur der Abfall. Als 1995 die neue Cuverie errichtet wurde, begann sich das langsam zu ändern. Weine werden seither rebsorten- und lagenrein vinifiziert, für Piper-Heidsieck wurde eine Reserveweinreihe eingerichtet. Den Schwerpunkt aller Bemühungen bildete trotzdem Charles Heidsieck. Als 2002 Daniel Thibault verstarb, übernahm Régis Camus das Ruder. Keine leichte Aufgabe. Charles Heidsieck lief, aber auf Kosten von Piper. Die knappen Ressourcen, die für Piper freigemacht werden konnten, nutze Régis klug und begann damit, die Flaschenreife von damals nur 18 Monaten schrittweise zu verlängern und schließlich auf 36 Monate zu verdoppeln. Der Start des unter seiner Führung entstandenen neuen Piper-Heidsieck Champagnes beginnt deshalb eigentlich nicht schon 2002, sondern erst im Jahr 2005. In der Zwischenzeit ist das Reserveweinreservoir größer geworden und die recht verschiedene Stilistik beider Häuser dadurch dauerhaft gesichert. Régis Camus wirkt durch seine Doppelverantwortung auf mich wie ein Musiker, der Geige und Bratsche mit gleichem Gefühl und derselben Virtuosität zu spielen vermag. Was, ganz ohne Bratscherwitz, selten ist.

Unsere Verkostung führte uns den Jahrgang 2011 in allen Farben vor Augen, bevor wir die Reserveweinjahrgänge hinabstiegen bis 1995.

Technisch betrachtet war das Jahr 2011 nicht schlecht, das bestätigten die ersten Schlucke sofort. Die Schwierigkeit des Jahres liegt nicht so sehr in seinem erfreulichen, vergleichsweise eiligen Reifeverlauf, sondern bei der problematischen Ernte. Piper und Charles werden den 2011er Jahrgang deshalb nicht deklarieren. Dafür ist er zu zwiespältig.

Die Chardonnays:

Régis Camus stellte zuerst die drei Säulen des Chardonnays vor, wie sie von ihm gesehen werden. Erst das Sézannais: Frisches Grün in der blumigen, pflanzlichen Grundnotierung, dazu kommen grünliche Obsttöne vom Apfel und sehr reifer Limette und im Gegensatz zur Côte des Blancs wirkt der Chardonnay hier nicht so abyssal mineralisch, sondern sachte und zeitlupenhaft. Villers-Marmery hatte danach einen mineralischen und zugleich belebenden touch, wirkte insgesamt geschlossener und gesetzter als der fruchtige und leichte Chardonnay aus dem Sézannais. Dann schnürten wir wieder etwas weiter runter nach Oger, wo uns Chardonnay von der Statur eines Pinots entgegenkam. Den konnte man ohne Vertun trinken, aber, und da beginnt es wirklich kitzlig zu werden, die Eignung für einen Jahrgangschampagner fehlte ihm nach Meinung von Régis. Das merkte ich erst anhand des zum Vergleich eingeschenkten 2004er Ogerchardonnays, der ebenfalls vom Tisch weg trinkbar, aber eben in allem besser war. So ist das also mit den Jahrgangsweinen in der Champagne, dachte ich mir noch, da erklärte Régis Camus schon, welcher der Chardonnays in welchen Champagner wandern würde. Der runde, feinfruchtige, blumig-elegante Chardonnay geht in den Charles Brut Reserve, weil er so eine delikate und verführerische Art hat, außerdem verwendet Régis ihn wie einen zusätzlichen Meunieranteil. Der Villers-Marmery ist ein klassischer Piper-Chardonnay und nach meiner Auffassung ist er das nicht zuletzt deshalb, weil er den Piper-Stil ohne BSA fortführt, wie Andreas Scholl den Kastratengesang, Régis Camus hält die Montagnechardonnays für reinsortige Athleten, die ihm teilweise etwas zu muskelbepackt vorkommen, aber wenn man das weiß, kann man damit gut arbeiten und am Ende wird darin vielleicht sogar das Geheimnis der Langlebigkeit manche Standardcuvée liegen, die sich zu guten Teilen aus der Montagne bedient; unnötig zu erwähnen, dass ich eine Schwäche für reife Piper-Heidsiecks hege. Der von mir schon für sehr gut gehaltene, aber nunmal nicht jahrgangstaugliche Chardonnay aus Oger wird als Reservewein für Charles dienen. Ok. Das gab mir ein allererstes Gefühl dafür, wie Régis Camus seine Champagner aufbaut.

Die Pinot Noirs:

Unter den großen Kellermeistern ist Régis Camus Aube-Pionier insofern, als er nie mit seiner positiven Meinung über das Aubeterroir hinter dem Berg, sprich der Montagne de Reims gehalten hat (die 2010er Pinots von der Aube gefallen ihm gar besser, als die Grand Crus der Montagne und der Grande Vallée de la Marne). Der von ihm vorgestellte Pinot aus Merville bewies, warum. Vollmundig, nur gegen Ende etwas hitzig, mit rotem Apfel und Himbeersauce, einer Reife und Eleganz, die es ihm nicht schwermachte, an den starken 2004er Oger anzuschließen und besser in der Probenfolge gar nicht hätte platziert werden können. Mächtiger türmte sich dann der Pinot aus Ambonnay auf, Struktur und eine hochklassige Säure, gravitätische Weinigkeit und Frucht, die wie in einer Monstranz zur Schau gestellt wurde. Für einen Jahrgang wäre der sicher geeignet, dachte ich mir, schon etwas vorsichtiger geworden, aber zum einen wusste ich schon, dass es keinen 2011er geben wird, zum andern ahnte ich, dass Régis das Showtalent des Ambonnay nicht überzeugt haben konnte. Wie zur Bestätigung brachte er dann einen 2002er Ambonnay ins Glas, der noch auf der Weinhefe liegt. Honig, Quitte, Schafwolle, Butter, Mandelkerne und das Gefühl, auf einer Landstraße im Burgund zu stehen. Das war also der nächste Hinweis auf das, was nach Régis' Meinuing jahrgangswürdig ist. Registriert. Den abschließenden Pinot aus Ay gand ich hart und etwas malzig, am ehesten erinnerte er mich an belgisches Kirschbier. Bei solchen Assoziationen war mir klar, dass es sich um einen Wein für Piper-Heidsieck handeln müsste, was Régis dann flugs bestätigte, bevor es weiterging.

Die Pinot Meuniers:

Ich will nicht sagen, ohne Meunier ginge es nicht. Man kann Pinot Meunier in seinen Standardbruts gut und gerne weglassen und trotzdem oder gerade dann einen guten Champagner bekommen. Man kann es aber wahrscheinlich leichter haben, Chardonnay und Pinot Noir einander anzunähern, wenn man Meunier als Scharnier, wo nicht Katalysator verwendet. Streng, trocken bis krachend und mönchisch fand ich den Pinot Meunier aus dem Massif St. Thierry, genauer: Merfy. Zwischen exotischer Blumenpracht und exotischem Fruchtaroma balancierte der Meunier aus Jouy-les-Reims. Animierend fand ich das und trank das Glas mit Freude leer. Danach kam der runde, schon sehr entwickelt wirkende Meunier aus Verneuil in der Vallée de la Marne. Dessen erwachsene, aber nicht strenge Art prädestinierte ihn für den Einsatz im Charles Heidsieck. Zum Abschluss der Rebsortengrundweine gab es einen 2004er Verneuil, der mit seiner rahmigen, crèmigen Art sofort meinen Zuspruch fand, aber auch merken ließ, dass da nicht mehr viel kommen dürfte.

Als erstes Schmankerl und wie zur Belohnung gab es dann einen Pinot Noir aus Verzy, 1998er. War der schön. Honig und Leinentuch, reife Süße, ein weingewordenes Idyll und reinste Landliebewerbung.

Es folgte eine Reihe reifer Cramantchardonnays, die sich gut anhand anderer Weingegenden charakterisieren ließ. Der überbordende und extravant fruchtig anmutende 1999er war am ehseten einem Alsace Grand Cru Riesling vergleichbar und hatte eine gewissermaßen schwere Süße, die ihm Bodenhaftung verlieh. Leichter, jugendlicher und schärfer geschliffen wirkte der 1998er, der ebensogut von der Loire hätte kommen können. Weit entwickelt und schon abflachend war der 1997er, einem abbauenden Chablis nicht unähnlich. Nobel und burgundisch war dann der den flight überragende 1996er. Lehrreich war an der Reihe vor allem, wie ausdrucksstark und vielfältig Cramant sein kann, da nimmt es nicht wunder, dass Magier wie Jacques Diebolt sich dort säuisch wohl fühlen und ich bedaure sehr, bei meinem letzten Besuch bei Sugot-Feneuil niemanden angetroffen zu haben.

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